Tag 2232 – Gute Nacht.

Den Termin für meine 2. Impfdosis hatte ich ja nicht in den Kalender eingetragen, weil ich davon ausging, dass der noch geändert wird. Den Sommer über gab es dann immer mal wieder Nachrichten über mehr oder weniger Impfstoff, aber da hatte ich ja eh andere Sorgen. Dann kam die Regierung (Wahlkampf!) mit YEAH ALLES SUPI ÖFFNUNG FRÜHER WIR IMPFEN ALLE ZWEI WOCHEN FRÜHER! um die Ecke, um Freude und Sonnenschein unter dem Volk zu verteilen, und ich machte mich bereit, dass der Impftermin verschoben würde. Die Kommune sagte da aber noch: näääää, keine Lust, voll viel Arbeit diese Terminverschieberei (ehrlich wahr, sie drückten es nur gewählter aus). Dann kam Polen und gab uns eine Million extra Dosen, und dann kam die SMS, ich könne, wenn ich wolle, den Impftermin ändern. Und deshalb war ich jetzt doch zwei Wochen früher dran. Hurra.

Mit Herzchen! (Weil ich Beta-Blocker nehme.)

Wie erwartet, geht es mir seit ein paar Stunden zunehmend nicht so super, ich fühle mich, als würd ich was ausbrüten, mit Gliederschmerzen an den seltsamsten Stellen und großer Müdigkeit. Auf Anraten der Dame, die die Spritze setzte, nahm ich eben zwei Paracetamol und liege jetzt im Bett und werde hoffentlich die heiße Phase der Immunantwort einfach verpennen. Und wenn nicht, ist es immer noch besser, als richtiges Covid zu kriegen.

Tag 2229 – Uuuuufffff.

Also für jemanden, die sehr introvertiert ist und die auch ganz schlecht damit umgehen kann, wenn Leute dumm sind sich Argumenten verschließen, mag es ungewöhnlich erscheinen, sich politisch zu engagieren und sich sogar an einen Stand zu stellen und da Flyer zu verteilen und mit Wildfremden über schmelzendes Eis, Öl und CO2-Ausstoß zu reden.

War’s auch. Danach bin ich auch trotz Kaffee erst mal auf dem Sofa eingeschlafen, weil alle Akkus tiefenentladen waren. Aber von nix kommt ja bekanntlich nix und jede Person, die weggeht und denkt, schau an, das sind ja gar nicht einfach seltsame Ökos mit weltfremden Ideen, sondern schlaue, informierte und normale* Leute, vielleicht ist ja doch was an dem dran, was die sagen, ist ein Gewinn.

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* normal erscheinende, die halt hinterher auf dem Sofa einschlafen aber die immerhin nicht mal den „schlimmste Partei der ganzen Welt, alles Idioten und Lügner“ pöbelnden Typen erwürgt haben

P.S. Michel möchte sich in die Schülervertretung wählen lassen, hat aber erst gefragt, ob das ok für uns wäre. Natürlich! Revolution von innen! Teilhaben, teilnehmen, Raum nehmen, mitentscheiden! Das hab ich alles nicht gesagt, sondern nur „Natürlich kannst du das machen. Ich finde das gut. Ich war auch in der Schülervertretung, als ich zur Schule ging.“. Wir sind uns halt echt sehr ähnlich.

Tag 2228 – Ferienende.

Diese Woche hatte ich noch mal frei, deshalb auch so viel Zeit für alles mögliche, aber so richtig Lust auf Arbeiten habe ich nun auch nicht, muss ich sagen.

Morgen werde ich erst mal früh aufstehen und dann gegen Wale kämpfen um das Gefühl zu haben, dass ich nicht untätig dabei zusehe, wie das Klima immer weiter und mit durchgedrücktem Gaspedal an die Wand gefahren wird.

Ansonsten war hier heute nicht viel los. Morgens hab ich Michel seine Sportsachen in die Schule hinterhergefahren und danach eine sinnlose Blutprobe gemacht (sinnlos weil ich morgens im Halbschlaf das Levaxin genommen hatte), aber jetzt weiß ich immerhin, dass mein Kalziumspiegel wieder völlig normal ist. Abends habe ich erst gegen Michel (und viele andere) im MarioCart verloren und dabei viel Spaß gehabt und dann Herrn Rabe knapp geschlagen und auch viel Spaß gehabt. Hurra!

Tag 2227 – Herbst.

Das hier war ein Plan für den Sommer, den ich dann gestern endlich durchgeführt habe:

Keine Sorge, da kommt keine Sonne hin, höchstens früh morgens und da ist der Rolladen unten.

Das Bild (links) hängt auch wieder und harmoniert überraschend gut mit der Wandfarbe. Ein Farbklecks im Moor.

