Tag 2872 – Kurz Piep.

Hundemüde. Aber morgen kann ich Ihnen dann von beiden Tagen des ADHS-Elternkurses erzählen. Spoiler: in einem Raum voller Eltern von Kindern mit ADHS, das eine starke erbliche Komponente/familiäre Häufung* hat, kommen langatmige, unstrukturierte Vorträge jetzt nicht sooooo gut an.

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* ebenfalls Spoiler: solange ich die paper nicht selbst gelesen und ggf. zerpflückt habe, ist es in meinem Kopf nur Koinzidenz, nicht Kausalität. Gilt nicht so sehr für Erblichkeit von Neurodiversität, da ich genug von Genetik verstehe, um zu wissen, dass wir da noch ganz viel nicht wissen. Aber, noch ein Spoiler, heute wurden uns haarsträubende „Ursachen“ für ADHS genannt, deren Plausibilität sich ca. auf dem Niveau von „der krähende Hahn macht, dass die Sonne aufgeht“ bewegt. Mehr dazu morgen. Bleiben Sie dran.

Tag 2871 – Kriechen ist ja auch sehr schön.

Mit der Show war das Tanzsemester vorbei – allerdings ist es ja bis zu den Sommerferien noch eine Weile hin, selbst wenn man großzügige 17.-Mai-Ferien einplant. Die Tanzschule bietet deshalb „Sommerkurse“ an, die von dieser Woche bis zu den Sommerferien gehen. Und weil ich ja Dienstags eigentlich gar nicht so gut kann, und außerdem eigentlich auch nur Ballett machen will (Alternativ gäbe es für Erwachsene noch „Kraft und Flexibilität“, das habe ich letztes Jahr gemacht und naja, das kann ich halt auch zu Hause machen…), habe ich mich mutig zu einem Kurs „Ballett Niveau 3-4, Jugendliche und Erwachsene, wahlfrei Spitze“ angemeldet. Wohl wissend, dass ich da vermutlich allein unter 16-Jährigen sein werde.

War ich dann gar nicht. Erstens war noch eine andere Mutti aus meinem Ballettkurs da, zweitens waren die anderen alle im Schnitt eher 15 als 16. Mit nur ganz wenigen Ausnahmen (die im Wesentlichen von der Ü-35-Fraktion ausgemacht wurden) hatten auch alle Spitzenschuhe an. Auf denen waren immerhin nicht alle gleich sicher. Immerhin! Aber ich habe mich echt lange nicht so unfit, unflexibel und, naja, ähm, dick, gefühlt, wie heute. Gegen die elfengleichen Grazien wirke ich eher wie… Gimli der Zwerg, ohne den Bart. Ich halte irgendwie mit in der Schlacht, aber das ist anstrengend wie Sau und man sieht es auch – während die anderen ungerührt ihre Pfeile abschießen und über die Häupter der Feinde tänzeln. Bei mir: triefend nasses Trikot, Schweiß läuft die knallrote Glomse runter. Nach dem 2. Durchgang Hopsen auf einem Fuß bin ich schon froh, wenn ich überhaupt noch merklich vom Boden abhebe, davon den springenden Fuß auch noch jedes Mal durchzustrecken fangen wir gar nicht erst an. Bei Drehungen falle ich nahezu um, weil keine Kraft und keine Konzentration mehr übrig ist, ich stehe einer Elfe im Weg, alles dreht sich, ich möchte im Boden versinken.

Die Elfen sehen derweil aus, als hätten sie grad einen entspannten Spaziergang im lauen Abendlüftchen unternommen. Keine Andeutung von Anstrengung ziert ihre Gesichter, während sie den gefühlt 2000. Sprung tadellos ausführen.

Ok ich übertreibe vielleicht ein bisschen, aber echt nicht viel. Ich merke jetzt schon einen gigantischen Muskelkater heraufziehen und bin dehydriert vom Schwitzen. Und ich frage mich, ob ich mit 15-16 auch so war und es einfach nicht mehr weiß.

Aufgeben ist jedenfalls keine Option. Spitzenschuhe kaufen auch nicht.

