Tag 2044 – Gesagt, nix getan.

Puh, ich bin ein bisschen durch, muss ich sagen. Aber das weshalb jetzt hier auszubreiten, ist mir dann doch zu privat. Vielleicht mache ich das irgendwann mal mit Schloss. Keine Sorge, es geht uns allen hier gut, sehr gut sogar, aber wie gesagt, hmm, sehr privat. Nur so viel: mir wurde heute, mal wieder, klar, wie viel Glück ich habe, dass ich mit Herrn Rabe zusammen sein darf.

Niemand ist schwanger. Nicht dass Sie Dinge denken.

Arbeitsmäßig war heute Tag der Homepage, Uffz, warum genau war ich noch mal Webredakteurin geworden, kurz bevor unsere Grossistenvorschrift geändert wird? Und weil das offenbar kein ausreichender Wink mit dem Zaunpfahl war, bekam ich heute eine dicke Rolle in einem IT-Projekt, das den Sommer so ziemlich in Anspruch nehmen könnte, wenn ich Pech habe. Ich sagte zu der Rolle nicht nein, eher verhalten ja ABER. (Aber dann muss irgendwas anderes weg, aber kann ich eine Vertretung haben?)

Jedenfalls wirklich ein aufregender Tag im gewöhnlich sterbenslangweiligen Homeoffice.

Tag 2043 – Öfter mal was Neues.

Die heutige Inspektion war… mal was anderes. Es war sehr seltsam, nach so langer Zeit einen ganzen Tag mit einer anderen Person zusammen in einem Raum zu sitzen. Zu zweit und bei geschlossener Tür, weil ja nicht alle mithören müssen, was wir da so zu hören bekommen, verbraucht man auch in Windeseile jeglichen Sauerstoff in diesen Räumen und hat am Ende des Tages dann Kopfschmerzen.

Noch seltsamer war, dass ja große Teile des Labors (logischerweise) auch im Haus sind und wir in einer kurzen Kaffee-hol-Pause auf sicher 15 Menschen trafen – und beide kurz erschrocken und leicht gegruselt waren.

Oder wie mein Kollege als anderthalbten Satz zu mir sagte: „es ist so komisch, jemanden in 3D zu sehen“.

Die Inspektion selbst war auch seltsam, aber lief, aus meiner sehr engstirnigen Perspektive einer wegen Remote leicht nervösen Lead Inspector, ok. Es kommen ja nur ganz wenige Firmen überhaupt in Frage für Remote Inspektionen und dafür lief es gut. Trotzdem mache ich drei Kreuze, wenn wir endlich wieder richtig „raus“ dürfen.

Was für ein seltsamer Tag. Jetzt gehe ich ganz aufgeräumt ins Bett. Nachdem morgen zwei größere Meetings abgesagt wurden, komme ich vielleicht ja sogar mal zu was. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

(Vielleicht rufe ich auch mal meine Kollegin an. Aus Gründen und eigentlich einfach so.)

Tag 2041 – Ach, ach.

Es war ein schöner Tag (mit Schwimmbad und Michel ist etwa eine Million mal vom 1er gehüpft, ich hab ihn im Wasser aufgesammelt und ihm dann an den Rand geholfen, das hat ihm so riesigen Spaß gemacht, dass ich fast erlaubt hätte, dass er auch vom 3er springt. Aber dann fiel mir ein, dass ich da eventuell ein super Erpressungsmittel Motivationshilfe habe und die Regel ist nun „es ist zu gefährlich, vom 3er zu springen, wenn man nicht schwimmen kann, du musst erst schwimmen lernen“) und das sogar, obwohl das Wochenende aufhörte, wie es angefangen hat – mit Arbeit. Ich werd zur Zeit nicht mal mehr ansatzweise innerhalb meiner regulären Arbeitszeit mit der Arbeit fertig. Leider liegt das nur zum Teil an leicht reduzierter Effektivität im Homeoffice. Denn, man muss es leider so stumpf sagen, wir Inspektøre sind alle hoffnungslos zugeschüttet mit Arbeit* und aber auch alle allzu pflichtbewusst** und dann arbeiten wir eben Freitags und Sonntags abends. Immerhin mache ich den Job gerne, sonst wäre das wohl noch bescheidener.

Whatever, jedenfalls möchte ich nicht, dass das Wochenende schon vorbei ist. Ich könnte gut und gerne noch einen Tag Wochenende gebrauchen. Seufz.

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*ÖD halt

**auch ÖD halt***

***Nein, wir sind nicht verbeamtet, wird man auch nicht in Norwegen, wir sind dementsprechend alles Idealist*Innen die sich für wenig Geld und die gute Sache den H… aufreißen. Eine spezielle Spezies Mensch (ich mag die).