Apropos Farbklecks: ich war heute im Wald, nicht besonders weit und ganz und gar nicht fernab jeder Zivilisation, ich glaube maximal war ich etwa einen Kilometer von einem Wohngebiet entfernt. Und es ist tatsächlich Herbst, und zwar die Sorte Herbst, die ich liebe.

Ungelogen 1 Meter in den Wald rein, direkt am Weg, zwar abgeerntet, aber vielversprechend [Spot the Pfifferling, kostenloser Schnellkurs mit Frau Rabe].

Wirklich nicht übertrieben 5 Meter weiter:

[Spot the Pfifferling, Anfänger-Level.]

Insgesamt war ich zwei gemütliche Stunden unterwegs, ganz allein und meistens nur Wald hörend. Das war wie ein kleiner Wellnessurlaub.

Suchbild mit Kröti (Froschi?)

Kurz bevor ich wieder beim Auto ankam, dachte ich „jetzt hab ich so viele Pilze gefunden, aber keine Stoppelpilze, schade“ und stolperte quasi über jede Menge Stoppelpilze, direkt am Spielplatz beim Parkplatz.

Ausbeute.

Beim Putzen auf der Terrasse kam mir nur eine Spinne entgegen, die ich versehentlich aus dem Wald mitgebracht hatte, und selbst die schüttelte ich sanft und ohne Kreischen auf den Boden, auf dass sie sich ein lauschiges Plätzchen unter den Terrassenplanken (oder sonstwo) suche.

Hier ist die Ausbeute noch mal sortiert:

Pfifferlinge. Die waren schon mal sehr lecker, die gab es nämlich direkt.
Stoppelpilze oben, Edel- oder Fichtenreizker (beide essbar, beide lecker, auch wenn das orange-grün zugegebenermaßen wenig verlockend erscheint) unten.
Kleine Porenpilz-Sammlung, überraschend viele Steinpilze.

Hach, das war schön, hoffentlich finde ich die Zeit noch mal.

Tag 2225 – Tabula rasa.

Hier werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Da ist ein leerer Plan (nicht mal Essen steht drauf, das sollte eigentlich anders sein, ist über die Ferien aber so eingerissen), der mit allerlei Hobbies und Verpflichtungen gefüllt werden will. Vor einem Jahr haben wir auch Bürotage eingetragen, haha, wie lustig wir waren. Das machen wir wohl erst mal nicht.

Im Spiegelbild der Wasserkanister, weil wir mal wieder unser (Trink-)Wasser abkochen sollen. Hach ja, gut, dass wir die Hamstervorratskanister haben.

Morgen ist hier großer Tag.

Schultüte und kleine Schultüte, wie auch Pippi sie bekommen hat, als Michel eingeschult wurde.

Ich musste da selbst basteln, Schultüten gibt es hier ja nicht, also auch keine Bastelsets. Der „Pippi darf ihn nicht in die Finger kriegen“-Flüssigkleber ist jetzt leer (Nachschub schon besorgt), ich habe den gefühlt 35. Anspitzer für Michel gekauft, beschriftet und in seine kleine Tüte gepackt, sowie Radiergummis und keinen neuen Bleistift, weil seiner zwar zerkaut ist, aber die Mine noch intakt und ein neuer sofort ebenfalls zerkaut wäre. Herr Rabe sagt, das habe er auch als Kind gemacht. Ürgs. Pippi kriegt viel Mal- und Bastelkram und beide ein kleines bisschen Süßigkeiten. Schultüten haben hier ja gar keine Tradition, da fände ich es falsch, drei Welpen und eine Diamantkette da rein zu tun. Es ist so schon besonders genug und ich glaube, Pippi wird ausrasten vor Freude.

Hach, schon Schulkind. Die kleine Zwergmaus, die hat doch eben erst laufen gelernt.

Tag 2224 – Null hull.

Erste Male: Ich war heute zum ersten Mal bei einem norwegischen Zahnarzt. Das hat sich einfach so ergeben, ich hab kein Problem mit Zahnarztbesuchen, bin aber aus Geldgründen lieber privat bezahlt in Deutschland zur Zahnärztin gegangen, wenn sich das im Heimaturlaub so machen ließ. Die letzten Male ließ es sich nicht machen und dann kam eh Corona und deshalb war ich jetzt nicht mehr beim Zahnarzt, seit… ich mit Pippi schwanger war? Oder war sie schon da aber noch ein Baby? Naja, so groß ist der Unterschied nun auch nicht. Machen Sie das nicht, bitte gehen Sie jährlich nach Ihren Zähnen schauen lassen, oder öfter, bei Bedarf! (Ich hatte nie Bedarf, hab ja nie was außer Phantomzahnschmerz links oben während und nach Erkältungen, wenn die Nebenhöhle auf den Nerv drückt) Jedenfalls war bei meinem letzten Termin (in Deutschland) schon gesagt worden, dass man zwei kleine Stellen im Auge behalten sollte und das wollte ich jetzt dann doch ganz gerne mal wieder aufgreifen. Dann kostet das halt (Zahngesundheit zahlt der norwegische Staat nur für U18, danach muss man sehen, wie man klarkommt), immer noch besser als irgendwann ne Wurzelfüllung über sich ergehen lassen und bezahlen zu müssen.

