Tag 1682 – Corontäne Tag 9.

Heute ist nicht viel passiert. Wir haben alle ein wenig Lagerkoller und es knirscht weiter hier und da. Pippi macht viel Show, Musik, Geschichten erzählen, Schauspiel. Michel möchte seine Ruhe. Wir alle bräuchten mal eine Weile ohne die anderen, aber. Haha. Ha. (Nur noch vier Wochen oder vier Monate oder so, oha wo ist der Schnaps.)

Ordnung ist wichtig, wenn eh alles chaotisch ist. Mich nervte schon lange meine Strumpfhosenschublade. Ich habe ein Strumpfhosenproblem, das weiß ich, das Problem ist darin begründet, dass ich immer neue kaufe, sobald ich schöne im Angebot finde. Ähäm. Tja. Jedenfalls habe ich heute aufgeräumt.

Eine habe ich an, eine ist in der Wäsche.
Nachher. Eine war kaputt, eine war eigentlich eine Wollleggins von Michel und für die Leggins (neben der Schublade) muss ich einen anderen Platz finden.

Ich muss dringend aufhören, Strumpfhosen zu kaufen.

Tag 1681 – Corontäne Tag 8.

Es knirscht und holpert und ist einfach anders und einfach ist anders. Aber es muss ja. Und deshalb wird es auch.

Ich hatte heute den Schul-Teil des Tages und habe den dazu genutzt, mit den Kindern nahezu zu machen, was auf dem Stundenplan stand, nämlich Blumen pflanzen. Ich erzähle lieber nicht zu viel darüber, wie das war. Ich bin ein Kontrolletti und das klappt mit wuseligen Kindern eher mäßig.

Blumenkreißsaal.

Draußen guckt der Rhabarber aus der Erde, sonst aber leider noch nichts.

Mittags durfte ich meine neue Sonnenbrille abholen. Morgens Blutprobe. Beides sehr Corona-gekennzeichnet. Beim Arzt durfte ich ausnahmsweise im Wartezimmer warten aber auch nur, weil da niemand anderes saß. Andere Patient*Innen sollten draußen warten und wurden angerufen, damit sie rein kommen können. Das selbe beim Optiker: ich wartete im Auto auf meinen abgemachten Termin, während drinnen die Optikerin über alle Oberflächen putzte, die der vorherige Kunde angefasst hatte. Optiker haben hier auch seit Montag eigentlich Zwangs-zu, die Brille durfte ich nur abholen, weil ich sie lange vor den Maßnahmen jetzt bestellt habe. Und eben einzeln und nach Terminabsprache und mit minimalem Kontakt zur Optikerin. (Bild vielleicht morgen.)

Ich finde das alles gruselig. So stelle ich mir die Angangssequenz aus Zombie-Filmen vor, die ich aus Gründen nicht gucke.

Mittag bis später Nachmittag: Arbeit. Meetings (Remote) und Anleitungen für die Kolleg*Innen basteln. Es ist kompliziert.

Es ist etwas verstörend, zu sehen, dass der Kollege sich nicht rasiert und die Kollegin sich nicht schminkt, andererseits sitze ich auch ungeschminkt vorm PC.

Es braucht wohl alles noch ein bisschen Gewöhnung.

Tag 1680 – Corontäne Tag 7.

Hrgls ich muss eigentlich echt dringend ins Bett. Meine Augen sind schon ganz klein.

Ich freue mich ein bisschen darauf und darüber, meinen Kolleg*Innen all die schönen Arbeitstools nahezubringen, die wir ja eigentlich schon eine Weile bis zufällig vor kurzem bekommen haben, aber nicht in Betrieb genommen haben. Ich bin die ganze Zeit voll pädagogisch (finde ich) und schreibe immer z.B. wo man welche Daten findet. Das Screenshot-Tool ist mein bester Freund und ich schreibe das erste Wiki meines Lebens. Und dann schreibe ich eine Mail, wo steht, wo man in Teams das Wiki findet. Aber das wird schon alles werden, mir macht sowas ja Spaß und es ist DIE Gelegenheit, alles vom vollgemüllten Server zu retten, was wirklich gebraucht wird und den Rest in Gorleben umzubenennen.

