Tag 1588 – Chaos.

Vor einigen Wochen hatte ich ja dieses allerlängste Elternvertreter*Innen-Treffen der Welt, um die Weihnachtsfeier zu planen.

Heute war die Weihnachtsfeier und ES WAR FURCHTBAR UNORGANISIERT!

Ich wollte schon vorher schreien, weil mir, als ich schon im Zug saß, eine andere Mutter schrieb, wir träfen uns erst um viertel vor fünf und nicht um viertel nach vier. Tja, hätte ich das eine Stunde vorher gewusst, hätte ich bis zum Ende meines Meetings bleiben können. Die Schule war natürlich auch abgeschlossen und so stand ich draußen frierend rum. Total schön. Und ich dachte noch so: ob wir so wohl Milchreis (in Großpackungen fertig gekauft) für 80 Personen bis halb sechs warm kriegen? Aber dann kam alles ganz anders, nämlich die anderen Eltern noch mal 5 bis 10 Minuten zu spät Milchreis in Töpfen. Privat gekocht von den anderen Elternvertreter*Innen. Mir hatte keine Bescheid gesagt. Aber immerhin war der Milchreis dann schon warm.

Naja, dann schleppten wir also etwa zehn Tonnen Milchreis in die Küche, dazu 10 Kannen Kaffee, Zucker, Zimt, Butter und 8 (!!!) Flaschen mit Saftkonzentrat, das 1+5 gemischt wird, jede Flasche fasst 1,5 L, wir hätten also 72 L Saft machen können. Fast 1 L für jeden.

Die anderen sind übrigens alle Lehrer*Innen, denken Sie sich einfach einen mäßig lustigen Witz.

Jedenfalls war es ja schon recht spät. In der Küche standen wir uns auf den Füßen und alle räumten alle Stellflächen voll, ohne dass es irgendeine Struktur gab. Eingepackte Pappteller, Kaffeekannen, Müllbeutel wild durcheinander. Die Tüte mit den Preisen für die Tombola mitten auf einem Tisch im Vorraum, sodass jedes Kind quasi drüber gefallen wäre. Und dann hieß es plötzlich „oh, die Vorführung geht ja gleich los!“ und ich war alleine im Chaos.

Ich sag es mal so: bis die Aufführung rum war, hatte ein freundlicher Hauswichtel ich Ordnung in die Küche gebracht, 100 Pappteller ausgepackt, 100 Plastikgläser ausgepackt, 100 Servietten ausgepackt (der Müll! Meine Güte.) die Durchreiche auf Küchenseite aufgeräumt und da nur Teller, Kaffee, Saftkannen und den ersten riesigen Topf Milchreis stehen lassen, auf der anderen Seite der Durchreiche Butter, Zimt, Zucker, Zimtzucker den auch der Wichtel gemacht hatte, genauso wie den Saft, Plastikgläser, Serviettentürmchen und Löffel angerichtet und harrte dann der Dinge, die da kommen mögen.

Dann tat ich eine Stunde lang mit einer ergonomisch katastrophalen Kelle Milchreis auf. Jetzt habe ich Blasen. BLASEN. VOM MILCHREIS AUFTUN.

Es ging alles nicht schnell genug, vor der Durchreiche war eine riesige Schlange, ungeduldige Kinder und vor allem war da viel zu viel Milchreis. Wirklich VIEL ZU VIEL. Wir haben also nun nicht nur Milchreis, der unter zweifelhaften Bedingungen in privaten Küchen hergestellt wurde, nein, es sind davon auch noch 2/3 übrig, die aber ganz bestimmt morgen von den Kindern aufgegessen werden. Heute haben ja 80 Leute, davon 40 Erwachsene, 1/3 gegessen, dann essen morgen bestimmt 40 Kinder den Rest ODER ETWA NICHT? Nachdem es alles zusammengeschüttet wurde und jetzt im Kühlschrank steht.

Hoffentlich kriegt niemand Scheißerei oder so.

Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss die Videoaufnahme der Aufführung angucken, die Herr Rabe für mich aufgenommen hat, während ich den anderen den Arsch rettete die Küche vorbereitete.

Tag 1586 – Halb daneben.

Ein bisschen katerig war mir heute halt schon zumute. Nicht doll schlimm, aber ein bisschen matschig eben. Aber immerhin ist heute quasi nichts los gewesen, wir waren Einkaufen (mit Michel im Buchladen sein ist so goldig, er würde am liebsten alle Bücher kaufen und blättert sich da glücklich ewig durch. Bis jetzt hat uns auch nie jemand ermahnt) und heute Abend, als die Kinder im Bett waren, haben wir Keksteig gemacht. Mir fallen jetzt die Augen leider zu, aber mehr gab es auch nicht zu erzählen.

