Tag 649 – Brot backen könnte so einfach sein!

Neulich schickte mir Herr Rabe aus dem Supermarkt eine SMS. Ein Bild von einer Packung fertigen Sauerteigs, mit der Frage, ob er das mitbringen solle. Herr Rabe kennt mich gut und auch meinen übermäßigen Ehrgeiz Neugierde, beim Backen neue Dinge auszuprobieren. Und so brachte er den Teig dann auch mit. 

Vollkornweizensauerteig mit lebenden Kulturen, 150 g. Man soll Hefe zusetzen. Soso. Das steht erstmal vorne drauf. (Und dass es für drei Brote, vier Baguettes oder 12 Brötchen sein soll. Wo ich mich ja schon gefragt habe, was das denn für drei Minibrote werden sollen, etwas größer als ein Baguette und so groß wie vier Brötchen? Das atmen wir ja in weniger als einer Mahlzeit ein!)

Ich wollte erstmal das Rezept machen, das hinten drauf steht. Sicher ist sicher. Nahezu stoisch hielt ich mich also fast ganz an die Rezeptangaben. 


Man nehme: 

  • Die komplette Tüte* Sauerteig
  • 25 g frische Hefe
  • 0,5 L kaltes Wasser
  • 200 g Weizenvollkornmehl
  • 600 g Weizenmehl
  • 2,5 Teelöffel Salz (oder Meersalz aka. Salz)
  • 1,5 Esslöffel Oliven- oder Rapsöl (hatte kein Rapsöl, nahm Sonnenblumenöl)
  • 2 Esslöffel Honig
  • 1 Esslöffel Irgendwas „für luftigeres Gebäck“ (kenn ich nicht, hab ich nicht, ging auch ohne)


Dann soll man die Hefe im Wasser auflösen (haha, ain’t nobody got time for that, ich brösel die einfach immer klein und lasse den Rest von der Knetmaschine erledigen) und bis auf das Salz alle anderen Zutaten dazutun und dann ca. 10 Minuten kneten. Am Ende das Salz einrieseln lassen. (Was das mit dem Salz soll weiß der Himmel, das steht öfter in allen möglichen Rezepten. Ich sehe keinen naturwissenschaftlichen Sinn darin und kloppe das Salz einfach immer so dazu und das funktioniert bei mir sehr gut. Ausnahme: Brühstücke und so, da mache ich das Salz da mit rein, dann kann es sich schon mal auflösen und verteilt sich später besser im Teig.)

Der Teig soll dann eine Stunde gehen (Teigruhe). Da war ich schon skeptisch: nach 10 Minuten kneten in der Maschine ist der Teig recht warm, schätzungsweise so 30 Grad. Und dann 25 g Hefe? Oioi. Der Sauerteig aus der Packung hatte auch nicht grad nach wenig Triebkraft ausgesehen oder gerochen. (Jetzt fragen Sie sich vermutlich, woran ich das festmache? Also, guter Sauerteig riecht schwach nach (Apfel-)Essig, nicht unangenehm, und schmeckt säuerlich, wie Joghurt vielleicht. Saurer Joghurt, zugegeben. Hungriger Sauerteig riecht nach Alkohol und manchmal sogar ziemlich fies nach Aceton und es setzt sich oben „Fusel“, also Alkohol, ab. Um aus dem Stadium rauszukommen, müssen die Bakterien und Hefen erstmal ihren Stoffwechsel mit Futter ankurbeln und sich dann vermehren und dann erst machen sie die guten Gärsachen, die die Luftblasen ins Brot zaubern. Für diese Prozesse wäre so ne Zweistündige Ruhe/Gare zu kurz, der Sauerteig hätte also keine ausreichende Triebkraft. Man kann ihn aber einfach wie alle normalen Menschen am Tag vorher hochfüttern (Anstellgut(so heißt der Sauerteigansatz)menge = 10% der zu versäuernden Mehlmenge ist ne gute Faustregel), dann hat er wieder Trieb. Hupsi, abgeschwiffen.) Also jedenfalls passierte genau das, was ich erwartet hatte: nach der Stunde hatte ich sehr, sehr viel Teig. 

