Tag 485 – Weihnachtsdings 1

Ich bin nicht eingeschlafen. Trotz todesmutigen zwei Gläsern Wein. 

Ich hab immer noch Weihnachtliche Anwandlungen und alle lieb. 

Morgen früh um acht hab ich ein Date mit Mr. I trust you im Zelllabor. 

Ob ich mich jemals an die Diskrepanz zwischen betrunkenem Norweger und nüchternem Norweger gewöhne?

An meine besorgten Freund*Innen: wie süß ihr seid! Und Entwarnung. Die Fibroblasten müssen noch ein bisschen mehr wachsen. Also nur 72 Platten morgen. 

Tag 484 – Langsam irre. 

Wahnsinnig anstrengender Arbeitstag. Erfolgreich auch, aber leider auch erst der Auftakt zum schlimmen morgen und dem Eigentlich-möchte-ich-lieber-Parkplatzwächter-bei-4-Grad-und-Nieselregen-sein-Donnerstag. 

Passend dazu wahnsinnig anstrengender Nachmittag mit Pippi, während dem ich versuchte, Eintopf zu kochen, der dann am Ende nicht mal schmeckte. 

Dann mit Pippi im Bett (sie wollte nicht in die Trage, sondern stiefelte zielsicher aufs Bett zu) eingeschlafen und als Pippi wegen Zähnen (?) schreiend aufwachte wieder aufgewacht. Sie ließ sich absolut nicht beruhigen, also sagen wir uns vier Mausclips an und dann konnte sie wieder einschlafen. Arme Maus. Blöde Zähne. 

Es gibt echt schönere Tage. 

Morgen gibts kein Einschlafen, morgen gibt’s Essen gehen mit der Arbeitsgruppe. Um acht. (Ja, so hab ich auch geguckt. Da sind Norweger eigentlich schon im Bett.) Hoffentlich kippe ich nicht nach einem halben Glas Wein mit dem Gesicht in den Teller. Mehr als ein Glas geht ja auch nicht wegen des verrückten Donnerstags. (144 Zellkulturplatten. 144! Wer hat sich das denn ausgedacht? Oh. Ich war das.)

Tag 482 – Wochenende.

Hier mal wieder viele Bilder von unserem Wochenende. Kommen Sie, sehen Sie! Wilde Kinder in ihrer natürlichen Umgebung!

Frühstück. Pippi hat sich durch Gemecker auf meinen Schoß gemogelt und prökelt jetzt den Frischkäse von meinem Brötchen.

So sieht sie danach aus, die alte Rübennase. Außerdem hat sie Brötchen in den Haaren. Also gehen wir alle ausgiebige Körperpflege machen.

Frisch geduscht und gebadet machen wir einen Ausflug. Herr Rabe muss noch was von seiner Arbeit abholen und er zeigt uns das leere Großraumbüro. Michel ist beeindruckt von den hoch- und runterfahrbaren Schreibtischen und dem Wasserhahn, aus dem Sprudelwasser kommt. Ich bin beeindruckt davon, dass Menschen es schaffen, in so einem Großraumbüro irgendwas zustande zu kriegen. Für mich wär das nix.

Pippi schläft und hat sich dafür in alter Tradition das Licht ausgemacht. Michels Hund schläft auch.

In der Stadt wurde die Weihnachtsbeleuchtung angebracht.

Herr Rabe: „Guck mal, Michel, hast du schon die Sterne gesehen?“
Michel: „Hä?“

Herr Rabe: „Ja, da, die leuchtenden Sterne! Die Weihnachtsbeleuchtung!“

Michel: „Papa, das sind ja keine Sterne. Das sind Schneeflocken!“

Herr Rabe ist schwer begeistert von so viel Klugscheißertum. Siehe Bild. 

Zu Hause: kochen, essen, Quatschnasen bespaßen, Quatschnasen ins Bett bringen, Aufräumen, Schnecken füttern, Pilze ansprühen, Wäsche abhängen, Wäsche aufhängen, einen Haufen Teige ansetzen. So viele, dass ich sie beschriften muss. (Nicht im Bild: Vorteig für Pizzateig.)

