Tag 544 – Michels Tierkunde. 

Mannfreien Tag souverän gemeistert. Wir waren sogar draußen und haben Muffins gebacken. Also als wir wieder zu Hause waren, wir haben natürlich nicht draußen Muffins gebacken. Vor allem haben wir nur wenig gestritten, das ist ja schon mal was nach dem Dauerzoff der letzten Wochen. 

Vor dem Einschlafen haben wir Michels Tieratlas angesehen und das muss ich doch mit Ihnen teilen, das ist so niedlich. Michel hat nämlich wegen Zweisprachigkeit, eigener Kreativität und nicht zuletzt Eltern mit schrägem Humor ein paar eigenwillige Namen für und Assoziationen zu Tieren. 

„Brannfrosk“, übersetzt Brandfrosch.


Dachsbiber.


„Ein Hai! Dömdömdömdömdömdöm!“


Das mit dem Dömdömdömdöm macht er wirklich jedes Mal, wenn er einen Hai sieht oder mit einem Hai spielt oder ein Hai ist (Vierjährige sind ja dauernd irgendwas. Michel war heute auch schon ein Gürteltier.). Vor dem Einschlafen heute fragte er mich dann wirklich: „Mama? Warum macht der Hai so Dömdömdömdömdömdöm wenn er angeschwommen kommt mit der Flosse so raus?“. Da bleiben Sie mal ernst! 

(Ja, ich hab’s natürlich erklärt. Die langweilige aber ehrliche Erklärung. Ich hoffe bloß, er will jetzt nicht ‚Der weiße Hai‘ gucken.)

Tag 543 – Spazieren gehen. 

Das mit dem Spazieren gehen habe ich heute mal ausprobiert. Eigentlich wollte ich schon zur Uni laufen, ich musste ja eh meine Krankmeldung abgeben und auch mit meinem Chef wollte ich gerne persönlich sprechen und nicht einfach per Mail mitteilen, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht komme. Dann war es aber nach einem kleinen Wellness-Programm (Haare färben und so, Zeug, für das mir die letzten zwei Wochen abwechselnd der Antrieb und die Zeit fehlten) und ausgiebigem Frühstück mit mir selbst schon elf und mir fiel ein, dass der Chef ja ab zwölf im Gruppenmeeting sitzt. Naja, ich nahm also den Bus, sprach mit meinem Chef (alles gar kein Problem, quasi ideales Timing, während ich auf Bestellungen warte kann ich ja eh nix machen und Krankschreibungen von mindestens zwei Wochen werden an die Projektfinanzierung einfach drangehängt (das ist was, was in Norwegen einfach total super ist!), also auch das: kein Ding. Gute Besserung und so.), schickte die Krankmeldung per Hauspost an die Verwaltung, nörgelte per Email an, warum meine Reisekostenabrechnung noch nicht bewilligt ist, blieb dann noch zum Meeting (wegen des Kuchens) und dann ging ich zu Fuß durch die Stadt nach Hause. 

Erstmal: ich bin nicht gut im Spazieren gehen. Grundsätzlich habe ich absolut gar nichts gegen Laufen: solange es ein Ziel gibt, gehe ich sogar lieber zu Fuß als beispielsweise Fahrrad zu fahren. Dann gehe ich gerne schnell und zielstrebig und ja, da kann ich mich dann auch an frischer Luft und Sonne erfreuen oder den Regen ignorieren. Aber so einfach in der Gegend rumlaufen, das ist so mittel. Deshalb auch als erster Ausflug: durch die Stadt. Ich brauchte neue Bodylotion und ach, mal durch die Läden bummeln hab ich ja so ganz ungestört auch schon länger nicht mehr gemacht. 
Ungefähr nach zwei Minuten laufen merkte ich, dass ich unheimlich schnell ging. Ich rief mich zur Ordnung, ich sei ja nicht auf der Flucht, sagte ich mir. Ich versuchte, Wege zu finden, die Sonnenbeschienen waren. Gar nicht so einfach, weil die Sonne immer noch sehr tief steht und die Häuser entsprechend lange Schatten werfen. Je mehr ich mich dabei von der Uni entfernte, desto besser und leichter fühlte ich mich. Es wird schon gehen. Vielleicht schaffe ich es sogar, in den zwei Wochen gar nicht zu arbeiten. (Sie lachen. Ist in Ordnung: Ich lache auch ein bisschen über mich. Und das ist super: mein Humor ist wieder da!) 

