Tag 1544 – Arbeitskater.

Herr Rabe hat heute dieses schöne Wort erfunden, das den Zustand nach sehr arbeitsintensiven Phasen beschreibt. Ich wusste heute nichts mit mir anzufangen, hätte am liebsten den ganzen Tag nur geschlafen, war schon von Minimaltätigkeiten wie „Duschen“ überfordert und hatte auch zeitweise echt schlechte Laune wegen dem allen.

Immerhin habe ich ein wenig genäht und dabei Michel unsäglich gelangweilt (er wollte wohl gerne von mir unterhalten werden, aber ich bin ja kein Clown, nicht wahr?). Zu einer Entscheidung, ob ich eine Kapuze an meinen Mantel mache, konnte ich mich aber nicht durchringen, also habe ich die Naht einfach nur „normal“ geschlossen und nicht mit Fake-Overlock-Stich, denn jetzt kann ich es entweder so lassen oder irgendwann relativ einfach auftrennen und eben noch was anbauen. (Auch entscheiden wollte ich heute nicht. Oder sonst irgendwie an einem Erwachsenenleben teilhaben.) Vorteil an einer Kapuze wären halt Aufhänger*. Nachteil an einer Kapuze wären… es gibt keine Nachteile an Kapuzen.

Hoffentlich geht morgen wieder mehr bei mir. Ist ja nicht auszuhalten, diese Ziellosigkeit.

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*das müsste ich wohl erklären, aber das zeige ich Ihnen, wenn ich Bilder habe, das ist einfacher.

Tag 1538 – Abschlappen.

Wir haben heute alle eher wenig gemacht, die Kinder quasi gar nichts. Die Kinder weil sie beide ein bisschen angeschlagen sind und morgen zur Schule fit sein wichtiger ist als Sonntags Kastanienmännchen zu basteln, wir weil es nötig war.

Ich habe sehr viel Wäsche gemacht und genäht und war beim Sport.

Herr Rabe hat den Rasen winterfertig gemacht. Wir haben es tatsächlich geschafft, unseren Rasen in diesem Jahr von „Wüste“ zu „Man möchte sich reinlegen“ zu verwandeln und das soll bitte im nächsten Jahr nicht wieder so eine riesige Aktion sein sondern einfach hübsch nachwachsen.

Ansonsten viel Organisationsarbeit, die aber bisher nur in meinem Kopf ist. Wir werden hier mal umstrukturieren müssen, es läuft nämlich eher unrund und knirscht ein wenig im Getriebe, was hauptsächlich daran liegt, dass wir beide glauben jeweils mehr Familienarbeit zu erledigen als der andere. Da hilft leider nix als mal wirklich aufzudröseln, wer was macht, inklusive Zeiterfassung und Zielerreichung. Das klingt furchtbar unromantisch aber so ein ständig auf Halbmast hängender Haussegen ist tatsächlich auch sehr unromantisch und sparkt kein joy.

Endlich gehen die Uhren wieder richtig. Trotzdem muss ich jetzt schlafen, morgen geht es wieder früh raus und für einen Tag inkognito (ich habe die Out-of-Office-Nachricht bis 6.11. eingestellt) ins Büro. Motivation dafür eher gering, aber Tjanun, auch das ist halt manchmal so.

Tag 1537 – Uff, Menschen.

Einen eigentlich netten Abend gebracht, aber uneigentlich gar nicht in der Stimmung gewesen

  • Schon wieder Norwegisch zu sprechen
  • Smalltalk zu machen
  • Generell Menschen zu treffen

Ich war dann auch eher still und dankbar über eine Aufgabe, die sich am besten schweigsam und mit einem großen, scharfen Messer in der Hand erledigen lässt: Kürbis schnitzen. Ich find sowas ja eigentlich doof aber so musste ich wenigstens nicht mit Leuten reden.

Dieser Kürbis hat 4 Gesichter und ich habe noch einen weiteren gemacht.

Nicht falsch verstehen, ich hab die Freunde wirklich gern und auch die Leute die da waren (Freunde und Bekannte) mag ich alle gerne, aber heute war halt einfach ein bisschen viel.

Und dann wieder toben 8 Kinder johlend durchs Haus und ich denke, dass an solchen Abenden vielleicht Erinnerungen bei ihnen gemacht werden, die für immer bleiben.

Ich hoffe es sehr.

