Tag 2227 – Herbst.

Das hier war ein Plan für den Sommer, den ich dann gestern endlich durchgeführt habe:

Keine Sorge, da kommt keine Sonne hin, höchstens früh morgens und da ist der Rolladen unten.

Das Bild (links) hängt auch wieder und harmoniert überraschend gut mit der Wandfarbe. Ein Farbklecks im Moor.

Apropos Farbklecks: ich war heute im Wald, nicht besonders weit und ganz und gar nicht fernab jeder Zivilisation, ich glaube maximal war ich etwa einen Kilometer von einem Wohngebiet entfernt. Und es ist tatsächlich Herbst, und zwar die Sorte Herbst, die ich liebe.

Ungelogen 1 Meter in den Wald rein, direkt am Weg, zwar abgeerntet, aber vielversprechend [Spot the Pfifferling, kostenloser Schnellkurs mit Frau Rabe].

Wirklich nicht übertrieben 5 Meter weiter:

[Spot the Pfifferling, Anfänger-Level.]

Insgesamt war ich zwei gemütliche Stunden unterwegs, ganz allein und meistens nur Wald hörend. Das war wie ein kleiner Wellnessurlaub.

Suchbild mit Kröti (Froschi?)

Kurz bevor ich wieder beim Auto ankam, dachte ich „jetzt hab ich so viele Pilze gefunden, aber keine Stoppelpilze, schade“ und stolperte quasi über jede Menge Stoppelpilze, direkt am Spielplatz beim Parkplatz.

Ausbeute.

Beim Putzen auf der Terrasse kam mir nur eine Spinne entgegen, die ich versehentlich aus dem Wald mitgebracht hatte, und selbst die schüttelte ich sanft und ohne Kreischen auf den Boden, auf dass sie sich ein lauschiges Plätzchen unter den Terrassenplanken (oder sonstwo) suche.

Hier ist die Ausbeute noch mal sortiert:

Pfifferlinge. Die waren schon mal sehr lecker, die gab es nämlich direkt.
Stoppelpilze oben, Edel- oder Fichtenreizker (beide essbar, beide lecker, auch wenn das orange-grün zugegebenermaßen wenig verlockend erscheint) unten.
Kleine Porenpilz-Sammlung, überraschend viele Steinpilze.

Hach, das war schön, hoffentlich finde ich die Zeit noch mal.

Tag 2226 – Schulkinder.

Zwei Kinder am gleichen Ort abliefern – das wird ein Traum.

Zwei Kinder pünktlich abliefern – das wird ein Albtraum.

Aber das ist ja heute noch egal. Pippis Einschulung war gelungen, würde ich sagen, und ich finde, man kann das bei gutem Wetter ruhig beibehalten, dass solche Dinge draußen stattfinden, ich finde (und das geht bestimmt nicht nur mir so) große Mengen Menschen unter freiem Himmel viel weniger anstrengend, als in der sonst üblichen Turnhalle.

Pippi hatte einen super Tag und hat quasi nonstop geredet. Ich hoffe, sie hat dann irgendwann doch mal damit aufgehört, sonst täte mir die Lehrerin sehr leid. Pippi war halt aufgeregt und dann muss das alles raus, was in ihrem Kopf passiert, und das ist eine Menge.

Zu Pippis Klasse kann ich noch nicht so viel sagen. Es könnte auf den ersten Blick gerne etwas kulturell diverser sein, aber man kann ja aus Namen und Gesichtern solche Dinge nur höchst unzuverlässig ableiten (allerdings sind es schon viele sehr deutlich norwegische* Namen). Die Lehrerin, I., scheint nett zu sein und auch von der eher durchsetzungsstarken Sorte, jedenfalls auf den ersten Blick.

Auch Michel hatte einen guten 1. Tag als Viertklässler, jedenfalls kam er nach Hause und sagte, es sei gut, wieder zurück [in der Schule] zu sein.

Pippi ist übrigens recht lang, gemessen an anderen Erstklässler*Innen. Trotzdem sieht es ein bisschen nach Rucksack auf Beinen aus.