Was allerdings nicht ging, war bummeln. Ich war immer noch wie unter Strom, stand ewig vorm Nagellackregal und entschied mich dann doch dafür, in den USA ordentlich zu shoppen. Nagellack und außerdem hätte ich gerne mehr qualitativ gute Lidschatten, gerne bunt. Tipps sind Willkommen. Und Lippenstift. (Jaja, das lohnt sich schon sehr, das in den USA zu kaufen, Kosmetikprodukte sind hier schweineteuer.) Mir 6 Tage lang von 08:30 bis 21:30 durchgehend (!!!) Zeug anhören, das schaffe ich eh nicht. Da ist ein Ausflug irgendwohin zum Einkaufen eine gute Idee. Bestimmt. 

Also jedenfalls kaufte ich keinen Nagellack. Und im ersten Laden auch keine Bodylotion, weil es nur die gab, die ich gerade habe und die ist blöd. (Ich suche nach einer parfumfreien, ich vertrage das Parfum oft nicht so gut und mag das auch nicht so, nach drölfzig verschiedenen Sachen zu riechen.) Dann rannte ich (unter Strom!) zu einem anderen Laden und kaufte da die andere parfumfreie Creme aus dem Babyregal. Wenn die auch blöd ist, bleibt nur noch die Apotheke mit entsprechenden Preisen. 

Mit dem Kauf der Bodylotion war aber ja meine Mission erfüllt, also „bummelte“ ich. Gänsefüßchen. Riesige Gänsefüße! Ich ging immernoch sehr schnell. Und ich fand nichts. NICHTS! Ich fand alles blöd. Und das was ich nicht total blöd fand (mal ehrlich: diese Mode, dass man so Schlafanzughosen trägt, ein bauchfreies Top und darüber so ne Art Bademantel: wäh!) war so schlicht, dass ich dachte: das kannste dir auch selber nähen, nur dann halt in nem schöneren Stoff. Am Ende war ich so frustriert, dass ich am liebsten direkt Stoff eingekauft hätte. Das wirklich einzige, das mir gefiel, war ein türkiser Wollmantel in einem Laden namens Namastë (fragen Sie nicht) und der war mir, obwohl runtergesetzt, viel zu teuer. Ich trabte also mit meiner Bodylotion nach Hause, nahm mir noch einen Kaffee auf dem Weg mit und tat dann etwas, das mich wirklich entspannt: Fernsehen. Und Stricken. 

Danach hatte ich dann so viel Energie wiedergewonnen, dass ich die Kinder abholen konnte, wir machten Milchreis und aßen halbwegs harmonisch und dann gingen beide relativ fix ins Bett*. Und jetzt werde ich gleich lesen. In einem Buch. Sachen gibt’s…

Nächste Woche versuche ich es dann mal mit dieser Natur die da draußen überall ist. Vielleicht geht das mit dem Spazieren gehen da besser. 

*Herr Rabe ist dieses Wochenende auf dem alljährlichen Skitrip seiner Firma. Grandioses Timing, er hat auch angeboten, hier zu bleiben, aber ich schaffe das schon. Notfalls gibt’s dann eben viel Dino-Zug. Oder ich gehe mit den beiden spazieren, die können das auch nicht schlechter als ich. 

Tag 542 – Kaputt. 

Nach einer aus vielen Gründen höllischen Nacht und einem nicht minder furchtbaren Morgen fuhr ich heute nach dem Abliefern im Kindergarten zur Arbeit. Da kam ich aber nie an, sondern fuhr zum Arzt, der liegt auf dem Weg. Einfach so. Ohne Termin. Um viertel vor neun war ich da, um neun durfte ich mit der Sekretärin sprechen und bekam einen Termin für halb zwölf. Aus Angst, nicht noch mal den Mut aufzubringen, herzukommen, blieb ich einfach im Wartezimmer sitzen. Und jetzt bin ich krank geschrieben. Rechtzeitig um das Poster für die Konferenz zu basteln, darf ich wieder arbeiten. Bis dahin soll ich essen, schlafen und spazieren gehen. 