Wir haben heute Blumenerde gekauft. Nicht so viel, wie ich wollte, aber schon viel. Dazu bin ich mit den Kindern zur Miljøstation gefahren und habe Komposterde in Säcken auf dem einsamen Parkplatz in den Kofferraum geworfen, danach habe ich kontaktlos mit Karte bezahlt. Menschlicher Kontakt: quasi 0. Der Frühling kann jetzt kommen.

Eigentlich ist der Frühling schon da. 12 Grad und warme Sonnenstrahlen!

Spaziergang ohne Menschen. Die drei, die wir trafen, machten einen sehr weiten Bogen um uns und wir um sie.

Tag 1679 – Corontäne Tag 6.

Spät, heute aber wegen Arbeit am Abend. Vielleicht muss ich doch aufpassen, dass ich nicht mehr als die 7,75 Stunden am Tag arbeite, die ich momentan abrechnen kann. Bei uns ist es nämlich netterweise so geregelt, dass die, die Kinder zu betreuen haben, sofern sie annähernd „normal“ arbeiten, die normale Arbeitszeit abrechnen dürfen, auch wenn sie momentan vielleicht nicht ganz so effektiv arbeiten und nicht ganz so lange „da“ sind. Ich mache ja normalerweise dauernd Überstunden, jetzt grad halt nicht, oder doch? Hmm. Ich muss das beobachten.

Die ganze Situation ist furchtbar anstrengend, ehrlich gesagt. Schon an Tag 6. Jetzt fühlt es sich nämlich endgültig an wie 2 Vollzeitjobs. Vollzeit-Arbeit plus Vollzeit-Kinderbetreuung. Keine Ahnung, wie unsere Omas das gemacht haben, bevor es Kindergärten gab, ehrlich. Da mussten wohl Kinder wirklich einfach so mitlaufen, schätze ich, und auch viel mit anpacken.

Ersteres können meine Kinder relativ gut, zweiteres… naja. Wir arbeiten dran. Heute haben wir „Kunst und Handwerk“ gemacht:

Meerschweinchenschloss. Es bekam noch ein Katapult, mit dem die Meerschweinchen dann eine kleine Weihnachtsbaumkugel aus Plastik schießen können. Also falls wir hochintelligente WehrMeerschweinchen kriegen, jedenfalls.
Das hat Pippi echt alles ganz alleine gemacht und dabei auch nur minimal rumgesaut!

Pippi haben wir außerdem heute mit einem Perlen-Fädel-Set glücklich gemacht:

Das kann sie sehr lange. Es werden auch sehr lange Ketten.

Und der Vorteil an all dem: ich musste nicht wieder „My hat, it has three corners“ auf drei Sprachen singen. (Wie konnte das passieren? Warum bin ich in dieser Situation? ICH HABE DAS SO NIE UNTERSCHRIEBEN!).

Remote arbeiten mit meinen Kolleg*Innen ist ein bisschen challenging, oder wie meine Chefin sagte: „wir sind ja alle nubes“. sic.

Tag 1678 – Corontäne Tag 5.

Alles neu, alles anders. Arbeit: 4 mal mit 3 verschiedenen Leuten über 3 verschiedene Kanäle gesprochen. Es ist ein bisschen challenging für viele aber wir fuchsen uns da schon rein. Müssen ja. Allerdings musste ich tatsächlich sehr lachen, als mein (normalerweise eher reservierter) Kollege mir über den Teams-Chat ein Emoji eines tanzenden Pinguins schickte.

Schule:

Kindergarten:

Schule lief schon besser als gestern. Ich hoffe einfach, alles ruckelt sich zurecht.

Pippi schlief leider nachmittags auf dem Sofa ein und kam dann natürlich abends überhaupt nicht ins Bett, also dödelte sie noch eine Weile im Wohnzimmer herum, während ich in der Twitter-Kneipe saß. Das war eine super Idee von Little B und ich freue mich drauf, dass das möglicherweise eine sehr viel sozialere Zeit wird, als mein normales Leben. Dafür hab ich auch gern auf 2 h Abendarbeit verzichtet. Sehr gerne! Und gerne wieder.

Tag 1677 – Corontäne Tag 4.

