Tag 762 – Kachaow!

Michel und ich waren heute in Cars 3. Es war das erste mal Kino für ihn und das erste mal mit dem Fahrrad in die Stadt, das war alles sehr sehr aufregend, aber auch sehr lustig und schön. 

Erstmal: mit dem Rad in die Stadt ist für mich eine Sache von 5-7 Minuten, ich hätte das Doppelte angenommen, also 15 Minuten eingeplant und dann noch einen extra Puffer von 10 Minuten dazugezählt für Popcorn kaufen und nochmal pullern. Um halb vier sollte der Film losgehen, plus Werbung und Zeug natürlich. 

Wir kamen sogar halbwegs pünktlich los, obwohl Michel noch zwei Kuscheltiere mitnehmen musste und es lief auch im Straßenverkehr alles soweit ok, obwohl viele Fußgänger auf den Radwegen herumlatschten und Michel ja auch noch nicht ganz so pfeilgerade Fahrrad fährt. Dann vergaß ich leider WIEDER, dass die Brattørbrua gesperrt ist, wie ca. sieben Mal in der letzten Woche und wir mussten einen Umweg fahren und dann zwischen Leuten auf dem Gehweg lang und, ach, also so gut die ersten 7 Minuten Weg gelaufen waren, so bescheiden liefen dann die letzten 13 (!). Nervig, aber um 15:28 schlossen wir endlich die Fahrräder ab… und standen vor verschlossener Tür. Im Foyer des Kinos hat es nämlich vor ein paar Monaten gebrannt und es ist noch nicht fertig renoviert, deshalb muss man jetzt einmal um das komplette Gebäude rum. Naja, um 15:32 waren wir endlich im Kino und trafen Michels Freund H. und M., seine Mutter, die schon die vorab online gekauften Tickets geholt hatten. Michel ging dann mit H. Und M. schon mal in den Saal, während ich noch Popcorn holen wollte, dann doch Saure-Sahne-Chips kaufte. Nun ja. 

Als ich in den Kinosaal kam, saßen H. und Michel schon auf Sitzerhöhern und Michel hielt sich die Ohren zu. Die Werbung lief – für den Film „Askeladden“, ich habe jetzt keine Lust, das zu googeln, es hatte jedenfalls eine Herr der Ringe-Optik, war sehr düster und UNGLAUBLICH LAUT. Was ist denn das, dass Kinos immer lauter werden müssen? Und dann noch bei nem Kinderfilm um 15:30?!? Michel hielt sich jedenfalls die Ohren zu und ließ auch erst davon ab, als ich ihm aus Taschentuchstreifen Ohrenstöpsel gebaut hatte. Dann mampfte er Chips und hielt immer wieder die Ohrenstöpsel fest. Und war total gebannt. 

Es ist ja unglaublich süß, wie kleine Kinder bei Filmen mitgehen! Da wurde mitgefiebert, gespannt an den Fingern gekaut, gerufen, geschrien, sehr laut gelacht. So toll! Ich fragte ab und zu mal, ob er aufs Klo müsse, erklärte Kleinigkeiten („Weißt du, wer das ist?“ – „*Kopfschütteln*“ – „Das ist Chick Hicks.“) und genoss ansonsten den Film*. Bis Michel dann vor lauter Spannung von Stuhl fiel, auf seinen Kopf und mit den Beinen über den Sitz vom Vordermann, da war meine Aufmerksamkeit kurz unterbrochen, weil ich mich kaputt lachen e um ihn kümmern musste. Ist aber nicht passiert und ab da blieb er wenigstens halbwegs ruhig sitzen. 

Hinterher hatte ich dann ein aufgekratztes, Chipsverschmiertes Kind mit Beule, das mit leuchtenden Augen sagte: „Ich mag den Film. Ich mag das Kino. Das ist mein Lieblingsfilm!“‚. Und dafür haben sich die 350 NOK für das Gesamterlebnis doch schon mehr als gelohnt. 

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Ich will ja nicht Spoilern, vielleicht ist hier ja jemand so Cars-Fan, dass er/sie gar nicht ertragen würde, etwas über den Plot zu erfahren. Aber ich finde Cars ja eh gut und den 3. Teil am besten. So. 

Tag 761 – Hält der denn wirklich so lange?

Ja. 

Lyin‘ King Ultra Satin Lip. Aufgetragen um acht. Dieses Bild entstand um halb zehn, als die Titel-Frage in mein Handy plüngelte und ich beschloss, heute eine Bilderreihe _ohne_ Nachziehen zu machen.


17:00. Das Puder schwächelt. Lippenstift (und auch Lidschatten) sind da, wo sie sollen. Ich hatte in der Zwischenzeit 2 Kaffee, 4 Glas Wasser, Mittagessen (Nudeln mit, haha, roter Beete) und Kuchen im Gruppenmeeting.


21:00 Auch Pfannkuchen konnten dem Lippenstift nichts anhaben. Verkniffener Gesichtsausdruck, weil Herr Rabe grad versucht, mich beim Fotografieren zu fotografieren. Weil ich, der Beleuchtung wegen, auf unserem „Wohnzimmertisch“-Hocker liege.


So, abschließend hier das Abschminkprozedere: 1 Stritzer Reinigungsöl (von Balea) direkt auf die Lippen rubbeln und mit viel lauwarmem Wasser abwaschen. Zwischendurch Faxen im Spiegel machen, weil man wahlweise aussieht wie ein Clown oder ein Vampir. Auf eine ganz weiche Zahnbürste (ich benutze ja eh zum Zähne putzen diese „Super Sensitive“ oder wie die heißen von der dm Eigenmarken) eine „mein Baby hat nur drei Zähne“-große Portion Zahnpasta machen und den Rest des Lippenstifts abrubbeln. Drei weitere Stritzer Reinigungsöl im Gesicht verteilen und alles mit warmem Wasser abwaschen. Eventuell BHA-Peeling auftragen (meiner Haut reicht jeden 2. Tag, bei öfter fängt sie an zu protestierend), dann Nachtcreme und für die Lippen ne ordentliche Portion Lippenpflege (ich benutze das laut Paula’s Choice unglaublich schlimme Carmex, schon seit Jahren, meine Lippen können offenbar viel fieseres Zeug ab, als der Rest von meinem Gesicht). Zähneputzenabinsbett. 
(Übrigens hielt auch der Lidschatten wirklich Bombe, der sah genauso aus wie morgens, (auch) dank der Lidschattenbase, die mir Frollein Polly geschickt hat, nur: haben Sie schon mal versucht, ihre eigenen, geschlossenen Augenlider zu fotografieren? Ich schon und… naja. Funktioniert nicht soooo gut.)