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* Kategorie deutlich norwegisch**: Marthe, Synnøve, Øystein, Stian; Dem gegenüber stehen Namen wie Henrik, Martin, Bastian, Alexander, Maximilian, Karoline, Kristin, Ida, Eva, Mona… also Namen, die es so auch (vielleicht in anderer Schreibweise) anderswo gibt.

** nordisch

Tag 2225 – Tabula rasa.

Hier werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Da ist ein leerer Plan (nicht mal Essen steht drauf, das sollte eigentlich anders sein, ist über die Ferien aber so eingerissen), der mit allerlei Hobbies und Verpflichtungen gefüllt werden will. Vor einem Jahr haben wir auch Bürotage eingetragen, haha, wie lustig wir waren. Das machen wir wohl erst mal nicht.

Im Spiegelbild der Wasserkanister, weil wir mal wieder unser (Trink-)Wasser abkochen sollen. Hach ja, gut, dass wir die Hamstervorratskanister haben.

Morgen ist hier großer Tag.

Schultüte und kleine Schultüte, wie auch Pippi sie bekommen hat, als Michel eingeschult wurde.

Ich musste da selbst basteln, Schultüten gibt es hier ja nicht, also auch keine Bastelsets. Der „Pippi darf ihn nicht in die Finger kriegen“-Flüssigkleber ist jetzt leer (Nachschub schon besorgt), ich habe den gefühlt 35. Anspitzer für Michel gekauft, beschriftet und in seine kleine Tüte gepackt, sowie Radiergummis und keinen neuen Bleistift, weil seiner zwar zerkaut ist, aber die Mine noch intakt und ein neuer sofort ebenfalls zerkaut wäre. Herr Rabe sagt, das habe er auch als Kind gemacht. Ürgs. Pippi kriegt viel Mal- und Bastelkram und beide ein kleines bisschen Süßigkeiten. Schultüten haben hier ja gar keine Tradition, da fände ich es falsch, drei Welpen und eine Diamantkette da rein zu tun. Es ist so schon besonders genug und ich glaube, Pippi wird ausrasten vor Freude.

Hach, schon Schulkind. Die kleine Zwergmaus, die hat doch eben erst laufen gelernt.

Tag 2224 – Null hull.

Erste Male: Ich war heute zum ersten Mal bei einem norwegischen Zahnarzt. Das hat sich einfach so ergeben, ich hab kein Problem mit Zahnarztbesuchen, bin aber aus Geldgründen lieber privat bezahlt in Deutschland zur Zahnärztin gegangen, wenn sich das im Heimaturlaub so machen ließ. Die letzten Male ließ es sich nicht machen und dann kam eh Corona und deshalb war ich jetzt nicht mehr beim Zahnarzt, seit… ich mit Pippi schwanger war? Oder war sie schon da aber noch ein Baby? Naja, so groß ist der Unterschied nun auch nicht. Machen Sie das nicht, bitte gehen Sie jährlich nach Ihren Zähnen schauen lassen, oder öfter, bei Bedarf! (Ich hatte nie Bedarf, hab ja nie was außer Phantomzahnschmerz links oben während und nach Erkältungen, wenn die Nebenhöhle auf den Nerv drückt) Jedenfalls war bei meinem letzten Termin (in Deutschland) schon gesagt worden, dass man zwei kleine Stellen im Auge behalten sollte und das wollte ich jetzt dann doch ganz gerne mal wieder aufgreifen. Dann kostet das halt (Zahngesundheit zahlt der norwegische Staat nur für U18, danach muss man sehen, wie man klarkommt), immer noch besser als irgendwann ne Wurzelfüllung über sich ergehen lassen und bezahlen zu müssen.

Und wie soll ich sagen? Selber Befund wie beim letzten Mal, zwei Stellen, die man beobachten sollte, aber noch muss da gar nichts gemacht werden, es ist alles noch fest. Selbst Zahnstein war nur so minimal zu entfernen, dass sich das einfach abkratzen ließ. Einmal über die Zähne poliert, Röntgenbild rechts und links, ein bisschen mit dem (sehr netten und jungen) Zahnarzt geschnackt und jetzt kriege ich in einem Jahr automatisch einen neuen Termin.