Tag 2869 – All I Want.

Wahhh, das war ein ganz ganz tolles Konzert. Super gute Stimmung, es war im Grunde eine einzige große Party. Vorbands waren topp und vor, nach und zwischen den Vorbands lief eine Spätneunziger-Playlist, was zu so lustigen Phänomenen führte wie brutal aussehende, dicke, bärtige Typen mit Wolfstattoo am Hals, die begeistert zu Darudes Sandstorm tanzen. Alle hatten Spaß, es wurde gehüpft, gepogt, gegrölt und gesungen. Geschwitzt wurde auch, und zwar wie Sau, ich konnte mich hinterher ziemlich auswringen. The Offspring selbst hatten ganz offensichtlich sehr viel Spaß auf der Bühne und haben eine bunte Mischung quer durch die Jahre der Bandgeschichte gespielt. Ich war wieder 16, nur meine Knie, Füße und Rücken nicht, die tun jetzt echt weh. Der Grauhaaranteil im Publikum lässt aber vermuten, dass ich damit nicht allein bin.

Kurz: mega gut war das, hach hach hach. Ähh, ich meine, Fuck Yeah!

Tag 2868 – Platzwechsel.

Huch, der Tag war so voll irgendwie, ich muss mich erst mal ein bisschen sortieren. Kurz umrissen war ich mit der Freundin und ihrem Freund bei einer offenen Tanzveranstaltung, wo Standard und Latein getanzt wurde. Da habe ich auch ein paar angerostete Fähigkeiten hervorgeholt und gemerkt, wie sehr ich diese Art Tanz eigentlich vermisst habe. Zack, Herzschmelz, ich hätte gar keinen Partner zwingend gebraucht, aber auch nichts dagegen gehabt, am liebsten eigentlich meinen Mann. Vielleicht finden wir ja sowas in Oslo, ohne Ambitionen, just for fun, der gute alte Gesellschaftstanz. Hach Hach Hach war das. Von dort holte mich dann eine andere Freundin ab, mit der ich morgen auf das Konzert gehe und jetzt liege ich in einem anderen Gästebett und verdaue noch ein bisschen am Tag und allem herum. Alles in allem habe ich eine gute Zeit und sehr viele gute Gespräche und bin alle, aber zufrieden.

Tag 2867 – Natur und Mensch.

Es ist so schön hier, so grün und überhaupt, ich bin ganz vom Hocker. Dafür fahre ich sogar Fahrrad (die Bahn haben wir trotz wahrlich rasanter Fahrt leider verpasst).

Das wurden dann doch am Ende des Tages ein ganzer Haufen Schritte (in Barfußschuhen, mal gucken wie meine Waden das morgen finden) und zwei Spritztouren auf Rädern, aber in sehr guter Gesellschaft. Es war ein sehr schöner Tag insgesamt. Hach.

Tag 2866 – Reise, Reise.

Heute war ein sehr voller Tag, ich war erst beim Friseur, dann beim Arzt, dann habe ich die Meerschweinchen sauber gemacht (Moment, denken Sie jetzt, wie die Meerschweinchen sicher auch, am Freitag???), Geige gespielt, gepackt und dann bin ich zum Flughafen aufgebrochen. Jetzt liege ich in Leverkusen im Bett, weil ich Montag in Düsseldorf auf ein Konzert gehe. Das klingt vielleicht nicht logisch, macht aber total Sinn, ehrlich. Denn so kann ich nicht nur aufs Konzert gehen, sondern auch noch liebe Freundinnen besuchen. (Allein reisen macht mir inzwischen auch richtig Spaß, selbst mit dem Flugzeug, wer hätte das gedacht.)

Deutschland ist schon so grün, dass mir das Herz aufgeht. Möchte jedes Pflänzchen umarmen.

Tag 2865 – Sommerlich.