Tag 760 – Kuschlige Kinder. So schön. 

Spoiler: nicht. Jedenfalls nicht immer. Nicht jetzt gerade. Nicht, wenn man nach mal wieder mehreren Nächten auf der äußersten Bettkante beim Ins-Bett-Bringen in Michels Bett mit eingeschlafen ist und da auch nach zwei Stunden nur raus ist, weil es zu warm und viel zu eng war. Und dann – die Zeit reichte genau für eineDusche – steht das Kind da schon wieder und muss aufs Klo. Und will danach natürlich wieder kuscheln. Dann denkt man, es ist eingeschlafen und will sich davon stehlen, aber nein, man kommt nicht mal bis ins eigene Bett, bevor man vom Kind verfolgt wird, das ja „nicht allein sein will“ und „jemanden zum kuscheln“ braucht. Und ich kriege echt zu viel, nicht mal im eigenen Bett in Ruhe einschlafen darf ich, ich schätze nämlich „alleine sein“ in meinem Bett ganz außerordentlich und mit einem mehr als aufdringlichen fast Fünfjährigen wrestlen kuscheln ist jetzt eher nicht erholsam. (Passender weise fängt er genau in diesem Moment auch noch an, mit den Zähnen zu knirschen und ich warte nur darauf, dass ich mich in sein Bett legen kann, das ist ja jetzt frei.)

Tag 759 – Dear @ColourPopCo,

I am writing you, because I want to ask you a favor. But, well, this is a blog, I cannot write only one sentence, that would be blunt and boring anyway, so let me tell you my make-up story first.

Uh, now that I come to think of it: it’s ridiculously short. Because I started using make-up regularly, umm, this year. The only cosmetics product that I used daily before then was mascara. Sometimes powder. Lipstick, eyeshadow and so on were mainly for parties and business occasions, and it always annoyed me that literally all of my lipsticks would transfer everywhere and not stay on the lips, and that eyeshadow always ran into the crease and crumbled there, giving any eye make-up a very… worn look after just two, three hours. That sucked, and it kept me from using make-up more frequently and in everyday life, where I couldn’t rely on „everyone who saw me was drunk anyway, haha“. But I always had the idea, that it has to be possible to have long-lasting make-up, other people can do it, too, why not me? And when I moved from Germany to Norway, where all cosmetics are horribly expensive, I thought, I could just as well go all-in and invest in some really good stuff. 

But when I asked on Twitter (in my German bubble, that is) if people would recommend any cosmetics brand for lipstick and eye-shadow, a friend recommended your products to me and I found them at least affordable (given that I was prepared to pay a fortune), so I ordered a „trial package“ with one foursome Super Shock Shadows, and one Ultra Satin Lip and one Matte Lippie Stix, with a Pencil that fits both colors. And I was completely flashed! The colors! The consistency! And they last, and last, and last, on the lips, the eyes, just where they are supposed to stay! It was like a revelation! Consequently it did not take a long time to my next order, with more Super Shock Shadows, lip colors, blushes and highlighters. And I love them all! In a third order I got a palette of blotted lips, which have become my absolute favorite every day lipsticks.

In the last months, I have learned a lot about what suits me, by trial (and error). I would never have anticipated, that greens, gold(-ish) and browns match my blue eyes much better that blues. Or that highlighter is the best invention ever. Because I really like some glitter. Of course, whenever people ask (and they do a lot!) how I make my lipstick stay the entire day and through several meals, I tell them that it’s from ColourPop and add som extra enthusiasm and exclamation marks!!!1! And I now that several friends have become addicted to your products as well.

But then you always have so many new products, it’s awesome and great and super smart of you, because people like me who don’t really know (yet) what they like probably order all the time. So I really understand if your reaction to my letter is a mere „bwaaahahaha!“. And it won’t keep me from ordering, anyway. 

My question is: Would you marry me make a Christmas calendar? Pretty please? With sugar on top? That would be the best (early) Christmas gift ever, I imagine trial-size goodies and some of those new, fancy products, and maybe some crazy colors that I’d never buy, and… but well. You have the picture.

Think about it. You would make a fan very happy (and I’m sure, not only one).

<3 –

R. Rabe

Tag 758 – WmDedgT September ’17.

Heute ist schon wieder der fünfte, das heißt, wir alle schreiben für Frau Brüllen auf, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Ein Tag voller Aufs und Abs.