Sonntag. Michel pellt sich sein Ei selbst und ist dabei dem Anlass entsprechend hoch konzentriert. Herr Rabe hat Pancakes gemacht und ja, wir haben einen Adventskranz.

Das war heute in meinem Adventskalender. Ich hoffe, ich schaffe es, mir bis Freitag die Fingernägel zu lackieren. Da haben wir nämlich Weihnachtsfeier und das Blau würde total gut zu meinem Kleid passen, dazu noch das Glitzerzeug vom 1., das wird fein!


Sonntag ist Maus-Zeit.


Das Wetter ist total mies und wir stubenhockern in Schlafanzügen herum. Ich bin mit meinen Teigen beschäftigt, versuche zwischendurch ein bisschen zu putzen und fahre zu allem Überfluss zwischendurch zur Arbeit. Hier der Ausblick aus dem Zelllabor. Es ist halb drei. Heute wurde es nicht richtig hell.


Wieder zu Hause, hilft mir Pippi tatkräftig beim Backen, indem sie sich die Topfhandschuhe anzieht und davonflitzt.

Eins der Resultate: ein Kassler. Sieht so hübsch aus, war aber dank totaler Übergare (Danke, blöde Zellkulturen, die ihr viel mehr gewachsen wart, als ich angenommen hatte) leider recht flach geblieben. Egal. Schmeckt trotzdem.


Beim Abendessen. Erst macht Pippi bei jedem Bissen „Hmmmmmmm, njomnjomnjomnjom!“, dann checkt Michel kurzerhand Pippis Zahnstatus und will danach Baby-Zahnarzt werden. Diese Kinder, ey. So niedlich. Hachz.


(Und außerdem hab ich gebrannte Mandeln gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.)

Tag 480 – Als hätte ich nicht genug zu tun. 

Mein Chef kam heute an und drückte mir noch ein Experiment aufs Auge. Natürlich nicht ohne dabei mit dem first authorship in einem guten Journal vor meiner Nase rumzuwedeln. Eventuell muss ich meinen Urlaub verschieben. 

So wie heute meinen Feierabend, weil vor lauter Gedöns kam ich leider nicht dazu, meinen Vortrag fürs Institutsmeeting am Montag früh vorzubereiten. Jetzt bin ich soeben damit fertig geworden, morgen noch mal drüberpolieren und, haha, mir was ausdenken, was ich zu den ganzen Bildchen sagen will. 


Taktik ‚Kopf in den Sand‘ funktioniert nicht, alternative Taktik ‚einfach machen, nicht denken‘ wird jetzt ausprobiert. 

Tag 479 – Kopf in den Sand…

Ich hab das Meeting vom Dienstag jetzt fertig verdaut. Denke ich. 

Das was so: ich habe ja quasi zwei Projekte. Das, auf dem ich angestellt bin, mein eigentliches Projekt, lief bis zu meiner Elternzeit einfach mal gar nicht. Da geht es um Proteinstrukturen, genau genommen um die Struktur eines ganz bestimmten Teils eines ganz bestimmten Proteins. Und dieser Teil ließ sich ums Verrecken nicht herstellen. An dem Tag, als ich mittels eines sauteuren Kits Unmengen Protein erzeugte, die allesamt unlöslich und damit unbrauchbar waren, saß ich heulend auf dem Klo, im siebten Monat schwanger, und beschloss, nach der Elternzeit um Alternativen zu bitten. 

So kam es auch, und so kam ich zu Projekt Nummer 2, ein geerbtes Projekt mit mehr oder weniger veröffentlichungsreifen Ergebnissen, hat NIX mit dem anderen Projekt zu tun, es geht nämlich um RNA. Dieses Projekt ist enorm zeitaufwändig, weil viel Zellkultur, viel Isolationszeug, total unbekanntes Terrain für unser Labor (ich wurschtel mich da also so durch, muss aber für jeden Pups erstmal lesen und mir Wissen aneignen, dass ich dann mit meiner (ja doch inzwischen großen) Laborerfahrung zusammenmixe und mir Versuche draus koche: das ist alles ganz aufregend) und das plödeste: ich bin da ganz alleine. Aber immerhin kommen da Sachen bei raus, die wiederum Leute interessieren und ich dachte seit ein paar Monaten eigentlich, das sei jetzt mein Hauptprojekt. 