Bevor Sie sich jetzt Sorgen machen: es geht mir soweit gut. Ich bin nur sehr, sehr erschöpft. Richtig kaputt. Und ich will meinen Kindern nicht als „bedrohlich emotional“ in Erinnerung bleiben. Insofern war das vermutlich eine der erwachseneren Aktionen in meinem Leben bisher: die Notbremse zu ziehen. 

Jetzt muss ich mich nur noch selbst damit anfreunden. 

Tag 541 – Kichererbsen. 

Wir hatten heute Projektmeeting, mit dem Struktur-Projekt. Etwas peinlich: wegen zu viel zu tun mit dem RNA-Projekt und dauernd kranken Kindern hatte ich seit dem letzten Meeting vor, hüstel, sechs Wochen daran rein gar nix gemacht. Das machte aber nichts, auch ohne große Beiträge von meiner Seite überzogen wir kräftig. Darüber hinaus war das ganze Meeting auf Norwegisch. Das ist für mich normalerweise kein Problem mehr, heute waren es aber verschärfte Bedingungen, nämlich

  • Vier verschiedene Dialekte: Trøndersk (Leksvik), Pen-Trøndersk, Østfold und Oslo
  • Meine österreichische Kollegin die einen starken österreichischen Akzent im Norwegischen (im Englischen auch) hat
  • Mein dänischer Co-Supervisor, der stur Dänisch spricht. 

Ich kann gar kein Dänisch. Den Rest verstehe ich ja, selbst die Österreicherin kann ich verstehen, aber Dänisch? So hört sich für mich Dänisch an: „Gouwuuuluowuuul uiiiiiche bjüül.“ Äh. Als der Däne dann sowas sagte wie „Henäääde scherüüüüü schom schiekärtr, mens häääärerejü bare skuuug.“ was vielleicht heißen sollte „Hier unten (her nede) sieht das ja aus (ser det jo ut) wie Kicherebsen (som kikerter), während das hier nur Wald ist (mens her er det jo bare skog).“ oder auch was ganz anderes, da musste ich doch sehr auf meine Zunge beißen um nicht laut loszulachen über diese absurde Situation, sieben Leute in einem Raum und sechs verstehen den siebten nicht, was der aber einfach ignoriert. 

Ergebnis des Meetings übrigens (soweit ich das mitbekommen habe): es geht voran. Und da waren sie wieder, meine zwei Probleme. Zwei Projekte, sie haben nichts miteinander zu tun und beide laufen nahezu gleich gut. Vielleicht sollte ich einfach zwei PhDs machen?

Kurz nebenbei: nächste Woche Mittwoch wird hier das FM-Radio abgestellt. Ab dann gibt’s nur noch DAB+ und Internetradio. Die Info kam heute mit der Post (frühzeitig vorwarnen ist nicht so der Norweger Ding). Die Mobilfunkanbieter reiben sich schon die Hände und empfehlen jedem, doch einfach im Auto das Internetradio zu nutzen. Und die DAB+-Empfänger werden wohl auch die nächsten Wochen nicht gerade billiger werden. Tja, dann brennen wir wohl wieder CDs fürs Auto. 


Der Papa eines KiTa-Kindes hat mit dem norwegischen Team den 2. Platz beim Bocuse D’Or -Kochwettbewerb belegt. Da kann man schon mal die Fahne hissen. (Norwegen. International bekannt für seine herausragende Gourmetküche. Oder so.)

Tag 540 – Mehr Zeug. 

Beide Kinder sind wieder fit und können beide morgen wieder in den Kindergarten. Raten Sie, wer jetzt vermutet, krank zu werden? Bingo: ich. Yeah. 

Der Kindergarten schrieb heute eine etwas merkwürdige Mail mit dem Tenor: alle sind krank, also tut doch bitte einfach weiter so, als gäbe es die 24-Stunden-Fieberfrei-Regen noch, als wir die nämlich noch hatten waren nicht alle krank. Merkwürdig ist das weil wir zum Einen gar nicht mitbekommen haben, dass diese Regel abgeschafft wurde und zum Anderen ist eben Januar. Und das ist ein Kindergarten. Wundern die sich echt drüber, dass KiTa-Kinder sich untereinander mit ihren Rotznasen anstecken?

