Tag 511 – Fehlplanung. 

Ich wollte eigentlich jetzt schon im Bett liegen. Aber erstens ist Pippi hellwach (wieder, nachdem ihre Nacht kurz war und sie dementsprechend heute Nachmittag total gerädert schlief sie früh ein) und zweitens habe ich über der neuen Sherlock-Folge vergessen, das Brot einzuschießen. Und jetzt muss ich noch 15 Minuten auf das Brot und vermutlich ca. 2 Stunden auf Pippis Schlaf warten. 

Reines Weizen(weiß-)brot ohne Hefe. Ziemlich viel Ofentrieb, gut, dass die Gare unbeabsichtigt verlängert wurde.


Was anderes: ich war heute arbeiten und endlich bekam ich nach einer 3. e-mail Prism 7 installiert. Dann spielte ich den Tag über damit herum und jetzt bin ich sehr verliebt. So schöne Bildchen. Und so einfach! So muss das, Sigma Plot! Da bezahle ich (also von meinem Projektgeld) doch gerne für.

Wenn man nur ein paar Stunden am Tag zu Hause ist, geht’s eigentlich mit dem Besuch haben. 

Tag 510 – Huch, wo ist der Urlaub hin?

Morgen muss ich wieder arbeiten. Und die Kinder müssen in den Kindergarten. Das ging mir jetzt doch etwas zu schnell, muss ich sagen. Ich habe eigentlich noch so viel vor. Zum Beispiel wird das sonst nie was mit der Ablage. Und hier ist es auch schon wieder so dreckig… Wischen müsste man mal. Und das Bad und die Küche putzen. Der Reparaturstapel zum nähenflickenstopfen ist auch nicht kleiner geworden. Immerhin haben wir die Kinderklamotten (und zwar alle!) durchsortiert und umgeordnet, damit uns nicht wieder Dinge durch die Lappen gehen, weil sie aus irgendeinem nicht mehr nachvollziehbaren Grund in irgendeiner ganz anderen Kiste als der vermuteten gelandet sind. Dafür hat sich dabei auch gleich der nächste Punkt auf die ToDo-Liste gemogelt: Zwei riesige Tüten zum Altkleidercontainer schleppen. Ach ja, ach ja. Aber mal ehrlich: besser, ich gehe morgen arbeiten, als dass ich hier alleine mit meiner Mutter hocke. Ist das schon fies, das zu sagen? Nun ja, sei’s drum. 

5/8


Vielleicht nehme ich mir Donnerstag dann frei zum Ablegen und Putzen. (Ja, das macht gar keinen Sinn, mir zum Putzen freizunehmen, weil mein Stundenlohn ja viel viel höher als der einer Putzhilfe ist, aber das ist ein ganz anderes Thema.)

Tag 494 – Ufffffz. Und Weihnachtsdings 4.

Ich hab’s geschafft. Ich habe für dieses Jahr fertig gearbeitet. Unheimlich befriedigend, wenn man dann drei Boxen mit Proben in den -80er räumt, zwei Boxen mit Zellen vom -80er in den Stickstofftank räumt, überschüssiges Medium wegschüttet, den Laborkittel in die Wäsche stopft, nochmal über die Arbeitsplatte wischt und dann ENDLICH DIE LABORTÜR HINTER SICH SCHLIESST. Hachja. 

Dann Weihnachtsfeier, quasi nahtloser Übergang, nur ne Tour zum Supermarkt, Bier kaufen, war noch drin. Zum Vinmonopolet, Wein kaufen, hätte ich nicht mehr geschafft, leider. Tjanun. Also Bier und dazu das ganze tolle Essen. Ich liebe ja meine Gruppe für Ihre Internationalität, da gibt es dann auf der Weihnachtsfeier ordentlich scharfes indisches Curry, pakistanisches Chicken Biryani, Stollen, Lasagne und Rakfisk (marinierter, roher Laks) alles durcheinander. Mjammi. Leider trank ich mein Bier etwas zu schnell und war um sechs ziemlich betrunken, da gab es erstmal ne Weile Wasser und Unterhaltungen im Stehen, den Aquavit lehnte ich auch ab, obwohl er mir mehrfach von allen möglichen Seiten angepriesen wurde. Nach Bier Nummer drei wurde etwas albern zu alberner Musik getanzt, ich dachte kurz drüber nach, ob es auch kulturelle Aneignung ist, wenn die indische Kollegin begeistert den Time Warp tanzt (dabei war sie erstaunlich textsicher. Es stellte sich heraus: wie bei so vielen Filmen gibt es auch die Rocky Horror Picture Show als Bollywood-Kopie) und dann wurde die Musik sehr weird (die 6 (!) italienischen PhD-Studenten hatten die Musikanlage gekapert) und ich schloss mich dem nächsten Heimgeh-Trupp an. 