Dann hatten wir dieses Meeting am Dienstag, zum ersten Projekt. Es sind extra Leute aus Dänemark gekommen, eine Professorin und einer ihrer Postdocs, die mein (auch dänischer) Co-Supervisor eingeladen hatte. Die Professorin arbeitet seit 20 Jahren mit ‚intrinsically unstructured proteins‘ (der unproduzierbare Teil von unserem Protein ist auch ‚intrinsically unstructured‘, also strukturlos, was Strukturbiologie daran nicht weniger absurd macht…) und gehört zu der Sorte Mensch, die anhand der Aminosäuresequenz Sachen sagen wie „I see a KRKR-motif there and when you have a phosphorylation some amino acids before, maybe that Serin14, that would probably be helix-inducing“. Die hatte ein paar echt sehr vielversprechende Ideen zu dem strukturlosen-vielleicht-doch-nicht-immer-und-nicht-überall strukturlosen Teil. Ideen, die sich schnell umsetzen lassen. Außerdem hat die E., die als Postdoc an dem Projekt arbeitet, in meiner Elternzeit einen Weg gefunden, den strukturlosen Teil zu produzieren, sodass es stabil ist und endlich, ENDLICH im NMR untersucht werden kann. Und da hat sie auch schon ein paar Ergebnisse zusammen. 

Und ich weiß jetzt auch nicht. Plötzlich scheinen beide Projekte machbar, aber ich kann nicht alleine (das eine komplett alleine, das andere zumindest teilweise) zwei Projekte stemmen. Und wir haben am Strukturbiologie-Projekt einfach mal zwei komplette Jahre durch unsere erfolglosen Herstellungsversuche verschenkt. Dass das jetzt innerhalb von 9 Monaten soweit gedeiht, dass drei Veröffentlichungen dabei rumkommen, kann ich mir nach all dem Mist* nicht vorstellen. Dafür bin ich in das andere Projekt so reingerutscht, mir fehlt da komplett der Hintergrund, vor der Defense hätte ich jetzt schon Angst, weil, aaaaahhhhh, RNA. Und analytische Chemie**. Aaaaaahhhhhh. 

Noch elf Arbeitstage bis Urlaub. 

*Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich und das Protein, das ich seit zwei Jahren ‚bitch‘ nenne, doch noch Freunde werden.

**Hab ich mal erwähnt, dass ich im 1. Semester durch Chemie gefallen bin? Nein? Ich bin im 1. Semester durch Chemie gefallen. Es war schlimm. Obwohl mit mir 80% der Studenten durchgefallen sind. Trotzdem schlimm. Ich hab dann die Osterferien mit organischer Chemie verbracht, bin zu allen Übungen gegangen, hab mich von der 1,50 m großen Professorin im Hörsaal an der Tafel wegen meiner fehlerhaften Sessel-Boot-Formen und Fisher-Projektionen bloßstellen lassen und dann hab ich im zweiten Anlauf knapp bestanden. Seitdem hab ich mich von Chemie ferngehalten, wo immer es ging. Wenn ein Bio- davor ist, geht’s. Sonst geht leider gleich die Jalousie*** runter. 

***Vielleicht sollte ich mal ne Trauma-Therapie machen. Ha. 

Tag 477 – Matratzenmeeting. 

Heute langes Meeting mit Leuten aus Dänemark zu meinem eigentlichen Projekt gehabt. Noch nicht fertig verdaut. 

Nach ewigem Gebrüll von Pippi (Backenzähne, ey. Ist zum Kotzen.) aus dem sie sich nicht helfen ließ, aus Verzweiflung Mausclips auf dem Handy angemacht. Nach fünf Mausclips und einem Ritter Rost-Lied drehte sie sich weg. Ich machte es aus und sie schlief langsam ein. Ich auch. 

So müde. Gute Nacht.

Tag 473 – Schön, schön. 