Tag 1585 – Schon viel besser.

Heute war unsere kleine Inspektorats-Weihnachtsfeier. Und gemessen daran, wie ich noch im Sommer nach dem Sommerfest abstand, war das richtig gut. Möglicherweise hab ich zu viel getrunken und auch zu viel geredet, aber was soll’s. Hauptsache nicht aus den Latschen gekippt eine wirklich gute Zeit gehabt.

Auch viel besser: trotz Medikament noch wach geblieben und halbwegs konzentriert arbeiten können.

Super gut: Halbjahresbeurteilung von Michel. Kind kann alles, super Kind, weiter so.

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Ach, eins: ich hab nach dem dritten Bier meinen Senior Inspector-Kollegen gegenüber zugegeben, dass ich eine bestimmte Anfrage zu beantworten super schwer finde und das deshalb wegprokrastiniere. Weil ich keine Ahnung hab. Stellt sich raus: haben die auch nicht, weil es da nix zu ahnen gibt und die Devise ist nun, möglichst wenig konkretes in möglichst kompetent klingenden Worten zu vermitteln und ansonsten auf eine baldige Gesetzesänderung zu hoffen.

Tag 1584 – Keine Bilder.

Ich hab vergessen, dass der 12. ist und man ja 12 Bilder hätte machen können. Tjanun.

Heute so müde wie gestern. Hoffentlich kommt mein Körper bald mit dem neuen Medikament besser zurecht, sonst muss ich wohl wechseln. Heute Mittag bin ich spontan schon um eins in den Fitnessraum gegangen, statt wie geplant nach der Arbeit, weil ich mich nicht konzentrieren konnte. Aber das kann ich ja nun nicht jeden Tag machen. Jeden Tag um halb sieben auf dem Sofa einschlafen ist auch keine Lösung.

Hoffentlich schlafen heute wenigstens die Kinder durch.

Hoffentlich hilft das Medikament wenigstens.

Tag 1582 – Mittelverrückt.

Vielleicht gehe ich jetzt hin und wieder mal alleine ins Kino.

Mitten in der Woche.

Bis spät.

In Oslo.

(Ok, vielleicht eher nicht. Ich muss ja auch mal schlafen.)

Aber schön ist es schon. Und da ich am Samstag einen neuen friend gemaked habe, der mitten in Oslo wohnt, kann ich auch zwischen Arzttermin Arbeit und Kino zum Kaffee wo unterkommen.

Jetzt ist übrigens grad Pause. Bisher bin ich sehr angetan, es ist lustig und leicht und man sieht halt mal was, live ja eher wenig (und man ist da ja verwöhnt, so als mit Fernsehen aufgewachsene).

Ich reflektiere dann mal noch ein bisschen über Bildunggsbürgertum und hole mir noch ein Popcorn, bevor es weitergeht.

Tag 1581 – Aufholen.

Tja, wer das Wochenende über gefeiert und Weihnachtsschmuck bei Freunden gebastelt hat, der muss den Haushaltskram eben unter der Woche erledigen. Deshalb habe ich heute eine Maschine Wäsche abgenommen und gefaltet, eine aufgehängt, eine in den Trockner geworfen und danach zusammengelegt und noch eine gewaschen und auch wieder aufgehängt. Dann habe ich Michels Luciahemd gebügelt und eingepackt, seinen Schneeanzug an den Beinen verlängert und Herr Rabe hat Schlitten und Anzug zum Sport-Hort gefahren. Pippi hat gebadet und ich habe in der Küche herumgeräumt und Müll raus gebracht. So wie sonst halt am Wochenende.

Morgen mache ich vielleicht etwas verrücktes, nur für mich, mal gucken. Wenn ja werde ich berichten (und den Rest der Woche meckern, wie müde ich bin, weil das so spät war).

Tag 1578 – Zu aufregend.

Es ist ja einigermaßen faszinierend, dass ich am einen Tag noch voll Businessmäßig mit vielen sehr seriösen Leuten rede und über Zertifikate für Fabriken am anderen Ende der Welt fachsimple und am nächsten Tag sitze ich erst fluchend im Auto weil Google Maps mit den ganzen Baustellen nicht klar kommt und fange dann in der Röhre vor lauter Angst an zu weinen.