Überraschend für mich war

  • Kaum Zahnarztpraxisgeruch
  • Röntgenbilder direkt auf dem Stuhl mit so einer Art Röntgenpistole (fancy scheiß!)
  • Dass grob sechs Jahre ohne Kontrolle sich nicht weiter negativ ausgewirkt haben
  • Der doch nicht exorbitante Preis und vor allem
  • Dass mir, obwohl eben selbst zu zahlen, nichts unnötiges aufgeschwatzt wurde (zum Beispiel diese zwei Stellen zu füllen)
  • Dass man dort nicht mit Kreditkarte bezahlen kann, sondern nur mit normaler Debitkarte

Ich hab meinen neuen Kumpel „Sverre der Zahnarzt“ gleich Herrn Rabe empfohlen, so angetan war ich von dem ganzen Erlebnis.

Es gibt ja auch gute Begegnungen mit dem norwegischen Gesundheitswesen, wenn auch dem privaten. Und ich fühle mich jetzt rundum beruhigt und danke einmal mehr, dass ich die gute Zahnsubstanz meines Vaters geerbt habe (und nicht die meiner Mutter, ihre Zähne haben in etwa die Widerstandskraft von Gasbeton).

Tag 2223 – -_- .

Hui so müde.

Irgendwann gegen vier kam Herr Rabe und legte sich dazu.

Es folgte ein langsames Frühstück und dann Aufräumen und Musiker wiederfinden. Pavilions wurden abgebaut, Teppiche getrocknet und Musikanlagen und Bühnenteile in Lager zurückgefahren. Menschen wachten in Zelten, Hängematten, Studios und Betten auf und sahen wesentlich zerknautschter aus als gestern.

Um viertel vor sieben wurde ich wach von Gesang und Klavierspiel im Raum nebenan, und das war schön (wenn auch wirr und sehr früh) – bis sie auch noch anfingen, zu Joiken. Joik ist auch schön aber auch laut. Da stand aber dankenswerter Weise auch Herr Rabe auf und sagte Bescheid, dass im Raum nebenan Leute schlafen. Daraufhin verschwanden die Musik spielenden Menschen und tauchten zur leichten Verzweiflung des Restes ihrer Band auch bis zum frühen Nachmittag nicht mehr auf. Wir schliefen noch bis viertel vor neun, dann war Leben in der Küche, Pippi war eh wach, die Gastgeberkinder auch und es war sehr hell.

[Hier habe ich wohl versehentlich einen Absatz gelöscht, so ein Mist.]

Wir frühstückten langsam und machten uns dann an die Aufräumarbeiten, während überall Leute aufwachten, in Zelten, Hängematten, Betten und Kellerstudios. Alle sahen sehr zerknautscht aus und ich versuchte zu raten, wann sie wohl, auf einer Skala von eins bis acht, ins Bett gegangen waren.

Kurze Anmerkung: das war richtig schön gestern, aber ich frage mich auch, wie ich das vor 15 Jahren jedes Wochenende und dann noch oft Mittwochs habe durchziehen können, ohne ständig wie ein Zombie rumzuschleichen. Ich war ja mit halb zwei noch zu einer relativ zivilisierten Zeit im Bett und fühle mich trotzdem heute wie vom Zug mitgeschleift.

Aufräumen hieß: Pavilions abbauen, Stühle zusammenstellen, Teppiche trocknen, Bierdosen einsammeln, die Spülmaschine laufen lassen und so weiter. Alles in dem Tempo, was eine Horde mehr oder weniger verkaterter Menschen um die 40 und aufwärts halt noch so an den Tag legen können.

Was man mit 38 zum Trocknen aufgestellten Schirmen alles anfangen kann.

Zwischendrin wuselten vier Kinder und bauten Hütten aus den Regenschirmen, die ein Büroausstatter aus der Gegend gesponsert hatte. Ich glaube, für die Kinder waren die Regenschirme ein großes Highlight. Es wurde damit gebaut und die größeren Kinder versuchten, ob zwei Regenschirme einen signifikant bremsen, wenn man von der Schaukel (hinterm Haus) aufs Trampolin springt. Beide fanden ganz subjektiv ja und verifizierten das ca. 3.000 mal. Ich tat so, als würde ich diese halsbrecherische Aktion nicht sehen.