Ein Tag, der sehr viel Potential hatte, richtig bescheiden zu werden, das aber nie tat. Angefangen hat es mit Kindern, die sich beim Abliefern im Kindergarten kaum noch verabschieden, weil sie es so eilig haben, mit Peers und Betreuer*Innen zu spielen und Weihnachtslieder zu singen und Raritäten für die Weihnachtszeit anzufertigen. Bei der Arbeit setzte ich mich dann direkt an die Präsentation, die ich um zwölf halten sollte, was ich seit, hmmm, drei Monaten weiß. Gestern hatte ich schon meine Daten eine Stunde lang mit meinem german stare sauer angestarrt, leider wurden sie davon auch nicht besser. Das war allerdings auch schon alles, was ich für die Präsentation bisher getan hatte. Also bastelte ich gute drei Stunden an der Präsentation, verzichtete auf so gut wie allen Text (keine Zeit!) und ein paar unwichtige Ergebnisse (keine Zeit!!!), machte aber ein paar hübsche Bildchen und Modelle in Power Point, weil ich das auch selber mag, hübsche Bildchen und Modelle gezeigt zu bekommen. Um zwanzig vor zwölf war ich fertig, wog kurz zwischen Kaffee und richtigem Mittagessen ab, schmierte mir dann ein Brot und aß es auf dem Weg zum Kaffee holen. 

Exkurs: ich hasse es, vor Leuten zu reden. Selbst, wenn es nur zwanzig sind und die alle meine Kollegen sind und ich wirklich, wirklich weiß, dass die mir nix böses wollen, ich mag es einfach nicht. Gar nicht. 

Der Vortrag war auf zwanzig Minuten ausgelegt, aber quasi dreigeteilt, weil das Projekt momentan drei lose Enden hat. Nach jedem Teil der Präsentation hatte ich sozusagen eine Diskussionsrunde eingeplant, weil wir teilweise echt festhängen und nicht weiter wissen und ich bat also um Input. Und Input und Diskussion bekam ich, niemand hielt mich für blöd, weil ich festhänge oder die Daten zu schlecht oder zu unaussagekräftig zum Publizieren sind. Voll supi, echt. Jetzt habe ich ein paar neue Ideen, was ich noch machen kann, um die losen Enden festzuzurren und etwas neue Motivation. Allerdings zog sich die Präsentiererei durch die viele Diskussion auf, tadadaaa, fast eineinhalb Stunden. Was mich am meisten überraschte, war dass ich hinterher von zwei Seiten spontanes Feedback zum Vortrag bekam, nämlich, dass das sehr gut gewesen sei, so viel Raum für Austausch zu schaffen und ich hätte eine unterhaltsame Art* zu präsentieren, schöne Modelle seien das gewesen. Sehr klar und übersichtlich**. Ich schaffte es sogar, das Kompliment einfach anzunehmen und nicht irgendsowas wie „ach, das hab ich heute morgen schnell zusammengeklöppelt, das war echt nicht der Rede wert“ rauszuhauen, wie sonst meistens. Ich muss mir dafür selbst mal auf die Schulter klopfen. Ich werde besser. (Also nicht beim Prokrastinieren, da werde ich schlimmer.)

Danach hatte ich mörderische Kopfschmerzen, aber noch Laborarbeit zu machen, das lief so lala. Zwischendurch trank ich noch einen (widerlichen Brüh-)Kaffee mit einem meiner Lieblingskollegen, der heute morgen schon angefragt hatte, was ich aber wegen des Vortrags ablehnen musste. Wir schnackten ein bisschen über sein neues Haus und Arbeit und mit wem von unseren Kollegen man lieber nicht zusammenarbeiten möchte, dann ging ich zurück ins Labor um weitere verrückte Ergebnisse zu erzeugen und dann war endlich, endlich Feierabend. Der gemeldete Starkregen passierte gerade, im Bus saßen viele nasse Menschen, meine Kopfschmerzen wurden nicht besser, dafür meldete sich mein Magen ziemlich deutlich. Insgesamt eine eher unschöne Heimfahrt. 

