Jeden November geht meine Laune langsam aber stetig in den Keller. Auf allen Ebenen. Das gipfelt irgendwann gegen Mitte des Monats. Da bin ich phasenweise wieder sieben Jahre alt und meine ganze kleine Welt gerät nicht nur aus den Fugen, sie klatscht an die nächste Wand und fließt dann langsam klebrig runter wie Pudding. Da ist mein Vater plötzlich (mal wieder) weg, meine Mutter hysterisch und alle anderen Erwachsenen sehr besorgt. Und irgendwann steht die Polizei vor der Tür.
Monat: November 2016
Tag 467 – Samstag halt.
Viel zu tun, wenig Zeit, außerdem hab ich mir in meiner Post-Krankheits-Pre-Progressreport-Panik noch selbst Arbeit aufgehalst und musste heute und muss auch morgen eine Stunde ins Labor.
Kinder viel zu spät in Richtung Bett bekommen, dann ruft auch noch Herr Rabes Vater mitten im Zähneputzen-Prozess an. Meine Schwiegermutter ist seit über vier Wochen im Krankenhaus, zuerst, um die Medikamente einzustellen, dann doch noch länger (und auf der gerontopsychiatrischen Station), um eine ordentliche Diagnose zu bekommen, jetzt immer noch, weil die ganze Situation (sie steht zum Beispiel mehrmals nachts auf und meint, sich anziehen zu müssen und ist nur sehr schwer vom Gegenteil zu überzeugen. Sie bekam mal Schlaftabletten, aber die haben sie so aus den Latschen gehauen, dass sie an Ort und Stelle einschlief und mein Schwiegervater den Notarzt rufen musste, der sie dann ins Bett gehievt hat. Mein Schwiegervater dachte, sie wär ins Koma gefallen oder so.) für meinen Schwiegervater nicht mehr zu stemmen ist. Sie suchen einen Platz für sie in einem Heim. So lange bleibt sie im Krankenhaus.
Ja.
Heim.
To Do’s:
- Ehevertrag*
- Testament
- Patientenverfügung
Erwachsen sein stinkt.
*naja. Sowas in der Art. Irgendwie.
Tag 466 – Alter.
Michel sitzt ja gerne auf dem Schoß, eh und im Moment noch mehr, weil hier leider A-Phasen-bedingt dauernd die Fetzen fliegen. Zum Vertragen ist er dann sehr kuschelig, trifft sich gut, ich nämlich auch. Jedenfalls saßen wir so gestapelt da und ich scrollte durch meine Twitter-Timeline.
„Mama? Bist das du?“ Michel zeigt auf das Bild von Frau, Ähh, Mutti. Ich lache ein bisschen, Frau Mutti sieht mir einfach Null ähnlich. „Nein, das ist Frau Mutti. Die hat auch Kinder, die sind aber schon groß.“ „Hmm, so… fünf, oder?“ Fünf ist bei Michel der Maßstab für ‚Großes Kind‘. „Nein, die sind schon ganz groß. Erwachsene sind das schon.“ „Ah. So wie du? … Ist das dann deine Mama?!?“
Manchmal ist er ja schon putzig, der Zwerg. Nur das mit Altersangaben und Verwandschaftsverhältnissen, das üben wir noch.
Ich soll übrigens weiter ausrichten, das das eine lustige Geburtstagskrone ist.
Tag 465 – Re-entering productivity mode.
Es geht tatsächlich aufwärts mit meiner Gesundheit, wenn auch nur in kleinen Schritten. Aber immerhin habe ich heute wieder ein paar Sachen geschafft* und sogar einen Ausflug gemacht! Tadaaaa! Gut, danach war ich ziemlich fertig, aber immerhin erst danach!
Mein Ausflug führte mich zu einem Nähladen in der Stadt. Dem sehr hilfsbereiten Mann da zeigte ich die am Samstag gekauften Billig-Maschinennadeln und fragte, ob die zu meiner Maschine passen würden. Andernfalls, das sagte ich gleich, würde ich gerne bei ihm passende Nadeln kaufen. „Jaja, die können Sie nehmen!“ sagte der Mann. Er erklärte mir auf Nachfrage auch, wo der Unterschied zwischen Billig-Nadeln und Markenware ist (der Stahl und die Verarbeitung) und nannte mir einen Preis, der erschreckend nah an dem der ‚Billig‘-Nadeln war. Vor lauter Dankbarkeit über die Nicht-Abzocke (und weil drei einfach zu wenige sind) kaufte ich fünf Unterfadenspulen und bezahlte bis auf 10 Øre (gibt ja keine Øre-Münzen, wäre also eh aufgerundet worden) den gleichen Preis wie für eine Packung Nadeln. Und ab jetzt weiß ich, wo ich Kram für meine Nähmaschine bekomme.