Irgendwann krochen wir sehr müde nach Hause, es fühlte sich jedenfalls so an, obwohl wir das Auto da hatten. Zu Hause war dann auch nicht so viel mit uns los, wir hingen alle mehr oder weniger stark durch, reinigten uns ausgiebig und machten ein improvisiertes Abendessen aus Washaltdaist.

Ich mag diese Freunde, die da mal eben mit Einsatz der ganzen Familie ein kleines Festival veranstalten, sehr. Und fühle mich so langsam in unserem Dorf hier auch wirklich angekommen, auch dank denen, die hier zwar tief verwurzelt sind, aber trotzdem herzlich gegenüber „Neuen“. Hach.

Tag 2222 – „Jazz“. (Und Schnaps! Und Hochzeitstag!)

Kein Schnaps, „nur“ drei Bier.

Weil ich ja mit meinen sozialen Fähigkeiten Haushalten muss, habe ich heute erst Pippi zu einer neuen Bekanntschaft/Freundin aus dem Hort begleitet, deren Mutter gar nicht mal so traurig darüber war, dass Pippi nicht alleine bleiben wollte, die ist nämlich etwas einsam. Aber nett, sehr gebildet und noch mehr herumgekommen und das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen, denke ich. Außerdem haben sie eine unfassbar hübsche Katze, die sich gern streicheln lässt, da sage ich ja auch nicht nein. Wir haben uns sehr gut unterhalten und die Kinder hatten sehr viel Spaß miteinander und ich bin etwas überrascht, dass ich ein wenig Französisch verstehe, was ist denn da passiert? Pippi will das auf jeden Fall wiederholen, ja, warum nicht [vielleicht deshalb nicht, weil es ne Woche dauern wird, mich von diesem Wochenende zu erholen].

Danach ging es weiter, mit einem Minifestival bei unseren Freunden M. und H., die wohnen bekanntlich auf einem Berg Hügel mit toller Aussicht:

Das Festival heißt „Jazz ganz oben“, und es war sehr wenig Jazz, sondern drei Acts, die ich mir sonst NIEMALS angeschaut hätte, aus verschiedenen Gründen.

Der erste Act war eine Art Akkordeon-Comedy-Nummer, der zweite eine Singer-Songwriterin mit lieblicher Stimme und Gitarre, die mich sehr an Boy erinnert hat und die leider niemals glücklich werden darf, weil ihre Karriere als Schreiberin tieftrauriger Lieder voller Herzschmerz dann vorbei ist.

Der dritte Act war dann eine komplett abgefahrene Nummer aus Joik (traditionellem Samischen Gesang) und Jazz, das war aber wirklich überraschend mitreißend und Herr Rabe hat sich auch gleich die CD gekauft.

Wirklich alle drei auf ihre Art überaus gute Musik, hat sich auf jeden Fall gelohnt. Außerdem viele bekannte Gesichter gesehen, das ist halt ein Dorf hier und wenn 200 Leute da sind, kennt man auch nach 3 Jahren davon schon 50.

Die Kinder flitzten die ganze Zeit mit anderen Kindern herum und hatten auch eine tolle Zeit – fast ganz ohne, dass wir unseren Abend um sie herum basteln mussten.

Herr Rabe tanzt nun noch bei „Bass ganz oben“, ich kann nicht mehr und die Kinder schlafen schon – wir werden heute Nacht hier campieren.

Ein bisher wirklich schönes Wochenende.

Tag 2221 – Haushalten.

Muss mir meine Kräfte sinnvoll einteilen. Viele neue Leute treffen und dabei Alkohol trinken – keine gute Idee. Viele neue Leute treffen und danach noch irgendwas anderes machen als Fernsehen? Nicht drin.