Und wie soll ich sagen? Selber Befund wie beim letzten Mal, zwei Stellen, die man beobachten sollte, aber noch muss da gar nichts gemacht werden, es ist alles noch fest. Selbst Zahnstein war nur so minimal zu entfernen, dass sich das einfach abkratzen ließ. Einmal über die Zähne poliert, Röntgenbild rechts und links, ein bisschen mit dem (sehr netten und jungen) Zahnarzt geschnackt und jetzt kriege ich in einem Jahr automatisch einen neuen Termin.

Überraschend für mich war

  • Kaum Zahnarztpraxisgeruch
  • Röntgenbilder direkt auf dem Stuhl mit so einer Art Röntgenpistole (fancy scheiß!)
  • Dass grob sechs Jahre ohne Kontrolle sich nicht weiter negativ ausgewirkt haben
  • Der doch nicht exorbitante Preis und vor allem
  • Dass mir, obwohl eben selbst zu zahlen, nichts unnötiges aufgeschwatzt wurde (zum Beispiel diese zwei Stellen zu füllen)
  • Dass man dort nicht mit Kreditkarte bezahlen kann, sondern nur mit normaler Debitkarte

Ich hab meinen neuen Kumpel „Sverre der Zahnarzt“ gleich Herrn Rabe empfohlen, so angetan war ich von dem ganzen Erlebnis.

Es gibt ja auch gute Begegnungen mit dem norwegischen Gesundheitswesen, wenn auch dem privaten. Und ich fühle mich jetzt rundum beruhigt und danke einmal mehr, dass ich die gute Zahnsubstanz meines Vaters geerbt habe (und nicht die meiner Mutter, ihre Zähne haben in etwa die Widerstandskraft von Gasbeton).

Tag 2223 – -_- .

Hui so müde.

Irgendwann gegen vier kam Herr Rabe und legte sich dazu.

Es folgte ein langsames Frühstück und dann Aufräumen und Musiker wiederfinden. Pavilions wurden abgebaut, Teppiche getrocknet und Musikanlagen und Bühnenteile in Lager zurückgefahren. Menschen wachten in Zelten, Hängematten, Studios und Betten auf und sahen wesentlich zerknautschter aus als gestern.

Um viertel vor sieben wurde ich wach von Gesang und Klavierspiel im Raum nebenan, und das war schön (wenn auch wirr und sehr früh) – bis sie auch noch anfingen, zu Joiken. Joik ist auch schön aber auch laut. Da stand aber dankenswerter Weise auch Herr Rabe auf und sagte Bescheid, dass im Raum nebenan Leute schlafen. Daraufhin verschwanden die Musik spielenden Menschen und tauchten zur leichten Verzweiflung des Restes ihrer Band auch bis zum frühen Nachmittag nicht mehr auf. Wir schliefen noch bis viertel vor neun, dann war Leben in der Küche, Pippi war eh wach, die Gastgeberkinder auch und es war sehr hell.

[Hier habe ich wohl versehentlich einen Absatz gelöscht, so ein Mist.]

Wir frühstückten langsam und machten uns dann an die Aufräumarbeiten, während überall Leute aufwachten, in Zelten, Hängematten, Betten und Kellerstudios. Alle sahen sehr zerknautscht aus und ich versuchte zu raten, wann sie wohl, auf einer Skala von eins bis acht, ins Bett gegangen waren.

Kurze Anmerkung: das war richtig schön gestern, aber ich frage mich auch, wie ich das vor 15 Jahren jedes Wochenende und dann noch oft Mittwochs habe durchziehen können, ohne ständig wie ein Zombie rumzuschleichen. Ich war ja mit halb zwei noch zu einer relativ zivilisierten Zeit im Bett und fühle mich trotzdem heute wie vom Zug mitgeschleift.

Aufräumen hieß: Pavilions abbauen, Stühle zusammenstellen, Teppiche trocknen, Bierdosen einsammeln, die Spülmaschine laufen lassen und so weiter. Alles in dem Tempo, was eine Horde mehr oder weniger verkaterter Menschen um die 40 und aufwärts halt noch so an den Tag legen können.