Heute kam ein Paket von meinem Schwiegervater an. Mit Absender: 29.11.16. Darin: Süßkram, der wohl mehrmals zu warm und zu kalt geworden ist. Zeitgleich hat mein Schwiegervater ein anderes Paket abgeschickt, das am 06.12. ankam. Wie kann sowas sein?

Es kam auch noch ein Päckchen von einer Twitterin an, darin Nagellack (Schickes, Dunkles Rot, ich bin ganz hin und weg), Katjes (Katjes! Herzchenaugensmiley!) und Nagelöl. Um Letzteres hatte ich sie gebeten, weil meine Fingernägel dank des häufigeren Lackierens in einem katastrophalen Zustand sind. Ich gehe ja erstmal davon aus, dass der Effekt auf den Nagel an sich eher ein gefühlter sein wird, das ist ja totes Horn, da kann ja nix „repariert“ werden. Aber vielleicht ist das was nachwächst dann tatsächlich stabiler, weil elastischer. Ich werde berichten. 

Ich musste heute keine Mäuseorgane pürieren und bin darüber sehr dankbar. Meine Kollegin fand noch fertig isolierte RNA im Gefrierschrank. Puh. 

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Pippi kann jetzt ein neues Wort: Nein. (Hurra!) Und wenn man sie bittet, wiederholt sie alles was man sagt, heute war das „fertig MIT kacken“, Michel sagt nämlich immer „fertig und kacken“ weil das norwegische „å“=“zu“ (das im Norwegischen an der Stelle richtig wäre) sich genauso anhört wie „og“=“und“. Bei Pippi hörte sich das dann an wie „fedee me kaake“ und war auch sonst sehr viel niedlicher weil weniger situationsnah. 

So, und jetzt mache ich den Bildschirm aus. Die Kopfschmerzen werden es mir hoffentlich danken, indem sie verschwinden. 

Tag 539 – Zeug. 

Heute hat soweit alles geklappt, bis auf den Part mit dem zu Hause lesen. Tjanun. Dafür stimmen unsere Finanzen jetzt wieder. 

Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Heute sah er ein paar Folgen Dino-Zug. Nach anfänglicher Unsicherheit finde ich die Serie ziemlich gut, denn 1. sind die Figuren echt niedlich, 2. ist die Musik ganz gut und 3. lernt man echt was. 

Mein Chef hat mir ein uneingeschränktes Go für Chemikalien-Shopping gegeben. Wär doch gelacht, wenn wir die RNA nicht sequenziert bekämen wenn wir sie mit Geld bewerfen.

Die Austernpilze ärgern mich: die werden immer am Strunk schon trocken. Ich glaube, es ist ihnen zu trocken hier in der Wohnung. Aber im Keller oder draußen ist es zu kalt. Da müssen wir wohl aufs Frühjahr warten. 

Die Paula’s Choice Creme (Hellblau, ohne LSF) ist endlich alle. Die hat jetzt mehr als fünf Monate gehalten. Die ist auch echt toll, aber in Erwartung einer viel geringeren Ergiebigkeit (zur Erinnerung: der Tester in 1/6 der Größe reichte grade mal eine Woche) habe ich schon vor Monaten eine andere, etwas günstigere PC-Creme gekauft, ohne Anti-Age. Mal sehen, was die kann. Eigentlich wollte ich ein vorher-nachher-Bild von meinem Faltenstatus machen, aber das scheiterte heute daran, dass ich Pippi umgebunden habe und sie nicht durch schonungsloses Beleuchten meines Gesichts wecken wollte. 

Mein Zyklus ärgert mich aus diversen Gründen auch und wenn wir es nicht in näherer Zukunft nach Deutschland schaffen, muss ich wohl hier mal für viel Geld  zu einem Gynäkologen*.

