Tag 554 – Und nun?

Drei Viertel meiner Krankschreibung sind rum. Die letzten zwei Tage verbrachte ich in weiten Teilen mit Pippi im Bett, was ein sehr komisches Gefühlsmischmasch ergab. Einerseits nämlich das Gefühl großer Ruhe, und zu Hause sein, wenn ich in Pippis schlafendes Gesicht sehe, ihre kleinen Hände an ihre Wangen gedrückt, den Mund leicht auf. Manchmal gebe ich ihr ein Küsschen auf die Stirn, um zu checken, ob das Fieber zurück kommt. Und weil ich sie so einfach auffressen könnte vor lauter Liebe, wenn sie so schläft. Und jetzt kann ich das auch wieder feststellen und genießen. 

Aber da ist noch ein anderes Gefühl, nämlich Nutzlosigkeit. Von Pippi ans Bett gefesselt lässt es sich wenig tun und für alles, das sich tun ließe, fehlt mir weiterhin die Motivation. Durch das spazieren Gehen letzte Woche hatte ich was zu tun und die ärztliche Anordnung war genug Motivation. Ja, so simpel ticke ich im Moment: sag mir was ich machen soll und ich mache es. Sag es mir nicht und ich mache… nichts. 

Das schlimmste Gefühl ist aber erst in den letzten zwei Tagen dazu gekommen. Das Gefühl nämlich, daraus jetzt Konsequenzen ziehen zu müssen. Und nicht zu wissen wie. Arbeitsstunden reduzieren? Wäre vielleicht schlau (um mein Projektgeld zeitlich in die Länge zu ziehen), vielleicht aber auch total dämlich angesichts eventueller Arbeitslosigkeit irgendwann und entsprechend weniger Arbeitslosengeld. Außerdem: ich kenne mich doch. Als würde ich dann tatsächlich weniger arbeiten. Das Problem ist glaube ich auch nicht die Arbeit, sondern dass sie mich nie loslässt. Und das sich das Abschließen wie so ein unbezwingbarer Berg vor mir auftürmt, mit einem Bergführer, der eh nicht damit rechnet, dass das dieses Jahr noch was wird und nach dem Aufstieg hisse ich dann mein kleines Fähnchen und hopse in den Abgrund, oder wie? Ein weiterer Punkt ist, dass ich nur sehr schlecht damit leben kann, wenn Herr Rabe dann noch deutlicher mehr verdient als ich. Also Stunden reduzieren ist nur so mittel. Aber was dann? Ja, wir haben jetzt eine Putzfrau (Hurra!!!), da ist also für Entlastung gesorgt. Unsere eh schon nur sporadisch Zeit habende Babysitterin wird hoffentlich trotzdem weiter kommen, vielleicht zu anderen Zeiten, dann haben vielleicht auch Herr Rabe und ich mal wieder Zeit füreinander. Der Frühling kommt bestimmt (in drei Monaten, haha) und damit hoffentlich weniger oft kranke Kinder. Vielleicht kann ich ein paar mal die Woche spazieren gehen in meinen Alltag integrieren*, aber reicht das dann?

Ich hasse es, weder Pläne noch Ahnung zu haben. So. 

*Nein, ich werde mir definitiv keinen Hund anschaffen. Das ist echt, was ich nicht brauche: noch mehr Verantwortung für ein hilfloses Wesen. Und was sollen wir machen, wenn wir mal in den Urlaub fahren? Wir haben ja kein soziales Netz. Nein, jemand wie ich** sollte keinen Hund haben.

**der überdies keine Hunde mag

Tag 552 – 12von12 im Februar ’17

Heute ist der 12. und so will es das Gesetz: da werden 12 Bilder gemacht und beim Kännchen-Blog in die 12-Bilder-Sammlung geworfen. 

Es ist Muttertag in Norwegen. Michel hat mir extra eine Karte gebastelt. Morgens.


Frühstück, vom Mann gemacht.


Nach dem Frühstück sahen wir die Sendung mit der Maus. Erst machten die Kinder aber noch ein bisschen Quatsch. 


Michel und ich backten im Anschluss Kanelbullar, in den Teiggehzeiten las ich ihm Bücher vor und wir räumten ein bisschen. Pippi war da schon wieder müde und Herr Rabe legte sich mit ihr hin. 