Auch eine eher unschöne Ankunft, denn nachdem Herr Rabe mit Blick auf seinen Kontostand*** meinte, wir könnten doch mal wieder auswärts Pizza essen, rastete Michel aus und wollte zu Hause bleiben. Tja, ich (mühsam unterdrückt) hangry, Michel (ohne es zu wissen) hangry, ungute Kombi. Wir kamen trotzdem ohne Mord im Restaurant an und nachdem die Kinderpizza auf dem Tisch stand war auch Michel wieder mehr als verträglich. Er aß sogar ein Stück von Herr Rabes und meiner**** Pizza und bat um extra viel Ruccola. Salat, so erklärte er mir beim ins Bett gehen, ist nämlich sein Lieblingsessen*****. Überhaupt war das Essen total lecker, die Kinder friedlich und niedlich und auch halbwegs sauber und insgesamt gesellschaftsfähig. Das kann man ja von einem 4- und einer 1-Jährigen auch weder erwarten noch immer behaupten. 

Dank Espresso nach und Cola zum und Ibuprofen vorm Essen waren wieder zu Hause sogar die Kopfschmerzen weg, Ich gönnte mir ein Mini Glas Rotwein (jaja, die Leber schreit, ich weiß) zu Gilmore Girls****** und Stricken und ja, doch, das war ein richtig feiner Tag. Meist. 

* Galgenhumor

** gezwungenermaßen, ain’t nobody got time for mehr als ein Ribosom pro RNA

*** im Dezember zahlen wir nur die Hälfte der Einkommenssteuer*******

**** wir hatten jeder eine, aber tauschten nach der Hälfte

***** und Zebra, sagte er. In echt ist sein Lieblingsessen nach wie vor Nudeln ohne alles. 

****** noch nicht die neuen Folgen, ich bin jetzt bei S07E20

******* Dafür zahlen wir sonst halt mehr. Die Jahressteuer teilt sich auf 10,5 Beitragsmonate auf. Im Juni zahlen wir keine, im Dezember nur die halbe Einkommenssteuer. So hat man, unabhängig von irgendwelchen Betriebs- oder Gewerkschafts-Vereinbarungen quasi Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das man übers Jahr selbst anspart. Ist ne nette Sache, aber nicht(!) ein Geschenk vom Staat, wie es gerne mal auf Facebook behauptet wird. 

Tag 469 – Was ich gestern eigentlich schreiben wollte. 

Eigentlich, aber dann war ich ja zu traurig, wollte ich gestern mal wieder ein paar mehr Bilder zeigen. Dann machte ich aber auch wieder nur welche von doofen Motiven. Tjanun. Ich will sie Ihnen trotzdem nicht vorenthalten. Ein paar von den Kindern sind ja auch dabei. 

Gehört eigentlich noch zum Samstag: ich habe Michels Marienkäferumhang genäht. Jetzt ist er ein richtiger König und Pippi ist eine Pränsässän. Sagt er.


Sonntagmorgenfrühstück mit Pancakes.

Die Austernpilze wachsen, allerdings nach oben raus. Soll mir recht sein. Inzwischen riechen sie auch richtig nach Pilzen.

Pippi will wieder in die Dusche.

Die Babysitterin hat die Kinder mit nach draußen genommen. Beide! Juhuuu! Ich nutze die Zeit und… mache Eis für Pippi. Hier: Mango-Banane-Apfelsaft. Danach löse ich drei der fünf Kramboxen auf und schmeiße rigoros zwei Tonnen Kinderkunst weg. Auch die Kastanien (schimmelig) und die gepressten Blätter (alle braun und unansehnlich) müssen dran glauben. Wenn schon in mir Chaos ist, dann will ich es wenigstens außen ordentlich haben.

Herr Rabe nutzt die Zeit und räumt den hinteren Flur um. Wegen Brandschutz wurden wir von der Nachbarin etwas unfreundlich darauf hingewiesen, dass da nichts stehen darf. Bis Dienstag solle das Zeug da weg. Ja. Da gehorcht man doch gern.

Herr Rabe und Michel bauen ein Pfefferkuchenhaus.

Das fertige Haus. Mit Fledermäusen unterm Dach und Elchkacke vom weißen Elch vor der Tür.


Sonntag Abend ist wie Samstag Abend: ich hocke im Labor rum. Bis das Medium warm ist, höre ich Radio und bastle an meinem Projekt.


So war unser Sonntag. Nicht im Bild: ich hab zwei neue Pilzeimer angesetzt. Wir werden demnächst die sein, denen alle aus dem Weg gehen, weil sie sonst Austernpilze oder -Kultur angedreht bekommen. Wie früher mit dem Hermann. Das wird schön. 