Zu Hause sprang ich direkt ins Auto, weil es doch schon etwas spät geworden war und fuhr direkt in die Vorhölle zu einem großen Spielzeugladen mit vielen komischen Apostrophs im Namen. Das heißt, erst stand ich ein bisschen im Stau herum, weil Feierabendverkehr. Aber so konnte ich wenigstens den Sonnenuntergang bewundern (um 15:15 Uhr). Im Spielzeugladen ging ich direkt in die Lego-Ecke und studierte auf dem Weg dorthin den Fußboden, um mich auf dem Weg nicht unnötig über irgendwas aufzuregen. Ich erwarb ein Duplo-Set (Zahlenzug) und ein Lego-Set (Creators 3in1 Dschungel-Tiere), das wird die diesjährige Adventskalender-Füllung. Seit gestern brennt mein Twitter weil sich die Muttis die Köpfe drüber einschlagen, ob man Adventskalender selber basteln kann/darf/soll und – wenn man sich dann zu irgendwas entschieden hat – ob man drüber reden/twittern/Bloggen/Pinterest-en darf. Ich vertrete wie immer die Meinung Macht-doch-was-ihr-wollt-Hauptsache-ihr-nervt-mich-nicht-und-lasst-mich-auch-machen. Die Kinder kriegen Adventskalender ohne Schoki (gibt eh genug Kekse und Süßkram in der Adventszeit), ohne billigen Plastikspielzeugkram (der dann rumfliegt und mich irre macht) ohne pädagogisch wertvolle „Gemeinsame Aktivitäten“-Gutscheine, und auch nicht wirklich richtig selbstgemacht. Die beiden heute gekauften Sets werden aufgeteilt in Butterbrotstütchen verpackt, Zahl drauf gemalt, aufgehängt, fertig. Zack, die Bohne, wie Frau Lohfink damals gerne sagte.
Danach heizte ich etwas gestresst zum Kindergarten, der Stau hatte meinen eh straffen Zeitplan kaputt gemacht. Kinder hab ich abgeholt und dann sogar gekocht!
(Dann war ich echt fertig.)
Als Tagesabschluss hab ich mich dann endlich an das enger machen des Pullis gemacht. Hier das Ergebnis.
Mit dem Pulli bin ich jetzt sehr zufrieden.
Außerdem führe ich seit Uhrzeiten mal wieder einen Sauerteig nach modifizierter 3-Stufen-Führung. Mein sonst leicht hyperaktiver (und immer nur nach Detmolder 1-Stufen-Führung geführter) Roggensauer treibt nämlich irgendwie gar nicht mehr und riecht auch für meinen Geschmack etwas sehr stark nach Apfelessig. Jetzt teilt er sich den recht kühlen Platz im Flur mit den Austernpilzkulturen. Morgen backe ich dann ein Paderborner, das ist ein guter Test, ob sich der Teig erholt hat.
*Es ist nicht so, als hätte ich gar nichts gemacht in den letzten Tagen. Ich hatte zum Beispiel Pippi zu Hause und musste mit ihr sehr lange Mittagsschlaf halten. Und außerdem stricke ich was, da kann ich aber aus Gründen hier nicht näher drauf eingehen und auch keine Bilder zeigen. Gedulden Sie sich ein bisschen, irgendwann zeig ich das hier, ich bin nämlich total stolz auf mich, das wird ganz schön!
Tag 464 – Lebenszeichen.
Kurzes Lebenszeichen aus der totalen Ereignislosigkeit des krank geschrieben seins. Es geht langsam bergauf, ich denke, Freitag kann ich wieder arbeiten gehen.
Wenn Sie das nicht schon längst getan haben, lesen Sie doch bitte heute bei Frau Brüllen.
Tag 463 – Überprüf das!
Heute morgen, in meinem Kopfschmerz-Husten-Alles-Doof-Delirium, erreichte mich eine Mail an meine Arbeits-Emailadresse. Sie kam von Linda J. und ihr Inhalt lautete:
‚Bitte kontrollieren!‘
Kein Hallo, kein Tschüss, noch nicht mal ne angehängte Signatur. Ich war kurz etwas verwirrt und ehrlich gesagt auch leicht angepisst (was, bitte, ist das denn für ein Ton?), bis ich doch noch einen Anhang fand. Im Anhang befand sich noch eine Mail. Von einem Unternehmen, bei dem ich vor acht Wochen oder so mal Antikörper bestellt habe, die auch längst angekommen sind. Der Inhalt der Mail des Unternehmens lautete:
‚Liebe Frau J., ihre Bestellung haben wir erhalten, blablabla. Leider haben wir für die letzte Bestellung ihrer Institution (Nummer blabla) noch keine Zahlung verbuchen können. Gemäß unserer AGBs blablabla schicken wir los, sobald die vorherige Rechnung beglichen ist. Mit freundlichen Grüßen – Antikörperfirma‘