Das Rezept ist aus meinen fast 10 Uahre alten Schwedischkursmaterialien. Das war ein Hörverständnis-Lückentext. Die Zahlen 8, 18 und 80 sind schwer auseinanderzuhalten und damals konnte ich noch nicht so gut backen.


Hier das Rezept, korrigiert und ergänzt. 

Für den Teig:

  • 100 g Butter oder Margarine in einem Topf schmelzen
  • Dazu 400 mL kalte Milch geben –> Temperatur sollte jetzt lauwarm sein
  • Einen 42 g-Würfel Hefe darin auflösen
  • –> Mit ca. 80 mL (ja, mL) Zucker, 
  • einer sehr guten Prise Salz
  • einer guten Prise Zimt und
  • Ca 700 g Mehl zu einem Teig kneten. (Ich lasse das so 5 Minuten in der Knetmaschine rödeln. Gut ist, wenn sich der Teig dann selbst vollständig vom Schüsselrand löst, aber nicht gummiartig ist. Manchmal braucht es noch einen Esslöffel Mehl mehr dazu.)
  • 30 Minuten abgedeckt gehen lassen. 

Die Füllung vorbereiten:

  • 100 g sehr weiche Butter (oder Margarine) mit
  • 0,5 Esslöffeln Kardamom,
  • 2,5 Esslöffeln Zimt,
  • 1 Esslöffel Vanillezucker und
  • 3 Esslöffeln Zucker vermanschen. Ich nehme Esslöffel ohne Berg. Das reicht dicke. Und jetzt wissen Sie dann auch, wieso Zimt hier in 200 g-Eimern verkauft wird.

Den Teig nach der Gehzeit ausrollen, wenn sie Platz haben, machen sie einfach ein Stück, dieses „Teig in sowienoch viele Teile teilen“ ist doch Quatsch. Wichtig ist, dass Sie dünn ausrollen (maximal 1 cm) und ein Rechteck herausbekommen. Das Rechteck dann mit der Buttermasse bestreichen, von der langen Seite her aufrollen und in Scheiben schneiden. Vielleicht so 1,5 cm dick. Wir hatten aus dem Rezept 25 Bullar heute. 

Zwei Schälchen vorbereiten: eins mit verquirlem Ei, eins mit Hagelzucker. Die Scheiben mit einer flachen Seite erst ins Ei, dann in den Zucker dippen. In Bolle-Förmchen legen (gibt’s bei IKEA) und nochmal ca. 30 Minuten unter einem Tuch gehen lassen. In der Zeit den Backofen vorheizen: auf die höchste Temperatur, die die Förmchen abkönnen (hier: 220 Grad). Die Bullar irgendwo grob in der Mitte des Ofens ca. 8 Minuten backen. Lauwarm essen und den Rest einfrieren. 

Fertig!

Ein wichtiges schwedisches Wort: Fika. Kaffeepause. Kann man ca. 4 mal am Tag machen.


Pippi geht es nicht gut, sie hat Fieber. Außerdem muss ich noch Brot backen. Wir planen um und machen einen sehr ruhigen Drinnen-Nachmittag mit Büchern und Perlen. 

Rumpetroll. Po-Troll. So heißen Kaulquappen auf Norwegisch. (In Bielefeld heißen die übrigens Pillepoppen. Auch nicht besser.)


Bügelperlen-Kunst. Morgen muss ich los und neue Perlen besorgen.


Nach dem Bügeln backe ich und räume in der Küche die Spuren der Kanelbullar und der Brote weg. Michel spielt „Dinoball“ mit Herrn Rabe und Pippi (die nach einem Paracetamolzäpfchen quietschvergnügt ist), ein Spiel, das im Wesentlichen daraus zu bestehen scheint, sich möglichst geräuschintensiv kunstvoll auf den Boden zu werfen. Kochen fällt heute aus, weil ich gestern viel zu viel Bolognesesoße gekocht habe. Ich koche also nur neue Nudeln dazu. Wegen eines Vortrags bei dem Biochemiker-Treffen haben wir beschlossen, wieder mehr Vollkorn zu essen, damit unsere Darmbakterien sich wohl fühlen. Vollkornnudeln sind so lala. 

Aber lecker. Auch mit Vollkorn.


