Tag 477 – Matratzenmeeting. 

Heute langes Meeting mit Leuten aus Dänemark zu meinem eigentlichen Projekt gehabt. Noch nicht fertig verdaut. 

Nach ewigem Gebrüll von Pippi (Backenzähne, ey. Ist zum Kotzen.) aus dem sie sich nicht helfen ließ, aus Verzweiflung Mausclips auf dem Handy angemacht. Nach fünf Mausclips und einem Ritter Rost-Lied drehte sie sich weg. Ich machte es aus und sie schlief langsam ein. Ich auch. 

So müde. Gute Nacht.

Tag 473 – Schön, schön. 

Ein Tag, der sehr viel Potential hatte, richtig bescheiden zu werden, das aber nie tat. Angefangen hat es mit Kindern, die sich beim Abliefern im Kindergarten kaum noch verabschieden, weil sie es so eilig haben, mit Peers und Betreuer*Innen zu spielen und Weihnachtslieder zu singen und Raritäten für die Weihnachtszeit anzufertigen. Bei der Arbeit setzte ich mich dann direkt an die Präsentation, die ich um zwölf halten sollte, was ich seit, hmmm, drei Monaten weiß. Gestern hatte ich schon meine Daten eine Stunde lang mit meinem german stare sauer angestarrt, leider wurden sie davon auch nicht besser. Das war allerdings auch schon alles, was ich für die Präsentation bisher getan hatte. Also bastelte ich gute drei Stunden an der Präsentation, verzichtete auf so gut wie allen Text (keine Zeit!) und ein paar unwichtige Ergebnisse (keine Zeit!!!), machte aber ein paar hübsche Bildchen und Modelle in Power Point, weil ich das auch selber mag, hübsche Bildchen und Modelle gezeigt zu bekommen. Um zwanzig vor zwölf war ich fertig, wog kurz zwischen Kaffee und richtigem Mittagessen ab, schmierte mir dann ein Brot und aß es auf dem Weg zum Kaffee holen. 

Exkurs: ich hasse es, vor Leuten zu reden. Selbst, wenn es nur zwanzig sind und die alle meine Kollegen sind und ich wirklich, wirklich weiß, dass die mir nix böses wollen, ich mag es einfach nicht. Gar nicht. 

Der Vortrag war auf zwanzig Minuten ausgelegt, aber quasi dreigeteilt, weil das Projekt momentan drei lose Enden hat. Nach jedem Teil der Präsentation hatte ich sozusagen eine Diskussionsrunde eingeplant, weil wir teilweise echt festhängen und nicht weiter wissen und ich bat also um Input. Und Input und Diskussion bekam ich, niemand hielt mich für blöd, weil ich festhänge oder die Daten zu schlecht oder zu unaussagekräftig zum Publizieren sind. Voll supi, echt. Jetzt habe ich ein paar neue Ideen, was ich noch machen kann, um die losen Enden festzuzurren und etwas neue Motivation. Allerdings zog sich die Präsentiererei durch die viele Diskussion auf, tadadaaa, fast eineinhalb Stunden. Was mich am meisten überraschte, war dass ich hinterher von zwei Seiten spontanes Feedback zum Vortrag bekam, nämlich, dass das sehr gut gewesen sei, so viel Raum für Austausch zu schaffen und ich hätte eine unterhaltsame Art* zu präsentieren, schöne Modelle seien das gewesen. Sehr klar und übersichtlich**. Ich schaffte es sogar, das Kompliment einfach anzunehmen und nicht irgendsowas wie „ach, das hab ich heute morgen schnell zusammengeklöppelt, das war echt nicht der Rede wert“ rauszuhauen, wie sonst meistens. Ich muss mir dafür selbst mal auf die Schulter klopfen. Ich werde besser. (Also nicht beim Prokrastinieren, da werde ich schlimmer.)

