Tag 2220 – Frust, halber.

Also, so ne Schilddrüsenoperation kann ich niemandem wirklich empfehlen, die*er gerne singt, selbst wenn’s nur unter der Dusche ist. Heute versuchte ich im Auto ein bisschen Radiopop mitzuträllern, und… naja. Selbst ganz leise komme ich bei manchen Tönen – und wir reden nicht von Mariah Carey! – einfach nicht mehr an. Es kommt einfach gar kein Ton mehr, oder, wenn ich es wirklich mit Gewalt versuche, der höchste, den ich produzieren kann und der klingt ziemlich schrecklich. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich vorher unfassbar gut gesungen, aber halt schon ok, für den Hausgebrauch. So würd ich nicht mal Happy Birthday singen wollen, weil ich vermutlich das dritte „birth-“ nicht erreichen würde. Ich finde das offen gestanden ziemlich scheiße.

Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Ich muss ja noch zur Nachkontrolle der OP, also zur Endokrinologin im Krankenhaus. Wie das in Norwegen so ist, bekam ich gestern den Termin per digitaler Post – und er ist, wenn ich auf einer Inspektion bin. Das passt nun wirklich nicht so besonders gut, selbst für einen Videotermin. Inspektion ist nicht Kaffee bei Oma, wo ich mal grad „bin gleich wieder da“ sagen könnte. Man kann aber, das ist neu, direkt online um einen neuen Termin bitten. Was ich tat, woraufhin keine fünf Minuten später mein Handy klingelte. Was folgte kann ich auch mit einem Tag Abstand nicht anders beschreiben: die Sprechstundenhilfe setzte mich massiv unter Druck, den Termin zu behalten, ich könne doch sicher mal kurz während meiner Jobreise telefonieren, ich sei schließlich operiert worden und MÜSSE diesen Termin haben, aber wenn ich den jetzt nicht nähme, müsse ich bis nach Weihnachten auf einen neuen Termin warten. Ich bekam immerhin heraus, dass ich mich überrumpelt fühle, und nun ist der Termin erst mal so stehen geblieben und ich habe mir ein wenig Zeit erkauft aber bitte was sind denn das für Kommunikationsmethoden?

Ich habe jetzt mehrere Optionen und weiß nicht, was ich machen soll:

  • Ich behalte den Termin und habe immerhin zeitnah einen Termin. Unglücklich: ich bin da auf einer Inspektion, muss mit Kollege und Kollegin und der kompletten Firma dort absprechen, das irgendwie möglich zu machen. Besonders unglücklich: das ist der Tag, an dem wir normalerweise die Produktion inspizieren, das ist zeitlich nicht gut planbar. Es ist immerhin quasi zur Mittagessenszeit, also wenigstens nicht komplett unmöglich („Kann mich jemand ausschleusen und in 10 Minuten wieder einschleusen, ich müsste mal telefonieren!“ hahahaha nein.) Allergrößter Minuspunkt: ich bin ein bisschen bockig und will, dass das Krankenhaus lernt, dass sie nicht alles mit mir machen können.
  • Ich bitte meine Hausärztin um eine Überweisung in ein anderes Krankenhaus. Da bekomme ich dann innerhalb von, laut Webseite, 12 Wochen einen Termin. Unglücklich daran: das ist auch schon fast Weihnachten und meine Hausärztin müsste die Einstellung bis zum Spezialist*Innen-Termin allein managen und mich gegebenenfalls auch an HNO überweisen. Daran besonders unglücklich: allein nen Termin zur Blutabnahme muss man bei der Hausärztin am besten 3 Wochen im Voraus abmachen, von einem Termin um dann eine Überweisung zu bekommen ganz zu schweigen. Realistisch gesehen reden wir also auch hier von Mitte bis Ende Dezember, bis ich eine*n Spezialist*In zu Gesicht bekomme. Trostpflaster: ich glaube meine Hausärztin ist wirklich gut und lässt mit sich reden, was „meinen persönlichen Wohlfühlwert“ angeht, außerdem kann sie ja jederzeit im Krankenhaus anrufen und die Spezialist*Innen um Rat fragen, im Gegensatz zu mir Normalsterblicher.
  • Ich gehe damit in die Privatklinik. Vorteil: da kriege ich, wenn ich will, morgen einen Termin. Nachteil: der kostet mich dann 250€ und das jedes Mal, wenn ich hingehe (und da ist weder Massage noch Champagner mit inbegriffen, Frechheit). Ob die zum Beispiel wieder an die HNO des Krankenhauses (des ANDEREN Krankenhauses, denn in DIESES Krankenhaus möchte ich inzwischen nur noch im totalen Notfall einen Fuß setzen) überweisen können, weiß ich auch nicht. HNO in der Privatklinik dann halt wieder 250€. Und so weiter.