Es ging damit los, dass um 05:35 (?) Herr Rabes Wecker laut und penetrant klingelte. Herr Rabe stellte seinen Wecker aber nicht ab. Als ich kurz davor war, mit meinem Kissen nach ihm zu werfen, realisierte ich in meinem halb schlafenden Gehirn dass der Mensch da an der Stelle wo ich Herrn Rabe vermutete viel zu klein war. Und zu lockig. Da lag also Michel, Herr Rabe lag mit Pippi in Michels Bett. Das erklärte einiges und ich brauchte dann auch nur drei Anläufe, um den Wecker auszustellen. Dann döste ich noch eine Weile weiter, stellte irgendwann auch Herr Rabes zweiten Wecker aus und dann meinen und dann las ich Blogs und sonnte mich ein bisschen im Lob über den Beitrag von gestern und dann stand ich auf. Weckte Herrn Rabe, schaltete die Kaffeemaschine an und ging ins Bad. Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen, zwischendurch Grøt für das Kinderfrühstück ansetzen, Haare föhnen, schminken. Sie lachen vielleicht, aber inzwischen war es halb acht. Aber da ich heute eigentlich sogar gar nicht zur Arbeit fahren wollte, war mir das ausnahmsweise mal egal. Pippi war wach geworden, ich holte sie aus Michels Bett und dann weckten wir Michel. Die Kinder wurden mit Frühstück versorgt und Herr Rabe drückte mir einen Kaffee in die Hand. Die Kinder frühstückten wie immer in Zeitlupe, ich zog während er aß Michel um (das funktioniert am besten, da hampelt er wenigstens nicht rum), Herr Rabe machte sich auf den Weg zur Arbeit. Michel wollte noch einen Brief an Einhalb schreiben, er möchte nämlich gerne auch selbst Post bekommen und da ich da gestern etwas angeleiert hab, fand ich es eine gute Idee, wenn er schon mal „in Vorleistung geht“, gewissermaßen. Michel malte sehr hingebungsvoll eine Rakete mit Boosterraketen und Klappfenstern und dann noch ein Haus mit vielen Fenstern, vor dem Pippi steht. Ich war wirklich beeindruckt, vor allem Pippi ist eindeutig als Würfelbaby Mensch identifizierbar, das ist ein enormer Fortschritt. Aber natürlich dauerte das ganz schön lange und Pippi musste nebenher natürlich auch malen und dann Stifte anspitzen und dann ihre Finger anspitzen, dann musste Michel noch Einhalbs Namen schreiben, der erste Buchstabe ist auch aus Pippis Namen und den kann er ganz gut, dann kam aber ein neuer und „den muss ich so ganz groß malen, das geht sonst nicht gut“ und jetzt steht da halt der erste Buchstabe in ca. Schriftgröße 15 und der Rest in 65, aber das ist einfach so niedlich. Den Rest der Karte (bis auf Michels Namen am Schluss) schrieb dann ich in Druckschrift, Einhalb hat ja auch gerade erst mit der Schule angefangen. Dann tüteten wir den Brief ein und ich zog mit Pippi ins Bad, um sie endlich anzuziehen. Michel fragte, ob er seinen Namen auf den Briefumschlag schreiben dürfe, „Ja, hinten!“, rief ich aus dem Bad und natürlich stand hinterher vorne auf dem Briefumschlag fett in Kleinkindschrift „MICHEL RABE“, mit Punkt auf dem I. Ich fand keinen Radiergummi, Michel schrieb seinen Namen auch hinten noch mal drauf, dann putzte ich uns allen die Zähne, machte Lippenstift drauf (ich hab grad keine Nude-Phase, das Ergebnis gefiel mir jedenfalls nicht so wirklich) und scheuchte die Kinder aus der Tür. Auf der Treppe nach unten fiel mir auf, dass Pippi schon wieder einen Kamm mit geschmuggelt hatte. „Du bist eine kleine Rübennase, Pippi!“, sagte ich und „Pippi Dübenase, hehe!“, sagte Pippi.

Weil ich mein Fahrrad gestern bei der Arbeit gelassen hatte, montierte ich das Hilfsrad an den Croozer und schob Pippi darin in den Kindergarten. Michel fuhr Rad und schwafelte mich dabei voll, wie immer. Im Kindergarten angekommen rannte Pippi direkt ohne Verabschiedung in den Gruppenraum, Michel drückte mich nochmal und knutschte mich ab und dann stand ich auch schon wieder draußen und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Beim Überlegen, ob ich mir eine Banane holen sollte, fiel mir ein, dass das, was ich als Mittagessen geplant hatte, noch zu Hause war. Chili von Sonntag, wäre es von gestern gewesen, hätte ich es wohl einfach stehen gelassen und mir halt heute was gekauft, aber so sprang ich eben kurz nochmal in die Wohnung und holte das Chili und noch eine halbe Waffel, die ich dann zum Frühstück auf dem Weg aß. Ein Kaffee vom Rema 1000, vorbei an der ultra eklig stinkenden Pfütze (aus der es, ohne Witz, warm aufsteigt, da muss doch was drin verendet sein und verwest da jetzt langsam!) und so war ich auch „schon“ um halb zehn bei der Arbeit. Aber wie gesagt, eigentlich wollte ich ja gar nicht hin, ich musste nur was bestellen und einmal nach meinen Zellen sehen und dann wollte ich auch eigentlich schon wieder fahren.

Eigentlich. Dann googelte ich aber doch noch schnell nach Phenolrot-freiem Medium, um nochmal bessere Konfokalbilder zu bekommen (ich nerde mich da grad total rein und finde es, gelinde gesagt, total geil) und fand auch das, was ich für meine Knock-Out Zellen laut Hersteller benutzen soll als Phenolrot-frei, las mir die Formulierung spaßeshalber (!) durch und stolperte über den Satz „… our special formulation is iron-free.“. Jetzt ist es so, dass ich unter anderem mit einer Knock-out-Zelllinie die Funktion einer Eisen(II)-abhängigen Dioxigenase untersuche. Abhängig heißt, ohne Eisen keine Reaktion. Das Enzym funktioniert nicht. Knock-out heißt, das Enzym ist auf der genetischen Ebene zerstört, wird also gar nicht gemacht. Ich vergleiche im Prinzip dann, wie der Wildtyp (mit intaktem Enzym) und der Knock-Out (ohne Enzym) Schäden reparieren, die ich den Zellen chemisch zufüge. Nur dass ich halt kein Eisen im Medium hatte, was ich nicht wusste, und damit hat halt auch im Wildtyp das Enzym nicht funktioniert und meine Arbeit damit war komplett Sinn- und wertlos.

Ich eskalierte kurz.

Dann schrieb ich eine Mail an den Zelllinienhersteller, was ich denn jetzt machen sollte, verglich Medien, berichtete dem Chef von meinem grandiosen Fund, aß Mittag, verglich weiter Medien, verglich verschiedene Eisen-Salze, versuchte herauszubekommen, ob nicht vielleicht doch ausreichende Mengen Eisen im Kälberserum sind (Antwort: who knows, das untersuchen die ja nicht jedes Mal, hahaha), bestellte Eisennitrat, bestellte neue Kits zur Aufreinigung von mRNA, weil mir vermutlich halt der letzte Versuch deshalb in die Hose gegangen ist. Drei echt volle Tage Arbeit und Kits im Wert von fast 1000 USD. Oh, welch Freude.

Dann ging ich zum Chef um ihm von meinen Eisenrecherchen zu berichten. Er empfing mich mit „Congrats!“. Ich guckte fragend und er sagte „To You! And to me! They [der amerikanische Collaborator] got their article [in Nature] accepted!“. Ich sage es mal so: WHOOOOOOOHOOOOOOO! Da steht mein Name mit drauf, in fucking Nature, ich hab zwischendurch immer wieder nicht dran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: der kommt jetzt raus! Damit habe ich auch das eine Paper, was für die Thesis veröffentlicht sein muss, im Kasten. Yeah!