Danach hatte ich mörderische Kopfschmerzen, aber noch Laborarbeit zu machen, das lief so lala. Zwischendurch trank ich noch einen (widerlichen Brüh-)Kaffee mit einem meiner Lieblingskollegen, der heute morgen schon angefragt hatte, was ich aber wegen des Vortrags ablehnen musste. Wir schnackten ein bisschen über sein neues Haus und Arbeit und mit wem von unseren Kollegen man lieber nicht zusammenarbeiten möchte, dann ging ich zurück ins Labor um weitere verrückte Ergebnisse zu erzeugen und dann war endlich, endlich Feierabend. Der gemeldete Starkregen passierte gerade, im Bus saßen viele nasse Menschen, meine Kopfschmerzen wurden nicht besser, dafür meldete sich mein Magen ziemlich deutlich. Insgesamt eine eher unschöne Heimfahrt. 

Auch eine eher unschöne Ankunft, denn nachdem Herr Rabe mit Blick auf seinen Kontostand*** meinte, wir könnten doch mal wieder auswärts Pizza essen, rastete Michel aus und wollte zu Hause bleiben. Tja, ich (mühsam unterdrückt) hangry, Michel (ohne es zu wissen) hangry, ungute Kombi. Wir kamen trotzdem ohne Mord im Restaurant an und nachdem die Kinderpizza auf dem Tisch stand war auch Michel wieder mehr als verträglich. Er aß sogar ein Stück von Herr Rabes und meiner**** Pizza und bat um extra viel Ruccola. Salat, so erklärte er mir beim ins Bett gehen, ist nämlich sein Lieblingsessen*****. Überhaupt war das Essen total lecker, die Kinder friedlich und niedlich und auch halbwegs sauber und insgesamt gesellschaftsfähig. Das kann man ja von einem 4- und einer 1-Jährigen auch weder erwarten noch immer behaupten. 

Dank Espresso nach und Cola zum und Ibuprofen vorm Essen waren wieder zu Hause sogar die Kopfschmerzen weg, Ich gönnte mir ein Mini Glas Rotwein (jaja, die Leber schreit, ich weiß) zu Gilmore Girls****** und Stricken und ja, doch, das war ein richtig feiner Tag. Meist. 

* Galgenhumor

** gezwungenermaßen, ain’t nobody got time for mehr als ein Ribosom pro RNA

*** im Dezember zahlen wir nur die Hälfte der Einkommenssteuer*******

**** wir hatten jeder eine, aber tauschten nach der Hälfte

***** und Zebra, sagte er. In echt ist sein Lieblingsessen nach wie vor Nudeln ohne alles. 

****** noch nicht die neuen Folgen, ich bin jetzt bei S07E20

******* Dafür zahlen wir sonst halt mehr. Die Jahressteuer teilt sich auf 10,5 Beitragsmonate auf. Im Juni zahlen wir keine, im Dezember nur die halbe Einkommenssteuer. So hat man, unabhängig von irgendwelchen Betriebs- oder Gewerkschafts-Vereinbarungen quasi Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das man übers Jahr selbst anspart. Ist ne nette Sache, aber nicht(!) ein Geschenk vom Staat, wie es gerne mal auf Facebook behauptet wird. 

Tag 469 – Was ich gestern eigentlich schreiben wollte. 

Eigentlich, aber dann war ich ja zu traurig, wollte ich gestern mal wieder ein paar mehr Bilder zeigen. Dann machte ich aber auch wieder nur welche von doofen Motiven. Tjanun. Ich will sie Ihnen trotzdem nicht vorenthalten. Ein paar von den Kindern sind ja auch dabei. 

Gehört eigentlich noch zum Samstag: ich habe Michels Marienkäferumhang genäht. Jetzt ist er ein richtiger König und Pippi ist eine Pränsässän. Sagt er.


Sonntagmorgenfrühstück mit Pancakes.

Die Austernpilze wachsen, allerdings nach oben raus. Soll mir recht sein. Inzwischen riechen sie auch richtig nach Pilzen.

Pippi will wieder in die Dusche.

Die Babysitterin hat die Kinder mit nach draußen genommen. Beide! Juhuuu! Ich nutze die Zeit und… mache Eis für Pippi. Hier: Mango-Banane-Apfelsaft. Danach löse ich drei der fünf Kramboxen auf und schmeiße rigoros zwei Tonnen Kinderkunst weg. Auch die Kastanien (schimmelig) und die gepressten Blätter (alle braun und unansehnlich) müssen dran glauben. Wenn schon in mir Chaos ist, dann will ich es wenigstens außen ordentlich haben.

