Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2694 – I made it!

Inspektion überstanden und danach noch meine Kollegin durch das Erstellen einer Beschlussankündigung (Behördendinge) gecoacht. Jetzt kann ich guten Gewissens drei Tage nicht arbeiten.

Das IT-Projekt läuft auch super, wie ich erfuhr. Letzte Woche wurde uns gesagt, wir sollten diese Woche testen, Dienstag bis Donnerstag, total dringend, Bug fixes usw. Von 4 Inspekteur*Innen kann nur eine und auch nur heute und morgen. Heute war das Testsystem aber noch gar nicht fertig und es lagen auch keine Daten darin, auf denen wir hätten testen können. Spitzenmäßige Planung, Hut ab, 10 von 10 Punkten.

Auch das ist mir jetzt aber drei Tage lang egal.

Was sonst noch war: ich war beim Ballett und wenn man da nur alle Jubeljahre hin geht, ist das mörderisch anstrengend. Wenn der Kopf auch so voll ist, reicht die Konzentration auch nicht für ne ganze Stunde und man fällt am Ende fast über seine eigenen Füße. Außerdem habe ich den nur noch leicht verrotzten Michel schon mal darauf vorbereitet, dass wir es morgen mit Schule wenigstens probieren. Es bleibt spannend, weil natürlich im Onesie auf dem Sofa abhängen mehr Spaß macht. Pippi war heute wieder in der Schule, aber die ist ja eh immer sehr happy, wenn sie unter Leute darf. Michel eher nicht so. Die Kinder könnten echt unterschiedlicher nicht sein.

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2675 – That’s all I want.

Tjanun, schon wieder sehr spät nach sehr viel Arbeit. Der Akku was soziales angeht ist, naja, äh. Ich habe niemanden umgebracht und auch bisher geschafft, nicht darum zu bitten, dass Möhren, Äpfel und Knäckebrot generell verboten werden und dass man ansonsten bitte sämtliche Menschen aus dem Frühstücksraum des Hotels entfernen möge. Das werte ich als Erfolg. Dass es mich aus der Fassung bringt, dass das Hotel die Tassen heute morgen wo anders stehen hatte, als sonst, ist allerdings eher so mittelmäßig vielversprechend, was morgen angeht. Also jetzt ganz schnell Licht aus und allen Schlaf kriegen, der noch drin ist.

Gut: heute 2 Konzertkarten gekauft. Mahler nächste Woche, The Offspring im Mai.

Tag 2673 und 2674 – MÜDE!!!

Gestern bin ich über meiner Reisekostenabrechnung eingeschlafen. Heute bin ich auch erst jetzt im Bett und werde jetzt sehr schnell die Augen zumachen.

Bin übrigens bei 34 Mails in 3 Tagen bisher, die ich alle nicht gelesen habe. Nicht ganz alle, weil mir manchmal eine Qualitätsfrau von hier Dokumente schickt, so… zwei mal bisher. Der Rest ist fast ausschließlich IT-Projekt.

Tag 2671 – Wieder on the road.

Ach ja. Normalerweise finde ich das ja gar nicht schlimm, aber heute auf Inspektion fahren fühlte sich nicht sonderlich toll an. Freitag hatte ich einen kleineren… naja… ich möchte es Hänger nennen, weil ich unbesiegbar bin, bin aber in echt beim Mittagessen in Tränen ausgebrochen und Herr Rabe hat mit mir geschimpft, weil ich viel zu viel arbeite und er sich das mit angucken muss und ich voll den Tunnelblick habe und nicht mehr kommuniziere und überhaupt. Nicht gut für mich, nicht gut für die Familie. Es ist einfach, die Arbeit zu blamen, weil die mich nicht entlastet (und ich habe darum gebeten und auch gesagt, dass ich nicht mehr kann, mehrmals, und es interessiert, naja, halt keine Sau). Aber ich lasse mich halt auch ausbeuten. Perfektionismus und übersteigertes Verantwortungsgefühl rules – vor allem für den Arbeitgeber. Naja. Freitag habe ich mich, nachdem ich mit Heulen fertig war, so weit zusammengerissen, dass ich die Inspektion, die morgen beginnt, fertig vorbereitet habe, dann habe ich meinen Tunnelblick, Hyperfokus und Zeitdruck genutzt und in einem Affenzahn fünf Anleitungen zusammengekloppt, die hoffentlich meinen Kolleg*Innen nächste Woche dabei helfen, irgendwie mit dem IT-Projekt (das jetzt auch nen neuen Namen braucht, es hat ja das Projektstadium verlassen und ist jetzt ein Programm, das wir haben, frei nach dem Motto „friss oder stirb“) zurecht zu kommen. Dann habe ich meinen – übrigens wieder streikenden – Rechner ausgemacht und tatsächlich aus gelassen bis heute, als ich den Ersatzrechner im Büro abholte und Daten von streikendem Computer zu Ersatzcomputer übertrug. Wobei auch irgendeine Magic mit dem streikenden Rechner passierte, die Dinge zu fixen schien. Ich hab jetzt trotzdem beide dabei, ich finde das alles sehr gruselig.

