Tag 2671 – Wieder on the road.

Ach ja. Normalerweise finde ich das ja gar nicht schlimm, aber heute auf Inspektion fahren fühlte sich nicht sonderlich toll an. Freitag hatte ich einen kleineren… naja… ich möchte es Hänger nennen, weil ich unbesiegbar bin, bin aber in echt beim Mittagessen in Tränen ausgebrochen und Herr Rabe hat mit mir geschimpft, weil ich viel zu viel arbeite und er sich das mit angucken muss und ich voll den Tunnelblick habe und nicht mehr kommuniziere und überhaupt. Nicht gut für mich, nicht gut für die Familie. Es ist einfach, die Arbeit zu blamen, weil die mich nicht entlastet (und ich habe darum gebeten und auch gesagt, dass ich nicht mehr kann, mehrmals, und es interessiert, naja, halt keine Sau). Aber ich lasse mich halt auch ausbeuten. Perfektionismus und übersteigertes Verantwortungsgefühl rules – vor allem für den Arbeitgeber. Naja. Freitag habe ich mich, nachdem ich mit Heulen fertig war, so weit zusammengerissen, dass ich die Inspektion, die morgen beginnt, fertig vorbereitet habe, dann habe ich meinen Tunnelblick, Hyperfokus und Zeitdruck genutzt und in einem Affenzahn fünf Anleitungen zusammengekloppt, die hoffentlich meinen Kolleg*Innen nächste Woche dabei helfen, irgendwie mit dem IT-Projekt (das jetzt auch nen neuen Namen braucht, es hat ja das Projektstadium verlassen und ist jetzt ein Programm, das wir haben, frei nach dem Motto „friss oder stirb“) zurecht zu kommen. Dann habe ich meinen – übrigens wieder streikenden – Rechner ausgemacht und tatsächlich aus gelassen bis heute, als ich den Ersatzrechner im Büro abholte und Daten von streikendem Computer zu Ersatzcomputer übertrug. Wobei auch irgendeine Magic mit dem streikenden Rechner passierte, die Dinge zu fixen schien. Ich hab jetzt trotzdem beide dabei, ich finde das alles sehr gruselig.

Ich habe ebenfalls Freitag Abend und Samstag ein paar Dinge abgesagt und es fühlt sich an, als hätte ich die Notbremse in voller Fahrt gezogen und würde jetzt wie in einem Film mit dem halben Zug über dem Abgrund hängen. Die kommende Woche wird sich zeigen, ob ich mich raushangeln kann, wenn mir gestattet wird, nur meinen normalen Job zu machen. Ich werd Outlook jedenfalls bis Freitag nicht öffnen, habe ich mir vorgenommen. Am Handy habe ich alle Alarme von Outlook und Teams abgestellt. Und danach stehen da wohl Gespräche an, dass es in diesem Tempo nicht weiter geht.

Donnerstag war aber wirklich schön. Wir haben gefeiert, dass das IT-Projekt vorbei ist, nur wir Inspekteure und Inspekteurinnen, es gab gutes Essen und gute Getränke und gute Stimmung, meine Chefin hielt eine kleine Rede um mir für den Einsatz zu danken und ich bekam sogar eine Kleinigkeit. Da ich viel zu effizient mit der Orga des Feierns war und deshalb kaum Zeit blieb, die Kleinigkeit tatsächlich zu besorgen, bekam ich einen Gutschein für eine neue Thermotasse (wird morgen an meine Chefin geliefert…), eine Flasche mit Blubberwein und eine Schokomedaille – 3. Platz, weil der angelaufene Laden keine anderen mehr hatte. Ich mag meine Kolleg*Innen ja schon sehr, muss ich sagen. Das macht es nur alles überhaupt nicht einfacher.

So und wenn ich jetzt schnell die Augen zu mache, kriege ich noch 7,5 Stunden Schlaf, das wäre hilfreich. Gute Nacht.

Tag 2667 – Puls.

Heute war ich ein Mal sehr aufgeregt, weil ich eine Rede halten wollte, das wussten nur diejenigen nicht, die für die Feierlichkeiten zuständig waren, ich hab also das Wort einfach an mich gerissen. Aber ich wusste ja, das ich das tun würde und war deshalb sehr aufgeregt. Innendrin. Äußerlich wirkte ich ziemlich gelassen, glaube ich, und sogar meine Witze kamen an. Ich hab hinterher viel positive, persönliche Rückmeldung von den richtigen Leuten bekommen und wurde spontan? zufällig? zu einem Gehirnwäschemeeting eingeladen, um mich vor der IT-Projekt-Retrospektive morgen auf Kurs zu bringen oder so. Dabei habe ich nichts negatives über das Projekt gesagt, ehrlich! Das hebe ich mir für die Retrospektive auf. Vielleicht sollte ich mich vorher noch mal selbst auf Kurs bringen und diverse alte Beiträge hier lesen.