Herr Rabe nutzt die Zeit und räumt den hinteren Flur um. Wegen Brandschutz wurden wir von der Nachbarin etwas unfreundlich darauf hingewiesen, dass da nichts stehen darf. Bis Dienstag solle das Zeug da weg. Ja. Da gehorcht man doch gern.

Herr Rabe und Michel bauen ein Pfefferkuchenhaus.

Das fertige Haus. Mit Fledermäusen unterm Dach und Elchkacke vom weißen Elch vor der Tür.


Sonntag Abend ist wie Samstag Abend: ich hocke im Labor rum. Bis das Medium warm ist, höre ich Radio und bastle an meinem Projekt.


So war unser Sonntag. Nicht im Bild: ich hab zwei neue Pilzeimer angesetzt. Wir werden demnächst die sein, denen alle aus dem Weg gehen, weil sie sonst Austernpilze oder -Kultur angedreht bekommen. Wie früher mit dem Hermann. Das wird schön. 

Tag 463 – Überprüf das!

Heute morgen, in meinem Kopfschmerz-Husten-Alles-Doof-Delirium, erreichte mich eine Mail an meine Arbeits-Emailadresse. Sie kam von Linda J. und ihr Inhalt lautete:

‚Bitte kontrollieren!‘

Kein Hallo, kein Tschüss, noch nicht mal ne angehängte Signatur. Ich war kurz etwas verwirrt und ehrlich gesagt auch leicht angepisst (was, bitte, ist das denn für ein Ton?), bis ich doch noch einen Anhang fand. Im Anhang befand sich noch eine Mail. Von einem Unternehmen, bei dem ich vor acht Wochen oder so mal Antikörper bestellt habe, die auch längst angekommen sind. Der Inhalt der Mail des Unternehmens lautete: 

‚Liebe Frau J., ihre Bestellung haben wir erhalten, blablabla. Leider haben wir für die letzte Bestellung ihrer Institution (Nummer blabla) noch keine Zahlung verbuchen können. Gemäß unserer AGBs blablabla schicken wir los, sobald die vorherige Rechnung beglichen ist. Mit freundlichen Grüßen – Antikörperfirma‘

Jetzt ist es so, dass wir unsere Bestellungen ja nicht selbst bezahlen. Oder überhaupt irgendwas selbst bestellen. Nein, nein. Das geht alles über den Server des Instituts, da trägt man ein, was man braucht, dann wird es von Menschen mit verschiedensten Nummern versehen, dann wird es weiter geschickt an die Zentrale Versorgung der Uni (hier irgendwo arbeitet Linda) und dann geht von da die echte Bestellung raus. Dann wird irgendwann das Gedöns geliefert, erstmal an die Zentrale Verteilungsstelle der Uni, die verzeichnen schon mal den Eingang und geben entsprechend Rückmeldung an den Lieferanten. Dann kriegen wir es und müssen nochmal bestätigen, dass die Ware in Ordnung (also noch kalt/gefroren/MHD nicht abgelaufen…) ist. Und dann gibt unsere Bestellmeisterin die Begleichung der Rechnung in Auftrag. Die dann wieder… egal, sie haben ja jetzt ein Bild.

Jedenfalls konnte ich mich noch sehr lebhaft dran erinnern, der Bestellmeisterin Bescheid gegeben zu haben, dass die Lieferung in Ordnung war. Ich gab ihr nämlich auch den Lieferschein, der noch im Paket war, normalerweise nimmt sie den schon mal raus. Das Paket war aber fälschlicherweise im falschen Gebäude gelandet, von da holte ich es ab. Überprüfte alles und gab den Lieferschein mitsamt der Aussage „alles ok!“ an die Bestellmeisterin.

Entsprechend ratlos war ich hinsichtlich Lindas Aufforderung. Ich schrieb mit meinem Matschkopf zurück, mit CC an die Bestellmeisterin:

‚Hallo Linda, Ich weiß nicht, wieso das nicht bezahlt wurde, ich leite die Mail an unsere Bestellmeisterin weiter, vielleicht kann die helfen. MfG- R.‘

Keine zwei Minuten später erhielt ich Abtwort von Linda:

‚Die Rechnung wurde am 24.10. bezahlt.‘

Mit stellen sich jetzt ein paar Fragen.