Tja, so sieht das aus, alles nicht so richtig einfach, ehrlich gesagt.

Warum der Frust dann nur halb ist? 1. ist Michel heute fast direkt nach der Entspannungs-CD, die die Babysittermama mir geliehen hat, eingeschlafen und 2. habe ich heute Nachmittag, nach ein paar Fingerbrechern mit zu vielen Vorzeichen (die Etüden sind in steigender Schwierigkeit im Buch und ich beackere grad die letzte und vorletzte in kombiniert 1. und 3. Lage) sowohl am Ende das Vivace in, naja, größtenteils lebendigem Tempo und größtenteils echt okayer Intonation gespielt und danach die zwei Kinderkonzerte so sauber durchgeorgelt, dass ich selbst erstaunt war. Aber G-Dur/D-Dur/e-Moll/h-Moll sind nach c-Moll, H-Dur und As-Dur ein bisschen wie Urlaub für Finger und Ohren. Besonders schön finde ich, dass meine Geige jeden Tag besser (voller, irgendwie „klingender“) klingt. Ist wohl doch was dran, dass Streichinstrumente „schlafen gehen“, wenn man sie lange nicht spielt und man sie danach erst wieder „öffnen“ muss.

Nur Vibrato kann ich nach wie vor nur mit 2,5 Fingern in akzeptabler Ausführung.

Tag 2219 – Hrmpfgrml.

Ich bin ein wenig grummelig-schlechtlaunig. Ohne echten Anlass, also sind’s wahrscheinlich bloß Hormone.

Was heute sehr gut war: Michel hat ja gestern und heute an einem Korps-Projekt teilgenommen, wo sie Stomp gemacht haben. Heute war ein kleines Konzert für die Eltern, das war richtig cool (und sehr laut), sie haben unter anderem mit leuchtenden Plastik-Drumsticks auf Plastikfässer eingedroschen. Sehr gut war auch, dass ich da ne Mundbinde auf hatte (norwegisches Mundbindentragen ist wieder beim Status vom Juni 2020 angekommen, als würden die Dinger auch wieder 5€ pro Stück kosten…), weil so schwer unterdrückbares Schmunzeln einfacher zu verstecken ist. Aber es war halt auch wirklich wie so eine Klischee-Schulaufführung, wenn alles sich (rhythmisch nahezu einheitlich) mit einem letzten Crescendo zum finalen „BUMM!“ steigert und dann hört man noch ein einzelnes, aber beherztes „bumm.“ hinterher. Das wichtigste ist ja, dass es Michel Spaß gemacht hat und das hat es wohl. Die Korps-Leute sind halt auch eine nette und leicht weirde Truppe, er kennt ja zumindest die Erwachsenen da auch schon aus der Schule, und auch viele Kinder hatte ich zumindest schon mal gesehen (das heißt natürlich für Michel nichts, der sagte auch beim Schwimmkurs zu mir „Ich glaube, das da ist ein Junge aus meiner Klasse.“).