Wenn Pippi gegessen hat, sieht es meistens so oder ähnlich aus. Das nervt mich. Ich finde es tatsächlich würdelos, auf allen Vieren unter dem Tisch rumzukriechen und Essen aufzuwischen. (Deshalb macht das heute Herr Rabe.)


Nach dem Essen und Säubern des Fußbodens ist es Bettzeit für die Kinder. Ich bringe Michel ins Bett, rödele noch ein bisschen herum und dann lese ich die letzten 15 Seiten des ersten Bandes der Hunger Games. Sehr spannend ist das. 


Aus Ermangelung eines tolleren Motives für das letzte Bild fotografiere ich die von Herrn Rabe vorbereiteten Dinge für morgen früh. 


Und jetzt aber schnell ins Bett :)

Tag 551: Kurzmeldung.

Ich bin zu 80% genervt. Deshalb nur ganz kurze Statusmeldung. 

Wochenende mit Kindern ist viel anstrengender, als die Woche, wenn man selbst zu Hause, die Kinder aber im Kindergarten sind. Egal wie niedlich die kleinen Speckengelchen und Quatsch-Zwerge sind. 

Wenn dann auch noch beide Eltern ab sieben Uhr morgens genervt sind, weil beide Kinder nach einer Kacknacht wach sind und eins brüllt und das andere erst nörgelt und dann singt (während das andere weiterbrüllt, versteht sich), dann wird der Samstag schon mal eher unentspannt. Und da hilft auch keine Abmachung, dass der eine Samstags liegen bleiben kann, der andere Sonntags: in so einer kleinen Wohnung durch Türen die nicht mal richtig schließen, hört man jedes Wort. Also erst recht Kindergeschrei. Herr Rabe kann das noch halbwegs ausblenden, in dem er sich auf sein hörendes Ohr legt. Ich höre aber auf beiden Ohren sehr gut. Und hab dann halt schon vor dem Aufstehen keine Lust mehr, mich in diese Kakophonie zu begeben. 

So war unser Samstag. Genervt. 

Tag 550 – Freitag Abend. 

Nicht, dass Sie denken, wir hätten die Kinder verkauft oder so. Die erfreuen sich bester Gesundheit (haha, also, was man so Gesundheit nennt, im Februar bei Kindergartenkindern). 

Mit Michel haben wir weiterhin Diskussionen um den allgemeinen Umgangston, dass zum Beispiel „Mehr Fleisch!“ keine angenehme Art ist, die Eltern um ein weiteres Stück Hühnchen* zu bitten. Außerdem singt Michel munter das Dinozug-Lied und nervt uns alle ordentlich mit Dinos. Ist aber auch sehr niedlich dabei, das muss man ihm lassen und er lernt auch viel. Und wir dadurch auch. Ist schon ok. 

Pippi ist mal wieder in einer Ich-fresse-meinen-Eltern-die-Haare-vom-Kopf-Phase. Bald wächst sie sicher zehn Zentimeter oder sie kann demnächst Teller auf ihrer Nase balancieren oder so. Irgendwas ist jedenfalls im Gange, die dreihunderttausend Kilokalorien am Tag müssen ja für was gut sein. 

Alles in allem geht es mir langsam auch wieder so gut, dass ich nicht mehr sofort schreiend davon laufen will, wenn mal beide gleichzeitig was von mir wollen. 

Und das Beste: beide schlafen jetzt. 

*Hat er sich gewünscht, ich bin also pflichtschuldig losgelaufen und habe Antibiotika-freies Huhn aus Haltung mit viel Platz besorgt. Und er hat es tatsächlich gegessen und fand es lecker! Hurra!

Tag 549 – Tango!

Wegen der fiesen Blasen an meinen Fersen bin ich heute nicht richtig Spazieren gegangen, sondern zu einem See gefahren. Ich wollte aufs Wasser gucken. Haha. Nachdem seit über einer Woche deutliche Minusgrade herrschen. Hahahahahaha. (Manchmal denke ich nicht für fünf Cent nach.)

Wasser, Aggregatzustand: anders als erwartet.


Nun gut. Ich guckte also ein bisschen auf Schnee und dann packte ich mein Buch aus und las. Wenn man nämlich gegen die Sonne auf Schnee guckt, sieht man ziemlich schnell nichts mehr. So war es dann doch ganz schön, in der Sonne, lesend. Ich ging auch einmal auf den See raus, aber dann wegen „Ohgottogott, gefährlich, schlimm, niemand da, wenn ich einbreche bin ich SOFORT TOT!“ ganz schnell wieder zurück. Ja, da bin ich ein Schisser sondergleichen. 