  1. Ist es so schwer, Hallo und Tschüss in eine Mail zu tippen?
  2. Warum kriege ich überhaupt eine (dank fehlender Höflichkeitsfloskeln recht barsch klingende) Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, wo Linda doch auch weiß, wie Bestellungen bei uns funktionieren?
  3. Warum kriege ich eine Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, das Linda ganz offensichtlich bereits kontrolliert hat?
  4. Was für eine Antwort erwartet Linda jetzt?

Kurz überlegte ich, mit ‚Aha!‘ zu antworten, ließ es dann aber doch einfach ganz. 

Morgen also vielleicht eine Auflösung. Wahrscheinlich aber nicht. 

Tag 456 – Ein paar Häppchen. 

Michel wachte heute morgen auf und weinte sofort los: „Festen Schnodder wegmachen!“ Dann sprang er aus dem Bett, rannte zu Herrn Rabe und sagte „Ich bin krank!“. Tatsache, das Kind ist krank. Schon die Temperatur seiner Füße irgendwo zwischen glühender Kohle und flüssigem Lava (als er noch schlief) hatte Fieber angedeutet. Dazu kommt ein ordentlicher Husten. Herr Rabe lieb also heute Vormittag mit ihm zu Hause, ich ging kurz arbeiten und kam zum Mittag nach Hause um Herrn Rabe abzulösen, der dann seinerseits kurz arbeitete. 

Als ich Pippi in den Kindergarten brachte, waren kaum „große“ Kinder da. Herr Rabe sagte heute Nachmittag, von den 8 Ü3-Kindern seien 6 krank. Tja. Da wundert einen auch nix mehr. 

Total beknackte Idee: „Nur mal kurz Zellen zählen, danach kann ich ja noch was essen.“ Dann ging die Essenszeit fürs Zählen drauf (und für den Kampf mit dem Zählgerät, das erst meinte, meine Zellen, die im Mikroskop noch total gut ausgesehen hatten, seien alle tot) und das erste mal aß ich dann um halb eins was, als ich wieder zu Hause war. Mein Körper dankt es mir mit Kopfschmerzen. 

Gestern kamen meine bestellten Fahrradreifen mit Spikes an und Herr Rabe zog sie mir gestern Abend noch aufs Rad. Ich kann jetzt also wieder fahren. Auch wenn das bei -9 Grad nicht so ganz viel Spaß macht. Aber die Reifen machen Spaß, damit kann man echt über die spiegelglatten Parkplätze radeln ohne sich vor Angst in die Hose zu machen. 

Es sind -9 Grad. Unsere Wohnung ist kalt. Zwei Heizkörper sind ein Witz, selbst mit Kamin an kriegen wir es nicht in der ganzen Wohnung warm. Also holte Herr Rabe heute die Zusatzheizungen (kleine Ölheizungen auf Rollen) vom Dachboden. Der Stromanbieter dankt. 

Ich hab beim Nähen einen Bock geschossen. Genau genommen habe ich schon beim Ausschneiden des Schnittmusters einen Bock geschossen, das aber nicht gemerkt, bis ich mich heute am bereits zusammengenähten Pulli fragte, warum der Ausschnitt am Rücken genauso groß ist wie vorne. Äh ja. Da war ich wohl wegen zu vieler zu bunter Linien und gestrichelt/gepunktet/durchgezogen für vorne/hinten/gerader Schnitt durcheinander gekommen. Tjanun, so verbrachte ich heute einige Zeit damit, über das Fixen von Fehlern zu Sinnieren. Meine Strategie auch dieses Mal: es auffällig korrigieren, damit es aussieht, als wäre es Absicht. So mache ich es immer dann, wenn es sich nicht so fixen lässt, dass man den Fehler wirklich gar nicht mehr sieht oder bemerkt. 

 Bilder gibt es, wenn der Pulli fertig ist. 