Danach war mir alles ein bisschen egal, es kam noch eine Mail, ein Antikörper sei gekommen, ich schwankte zwischen „direkt nach Hause und den Sekt öffnen“ und „morgen schon ein Ergebnis für den Antikörper haben“ und entschloss mich, gerade meiner ausgelassenen Stimmung wegen, für letzteres. Buchte mir eine halbe Stunde am Mikroskop morgen und färbte Zellen. Aber grinsend, und während der 45 Minuten Blocking (aka. Wartezeit) ging ich beschwingt zum 7Eleven und holte mir noch einen Kaffee und einen riesigen Schokomuffin. Ging zurück ins Labor, räumte die zu färbenden Zellen in den Kühlschrank und war bereit, nach Hause zu gehen. Im Büro fiel mir dann der Brief wieder ein, im Büro habe ich ein Radiergummi und ich radierte schnell und bekam auch Fluchs die Adresse. Beschwingt verließ ich das Büro, zog im Fahrstuhl nochmal den Lippenstift nach (ja, der hat so lange gehalten) und dann klingelte mein Handy. 

Meine Mutter. Mit ihr telefonierend schloss ich mein Fahrrad auf und schob dann bis zum Samfundet, weil sie, unbeeindruckt der Tatsache, dass es bei mir ziemlich stürmisch war und sie deshalb von mir dauernd nur Rauschen hörte, einfach immer weiter erzählte. Irgendwann merkte sie dann aber doch, dass sich so keine richtigen Gespräche führen lassen und wir verabschiedeten uns – unter der Voraussetzung, dass ich sie anrufen würde, wenn ich zu Hause sei. Ich fuhr also los, sprang kurz vor zu Hause noch mal ab und in den Bunnpris um den Brief abzugeben, traf noch kurz Kindergartenkind E. und seine Mutter und dann war ich auch um sechs schon zu Hause. Toll.

Herr Rabe war schon am Kochen, die Kinder und ich riefen per Skype die Oma wieder an. Pippi rollte während des Gesprächs dauernd mit den Augen, was einerseits sehr niedlich war, andererseits aber auch unglaublich komisch, jedenfalls fand ich das in meinem immer noch ziemlich euphorischen Zustand. Michel zeigte der Oma alle seine Lieblingsspielzeuge. Pippi rollte mit den Augen. Dann kam die Frage „Kommt ihr denn dann nächstes Jahr nach Hause?“, ich dachte auf einigen Ebenen „What the fuck?“, sagte aber nur „Ich weiß es noch nicht, Mama.“ Haha. Zu Hause. Dann gab es glücklicherweise Essen, sodass ich meine Mutter leider, leider abwürgen musste.

Lecker Essen (Couscous mit Gemüse und Quorn-Schnitzel), dann Kinder-Bettzeit. Planmäßig nicht neben Michel eingeschlafen, sondern stand nach einer Runde Twitter- und Blogslesen (Ich winke mal nach Finnland: Hier ist auch Herbst, richtig und in echt und ich bin auch so gar nicht bereit dafür!) wieder auf. Lauschte noch kurz den zwei schnurchelnden Mäusen und ging dann ins Bad. Schminkte mich ab, cremte mich ein, betrachtete etwas sorgenvoll meine im Moment wieder ziemlich picklige Haut (Memo an mich: gucken, ob The Body Shop mehr als nur die Verpackung der Nachtcreme geändert hat!) und machte dann Brotdosen für die Kinder morgen fertig. Sprühte die Schnecken ein, betrachtete sorgenvoll auch die Quarantäne-Schnecke, die so viele Eier gelegt hat und jetzt, so vermute ich jedenfalls, leider stirbt, vielleicht waren es ein bisschen sehr viele Eier… Jedenfalls frisst sie nicht und zieht sich immer weiter in ihr Haus zurück. Öffnete mir ein Feier-Bier, kippte den Rest vom Sekt von Freitag weg (der war auch echt einfach nicht lecker und dann noch mit ohne Kohlensäure… *schauder*) und seitdem sitze ich hier und schreibe. Gerade kam eine Mail, dass der Zelllinienhersteller „meine Anfrage bearbeitet“ und sich bis Ende der Woche zurückmelden wird. Super, davon kann ich mir ja jetzt auch nen Blumentopf kaufen. Aber egal, das verhagelt mir meine Laune jetzt auch nicht mehr, ich gehe gleich ins Bett und lese noch eine Runde über Harry Hole in Bangkok (ich lese ja die Harry Hole-Bücher von Jo Nesbø nicht chronologisch, um meine Zwanghaftigkeit abzubauen das hat sich einfach so ergeben und ist… auch mal interessant!) und dann ist Licht aus angesagt, morgen kann ich nicht wieder so spät bei der Arbeit auflaufen, ich hab ja zu tun.

Tag 757 – Sagt einem ja auch keiner.

Schon seit Wochen gärt es in mir. Mal aufzuräumen mit diesem „sagt einem ja vorher auch keiner“. Ich sag es jetzt. Alles. Bis auf das, was ich vergesse.

Meine liebe kinderlose Freundin,

Du fragst dich, wie es ist, das Leben mit Kindern. Immerhin was, du fragst dich, das ist schon mal gut, dann kannst du dich vorbereiten und rennst nicht blind drauflos und bist dann total überrascht wenns kommt, wies kommt. Und ich mag dich, ich werde also ehrlich sein.

Erstmal: ich hasse diese Plattitüde „Es kommt sowieso alles ganz anders!“. Kotzwürg, echt mal. Dein Kind wird vermutlich nicht grün sein oder vier Meter groß oder niemals weinen. Es gibt ein gewisses Spektrum, das schon, aber manches ist halt relativ sicher, anderes eher offen. Aber ich kann dir ja schonmal sagen: du wirst diesen behämmerten Satz sehr oft hören. Denn: jeder hat eine Meinung zu Kindern/Eltern/Müttern/Schwangeren und die meisten tun sie gerne kund. Ich finde es schlimm, aber so ist es.

