Tag 452 – Endlich Wochenende. 

Ich weiß auch nicht so richtig, warum, aber diese Woche war furchtbar anstrengend. Hier ist eine Mischung aus PhD-Letztjahr-Panik, Backenzahntralala und allgemeinem Autonomiephasenhorror ausgebrochen. Ich möchte am liebsten eine Woche lang schlafen, dabei hab ich gar nicht mal wenig geschlafen in letzter Zeit. Das Wachsein ist grade nur sehr anstrengend. Da bin ich dann Freitag Abend auch einfach froh um ein Glas Rotwein, ein bisschen Schoki und die letzte Folge der ersten Staffel von Sherlock (nochmal geguckt, weil wirs können!). Selbst mit Pippi halb auf dem Schoß, weil Schlafen ohne uns im Moment mal wieder gar nicht geht. 

Und jetzt: Bett. Morgen kein Wecker. Uff. 

Tag 444 – Schnaps! (Das mache ich jetzt alle 111 Tage!)

Erstmal die vorläufigen Versuchsergebnisse. Ich brüte nochmal über Nacht um den Effekt zu maximieren, und dann versuche ich ein besseres Foto zu machen. 


Bildunterschriften gehen nicht. Hmm. Also: das weiße da ist ein schöner, pelziger Bakterienblob. Exakt in der Größe von Michels Daumen. 


Nach dem Waschen: wie Sie sehen, sehen Sie nichts. (Das was Sie vielleicht zu sehen meinen, sind Luftblasen.)


Hallo Pupsbakterien. 

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Ansonsten nicht viel Neues. Ich war heute das erste Mal nach vier Wochen (wegen weiß nicht mehr, Portugal, Deutschland, Pippi krank) wieder beim Ballett und habe mich ordentlich doof angestellt irgendwie. Worüber ich mich besonders ärgerte: die Show-Choreografie ist auf ein Swing-Stück, das klingt ganz toll und sieht auch aus, als würde es Spaß machen, aber die sind schon bestimmt 3 Minuten weit gekommen, keine Chance, dass ich das mal eben ohne nochmal durchgehen lerne. Also ging ich 20 Minuten vor Schluss leicht angefressen nach Hause. Und habe seitdem einen Ohrwurm von meinem Lieblings-Quick-Step. Obwohl ich den sicher 10 Jahre nicht gehört hab. Vielleicht sollte ich nächstes Semester mal Solocharleston ausprobieren.

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Cytotoxicity assays sind doof. Vor allem, wenn sie einfach mal so gar nicht funktionieren. 

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Manche wissenschaftlichen Artikel sind auch voll doof. Manche Leute können nämlich einfach nicht schreiben. Wenn ich auf der ersten Seite dreimal fast Einnicke, stimmt was nicht. Oder ich bin sehr müde. 

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Ich bin so müde. Pippi kriegt Backenzahn Nummer drei und wenn ich mir den geschwollenen Gnubbel da so ansehe, tut es mir für sie mit weh. Resultat ist halt leider, dass hier viele Menschen wenig Schlaf bekommen. Und wie ich das so erzähle, sagt meine Kollegin, deren Kind eine Woche älter ist, als Pippi, dass ihr Sohn jetzt die letzten Zähne bekommt und voll schräg drauf ist. Und ich kann nicht anders, als sie zu beneiden: danach ist es bei ihr wenigstens vorbei. Wir hingegen haben noch 13 vor uns. Meh. 

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Morgen ist Disputationsfeier. Also zuerst muss natürlich Disputiert werden. Deshalb denke ich wohl auch schon den ganzen Tag, dass heute Freitag sei: Disputationen dauern hier ja fast den ganzen Tag, deshalb hab ich mir für morgen nichts „richtiges“ zum Arbeiten vorgenommen. Und weil der Typ, der da disputiert unverschämt gut aussieht derjenige ist, von dem ich das RNA-Projekt übernommen habe, ist meine Teilnahme schon auch ratsam für mich selbst. Und abends eben Feier. Feier. Mit meiner Arbeitsgruppe. Oha. 