Pippi die kleine Fressmaschine kommt jetzt immer aus dem Kindergarten und wetzt direkt zu ihrem Hochstuhl. Wenn man sie dann nicht reinsetzt, versucht sie unter demonstrativem Gemecker selbst reinzuklettern (Danke, Stokke, dass das nahezu unmöglich ist). Der Grund: auf dem Tisch steht meistens noch ein Rest vom Frühstücksgrøt. Und Pippi hat offensichtlich nach dem Kindergarten erstmal riesigen Hunger. Dann wird alles gegessen, was man ihr vorsetzt: der Frühstücksrest, der Rest aus ihrer Brotdose, Brot, Obst, whatever, Hauptsache schnell und viel. Heute war sie laut Herrn Rabe schon beim Abholen enttäuscht, dass keine Brotdose mit Resten in ihrem Rucksack war. Spielen macht wohl sehr hungrig. (Ich finde das gut, dann muss ich mir vielleicht nicht noch mal von der Helsesøster anhören, dass Pippi ja ruhig etwas zulegen könnte, weil sie ja „leicht unterdurchschnittlich groß und schwer“ ist.)

Tag 452 – Endlich Wochenende. 

Ich weiß auch nicht so richtig, warum, aber diese Woche war furchtbar anstrengend. Hier ist eine Mischung aus PhD-Letztjahr-Panik, Backenzahntralala und allgemeinem Autonomiephasenhorror ausgebrochen. Ich möchte am liebsten eine Woche lang schlafen, dabei hab ich gar nicht mal wenig geschlafen in letzter Zeit. Das Wachsein ist grade nur sehr anstrengend. Da bin ich dann Freitag Abend auch einfach froh um ein Glas Rotwein, ein bisschen Schoki und die letzte Folge der ersten Staffel von Sherlock (nochmal geguckt, weil wirs können!). Selbst mit Pippi halb auf dem Schoß, weil Schlafen ohne uns im Moment mal wieder gar nicht geht. 

Und jetzt: Bett. Morgen kein Wecker. Uff. 

Tag 444 – Schnaps! (Das mache ich jetzt alle 111 Tage!)

Erstmal die vorläufigen Versuchsergebnisse. Ich brüte nochmal über Nacht um den Effekt zu maximieren, und dann versuche ich ein besseres Foto zu machen. 


Bildunterschriften gehen nicht. Hmm. Also: das weiße da ist ein schöner, pelziger Bakterienblob. Exakt in der Größe von Michels Daumen. 


Nach dem Waschen: wie Sie sehen, sehen Sie nichts. (Das was Sie vielleicht zu sehen meinen, sind Luftblasen.)


Hallo Pupsbakterien. 

Ansonsten nicht viel Neues. Ich war heute das erste Mal nach vier Wochen (wegen weiß nicht mehr, Portugal, Deutschland, Pippi krank) wieder beim Ballett und habe mich ordentlich doof angestellt irgendwie. Worüber ich mich besonders ärgerte: die Show-Choreografie ist auf ein Swing-Stück, das klingt ganz toll und sieht auch aus, als würde es Spaß machen, aber die sind schon bestimmt 3 Minuten weit gekommen, keine Chance, dass ich das mal eben ohne nochmal durchgehen lerne. Also ging ich 20 Minuten vor Schluss leicht angefressen nach Hause. Und habe seitdem einen Ohrwurm von meinem Lieblings-Quick-Step. Obwohl ich den sicher 10 Jahre nicht gehört hab. Vielleicht sollte ich nächstes Semester mal Solocharleston ausprobieren.

Cytotoxicity assays sind doof. Vor allem, wenn sie einfach mal so gar nicht funktionieren. 

Manche wissenschaftlichen Artikel sind auch voll doof. Manche Leute können nämlich einfach nicht schreiben. Wenn ich auf der ersten Seite dreimal fast Einnicke, stimmt was nicht. Oder ich bin sehr müde. 

Ich bin so müde. Pippi kriegt Backenzahn Nummer drei und wenn ich mir den geschwollenen Gnubbel da so ansehe, tut es mir für sie mit weh. Resultat ist halt leider, dass hier viele Menschen wenig Schlaf bekommen. Und wie ich das so erzähle, sagt meine Kollegin, deren Kind eine Woche älter ist, als Pippi, dass ihr Sohn jetzt die letzten Zähne bekommt und voll schräg drauf ist. Und ich kann nicht anders, als sie zu beneiden: danach ist es bei ihr wenigstens vorbei. Wir hingegen haben noch 13 vor uns. Meh. 