Jetzt ist es so, dass wir unsere Bestellungen ja nicht selbst bezahlen. Oder überhaupt irgendwas selbst bestellen. Nein, nein. Das geht alles über den Server des Instituts, da trägt man ein, was man braucht, dann wird es von Menschen mit verschiedensten Nummern versehen, dann wird es weiter geschickt an die Zentrale Versorgung der Uni (hier irgendwo arbeitet Linda) und dann geht von da die echte Bestellung raus. Dann wird irgendwann das Gedöns geliefert, erstmal an die Zentrale Verteilungsstelle der Uni, die verzeichnen schon mal den Eingang und geben entsprechend Rückmeldung an den Lieferanten. Dann kriegen wir es und müssen nochmal bestätigen, dass die Ware in Ordnung (also noch kalt/gefroren/MHD nicht abgelaufen…) ist. Und dann gibt unsere Bestellmeisterin die Begleichung der Rechnung in Auftrag. Die dann wieder… egal, sie haben ja jetzt ein Bild.
Jedenfalls konnte ich mich noch sehr lebhaft dran erinnern, der Bestellmeisterin Bescheid gegeben zu haben, dass die Lieferung in Ordnung war. Ich gab ihr nämlich auch den Lieferschein, der noch im Paket war, normalerweise nimmt sie den schon mal raus. Das Paket war aber fälschlicherweise im falschen Gebäude gelandet, von da holte ich es ab. Überprüfte alles und gab den Lieferschein mitsamt der Aussage „alles ok!“ an die Bestellmeisterin.
Entsprechend ratlos war ich hinsichtlich Lindas Aufforderung. Ich schrieb mit meinem Matschkopf zurück, mit CC an die Bestellmeisterin:
‚Hallo Linda, Ich weiß nicht, wieso das nicht bezahlt wurde, ich leite die Mail an unsere Bestellmeisterin weiter, vielleicht kann die helfen. MfG- R.‘
Keine zwei Minuten später erhielt ich Abtwort von Linda:
‚Die Rechnung wurde am 24.10. bezahlt.‘
Mit stellen sich jetzt ein paar Fragen.
- Ist es so schwer, Hallo und Tschüss in eine Mail zu tippen?
- Warum kriege ich überhaupt eine (dank fehlender Höflichkeitsfloskeln recht barsch klingende) Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, wo Linda doch auch weiß, wie Bestellungen bei uns funktionieren?
- Warum kriege ich eine Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, das Linda ganz offensichtlich bereits kontrolliert hat?
- Was für eine Antwort erwartet Linda jetzt?
Kurz überlegte ich, mit ‚Aha!‘ zu antworten, ließ es dann aber doch einfach ganz.
Morgen also vielleicht eine Auflösung. Wahrscheinlich aber nicht.
Tag 462 – Meh.
Ich sachs mal so: krank sein ist scheiße. Und auch wenn man nebenbei die halb kranke Pippi (Vormittag gut, Nachmittag leichtes Fieber) betreut, kommt man nicht dazu, sich selbst zu erholen. Immerhin macht Pippi Mittagsschlaf, so konnte ich mich nochmal zwei Stunden mit ihr hinlegen. Erstaunlich gut hat da auch geklappt, das Kindergarten-Programm durchzuziehen: wir haben Mittag gegessen, dann gab es eine frische Windel, sie bekam ihr Bärchen in die Hand und wir legten uns hin (gut, im Kindergarten legt sich keiner zu ihr ins Bett, obwohl sie am Anfang auch auf den Betreuerinnen schlafen durfte, was ich denen wiederum hoch anrechne!). Nach drei Minuten schlief sie. Mit ihrem Bärchen im Arm. Und schnarchte. So niedlich. Nicht ganz so niedlich: Dauergekreisch in den fiesesten Tonlagen, wenn ihr was nicht passt. Können Kinder mit 16 Monaten schon in die Autonomiephase kommen? Und wenn ja: ist das nicht extra gemein den Eltern gegenüber, wenn sie da noch nicht sprechen können? Im Moment verbringen wir nämlich viel Zeit damit, zu raten, was das Kind will. Um es uns dann um die Ohren hauen zu lassen, weils das falsche war. Das macht keinen Spaß.
In diesem Sinne: gute Nacht (ja, echt, das muss ja irgendwie mal besser werden mit mir)!
Tag 461 – Bilder von Eimern.
Wegen alles doof und alle krank und überhaupt heute wieder fast nix geschafft. Ok, gesaugt, gewischt, Flur aufgeräumt, das haben wir mit vereinten Kräften hinbekommen. Aber die Kinderklamotten stehen genauso unsortiert hier rum, diverse Kramboxen* auch, Nix wurde gebacken und auch keine Teige angesetzt, nichts genäht, repariert oder geändert. Nun denn. Einziger Fortschritt heute: die Austernpilze.
19 Tage haben sie jetzt in ihren Gefäßen verbracht. Der Flausch ist zum größten Teil fest geworden (woraus ich schließe, dass es kein „normaler“ Schimmelpilz ist) und überhaupt sind es zwei ziemlich feste Brocken geworden.