Jetzt Bett und morgen hoffentlich keine Kopfschmerzen. 

Tag 491 – Dublin oder Lissabon? 

Wenn Sie ich wären, würden Sie dann eher auf eine Konferenz in Dublin fahren, die Mitte Juli ist, also innerhalb der KiTa-Ferien, oder auf eine in Lissabon, Die Anfang Juli ist, also außerhalb der KiTa-Ferien?

Zusatzinformationen: 

  • das mit den KiTa-Ferien erwähne ich deshalb, weil sich Herr Rabe für die Dublin-Konferenz dann in jedem Fall Urlaub nehmen müsste. 
  • Frau Brüllen kommt nach Norwegen und wir treffen uns vermutlich in Bergen und ich bin schon ganz doll aufgeregt. 
  • Am 1. August ist mein funding alle. Da muss ich abgegeben haben, wir müssen eventuell dann irgendwie umziehen und überhaupt wird dann alles der blanke Horror hoffentlich nicht ganz so schlimm wie ich es mir momentan nachts ausmale. 
  • Nein, keine von beiden ist keine Option, leider. 
  • Nach Dublin fliegt es sich sehr viel kürzer als nach Lissabon. 
  • Thema ist quasi identisch. 

UPDATE:

Vergessen Sie alles, was da oben steht. Ich hab die perfekte Konferenz gefunden. Sie ist in *trommelwirbel* Kalifornien. Nicht so ganz Europa. Im März. Vermutlich würde ich meinen Geburtstag dann im Flieger verbringen. Aber egal: da kommen schon alleine 5, 6 Menschen hin, deren Artikel ich mit großer Bewunderung gelesen hab. Wahrscheinlich puller ich mir dann vor meinem Poster (oh Gott, muss ich ein Poster machen???) in die Hose, ABER EGAL!

Gleich mal dem Chef schreiben.  

Tag 486 – Von Zellen, vom Schwimmkurs und von Mandeln. 

Das Wichtigste vorweg: der Versuch ist bisher ganz gut gelaufen. Mit zwei Personen und zwei Zelllinien geht das viiiiieeeeeel entspannter als alleine mit drei Zelllinien. Es war fast schon zu einfach, es entstand nämlich eine etwa zweistündige Pause ohne was zu tun. Da dachte ich, ach komm, nächste mal eben die Abbildung, die der Chef haben will, fertig. Bisher sieht die so aus: 

Das hab ich in Excel gemacht, weil ich sowas in Excel in drei Minuten mit nem achtel Gehirn zusammenklicke. Übung und so. Was Excel aber nicht kann: für jeden Datenpunkt individuelle Fehlerbalken anzeigen. Also sollte ich Sigma Plot nehmen. Kein Problem, dachte ich, Sigma Plot habe ich damals auch für ein paar Abbildungen in meiner Masterarbeit benutzt, weil Excel nämlich auch nicht mehrere Y-Achsen pro Diagramm darstellen kann. Für Chromatogramme braucht man aber manchmal mehr. So… fünf oder so. Ist ja auch egal, ich machte mich also and Werk, installierte das Programm von unserer Uni-Programmbibliothek und… scheiterte kläglich. Nach den zwei Stunden war ich bereit, meinen ganzen Schreibtisch anzuzünden, als ich nämlich endlich geschafft hatte, ein halbwegs ansehnliches und vor allem nicht total falsche Daten enthaltendes Diagramm zu erzeugen stürzte das Programm ab, ich musste es kalt abwürgen, und danach hatte es alles vergessen, was ich mühselig erarbeitet hatte. Drecksprogramm. Alternativvorschläge werden gerne angenommen. 