Morgen ist Disputationsfeier. Also zuerst muss natürlich Disputiert werden. Deshalb denke ich wohl auch schon den ganzen Tag, dass heute Freitag sei: Disputationen dauern hier ja fast den ganzen Tag, deshalb hab ich mir für morgen nichts „richtiges“ zum Arbeiten vorgenommen. Und weil der Typ, der da disputiert unverschämt gut aussieht derjenige ist, von dem ich das RNA-Projekt übernommen habe, ist meine Teilnahme schon auch ratsam für mich selbst. Und abends eben Feier. Feier. Mit meiner Arbeitsgruppe. Oha. 

Jetzt aber swingend ab ins Bett. 

Tag 412 – Titeldummie. 

In meinem Kopf heute nur konfuses. 

Nächste Woche fahre ich schon nach Portugal. Das ist ziemlich verrückt. 

Der Chef besprach mit jemand anderem die Ergebnisse von meinem Experiment. Niemand sprach mit mir. Der Chef sagte „Ich muss nachdenken.“ und schloss die Tür zu seinem Büro hinter sich. Das macht er sonst nie. 

Die GEZ-Scheiße ist immer noch nicht vorbei. Es lässt einen schier verzweifeln, obwohl das alles über nen Anwalt läuft. Trotzdem: zum dritten Mal die Ummeldebestätigung aus September ’13 scannen, weil die jetzt behaupten, ich sei „laut Ihrer Unterlagen“ ja mindestens bis April ’15 beitragspflichtig, ist überaus nervtötend. (Ich auch übrigens völlig alleine. Herr Rabe wurde noch gar nicht mit 7000 €- Nachforderungen beglückt. WARUUUUUM???)

Nach einer Odysee der Nachbarschaftskommunikation über Nachrichten-Gruppen habe ich endlich Feuerholz bestellt. Es wird nächste Woche geliefert. Der Holzmann (nicht der vom letzten Jahr!) will wissen, ob er noch mehr liefern soll. Meine Motivation, das gerade so geschlossene Fass wieder aufzumachen und zu fragen, ob wer noch mehr Holz haben will, geht gegen null. 

Ich wollte für Herrn Rabe was ganz tolles zu Weihnachten nach Deutschland bestellen, also so dass wir das jetzt im Oktober mitnehmen können, und das gibt es (noch?) nicht. 

Michel hat übernächste Woche schon Geburtstag. Aaaahhhh!!! (Noch kein Geschenk besorgt, er soll nen Schwimmkurs kriegen, aber man kann sich noch nicht anmelden, Partyplanung hab ich so halb wegdelegiert an M., deren Sohn und bester Kumpel von Michel die Woche drauf 5 wird, wir wollen eventuell zusammen feiern, die Gäste wären wohl eh zu 90% redundant und Norweger haben absolut kein Problem mit Vorfeiern.)

Michel sorgt sich immer noch über Kampfflugzeuge und ob wir im Falle einer Flucht wohl Spielzeug und alle (!) unsere Bücher mitnehmen könnten. 

Pippi mag nicht einschlafen im Moment, ich glaube sie weiß selbst nicht so ganz, was sie will, mal will sie raus aus der Trage, dann will sie wieder auf den Arm, dann Trage, aber bitte mit Mama in den Hals kneifen, dann schlägt sie mich plötzlich oder dreht meinen Kopf weg, dann schlingt sie wieder ihre Ärmchen um meinen Hals und zieht mich ganz nah ran: das ist alles sehr wirr. Das geht dann so zwanzig Minuten, dann schläft sie doch ein und dann erstmal wie ein Stein. 

Ich habe gestern mein Fahrrad repariert. Das Hinterrad hatte sich nach vorne geruckelt, ich nehme an eine ungute Kombi aus Anhänger und Kopfsteinpflaster ist schuld. Gestern war ich dann doch etwas panisch und ließ das Rad zu Hause, fuhr mit dem Bus zur Arbeit und ging zu Fuß zurück. Reparierte unter Einsatz aller meiner Muttisport-gestählten Muskeln das Rad und fuhr heute mit gutem Gewissen und festem Reifen wieder Fahrrad. 

Ich machte Pizza und wollte zwischendurch alles hinschmeißen. Kack Teig, einen Tacken zu klebrig, dann hings am Schieber fest, Käse auf meinem schönen Backstein. Hrmpf. Aber lecker. Sogar Michel aß ein Stück eines Stücks weißer Pizza mit Lachs, gegrillter Zucchini und frischem Rosmarin. Ich konnte meinen Augen kaum glauben. 