Es geht schon in der Schwangerschaft los. Plötzlich sind alle Experten. Tolle Ratschläge von allen Seiten. „Du darfst keine Erdbeeren (oder besser *insert random food*) essen, wegen…“. Lass dir gesagt sein: Diese Ratschläge sind zu 90% ohne wissenschaftliches Backing, zu 50% totaler Quark und zu ebenfalls 50% Ammenmärchen, die mal ihre Berechtigung hatten, inzwischen aber komplett überholt sind. Und zu jeder Meinung wirst du eine Gegenmeinung hören. Schon als Schwangere kannst du es nur falsch machen, aber besser ist, du gewöhnst dich da dran, so geht es nämlich weiter. Beispiel gefällig? Ärzte werden dir vielleicht vorschlagen, spezielle Vorsorgeuntersuchungen machen zu lassen. Man kann heute auf echt vieles testen. ERWÄHN NIEMALS ÖFFENTLICH, DASS DU DAS (NICHT) VORHAST! Du kannst nur verlieren. Wenn du eine gute Freundin hast (so wie mich, husthust) und Diskussionsbedarf besteht, kannst du es mal unter vier Augen ansprechen, aber besser ist, du bildest dir deine Meinung dazu schon vor der Schwangerschaft, eventuell mit dem Partner, und dann kannst du deine Entscheidung Ärzten mitteilen und gegenüber Arbeitskollegen/Bekannten/Dem Internet(TM) je nach Laune vertreten oder verschweigen. Weil auch hier gilt: du kannst es nur falsch machen. Machst du extra Vorsorge, giltst du als übervorsichtig und manche werden direkt denken, dass du ein Kind mit *insert random Beeinträchtigung* sicher sofort abtreiben würdest. Machst du keine extra Vorsorge, werden Ärzte und co. dich für fahrlässig halten. *Shrugs*.  Und apropos Vorsorge: Du kannst fast die komplette Schwangerschaftsvorsorge bei einer Hebamme machen lassen (hahaha, falls du eine findest!), aber dann erklären dich die Ärzte halt für bekloppt. Wenn du aber keine Hebamme konsultierst, erklären dir drölfzig Supermuttis gerne, dass das ja aber viel besser wäre und überhaupt, Ärzte sind alle schlimm und nur auf Geld aus und Schwangerschaft ist keine Krankheit und blablabla. Leg dir ein dickes Fell zu. Bester Tipp, den ich dir geben kann.

ACH JA. Genau. Schwangerschaft ist keine Krankheit. Für manche schon! Surprise, es gibt Schwangere, die kotzen 40 Wochen durch! Oder kriegen Diabetes, oder so herbe Symphysenprobleme, dass sie kaum mehr laufen können, oder oder oder. Die Geschichten wirst du alle zu hören kriegen, wie deine Oma damals an Weihnachten in die Salatschüssel reiherte und dass die Schwägerin der Kollegin 30 Wochen liegen musste und die andere saß nachher im Rollstuhl, weil ihr das Kind das Becken gebrochen hat. Ja, gibt es alles. VIELLEICHT wirst du aber auch zu denen gehören, die das schwanger sein in vollen Zügen genießen. Die wenig bis keine Beschwerden haben, die sich als schön und weiblich und sexy wahrnehmen, die dann von den anderen dauernd zu hören kriegen: Ah, wenn das erste (zweite) Trimester easy ist, wird das zweite (dritte) schlimm. Oder spätestens die Geburt. Meh. Ich persönlich fand schwanger sein ok, ich fühlte mich ganz ok, kotzte nicht, aß viel und hatte zur Abwechslung mal keine Hautprobleme. Ok, manchmal fühlte es sich halt an, als würde ich ein Alien ausbrüten, das mir den Kopf in die Blase drückt und dabei mit Füßen und Ellenbogen meine Rippen malträtiert. Und der Gedanke daran, dass dieses Kind ja irgendwann auch raus muss, der war mehr als gruselig. Denn auch da halten Leute sich mit Horrorstorys nicht zurück. Ich weiß mehr über die Geburtsverletzungen meiner Schwiegermutter als ich jemals verdrängen könnte. Ich erspare dir das deshalb, und umreiße kurz:

Eine Geburt tut sau weh. Ich kriege inzwischen Plaque, wenn mir Leute von Hypnobirthing vorschwärmen, aber nicht, weil ich nicht glaube, dass das funktionieren *kann*. Ich glaube schon, dass es Geburten gibt, die ohne Hypnobirthing schmerzarm und mit schmerzfrei sind. Geburten! Nicht: jede Frau kann eine schmerzfreie Geburt haben, wenn sie nur genug meditiert! Meiner Meinung nach wird so den Frauen auch noch die Verantwortung für ein möglichst *schönes* Geburtserlebnis aufgebürdet, eine Geburt muss nämlich heutzutage nicht nur in einem gesunden Baby und einer gesunden Mutter resultieren, nein, du hast gefälligst dafür zu sorgen, dass das alles *schön* ist, dass keine „unnötigen“ Untersuchungen und Interventionen gemacht werden (um das zu entscheiden, was unnötig ist, hast du vorher eine klitzekleine Ausbildung in Geburtshilfe absolviert, versteht sich, oder aber du hast drei Websites gelesen, kommt eigentlich aufs Gleiche raus *Ironie off*) und das alles, während du (höchstwahrscheinlich jedenfalls) die krassesten Schmerzen deines ganzen Lebens hast. Klingt verlockend, nicht wahr? Meine ganz ehrliche Meinung dazu ist: eine Geburt kann außerordentlich empowernd sein, aber sie wird nicht schlechter durch Schmerzmittel. Auch ein Kaiserschnitt kann eine schöne Geburtserfahrung sein. Ich kenne Frauen, für die war der ungeplante Kaiserschnitt am Ende eine Erlösung. Ohne Trauma. Ich kenne auch welche, für die das ganz schrecklich war, weil der Kontrollverlust eben enorm ist und vor allem bei Notkaiserschnitten die Komplikationsrate hoch. Du kannst es vorher nicht wissen. Ich möchte dir, als meiner Freundin, einfach ans Herz legen: Bereite dich auf Schmerzen vor, bereite dich auf Kontrollverlust vor, sperr dich nicht von vornherein gegen alles, was irgendwelche Leute als „nicht natürlich“ bezeichnen, denn: damit machst du es im Zweifel nur für dich schlimmer und schwerer zu akzeptieren, wenn es eventuell doch nötig wird. Und als letzten Tipp zu der Geburtssache: auch bei unschönen oder sogar traumatischen Geburten kommen fast immer gesunde Babys heraus. Und die Seelen der Mütter heilen auch. Manche mit Hilfe und manche mit der Zeit.