Ich durfte heute mit Michel zum Schwimmkurs. Mein Großer. Er macht das echt super, am Anfang musste ich ihn zwar noch ein bisschen an die Hand nehmen, aber dann machte er anstandslos und mit großem Spaß alle Plantsch-Übungen mit. Nach Geplantsche im Wellenbecken (in einem extra abgesperrten, für Vierjährige Stehbaren Bereich und ohne Wellen) mit Sich-Gegenseitig-mit-Wasser-begießen und „Alle rennen so schnell sie können ans andere Ende und dann nochmal mit den Händen wie einen Pfeil vor uns geformt“ hopsten sie vom Rand ins tiefere Rutschenbecken. Da können die Zwerge nicht stehen, es geht darum Ihnen die Angst eben davor zu nehmen. Also hopste immer ein Kind in die Arme einer der Schwimmtrainerinnen, vorwärts, rückwärts, hoch, mit Quietschen und ohne. So niedlich. Und hab ich erwähnt, das Michel das unheimlich toll findet und ganz toll mitgemacht hat?

Ich saß übrigens die 45 Minuten einfach rum und strickte. Das war schön. Ab und an sah ich auf und lächelte Michel zu, zweimal hab ich sogar gewinkt. Die ruhigsten 45 Minuten der Woche: in einem Spaßbad. (Eine andere Mutter helikopterte brav ihrem Kind zum Rutschenbecken hinterher. Und zurück. In der Zwischenzeit hatten sich aber andere Leute an ihren Platz in der Eltern-Area gesetzt. Und kein Platz mehr frei. Fast gab es einen Eklat, ich packte schon vorsorglich die Stricknadeln fester um mich gegen eventuelle Angriffe verteidigen zu können, aber dann war der Kurs zu Ende und die Mama und ihr Kind zogen scharf ausatmend gen Dusche ab.)

Morgen ist im Kindergarten Weihnachtsfeier und jeder soll was zu Essen mitbringen. Mein Internet sagte im Vorfeld an verschiedensten, mir vertrauenswürdig erscheinenden Stellen, Gebrannte Mandeln selber machen sei total einfach. Ich mag sehr gerne gebrannte Mandeln und dachte deshalb schon am letzten Wochenende, dass ich das mal ausprobieren könnte. Der erste Versuch ging wegen Zaghaftigkeit in die Hose und ich fand auch einfach mal ca. tausend ziemlich ähnliche Rezepte, hier also das tausendunderste, mit Bildern, und sozusagen die Quintessenz aus allem was ich dazu las. 

Als erstes nimmt man Wasser und Zucker und Zimt, tut es in eine Pfanne und stellt den Herd auf Kernschmelze. Die Mengenverhältnisse sind so etwa 1:2-1:1 Zucker zu Mandeln, ca. 1:2 Wasser zu Zucker und Zimt nach Geschmack. Wir mögen Zimt: ich nahm für 500 g Mandeln einen Teelöffel. Und 400 g Zucker und 200 mL Wasser. Man kann wohl auch Vanille(-schote/-zucker) mit rein machen. Ich brauch das aber nicht. 

Naja, also das steht dann auf dem Herd, man kann das mal durchrühren, damit sich der Zimt etwas besser verteilt. Wenn es kocht, kommen die Mandeln mit rein. Man kann da aus dem Mandeln wohl auch ne Wissenschaft machen. Hier gibt es nur eine Sorte, die nahm ich. Das kocht dann eben so rum, ziemlich lange dauert das, bis das Wasser verkocht ist. Man kann das ab und an umrühren. 

Phase 1: noch Wasser da.


Wenn das Wasser dann endlich weg ist, wird das ganz schön trocken. Ab jetzt muss man rühren (und fotografieren wird schwierig). Beim 1. Versuch hab ich da abgebrochen, weil ich eins der tausend Rezepte so interpretiert hatte. Man kann, wenn einem sowas passiert, einfach alles nochmal in die Pfanne kippen, nen Schluck Wasser dazu und quasi von vorne anfangen. Hab ich ausprobiert. 