Dann hatte ich Puls auf dem Heimweg. Weil mein Laptop/Tablet möglicherweise die Grätsche macht, passenderweise kurz vor Inspektion. Er hat aufgehört, mit der (abnehmbaren) Tastatur zu reden, was echt nicht cool von ihm ist, weil ich ihn so nicht mal anbekomme. Das hätte echt nicht ausgerechnet heute sein müssen, ich hätte noch viel Arbeit im Zug und während Pipoi beim Tanzen war, erledigen wollen. Stattdessen hab ich auf dem Handy gedaddelt und ein paar seriöse Klamotten geshoppt (und einen Teppich zum Anziehen, weil im Werk ab nächster Woche die Temperatur reduziert wird).

Solche Tage sind bestimmt nicht gut für die grauen Haare auf meinem Kopf und/oder mein Herz.

Tag 2661 – Applaus!

Heute habe ich die Inspekteure und Inspekteurinnen im IT-Projekt eingewiesen. Es war ein wilder Ritt und am Ende haben alle geklatscht (außer mir) und geweint (ok nur ich und nur fast). Jetzt liegt das also hinter mir. Ich bin angeblich streng, so als Lehrerin, merke das selbst aber nicht. Andererseits habe ich angeblich auch eine Engelsgeduld. Auch das merke ich nicht. Spannend. Aber ja, ich habe heute ca. eine Schrillion mal das selbe gesagt, immer wieder die gleichen Abläufe erklärt, weil niemand zuhört, wenn man was für alle sagt, und jede*r dann in die selben Löcher tappst. Ich mache sieben Kreuze, dass ich nicht Lehrerin geworden bin, da würde ich über kurz oder lang bekloppt werden. So viel kann man gar nicht klatschen, auch wenn es natürlich echt lieb ist, wenn sie das am Ende tun.

Jetzt bin ich allerdings auch echt gar. Könnte aber auch am Prosecco liegen, mit dem ich den heutigen Meilenstein begossen habe, liegen. (Unter der Woche! Schockschwerenot.)

Tag 2658 – Finger verbrannt.

Der IT-Projekt-Hass nimmt Ausmaße an, die hatte ich so kurz vorm Ende nicht für möglich gehalten. Andererseits ist es ja nur für mich das Ende, nicht für den Rest vom Werk, die dürfen sich noch weiter damit herumschlagen. Heute sind da allerdings auch wieder Sachen aufgetaucht, die hätte ich in einem staatlichen, norwegischen Etat nicht für möglich gehalten und jetzt weiß ich nicht so ganz, was ich damit machen soll (es ist nichts in irgendeiner Form illegales). Vielleicht schaffe ich es ja noch ne Woche oder zwei, auf meinen Händen zu sitzen? Aber das wäre gegen meine Integrität. Ach, ach.

Whatever. Bald vorbei, bald vorbei. Und sowas mache ich NIE. WIEDER. Niemals mehr. Generell glaube ich, ich gehe jeglicher Projektarbeit lieber aus dem Weg. Was für ein Clusterfuck.

Tag 2653/54 – Heimreise.

Der Baum ist gepflanzt worden, es war alles in allem eine sehr hyggelige Veranstaltung, auch wenn ich, als ich mit einem Minischäufelchen symbolische Mengen Erde auf dem Wurzelballen verteilte, harte Beerdigungsassoziationen hatte. Die Kollegin auch, stellte sich später heraus. Ein paar Höflichkeitsfloskeln später und um zwei aufgezwungene Mappen Papier (Audit File und CAPA File) „reicher“ saßen wir wieder im Taxi, das erste mal im Hellen.

Der Rest war dann Heimreise. Ingesamt über 24 Stunden. Geschlafen habe ich davon ca. 5-6, allerdings unglaublich schlecht, weil meine Füße kalt waren, mein Po kalt war, die Ohrenstöpsel nicht saßen, mir die Hüfte weh tat oder sich jemand auf dem Weg zum Klo auf meinem (bis dahin) schlafenden Körper abstützte.