Tag 463 – Überprüf das!

Heute morgen, in meinem Kopfschmerz-Husten-Alles-Doof-Delirium, erreichte mich eine Mail an meine Arbeits-Emailadresse. Sie kam von Linda J. und ihr Inhalt lautete:

‚Bitte kontrollieren!‘

Kein Hallo, kein Tschüss, noch nicht mal ne angehängte Signatur. Ich war kurz etwas verwirrt und ehrlich gesagt auch leicht angepisst (was, bitte, ist das denn für ein Ton?), bis ich doch noch einen Anhang fand. Im Anhang befand sich noch eine Mail. Von einem Unternehmen, bei dem ich vor acht Wochen oder so mal Antikörper bestellt habe, die auch längst angekommen sind. Der Inhalt der Mail des Unternehmens lautete: 

‚Liebe Frau J., ihre Bestellung haben wir erhalten, blablabla. Leider haben wir für die letzte Bestellung ihrer Institution (Nummer blabla) noch keine Zahlung verbuchen können. Gemäß unserer AGBs blablabla schicken wir los, sobald die vorherige Rechnung beglichen ist. Mit freundlichen Grüßen – Antikörperfirma‘

Jetzt ist es so, dass wir unsere Bestellungen ja nicht selbst bezahlen. Oder überhaupt irgendwas selbst bestellen. Nein, nein. Das geht alles über den Server des Instituts, da trägt man ein, was man braucht, dann wird es von Menschen mit verschiedensten Nummern versehen, dann wird es weiter geschickt an die Zentrale Versorgung der Uni (hier irgendwo arbeitet Linda) und dann geht von da die echte Bestellung raus. Dann wird irgendwann das Gedöns geliefert, erstmal an die Zentrale Verteilungsstelle der Uni, die verzeichnen schon mal den Eingang und geben entsprechend Rückmeldung an den Lieferanten. Dann kriegen wir es und müssen nochmal bestätigen, dass die Ware in Ordnung (also noch kalt/gefroren/MHD nicht abgelaufen…) ist. Und dann gibt unsere Bestellmeisterin die Begleichung der Rechnung in Auftrag. Die dann wieder… egal, sie haben ja jetzt ein Bild.

Jedenfalls konnte ich mich noch sehr lebhaft dran erinnern, der Bestellmeisterin Bescheid gegeben zu haben, dass die Lieferung in Ordnung war. Ich gab ihr nämlich auch den Lieferschein, der noch im Paket war, normalerweise nimmt sie den schon mal raus. Das Paket war aber fälschlicherweise im falschen Gebäude gelandet, von da holte ich es ab. Überprüfte alles und gab den Lieferschein mitsamt der Aussage „alles ok!“ an die Bestellmeisterin.

Entsprechend ratlos war ich hinsichtlich Lindas Aufforderung. Ich schrieb mit meinem Matschkopf zurück, mit CC an die Bestellmeisterin:

‚Hallo Linda, Ich weiß nicht, wieso das nicht bezahlt wurde, ich leite die Mail an unsere Bestellmeisterin weiter, vielleicht kann die helfen. MfG- R.‘

Keine zwei Minuten später erhielt ich Abtwort von Linda:

‚Die Rechnung wurde am 24.10. bezahlt.‘

Mit stellen sich jetzt ein paar Fragen.

  1. Ist es so schwer, Hallo und Tschüss in eine Mail zu tippen?
  2. Warum kriege ich überhaupt eine (dank fehlender Höflichkeitsfloskeln recht barsch klingende) Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, wo Linda doch auch weiß, wie Bestellungen bei uns funktionieren?
  3. Warum kriege ich eine Aufforderung, irgendwas zu kontrollieren, das Linda ganz offensichtlich bereits kontrolliert hat?
  4. Was für eine Antwort erwartet Linda jetzt?

Kurz überlegte ich, mit ‚Aha!‘ zu antworten, ließ es dann aber doch einfach ganz. 

Morgen also vielleicht eine Auflösung. Wahrscheinlich aber nicht. 

Tag 456 – Ein paar Häppchen. 