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Jetzt aber swingend ab ins Bett. 

Tag 412 – Titeldummie. 

In meinem Kopf heute nur konfuses. 

Nächste Woche fahre ich schon nach Portugal. Das ist ziemlich verrückt. 

Der Chef besprach mit jemand anderem die Ergebnisse von meinem Experiment. Niemand sprach mit mir. Der Chef sagte „Ich muss nachdenken.“ und schloss die Tür zu seinem Büro hinter sich. Das macht er sonst nie. 

Die GEZ-Scheiße ist immer noch nicht vorbei. Es lässt einen schier verzweifeln, obwohl das alles über nen Anwalt läuft. Trotzdem: zum dritten Mal die Ummeldebestätigung aus September ’13 scannen, weil die jetzt behaupten, ich sei „laut Ihrer Unterlagen“ ja mindestens bis April ’15 beitragspflichtig, ist überaus nervtötend. (Ich auch übrigens völlig alleine. Herr Rabe wurde noch gar nicht mit 7000 €- Nachforderungen beglückt. WARUUUUUM???)

Nach einer Odysee der Nachbarschaftskommunikation über Nachrichten-Gruppen habe ich endlich Feuerholz bestellt. Es wird nächste Woche geliefert. Der Holzmann (nicht der vom letzten Jahr!) will wissen, ob er noch mehr liefern soll. Meine Motivation, das gerade so geschlossene Fass wieder aufzumachen und zu fragen, ob wer noch mehr Holz haben will, geht gegen null. 

Ich wollte für Herrn Rabe was ganz tolles zu Weihnachten nach Deutschland bestellen, also so dass wir das jetzt im Oktober mitnehmen können, und das gibt es (noch?) nicht. 

Michel hat übernächste Woche schon Geburtstag. Aaaahhhh!!! (Noch kein Geschenk besorgt, er soll nen Schwimmkurs kriegen, aber man kann sich noch nicht anmelden, Partyplanung hab ich so halb wegdelegiert an M., deren Sohn und bester Kumpel von Michel die Woche drauf 5 wird, wir wollen eventuell zusammen feiern, die Gäste wären wohl eh zu 90% redundant und Norweger haben absolut kein Problem mit Vorfeiern.)

Michel sorgt sich immer noch über Kampfflugzeuge und ob wir im Falle einer Flucht wohl Spielzeug und alle (!) unsere Bücher mitnehmen könnten. 

Pippi mag nicht einschlafen im Moment, ich glaube sie weiß selbst nicht so ganz, was sie will, mal will sie raus aus der Trage, dann will sie wieder auf den Arm, dann Trage, aber bitte mit Mama in den Hals kneifen, dann schlägt sie mich plötzlich oder dreht meinen Kopf weg, dann schlingt sie wieder ihre Ärmchen um meinen Hals und zieht mich ganz nah ran: das ist alles sehr wirr. Das geht dann so zwanzig Minuten, dann schläft sie doch ein und dann erstmal wie ein Stein. 

Ich habe gestern mein Fahrrad repariert. Das Hinterrad hatte sich nach vorne geruckelt, ich nehme an eine ungute Kombi aus Anhänger und Kopfsteinpflaster ist schuld. Gestern war ich dann doch etwas panisch und ließ das Rad zu Hause, fuhr mit dem Bus zur Arbeit und ging zu Fuß zurück. Reparierte unter Einsatz aller meiner Muttisport-gestählten Muskeln das Rad und fuhr heute mit gutem Gewissen und festem Reifen wieder Fahrrad. 

Ich machte Pizza und wollte zwischendurch alles hinschmeißen. Kack Teig, einen Tacken zu klebrig, dann hings am Schieber fest, Käse auf meinem schönen Backstein. Hrmpf. Aber lecker. Sogar Michel aß ein Stück eines Stücks weißer Pizza mit Lachs, gegrillter Zucchini und frischem Rosmarin. Ich konnte meinen Augen kaum glauben. 