Und auch mein Phantomzahnschmerz erreicht gerade neue Höhepunkte. Damit war ich schon diverse Male beim Zahnarzt, der immer wieder bestätigte: da ist nichts. Zumindest nichts, was er im Röntgen oder mit seinen Augen sehen kann. Zum*r Neurologen*in solle ich mal gehen. Das war mir aber auch immer zu blöd. Es geht ja auch immer wieder weg, irgendwann nach ein paar Monaten. Vorgestern schrubbte ich in meiner Verzweiflung extra gründlich mit Zahnseide und (Achtung, eklig) dabei muss ich in irgendwas reingeschnitten haben, jedenfalls blutete es mit einem Mal wie Sau und danach war der ganze Druck weg. Ich merke mir das mal, vielleicht kann ich damit den Zahnarzt beim nächsten Mal zum Lachen bringen. 

Vielleicht bin ich grad etwas im Stress. 

Nach dem ganzen Gemecker: hier ein Bild von Baby-Michel. Das war beim Umzug nach Norwegen, in unserer Kabine auf der Fähre. So lang her… 

Michel hebt die rechte (!) Augenbraue. Vielleicht ist er doch nicht mit mir verwandt.


* Ja, ich bevorzuge männliche Gynäkologen. Nach einigen wenigen aber ausnahmslos unschönen Erfahrungen mit Gynäkologinnen bin ich da stur. Ich bin geneigt, den Frauen da generell eine „stell Dich nicht so an“-Haltung zu unterstellen. Total schlimm verallgemeinernd und diskriminierend, das ist mir bewusst. Aber gerade wenn ich 1200 NOK für die Konsultation bezahlen soll, möchte ich wenigstens ein vorgewärmtes Spekulum mit Respekt und Gefühl behandelt werden.

Tag 538 – Fertig machen zum Durchdrehen. 

Ich hab es ja quasi beschrien, als ich am Freitag schrieb, die Kinder sollten jetzt nicht mehr krank werden. Jetzt ist nämlich Michel krank. Heute Nachmittag dachte ich schon diverse Male, dass er ziemlich glomsig aussah, aber das hätte auch vom wilden Spielen mit seinem Kumpel kommen können. Als der aber weg war kamen noch glasige Augen dazu, dann nahm das Kind auch noch freiwillig Hustensaft und das Fieberthermometer bestätigte: Jo, krank. 

Ich weiß, es ist Meckern auf hohem Niveau, andere Familien hat es diesen Winter viel schlimmer erwischt, aber trotzdem: ich mag nicht mehr. Meine zehn Kind-krank-Tage für dieses Jahr sind schon mehr als zur Hälfte aufgebraucht. Herr Rabes auch. Und es ist grade mal Ende Januar. Dieses zerhackte Arbeiten führt außerdem dazu, dass ich gefühlt nichts fertig bekomme. Abgesehen vom gar nicht mehr so fernen Fernziel Dissertation. Und dem Nahziel Schlaf, der mir uns allen mit Dauer-nörgelndem Michel wohl heute Nacht auch nicht im Übermaß vergönnt sein wird. Es ist echt zum Mäusemelken. 

Morgen dann: Herr Rabe geht arbeiten, ich fahre zu halb neun mit beiden Kindern zur Helsestasjon, weil Pippi ihren 18-Monate-Check hat. Danach liefere ich Pippi (die ist wieder KiTa-fit) im Kindergarten ab und fahre mit Michel zur Arbeit, um wenigstens ein paar Artikel zu holen und ein paar Sachen zu bestellen, die ich für meine Experimente brauche (und vorher muss ich Leute danach fragen, was man denn da so nimmt). Dann nach Hause, lesen/Michel betuddeln, irgendwann Herrn Rabe informieren, ob er nach Hause kommen muss, damit ich zu meinem Friseurtermin kann, oder ob Michel fit genug ist um mitzukommen. Friseur, Pippi abholen, Nachmittag, Abend, Dienstag darf ich dann arbeiten gehen. 

Und wenn das so weitergeht, drehe ich vermutlich demnächst durch. 

Tag 537 – Alles doof. 