So müde, dass mir die Augen zufallen. Gute Nacht!

Tag 408 – Menschen, Tiere, Symposionen. 

Also erstmal das Positive vorweg: ich war pünktlich. Tadaaaa! Ich hatte zwar keine Zeit, meine Fahrradbatterie, Helm, Jacke, Rucksack und Regenhose ins Büro zu bringen, und weil da dann natürlich das Schreibzeug noch lag, musste ich die ersten Sessions auf dem Handy mittippen, aber: ich war pünktlich. Und ich bekam viele Komplimente für mein Kleid. (Norwegerinnen, die am Tag drei Hosen für die Kinder stricken, behaupten, sie könnten nicht nähen. Und das würde bei ihnen ja ein halbes Jahr dauern, so ein Kleid. Haha. Hahaha. Hahahahaha…)

Das wars dann aber auch schon. Gut, manche Vorträge waren sehr interessant (Leona D. Samson war da, <3), aber erstmal ging alles wegen Taxi-Issues total verspätet los, dann erzählten manche sehr langatmig recht belangloses Zeug, manche hatten echt schlecht vorbereitete Folien, manche echt schlechten (also zu monotonen oder zu leisen oder zu hektischen) Vortragsstil. Das ganze in einem Raum, der zu klein für die Anzahl Anwesender war (warum nochmal mussten wir uns vorher registrieren?), in dem die Vorhänge zugezogen waren, damit das bisschen Tageslicht bloß draußen blieb (bedeckter Himmel und überhaupt ja auch Herbst, keine blendende Sonne in irgend einer Form), dann aber die fiesen Neonlampen an, man will ja was sehen. Seufz. 

Was mich aber echt am meisten störte, und da sind wir wieder bei einer der Sachen, die mich am Uni-Betrieb so stören, ist die Einstellung einiger Redner*Innen (Geschlechterverhältnis 6:6, dafür Daumen hoch) zu Menschen und Tieren. Ich schreibe das jetzt hier in dieses Internet, wenn Sie mich mal dabei erwischen, dürfen Sie mich gerne daran erinnern: ich lehne das Zeigen von Bildern Kranker oder Behinderter (Kinder, insbesondere) ohne daraus folgenden Erkenntnisgewinn ab. Was bringt es denn, fünf, sechs, sieben Bilder von Xeroderma Pigmentosum-Betroffenen (Yeeeaaahhh, Hautkrebstumore all over!!!) zu zeigen, wenn ich hinterher doch nur auf der molekularen Grundlage davon herumreite. Oder Erbkrankheit Tralala: „Lebenserwartung 5-7 Jahre, schwerste Fehlbildungen unter anderem im Gesicht.“ Reicht da nicht die Beschreibung? Müssen da wirklich mehrere (!) Bilder von betroffenen Kleinkindern und Babys mit auf die Folie? Solche Bilder sind sinnvoll für Diagnostiker oder Kinderärzte, Menschen, die wirklich Leute treffen, die sowas haben. Denen sollte vielleicht beim Anblick eines Erbgutgeschädigten Säuglings nicht das Mittagessen wieder hoch kommen. Aber wir Labormenschen treffen ungefähr nie auf Patienten. NIE. Als Motivation, an Protein X oder Mutation Y oder Modifikation Z zu arbeiten, sollte eine Beschreibung des Krankheitsbildes reichen, wir sind zwar Naturwissenschaftler, aber so viel Phantasie kann man uns ruhig zutrauen. Sensationsgeile Schockbilder, dann auch noch in der Mehrzahl, braucht kein Mensch. Lenkt nur ab: es ist eben wie ein Unfall, man kann nicht weggucken. Und gegenüber den dargestellten Menschen ist es zutiefst respektlos. Oder wollen Sie, dass, sagen wir mal, ihre Nichte, für immer „Das Kind, das Google-Treffer Nummer 1 für diese krasse Erbkrankheit ist!“ ist? Die Menschen werden auf die Krankheit eingedampft. Auf das Bild der Krankheit. Fallbeispiele. Mehr nicht. 