Dann steht da weiterhin, man soll den Teig jetzt vorsichtig falten und noch ne Stunde gehen lassen. Oder über Nacht. Dann soll man ihn rollen UND NOCH MAL NE STUNDE GEHEN LASSEN. Ich besah mir den riesigen Batzen Teig und entschied mich dafür, dass ich jetzt genug von dem komischen Rezept gehabt hätte. (25 g Hefe, und dann 3 x 1 h gehen lassen, gewirkt wird auch nicht, da hab ich hinterher mehr Löcher als Brot! Und vermutlich eher nen Fladen als alles andere.)

Ich wirkte also den Teig jetzt schon ordentlich (er war ziemlich weich, eigentlich nichts für Anfänger, aber Tjanun. Man kann ja noch ein bisschen mehr Mehl reintun, das schadet nicht. Vollkornmehl, dann.), formte ihn länglich aus und ließ ihn mit dem Schluss nach unten im 1 kg-Gärkörbchen gehen. Nach zwanzig Minuten heizte ich etwas hektisch den Ofen an, weil der Teig schon so stark aufgegangen war. Nach 45 Minuten Gare (= Gehen lassen vor dem Backen) war der Teig auf dem besten Weg, sich aus dem Gärkörbchen zu begeben. Beim Kippen auf den Schieber fiel er ziemlich zusammen und ich verabschiedete mich von der Vorstellung, dass der noch genug Ofentrieb haben könnte, um dekorativ aufzureißen. Dann buk ich (ohne Einschneiden, wie gesagt, kein nennenswerter Ofentrieb mehr zu erwarten) bei 260 Grad mit Schwaden für 15 Minuten an, ließ den Dampf ab und „buk“ 45 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen (ein Hoch auf den Lavaton-Backstein!) weiter. Fertig. 

Naja, ich sags mal so: es schmeckt. Wie typisches Norwegerbrot. Leider war der Teig wohl im Gärkörbchen an der Unterseite (die dann beim Backen oben war) zu trocken geworden und etwas verhautet, deshalb hat’s den Deckel leicht abgehoben beim Backen. Ich finde die Krume (das Innenleben) zu weich und die Kruste zu wenig kross, und insgesamt den Geschmack zu fad, weil einfach zu wenig sauer, aber die Kinder finden es total super. Yeah, Brot, das schmeckt, wie aus dem Supermarkt. Verräterkinder.



Das war am Mittwoch. Heute machte ich das Experiment nochmal: mit meinem eigenen Weizensauer, den ich auch nur mit Weizenmehl auf 150 g geführt hatte. Außerdem nahm ich nur 10 g Hefe. Rest ließ ich so: 1 Stunde Teigruhe, wirken 1 Stunde Gare (die ich diesmal auch einhielt, aber mit Schluss nach oben). Dann habe ich diesmal den Teigling eingeschnitten, gebacken wie gehabt. 


Immerhin schon mal hübscher. 


Die Krume ist wie beim letzten Mal: sehr weich. Und bei diesem Brot schmeckt man den Honig raus, finde ich. Das kann man mögen, mein Ding ist es nicht so. Der Teig ist etwas zu weich gewesen, deshalb haben sich oben ein paar etwas größere Luftblasen gesammelt und die Porung ist nicht ganz gleichmäßig geworden. Die Kruste ist wieder kein Hit. 

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: 

  • Einen größeren Teil der Mehlmenge versäuern, vermutlich würde ich erstmal 300 g Sauerteig auf die Gesamtmenge nehmen, also 145 g (Vollkornweizen-)Mehl, 145 g Wasser, 15 g Anstellgut*, über Nacht wärmlich** stehen lassen. Dann zum Brotteig machen nur noch 130 g Vollkornweizenmehl und 400 g Wasser dazugeben (ja, es müssten eigentlich 430 g Wasser sein, aber der Teig war ja eh zu weich).
  • Vielleicht auch ein Roggen-(Vollkorn)-Sauerteig, für den Geschmack, dann aber mit dem Wasser aufpassen.
  • Für eine schönere Kruste das Brot fünf Minuten vor Ende der Backzeit mit kaltem Wasser abstreichen und dann mit leicht geöffneter Ofentür zu Ende backen.