Projekt „Überstunden abfeiern“ läuft leider nicht so super. Trotz Stomp-Aufführung, Pass beantragen und ein Paket Ökofleisch abholen mitten am Tag. Das Problem ist, dass die Arbeit gar nicht automatisch weniger wird, wenn man versucht, nur 5,5-6 Stunden am Tag zu arbeiten. Die reicht normalerweise ja eher so für mindestens 9 Arbeitsstunden am Tag (ja, das haben Sie richtig gelesen, ich hab auch mal ausgerechnet, dass die Inspektoren bei uns im Schnitt 120 % arbeiten, aber bei uns arbeitet leider kein Wayne, den das interessieren könnte… Wahrscheinlich hat Wayne wegen dem Gehalt nicht angemessener Arbeitsbelastung gekündigt) und so ist es eigentlich auch jetzt, es bleibt also was liegen. Manche Sachen kann ich relativ gefahrlos erst mal liegen lassen, andere nicht, so einfach ist das. So abgestumpft, dass ich Fristen verstreichen lassen kann oder völlig unvorbereitet in Meetings gehe, zu denen man im Vorfeld einen Haufen Zeug hätte lesen müssen, bin ich auch noch nicht. Solange meine Chefin im Urlaub ist und ich das deshalb nicht mit ihr besprechen kann, nennt sich mein Workaround Schatten-Buchführung. Letztlich ist ja ein Teil des Problems, dass ich nicht so viel Ferien genommen habe, wie ursprünglich beabsichtigt, weil ich stattdessen ja krank geschrieben war. Da kann man nicht einfach sagen „Tja, dann feier die Stunden halt woanders ab, aber bitte bis Ende August und deine Arbeitsaufgaben werden kein Mü reduziert“, so läuft das nicht, nicht mal im öffentlichen Dienst. Grade im öffentlichen Dienst und mit fachorganisierten Angestellten nicht (hier Sonnebrillensmiley denken).

Wir werden sehen, was das alles noch gibt. Erst mal habe ich ja nächste Woche auch noch mal frei, die Überstunden eben. ich freu mich, es ist zwar Mittwoch einiges los, an den anderen Tagen sind die Kinder allerdings mindestens halbtags aus dem Haus, Hurra!

Und morgen werde ich ein bisschen mit Pivotdiagrammen herumprotzen, hähähä. Weil ich’s nämlich kann.

Tag 2218 – Hätte, hätte, Fahrradkette.

Also, ich hätte da ein paar Themen, zum Beispiel hab ich Sonntag sehr viel in der Küche gestanden und Marmelade und Kuchen und so Sachen gemacht und wenn man das nicht dokumentiert, ist es bekanntlich nicht passiert.

Außerdem kam gestern der Klimareport und seither sind über 1000 Leute den norwegischen Grünen beigetreten (ich ja schon am Samstag). Ich habe seither eigentlich nur noch Gewaltphantasien, wenn irgendwelche Würstchen rumheulen, „der Report“ gäbe uns ja nur 10 Jahre zur Schadensbegrenzung. Da möchte ich die schütteln und schreien, dass das Klima das tut, das Klima verhandelt nicht, genauso wie das scheiß Virus, das Klima sagt nicht „na gut, weil ihrs seid, n bisschen Öl könnt ihr schon noch fördern, das kriegen wir schon irgendwie hin“. Und wenn dann noch wer mit „Aber China!“ kommt, ist es völlig vorbei mit dem Pazifismus. Aber wenn ich mich da jetzt reinsteigere, ist auch niemandem geholfen *und* ich kann nicht schlafen.

[ Einschub: die Linn von der lokalen Grünen-Gruppe rief heute an und fragte, wo ich mich denn wohl engagieren will, wenn ich mich engagieren will, und ich war überrumpelt und hab deshalb nicht feministische Themen gesagt, sondern gar nichts. Ich werde aber zu den Treffen fortan eingeladen werden, vielleicht bekomme ich da ja bei Gelegenheit den Mund auf.]

Aber all das muss ich wann anders ausführen. Heute morgen, nach neun Stunden Schlaf, sah ich nahezu menschlich aus und nur ein ganz bisschen verquollen, da kann ich ja mal versuchen, das beizubehalten. (Leider fühlte ich mich wie immer um die Uhrzeit, nämlich „will nicht aufstehen“.)

Tag 2215 – Zusammenhangloses Gefasel.

Wir ernten wieder, also ich ernte, also ich pflücke eine Dreiviertel Stunde lang Himbeeren, was schön ist, denn das ist Alleinezeit. Die Meerschweinchen und die Schnecken finden auch gut, dass wir ernten, denn da fallen alle möglichen Blätter bei ab (Salat und diverse Beete für die Schweinchen, Kohl für die Schnecken) und da oben wächst noch tonnenweise köstliches Unkraut und Gräser, was hier neulich von der Kommune abgeholzt wurde, da hab ich den Schweinchen einen großen Arm voll von mitgebracht. Erwarte, dass mir die Schweinchen demnächst ein Denkmal aus Kötteln errichten.