So. Jetzt sitzt du da also, hast dein blaurotes Schrumpelalien rosiges Baby im Arm, blutest wie Sau, traust dich nicht aufs Klo, hast Hämorrhoiden und dein Partner hat dich grad kacken gesehen siehst es an und wartest auf den Wow-Moment. Vielleicht hast du den auch direkt. Vielleicht nicht. Vielleicht möchtest du erstmal schlafen. Vielleicht bist du überfordert von der Verantwortung. Vielleicht kommt gleich die Hebamme und stopft dem Kind deine Brust in den Mund. Vielleicht bist du schockverliebt. Vielleicht saugt sich das Kind grad an der Nase deines Partners fest, weil du noch zu zittrig bist, um es zu halten. Und weißt du was: alles ok. Stress dich nicht damit, jetzt sofort irgendwas fühlen zu müssen. Wenn es dir richtig kacke geht, physisch eh, aber psychisch auch, sag wem Bescheid. Aber stress dich nicht selbst: Du hast grad ein Kind geboren, einen richtigen kleinen Menschen, das ist erstmal genug und so überwältigend, da produzieren Menschengehirne eben die unterschiedlichsten Reaktionsmuster. (Nach ein paar Tagen kommen übrigens die Heultage, das ist auch normal, ich hab bei beiden Kindern Rotz und Wasser geheult, wegen absolut gar nix, bei Pippi wars glaube ich die Farbe der Babydecke oder so. Meist kommen die Tage mit dem Milcheinschuss zusammen, das ist dann besonders prickelnd, das kann nämlich auch ziemlich unangenehm sein. Aber wichtig ist, dass das vorbei geht und wenn nicht, musst du auf jeden Fall wem Bescheid geben, so eine Geburt kann nämlich auch eine besondere Form der Depression verursachen und das ist scheiße, aber behandelbar.)

Aber ich wollte ja sagen, „was einem vorher keiner sagt“. Genau: Also, dein Körper, ne? Du denkst, du kriegst den jetzt zurück, ne? Möööp. Zurück eh nicht, weil was sich einmal so aufgebläht hat, das geht nicht mehr ganz in die gleiche Form zurück, da kannste trainieren und diäten und machen, was du willst, ganz exakt so wie vorher wirds nicht mehr. Das kann man schlimm finden oder nicht, ich finde ja, man sollte auch da die Kirche im Dorf lassen und sich nicht übermäßig unter Druck setzen, nach ner Woche wieder auszusehen wie Prinzessin Kate. Aber vor allem geht die Fremdbestimmung über deinen Körper weiter, weil: Stillen. Und jetzt sagst du, meine liebe emanzipierte Freundin, dass ja nicht jede stillen will. Und ich applaudiere dir und sage, du hast natürlich recht. ABER. Erklär das mal den Hebammen/Stillberaterinnen/Supermuttis. Nicht stillen und zwar von Anfang an ist ein Frevel sondergleichen in unserer ach so aufgeklärten Welt. Plötzlich hat JEDER was dazu zu sagen, wass du mit deinen Brüsten tust (oder eben nicht tust). Es ist zum Kotzen und deshalb wirst du von mir da nie ein irgendwie urteilendes Wort hören. Von mir aus still, oder lass es bleiben, still bis zur Grundschule oder exakt vier Monate, es ist deine Entscheidung. Deine. DEI-NE. (Kurz zum Stillen an sich: Kann man mögen, muss man aber nicht. Brustwarzen müssen sich auch erst mal dran gewöhnen, dass sie plötzlich große Teile des Tages benuckelt werden, das ist möglicherweise unschön. Richtig wehtun sollte es nicht, dann sollte mal eine Stillberaterin drauf gucken. Es geht immer wieder auf und ab mit der Menge, der Regelmäßigkeit und auch dem Mögen. Stillhormone sind schon was feines. Im Liegen Stillen hat mir meine Nerven beim zweiten Kind gerettet. Und dieser Blick, wenn so ein Baby einen beim Stillen verliebt anguckt… hachz. Fast so schön, wie bei nem Fläschchen.) Menschen werden dich beklatschen, andere abstoßend finden, wenn du in der Öffentlichkeit stillst. Menschen werden kommentieren. Dauernd. Der gesellschaftliche Konsens momentan ist in etwa: still 4-6 Monate voll und dann still sehr schnell ab. Ab ca. neun Monaten ist stillen mehr oder weniger eklig (nicht meine Meinung! s.o.). Und auch wenn du es so machst, wirst du trotzdem überall anecken, entweder bei den „Ich stille solange, wie das Baby will“-Müttern oder bei… allen anderen, also: dickes Fell. Sehr dickes. Hast du schon Haarwuchsmittel? Kauf dir welches. Das Fell. Du weißt schon.