[Covid-Entwarnung: Grillfest im Freien, mit Abstand und die allermeisten Anwesenden sind voll geimpft, nur Herr Rabe und ich nicht…]

Jedenfalls, Bloggen fällt jetzt grad mal aus, ich bin total geschafft. wie ausgesaugt. Dabei war es eigentlich sehr schön.

Tag 2220 – Frust, halber.

Also, so ne Schilddrüsenoperation kann ich niemandem wirklich empfehlen, die*er gerne singt, selbst wenn’s nur unter der Dusche ist. Heute versuchte ich im Auto ein bisschen Radiopop mitzuträllern, und… naja. Selbst ganz leise komme ich bei manchen Tönen – und wir reden nicht von Mariah Carey! – einfach nicht mehr an. Es kommt einfach gar kein Ton mehr, oder, wenn ich es wirklich mit Gewalt versuche, der höchste, den ich produzieren kann und der klingt ziemlich schrecklich. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich vorher unfassbar gut gesungen, aber halt schon ok, für den Hausgebrauch. So würd ich nicht mal Happy Birthday singen wollen, weil ich vermutlich das dritte „birth-“ nicht erreichen würde. Ich finde das offen gestanden ziemlich scheiße.

Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Ich muss ja noch zur Nachkontrolle der OP, also zur Endokrinologin im Krankenhaus. Wie das in Norwegen so ist, bekam ich gestern den Termin per digitaler Post – und er ist, wenn ich auf einer Inspektion bin. Das passt nun wirklich nicht so besonders gut, selbst für einen Videotermin. Inspektion ist nicht Kaffee bei Oma, wo ich mal grad „bin gleich wieder da“ sagen könnte. Man kann aber, das ist neu, direkt online um einen neuen Termin bitten. Was ich tat, woraufhin keine fünf Minuten später mein Handy klingelte. Was folgte kann ich auch mit einem Tag Abstand nicht anders beschreiben: die Sprechstundenhilfe setzte mich massiv unter Druck, den Termin zu behalten, ich könne doch sicher mal kurz während meiner Jobreise telefonieren, ich sei schließlich operiert worden und MÜSSE diesen Termin haben, aber wenn ich den jetzt nicht nähme, müsse ich bis nach Weihnachten auf einen neuen Termin warten. Ich bekam immerhin heraus, dass ich mich überrumpelt fühle, und nun ist der Termin erst mal so stehen geblieben und ich habe mir ein wenig Zeit erkauft aber bitte was sind denn das für Kommunikationsmethoden?

Ich habe jetzt mehrere Optionen und weiß nicht, was ich machen soll:

  • Ich behalte den Termin und habe immerhin zeitnah einen Termin. Unglücklich: ich bin da auf einer Inspektion, muss mit Kollege und Kollegin und der kompletten Firma dort absprechen, das irgendwie möglich zu machen. Besonders unglücklich: das ist der Tag, an dem wir normalerweise die Produktion inspizieren, das ist zeitlich nicht gut planbar. Es ist immerhin quasi zur Mittagessenszeit, also wenigstens nicht komplett unmöglich („Kann mich jemand ausschleusen und in 10 Minuten wieder einschleusen, ich müsste mal telefonieren!“ hahahaha nein.) Allergrößter Minuspunkt: ich bin ein bisschen bockig und will, dass das Krankenhaus lernt, dass sie nicht alles mit mir machen können.
  • Ich bitte meine Hausärztin um eine Überweisung in ein anderes Krankenhaus. Da bekomme ich dann innerhalb von, laut Webseite, 12 Wochen einen Termin. Unglücklich daran: das ist auch schon fast Weihnachten und meine Hausärztin müsste die Einstellung bis zum Spezialist*Innen-Termin allein managen und mich gegebenenfalls auch an HNO überweisen. Daran besonders unglücklich: allein nen Termin zur Blutabnahme muss man bei der Hausärztin am besten 3 Wochen im Voraus abmachen, von einem Termin um dann eine Überweisung zu bekommen ganz zu schweigen. Realistisch gesehen reden wir also auch hier von Mitte bis Ende Dezember, bis ich eine*n Spezialist*In zu Gesicht bekomme. Trostpflaster: ich glaube meine Hausärztin ist wirklich gut und lässt mit sich reden, was „meinen persönlichen Wohlfühlwert“ angeht, außerdem kann sie ja jederzeit im Krankenhaus anrufen und die Spezialist*Innen um Rat fragen, im Gegensatz zu mir Normalsterblicher.
  • Ich gehe damit in die Privatklinik. Vorteil: da kriege ich, wenn ich will, morgen einen Termin. Nachteil: der kostet mich dann 250€ und das jedes Mal, wenn ich hingehe (und da ist weder Massage noch Champagner mit inbegriffen, Frechheit). Ob die zum Beispiel wieder an die HNO des Krankenhauses (des ANDEREN Krankenhauses, denn in DIESES Krankenhaus möchte ich inzwischen nur noch im totalen Notfall einen Fuß setzen) überweisen können, weiß ich auch nicht. HNO in der Privatklinik dann halt wieder 250€. Und so weiter.