(Das letzte mal, dass ich so lange am Stück mit ähnlichen Titeln gebloggt hab, war im Korfu-Urlaub, das war irgendwie schöner.)

Huff. 1. Tag mit Homeschooling. 1. Tag mit „Is heut Kinnergarten?“ und enttäuschtem Gesicht. Ich bin keine gute Lehrerin (für Michel). Michel ist (bei mir) kein geduldiger Schüler. Die Mischung ist ungut (und ich möchte bitte einen kleinen Orden dafür, dass ich es dafür noch ganz gut hinbekommen habe und nicht rumgebrüllt hab).

Ich musste heute einmal das iPad wegnehmen, weil deutlich vor der vereinbarten Zeit und heimlich geguckt wurde.

Pippi schlägt sich wacker und „baut“ ihren eigenen Kindergarten.

Ich schlage mich nicht so wacker, ich wünschte, man würde mich mit Arbeit zuschmeißen, aber das passiert nicht und ich habe zu viel Zeit, mir in allen Formen und Farben auszumalen, wie die nächsten Wochen und Monate werden – für uns als Familie, für Norwegen und für Europa. Meine Phantasie dreht frei und mir ist inzwischen permanent schlecht.

Positives: Erna Solberg hat eine Pressekonferenz nur für Kinder gegeben. Die haben wir angeschaut. Die ist leider 30 Minuten lang, deshalb kann ich das nur kurz zusammenfassen:

  • Hände waschen!
  • Nicht Oma und Opa besuchen!!!
  • Maximal! Zwei! Freunde treffen, möglichst draußen, trotzdem Abstand halten und nur! Wenn! Es! Gegenseitig! Bei! Den! Gleichen! Freunden! Bleibt!*
  • Hände waschen!
  • Wenn wer Geburtstag hat und sein Fest absagen muss, sollen alle aus der Klasse einzeln anrufen und das Geburtstagslied singen.
  • Alle arbeiten daran, dass es auch hinterher alle noch gut haben und keine Mamas und Papas Angst haben müssen, dass der Job danach weg ist
Ja, ich hab währenddessen versucht, zu arbeiten.

Später am Vormittag haben wir dann noch ein bisschen Just Dance gespielt, quasi Sportunterricht.

Ich möchte, dass das alles schnell vorbei ist. Ich hatte mir für dieses Jahr doch Routine gewünscht.

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*realistisch gesehen bleibt es ja nie dabei. So leid es mir tut, aber das heißt, wir werden wohl niemanden sehen während des Lockdowns (der auch hier immer weiter verschärft wird).**

**jetzt wollte ich das verlinken und sehe, dass es doch alles nicht so streng gesehen wird. Dieses hin und her macht mich übrigens auch fertig. Wir warten vielleicht erst mal die 1. Woche ab.

Tag 1676 – Corontäne Tag 3.

Mit vielen Vorbereitungen.

Zuerst haben wir einen Plan gemacht.

Tagesplan. Nicht dabei: wie 2 Erwachsene dabei noch irgendwie versuchen, zu arbeiten.

Dann haben wir Michels Hausaufgaben-Tagebuch eingerichtet:

Alles auf dem Schul-Tablet. Ich bin da grad sehr froh drüber, dass wir das haben.

Dann haben wir ein Trampolin bestellt (ohne Bild), weil wir ja die diversen der Nachbarn nun doch nicht nutzen können und zu guter letzt waren wir mit dem Auto in der Hauptstadt, um Arbeitsmaterialien zu holen.

Sonnenuntergang vom Werk aus. Sehr seltsam alles.

Während die Kinder und Herr Rabe unten warteten, baute ich Docking-Station und Tastatur ab und warf einige Ordner und Mappen in eine große Tasche. In einem völlig leeren und stillen Büro, das war fast schon gespenstisch. Aber immerhin gab es noch Desinfektionsmittel in den Spendern.

Aufzugselfie, nicht dass ich die dauernd machen würde, aber ich werd den Aufzug und das ganze Büro, auch wenn ich da gern drüber meckere, vermissen.