Michel leidet selbst unter seiner Wut und kriegt sie doch nicht in den Griff, ach, ach. Ich hab da auch wenig Tipps, Wut gehört ja auch nicht zu den Gefühlen, die ich gut steuern kann. Armer Zwerg. (ICH BIN KEIN ZWERG! Würde er jetzt sagen. Und dann würd ich „Doch, du bist mein Zwerg.“ sagen.)

Michel scheint generell grad ne Phase zu haben, in der er gern insgesamt anders wäre – weniger wütend, weniger ängstlich, cooler, nachts durchschlafend, you name it*. Heute wollte er wissen, wie lange er wohl noch so viel Angst haben müsse. „Das weiß ich leider nicht“ führte zu sofortigem Aufbrausen, „vielleicht so 1-2 Jahre, würd ich tippen? fand er auch nicht so erquicklich. Wir hoffen einfach alle gemeinsam auf ein baldiges Ende der Phase, ich besonders auf das Ende der „ich will nicht SO [hier beliebige Eigenschaft einfügen] sein!“-Phase. Armer Zwerg.

Aus schierer Verzweiflung über den Stuss, den die Senterpartiet** hier im Wahlkampf so von sich gibt, bin ich heute den norwegischen Grünen beigetreten. Rettet die Wale, oehhhoehhh, jaja, aber rettet vor allem das Klima, jedenfalls das, was noch zu retten ist. In Norwegen traue ich das keiner anderen Partei zu, außerdem brauchen die hier echt noch Unterstützung, es sieht nicht so aus, als kämen die bei der Stortingswahl über die 4%(?)-Hürde. Klimaschutz, auch wenn der Weg tut***, ist ein bisschen unpopulär, in so ner Ölnation. Ich kann da nicht einfach weiter zugucken und mich auf meiner mangelnden Wahlberechtigung ausruhen.

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*vielleicht hab ich das mit dem Durchschlafen auch zu oft gesagt. Ich fühle mich jetzt wie die schlimmste Mutter der Welt. Ich wäre gern anders, nämlich eine bessere Mutter.

**„Bauernpartei“, hier in Eidsvoll bei den ganzen Bauern stärkste Kraft, huff. Man könnte sie auch „Öl, Fleisch und Traktordieselpartei“ nennen.

***das Klima nicht schützen und die Katastrophe einfach eskalieren lassen, wird mehr weh tun und auch mehr Geld kosten https://www.oecd.org/fr/environnement/climate-change-consequences-of-inaction.htm

Tag 2214 – Erledigt, erledigt, erledigt…

Die To-Do-Liste wurde diese Woche gut abgearbeitet und immerhin 4 Überstunden abgefeiert. Trotz Sommerarbeitszeit! Ich bin stolz auf mich.

Leider ergaben sich aus 2 der Punkte („XYZ Dokument lesen“) weitere To-Dos („XYZ zu Checkliste hinzufügen“), nächste Woche wird mir also auch nicht langweilig.

Pippis Pass ist jetzt beantragt. Sie war sehr niedlich, selbst als sie zu Herrn Rabes Chef (wir waren auf dem Weg kurz in Büro, weil Herr Rabe was abholen musste) als allererstes sagte „DU BIST GANZ KAHL!“. Sie kennt nicht soooo viele glatzköpfige Männer, ähäm. Der Chef nahm das mit Humor, hat ja selbst Kinder, wenn auch wesentlich ältere. Leider war sie, solange wir nicht mit Fremden in Räumen waren, eher zum „versehentlich“ irgendwo vergessen, Michel auch und huff, was freue ich mich auf nächste Woche, wenn die BEIDE GANZTÄGIG aus dem Haus sind. Die Erwachsenen hier im Haus brauchen Urlaub von den Ferien. Das können Sie jetzt verurteilen, oder sie laufen erst mal ein bisschen in unseren Schuhen, gerne auch auf Probe, Herr Rabe und ich ziehen so lange ins Hotel, während Sie alles viel besser machen.