Ja, so würde ich’s machen. 

Fazit: den Sauerteig kann man schon nehmen. Das Rezept ist ausbaufähig. 

*Natürlich hab ich nicht die komplette, komplette Tüte genommen, sondern aus den letzten ca. 3 g in der Tüte ein neues Vollkornweizenanstellgut gezogen. Fazit davon: der geht ganz schön gut ab!

**halt nicht 30 Grad, aber vielleicht knapp über 20. Das haben wir in der Küche. 

Tag 648 – Sonnenstrandtag. 

Heute war Sommer. Morgen sollen wieder nur 13 Grad sein und abends soll’s auch regnen, aber heute, heute waren 20 Grad und strahlender Sonnenschein und hachjahachja, da ist auch Trondheim dann echt schön. Vor allem am Wasser. Also schleppten wir die Kinder und die Sonnencreme und den Grill nach Korsvika und ließen es uns gut gehen. 


Steine ins Wasser schmeißen kann Pippi stundenlang. Mit hochgezogener Augenbraue. 



Ja, da schwimmt jemand. War aber wohl sehr kalt. 


Michel so: Ich muss pullern! Ich: dann geh doch da hin. Michel: Ich will nicht, dass mich wer sieht! Ich: dann geh an den Felsen. Michel: *geht auf den Felsen*

Und Pippi, die Klettermaus, musste dann natürlich auch auf den Felsen. 

Ach ja. Ein wirklich wunderbarer Nachmittag. 

Tag 647 – Fünf Tips, wie, äh, Dings. 

Ich wollte das auch mal ausprobieren. *Ungerade, einstellige Zahl* Tipps, damit *irgendwas, was alle wollen*. Dann kriegt man mehr Leser*Innen heißt es. Oder schönere? Ich weiß nicht mehr. Aber Moment! Die schönsten Leser*Innen habe ich ja schon, also bestimmt jedenfalls. Ich stelle Sie mir alle sehr schön vor, vor ihren Endgeräten lesen Sie beim Morgenkaffe/im Bus/in antisozialer Stimmung im Büro in der Mittagspause. Verrückter Weise tun manche von Ihnen das echt jeden Tag! Ich merke das. Obwohl ich gar kein Google Analytics tralafitti mit unique visitors und returning dings (views? visitors?) mache. Ich weiß auch, dass manche von Ihnen eher am Wochenende die ganze Woche nachlesen. Aber schön sind Sie sicher alle. 

Äh. 

(Wissen Sie, es gibt so Tage, da sind mehrfach die guten „Blog-Momente“ ungenutzt an einem vorbeigezogen. Da ist man dann etwas ratlos. So wie ich, heute.)

Wenn Sie wissen wollen, was mich letztens zum Thema „Gefühlter Reichtum“ so beschäftigt hat, lesen Sie doch hier diesen sehr guten Artikel. 

Tag 646 – Der moderne Neandertaler.

Seit längerem nagt etwas an mir. Ich mache zu wenig Sport. Ich bin unfit, das stört mich am meisten und meine komplette Körpermitte ist… weich. Das gefällt mir so nicht. Das soll wieder fest sein und ich möchte auch bitte nicht mehr schnaufend im vierten OG ankommen, wenn der Fahrstuhl mal wieder vom Roboter belegt ist. Nun ja, man weiß, aus dieser Situation gibt es drei potentielle Auswege:

  1. Mehr Sport
  2. Weniger oder anders essen
  3. Akzeptieren, dass der Körper nicht mehr 20 ist (der Geist natürlich schon! Nur müder.)