Und dann das ganze in anderer Konstellation bei Herrn Rabes Büro. Jetzt bauen wir gleich Herrn Rabes Riesenbildschirm in unserem Arbeitszimmer auf und morgen fährt einer von uns eine Stunde zu Ikea, springt rein, holt den vorbestellten Bürostuhl ab, springt wieder raus, duscht in Desinfektionsmittel und dann können wir provisorisch und abwechselnd im Homeoffice arbeiten.

Tag 1675 – Corontäne Tag 2.

Es ist alles weiterhin unwirklich und seltsam. 907 bestätigte Fälle, über die Hälfte davon aus Österreich importiert. Drei Personen sind verstorben.

Die Kinder lieben es. Ich hasse es jetzt schon. Ich könnte die Wände hochgehen. Die Kinder sind happy mit Fernsehen aber das können wir ja jetzt nicht 5 Wochen machen.

Ich finde den Film scheiße und möchte jetzt bitte das Kino verlassen.

Hier ein Video zur Aufmunterung.

Tag 1674 – Corontäne Tag 1.

Ok der Witz ist schlecht, aber was bleibt einer schon außer schlechter Witze? Es ist auch keiner von uns in echter Quarantäne. Wir sind nur sozial distanziert.

Die nächsten Wochen werden knüppelhart. Pippi dreht jetzt schon frei und ich weiß nicht so ganz, wie ich bis nach Ostern mit Bestimmer-Wutkreischheul-Prinzessin aushalten soll, ohne dass man mich hinterher aus der Ecke auffegen kann. Willensstark schön und gut, aber muss das den ganzen Tag sein? Und grad jetzt?

Die Kinder und ich hatten heute, als ich endlich zu Hause war, ein ernsthaftes Gespräch, in dem ich klargestellt habe, dass wir weiter eine Struktur haben müssen, dass Michel weiter Schulaufgaben machen muss (keine Ahnung was, aber uns fällt im Zweifel schon was ein), wir aufstehen und uns anziehen und uns bewegen und vielleicht auch mal Sport machen müssen, und wir vor allem alle versuchen müssen, uns so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen, damit wir uns hinterher noch lieb haben. Danach hat Michel angeboten, auf Pippi aufzupassen, damit wir arbeiten können. Das war sehr süß und lieb. Der große Spatz.

Apropos süß und lieb: ich hab heute doll vor Rührung geweint, weil Herr Rabe mir Schichtkuchen gebacken hat.

Was ganz anderes: Ich schäme mich inzwischen sehr für das hier. Ich nehme meinen selbst verzapften Bullshit hiermit zurück. Wollte ich mal sagen. Norwegen hat inzwischen unkontrollierten community spread in mehreren Städten und nun muss alles getan werden, um zu verhindern, dass es läuft wie in Italien. Wo Leute so ziemlich reihenweise sterben und teilweise nur noch die mit guten Überlebenschancen überhaupt behandelt werden können. Das kann keiner wollen, man muss es sich nur anschauen, da sieht man grad sehr deutlich, was passiert, wenn die Krankenhäuser den Fallzahlen nicht mal mehr annähernd gerecht werden können. Ob ich es jetzt mild oder gar nicht kriegen würde, ist mir da ehrlich gesagt egal, wenn ich eventuell wen anstecke, den es umbringt, oder auch nur wen anstecke, den das zusammengebrochene Gesundheitssystem dann umbringt.

Bitte weiter Hände waschen und auch wenn bei Ihnen noch Kino, Schwimmbad und Fitnessstudio aufhaben: es gibt grad wichtiges. Denken Sie an Italien.

Tag 1673 – Zu.

Norwegen macht alles zu. Korrigiere: Hat alles zu gemacht. Wir haben unsere Inspektion heute durchgeknüppelt um morgen nicht vor verschlossener Tür zu stehen. Wir waren um halb zehn da raus. Alles ist total surreal. Kindergärten, Schulen, Unis. Friseurinnen, Masseure, Piercingstudios, Tätowiererinnen. Restaurants, wenn man nicht 1 m Abstand voneinander halten kann. Fitnessstudios und öffentliche Schwimmbäder. Alles zu. Alle Kultur- und Sportereignisse abgesagt. VERBOTEN. Fertig.

Ich hoffe, wir kommen morgen (deutlich früher als geplant) gut nach Hause.