Tag 2040 – Ein ganz normaler Samstag.

Spät aufgestanden. Da war Michel schon auf dem Weg zu seinem Freund E. Schlaf ist so gut, ey. Ich liebe schlafen.

Nach dem Frühstück Pippi in die Badewanne gesteckt. Mir von Pippi sehr viele Knöpfe an die Backe labern gelassen. Pippi die Haare gewaschen, mit Spülung. Danach nur kurz angeföhnt, da beim Kind keine Geduld vorhanden war. Sämtliche Nägel geschnitten, obwohl beim Kind keine Geduld vorhanden war.

Herrn Rabe und Pippi zum Einkaufen verabschiedet. Tschö mit ö, alleine zu Hause sein wird sicher GANZ SCHLIMM, ich weine quasi jetzt schon, PARTY SIE SIND WEG!

Das leere Haus zu so sexy Dingen wie Meerschweinchen sauber machen, Blumen gießen und Auslandsüberweisungen machen genutzt. Wild.

Die Einkaufenden und Michel fast zeitgleich wieder in Empfang genommen. Michel in die Badewanne diskutiert. Überwacht, dass Michel seine Haare ordentlich wäscht. Fingernägel geschnitten.

Pause gemacht und Kaffee getrunken.

Gegessen und Herrn Rabe zu einem Verzweiflungsabhängen mit dem Nachbarn bei minus 15 Grad auf des Nachbarn Terrasse verabschiedet. Herr Rabe und der Nachbar und wir ja eigentlich alle sind ausgehungert nach Sozialkontakten.

Pippi ins Bett gebracht, danach Michel ins Bett gebracht. Dabei zwar sehr viel Körperkontakt gehabt, aber das ist nicht das selbe wie Sozialkontakte.

Mit Herrn Rabe (jetzt nach Whisky riechend wie ein brennendes Torfstück) noch ein wenig herumgehangen. Sauerteige für morgen vorbereitet. Mit Familie (Rabe-Seite) telefoniert.

Früh (für unsere Verhältnisse und Wochenende) ins Bett. Dort Michel gefunden.

Jetzt schlafen.

Tag 2039 – Dauermüde Eule.

An der Homeofficesache ist ja nicht alles schlecht. Mehr Zeit mit Herrn Rabe, mehr Zeit für die Kinder, weniger Gerenne, mehr Schlaf. Insgesamt ist unser Leben in den letzten Monaten deutlich entschleunigt worden. Ok, es ist ein paar mal fast aus der Kurve geflogen durch zu abrupte Bremsmanöver, an anderen Stellen wurde es so langsam, dass es eigentlich still stand, aber so im Großen und Ganzen kann man dem doch auch vieles positives abgewinnen. (Auch, das ist ja nicht zu unterschätzen, wie man sich darauf freut, mal wieder ins Büro zu fahren. Wie ein Ausflug in die große abenteuerliche Welt von früher(TM)).

Allerdings muss ich ja normalerweise dann doch irgendwann aufstehen. Selbst wenn ich mich nur aus dem Bett rollen und irgendwas anziehen muss, um dann zerwühlt Michel zur Schule zu fahren muss ich ja mindestens das tun. So richtig mein Rhythmus ist das immer noch nicht.

Deshalb bin ich eben immer müde. Außer abends. Abends bin ich gar nicht müde. Abends kann ich noch ein Stündchen arbeiten oder zwei, oder Sport machen, oder einfach Zeit verdaddeln. Geht alles, aber morgens ist es trotzdem ein Kampf.

Vielleicht sollte ich mich einfach damit abfinden. Ich brauche relativ viel Schlaf und hole mir den am liebsten bis etwa 10 Uhr morgens. Wenn ich vorher aufstehe, geht das zwar, aber ich fühle mich dann eben den ganzen Tag… müde. Einfach hundemüde.

Wenn ich mir dabei nur nicht so verwahrlost vorkäme…

Tag 2037 – Aua +2 -1.

Heute Morgen dachte ich so, hmm, hmm, vielleicht sollte ich lieber ne extra Slipeinlage mitnehmen und einen Damenhygieneartikel. Dachte ich so. Ganz ohne irgendeinen echten Grund dafür zu haben, einfach, haha, Bauchgefühl.

Mittags musste ich mit meinem Damenhygieneartikel ganz fix aufs Klo.

Damit war mein letzter Zyklus völlig kaputte 24 Tage lang, was aber erklärt, wieso ich schon nach 1 Zykluswoche das Gefühl hatte, Eisprung zu haben und danach meine Brüste den Dolly Buster Gedächtnistanz aufführten. Verkürzte erste Zyklushälfte, was ist das für ein Scheiß, niemand braucht das.