Das Zweite kommt gar nicht in die Tüte. Ich esse gerne und noch viel lieber gut und Hunger ist für mich das absolut am schwersten zu ertragende Gefühl überhaupt. Diät wäre gar nicht mein Fall, egal welche. Ernährungsumstellung hin zu, keine Ahnung, low carb, low fat, Mediterranean blabla, wäre schon eher möglich, aber, haha, doch nicht mit kleinen Kindern. Oder ich koche demnächst immer zwei Mahlzeiten: eine für mich und eine für den Rest der Familie. Haaaahahaha. Nein. Also der Punkt ist für die nächsten 6-13 Jahre (je nachdem, wann hier welches Kind kochen lernt) raus. Bleibt ein Balanceakt zwischen 1. und 3. Und da kippte der Zeiger eben immer mehr zum Sport, bis meine Kollegin mir am Dienstag erzählte, sie habe vor Dienstags und Donnerstags zum Sport zu gehen, da sei Sport für Angestellte auf dem Hauptcampus. Das steht uns ja eh zu, zumindest einmal die Woche jedenfalls. Bisher ging ich zum Yoga, aber, wie soll ich sagen: morgens um acht in irgendeinem Raum auflaufen und nicht total abgehetzt sein, das klappt höchstens einmal im Monat. Deshalb erschien mir Sport am anderen Ende des Arbeitstages irgendwie praktikabler und ich sagte meiner Kollegin, dass ich heute gerne mitkäme. Und startete den Tag damit, hektisch meinen Sport-BH zu suchen*.

Meine Kollegin hatte keine Sportsachen dabei, weil sie vor Muskelkater von Dienstag kaum laufen konnte. Ich ging also allein. (Memo to self: nächstes Mal ein Vorhängeschloss mitnehmen. Und ne Wasserflasche.)

Heute war „Krafttraining“, da denke ich ja immer an Bankdrücken, aber schon in der Beschreibung hatte es geheißen, man benutze sein Körpergewicht für das Training. Der Raum war recht gut gefüllt mit mittelalten (45), mitteljungen (28) und ein paar ziemlich alten (65) Universitätsangestellten. Der Frauenanteil überwog deutlich. Fitnessstufen waren allesamt vertreten, von der ziemlich alten, hardcore durchtrainierten Frau bis zum Mann mit 9. Monats-Wohlstandswampe (Ich verzichte hier für die Fallbeschreibung mal auf Sternchen und so, die wirkten alle sehr im Einklang mit ihrer Geschlechtsidentität.). Das Training an sich sah so aus: 5 Minuten Aufwärmen mit Aerobic, dann immer so Intervalldinger: 25 Sekunden irgendwas tun (Liegestützen, Planking, Bauchmuskelzeug), 10 Sekunden Pause und Stellungswechsel, dann wieder 25 Sekunden irgendwas tun (Kniebeugen, Burpees, Telemarkhopp), das ganze vier mal, dann neue Übung. Am Ende gab es das kürzeste Dehnprogramm ever und es wunderte mich danach auch nicht mehr, dass meine Kollegin so üblen Muskelkater bekommen hat. Ich dehnte jedenfalls noch ein bisschen extra, so viel Zeit muss sein. Soweit ich das beurteilen kann, ist das Trainingsprogramm so aufgebaut, dass sich alle verausgaben können, die wollen. Es gibt genug „Extras“ für die besonders fitten und genug „Schonendes“ für Leute mit Zipperlein oder einfach keinem so hohen Trainingsanspruch an sich selbst. (Eigentlich war es ziemlich genau wie der Muttisport**, nur mit einer anderen Zielgruppe und ohne Babys und nicht in rosa. Und ohne Singen!) Ich verausgabte mich vorsichtig (hier Smiley mit Sonnenbrille denken) und beobachtete die Menschen um mich rum. 

Nun ist es ja so, dass ich seit der Schule seit der späten Uni-Zeit mit latenter Fitnesssucht nur noch tanzender und Yoga machender Weise unterwegs war. Yoga ist kein Wettbewerb (Naja… meistens nicht. Da fällt mir immer das Lied Wettentspannen von Peter Licht ein.) und beim Tanzen soll ja alles federleicht und einfach gaaaar nicht anstrengend wirken. Außerhalb des von mir gewohnten Kontexts war ich deshalb echt überrascht vom Trainingsverhalten erwachsener Männer. Vor allem im Kontrast zu den Frauen. Achtzehn von Achtzehn Frauen (ja, ich hab nachgezählt) schienen mittelmäßig angestrengt. Keine wirkte wirklich kaputt, obwohl viele das volle Programm ohne zu Murren durchgezogen hatten. Gegen Ende entwich manchen ein „Puh.“ und man konnte verstohlenes Handtuchtupfen und vermehrtes Trinkflascheansetzen beobachten.