Worüber ich auch nicht nachgedacht hatte: der Rand meiner Ballettschuhe sitzt ganz genau auf den Blasen. Ich sage es mal so: nach zwei Monaten nix wieder Ballett machen war eh schon ne Herausforderung und, ja, auch ne kleine Überwindung. Und dann diese Schuhe… und läääääächeln! Aua. Das war echt schwer. Miese Sache, so Blasen. Aber gelohnt hat es sich trotzdem. Nicht nur die körperliche Betätigung an sich, so nen Körper mal wieder komplett spüren hat schon was. Ich mag auch die Musikauswahl, ein Stück (zu dem wir Grande Battements machten) hatte ich mal in einer Musik-Klausur und mir fällt uns Verrecken der Komponist nicht ein. Vielleicht aus ‚Bilder einer Ausstellung‘ von Mussorgsky. Auf jeden Fall Romantik. Vor allem ist aber das neue Choreografie-Stück eins meiner liebsten Tanzmusikstücke überhaupt. Nämlich dieses hier.  Hier kann man das nicht so gut hören, aber dafür tanzen da Menschen schön. Hachja. Also jetzt Tango. Große, starke Gesten. Mag! (Und, vielleicht können Sie es sich schon denken: ich kann das auch um Längen besser als den Zuckerfeegiselleschwan.)

Tag 548 – Spannend, spannend.

Ich kann heute nicht so viel schreiben, denn 1. habe ich kaum was erlebt und 2. habe ich gestern zwei sehr spannende Dinge angefangen: Black Mirror auf Netflix und The Hunger Games auf Papier. Black Mirror ist eine Serie nicht miteinander zusammenhängender (teils schmerzhaft realitätsnaher) Dystopien. Hunger Games muss ich wohl keinem erklären. Nach einer seeeeehr creepy Folge Black Mirror (‚Be right back‘), die ich heute Nachmittag sah, lese ich jetzt erstmal weiter. 

Projekt Spazieren gehen: läuft (haha). Heute ging ich zur Ringvebukta und von da über den Ladestien nach Hause. Ich war gut zwei Stunden unterwegs und fror ordentlich bei -8 Grad und ziemlich scharfem Wind. Leider war es so kalt, dass ich nicht merkte, dass ich im Gesicht zu viel Sonne abbekam und jetzt ist meine Nase ein bisschen rosa und außerdem habe ich an jeder Ferse eine fiese Blase. Morgen mache ich glaube ich mal Pause oder fahre „nur“ irgendwo hin und setze mich an nen See oder so. Mit so Blasen macht das Spazieren gehen nur mäßig viel Spaß. 

Ich weiß, ich weiß. Es ist echt schön hier. Langsam sehe ich das auch.

Tag 547 – Wohnungsmist. 

Ich habe darüber noch gar nicht richtig abgekotzt geschrieben. Unsere Wohnunsmisere. 

Unsere Wohnung ist sehr schön. Ich mag die wirklich. Altbau, hohe Decken, Stuck, der ganze Kram. Dazu war sie (teil-)möbliert und die Einrichtung und sonstige Gestaltung gefiel uns wirklich auf Anhieb ausnehmend gut. Genau so hätten wir es wohl auch gemacht. Deshalb war und auch egal, dass die Wohnung an der Schmerzgrenze teuer ist. Mit der jährlichen Mietpreiserhöhung in Höhe der Inflation knacken wir wohl ab März die 15.000 NOK. Da ist noch kein Strom dabei, der ist, besonders im Winter, auch nochmal ein echter Batzen (Altbau, voll schön, hohe Decken und so. Und die schicken, alten Flügelfenster…). 

Ein Nachteil der Wohnung ist, dass wir kaum Lagerplatz haben. Auf dem Dachboden haben wir ein zwei Quadratmeter großes Kämmerlein mit Schräge. Weil uns niemand davon abhält gesagt wurde, dass das in Ordnung sei, lagert ein Teil unserer Sachen auf dem gemeinsamen Dachboden, denn das Kämmerlein ist so voll, dass die Tür nur noch zugeht, wenn man die eine Kiste beim Schließen der Tür etwas anhebt und dann vorsichtig die Tür dran vorbei zwängt. Einiges (hauptsächlich Nahrungsmittelvorräte (in der Küche ist nämlich auch kein Platz) und Putzmittel und sowas halt) ist auch im hinteren Treppenhaus, das gab ja schonmal Ärger wegen des Fluchtwegs (ich frage mich, wo man da hinfliehen soll, aber naja), daraufhin quetschten wir das was da war so zusammen, dass der Fluchtweg frei ist.  