Unten in Tüte bzw. Eimer habe ich mit einem Messer je vier Löcher gemacht. Das geht bei der Tüte sehr viel besser. Definitiv ein Pluspunkt für die Tüte!


Und dann ab dafür in den kleinen Flur. Da haben wir zwar seit ein paar Tagen wegen kalt einen Heizkörper, aber den habe ich ausgemacht. Tüte und Eimer habe ich jeweils in einen Teller mit kaltem Wasser gestellt, sodass die Löcher im Wasser stehen.

Ich bin sehr gespannt ob es funktioniert und werde auf jeden Fall berichten!
(Und jetzt ist Schlafenszeit. Seit zwei Stunden hab ich nämlich auch noch Gliederschmerzen, juppheidi.)
*Kramboxen. Wir haben zwar keine Krömpelecke und auch keine Chaosschublade, dafür haben wir Boxen. Bestimmt fünf. Und es werden immer mehr. Ich hasse das.
Tag 460 – #12von12 im November ’16
Es ist schon November, holla, das Jahr ist schon wieder fast rum.
Ich hab heute recht spät erst gemerkt, dass der 12. und damit Zeit für 12von12 ist (Link zum Kännchenblog mit drölfzigtausend 12von12en). Deshalb geht es mit Fotos auch erst nach dem Frühstück los. Vor dem Frühstück war aber nichts spektakuläres, außer vielleicht eine olfaktorisch spektakuläre Windel, aber das lässt sich ja auch auf Fotos eh schlecht darstellen.