Fünf von sechs Männern führten sich auf, als müssten sie grade mit bloßen Händen einen Bären erwürgen. Und zwar von Anfang an. Da wurde lautstark geächzt, gestöhnt, geflucht. Das Gesicht Todeskampfgleich verzerrt. Dem Kumpel in den Pausen zwischen den Übungen anerkennend-mitfühlend auf die Schulter geklopft, während der Kumpel vornübergebeugt, die Hände auf den Knien abgestützt den Kopf hängen lasst und „Gläääärchchchch“-machend die Lefzen hochzieht. Es war faszinierend. Wie im Discovery Channel! „Hier ein männliches Exemplar der Gattung Mensch. Um die Jagd nach Beute und die Flucht vor Feinden zu simulieren, trainiert er im Spiel mit seinen Artgenossen seine Ausdauer und Kraft. Erkennbar ist dieses Verhalten an den neonfarbenen Fußkleidern, die extra zu diesem Zweck angelegt werden. Das Ausstoßen gutturaler Grunzlaute während des Spiels ist ein nicht unerheblicher Bestandteil der sozialen Interaktion.“

Ich habe für die Diskrepanzen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Trainingsanstrengungskommmunikationsverhalten folgende Erklärungsansätze:

  • Die Männer haben sich einfach echt viel viel mehr angestrengt.
  • Die Frauen waren alle viel fitter als die Männer.
  • Frauen fallen die Übungen leichter.
  • Frauen untertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind und lassen sich nichts anmerken.
  • Männer übertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind um Weibchen anzulocken und konkurrierende Männchen mit ihrem Imponiergehabe zu verscheuchen.

Ich werde das in der nächsten Zeit etwas beobachten. Ganz neutral, versteht sich.

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*war in der Schublade mit den Sportsachen. Überraschung.

** Meine Güte, war Pippi da noch klein! Keine sechs Wochen!

Tag 645 – Nationalfeiertag. 

„Norwegen ist wie die DDR damals. Es gibt in jedem Laden die gleichen Produkte und am Nationalfeiertag wird mit Fahnen und Musik marschiert. Nur die haben ne Bunad* und wir hatten ne Pionieruniform.“ sagte die Lieblingskollegin. 

Wir machten heute ein wenig Sparprogramm, gingen nur kurz zum Folketåget (der Festparade) und dann zum Fest der Grundschule, neben der unser Kindergarten ist. Was wir dann verließen, als erst ein etwa dreijähriges Kind mit einem beim Dosenwerfen gewonnenen Maskara hinter Pippi herrannte, um sie zu schminken (ich hatte, da schon geschminkt, dankend abgelehnt) und sich Pippi dann zwei mal in die einzige verbliebene Matschpfützte setzte. Aber es war auch so genug Programm und die überdrehten Kinder kaum ins Bett zu bekommen.


Wir hatten drei Fahnen dabei, hier sieht man eine ein bisschen. Aber weil man Fahnen nicht auf den Boden dengeln soll (bestimmt jedenfalls) und Michel grad nicht Fahne wedeln kann, liegen die alle im Kinderwagen. 

Der 17. Mai ist ein Tag der Kinder, man zwingt sie dazu, Tracht oder schicke Sachen zu tragen und entschädigt sie mit tonnenweise Süßkram und Pølse. 
Pippi rennt und rennt. Gut, dass die so niedlich ist, sonst würden sich bestimmt dauernd Leute aufregen, die sie über den Haufen läuft. So werden Leute halt angerempelt, gucken mürrisch die Quelle suchend nach unten, sehen sie und sagen dann sowas wie „Hoppsan!“, „Heisan!“ oder „Na, läufst du hier rum?“.


Michel wippt wild, Pippi hopst hoch und höher und quietscht begeistert, Mutti macht sich Sorgen um ausgeschlagene Milchzähne. Ging aber alles gut. 