Heute nur Gemecker, deshalb mach ich’s auch kurz:

  • Michel hatte gestern Abend einen Pseudokrupp-Anfall. Es war das erste mal und wir haben uns alle sehr erschreckt. 
  • Danach hat Pippi, bei der das Fieber wieder da ist, kaum geschlafen. Dauergewimmer und -getrete. 
  • Als sie dann endlich schlief (und ich somit auch) hatte ich furchtbare Albträume. Aus einem schaffte ich es nicht, mich selbst zu wecken. Gefühlte Stunden verbrachte ich im Traum damit, vor CSI-mäßigen Nachbarn den von mir irgendwie aus Versehen begangenen Mord an meinem Opa zu vertuschen. Aus Versehen hatte ich auch die Leiche zerteilt und logischer Weise wollte ich die loswerden, in Säcken im Auto. Aber dann saß mit einem Mal meine ganze Familie in dem Auto, bestimmt zwölf Leute, und alle guckten schräg die Säcke an. Aus einem guckte ein Fuß. Ich möchte gerne die Albträume zurück, wo mir Zähne ausfallen. 
  • Weil wir eigentlich gerne über Ostern nach Deutschland wollen, schaute ich heute nach Flügen. Norwegian hat die einzige Direktverbindung von Trondheim nach Deutschland gestrichen, warum weiß keiner. Die Flüge nach Berlin gingen zuletzt drei mal pro Woche und waren immer voll. Sowohl bei den vielen Deutschen als auch bei den vielen Polen in Trondheim war die Verbindung sehr beliebt. Egal. Ersatzlos gestrichen. Was ich fand war eine Verbindung von KLM über Amsterdam nach Hannover: mehr als 2000 € (!!!) für uns vier. Mit KLM!!! Die günstigste Möglichkeit wäre über Oslo UND Kopenhagen nach Hannover. Das dauert dann 6,5 Stunden, Gepäck ist auch noch nicht drin, kostet aber „nur“ 650 €. Falls ich mal einen der Entscheider von Norwegian treffe, dann mitten ins Gesicht. 
  • Die orangene Wurst drüben in den USA ist erschreckend effizient im Umsetzen selbst der behämmertsten Wahlversprechen. 

Was schön war: Besuch von Michels Kumpel H. 

Michel: „Mama, H. will gerne ein Eis!“

H.: „Das hab ich gar nicht gesagt!“

Michel: „Doch, ich hab dich gefragt, ob du ein Eis willst, und du hast Ja gesagt!“

Tag 536 – Jahresurlaubsplanung. 

In den letzten Tagen habe ich zu Prokrastinationszwecken unseren Ausflug nach Bergen geplant. Ich wäre ja sehr gerne mit der Hurtigruten gefahren, aber das ist im Sommer unheimlich teuer. Also dachte ich, wir könnten den Zug nehmen. Aber das dauert hunderttausend dreizehn Stunden, weil man erst nach Oslo muss und dann da umsteigt. Es blieb noch der Flieger. Aber auch da: entweder teuer (700 NOK pro Person pro Weg finde ich für einen einstündigen Flug ohne Kaffee oder Gepäck viel, ja) oder Umsteigen in Oslo und obendrein teuer. 

Kurzum: wir werden mit dem Auto nach Bergen fahren. Und weil auch das am Stück 10-12 Stunden dauern würde (Norwegen ist wirklich sehr, sehr groß!) machen wir einen Mini-Roadtrip draus. Oder auf Norwegisch: Hyttetur. Nur ohne Laufen. Und auf Campingplätzen. Aber egal: Hyttetur! So werden wir dann in drei  etwa gleich langen Etappen nach Bergen fahren und auf dem Rückweg in drei unterschiedlich langen Etappen wieder zurück. Die Campingplätze sind so ausgesucht, dass sie Spielplätze und Bademöglichkeiten (haha, ich unerschütterliche Wetter-Optimistin) haben, die Hütten darauf sind schon gebucht und bestätigt und von mir aus könnte es dann nächste Woche auch losgehen. Aber das Allerbeste ist ja: zwischen Hin- und Rückfahrt sind wir zwei Tage in Bergen und lernen Leute aus dem Internet in echt kennen und das wird bestimmt total toll, ich freue mich jedenfalls schon sehr drauf! 

(Ich hab auch gleich den Urlaub beantragt. Dabei fiel mir auf, wie wenig Zeit nur noch bis Ende Juli, dem magischen Datum der hypothetischen Dissertationsabgabe, ist. Ab jetzt bittedanke keine kranken Kinder mehr bis August. Ich hab keine Zeit.)