So müde, dass mir die Augen zufallen. Gute Nacht!

Tag 408 – Menschen, Tiere, Symposionen. 

Also erstmal das Positive vorweg: ich war pünktlich. Tadaaaa! Ich hatte zwar keine Zeit, meine Fahrradbatterie, Helm, Jacke, Rucksack und Regenhose ins Büro zu bringen, und weil da dann natürlich das Schreibzeug noch lag, musste ich die ersten Sessions auf dem Handy mittippen, aber: ich war pünktlich. Und ich bekam viele Komplimente für mein Kleid. (Norwegerinnen, die am Tag drei Hosen für die Kinder stricken, behaupten, sie könnten nicht nähen. Und das würde bei ihnen ja ein halbes Jahr dauern, so ein Kleid. Haha. Hahaha. Hahahahaha…)

Das wars dann aber auch schon. Gut, manche Vorträge waren sehr interessant (Leona D. Samson war da, <3), aber erstmal ging alles wegen Taxi-Issues total verspätet los, dann erzählten manche sehr langatmig recht belangloses Zeug, manche hatten echt schlecht vorbereitete Folien, manche echt schlechten (also zu monotonen oder zu leisen oder zu hektischen) Vortragsstil. Das ganze in einem Raum, der zu klein für die Anzahl Anwesender war (warum nochmal mussten wir uns vorher registrieren?), in dem die Vorhänge zugezogen waren, damit das bisschen Tageslicht bloß draußen blieb (bedeckter Himmel und überhaupt ja auch Herbst, keine blendende Sonne in irgend einer Form), dann aber die fiesen Neonlampen an, man will ja was sehen. Seufz. 

Was mich aber echt am meisten störte, und da sind wir wieder bei einer der Sachen, die mich am Uni-Betrieb so stören, ist die Einstellung einiger Redner*Innen (Geschlechterverhältnis 6:6, dafür Daumen hoch) zu Menschen und Tieren. Ich schreibe das jetzt hier in dieses Internet, wenn Sie mich mal dabei erwischen, dürfen Sie mich gerne daran erinnern: ich lehne das Zeigen von Bildern Kranker oder Behinderter (Kinder, insbesondere) ohne daraus folgenden Erkenntnisgewinn ab. Was bringt es denn, fünf, sechs, sieben Bilder von Xeroderma Pigmentosum-Betroffenen (Yeeeaaahhh, Hautkrebstumore all over!!!) zu zeigen, wenn ich hinterher doch nur auf der molekularen Grundlage davon herumreite. Oder Erbkrankheit Tralala: „Lebenserwartung 5-7 Jahre, schwerste Fehlbildungen unter anderem im Gesicht.“ Reicht da nicht die Beschreibung? Müssen da wirklich mehrere (!) Bilder von betroffenen Kleinkindern und Babys mit auf die Folie? Solche Bilder sind sinnvoll für Diagnostiker oder Kinderärzte, Menschen, die wirklich Leute treffen, die sowas haben. Denen sollte vielleicht beim Anblick eines Erbgutgeschädigten Säuglings nicht das Mittagessen wieder hoch kommen. Aber wir Labormenschen treffen ungefähr nie auf Patienten. NIE. Als Motivation, an Protein X oder Mutation Y oder Modifikation Z zu arbeiten, sollte eine Beschreibung des Krankheitsbildes reichen, wir sind zwar Naturwissenschaftler, aber so viel Phantasie kann man uns ruhig zutrauen. Sensationsgeile Schockbilder, dann auch noch in der Mehrzahl, braucht kein Mensch. Lenkt nur ab: es ist eben wie ein Unfall, man kann nicht weggucken. Und gegenüber den dargestellten Menschen ist es zutiefst respektlos. Oder wollen Sie, dass, sagen wir mal, ihre Nichte, für immer „Das Kind, das Google-Treffer Nummer 1 für diese krasse Erbkrankheit ist!“ ist? Die Menschen werden auf die Krankheit eingedampft. Auf das Bild der Krankheit. Fallbeispiele. Mehr nicht. 

