Tag 344 – Gewaltige Worte. 

Es folgt: ein kleiner Abriss, wieso mir bei dem Satz „Erziehung ist Gewalt“ ein paar Synapsen abplatzen. 

Disclaimer: mir ist total egal, wie ihr eure Kinder erzieht oder eben nicht erzieht. Echt. Aber wer mir unterstellt, meinen Kindern Gewalt anzutun, dem möchte ich zumindest mal sagen dürfen, wie ich ‚Gewalt‘ für mich definiere. Das tue ich mit diesem Text. 

Zunächst einige Worte zum Hintergrund. Ein gegenwärtiger Trend unter den (Blogger-)Eltern scheint zu sein, nach dem Konzept „Unerzogen“ zu leben. (Jetzt höre ich sie schon wieder schreien, dass es kein Trend sei. Also gut, es gab vermutlich schon immer Leute, die so lebten. Früher hieß das mal antiatoritäre Erziehung oder Laissez Faire. Was natürlich was vöööööllig anderes ist, schon klar. Aber jetzt haben plötzlich viele von den unerzogen lebenden Muttis Familien Blogs. Wirklich jede Woche werden mir ein, zwei Artikel mit teils haarsträubendem Inhalt von mir bis dato gänzlich unbekannten Blogs in die Timeline gespült.) Unerzogen heißt, dass man nicht erzieht. Punkt. Gar nicht. Nein, auch nicht „Eis gibt’s nicht sieben mal am Tag“ oder „Wenn morgen Schule ist, geht’s vor Mitternacht ins Bett“. Aber auch kein „Schönes Bild hast du da gemalt“, denn auch Lob ist verpönt. Rituale und Routinen (je nach, wie soll ich es nennen, Extremismusgrad?) auch. Von Tadel, Drohung oder gar Strafe mal ganz zu schweigen. (Nachzulesen, wenn Sie’s auch nicht glauben können, zum Beispiel hier, aber ich übernehme keinerlei Verantwortung für die Folgen des Lesens!) Alle erzieherischen Maßnahmen werden als Manipulation eingestuft und mit Gewalt gleichgesetzt

Und *zack* Synapsen ab. 

Seriously? Erziehen = Manipulation = Gewalt?

Rituale = Manipulation = Gewalt???

Was für eine hirnrissige Definition von Gewalt ist denn das?

Ja, ich erziehe meine Kinder. Ja, ich lobe sie für (mir wünschenswert erscheinendes) Verhalten und besonders große Bemühungen. Ich tadele sogar manchmal. Ja, wenn mein Kind mich haut, sage ich, dass ich das blöd finde und wir in unserer Familie uns nicht gegenseitig hauen. Ich gehe nicht einfach weg, wie es bei einigen unerzogen lebenden Familien dann gehandhabt wird  (und strafe das Kind mit Liebesentzug?). Ja, damit manipuliere ich meine Kinder. Ich möchte (mir wünschenswert erscheinende) bestimmte Verhaltensweisen bei meinen Kindern verstärken, und ja, ich wünsche mir auch, dass manches unschönes Verhalten recht schnell wieder abgestellt wird oder sich am besten gar nicht erst einschleift. Manipuliere ich damit am Wesen meiner Kinder herum? Untergrabe ihre Selbstwirksamkeit? Zerstöre ihr Selbstvertrauen? Ich denke nicht. Tue ich meinen Kindern Gewalt an? Ich verbitte mir diese Unterstellung!

Warum stört mich das Wort Gewalt in dem Zusammenhang so? Es ist ganz einfach: es ist extrem negativ besetzt und dadurch, dass etwas eigentlich neutrales und alltägliches wie Erziehung mit Gewalt gleichgesetzt wird, wird an den Stellen, an denen tatsächliche, von der Gesellschaft als solche wahrgenommene, Gewalt passiert, diese nivelliert. Vielleicht wird es mit einem Beispiel deutlicher. 

  • Familie Rabe hat ein Abendritual erzieht ihre Kinder und tut ihnen damit Gewalt an.
  • Familie Möwe sperrt die Kinder, wenn diese nicht spuren, in den Keller und tut ihnen damit total krasse Gewalt an. 
  • Mutter Adler verhaut regelmäßig Papa Adler und die Kinder, wenn sie besoffen ist. In dieser Familie herrscht ultrakrasse schreckliche Super-Gewalt. 