Phase 2: kein Wasser mehr da.


So, und jetzt rührt man so lange, bis man eine ansprechende Menge karamellisierten Zucker außen an den Mandeln kleben hat. 

Phase 3: der Zucker karamellisiert (n bisschen noch…)


Wenn man sich dann nicht mehr traut, weiter drauf rumzubraten, kippt man alles auf ein Backpapier. Abkühlen* lassen, fertig. 


* warm schmecken sie natürlich am Besten. Aber mit ein bisschen zu warm kann man sich echt fies die Zunge verbrennen. Machen Sie das nicht. 

Tag 485 – Weihnachtsdings 1

Ich bin nicht eingeschlafen. Trotz todesmutigen zwei Gläsern Wein. 

Ich hab immer noch Weihnachtliche Anwandlungen und alle lieb. 

Morgen früh um acht hab ich ein Date mit Mr. I trust you im Zelllabor. 

Ob ich mich jemals an die Diskrepanz zwischen betrunkenem Norweger und nüchternem Norweger gewöhne?

An meine besorgten Freund*Innen: wie süß ihr seid! Und Entwarnung. Die Fibroblasten müssen noch ein bisschen mehr wachsen. Also nur 72 Platten morgen. 

Tag 484 – Langsam irre. 

Wahnsinnig anstrengender Arbeitstag. Erfolgreich auch, aber leider auch erst der Auftakt zum schlimmen morgen und dem Eigentlich-möchte-ich-lieber-Parkplatzwächter-bei-4-Grad-und-Nieselregen-sein-Donnerstag. 

Passend dazu wahnsinnig anstrengender Nachmittag mit Pippi, während dem ich versuchte, Eintopf zu kochen, der dann am Ende nicht mal schmeckte. 

Dann mit Pippi im Bett (sie wollte nicht in die Trage, sondern stiefelte zielsicher aufs Bett zu) eingeschlafen und als Pippi wegen Zähnen (?) schreiend aufwachte wieder aufgewacht. Sie ließ sich absolut nicht beruhigen, also sagen wir uns vier Mausclips an und dann konnte sie wieder einschlafen. Arme Maus. Blöde Zähne. 

Es gibt echt schönere Tage. 

Morgen gibts kein Einschlafen, morgen gibt’s Essen gehen mit der Arbeitsgruppe. Um acht. (Ja, so hab ich auch geguckt. Da sind Norweger eigentlich schon im Bett.) Hoffentlich kippe ich nicht nach einem halben Glas Wein mit dem Gesicht in den Teller. Mehr als ein Glas geht ja auch nicht wegen des verrückten Donnerstags. (144 Zellkulturplatten. 144! Wer hat sich das denn ausgedacht? Oh. Ich war das.)

Tag 482 – Wochenende.

Hier mal wieder viele Bilder von unserem Wochenende. Kommen Sie, sehen Sie! Wilde Kinder in ihrer natürlichen Umgebung!

Frühstück. Pippi hat sich durch Gemecker auf meinen Schoß gemogelt und prökelt jetzt den Frischkäse von meinem Brötchen.

So sieht sie danach aus, die alte Rübennase. Außerdem hat sie Brötchen in den Haaren. Also gehen wir alle ausgiebige Körperpflege machen.

Frisch geduscht und gebadet machen wir einen Ausflug. Herr Rabe muss noch was von seiner Arbeit abholen und er zeigt uns das leere Großraumbüro. Michel ist beeindruckt von den hoch- und runterfahrbaren Schreibtischen und dem Wasserhahn, aus dem Sprudelwasser kommt. Ich bin beeindruckt davon, dass Menschen es schaffen, in so einem Großraumbüro irgendwas zustande zu kriegen. Für mich wär das nix.

Pippi schläft und hat sich dafür in alter Tradition das Licht ausgemacht. Michels Hund schläft auch.

In der Stadt wurde die Weihnachtsbeleuchtung angebracht.