Was ich auch ablehne: total verklausulierte Sprache in Bezug auf Tierversuche. Man hätte heute teilweise meinen können, wir wären auf nem Werbevortrag irgendeines Pharmariesen vor lauter Tierschützern gewesen. Mein Kopf übersetzt das immer automatisch in Normalsprech. Das klingt in meinem Kopf dann so:

  • „Wir terminierten die Tiere an Tag 115 post treatment.“ –> Wir töteten die Tiere. 
  • „Wir induzierten Hypoxia-Ischemia, indem wir die Blutzufuhr im Gehirn im Bereich blablabla unterbrachen.“ –> Wir schnitten den Mäusen die Köpfe auf und quetschten ein Blutgefäß im Gehirn ab. 
  • „Nach einer Stunde Erholung isolierten wir das Material und untersuchten die Tiefenpenetration der nekrotischen Areale.“ –> Nach einer Stunde, die die Gehirnabgequetschten Mäuse noch so vor sich hinvegetierten, töteten wir sie, nahmen das Gehirn raus und schnitten es in Scheibchen, um zu sehen, was alles kaputt gegangen ist.“

So könnte ich weitermachen. Ich finde ja, was wahr ist darf wahr bleiben. Töten ist töten. 10 Tage alte Mäuse sind noch Babies, da tötet man Babymäuse („Termination an P10“). Vielleicht hilft es ja auch dem ein oder anderen dabei, den nächsten Versuch etwas besser zu planen, sodass vielleicht weniger Tiere gebraucht werden, wenn die Sprache da klar und ehrlich ist. 

Und dann war da noch die Sache mit dem  „disappointing Phenotype“, was heißt, dass die Mäuse nachdem man ihnen Gen A oder B oder A und B kaputt gemacht hat, eigentlich ganz normal sind, keine Tumore entwickeln, keine abnorme Körpergröße haben, sich normal bewegen, Nachkommen zeugen und so. „Oh, dem Tier hier geht’s scheinbar gut. Schade.“ Das kann man vielleicht denken, denn klar wäre es einfacher, würde die Maus einfach was ganz eindeutiges wie „wird quasi schon mit Krebs geboren“ (oder wenigstens „embryonic lethality“) zeigen, aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Aber es ist eben nicht alles immer einfach. Und sagen, dass man enttäuscht ist, weil es einem Lebewesen gut geht? Find ich einfach kacke. Man kann das ja auch anders formulieren. Mein Vorschlag: „Die Mäuse zeigten zu unserer Überraschung keinen auffälligen Phänotyp. Also mussten wir zurück ins Labor…“. Da hat man gleich der Maus ein Minibisschen Respekt entgegengebracht. Nein, wir können nicht auf Tierversuche verzichten*, aber wir können Tierversuche mit Respekt machen. 

*die pharmakologische Forschung kann nicht, bei der Grundlagenforschung wäre der Umfang vielleicht manchmal diskutabel. Aber sowas muss ja auch durch Ethikräte, zumindest hier.

Tag 393 – Kann weg. 