Tja, so sieht das aus, alles nicht so richtig einfach, ehrlich gesagt.

Warum der Frust dann nur halb ist? 1. ist Michel heute fast direkt nach der Entspannungs-CD, die die Babysittermama mir geliehen hat, eingeschlafen und 2. habe ich heute Nachmittag, nach ein paar Fingerbrechern mit zu vielen Vorzeichen (die Etüden sind in steigender Schwierigkeit im Buch und ich beackere grad die letzte und vorletzte in kombiniert 1. und 3. Lage) sowohl am Ende das Vivace in, naja, größtenteils lebendigem Tempo und größtenteils echt okayer Intonation gespielt und danach die zwei Kinderkonzerte so sauber durchgeorgelt, dass ich selbst erstaunt war. Aber G-Dur/D-Dur/e-Moll/h-Moll sind nach c-Moll, H-Dur und As-Dur ein bisschen wie Urlaub für Finger und Ohren. Besonders schön finde ich, dass meine Geige jeden Tag besser (voller, irgendwie „klingender“) klingt. Ist wohl doch was dran, dass Streichinstrumente „schlafen gehen“, wenn man sie lange nicht spielt und man sie danach erst wieder „öffnen“ muss.

Nur Vibrato kann ich nach wie vor nur mit 2,5 Fingern in akzeptabler Ausführung.

Tag 2219 – Hrmpfgrml.

Ich bin ein wenig grummelig-schlechtlaunig. Ohne echten Anlass, also sind’s wahrscheinlich bloß Hormone.

Was heute sehr gut war: Michel hat ja gestern und heute an einem Korps-Projekt teilgenommen, wo sie Stomp gemacht haben. Heute war ein kleines Konzert für die Eltern, das war richtig cool (und sehr laut), sie haben unter anderem mit leuchtenden Plastik-Drumsticks auf Plastikfässer eingedroschen. Sehr gut war auch, dass ich da ne Mundbinde auf hatte (norwegisches Mundbindentragen ist wieder beim Status vom Juni 2020 angekommen, als würden die Dinger auch wieder 5€ pro Stück kosten…), weil so schwer unterdrückbares Schmunzeln einfacher zu verstecken ist. Aber es war halt auch wirklich wie so eine Klischee-Schulaufführung, wenn alles sich (rhythmisch nahezu einheitlich) mit einem letzten Crescendo zum finalen „BUMM!“ steigert und dann hört man noch ein einzelnes, aber beherztes „bumm.“ hinterher. Das wichtigste ist ja, dass es Michel Spaß gemacht hat und das hat es wohl. Die Korps-Leute sind halt auch eine nette und leicht weirde Truppe, er kennt ja zumindest die Erwachsenen da auch schon aus der Schule, und auch viele Kinder hatte ich zumindest schon mal gesehen (das heißt natürlich für Michel nichts, der sagte auch beim Schwimmkurs zu mir „Ich glaube, das da ist ein Junge aus meiner Klasse.“).