Ich habe endlich rausbekommen, wie sich Michel in seine Mobilbank einloggen kann, das scheiterte bisher an einem nicht zugesandten PIN und der Tatsache, dass Michel nicht von Nummern kontaktiert werden kann, die nicht in seinem Handy gespeichert sind (also die wir in sein Handy gespeichert haben), also auch nicht von der Bank, die versucht hatte, ihm einen Code zuzuschicken. Jetzt ist aber alles eingerichtet, Michel hat den Einmalcode in einen persönlichen PIN-Code geändert und zumindest kann er jetzt auch dem Handy seinen Kontostand nachschauen (viel mehr geht mit seinem Konto eh nicht, eigentlich geht nur Kartenzahlung in physischen Geschäften und Geld abheben).

Montag rufe ich diverse Zahnärzte an und mache Termine und vielleicht rufe ich auch das Impfzentrum an, auch wenn das keine Lust hat, Zweitdosentermine zu ändern und lieber nach einer diffusen Prio-Liste die Leute kurzfristig anruft, wenn sie mal Dosen übrig haben. Leider schreiben so ziemlich alle Medien, dass so ziemlich alle sagen, dass das Intervall verkürzt wird und das FHI sagt, alle sollen so schnell wie möglich Dose 2 bekommen. Die Angst vor Delta ist endlich in Norwegen angekommen. Ich bin sehr gespannt ob beispielsweise übernächste Woche mein Handy klingelt und ich spontan zu Dose 2 antanzen soll. Und wenn man dann nicht in 5 Minuten da sein kann, heißt es dann „wollte nicht“?

Wir werden sehen.

Tag 2213 – Bloß schnell schlafen.

Hurra, ich darf ganz offiziell wieder baden! Ich habe mich also in sehr warmem Wasser gründlich eingeweicht, die Haare mit Silbershampoo einwirken lassen und leider keine Tuchmaske gemacht, weil die ne halbe Stunde hätte drauf liegen müssen und ich befürchtete, dann dabei einzuschlafen. Nach der Badewanne war das Tape am Hals gut aufgeweicht und ging ganz leicht ab, darunter saß einiges an tote-Hautschüppchen-Schmodder, den ich erst mal wegrubbelte, bevor neues Tape draufkam. Nur noch 50 mal üben und dann ist das Tape der Woche bestimmt auch nicht mehr schief oder zu breit oder zu hoch oder zu tief.

Morgen machen wir einen Familienausflug nach Oslo, um Pippis neuen Pass zu beantragen. Aus Gründen fahren wir alle, yeah, das wird super, um 08:30 Uhr im Zug zu sitzen mit Allemann. Pippi wird einen richtigen Reisepass kriegen, weil, wie ich heute las, nach dem 1.1.21 ausgestellte Kinderreisepässe nur noch ein Jahr lang gültig sind, danach kann man die jetzt um jeweils ein Jahr verlängern, wenn man ein neues Foto mitbringt. Was ja sinnvoll ist, weil so sieht Pippi wirklich gar nicht mehr aus:

Oh! Kein Hals.

Jedenfalls ist mir das zu doof, jedes Jahr mit Mann und Maus zur Botschaft zu gondeln, deshalb gibt es jetzt einen normalen Reisepass für sie, mit 5 Jahren Gültigkeit. Einziger Nachteil: höhere Passgebühr und wir können den neuen Pass nicht gleich mitnehmen, weil den, im Gegensatz zum Kinderreisepass, die Botschaft nicht selbst drucken kann. Wir müssen also morgen auch noch irgendwo einen Haufen Briefmarken auftreiben, weil ich ebenfalls keine Lust habe, fürs Ausweis abholen in drei bis vier Wochen wieder nach Oslo zu fahren. Noch ist ja reines Homeoffice – und wenn kein Homeoffice mehr ist, sind unsere Büros nicht mal eben nebenan und so gloriose Öffnungszeiten hat die Botschaft leider nicht, dass man mal schnell vor oder nach der Arbeit da vorbei geht.

Deshalb mache ich jetzt das Licht aus. Die erste Arbeitswoche nach den „großen Ferien“ war ganz schön anstrengend.