Was ich auch ablehne: total verklausulierte Sprache in Bezug auf Tierversuche. Man hätte heute teilweise meinen können, wir wären auf nem Werbevortrag irgendeines Pharmariesen vor lauter Tierschützern gewesen. Mein Kopf übersetzt das immer automatisch in Normalsprech. Das klingt in meinem Kopf dann so:

  • „Wir terminierten die Tiere an Tag 115 post treatment.“ –> Wir töteten die Tiere. 
  • „Wir induzierten Hypoxia-Ischemia, indem wir die Blutzufuhr im Gehirn im Bereich blablabla unterbrachen.“ –> Wir schnitten den Mäusen die Köpfe auf und quetschten ein Blutgefäß im Gehirn ab. 
  • „Nach einer Stunde Erholung isolierten wir das Material und untersuchten die Tiefenpenetration der nekrotischen Areale.“ –> Nach einer Stunde, die die Gehirnabgequetschten Mäuse noch so vor sich hinvegetierten, töteten wir sie, nahmen das Gehirn raus und schnitten es in Scheibchen, um zu sehen, was alles kaputt gegangen ist.“

So könnte ich weitermachen. Ich finde ja, was wahr ist darf wahr bleiben. Töten ist töten. 10 Tage alte Mäuse sind noch Babies, da tötet man Babymäuse („Termination an P10“). Vielleicht hilft es ja auch dem ein oder anderen dabei, den nächsten Versuch etwas besser zu planen, sodass vielleicht weniger Tiere gebraucht werden, wenn die Sprache da klar und ehrlich ist. 

Und dann war da noch die Sache mit dem  „disappointing Phenotype“, was heißt, dass die Mäuse nachdem man ihnen Gen A oder B oder A und B kaputt gemacht hat, eigentlich ganz normal sind, keine Tumore entwickeln, keine abnorme Körpergröße haben, sich normal bewegen, Nachkommen zeugen und so. „Oh, dem Tier hier geht’s scheinbar gut. Schade.“ Das kann man vielleicht denken, denn klar wäre es einfacher, würde die Maus einfach was ganz eindeutiges wie „wird quasi schon mit Krebs geboren“ (oder wenigstens „embryonic lethality“) zeigen, aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Aber es ist eben nicht alles immer einfach. Und sagen, dass man enttäuscht ist, weil es einem Lebewesen gut geht? Find ich einfach kacke. Man kann das ja auch anders formulieren. Mein Vorschlag: „Die Mäuse zeigten zu unserer Überraschung keinen auffälligen Phänotyp. Also mussten wir zurück ins Labor…“. Da hat man gleich der Maus ein Minibisschen Respekt entgegengebracht. Nein, wir können nicht auf Tierversuche verzichten*, aber wir können Tierversuche mit Respekt machen. 

*die pharmakologische Forschung kann nicht, bei der Grundlagenforschung wäre der Umfang vielleicht manchmal diskutabel. Aber sowas muss ja auch durch Ethikräte, zumindest hier.

Tag 393 – Kann weg. 

Eigentlich heute auch viel Gutes passiert, zum Beispiel kommt ganz vielleicht unter Umständen eventuell mein Name auf ein Paper in Nature. Aber dann war auch so viel Mist, das fing schon beim fertig machen für den Kindergarten und der totalen Eskalation eines Streites um Socken (Michel wollte die von gestern, mit denen er auch ins Bett gegangen war, anlassen, ich sagte nein) an und ging über einen total misglückten aber echt wichtigen Teilversuch weiter (und jetzt muss ich wieder erst Gedöns bestellen und dann drei Schritte zurück und die wiederholen und grrrrrrr…) und dann hörte ich noch was, das mich gar nicht betrifft und trotzdem total wütend macht: dass sich manche Kindergärten wohl wegen irgend welcher fadenscheiniger Versicherungssachen weigern, die Kinder mit Sonnencreme einzuschmieren. Mein Gehirn hat da einen Kurzschluss bei der ‚ALTER, SONST GEHTS ABER NOCH???!!!?!‘-Stufe, ich kann gar nicht recht erklären, warum, vielleicht ist heute einfach so ein Tag, an dem mein innerer Dreijähriger die Oberhand hat und der nun mal wegen Socken Sonnencreme jetzt Theater machen will.

Deshalb trinke ich jetzt gleich einfach einen Kakao und schreibe vielleicht morgen über die Ballettstunde.