Verstehen Sie? Es gibt keine Steigerung von Gewalt. Man hat schon für das Alltägliche das Extreme als Bezeichnung gewählt. Alles, was danach kommt, steht begrifflich auf der gleichen Stufe. 

Mich erinnert das Ganze an das Lied Krieg des Farin Urlaub Racing Teams. Er singt davon, wie er im Schnäppchenkrieg ist, dann im Verkehrskrieg. Am Ende heißt es

Es ist Krieg, wenn ein Mensch auf den andern schießt,

bis das Blut knöchelhoch durch die Straßen fließt.

Es ist Krieg wenn der eine den andern besiegt,

darum kriegen wir niemals genug von Krieg.

Auch hier: durch die alltägliche Verwendung der Kriegsmetapher wird das tatsächliche Grauen des Krieges klein gemacht, fast verniedlicht. Umso größer der Kontrast zum ‚echten‘ Kriegsszenario. Interessant finde ich auch die Interpretation Farin Urlaubs, die häufige Verwendung des Wortes Krieg sei auf die Sieger-Position, die jeder jederzeit innehaben wolle, zurückzuführen. Vielleicht ist es ja mit der Gewalt das gleiche: dadurch, dass alle anderen als  „gewaltvoll handelnd“ bezeichnet werden, was ja, wie schon erwähnt, extrem negativ konnotiert ist, gehört man zum erlesenen und in sich geschlossenen Kreis der ‚Guten‘. Vielleicht. 

Und noch was:

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Nein. Aber Kinder sind auch kein Gras und das Aufwachsen eines Menschen sowie die Persönlichkeitsentwicklung eines solchen ja auch kaum mit dem Wachstum eines Grashalmes zu vergleichen. 

Tag 343 – Sommer!

Morgen wird Sommer. Also morgen wird der Sommer sein, vielleicht übermorgen noch ein bisschen, aber ich mache mir nicht allzu große Hoffnungen, dass es dann wochenlang schön bleibt. Da man so kurze Sommer ja nutzen muss, werde ich morgen nur super fix zur Arbeit fahren, meine Zellen ein bisschen betüddeln und dann wieder abdüsen und den Tag mit der Familie und meiner Schwägerin, die heute spät abends noch kommt, am See oder am Fjord verbringen. Mit allem drum und dran und Grillen und Baden und allem Scheiß. Das wird toll und dafür liebe ich Norwegen sehr: jeder, der morgen bei der Arbeit länger als unbedingt nötig rumhängt, wird schief angeguckt werden. Anwesenheitskultur? Nicht bei 28 Grad! 

Und damit ich morgen wirklich nur die paar Futzisachen machen muss, habe ich heute den ganzen Rest der To-Do-Liste weggearbeitet, die Proben die ich gestern gemessen hab ausgewertet, in die Tischkante gebissen und die Hälfte der Daten aus der Auswertung geschmissen hübsch fertig gemacht mit Diagramm und allem Schnubbeldibupp und an die „Auftraggeber“ geschickt. Gedöns vorbereitet für Freitag (auch da werd ich nicht allzu lange arbeiten, es ist ja Pippis Geburtstag) und dann habe ich eineinhalb Stunden damit zugebracht, den Kram, den ich in den letzten zwei Wochen gemacht habe in mein Laborjournal nachzutragen. Manche Sachen lerne ich wohl einfach nie. Zum Beispiel, dass es viel einfacher (und genauer und schneller) ist, am Ende vom Arbeitstag 5 Minuten was aufzuschreiben, als dann hinterher ewig dazusitzen und zu überlegen „Wann hab ich denn nochmal das gemacht? Am Donnerstag? Nee, kann nicht sein, weil dann hätte ich ja am Freitag…“. Alle paar Wochen nehme ich mir wieder aufs Neue vor, es nicht wieder schleifen zu lassen und Tadaaa: sechs, acht Wochen später sitze ich wieder kopfkratzend in meinem Büro. 

Egal. Morgen ist Sommer. 

(Ich habe sogar, weil sonst keiner da war, als ich nach Hause kam, schon mal meine Sommerkleider gebügelt. Ja, Mehrzahl, dann ziehe ich mich eben dreimal um morgen. Jahaaaa, gebügelt! Ich! habe gebügelt*. )

*hier Tom Hanks in Cast Away vorstellen, wie er ausruft „ICH habe FEUER gemacht!“. 

Tag 342 – Entscheidung? Pending. 