Jetzt wird hier aber auf Empfehlung des Brandschutzwesenes alles brandschutztechnisch modernisiert. Das heißt, dass eine Warnanlage installiert wird, die direkt mit der Feuerwehr verbunden ist (voll supi, wo doch schon unser normaler Pieps-Rauchmelder jedes Mal losheult, wenn man was toastet), außerdem werden überall Brandschutztüren eingebaut (für unsere Wohnung zwei, auf dem Dachboden und im Keller ca. tausend), die Rohre im hinteren Treppenhaus werden erneuert und das hintere Treppenhaus wird so umgebaut, dass eine Wand unseren „Lagerplatz“ und den Wasserboiler, der da jetzt noch in einem extra Kämmerlein steht, vom Treppenhaus abgrenzt. 

Und genau da liegt der Hund im Pfeffer und der Hase begraben. Das heißt nämlich

  1. Bauarbeiten. Yeah. Weiß man ja, wie prickelnd sowas ist. 
  2. Die Brandschutztür zum vorderen Treppenhaus wird vor unserem kleinen Flur eingebaut, was (wenn ich das richtig verstanden habe) heißt, dass in dem kleinen Flur dann nichts brennbares mehr gelagert werden darf. Jacken, Schuhe, Schals und co. brennen ziemlich gut. Also muss das Zeug dann wohl woanders hin und, haha, wo???
  3. Die Umbaumaßnahmen im hinteren Flur werden ein Abkoppeln des Wasserboilers notwendig machen. Für mindestens eine Woche. Das erfuhr ich so:

*Knock, knock**hämmerhämmerhämmer*

Ich gehe zur Tür. Zur hinteren. Durchs Bad. Da stehen die Nachbarin W. und ein Typ, der aussieht wie Bob der Baumeister in lebendig. 

Bob: „Ja, Hei, ehem, ist das euer Kram da in der Ecke?“

Ich: „Jaaa…?“

Bob: „Weil, das wird ja alles umgebaut, wir machen das im April, da muss der Tank da weg, das ist ja so auch alles gar nicht zulässig, das muss alles neu, und wenn wir den Tank da abklemmen müssen, also, willst Du nicht vielleicht drei Wochen Urlaub machen, Ende April?“

Ich: „?!?“

Bob: „Ja, weil, so ist das nicht zulässig. Und wir müssen das abklemmen. Dann hast Du hier kein Wasser. Und das dauert mehr als einen Tag. Mindestens ne Woche.“

W.: „Überlegt euch das mal, wie wir das machen können.“

Ich: *denke: hahaha, nie im Leben, eher ziehen wir hier aus* „Ich kann das nicht jetzt sofort entscheiden. Ich muss auch erst mit meinem Mann reden.“

W.: „Ja, überlegt das mal.“

Bob: „Wir versuchen, uns da nach euch zu richten, so gut es geht, aber das ist ja hier alles gar nicht zulässig… was ist denn das da für ein Kabel?“

Ich: „?“

Bob: „Das kommt hier doch innen irgendwo raus…“ *latscht einfach rein, durchs Bad, durch die Küche, ins Wohnzimmer* „Nee, hier auch nicht. Komisch. Das muss ja irgendwo rauskommen. Das ist ja so alles gar nicht zulässig.“

W.: „Ja, also, überlegt das mal, wie ihr das machen könnt im April. Wir kommen dann gleich nochmal und vermessen die Tür.“

*beide durchs Bad wieder ab*

Tja, wie soll ich sagen. Ich bin jetzt Mitglied im Mieterbund, habe auch direkt da eine Anfrage gestellt, was wir da machen können (EINE WOCHE OHNE WASSER, HAKTS?!?) und weiß von zwei Wohnungen ums Eck, die frei sind und die in Frage kämen. Ich hoffe einfach, dass wir gaaaaanz schnell aus unserem Mietvertrag rauskönnen. 