Und jetzt bist du also Mutter. Angekommen im Mutter-sein. Und nun? Überraschung – auch jetzt kannst du’s nur falsch machen. Gehst du früh wieder arbeiten: Rabenmutter. Lässt du’s bleiben: Heimchen am Herd. Was mir aber am Herzen liegt, ist das hier: Du brauchst jetzt einen Partner, der das mitträgt, was du für dich entschieden hast. Ich hoffe inständig, dass ihr da vorher drüber gesprochen habt. Lange vorher. Im Prinzip gibt es zwei Extreme und natürlich drölfzig Schattierungen dazwischen: Entweder du (oder dein Partner, aber sagen wir mal, ihr seid *etwas* klassisch drauf, trotz aller Emazipation) bleibst lange zu Hause und kümmerst dich ganz klassisch um Haus, Hof und Kinder. Dann bedenke! BITTE! dass so ein Typ eventuell nicht für immer bei dir bleibt. Sieh zu, dass dir Rentenpunkte übertragen werden, oder er soll dich privat finanziell absichern, sodass du nicht am Ende echt dumm aus der Wäsche guckst, wenn du alleine da stehst, seit Jahren („aber das haben wir ja gemeinsam so entschieden!“ davon wissen einige Väter dann plötzlich gar nichts mehr…) aus dem Job raus, mit Kindern an der Backe (Arbeitgeber lieben das bekanntlich) und der Aussicht auf allerfeinste Altersarmut, weil ja lange nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Du machst zu Hause einen anstrengenden Vollzeitjob, der sollte von deinem Partner entsprechend gewürdigt werden und dazu gehört auch, dass er dich irgendwie absichert. Oder (das andere Extrem) du gehst halt so schnell wieder arbeiten, dass der Arbeitgeber nicht meckert, stellst die Ohren für alles „aber Fremdbetreuung ist des Teufels!“-Geheul der Vollzeitmütter auf Durchzug, nimmst deinen Partner für sämtliche Care-Arbeit (dazu gehört auch der Haushalt, nicht nur Kinderbetreuung!) zu 50% in die Pflicht (optimaler Weise hast du auch so einen Herrn Rabe, für den das keine große Diskussion ist) und… kämpfst trotzdem mehr als jeder Vater. An allen Fronten. Aber vielleicht hilft dir ja mein Strohhalm: dass unsere Töchter vielleicht nicht mehr so kämpfen müssen. Ich will das nicht beschönigen, so viel arbeiten, dass man im Zweifel auch ohne Partner über die Runden käme und noch (kleine) Kinder haben ist ein dauernder Balanceakt und zeitweise fürchtet man nichts mehr als eine Miniböe, die einen vom Seil pustet. Vor allem ohne soziales Netz ist das saumäßig anstrengend. Und egal wie toll du balancierst, wirst du gefragt werden, wie DU denn die Kinder betreust, wie DU das denn machst, ob DU jetzt SO EINE Karrieremutti bist, ob DU denn das Kind nicht vermisst, etc. pp., während sich Väter sowas ca. nie anhören müssen. Das macht mürbe und müde. Alles daran. Aber wenigstens nicht arm… *Shrugs again* Aber, wie dem auch sei, mach es mit deinem Partner zusammen. Und lass dich nicht mit „naja, aber er verdient halt auch mehr, das lohnt sich gar nicht“ abspeisen. It’s a trap. Während du nämlich K1 hütest, startet er beruflich durch (hat ja Zeit und ist vermutlich in den besten Jahren). Dann bist du grade so wieder im Beruf angekommen, Teilzeit, weil er arbeitet ja >40 h/Woche und das geht ja sonst mit der KiTa nicht auf und… wirst wieder schwanger. Er verdient jetzt noch mehr als noch vor K1, du viel weniger, naaa, wollen wir mal raten, was das Argument sein wird, weshalb er leider gar keine Elternzeit nehmen kann? Eben. Ich sage nicht, dass es so laufen muss, aber oft genug läuft es genau so und da muss man gemeinsam! bewusst gegensteuern. 

(Alternativ kannst du dich auch in die lange Reihe derjenigen stellen, die nach dem „Dorf“ schreien. Aber dann können wir leider nicht länger Freundinnen sein, weil mich dieses hohle Gelaber inzwischen derart anödet. Wir können wieder reden, wenn du wirklich bereit bist, in eine Familien-WG oder so etwas zu ziehen. Dein Haus, dein Auto, dein Boot, alles zu verscherbeln oder der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.)

Bleibt noch was? Ach ja, die mommy wars. Hast du dir schon einen Erziehungsstil ausgesucht? Na dann wirds aber Zeit! Und dann musst du den extremistisch auslegen und missionarisch verbreiten, während du Andersdenkende rechts und links aggressiv wegbeißt. Wie in so ner richtigen Sekte. Glaubst du nicht? Na dann guck mal in Elternforen. Oder besser: lass es bleiben. Echt mal. Es gibt ca. sechtausend Erziehungsratgeber und manche davon sind gut, andere schlechter und wieder andere sind totaler Quatsch, aber entweder liest du die alle lange bevor du Kinder hast und noch halbwegs neutral in deinem Urteil über den Sinn und die Anwendbarkeit bist, oder du wartest damit, bis die Kinder aus dem Haus sind. Dann kannst du wenigstens herzlich drüber lachen. Und ich sage es dir, es gibt nichts, was es nicht gibt, die möglichen Erziehungsideale reichen von totalem Helikoptern bis hin zu „meine Kinder dürfen alles, was sie wollen, wann sie es wollen und so viel sie davon wollen“. Und, surprise, da gibt es echt viel Konfliktpotential. Ich glaube ja, dass, je schwerer es fällt, irgendeine Lebensweise durchzuhalten, die Anhänger besonders empfindlich gegenüber Kritik werden. Da reicht ein „find ich nicht so cool“ und schon wird wild um sich geschossen, dass man das Gefühl hat, man wäre nicht nur auf die Zehen sondern direkt aufs rohe Fleisch getreten. Mit Spike-Schuhen an. Mit denen man eben noch durch Streusalz gelaufen ist. Was kein Wunder ist, wenn man sich die Regelkataloge einiger dieser Lebensweisen durchliest (was oft übrigens eher durch die Anhängerschaft definiert wird, als durch die, die sich das ursprünglich mal ausgedacht haben). Ich sag mal so: wenn ich jeden Tag nen Marathon laufen würde, dabei jonglieren, ein Buch auf dem Kopf balancieren und „Die Glocke“ rückwärts aufsagen und dann würde jemand kommen und mich fragen, was das denn solle, obs nicht auch einfacher ginge, würde ich vermutlich auch ausrasten. Ich habe da nur jetzt leider keinen tollen Tipp für dich, meine liebe Freundin, außer, sich von dem ganzen Zeug sehr weit fern zu halten. Alles, was irgendwie wie ein Rezept für tolle/schlaue/empathische Kinder klingt ist mit großer Wahrscheinlichkeit Humbug. Kinder sind Individuen. Auf jedes Kind das gleiche Rezept anwenden ist also zum Scheitern verurteilt. Lass dich bloß nicht auf diese Grabenkämpfe ein, das bringt gar nix außer Frust. Den Kindern bringts in jedem Fall schon mal überhaupt nix.

Aber wie ist es denn nun, das Leben mit Kindern? Naja…

Wunderbar. Ganz einfach. Alles wert. Die Nächte Wochen Monate Jahre mit wenig Schlaf. Die Paarstreitereien. Den Vereinbarkeitsspagat. Das kriegt man alles zurück. Doppelt, dreifach, hundertfach.