Tag 2212 – Kinder, Kinder.

Pippi hat heute einen Test zur Vorbereitung auf die Schule gemacht, das war lustig, fand sie. Danach wurde sie beim Hort wegen nicht vorhergesagtem Wolkenbruch klitschnass und fand auch das total lustig. (Puh! Wenigstens ein Kind mag den Sport-Hort. Und ein Hoch auf Wechselklamotten.)

Michel kann nicht schlafen, aber vielleicht bald schwimmen. Weiß grad nicht, ob andersrum nicht vielleicht besser wäre.

Wegen Kinder und COVID-19 Langzeitfolgen: ich hab es selbst nur überflogen, weil ich es eben erst entdeckt habe, aber das hier ist vielleicht etwas beruhigend für alle besonders mit noch kleineren Kindern: Kings College Lancet.

Tag 2211 – Buh!

Wir haben heute ein neues Passfoto von Pippi machen lassen und sie sieht darauf aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Aber hilft ja alles nix, Freitag ist der Termin bei der Botschaft für ihren neuen Kinderreisepass. Ich bin gespannt, ob sie den dann auch unterschreiben muss, wie Michel (der hatte da immerhin die erste Klasse schon hinter sich, aber Pippi bekam ihren ersten Pass ja mit drei Wochen, der läuft jetzt also ab). Es ist auch an der Zeit, das halslose, blauäugige Minibaby gegen das ziemlich große Kind einzutauschen, das Pippi geworden ist. Genau wie Michel geht die Tendenz immer mehr zu Spargel und mit dem Schulranzen auf sieht sie von hinten aus wie ein Rucksack mit blondem Schopf und Stöckchenbeinen. Heute hab ich sie vom Hort abgeholt und sie wollte am liebsten gar nicht nach Hause, sondern weiter mit ihren neuen Freundinnen spielen. So muss das.

(Trotzdem hab ich gestern eine etwas pissige Nachricht an die Schule geschrieben, denn die einzige (!) Info, die wir überhaupt bisher über den Schulanfang hatten, nämlich in welche Klasse Pippi kommen soll und welche Lehrerin sie bekommt, stellte sich nun nach den Ferien als falsch heraus. Das ist geändert worden, ohne die Eltern zu informieren, man muss in das Schulportal gehen, um das zu sehen. Als Mutter, eines Kindes, das keine Überraschungen mag (nicht das betreffende Kind, aber trotzdem!) und die auch selbst keine Überraschungen mag, finde ich sowas nicht erbaulich. Und wer nicht Bescheid sagt, der ändert auch nichts, ne? Meckerlise for life.)

Ein zusammenhangloser Hinweis: angebrochene, sterile Medikamente (z.B. Injektionspräparate) bitte sofort anwenden und eventuelle Reste entsorgen. Nicht aufbewahren und erst recht nicht umfüllen, es sei denn, Sie tun das in einem Klasse A Isolator und füllen es in ein steriles Gefäß, dann können wir darüber reden. Sterilität ist nicht mehr garantiert, wenn ein Medikament angebrochen ist, es sei denn, die Verpackung ist dafür gemacht und validiert (zum Beispiel Mehrdosisbehälter mit Septum, wie sie beispielsweise für Impfstoffe verwendet werden). Das steht dann drauf, manchmal auch wie oft durchstechen das Septum aushält und gegebenenfalls mit welcher Nadelstärke. Unsterile Medikamente injizieren ist nicht cool.

Tag 2209 – Niemals Symptome googeln.

Wie‘s mir so geht, wollen immer wieder Leute wissen (verständlich und lieb!).