Um meinen Kopf zu lüften ging ich danach zur Festung (eigentlich wollte ich Hagebutten ernten, wurde aber nur von sehr zufriedenen und dicken Vögeln ausgelacht), heulte da ein bisschen rum weil ich so ne Scheiße grad echt nicht auch noch gebrauchen kann und dann ging ich durchs Øvre Bakklandet an Bispehaugen vorbei nach Hause zurück. 

Blick über Dom und Nidelven.

Heute war irgendein Flaggentag.

Vielleicht können wir ja da einziehen.

Oder da. (Das ist ein Bunker.)

Bispehaugen sieht in der Sonne immer total schön aus, finde ich.

Nur noch dreieinhalb Monate bis Frühling. Seufz.

Tag 546 – Follow-Ups. 

Follow-Up 1: die Putzhilfe war heute da. Sie hat noch nicht geputzt, sondern wir haben erstmal nur geredet und uns auf die Modalitäten geeinigt. Ab nächster Woche wird sie Montags früh kommen, wir lassen sie dann rein, wenn wir zum Kindergarten aufbrechen, was den Vorteil hat, dass wir ihr keinen unserer schlecht funktionierenden Haustürschlüssel geben müssen (von außen abschließen kann man ja eh nicht, wenn sie geht kann sie also einfach hinter sich zuziehen). Überhaupt war sie sehr nett und eins meiner To-Dos ist jetzt, herauszufinden, wie man eine Haushaltshilfe in Norwegen legal beschäftigt. 

Follow-Up 2: Projekt ‚Entspannen‘ läuft. Wenn auch auf den ersten Blick unkonventionell: ich räume auf und putze. Nicht viel, aber ein bisschen. Heute habe ich Staub gewischt im Schlafzimmer, das haben wir seit Ewigkeiten nicht gemacht und entsprechend nötig war es. Auch Ausmisten und Aufräumen ist nötig, und ich stelle fest, wie viel besser es mir geht wenn es um mich rum einigermaßen ordentlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt nicht mehr beim Anblick wirklich jeder Ecke in der Wohnung mich heulend zusammenrollen möchte, weil so viel zu tun wäre, dass ich komplett überfordert bin. Ich habe mir vorgenommen, mich schrittchenweise durch die Wohnung zu arbeiten, heute Kram auf den Dachboden bringen, morgen Zeug zum Verschenken/Verkaufen ins Internet stellen, übermorgen vielleicht mal im Wohnzimmer staubwischen. So bleibt auch noch Zeit für

Follow-Up 3: Spazieren gehen. Heute ging ich von zu Hause aus durch Svartlamoen (das alternative Viertel, da wohnen auch Trondheims Drogis, deshalb hat die Ecke totaaaaaaal hohe Kriminalitätsraten, also geringfügig über null) an der Dahls-Brauerei lang durchs Industriegebiet um den Ladehammer herum (da hab ich mich kurz verlaufen, mit einem Mal war ich irgendwie doch oben auf dem Felsen…) nach Korsvika. In strahlendem Sonnenschein. Das war echt schön. 


Leider war der Weg sehr vereist und dafür hatte ich die falschen Schuhe an, sonst wäre ich noch weiter in Richtubg Ringvebukta gegangen. Ich dachte nämlich, ich könnte ja mit dem Spazierengehen auch meinen Füßen etwas Gutes tun und Schuhe mit Einlagen tragen. Die haben aber leider kein ordentliches Profil. Tjanun. So saß ich einfach ein bisschen in Korsvika auf dem Felsen (merke: morgen unbedingt eine Sitzmatte mitnehmen) und genoss die Aussicht und die Sonne. Es gibt schon schlimmeres. 


Überhaupt muss ich echt mal sagen, wie froh ich bin, dass der Arzt erstmal nur von Essen, Schlafen und Spazieren gehen sprach und nicht gleich mit SSRIs um sich geworfen hat. Sehr froh bin ich da. Sehr, sehr froh. 