Herr Rabe: „Guck mal, Michel, hast du schon die Sterne gesehen?“
Michel: „Hä?“

Herr Rabe: „Ja, da, die leuchtenden Sterne! Die Weihnachtsbeleuchtung!“

Michel: „Papa, das sind ja keine Sterne. Das sind Schneeflocken!“

Herr Rabe ist schwer begeistert von so viel Klugscheißertum. Siehe Bild. 

Zu Hause: kochen, essen, Quatschnasen bespaßen, Quatschnasen ins Bett bringen, Aufräumen, Schnecken füttern, Pilze ansprühen, Wäsche abhängen, Wäsche aufhängen, einen Haufen Teige ansetzen. So viele, dass ich sie beschriften muss. (Nicht im Bild: Vorteig für Pizzateig.)

Sonntag. Michel pellt sich sein Ei selbst und ist dabei dem Anlass entsprechend hoch konzentriert. Herr Rabe hat Pancakes gemacht und ja, wir haben einen Adventskranz.

Das war heute in meinem Adventskalender. Ich hoffe, ich schaffe es, mir bis Freitag die Fingernägel zu lackieren. Da haben wir nämlich Weihnachtsfeier und das Blau würde total gut zu meinem Kleid passen, dazu noch das Glitzerzeug vom 1., das wird fein!


Sonntag ist Maus-Zeit.


Das Wetter ist total mies und wir stubenhockern in Schlafanzügen herum. Ich bin mit meinen Teigen beschäftigt, versuche zwischendurch ein bisschen zu putzen und fahre zu allem Überfluss zwischendurch zur Arbeit. Hier der Ausblick aus dem Zelllabor. Es ist halb drei. Heute wurde es nicht richtig hell.


Wieder zu Hause, hilft mir Pippi tatkräftig beim Backen, indem sie sich die Topfhandschuhe anzieht und davonflitzt.

Eins der Resultate: ein Kassler. Sieht so hübsch aus, war aber dank totaler Übergare (Danke, blöde Zellkulturen, die ihr viel mehr gewachsen wart, als ich angenommen hatte) leider recht flach geblieben. Egal. Schmeckt trotzdem.


Beim Abendessen. Erst macht Pippi bei jedem Bissen „Hmmmmmmm, njomnjomnjomnjom!“, dann checkt Michel kurzerhand Pippis Zahnstatus und will danach Baby-Zahnarzt werden. Diese Kinder, ey. So niedlich. Hachz.


(Und außerdem hab ich gebrannte Mandeln gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.)

Tag 480 – Als hätte ich nicht genug zu tun. 

Mein Chef kam heute an und drückte mir noch ein Experiment aufs Auge. Natürlich nicht ohne dabei mit dem first authorship in einem guten Journal vor meiner Nase rumzuwedeln. Eventuell muss ich meinen Urlaub verschieben. 

So wie heute meinen Feierabend, weil vor lauter Gedöns kam ich leider nicht dazu, meinen Vortrag fürs Institutsmeeting am Montag früh vorzubereiten. Jetzt bin ich soeben damit fertig geworden, morgen noch mal drüberpolieren und, haha, mir was ausdenken, was ich zu den ganzen Bildchen sagen will. 


Taktik ‚Kopf in den Sand‘ funktioniert nicht, alternative Taktik ‚einfach machen, nicht denken‘ wird jetzt ausprobiert. 

Tag 479 – Kopf in den Sand…

Ich hab das Meeting vom Dienstag jetzt fertig verdaut. Denke ich. 

Das was so: ich habe ja quasi zwei Projekte. Das, auf dem ich angestellt bin, mein eigentliches Projekt, lief bis zu meiner Elternzeit einfach mal gar nicht. Da geht es um Proteinstrukturen, genau genommen um die Struktur eines ganz bestimmten Teils eines ganz bestimmten Proteins. Und dieser Teil ließ sich ums Verrecken nicht herstellen. An dem Tag, als ich mittels eines sauteuren Kits Unmengen Protein erzeugte, die allesamt unlöslich und damit unbrauchbar waren, saß ich heulend auf dem Klo, im siebten Monat schwanger, und beschloss, nach der Elternzeit um Alternativen zu bitten. 