Aber wie, kann ich dir auch nicht so genau erklären. Das muss man erleben.

Deine R., die sehr müde ist, eine Körbchengröße weniger hat, dafür zehn Paar Augenringe mehr als vor den Kindern. Und ein pralles Glückskonto, das hat sie auch.
 

Tag 756 – Uffjerecht. 

Eigentlich sollte hier ein langer Post stehen, aber der muss halb fertig noch ein bisschen garen, es ist ja schon wieder so spät. Aber ich hab mich heute schon wieder so aufgeregt, das muss irgendwo hin. 

Auch aufgeregt hat sich offenbar halb Deutschland beim Schauen des TV-Duells, war wohl müde wie der ganze Wahlkampf. Kurz entschlossen: ich mache jetzt noch Wahl-O-Mat, deinwal.de hab ich schon durch und dann wähle ich und dann gehe ich schlafen. Aufregend. 

Hier noch zwei Bilder von gestern. Zum Abregen. 

Im Kinderwagen sitzen…

Michels Baby (rechts) und Pippis Baby (links). Beide wurden auch schon gewickelt und gefüttert. Und Pippi hat ihnen gezeigt, wie man sich festhält, sie halten sich nur nicht dran.

Tag 755 – Mona Lisa. 

Ich wollte mich eigentlich gezielt aufregen, aber dann entschied ich mich anders und twitterte lieber herum und machte Teig für sechstausend Backwaren und rupfte einige Augenbrauenhaare aus. Also, nacheinander, nicht dass sie denken, ich zupfe meine Augenbrauen über der offenen Teigschüssel. Aber jedenfalls habe ich jetzt für heute gar kein Thema mehr, über das ich schreiben könnte. Ich liege hier im Bett, lächle vor mich hin wie die Mona Lisa und denke drüber nach, ob die vielleicht auch lächelt, weil sie „alle irre“ denkt. Oder vielleicht denkt sie auch an ihre wunderbaren Kinder. Oder daran, dass das Kinderzimmer echt zu klein ist, was man daran merkt, dass nach zwei Stunden Schlaf da drin schon eine Luft ist, wie im Pumakäfig. Leider geht ja auch das Fenster nicht richtig auf, das hilft also auch nix, und dann wühlt das große Kind im Schlaf so rum, dass es falschrum oben auf der Decke liegt und das kleine Kind sagt „Decke!“ wenn es zugedeckt werden will und aber auch, wenn es vor dem Schneckenterrarium steht. Außerdem sagt das kleine Kind „Socken anziehn!“ zu Michels Magnetbuchstaben-L. Das große Kind sagt „Pippi guckt so bisschen müde aus.“ weil es auf Norwegisch so heißen würde und überhaupt benutzt es viele lustige Redewendungen. Meine Kinder sind auch die einzigen, die „Guck jetzt!“ sagen, statt „Guck mal!“, bevor sie auf dem Bett hüpfen. Und ich liege im Bett und denke an die Mona Lisa und hoffe einfach mal für sie, dass sie auch auf dem Bett hüpfende Kinder hatte. 

Tag 754 – Stößchen. 

Today’s the day. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich im Zweifel eben ohne Unterstützung durch meinen Supervisor fertig werde. Und dass ich das schon schaukeln werde. Weil ich’s kann. Ich kann das. Das Thema, das selbständige Denken und das Entscheidungen treffen. Ha. Soll er doch in Funklöchern Fische angeln, ich fixe derweil die Hälfte der Konfokalbilder*, bestelle mir Zeug zusammen um den Rest noch schön zu machen (und weiche damit nicht nur ein bisschen von seinen irrwitzigen Plänen ab, aber irgendwer muss ja auf dem Boden der Tatsachen bleiben), organisiere mir Gratisproben an Antikörpern, damit ich nicht unnötig viel Geld verpulvere** und plane nebenbei das dritte Manuskript samt Backup***, wenn die Daten wirklich allzu schlecht sind. 

Und das Wichtigste: ich hab mit dem potentiellen Opponenten gesprochen, ganz alleine, weil mein Chef halt unentschuldigt fehlte nicht da war, es war sehr gut, ich fühle mich nicht dümmer als vorher, wir haben fast auf Augenhöhe miteinander gesprochen****, er freut sich sehr auf den Artikel und hat seine Hilfe als Vorab-Reviewer angeboten. Er freut sich auch sehr, mein Opponent zu werden. Hurra! Kein Paper veröffentlicht, aber nen Opponenten, das ist ja auch mal ne Herangehensweise. Witziger Weise (ok, eigentlich überhaupt nicht witzig, weil es zeigt, wie wenig er in dem Thema drin ist)  kannte mein Chef den nichtmal vom Namen her. Egal, auf das gute Gespräch und auf die Erkenntnis oben habe ich eben eine Flasche Sekt geöffnet. Kann man ja mal machen, nach so ner Kackzeit. 

Und weil ich jetzt Wochenende habe und gedenke, nicht zu arbeiten und mir auch keinen Kopf mehr um alles zu machen, habe ich eben eine Mail an unseren Proteomics guy geschickt, auf dass er mir nicht wieder das Wochenende versauen möge. 


Gnihihi. Cheers!

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* Wenn ich die vom Computer gezogen hab, zeige ich sie Ihnen auch. 

** So wie für den Donkey-anti-goat Antikörper, den ich kaufte, als ich noch glaubte, der primäre (goat-) Antikörper würde funktionieren. Tut er nicht, habe ich gestern (mal eben nebenbei, hahaha) recht eindrucksvoll bewiesen. 

*** Ne recht langweilige Geschichte, aber immerhin ne „Safe Story“, der Vergleich von vier (vielleicht sechs, mal sehen) Proteinen bei der Reperatur von Methylierungsschäden. In mRNA, vielleicht auch DNA. Lame, aber, wie gesagt, sicher. Denn da kann man tatsächlich „hat keinen Einfluss“ als Ergebnis verkaufen. Und man kann es später im Zweifel noch voll aufblasen und tatsächlich veröffentlichen, aber das mache dann nicht ich. 

**** Er hat ne PostDoc-Stelle ausgeschrieben. Ach, ach, ach. Aber USA? Hmmmmmmmmnee. Und Wissenschaft ja eigentlich auch nicht. Aber – Hachja. Das wär schon auch was. Hachjajaja.