Ich habe heute endlich die Proben gemessen. Ergebnis gibt’s morgen, ist aber auch eigentlich egal, Hauptsache es kommt irgendwas dabei raus, sind ja nicht meine Proben. 

Was ich mit der Hochzeit mache, weiß ich aber immer noch nicht. Herr Rabe brachte jetzt ins Spiel, doch ohne Pippi zu fliegen und dafür nur bis Samstag zu bleiben. Tja. (Falls Sie dachten, hä, wieso sieht die denn ihre Cousine nur alle  Jubeljahre mal, Portugal ist doch nicht soooo weit weg? – Meine Cousine und ihr jetziger Freund, bald Mann, wohnen in Canada. Die heiraten nur in Portugal, weil seine Familie da her kommt. Canadier haben auch ungefähr keinen Urlaub, sodass sie nicht mal zu Weihnachten regelmäßig kommen kann.)

Tag 341.2 – Dicke Finger. 

Ich so: Dicke Finger.

Egal. Also jedenfalls rief ich meine Omi an, in der sicheren Annahme bei Nennung des Preises aus dem Schneider zu sein, weil leider leider so furchtbar teuer. 

Meine Omi fand das günstig. Und sie stünden zu ihrem Wort. 

Und jetzt weiß ich auch nicht. 

1. scheint meine Omi ein gewisser Realitätsverlust heimzusuchen. 

2. drei Tage Portugal, gutes Wetter, gutes Essen, Wein, Feierei…

3. meine Cousine hab ich auch schon über drei Jahre nicht gesehen. Und wir standen uns mal sehr nah.

4. Flugzeuge. Ich hasse Flugzeuge. 

5. Donnerstag hin, ganzen Tag eigentlich unterwegs sein, Freitag Nachmittag Trauung, Feiern bis spät (mit Pippi umgebunden oder wie?), Samstag durchhängen, Sonntag zurück. Uff. 

6. Montag arbeiten, Dienstag Michels Geburtstag, Mittwoch Uff, Donnerstag nach Deutschland, Freitag Uff, Samstag Hochzeit von Herrn Rabes Bruder. 

7. ok, wenn ich so drüber nachdenke, wärs ganz schön bescheuert. 

8. früher™ machte ich gerne augenscheinlich bescheuerte Sachen. 

Es ist echt schwierig. Ich könnte es auch würfeln. Moaaaann, erwachsen sein ist blöd. Kann das nicht wer für mich entscheiden?

Tag 340 – Alles kompliziert. 

Pippi wird am Freitag ein Jahr alt. EIN JAHR! Dann ist sie kein Baby mehr! Ist sie eh schon kaum noch, außer beim allabendlichen Einschlafstillen, wenn sie sich dann nach lustiger Hampelei ganz klein zusammenrollt, beide Füße an meinem Bauch und eine Hand ganz warm auf meinen Bauch gelegt (das macht sie, seit sie mich nicht mehr kneifen darf und das ist doppelt schön so!) um einzuschlafen. Aber ansonsten? Sie pflückt ihr Essen auseinander und fitzelt sich die Leckerbissen raus. In ihrer Gegenwart ein Glas saure Gurken öffnen geht nicht, ohne dass sie „Hummmm hummmm“- machend beide Arme danach ausstreckt. Michel kriegt Smoothie? Pippi will auch. (Michel kriegt Eis? Pippi will auch, Mama sagt nein, Michel gibt Pippi was ab, Mama ist ganz gerührt und guckt einfach weg…) Heute Abend haben wir gespielt: sie hatte einen Spielzeugtopf und eine Gabel und sie fütterte mich mit imaginärem Essen aus ihrem Topf – inklusive Schmatzlauten. Danach nahm sie den Topfdeckel und leckte ihn ab. Genau das hatte Michel beim Abendessen mit einem richtigen Topfdeckel gemacht. Ihr Gedächtnis reicht jetzt ein paar Minuten, vielleicht eine halbe, dreiviertel Stunde zurück. Schon heute Nachmittag hatte sie mit einem Mal einen Duplo-Pömpel* im Mund und „pfiff“ dadurch. Das hatte ihr Michel auch eine halbe Stunde vorher vorgemacht. 