Projekt „Überstunden abfeiern“ läuft leider nicht so super. Trotz Stomp-Aufführung, Pass beantragen und ein Paket Ökofleisch abholen mitten am Tag. Das Problem ist, dass die Arbeit gar nicht automatisch weniger wird, wenn man versucht, nur 5,5-6 Stunden am Tag zu arbeiten. Die reicht normalerweise ja eher so für mindestens 9 Arbeitsstunden am Tag (ja, das haben Sie richtig gelesen, ich hab auch mal ausgerechnet, dass die Inspektoren bei uns im Schnitt 120 % arbeiten, aber bei uns arbeitet leider kein Wayne, den das interessieren könnte… Wahrscheinlich hat Wayne wegen dem Gehalt nicht angemessener Arbeitsbelastung gekündigt) und so ist es eigentlich auch jetzt, es bleibt also was liegen. Manche Sachen kann ich relativ gefahrlos erst mal liegen lassen, andere nicht, so einfach ist das. So abgestumpft, dass ich Fristen verstreichen lassen kann oder völlig unvorbereitet in Meetings gehe, zu denen man im Vorfeld einen Haufen Zeug hätte lesen müssen, bin ich auch noch nicht. Solange meine Chefin im Urlaub ist und ich das deshalb nicht mit ihr besprechen kann, nennt sich mein Workaround Schatten-Buchführung. Letztlich ist ja ein Teil des Problems, dass ich nicht so viel Ferien genommen habe, wie ursprünglich beabsichtigt, weil ich stattdessen ja krank geschrieben war. Da kann man nicht einfach sagen „Tja, dann feier die Stunden halt woanders ab, aber bitte bis Ende August und deine Arbeitsaufgaben werden kein Mü reduziert“, so läuft das nicht, nicht mal im öffentlichen Dienst. Grade im öffentlichen Dienst und mit fachorganisierten Angestellten nicht (hier Sonnebrillensmiley denken).

Wir werden sehen, was das alles noch gibt. Erst mal habe ich ja nächste Woche auch noch mal frei, die Überstunden eben. ich freu mich, es ist zwar Mittwoch einiges los, an den anderen Tagen sind die Kinder allerdings mindestens halbtags aus dem Haus, Hurra!

Und morgen werde ich ein bisschen mit Pivotdiagrammen herumprotzen, hähähä. Weil ich’s nämlich kann.

Tag 2218 – Hätte, hätte, Fahrradkette.

Also, ich hätte da ein paar Themen, zum Beispiel hab ich Sonntag sehr viel in der Küche gestanden und Marmelade und Kuchen und so Sachen gemacht und wenn man das nicht dokumentiert, ist es bekanntlich nicht passiert.

Außerdem kam gestern der Klimareport und seither sind über 1000 Leute den norwegischen Grünen beigetreten (ich ja schon am Samstag). Ich habe seither eigentlich nur noch Gewaltphantasien, wenn irgendwelche Würstchen rumheulen, „der Report“ gäbe uns ja nur 10 Jahre zur Schadensbegrenzung. Da möchte ich die schütteln und schreien, dass das Klima das tut, das Klima verhandelt nicht, genauso wie das scheiß Virus, das Klima sagt nicht „na gut, weil ihrs seid, n bisschen Öl könnt ihr schon noch fördern, das kriegen wir schon irgendwie hin“. Und wenn dann noch wer mit „Aber China!“ kommt, ist es völlig vorbei mit dem Pazifismus. Aber wenn ich mich da jetzt reinsteigere, ist auch niemandem geholfen *und* ich kann nicht schlafen.

[ Einschub: die Linn von der lokalen Grünen-Gruppe rief heute an und fragte, wo ich mich denn wohl engagieren will, wenn ich mich engagieren will, und ich war überrumpelt und hab deshalb nicht feministische Themen gesagt, sondern gar nichts. Ich werde aber zu den Treffen fortan eingeladen werden, vielleicht bekomme ich da ja bei Gelegenheit den Mund auf.]

Aber all das muss ich wann anders ausführen. Heute morgen, nach neun Stunden Schlaf, sah ich nahezu menschlich aus und nur ein ganz bisschen verquollen, da kann ich ja mal versuchen, das beizubehalten. (Leider fühlte ich mich wie immer um die Uhrzeit, nämlich „will nicht aufstehen“.)