Der freie Tag wurde zum Aufräumen und Aussortieren genutzt. So langsam sieht es wieder mehr so aus, wie ich mir das wünsche und nicht so wie es normalerweise hier aussieht. Der Witz ist ja, dass wir alle eigentlich lieber aufgeräumt leben, aber ein paar von uns es einfach nicht schaffen. Der Witz ist ein schlechter, denn die Aufräum-Schlagzahl ist genau umgekehrt proportional zur Chaosmach-Schlagzahl bei den Bewohnenden des Rabenhauses (Vierbeiner ausgenommen).

Um uns zu belohnen, gingen wir Erwachsenen dann noch ganz allein ein Eis essen. Ganz romantisch an der Tanke. Aber man kann da gut etwas über 10 Minuten hin spazieren und dann wieder zurück, dabei schien die Sonne, es herrscht explosionsartiger Frühling, die Vögel singen und eine knappe halbe Stunde nervt niemand. Das war sehr schön.

Derweil machte wohl Michel im Ort Mist, gefährlichen Mist, den er auch nicht noch mal machen wird, weil er 1. eingesehen hat, dass das gefährlicher Mist war (japp, durch Schmerz) und ihn 2. eine unbekannte ältere Dame im Ort deshalb rund gemacht hat. Das rund machen hätte sie vielleicht respektvoller machen können, es schien sie auch (von der Erzählung her) nicht sonderlich interessiert zu haben, ob sich irgendwer weh getan hat, aber in der Sache hatte sie durchaus recht. Ich glaube, Michel hatte sich erhofft, dass ich ihm uneingeschränkt recht gebe, aber mein Mitleid wegen des Anschisses hielt sich doch sehr in Grenzen und meine Reaktion war auch eher „war doof, merkste selbst, ne?“.

Kinder, ey.

Tag 2864 – Gratulerer med dagen!

17. Mai haben wir alle gut überstanden. Michel ist 4 Stunden lang marschiert, ich habe (ungeplant) eine gefühlte Million Würstchen verkauft, die Sonne schien und es war nicht zu warm. Es hätte ein bisschen weniger windig sein können. Nachmittags haben wir noch lange bei den Nachbarn gesessen und gegrillt und gequatscht. Es wurde auch Whisky getrunken, von den männlichen Männern, die sich derweil über Motorräder unterhielten, während ihre Ehefrauen ein wenig mit den Augen rollten.

Jetzt liegen alle im Bett und das ist auch echt nötig.

Hipp Hipp Hurra!

Tag 2863 – Tag des Bügelns.

In Norwegen laufen die Bügeleisen heißer als heiß, denn morgen, MORGEN ist der Tag des gebügelten Hemdes und vor allem der gebügelten Trachtenbluse. Ich habe immer noch weder Tracht noch Festkleidung und ziehe das selbe an wie letztes Jahr. Die Kinder haben ihre Korpsuniformen und Herr Rabe hat als Korpsbegleiter eine halbe Uniform (Pulli, Tasche, Handschuhe aber keine Mütze). Weiterhin hat Herr Rabe sich doppelt buchen lassen, weil morgen ebenfalls der große Dugnadstag ist, wo alle irgendwas helfen „dürfen“. Ein ganz kleiner, nahezu unbedeutender Gruppenzwangsaspekt ist dabei, befeuert von Zeitungsartikeln a la „Schule fleht Eltern an, nicht über das lange Wochenende weg zu fahren“. Herr Rabe marschiert also hinter dem Korps her und ist gleichzeitig schon für Kaffee kochen und Kuchen aufstellen eingeplant, weshalb ich da wohl einspringen werde. Vielleicht kann ich alte Biergarten-Kellnerinnen-Techniken wieder ausgraben. Vielleicht auch nicht und ich muss hinterher drei Tage lang schlafen, das werde ich morgen rauskriegen, schätze ich.

Wenigstens soll das Wetter jetzt doch ganz gut werden. Ich möchte echt nicht noch mal so einen 17. Mai wie 2020, bei 5 Grad und Dauerregen. Die armen Korpskinder, die das mitmachen mussten (unter anderem Michel).

Jetzt fallen aber auch schon meine Augen zu. Wird Zeit, das Licht auszumachen. Hipp Hipp Hurra schon mal!