Ich habe ebenfalls Freitag Abend und Samstag ein paar Dinge abgesagt und es fühlt sich an, als hätte ich die Notbremse in voller Fahrt gezogen und würde jetzt wie in einem Film mit dem halben Zug über dem Abgrund hängen. Die kommende Woche wird sich zeigen, ob ich mich raushangeln kann, wenn mir gestattet wird, nur meinen normalen Job zu machen. Ich werd Outlook jedenfalls bis Freitag nicht öffnen, habe ich mir vorgenommen. Am Handy habe ich alle Alarme von Outlook und Teams abgestellt. Und danach stehen da wohl Gespräche an, dass es in diesem Tempo nicht weiter geht.

Donnerstag war aber wirklich schön. Wir haben gefeiert, dass das IT-Projekt vorbei ist, nur wir Inspekteure und Inspekteurinnen, es gab gutes Essen und gute Getränke und gute Stimmung, meine Chefin hielt eine kleine Rede um mir für den Einsatz zu danken und ich bekam sogar eine Kleinigkeit. Da ich viel zu effizient mit der Orga des Feierns war und deshalb kaum Zeit blieb, die Kleinigkeit tatsächlich zu besorgen, bekam ich einen Gutschein für eine neue Thermotasse (wird morgen an meine Chefin geliefert…), eine Flasche mit Blubberwein und eine Schokomedaille – 3. Platz, weil der angelaufene Laden keine anderen mehr hatte. Ich mag meine Kolleg*Innen ja schon sehr, muss ich sagen. Das macht es nur alles überhaupt nicht einfacher.

So und wenn ich jetzt schnell die Augen zu mache, kriege ich noch 7,5 Stunden Schlaf, das wäre hilfreich. Gute Nacht.

Tag 2667 – Puls.

Heute war ich ein Mal sehr aufgeregt, weil ich eine Rede halten wollte, das wussten nur diejenigen nicht, die für die Feierlichkeiten zuständig waren, ich hab also das Wort einfach an mich gerissen. Aber ich wusste ja, das ich das tun würde und war deshalb sehr aufgeregt. Innendrin. Äußerlich wirkte ich ziemlich gelassen, glaube ich, und sogar meine Witze kamen an. Ich hab hinterher viel positive, persönliche Rückmeldung von den richtigen Leuten bekommen und wurde spontan? zufällig? zu einem Gehirnwäschemeeting eingeladen, um mich vor der IT-Projekt-Retrospektive morgen auf Kurs zu bringen oder so. Dabei habe ich nichts negatives über das Projekt gesagt, ehrlich! Das hebe ich mir für die Retrospektive auf. Vielleicht sollte ich mich vorher noch mal selbst auf Kurs bringen und diverse alte Beiträge hier lesen.

Dann hatte ich Puls auf dem Heimweg. Weil mein Laptop/Tablet möglicherweise die Grätsche macht, passenderweise kurz vor Inspektion. Er hat aufgehört, mit der (abnehmbaren) Tastatur zu reden, was echt nicht cool von ihm ist, weil ich ihn so nicht mal anbekomme. Das hätte echt nicht ausgerechnet heute sein müssen, ich hätte noch viel Arbeit im Zug und während Pipoi beim Tanzen war, erledigen wollen. Stattdessen hab ich auf dem Handy gedaddelt und ein paar seriöse Klamotten geshoppt (und einen Teppich zum Anziehen, weil im Werk ab nächster Woche die Temperatur reduziert wird).

Solche Tage sind bestimmt nicht gut für die grauen Haare auf meinem Kopf und/oder mein Herz.

Tag 2661 – Applaus!

Heute habe ich die Inspekteure und Inspekteurinnen im IT-Projekt eingewiesen. Es war ein wilder Ritt und am Ende haben alle geklatscht (außer mir) und geweint (ok nur ich und nur fast). Jetzt liegt das also hinter mir. Ich bin angeblich streng, so als Lehrerin, merke das selbst aber nicht. Andererseits habe ich angeblich auch eine Engelsgeduld. Auch das merke ich nicht. Spannend. Aber ja, ich habe heute ca. eine Schrillion mal das selbe gesagt, immer wieder die gleichen Abläufe erklärt, weil niemand zuhört, wenn man was für alle sagt, und jede*r dann in die selben Löcher tappst. Ich mache sieben Kreuze, dass ich nicht Lehrerin geworden bin, da würde ich über kurz oder lang bekloppt werden. So viel kann man gar nicht klatschen, auch wenn es natürlich echt lieb ist, wenn sie das am Ende tun.

Jetzt bin ich allerdings auch echt gar. Könnte aber auch am Prosecco liegen, mit dem ich den heutigen Meilenstein begossen habe, liegen. (Unter der Woche! Schockschwerenot.)

Tag 2658 – Finger verbrannt.

Der IT-Projekt-Hass nimmt Ausmaße an, die hatte ich so kurz vorm Ende nicht für möglich gehalten. Andererseits ist es ja nur für mich das Ende, nicht für den Rest vom Werk, die dürfen sich noch weiter damit herumschlagen. Heute sind da allerdings auch wieder Sachen aufgetaucht, die hätte ich in einem staatlichen, norwegischen Etat nicht für möglich gehalten und jetzt weiß ich nicht so ganz, was ich damit machen soll (es ist nichts in irgendeiner Form illegales). Vielleicht schaffe ich es ja noch ne Woche oder zwei, auf meinen Händen zu sitzen? Aber das wäre gegen meine Integrität. Ach, ach.

Whatever. Bald vorbei, bald vorbei. Und sowas mache ich NIE. WIEDER. Niemals mehr. Generell glaube ich, ich gehe jeglicher Projektarbeit lieber aus dem Weg. Was für ein Clusterfuck.