So kam es auch, und so kam ich zu Projekt Nummer 2, ein geerbtes Projekt mit mehr oder weniger veröffentlichungsreifen Ergebnissen, hat NIX mit dem anderen Projekt zu tun, es geht nämlich um RNA. Dieses Projekt ist enorm zeitaufwändig, weil viel Zellkultur, viel Isolationszeug, total unbekanntes Terrain für unser Labor (ich wurschtel mich da also so durch, muss aber für jeden Pups erstmal lesen und mir Wissen aneignen, dass ich dann mit meiner (ja doch inzwischen großen) Laborerfahrung zusammenmixe und mir Versuche draus koche: das ist alles ganz aufregend) und das plödeste: ich bin da ganz alleine. Aber immerhin kommen da Sachen bei raus, die wiederum Leute interessieren und ich dachte seit ein paar Monaten eigentlich, das sei jetzt mein Hauptprojekt. 

Dann hatten wir dieses Meeting am Dienstag, zum ersten Projekt. Es sind extra Leute aus Dänemark gekommen, eine Professorin und einer ihrer Postdocs, die mein (auch dänischer) Co-Supervisor eingeladen hatte. Die Professorin arbeitet seit 20 Jahren mit ‚intrinsically unstructured proteins‘ (der unproduzierbare Teil von unserem Protein ist auch ‚intrinsically unstructured‘, also strukturlos, was Strukturbiologie daran nicht weniger absurd macht…) und gehört zu der Sorte Mensch, die anhand der Aminosäuresequenz Sachen sagen wie „I see a KRKR-motif there and when you have a phosphorylation some amino acids before, maybe that Serin14, that would probably be helix-inducing“. Die hatte ein paar echt sehr vielversprechende Ideen zu dem strukturlosen-vielleicht-doch-nicht-immer-und-nicht-überall strukturlosen Teil. Ideen, die sich schnell umsetzen lassen. Außerdem hat die E., die als Postdoc an dem Projekt arbeitet, in meiner Elternzeit einen Weg gefunden, den strukturlosen Teil zu produzieren, sodass es stabil ist und endlich, ENDLICH im NMR untersucht werden kann. Und da hat sie auch schon ein paar Ergebnisse zusammen. 

Und ich weiß jetzt auch nicht. Plötzlich scheinen beide Projekte machbar, aber ich kann nicht alleine (das eine komplett alleine, das andere zumindest teilweise) zwei Projekte stemmen. Und wir haben am Strukturbiologie-Projekt einfach mal zwei komplette Jahre durch unsere erfolglosen Herstellungsversuche verschenkt. Dass das jetzt innerhalb von 9 Monaten soweit gedeiht, dass drei Veröffentlichungen dabei rumkommen, kann ich mir nach all dem Mist* nicht vorstellen. Dafür bin ich in das andere Projekt so reingerutscht, mir fehlt da komplett der Hintergrund, vor der Defense hätte ich jetzt schon Angst, weil, aaaaahhhhh, RNA. Und analytische Chemie**. Aaaaaahhhhhh. 

Noch elf Arbeitstage bis Urlaub. 

*Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich und das Protein, das ich seit zwei Jahren ‚bitch‘ nenne, doch noch Freunde werden.

**Hab ich mal erwähnt, dass ich im 1. Semester durch Chemie gefallen bin? Nein? Ich bin im 1. Semester durch Chemie gefallen. Es war schlimm. Obwohl mit mir 80% der Studenten durchgefallen sind. Trotzdem schlimm. Ich hab dann die Osterferien mit organischer Chemie verbracht, bin zu allen Übungen gegangen, hab mich von der 1,50 m großen Professorin im Hörsaal an der Tafel wegen meiner fehlerhaften Sessel-Boot-Formen und Fisher-Projektionen bloßstellen lassen und dann hab ich im zweiten Anlauf knapp bestanden. Seitdem hab ich mich von Chemie ferngehalten, wo immer es ging. Wenn ein Bio- davor ist, geht’s. Sonst geht leider gleich die Jalousie*** runter. 

***Vielleicht sollte ich mal ne Trauma-Therapie machen. Ha.