Im Ernst, das ist nichts für mich. Erst der Stress mit dem Piercing, dann der Stress mit der Fahrt, dann weiter Stress mit Piercing und ohgottogott da ist ja auch ein Draht hinter meine Zähne geklebt, ohgott! und am Ende fixieren sie einen auf einem Dings, montieren einen Käfig um den Schädel und schieben einen in ein weiteres Dings, das eng ist und hell und laut und überhaupt, man kann nicht raus und was ist wenn das Piercing doch magnetisch ist, oder der Draht, hab ich wirklich den BH ausgezogen, hab ich wirklich die Ringe abgemacht, die Uhr abgelegt, bestimmt hab ich was vergessen und bin gleich sofort tot, oder es bricht ein Feuer aus und ich kann nicht aus diesem Dings raus, Hilfe ich will bitte sofort raus aber ich will auch das die Bilder gemacht werden, Hilfe Hilfe.

War scheiße.

Ja.

Und ach so: das ABS am Auto piept wenn man in einer Kurve einfach wegrutscht, das wusste ich noch gar nicht. Das war auch scheiße.

Tag 1577 – Hab dich!

Ok, dass Herr Rabe am Abend vor meinem MRT-Termin nicht da sein würde war so nicht geplant. Und ich sag es mal so: der neue Ohrring, der „ganz leicht“ auf und zu geht, geht überhaupt gar nicht leicht auf und zu. Ich musste erst ein paar Verzweiflungstränen darüber vergießen, bis ich auf die Idee kam, ihn mit der Spreizzange aufzubiegen. Dann ging er auf, aber zu bekam ich ihn trotzdem wieder nicht, obwohl ich ihn dann ja in der Hand hatte. Das muss ich wohl noch ein paar mal üben. Aus Spaß guckte ich dann mal, ob der Ring denn nun überhaupt magnetisch ist und Überraschung:

Ja.

Der Ring an sich ist aus Chirurgenstahl und nicht magnetisch, aber das Schließsegment ist mit einem winzigen Scharnier angebracht und das ist offenbar aus einem magnetischen Metall. Das hätte morgen echt weh tun können.

Das Zungenpiercing hingegen ist immer noch drin. Ich hab da keine Chance, auch mit zwei Zangen nicht. Keine Ahnung, was ich noch machen soll, ein Piercingstudio das morgens auf hat, gibt’s in Hamar, wo das MRT-Labor ist, nicht. Vielleicht haben sie einen Dremel da oder so.

Wie sehr ich keine Lust hab, mir morgen den Hohn der Praxis anzuhören, kann man sich vermutlich in etwa vorstellen.

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Was war sonst? Letzte Inspektion des Jahres gut überstanden. Möchte meine Kollegen aber irgendwie gern ein bisschen schütteln, weil ich Montag noch fragte, was wir antworten sollen, wenn Die Frage(TM) der Qualitätschefin kommt und keine Antwort bekam und heute als Die Frage(TM) kam, guckte mich dann nicht nur die Qualitätschefin erwartungsvoll an sondern auch die Kollegen. Hallo? Bin ich hier die mit Ahnung oder die? Ich hab schon auch was geantwortet aber meine Güte wir hatten zu dem Thema Meetings in verschiedenen Zusammensetzungen und haben keine Antwort gefunden. Was sagt man da, so als Behörde? „Keine Ahnung“ ist nicht gut, rumeiern auch nicht, schwafeln erst recht nicht. Meh.

Manchmal, da möchte ich allein auf einer einsamen Insel leben.

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Wir haben mal wieder Bettzeug gewaschen und aus irgendeinem Grund riecht der Trockner innerlich wie schlecht gewordene Nudeln. So roch dann auch das Bettzeug. Das ist sehr eklig. Gut, dass ich seit Stoffwindeltagen weiß, dass Teebaumöl absolut jeden Geruch übertüncht killt, also ein paar Tropfen Teebaumöl auf einen Waschlappen getropft und noch mal 10 Minuten den Trockner samt Bettzeug laufen lassen und jetzt erinnert mich mein Bett zwar an picklige Teenager-Tage aber immerhin riecht es nicht mehr nach gammligen Nudeln.

Tag 1576 – 43/44.

Morgen noch und dann sind alle Inspektionen für dieses Jahr rum. 14 Stück. 44 Tage.

Mehr hab ich leider heute nicht zu erzählen, bzw. darf ich nicht erzählen. Doof ist dass Pippi heute mit Ohrenschmerzen aus dem Kindergarten abgeholt werden musste, Herr Rabe ab morgen Workshop hat und generell krankes Kind doof ist. Der angerufene Hausarzt sagt auch, was zu erwarten war, nämlich: Schmerzmittel und Nasenspray, wenn’s schlimmer wird oder Fieber dazu kommt, vorbei kommen. Also keine antibiotische Wunderheilung. Hoffen wir mal, dass Herr Rabe zu seinem Workshop kann.

Kopfschmerzen habe ich leider auch. Ich muss mehr drauf achten, regelmäßig zu essen.