Im Grunde gut. Ich habe, wie der Chirurg gesagt hatte, vor ein paar Tagen die Kalziumtabletten versuchsweise abgesetzt und habe keine Symptome von (erheblichem, akutem) Kalziummangel, da bleibt also nicht viel mehr als in wieder ca. 2 Wochen, wenn eh die Schilddrüsenhormone überprüft werden müssen, auch die Kalziumlevel zu checken, aber ich gehe mal davon aus, dass sich die Nebenschilddrüsen an ihre neue, etwas kahlere, Umgebung jetzt gewöhnt haben. Von den Narkosenachwirkungen, die die ersten Tage ziemlich fies waren, merke ich auch nichts mehr. Ich habe keine Schmerzen mehr, auch nicht beim Schlucken, auch nicht, wenn ich auf der Seite liegend schlucke (aus irgendeinem Grund war das etwas länger schmerzhaft). Die Narbe heilt, juckt nicht mehr, ist nicht mehr berührungsempfindlich, ich habe aber normales Gefühl dort. Das Gefühl, einen riesigen Kloß im Hals zu haben, ist schon deutlich weniger geworden, ist jetzt höchstens noch ein Grießklößchen und auch nur, wenn ich in gekrümmter Halshaltung sitze oder liege (Handynacken). Das einzige, was mich noch umtreibt, ist, dass meine Stimme nicht normal ist und ich nicht gewohnt viel und lange reden kann, dann wird sie müde und monoton. Mir fehlen nach oben noch ein paar Register und höhere Töne, auch beim Sprechen, sind nicht „spontan da“, sondern ich muss mich da rantasten. Ich merke, dass ich beim Sprechen dabei sehr viel presse, was vermutlich die Ermüdungserscheinungen erklärt. Beim Singen mache ich eine Art ungewolltes Glissando nach oben, um die Töne am momentanen oberen Rand meines Stimmumfanges überhaupt zu treffen.

Das habe ich gegoogelt und naja, also entweder ist der Kehlkopfnerv bei der OP verletzt worden, dagegen spricht aber, dass ich nicht heiser bin und auch nicht war. Auch eine Nervenverletzung wäre in den meisten Fällen transient und man gibt dem so ca. drei Monate, sagt das Internet. Oder es liegt einfach daran, dass da ordentlich ummöbliert wurde in meinem Hals, die Muskeln bei der OP weggezogen wurden, damit man an die Schilddrüse kommt und die Stimme unter anderem mit Muskeln zu tun hat, die die Schilddrüse bewegen und da ist ja nun nix mehr, also muss sich der Stimmapparat erst mal umgewöhnen. Auch dem gibt man laut Internet erst mal etwas Zeit.

So oder so werde ich das sämtlichen Ärzt*Innen, denen ich im Zusammenhang mit dieser OP noch begegnen werde, auf die Nase binden, vor allem, weil ich halt ganz und gar nicht weiß, wann ich mir Gedanken machen sollte. Das hätte man mir gut mal vorher sagen können, dass, auch unabhängig von der Intaktheit der Stimmbandnerven selbst, die Stimme anders sein kann.

Aber ein Gutes hatte das Googeln (außer der Beruhigung, dass es vermutlich weggehen wird, da es ja schon besser wird, nur halt langsam): ich weiß jetzt, dass Toiletten im Hals eine Möglichkeit gewesen wären und die habe ich schon mal nicht.

Und ansonsten, wie geht’s sonst so? Auch gut. Insgesamt gut, doch. Ich bin tatsächlich arbeitsreif nach den langen Ferien, und auch (vor allem?) Kinder-aus-dem-Haus-reif. Corona stinkt weiterhin*, klar. Vieles stinkt, Klimawandel usw., keine Frage. Aber wenn ich mal so ein bisschen Nabelschau betreibe, geht es mir grad** wirklich gut. Ich bin zufrieden mit mir*** und meinen Beziehungen****und meiner persönlichen Gesamtsituation so allgemein.

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* haben Sie mitbekommen, dass Norwegen in Bloombergs Pandemie-Rating auf dem 1. Platz gelandet ist? Jajaja, wir sind so supi hier. Da muss ich aber mal gesondert drüber schreiben, wenn ich in einer Rant-igeren Stimmung bin.

** gesehen auf die letzten ca. 2 Jahre (?)

*** je älter ich werde, desto besser kann ich mit meinen Eigenheiten leben

**** also denen zu Herrn Rabe und den Kindern, sowie meinen Freundschaften, ein paar sind es ja doch. Ein paar problematische Beziehungen hab ich natürlich auch, wer hat die nicht, aber die belasten mich zur Zeit nicht. Dito die kleineren und größeren Reibereien mit den MitbewohnerInnen.