Wie auch immer, jedenfalls hatte ich dann Bauchweh. Und als ich in meinem Rucksack nach Ibuprofen wühlte, fand ich einen Triptanblister und mir fiel auf, dass die Zyklusendmigräne dieses Mal ersatzlos ausgefallen ist. Was ist da los? Sind es die Betablocker, die ich seit ein paar Wochen wieder nehme? Immerhin hab ich jahrelang welche als Migräneprophylaxe genommen, habe mir aber eingebildet, das hätte nur mäßigen Erfolg gehabt und nach den Schwangerschaften hab ich die halt einfach weiter weggelassen, ohne direkt einen Unterschied zu merken. Es ist alles sehr merkwürdig. Ich werde das beobachten.

Das zweite +1 Aua sind meine Ohrläppchen, nachdem ich nach längerer Zeit ohne heute mal wieder Ohrringe trage. Ist keine reine Freude, muss ich sagen.

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Aufregendes Abenteuer Arbeiten im Büro: Kampf mit oder an Technik, so wenig Leute da, dass dauernd das Licht ausgeht, Inspektion war… naja interessant, ich kann Dän*Innen irglllggll schlilllgg vestehlllggll.

Irgendwie schön war’s. Aufregend. Jetzt bin ich aber total fertig und ich gehe auch einfach schlafen.

Tag 2036 – Eingerostet.

Morgen ist Inspektion. Voraussichtlich nur morgen, vielleicht aber auch Donnerstag. Wir werden sehen. Jedenfalls fühle ich mich schlecht vorbereitet und weiß auch gar nicht so recht, wie das alles noch mal ging. Und zu allem Überfluss ist es noch nicht mal wie immer, sondern mit meiner Chefin zusammen wegen großem Großhandelsanteil und über Teams wegen Pandemie. Aber immerhin im Büro, ich sehe schon kommen, dass mein Rechner dann erst mal eine Million Updates installiert, wenn er „zu Hause“ ist.

Ich muss jetzt aber auch dringend meine Äuglein schließen, sonst bin ich morgen nicht nur eingerostet, sondern auch noch total unausgeschlafen.

Tag 2035 – To Ausmisten or not to ausmisten.

So sieht die Ecke vom Flur mit der Garderobe in (fast) leer aus, jetzt, wo da gestrichen ist.

Vom wieder voll geräumten gibt es noch kein Bild, weil noch Schuhe in Haufen davor liegen. Es ist ja so, dass wir, wie vermutlich die meisten Menschen, mehrere Paar Schuhe besitzen. Jeder von uns. Ich zumindest habe sicher auch mehrere Paare, die „unnötig“ sind, im Sinne von „ziehe ich nur seltenst an und würde ich auch eher nicht vermissen“. Da kann man sicher auch noch welche aussortieren. Aber jetzt grad stellt sich eher die Frage: ist ein besonders guter oder besonders schlechter Zeitpunkt zum Ausmisten? Wegen Corona habe ich im Herbst an etwa 10, Herr Rabe an 0 Tagen zum Arbeiten das Haus verlassen. Zum Rausgehen trage ich hässliche, klobige Outdoor-Stiefel, die aber schön warm sind und gut Grip haben. Wenn’s schneller gehen soll, ziehe ich die halbhohe Version mit Schnellschnüren der hässlichen, klobigen Outdoorschuhe an. Andere Schuhe brauche ich zur Zeit nicht. Herr Rabe auch nicht. (Die Kinder lassen wir mal außen vor.)

Da läge es nahe, sich rigoros von Zeug, zum Beispiel Schuhen, zu trennen. Andererseits wird das ja nicht für immer dauern (hoffentlich!). Dann brauche ich wieder schickere Schuhe in blau und schwarz und flach und hoch und auch wieder die Businesshosen, die Blusen, die Blazer, die Kleider. Die eiserne Regel „hab ich die ganze Saison nicht angehabt, kann weg“ muss modifiziert werden, sonst stehe ich am Ende vom Ausmisten nur noch mit ca. 15% meines Kleiderschrankinhaltes da und müsste, falls irgendwann alles wieder in ein neues Normal übergeht, in dem es nicht ok ist, in Jogginghosen und Schlabberpullis oder Onezies im Büro zu sitzen, einiges neu kaufen. Das wäre ja auch unsinnig.

Es ist ein Dilemma.

Sicher aber müssen Sandalen und dünne Turnschuhe zur Zeit nicht im Regal stehen und zustauben. Die dürfen, bis wieder signifikante Plusgrade herrschen und der Schnee weggetaut ist, in einer Kiste wohnen und den klobigen Outdoorstiefeln Platz machen. Und dann räume ich vielleicht einfach nur das zurück, auf das ich wirklich Lust habe.