Tja, also mein Baby ist kein Baby mehr, sondern eigentlich schon ein ziemlich fertiges Kleinkind. Und trotzdem ist sie noch so klein, also tatsächlich ist sie einfach nicht groß für ihr Alter und auch auf eine durchschnittliche Lebensspanne gesehen ist sie ja noch Miniklein. Und so schutzlos! Meine beste Freundin sagte mal, sie fände es so krass, dass wenn man so ein kleines Kind im Wald aussetzt, es vielleicht ein paar Stunden überlebe. Was das für eine krasse** Verantwortung bedeute. Da kann ich ihr nur zustimmen. Selbst der Kindergarten bedeutet für mich ja, dass ich sie aus meinen Mamaaugen lassen muss, dass ich die Verantwortung an jemanden außerhalb der Familie abgeben muss. Und ich finde das komisch. Mir macht das Angst. Also beides: dass sie in den Kindergarten geht und dass ich das komisch finde. Bin ich auf dem Weg zur Glucke? Weil ich mir Sorgen mache, ob sie da die (ewig lange) Zeit zum Essen bekommt, die sie braucht? Ob die wohl auch sofort Wickeln gehen, wenn Michel ruft „Pippi stinkt voll!“? Wird sie im Wagen gut schlafen können? Wird sie jeden Tag eine Tonne Sand essen? Und was ist mit den ganzen Kindergartenseuchen??? Mein armes kleines Mäuschen… Ahhh, Gluckenalarm, tatsächlich. 

Also, jedenfalls, natürlich finde ich es gut, dass sie älter wird. Ich bin super stolz auf mein großes Mädchen, das schon so viel kann und so viel interagiert. Und ich weiß auch, dass der Kindergarten super ist und die sich ganz toll um alle Kinder kümmern, also sicher auch um sie. Sie hat ja im Zweifel auch noch Michel als persönlichen Übersetzer und Anwalt und Alarmgeber. Besser kann es ja eigentlich nicht sein. Aber trotzdem geht mit dem ersten Lebensjahr halt für mich auch die Zeit des totalen Gebraucht-Werdens langsam zu Ende. Zum Teil zumindest.  

Es ist wirklich kompliziert. Da wünscht man sich nichts sehnlicher als Unabhängigkeit und am Ende heult man der Abhängigkeit hinterher. 

(Entschuldigen Sie das wirre Gelaber heute. Besser kann ich die Wirren Gesanken gerade nicht in Worte fassen.)

* Halt so ein Pinöckel. Ein Nupsi.

** Ist schon ein paar Jahre her, da waren wir noch voll so… jung und so. Und außerdem: manche Sachen sind einfach krass. So. 

Tag 339 – Der härteste Job Alaskas. 

To-Do-Listen Status: Wir haben uns heute aufgeteilt. Herr Rabe ging mit den Kindern einkaufen, besorgte einen Fenstersauger und ich nähte mich durch den Reperaturberg. Ein Teil für mich, sechs für Michel. Zwei sind noch in der Kiste, eins ist nicht so ganz fertig.

Mail an die Cousine ist auch geschrieben. Dabei verstand sie was falsch und geht scheinbar fest davon aus, dass ich und Pippi kommen. Tjanun, mal sehen.

Dann fuhren Herr Rabe und die Kinder zum Fjord, Krebse fischen. In der Zeit tat ich… auch lassen wir das. Jedenfalls hatte sich Michel gestern von einem Norweger zeigen lassen, wie man am besten Krebse angelt und sucht und hatte direkt Erfolg mit der neuen Technik.

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Fang des Tages

Auch einen Seestern haben sie gefunden.

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Der Sohn präsentiert einen seiner Seesterne.

Und als hätte sich Herr Rabe nicht eh schon für den allerbesten Mann und Papa der ganzen Welt qualifiziert heute, machte er danach Essen und:


Und würde es jetzt nicht in Strömen gießen, ich wette er putzte immer noch.

Ach so, vergessen: Gestern Nacht zwei Mal große Traurigkeit weil nicht mehr an Mama genuckelt werden darf. Aber dann an mich bzw. Herrn Rabe gekuschelt relativ schnell und ruhig wieder eingeschlafen.

Tag 338 – Procrastination running circles in my head

Morgen geh ich los und kauf‘ so ein Fenstersaugerding. Mich kotzt das an, dass unsere Fenster so abartig dreckig sind und nächste Woche kommt Besuch, den ich hier sonst leider nicht reinlassen kann möchte. Und mit so einem neuen Gadget lässt sich Herr Rabe viel besser zum Fensterputzen zwingen überreden. (Ich mach das nicht, ich hab Höhenangst und die Fenster auf der einen Seite gehen nur nach außen auf.)