Ich muss immernoch bei jeder Regung husten. Deshalb trinke ich weiterhin viel Tee. Hier: Zitrone-Ingwer.

Michel will seine Fingernägel lackiert bekommen. „Mit erst so durchsichtig!“ Also hier: Bahama Mama mit Unterlack.
Nach meiner Dusche denke ich, dass wir loskönnen, wir haben einiges vor. Doch weit gefehlt. Michel motzt* (total untertrieben), Pippi ist müde, Herr Rabe will auch noch duschen. Ich schnalle Pippi in die Trage und sie schläft sofort ein.

Seit einiger Zeit lässt Pippi in der Trage immer den Kopf so raushängen. Auch wenn man die vorne trägt. Ich kriege schon bei der Vorstellung so zu schlafen Nackenschmerzen.

Michel will einen Marienkäferanzug, aber der Stoff reicht nicht. Ich Male auf, was ich machen kann. Meine Zeichenkünste sind echt in der dritten Klasse stecken geblieben.
Michel motzt und labert und motzt und labert und motzt. Wir schaffen es aber doch irgendwie loszukommen. Uuuund: müssen das Auto freikratzen. Es hat wohl geregnet und danach gefroren. Es ist auch sauglatt.
Erste Station ist der Stoffladen: ich habe eine Nadel verbogen und brauche eine neue (gibt es nicht, ich glaube nicht, dass die die ich dann kaufte, passen, morgen mal sehen, sonst halt umtauschen und die richtigen im Internet bestellen), außerdem braucht Herr Rabe Ärmelschoner. Zweite Station ist ein Outdoor-Outlet. Michel braucht einen Winteranzug und Habdschuhe, Herr Rabe eine Winterjacke, ich Handschuhe. Wir kaufen: Handschuhe für mich, eine Fleecejacke für mich, Socken für Herrn Rabe.
Danach haben alle Hunger und in der dritten Station – großer Supermarkt – steigen wir uns alle gegenseitig aufs Dach. Wir kaufen Backwaren für alle und Handschuhe für Michel. Danach geht’s bei den meisten wieder. Der Rest erledigt sich mit Kaffee und Eis.


Wieder zu Hause mache ich erstmal meine Fingernägel fertig. Es wird immer besser, Übung macht halt den Meister. Bald Male ich bestimmt auch nicht mehr meine Nagelhaut an.

Dann Skypen wir mit meiner Mutter. Michel führt Oma erst alle seine Spielzeuge einzeln vor und veranstaltet dann für sie ein Autorennen mit Publikum. (Man beachte den von Herrn Rabe gebauten iPad-Ständer.)


Danach gibt es endlich essen, es ist auch schon super spät und Pippi schon wieder launig weil müde. Michel motzt. Als die Kinder schlafen, bin ich deshalb sehr froh und mache mir den Rest Apfelmus von gestern warm. Pippi lässt sich nicht wirklich ablegen, sie schläft schlecht, vermutlich Zähne (jetzt durch: oben ein neuer Schneidezahn, oben zwei Backenzähne, unten ein Backenzahn gerade so und der andere gerade so noch nicht), ist ja auch Wurscht, wieso, sie schläft halt schlecht.