Eigentlich heute auch viel Gutes passiert, zum Beispiel kommt ganz vielleicht unter Umständen eventuell mein Name auf ein Paper in Nature. Aber dann war auch so viel Mist, das fing schon beim fertig machen für den Kindergarten und der totalen Eskalation eines Streites um Socken (Michel wollte die von gestern, mit denen er auch ins Bett gegangen war, anlassen, ich sagte nein) an und ging über einen total misglückten aber echt wichtigen Teilversuch weiter (und jetzt muss ich wieder erst Gedöns bestellen und dann drei Schritte zurück und die wiederholen und grrrrrrr…) und dann hörte ich noch was, das mich gar nicht betrifft und trotzdem total wütend macht: dass sich manche Kindergärten wohl wegen irgend welcher fadenscheiniger Versicherungssachen weigern, die Kinder mit Sonnencreme einzuschmieren. Mein Gehirn hat da einen Kurzschluss bei der ‚ALTER, SONST GEHTS ABER NOCH???!!!?!‘-Stufe, ich kann gar nicht recht erklären, warum, vielleicht ist heute einfach so ein Tag, an dem mein innerer Dreijähriger die Oberhand hat und der nun mal wegen Socken Sonnencreme jetzt Theater machen will.

Deshalb trinke ich jetzt gleich einfach einen Kakao und schreibe vielleicht morgen über die Ballettstunde.

Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.

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Tag 361 – Bekloppt. 

Ich dachte so: Hmm, Sonntag arbeiten und den Versuch machen, das ist voll gut, da komme ich keinem in die Queere und hab auch umgekehrt meine Ruhe. Und so an die 120 Platten, das ist doch machbar. 

Dann schwitzte, rannte und pipettierte ich heute von 07:45 bis 16:15 Uhr, mit einer 15 Minütigen Mittagspause als ich wegen Unterzuckerung schon kurz vorm aus den Latschen kippen war. Aaaaaalter, war das anstrengend. Ich kroch quasi auf dem Zahnfleisch nach Hause…

… und um 21:45 Uhr wieder ins Labor, wegen der 12-Stunden-Probe. Ich muss komplett verrückt geworden sein, als ich den Versuch plante. An solchen Tagen muss ich mir dann das nicht mehr ganz so ferne Fernziehl DOKTORTITEL sehr deutlich vor Augen halten, damit ich nicht einfach alles hinschmeiße. Ehrlich. Zumal die Zellpellets leider am Schluss alle unsichtbar waren und ich einfach mal hoffen muss, dass die noch da sind und der ganze Scheiß nicht obendrein für die Tonne war. 

Aber wissen Sie, was alles wieder gut macht? Um kurz vor elf nachts nach Hause kommen, wo Pippi, die kleine Eule, immer noch rumturnt und von ihr mit einem freudigen „Mama!“, einem breiten Grinsen und Quietschen und patschendem Angekrabbeltkommen begrüßt werden. 

Tag 360 – Alles Anzünden auf 3…2…1…

Ich sitze in einem Biot nach Munkholmen und will da schon gar nicht mehr hin. Warum? 

Wir waren verabredet um 14:00 Uhr zur Abfahrt am Pier. Das wurde zu Fuß knapp wegen Brot. Also gingen die anderen vor und ich nahm das Rad. So weit so gut. 

Dann fiel uns kurz vor Abmarsch der Vorgänger ein, dass man auf dem Boot nur bar zahlen kann. Herr Rabe hatte nicht mehr genug Bargeld für uns alle und bat mich, noch Geld zu holen. Ok. Wird knapp, müsste aber gehen. So dachte ich. 

Womit ich nicht gerechnet hatte: übervolle Innenstadt voller Fußgänger, quasi kein Vorankommen mit dem Rad. Und: Ampelphasen, während derer kein Auto kommt, aber ich Hornochse stehe mir natürlich an der komplett freien Kreuzung die Beine in den Bauch. 13:58, noch hundert Meter. Lese Bachricht von Herrn Rabe: ‚Hab grad Geld geholt‘. Toll, das hätte ich mir also (inklusive Umweg durch die Stadt) sparen können. 

13:59. Ich bin da, bei rot gegangen, winke Herrn Rabe (auf dem Boot), klappe den Fahrradständer runter. Das Boot fährt los. 

Wtf? Kann der nicht mal ne Minute warten??? Mooooment, die Minute hätte der sicher gewartet, wenn ihm wer Bescheid gesagt und drum gebeten hätte. Das heißt…

Ich koche innerlich. Vielleicht kotze ich auch ein bisschen, innerlich. 