Morgen fange ich an, Pippi nachts abzustillen. Dieses nicht-schlafen ist kein Zustand mehr. 

Morgen schreibe ich meiner Cousine, wo denn diese ominöse Hochzeit ist, damit ich endlich, endlich da absagen kann wegen bekloppt langer Anreise. 

Morgen schreibe ich der Versicherung unseren Kilometerstand.

Morgen melde ich mein Fahrrad im Fahrradregister an. 

Morgen schreibe ich meinem Chef ne Mail, und frage mal gewisse Dinge an (mein Name auf Artikeln, aus einem wirren Artikel zwei knackige machen…).

Morgen nähe ich den Reperaturberg weg.

Mir scheint, ich habe morgen viel vor. Aber heute mach ich nix mehr. 

Tag 337 – Nix. 

Ich habe heute keine Lust, was zu schreiben. An mangelndem Inhalt (Ärztinnen-Termin, Schwimmbadbesuch, Arbeitsspaß, Kitaferien, Pippis Geburtstag, …) liegts nicht, nur an der Motivation. 

Ach ja, was ich schon lange mal loswerden will: Menschen, die ihr mich auf euren Blogrolls habt: DANKE! Echt! Ich freu mich immer total, und bin auch ganz gerührt und werde rot und so, wenn ich mich bei euch finde! Dafür einen Haufen Liebe und <3!!!

Tag 336 – Das Terrarium. 

Heute sind die Schnecken umgezogen. Dass es überhaupt dazu kam ist für mich noch überraschend, doch fangen wir doch einfach chronologisch an. 

20.06. ca 20:45 Uhr: Ich bestelle ein Terrarium. Bei einem Anbieter, der die scheinbar selbst baut und ab 800 NOK Bestellwert kostenfrei (innerhalb Norwegens) versendet. Kurz vorher hatte ich mich nämlich sehr über einen Anbieter geärgert, bei dem die Terrarien an sich super günstig waren, bei dem sich aber nach einem ewig langen Anmeldungsprozedere herausstellte, dass er für den Versand 1500 NOK berechnete. 130 €. Ähh, nee. Jedenfalls erhalte ich auch gleich eine Bestellbestätigung und der Betrag wird auf meiner Kreditkarte reserviert (aber noch nicht abgebucht).

22.06. ich bestelle die Schnecken und hake bei dem Terrarienladen nach, weil ich nichts weiter gehört habe. 

22.06. spät abends: „Das Terrarium wird am 23.06. versendet.“

23.06. Der Betrag wird von meiner Kreditkarte abgebucht.

24.06. Ich besorge mit den Kindern ein Behelfsterrarium und alles was dazu gehört. 

28.06. Die Schnecken werden endlich losgeschickt. 

29.06. Die Schnecken sind da. Das Terrarium nicht. 

04.07. sehr früh morgens: Ich hake noch mal bei dem Terrarienladen nach. Immerhin ist inzwischen Geld geflossen. Mein Ton in der E-Mail wird langsam etwas weniger freundlich (Ich glaube aber nicht, dass Norweger das raushören, zumal im geschriebenen Wort).

04.07. später: „Die Bestellung wurde am 23.06. versandt. Ich melde mich heute Vormittag, wenn ich im Laden bin, nochmal.“

04.07. kurz vor Mitternacht: „Aus irgend einem Grund stand das Paket noch unbearbeitet bei der Post. Wir haben es jetzt auf die Reise geschickt.“ Immerhin kriege ich jetzt auch ne Sendungsverfolgungsnummer. Von der Geschichte glaube ich kein Wort, aber Schwann drüber. 

05.07. Das Paket soll laut Sendungsverfolgung heute noch ankommen. 

05.07. 15:45 Uhr: Das Paket ist immer noch in Stokke (südlich von Oslo). 

05.07. 18:32 Uhr: SMS von der Post „Das Paket wird verspätet geliefert, voraussichtlich am 06.07.

06.07. 06:03 Uhr: Das Paket ist im Trondheimer Verteilzentrum. 

06.07. Ich warte auf die Lieferbestätigung der Post, die per SMS kommen sollte. Das Paket wird nur bis zur nächsten Shop-im-Shop Post gebracht, da muss man es dann abholen. Das ist aber keine 300 m von uns entfernt, also wirklich kein Problem. 

07.07. Ich bringe ein anderes Paket zu einer anderen Post und frage mal dezent nach, wie es sein kann, dass ein Paket mehr als einen ganzen Tag durch Trondheim braucht. Trondheim ist ja bekanntlich nicht so wirklich groß. Ich bekomme den Rat, bei der Hotline anzurufen (schönen Dank für Nichts!).