Dann kam am Ende auch noch kein Taxi und ich saß dumm und mit immer vollerer Blase am Bahnhof herum

Insgesamt war das sehr anstrengend, aber es war sehr schön, die Familie wieder zu sehen und an den Kindern zu riechen und sie postwendend unter die Dusche zu schicken.

Jetzt schlafen. Hoffentlich besser als letzte Nacht.

Tag 2651 – Antiklimax.

Erst die guten Nachrichten:

  • Der Sonnenbrand ist schon viel besser
  • Ich war heute Wasser und Luft (Wasserreinigungsanlage und Ventilationsanlage) angucken, ganz alleine, und es war gar nicht schlimm (im Sinne von: niemand hat gemerkt, dass ich doch gar keine Ahnung hab)
  • Die Kollegin hat gesagt, ich könne Data Integrity besser als sie (inspizieren)
  • Das IT-Projekt ist jetzt live, mit einem Tag Verspätung

Das IT-Projekt ist aber gleichzeitig auf die denkbar schlimmste Art live gegangen, und zwar können wir Inspekteur*Innen jetzt leider keine Sachbearbeitung mehr machen, bis mindestens Ende nächster Woche, weil die Integration des Archives (das für uns auch ein Sachbearbeitungssystem ist) mit dem IT-Projekt macht, dass wir im Archiv nicht mehr arbeiten können. Gleichzeitig ist außer mir aber niemand im Stande, das IT-Projekt-System zu benutzen. Das zeigte sich heute, als eine Kollegin, die auch schon einiges getestet hatte, versuchte, den „smoke study“-Test durchzuführen, also eine Nachricht aus dem System zu schicken, und dann die Antwort zu archivieren. Das ging nicht so richtig gut, as in: das ging einfach mal gar nicht. Eine Kombination aus tatsächlichen technischen Schwierigkeiten und mangelnder Tiefenkenntnis der Kollegin. War der Projektleitung aber egal, sie haben das System einfach trotzdem freigegeben und mit Schampus angestoßen und sich beglückwünscht, wie geil sie sind, und deshalb habe ich jetzt endlich mal eine wirklich WIRKLICH böse Mail geschrieben und auch abgeschickt. Weil verarschen kann ich mich auch allein. Wenn man eh auf das Ergebnis unserer (Inspektions-)smoke study scheißt, hätte ich mir, meiner Kollegin, einer (echten) Firma und einem Entwickler (zum Teil echt viel) Arbeit ersparen können. Dass man außerdem einfach in Kauf nimmt, dass wir mindestens 8 Tage lang KEINERLEI Sachbearbeitung machen können, zeugt auch nicht grad von Respekt gegenüber unserer Arbeit.

Großes F***t-euch-alle-Gefühl.

Vielleicht auch weil ich die magischen PMDS-Tabletten zu Hause vergessen hab, aber eigentlich war alles gut, bis ich von diesem dampfenden Haufen Sch***e erfuhr.

Tag 2647 – Blumen und Motorräder.

Erste Male: von einem Willkommensschild und mit einem Strauß Rosen auf der Inspektion begrüßt worden. Das macht man hier wohl so. Ok. Ebenfalls zum ersten Mal großflächig Visitenkarten an den Mann (kein gendern nötig) gebracht.

Was hier auch so ist: Zeit ist relativ. Alles dauert. Von „könnte ich bitte die Rechnung haben“ bis Rechnung gut und gerne 10 Minuten, und das nicht, weil das Hotel understaffed ist oder so. Ich wäre bestimmt geduldiger, wenn ich im Urlaub wäre, klar, aber speziell wenn beim Abendessen ein Livemusiker die ganze Zeit die selben drei Akkorde spielt, darauf aber ganz unterschiedliche Lieder singt, und das auch noch echt laut, sodass man sich nicht mehr unterhalten kann – dann finde ich das sehr anstrengend auch noch ewig auf die Rechnung warten zu müssen.

Inspektion an sich war völlig in Ordnung. Wir sitzen in einem fensterlosen Raum, das ist etwas blöd. man fährt auch über eine Stunde durch den hiesigen Verkehr zur Site, das ist… interessant. Zwar führt eine zweispurige Autobahn da hin, aber es sind eigentlich eher so 5 Spuren, es scheint keinerlei Überholregeln zu geben, man hupt auch einfach um zu sagen, dass man da ist und man fährt so schnell wie man Lust hat. Es ist wild. 5 Menschen auf einem Motorrad und ca. 12 (wirklich nicht übertrieben) in einem Subaru MiniVan. Nirgendwo Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Wah!