Salziges Popcorn finde ich ja total überschätzt, Pippi schaufelt sich die halbe Box rein und hebt jedes runtergefallene Popcorn-Futzelchen mit einem „Oh Nein!“-Ruf auf, um es dann noch zu essen. (Ja, das Kleid ist eigentlich zu klein.)

*Tracht, lokal sehr unterschiedlich gemustert und teilweise geschnitten, aber immer aus Wolle (Rock, Schürze zum Teil und „Wams“, wenn man hat auch noch ein Umhang) mit Leinenbluse drunter, weshalb manche glaube ich bei den heutigen 17 Grad ziemlich schwitzten. Irgendwann nähe ich mir auch sowas. Mit selbst entworfenem Einwanderer-Design. 

Tag 644 – Prototyp. 

Ich habe ein Fast-Lieblingsshirt. Es ist sehr hübsch, es passt mir gut und es steht mir gut. Aber es taugt nur fast zum Lieblingsshirt, denn es ist aus irgendeinem komischen Synthetik-Stoff, in dem ich immer viel schwitze (tue ich eh, egal in was, aber, und das ist viel schlimmer:) und der den Geruch leider auch extrem schnell annimmt. Ich rieche also schnell schwitzig da drin und das stört mich immens (Wahrscheinlich ein Hyperhidrosis-Trauma aus der Teeniezeit), vermutlich nimmt das außer mir gar keiner wahr, aber ich halt und darauf kommts ja an. Jedenfalls wollte ich mir ein ähnliches Shirt aus einem Baumwoll- oder Baumwollgemisch-Stoff nähen. Diesmal war ich aber kluk etwas schlauer und nähte nicht gleich wild drauflos, sondern bastelte erstmal was aus einem Stoff, bei dem ein wahrscheinliches eventuelles Versagen Improvisieren an kniffligen Stellen nicht so schade um den Stoff wäre. War gut so, denn 1. war unter der Achsel noch viel zu viel Stoff und 2. bietet der simpel anmutende Kragen einige Fallstricke, den hätte ich mal lieber erst feststeppen sollen, so musste ich eben Murksen Improvisieren. Auch weil der Stoff natürlich nicht halb so weich fällt, wie beim Original, und der Kragen deshalb viel steifer ist, der müsste dann wohl viel kleiner sein, damit er nicht wie bei der Herzkönigin aus Alice im Wunderland absteht. Naja. Ein Prototyp eben. 

(Ist auch nicht gerade meine Farbe.)

Tag 643 – Saftlos. 

Auch heute ein Tag eher zum Wegwerfen. Aber ich möchte ja nicht mehr so negativ sein, also erwähne ich nur ganz kurz den deutlich länger als geplant abgeschalteten Strom, die Kinderstreitereien, die kack Ergebnisse im Labor*, die Probleme mit dem einen Artikel und die Probleme mit dem anderen Artikel. Und jetzt konzentriere ich mich dann wieder auf das Gute:

  • Wunderbarstes Wetter. Echt mal. Besser als 15 Grad und Sonnenschein Mitte Mai hier in Trondheim geht nicht wirklich. 
  • Zu Fuß gehen tut mir wirklich gut und ich bin immer froh, wenn ich mir die Zeit nehme(n kann).
  • Ich habe heute meine Experimentreihe mit zwei Experimenten angefangen, die eine etwas schwierige Person aus unserer Gruppe gerne gemacht haben wollte. Sie war total überzeugt davon, dass das so nicht gehen könne, weil… Tja. Geht ja wohl. Ätschibätsch. (‚N bisschen Ahnung von Proteinen hab ich dann ja doch, nä?)
  • Überhaupt habe ich heute viel geschafft. Dass es nicht unbedingt viel gebracht hat, ist ja davon erstmal unabhängig. 
  • Sehr nettes Mittagessen mit Lieblingskollegin (there, i said it). 
  • Einen Kontakt zum wissenschaftlichen Schreiben in Unternehmen vermittelt bekommen. 
  • Ganz viele neue falsche Freunde Kontakte im Networkingnetzwerk.
  • Beide Kinder sind recht schnell eingeschlafen und liegen bisher noch in ihren eigenen Betten. 
  • Liv kommt morgen. 

Insgesamt ok, aber ich bin auch nicht traurig, dass der Tag jetzt vorbei ist. 