Den Rest des Abends verbringe ich mit Twitter: Frau Herzmolekül sucht Namen für Ihre Babyzwillinge, Herr Herzmolekül lacht aber einfach über alles. Das ist nicht sehr konstruktiv von Herrn Herzmolekül.
Irgendwie schaffe ich es dann tatsächlich, Pippi in ihr Bett zu legen, sodass mein Platz im Bett wirklich und wahrhaftig frei ist!
*motzen klingt so viel netter als die Realität. Suchen Sie sich was aus: Brüllen, Schreien, Toben, Wüten, Ausrasten…
Tag 459 – Wie Herr Rabe und ich…
Dies ist ein Notfall-Post. Eigentlich wollte ich hier total stolz meinen frisch fertig genähten Pulli zeigen, aber der ist jetzt leider zu groß und sieht allenfalls lustig an mir aus, also da muss ich morgen nochmal ran. Deshalb hier die Geschichte, wie Herr Rabe und ich uns jahrelang nicht kennenlernten.
Herr Rabe und ich gingen sieben Jahre lang auf benachbarte Schulen und lernten uns nicht kennen. Wir hatten sogar Kurse an der jeweils anderen Schule und begegneten uns nie. Also, nicht richtig. Möglicherweise, und das ist natürlich reine Spekulation, lag es daran, dass Herr Rabe damals eine unmögliche Frisur hatte. Oder daran, dass ich damals noch ziemlich viel rauchte und Herr Rabe Rauchen eklig fand. Oder vielleicht daran, dass wir damals beide in Beziehungen waren (Herr Rabe mit der ehemaligen Tanzpartnerin meines ersten festen Freundes, Bielefeld ist echt ein Dorf!). Wer weiß. Also, wir lernten uns jedenfalls nicht kennen.
Dann waren Herr Rabe und ich zeitgleich Studierende an der gleichen Fakultät der gleichen Uni. Drei Jahre lang. Wobei Herr Rabe davon eines in Stockholm war, also eigentlich nur zwei Jahre lang. Wir kannten die gleichen Leute, gingen auf die gleichen Partys, lernten uns aber nicht kennen. Herr Rabe lernte meinen besten Freund kennen – aber mich nicht. Wir waren beide auf einem Geburtstag des besten Freundes, in dessen WG, wir wurden einander sogar vorgestellt – und das war’s. Möglicherweise lags am Laborkittel und der Schutzbrille, der beste Freund hatte zum „Betriebsfest“ geladen. Naja. Wir waren ja auch beide in Beziehungen.
Dann dampfte Herr Rabe nach Schweden ab und ich lebte mein Leben so vor mich hin, der beste Freund schleifte mich als Betreuerin auf eine Ferienfreizeit, das war sehr sehr lustig, also sagte ich für das nächste Jahr auch gleich zu. Ich belaberte sogar meinen damaligen Freund, mitzufahren. Bei den Vorbereitungstreffen für die Freizeit hieß es immer, es führe noch ein ein anderer Betreuer mit, der sei aber noch in Stockholm und käme erst kurz vor der Freizeit zurück. Wir anderen waren schon ein recht eingeschworenes Team, der Neue hatte es da nicht leicht und da direkt alle Vortreffen verpassen? Nicht so gut…
Tja und so sah ich Herrn Rabe das erste Mal bewusst an einem sehr frühen Morgen vor einem Reisebus in Warstein. Mit einem Strohhut auf und einem sehr engen T-Shirt an und Jeans mit einem Gürtel mit sehr großer und auffälliger Schnalle. Meine Mit-Betreuerin war direkt hin und weg. Ich dachte nur „Pfffft, Aufreißer.“.
Ein Jahr später verlobten wir uns. Zwei Jahre später heirateten wir.