Michel wachte heute morgen auf und weinte sofort los: „Festen Schnodder wegmachen!“ Dann sprang er aus dem Bett, rannte zu Herrn Rabe und sagte „Ich bin krank!“. Tatsache, das Kind ist krank. Schon die Temperatur seiner Füße irgendwo zwischen glühender Kohle und flüssigem Lava (als er noch schlief) hatte Fieber angedeutet. Dazu kommt ein ordentlicher Husten. Herr Rabe lieb also heute Vormittag mit ihm zu Hause, ich ging kurz arbeiten und kam zum Mittag nach Hause um Herrn Rabe abzulösen, der dann seinerseits kurz arbeitete. 

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Als ich Pippi in den Kindergarten brachte, waren kaum „große“ Kinder da. Herr Rabe sagte heute Nachmittag, von den 8 Ü3-Kindern seien 6 krank. Tja. Da wundert einen auch nix mehr. 

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Total beknackte Idee: „Nur mal kurz Zellen zählen, danach kann ich ja noch was essen.“ Dann ging die Essenszeit fürs Zählen drauf (und für den Kampf mit dem Zählgerät, das erst meinte, meine Zellen, die im Mikroskop noch total gut ausgesehen hatten, seien alle tot) und das erste mal aß ich dann um halb eins was, als ich wieder zu Hause war. Mein Körper dankt es mir mit Kopfschmerzen. 

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Gestern kamen meine bestellten Fahrradreifen mit Spikes an und Herr Rabe zog sie mir gestern Abend noch aufs Rad. Ich kann jetzt also wieder fahren. Auch wenn das bei -9 Grad nicht so ganz viel Spaß macht. Aber die Reifen machen Spaß, damit kann man echt über die spiegelglatten Parkplätze radeln ohne sich vor Angst in die Hose zu machen. 

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Es sind -9 Grad. Unsere Wohnung ist kalt. Zwei Heizkörper sind ein Witz, selbst mit Kamin an kriegen wir es nicht in der ganzen Wohnung warm. Also holte Herr Rabe heute die Zusatzheizungen (kleine Ölheizungen auf Rollen) vom Dachboden. Der Stromanbieter dankt. 

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Ich hab beim Nähen einen Bock geschossen. Genau genommen habe ich schon beim Ausschneiden des Schnittmusters einen Bock geschossen, das aber nicht gemerkt, bis ich mich heute am bereits zusammengenähten Pulli fragte, warum der Ausschnitt am Rücken genauso groß ist wie vorne. Äh ja. Da war ich wohl wegen zu vieler zu bunter Linien und gestrichelt/gepunktet/durchgezogen für vorne/hinten/gerader Schnitt durcheinander gekommen. Tjanun, so verbrachte ich heute einige Zeit damit, über das Fixen von Fehlern zu Sinnieren. Meine Strategie auch dieses Mal: es auffällig korrigieren, damit es aussieht, als wäre es Absicht. So mache ich es immer dann, wenn es sich nicht so fixen lässt, dass man den Fehler wirklich gar nicht mehr sieht oder bemerkt. 

 Bilder gibt es, wenn der Pulli fertig ist. 

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Pippi die kleine Fressmaschine kommt jetzt immer aus dem Kindergarten und wetzt direkt zu ihrem Hochstuhl. Wenn man sie dann nicht reinsetzt, versucht sie unter demonstrativem Gemecker selbst reinzuklettern (Danke, Stokke, dass das nahezu unmöglich ist). Der Grund: auf dem Tisch steht meistens noch ein Rest vom Frühstücksgrøt. Und Pippi hat offensichtlich nach dem Kindergarten erstmal riesigen Hunger. Dann wird alles gegessen, was man ihr vorsetzt: der Frühstücksrest, der Rest aus ihrer Brotdose, Brot, Obst, whatever, Hauptsache schnell und viel. Heute war sie laut Herrn Rabe schon beim Abholen enttäuscht, dass keine Brotdose mit Resten in ihrem Rucksack war. Spielen macht wohl sehr hungrig. (Ich finde das gut, dann muss ich mir vielleicht nicht noch mal von der Helsesøster anhören, dass Pippi ja ruhig etwas zulegen könnte, weil sie ja „leicht unterdurchschnittlich groß und schwer“ ist.)