Was man mit 38 zum Trocknen aufgestellten Schirmen alles anfangen kann.

Zwischendrin wuselten vier Kinder und bauten Hütten aus den Regenschirmen, die ein Büroausstatter aus der Gegend gesponsert hatte. Ich glaube, für die Kinder waren die Regenschirme ein großes Highlight. Es wurde damit gebaut und die größeren Kinder versuchten, ob zwei Regenschirme einen signifikant bremsen, wenn man von der Schaukel (hinterm Haus) aufs Trampolin springt. Beide fanden ganz subjektiv ja und verifizierten das ca. 3.000 mal. Ich tat so, als würde ich diese halsbrecherische Aktion nicht sehen.

Irgendwann krochen wir sehr müde nach Hause, es fühlte sich jedenfalls so an, obwohl wir das Auto da hatten. Zu Hause war dann auch nicht so viel mit uns los, wir hingen alle mehr oder weniger stark durch, reinigten uns ausgiebig und machten ein improvisiertes Abendessen aus Washaltdaist.

Ich mag diese Freunde, die da mal eben mit Einsatz der ganzen Familie ein kleines Festival veranstalten, sehr. Und fühle mich so langsam in unserem Dorf hier auch wirklich angekommen, auch dank denen, die hier zwar tief verwurzelt sind, aber trotzdem herzlich gegenüber „Neuen“. Hach.

Tag 2222 – „Jazz“. (Und Schnaps! Und Hochzeitstag!)

Kein Schnaps, „nur“ drei Bier.

Weil ich ja mit meinen sozialen Fähigkeiten Haushalten muss, habe ich heute erst Pippi zu einer neuen Bekanntschaft/Freundin aus dem Hort begleitet, deren Mutter gar nicht mal so traurig darüber war, dass Pippi nicht alleine bleiben wollte, die ist nämlich etwas einsam. Aber nett, sehr gebildet und noch mehr herumgekommen und das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen, denke ich. Außerdem haben sie eine unfassbar hübsche Katze, die sich gern streicheln lässt, da sage ich ja auch nicht nein. Wir haben uns sehr gut unterhalten und die Kinder hatten sehr viel Spaß miteinander und ich bin etwas überrascht, dass ich ein wenig Französisch verstehe, was ist denn da passiert? Pippi will das auf jeden Fall wiederholen, ja, warum nicht [vielleicht deshalb nicht, weil es ne Woche dauern wird, mich von diesem Wochenende zu erholen].

Danach ging es weiter, mit einem Minifestival bei unseren Freunden M. und H., die wohnen bekanntlich auf einem Berg Hügel mit toller Aussicht:

Das Festival heißt „Jazz ganz oben“, und es war sehr wenig Jazz, sondern drei Acts, die ich mir sonst NIEMALS angeschaut hätte, aus verschiedenen Gründen.

Der erste Act war eine Art Akkordeon-Comedy-Nummer, der zweite eine Singer-Songwriterin mit lieblicher Stimme und Gitarre, die mich sehr an Boy erinnert hat und die leider niemals glücklich werden darf, weil ihre Karriere als Schreiberin tieftrauriger Lieder voller Herzschmerz dann vorbei ist.

Der dritte Act war dann eine komplett abgefahrene Nummer aus Joik (traditionellem Samischen Gesang) und Jazz, das war aber wirklich überraschend mitreißend und Herr Rabe hat sich auch gleich die CD gekauft.

Wirklich alle drei auf ihre Art überaus gute Musik, hat sich auf jeden Fall gelohnt. Außerdem viele bekannte Gesichter gesehen, das ist halt ein Dorf hier und wenn 200 Leute da sind, kennt man auch nach 3 Jahren davon schon 50.

Die Kinder flitzten die ganze Zeit mit anderen Kindern herum und hatten auch eine tolle Zeit – fast ganz ohne, dass wir unseren Abend um sie herum basteln mussten.

Herr Rabe tanzt nun noch bei „Bass ganz oben“, ich kann nicht mehr und die Kinder schlafen schon – wir werden heute Nacht hier campieren.

Ein bisher wirklich schönes Wochenende.

Tag 2221 – Haushalten.

Muss mir meine Kräfte sinnvoll einteilen. Viele neue Leute treffen und dabei Alkohol trinken – keine gute Idee. Viele neue Leute treffen und danach noch irgendwas anderes machen als Fernsehen? Nicht drin.

[Covid-Entwarnung: Grillfest im Freien, mit Abstand und die allermeisten Anwesenden sind voll geimpft, nur Herr Rabe und ich nicht…]

Jedenfalls, Bloggen fällt jetzt grad mal aus, ich bin total geschafft. wie ausgesaugt. Dabei war es eigentlich sehr schön.