Dann fahre ich nach zwei fiesen Nachrichten an Herrn Rabe zur Arbeit. Das Boot fährt nur zur vollen Stunde, da ne Stunde abhängen? Nein danke. Mal nach den Zellen gucken. 

Ich bin grade bei der Arbeit angekommen, da ruft Herr Rabe an. Das Boot fährt heute jede halbe Stunde. Tja, das ist jetzt wohl auch egal. Mikroskop an. 

Die Zellen wachsen wie verrückt. Die Flaschen sind voll. Verdammt. Vier Wochen wachsen sie gar nicht und dann fangen Sie heute an? WARUM??? Gnarfz. Die kann ich entweder heute noch einfrieren oder morgen wegschmeißen. Einfrieren dauert ne Stunde. Fuck. Fuckfuckfuck. 

Ich schalte Wasserbad und Zentrifuge an und mache Schildchen an alles: bitte anlassen. Hole schon mal Medium aus dem Kühlschrank. Hole Einfrierröhrchen und -Boxen und schreibe meinen Namen auf alles. Fahre wieder zum Pier, zum Boot. Um 14:56 bin ich da und habe mein Fahrrad abgeschlossen. 

Am Bootshäuschen ein Schild: wir nehmen Karten und Bargeld. Also Geld holen hätte ich mir doppelt sparen können. Dafür ist es 30 Kronen teurer geworden. 90 Kronen! Für zwei mal fünf Minuten Fahrt. Ey…

Und auf Herrn Rabe bin ich auch noch sauer. 

Tag 354 – Wuaaahhhhh!

Pippi kommt morgen in den Kindergarten. Morgen. Mor-gen. 

(Um da nicht zu viel drüber nachzudenken, war ich heute mal locker flockig drei Stunden arbeiten. 12, jetzt 24 Flaschen Zellkultur machen ganz schön Arbeit. Vor allem wenn nichts, aber auch wirklich gar nichts, was man zum Arbeiten braucht, im Zelllabor vorhanden ist. Keine Pipetten, Pipettierhilfen mit leeren Akkus, Serum alle, Trypsin alle, keine Kulturflaschen… Obendrein noch zwei Inkubatoren wegen Wartung morgen gesperrt, sodass ich sämtliche 24 Flaschen in Sechserstapeln durch das gesamte normale Labor ins andere Zelllabor zu den anderen Inkubatoren schleppen musste. Und weil ich heute so fleißig war, hab ich morgen – aus gegebenem Anlass – frei. Trotzdem: würde Herr Rabe sowas machen, ich würde ausrasten. Manchmal frage ich mich, wie es diese Familie mit mir aushält.)

Tag 351 – Nörgel

Kacklaune weil Erkältung und PMS (hoffentlich), höllischen Schmerzen im rechten Handgelenk bei fast allem und überhaupt. Arbeit doof, die Zellen wollen einfach nicht so wie ich, die RNA auch nicht (Polyklonale Antikörper sind des Teufels, ich sage es Ihnen!) und das was ich für meine Kollegen gemacht hab, hab ich wegen unzureichender Information falsch gemacht und muss es jetzt morgen im richtigen Puffer nochmal machen. Immerhin geht der Beta-Zähler jetzt wieder. Und kaum zu glauben aber wahr: die Proben, die ich im Juni LETZTEN JAHRES noch kurz vor meinem Mutterschutz mit einem riesigen Aufwand erstellt habe, sind jetzt ENDLICH analysiert worden. Also, gemessen, nicht analysiert, der Analysator muss das machen, das kann ich nicht selbst (zu viel Informatik). Mal sehen, wann ich die Daten dann kriege. Nächstes Jahr oder so. 

Was gut war: Meine Proben wurden gemessen, ich habe jetzt haufenweise RNA, mit der ich Quatsch machen kann und außerdem habe ich sehr niedliche Kinder. Ja.