    * Interessantes Ergebnis: ich habe ein Protein aufkonzentriert, um dessen Bindung an ein anderes Protein besser untersuchen zu können. Nach dem Aufkonzentrieren bindet es aber gar nicht mehr an das andere Protein, und zwar egal in welcher Konzentration es eingesetzt wird. (Das aufkonzentrierte Protein ist aber  schon noch da, das habe ich als erstes überprüft. Aber vielleicht ist es kaputtgegangen? Hmmhmm…

    Tag 642 – Was für eine schöne Zahl.

    Ich bin total genervt von allem, deshalb nur kurze Meldung. 

    Die Bauarbeiten sind zu ca. 7/8 fertig. Es fehlen nur noch so Kleinigkeiten, wie Latten auf den Löchern die beim Türeneinbau gerissen wurden und irgendwie hat es auch keinen Sinn, für den Warmwasserbereiter extra einen Raum mit Brandschutztür zu bauen, wenn man dann das Stromkabel für selbigen Warmwasserbereiter durch die Tür legt, sodass man diese nicht mehr schließen kann. 


    Außerdem ist es überall furchtbar dreckig und der Staub von den Rigipsplatten hat sich in jede Pore der Holzdielen im hinteren Flur gesetzt, sodass man jetzt immer weiße Fußsohlen bekommt, wenn man da lang geht. Trotz Fegens und dann Staubsaugens auf „Saugt Wurmlöcher auf“-Stufe. 

    Außerdem Kinderkram, der mich doll orrren lässt, aber dazu eventuell später mal, es geht eh nur indirekt um unsere Kinder. 

    Stoff reichte nicht mehr für ein Kleid. 

    Und müde. Müde bin ich auch. Sehr. Letzte Nacht um eins war Pippi fast aus dem Bett gefallen (nur der Kopf lag noch auf der Matratze, der Rest auf dem Boden) und da begann eine Nacht in der ich von Bett zu Bett wanderte. Sowas strengt an. 

    So, genug genörgelt. Morgen ist ein neuer Tag.

    Tag 641 – Deilig!

    Quasi den ganzen Tag* in der Sonne** gesessen, Waffeln gegessen, geschnackt und das Wochenende genossen, während die Kinder sich im Garten unsere Freundin austobten. Ich frage mich ja schon***, wie es sein kann, dass zwei Dinge zeitlich exakt zusammentreffen: a) ein Wegziehen aus Trondheim ist, wenn auch vielleicht noch nicht ganz in Sicht, so doch als Sache an sich zumindest beschlossen und b) ich freunde mich mit Trondheim an. 

    * mit einem kleinen Abstecher ins Büro, um ein Schnittmuster auszudrucken und einmal gaaaaaanz kurz nach den Zellen zu gucken 
    ** Kein Sonnenbrand, keine Allergie. Ich möchte die Coop-Billig-Eigenmarke und insbesondere die Sensitiv-Sonnencreme**** an dieser Stelle lobend erwähnen!
    *** eigentlich nicht. Es wundert mich noch nicht mal, Hobbypsychologin, die ich bin.


    **** mit Hormonen*****! Muhahahaha!!!


    ***** (möglicherweise eventuell unter bestimmten Bedingungen hormonähnlich wirksamen Bestandteilen)

    Tag 640 – Bekymringswochenabschluss und #12von12 im Mai ’17.

    Was ein Tag. Aber es wäre nicht der 12., wenn man nicht 12von12 machen könnte (für mehr Informationen dazu und zur Sammlung der 12von12-Beiträge gucken Sie doch im Kännchen-Blog vorbei). 

    Der Tag fing etwas hektisch an, weil um acht der Strom abgestellt werden sollte. Wurde er dann nicht, aber Tjanun. 


    #1von12 von #12von12 Fahrradakku kann nach wie vor nicht geladen werden, ohne Akku fahren macht wegen des Fahrradgewichts nicht so richtig Spaß. Ich parke mein Fahrrad im Garten, weil im Flur (Yeah, Bauarbeiten) kein Platz ist.