07.07. 17:45 Uhr: Ich rufe bei der Hotline an und gebe die ca. 30-Stellige Sendungsnummer durch. Die Hotlinetante ruft im Laden an (um die Ecke, ne?) und bestätigt mir dann: das Paket ist da, man hatte vergessen, es zu scannen. 

07.07. 17:47 Uhr: Ich bekomme die Abholbestätigung per SMS. Herr Rabe und Michel gehen los, das Paket holen. Währenddessen bekomme ich drei (!) Anfragen „Wie beurteilen Sie das letzte Gespräch mit unserem Kundenservice?“, per Mail, per SMS und nochmal per SMS. Moaaaan!

07.07. spät: wir packen das Monstrum aus. Es ist in 10 cm dicke Styroporplatten verpackt. Michel haut mit seinem Hammer auf den Platten herum und verteilt Styroporkügelchen und -Fitzelchen in der ganzen Wohnung. Pippi isst ein paar davon. Ich trage sie weg und mache sie bettfertig, Herr Rabe packt weiter aus. Ich höre ihn fluchen und dann den Staubsauger holen. Das Terrarium an sich ist wie erwartet, allerdings ist die eine Tür kaputt. Und hat überall rumgesplittert. Wunderbar. 

08.07. früh: ich schreibe eine Mail mit dem Sachverhalt an den Terrarienladen. 

08.07. erstaunlich schnell: „Wie ist denn das Maß, dann schicke ich Ihnen eine neue Tür.“ Ich messe und schicke die Daten. 

08.07. abends: „Die Tür ist jetzt versandt.“ mit Nummer und allem. 

09.07. – 11.07. Die Tür ist unterwegs. 

09.07. Herr Rabe bringt den Styropormüll weg. 

11.07. diesmal kriege ich direkt eine SMS und ziehe mit Michel los, die Tür abholen. Und Eier kaufen. Dämliche Kombi: auf dem Heimweg balanciere ich die Eier auf dem wieder riesigen Styroporungetüm (mehr Müll! Yeah!). Es ist ein Spaß. Zu Hause packen wir aus und die Tür hat einen kleinen Kratzer und ein Minifitzel ist abgebrochen. Ist mir inzwischen egal, solange sie geht und das tut sie. Hurra. 

12.07. Ich versuche ein Regal aufzutreiben. Ärgere mich zwischendurch tierisch über die mangelnden Umgangsformen der Norweger. Finde aber am Ende doch eines. 

13.07. 16:45 ich mache mich mit Pippi auf, das Regal abholen. Die Tante wohnt mitten im Wald und es ist alles etwas gruselig. Zu viele skandinavische Krimis habe ich gelesen. Ich verfahre mich auch ein bisschen und lande beim Nachbarn, der mir ohne Schneidezähne, dafür aber drei mal erklärt, wie ich zu Nummer 160b komme. 

Trondheim. Fährste ne halbe Stunde aus dem Zentrum raus, biste im Nichts.


Das Regal passt um zwei cm nicht in den Kofferraum. Bzw. die Klappe geht nicht zu. Wir, also ich und die Verkäuferin (die mich nicht mit der Stichsäge, die zuerst noch auf dem Regal lag, zersägen wollte, puh!) versuchen alles, aber es geht einfach nicht. Zum Kofferraum zubinden habe ich auch nichts. Am Ende fahre ich mit locker aufgelegtem Kofferraumdeckel los. Ich fahre extra vorsichtig und passe auf die Buckel auf und fahre solange es geht nicht auf der Stadtautobahn, weil mir das nicht ganz geheuer erscheint. Irgendwann komme ich trotzdem zu Hause an. 

Und jetzt? Michel und ich haben eingerichtet und dekoriert („Den Stock auch noch, Mama! Und den! Und da auch so zum drauf klettern!“) und dann hieß es: Umzug!

In diesem Bild sind vier Schnecken versteckt. Findest du sie?

Papa-Schnecke hat beim Umsetzen das Auberginenstück einfach festgehalten. Na gut, dann darf sies behalten.


Ich hab dann das zweite Stück Sepiaschale auch noch reingelegt, nicht, dass den Schnecken das zu weit ist den ganzen Weg durch das Terrarium! (Ach, ich freu mich drauf, dass die größer werden!)