Tag 545 – WmDedgT im Februar ’17

Es ist der 5., das heißt, dass Frau Brüllen von uns wissen möchte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Ja, erstmal früh aufstehen. Yeah. Mein persönlicher Tiefpunkt des Tages: vor halb acht die Kinder beide zum Teufel wünschen (da war Pippi schon ewig wach und hatte ihre Füßchen immer wieder in meine Unterhose gesteckt, kleine Füßchen, mit kleinen Knubbelzehen, mit scharfkantigen Zehennägeln), inklusive anschnauzen. Egal. Wer so schon morgens die Hoffnung auf den Mutterorden fahren lassen kann, der kann dann auch die Kinder Nutellabrötchen und Muffins frühstücken lassen. Auf die Art konnte ich mir genug Zeit erkaufen, um mir einen Kaffee zu machen und nach dem Kaffee war ich dann auch ein Mensch. Ein grummeliger immernoch, aber mit frischen Brötchen auf dem Tisch ging es dann weiter bergauf. 

Um halb neun waren wir mit dem Frühstück fertig. Gut das die Sendung mit der Maus da schon abrufbar ist. Wir räumten also zusammen das Frühstück weg und sahen dann Maus. Und dann Dino-Zug. Dann rief Herr Rabe an, der auf seinen Bus wartete und wir FaceTime-Redeten ein bisschen, wobei hauptsächlich die Kinder redeten und ich aufpasste, dass sie mein Handy pfleglich behandeln. Nach dem Telefonat waren die Kinder etwas aufgedreht und wir spielten ein bisschen Dino-Zug (Michel ruft dann „Zeit-Tunnel!“ und dann müssen wir uns alle festhalten und dann besuchen wir ganz tolle Dinosaurierfreunde), Pippi sogar mit Brille. 


Nachdem wir so munter durch die Zeit gereist waren, wollten wir duschen. Ich machte die Badewannen fertig, währenddessen zerdepperte Pippi Michels Glas. Alle barfuß und Glassplitter, wie schön. Immerhin holte Michel sofort den Staubsauger, als ich ihn darum bat. Und stöpselte ihn ein und machte ihn an. Und aus. Und an. Irgendwann hatte ich aber tatsächlich alle Splitter weggesaugt und wir gingen Baden / machten aus Ermangelung an 1,70 m langen Faltbadewannen andere Körperpflegedinge. Derweil schickte ich Rexto Plexto durch die Küche. Fertig gereinigt schmierten wir uns alle gegenseitig mit der neu gekauften Bodylotion ein, hatten dabei viel Spaß und dann zogen wir uns an. 

Zum Mittagessen machte ich uns aus den Resten von gestern Bratnudeln. Dabei kam bei Michel etwas Sprachverwirrung auf: 

Das ist aber auch komisch. 

Pippi war inzwischen hundemüde und Herr Rabe vermeldete, dass sie an Værnes vorbei gefahren seien. Ich überredete die Kinder mit Engelszungen zum Aufräumen im Wohnzimmer, Rexto Plexto saugte derweil das Esszimmer, ich komplimentierte die Kinder in ihre Draußensachen und dann gingen wir los, Herrn Rabe abholen. Nach drei Minuten Kinderwagengeschaukel war Pippi eingeschlafen. Michel war sehr aufgeregt und laberte in einer Tour. Als wir dann am Bus waren und Herrn Rabe wiederhatten, sagte er dann erstmal nichts. 

Zwei Minuten später hatte er sich gefangen und hörte von da an bis zum Einschlafen am Abend quasi nicht mehr zu reden auf. Wir gingen unter Erzählen einen Kaffee holen, wurden dann nach Hause gequatscht, dort wurde der Einkauf von Herrn Rabe ausgiebig kommentiert, uns wurde noch einmal etwas Dinozug erklärt, das Kochen und Aufräumen wurde kommentiert, das Essen selbst natürlich auch, ungelogen nicht mal beim Zähneputzen schaffte er es, nicht zu reden. Uff. Wir alle haben jetzt nicht nur einen Knopf an der Backe. 

Nach dem Essen (Nudeln mit Sauce) machten wir die Kinder bettfertig, putzten alle die Zähne und dann brachte Herr Rabe Michel ins Bett, während ich Pippi in den Schlaf schaukelte (mein armer Rücken). Wie durch ein Wunder schaffte ich es, sie ins Bett zu verfrachten ohne dass sie aufwachte und so konnte ich noch weiter aufräumen, morgen früh kommt nämlich unsere neue eventuell-Putzfrau. Aufregend!

So, und jetzt nehmen Sie’s mir bitte nicht übel, ich hab sicher die Hälfte vergessen, aber mir fallen schon beim Schreiben die Augen zu. Gute Nacht!