    #2von12 von #12von12 Definiere Luxusproblem: ich hab meine Sonnenbrille vergessen und muss nochmal in die Wohnung hoch. Außerdem schwitze ich mit Schal. Es ist wirklich sehr schlimm alles.


    #3von12 von #12von12 Gleich gibt’s Frühstück.

    Mittlerweile ging mir der Magen ziemlich auf den Knien, also war das ganz gut, dass es mal es zu essen gab. 


    #4von12 von #12von12 Mein (geteiltes) Büro ist überfüllt. Ich kann so nicht #KW19.

    Tja. Die Masterstudentin muss Montag abgeben und sitzt mit ihrem Betreuer und dem Chef am Rechner um die letzten Korrekturen einzuarbeiten. Zwischendurch steht der Chef immer wieder auf und diktiert im Gehen Sätze. Er macht mich wahnsinnig damit. Trotzdem kriege ich irgendwie den CV fertig. 


    #5von12 von #12von12 Mittach mit Aussicht. (DEILIIIII!)

    Jaja, es ist schlimm, ich sag’s doch. 

    (Leider erwischten mich diverse Leute in der Mittagspause, darunter der Chef. Es wird beschlossen, ein Experiment zu wiederholen. Asap. Ich soll noch heute Zellen auftauen. Was tut man nicht alles für Nature, ne?)


    #6von12 von #12von12 CAPSLOCK IST KAPUTT!!! (Nicht mein Ordner!)

    Apropos Zellen auftauen. Mache ich dann mal. Seufzend. 


    #7von12 von #12von12 Na toll. Erst stand da „nur CV“, jetzt doch cover letter. Ja. Schreibe ich mal eben, ne?

    Dann wollte ich den CV hochladen. Und stellte fest: man darf auch nen Cover letter dazu tun. Mir kommt das im Grunde sehr gelegen, so nen Anschreiben bringt ja doch nochmal viel mehr Persönlichkeit rüber. Aber eigentlich wollte ich dich früh nach Hause… egal. Das mache ich noch. 


    #8von12 von #12von12 Manche Dinge kann ich auch einfach nicht lassen.

    Man wird übrigens später gefragt, was für ein Geschlecht man den habe, es gibt aber auch die Ankreuzmöglichkeit „I prefer not to disclose this information“. 


    #9von12 von #12von12 #Nachhausewegselfie (endlich!) Vor meinem Lieblingsgebäude hier.

    Doch wieder etwas frisch, deshalb doch der Schal. Aber total happy, kein Wunder: ich hab ja gerade locker drei Stunden darüber meditiert, warum ich total toll bin und man mich unbedingt einstellen sollte. 


    #10von12 von #12von12 Obligatorisches Abendessenbild (Reis mit Scheiß). K2 is(s)t fröhlich, K1 is(s)t bei seinem Kumpel.


    #11von12 von #12von12 K2 hat sich selbst den Schlafanzug angezogen. Inklusive Schuhe.

    Während Herr Rabe Michel abholt, habe ich sehr viel Spaß mit Pippi. Die ist so unglaublich niedlich! Ich krieg mich fast nicht mehr ein vor lauter Hachzen. Sie spricht jetzt auch Mehrwortsätze, zum Beispiel: „Se! Schuh-ä! Mama sin!“ (Guck mal! Schuhe! Mama ihre!) was übrigens völlig korrektes Norwegisch oder auch westfälisch ist. 

    Irgendwann sind die Kinder im Bett und ich tatsächlich noch wach. Auf dem Sofa TeX-e ich das Abschreiben zur Bewerbung und schicke es Herrn Rabe zum drüberlesen. Dann schrauben wir gemeinsam an ein paar Formulierungen rum, Herr Rabe zerhackt drei bis vier Satzschlangen und wir teilen uns ein bisschen Osterschoki. Und irgendwann lade ich tatsächlich die Bewerbung und den CV hoch. Verrückt. 


    #12von12 von #12von12 Die Bewerbung ist weg. Ich fühle mich in etwa so wie dieser Hase aussieht.

    (Nämlich leer und ein bisschen kopflos.)

    So, und jetzt erklärt mir mal bitte wer, wieso WordPress mal wieder keine Bildunterschriften haben will?