(Am Ende ist Pippi auf meinem Arm eingeschlafen. „Mama, ich bin müde, ich will kuscheln und schlafen“, war die Ankündigung. Da platzt ja dann immer noch mein Herz, wenn sie dann auf meinem Arm ganz schwer wird und der Ohrknibbelarm runtersinkt und hach.)

Tag 1531 – Fertig. Und wach.

Ich! Habe! Einen! Mantel! Genäht!

Hat ja auch nur 10 Monate gedauert, obwohl man ja schon zugeben muss, dass von Januar bis Ende September da rein gar nichts dran passiert ist.

Foto gibt es noch nicht, Sie müssen mir das vorläufig einfach glauben. Vielleicht kriege ich im Hotel morgen was fotografiert, oder ich müsste meine Kollegen bitten (not gonna happen), wir werden sehen. Jedenfalls FERTIG!

Außerdem war heute Michels Kindergeburtstag in der Turnhalle, aber das war so entspannt, dass es sich kaum lohnt, darüber Worte zu verlieren. Mir graute davor wirklich, einfach wegen der Menge Kinder (11) aber die spielten und tanzten ganz zufrieden und es war wirklich einfacher als zu Hause, schon allein weil wir null geplantes Programm hatten (das dann ja auch durchgezogen werden will, bei den leicht zwanghaften Migranten).

Vielleicht wurde ich auch gehirngewaschen in den letzten sechs Jahren, schleichend vermutlich.

Gebügelt und gepackt ist für die nächste Woche, eine Woche Inspektion, eine Woche ohne Familie, seltsam, obwohl ich das ja im Mai auch schon mal gemacht hab. Trotzdem – halt seltsam.

Jetzt viel zu spät im Bett, also wirklich zwei Stunden zu spät aber der Mantel ist fertig und gebügelt ist, man kann nicht alles UND ausreichend Schlaf haben, ich jedenfalls nicht.

Tag 1529 – Mehr Alltag.

Viel Kleinscheiß bei der Arbeit weggerödelt, bevor ich zwei Wochen lang quasi nicht im Büro sein werde. Leider hört der Kleinscheiß nie ganz auf und ich und meine Kollegin werden trotz all meiner Bemühungen eben weil wir jetzt zwei Wochen lang nicht da sind eine Frist reißen. Das stresst mich, lässt sich aber nicht (mehr) ändern, die Kollegin hat halt heute ihren eigenen Kleinscheiß gehabt.

Abends mit Michel zusammen auf dem Sofa eingeschlafen, wir wollten uns nur ganz kurz hinsetzen und Zack… aber nur für ca. 30 Minuten, dann war Pippi, die kleine Dreckspatz, mit Baden fertig.

Apropos baden. Die Tage der Kinderklappbadewanne sind gezählt, sie hat einen Riss. Leider geht ja momentan jede Øre die übrig ist aufs Auto-Konto. Ich möchte immer noch so gerne eine Badewanne haben. Und einen Durchlauferhitzer. Und Starkstrom im Bad, für den Durchlauferhitzer. Und überhaupt.

Mit Herrn Rabe „Exit“ geguckt, also zwei Folgen, eine norwegische Serie über superreiche Banker. Das hatte uns die Babysittermama empfohlen, aber vor den ersten 5 Minuten gewarnt, die seien echt übel. Ich sag es mal so: die Norweger sind ja schon irgendwie putzig. Ernsthaft, Ja, also da bumsen zwei recht explizit und man sieht einen erigierten Penis. Huiuiuiuiui. Übel! Penis. Hihi. Die Serie ist auch… naja. Überzogen, dabei aber wenig lustig. Sorry, norwegisches Fernsehen.

Morgen „ausschlafen“. So wie man eben ausschlägt mit Kindern. Aber besser als um halb sechs vom Wecker geweckt werden allemal.

Tag 1528 – Alltag.

Jeden Morgen Einhorn-Eskalation des kleinen Mädchens, das meint, sie bestimme hier alles. Es strengt ein bisschen an. Sehr.

Im Zug geschminkt weil nicht aus den Federn gekommen.

Arbeit, Arbeit, dazwischen kurzes Telefonat mit der Finanzberaterin, so ein Hauskauf sollte bei diversen Dingen Änderungen nach sich ziehen und so ganz frisch gekauft ist das Haus ja nun nicht, ähäm.

Reagiere schon wieder aggressiv auf Nichtigkeiten, offenbar ist 2. Zyklushälfte. Habe also nach einem Jahr mit Spirale keine Periodenblutung mehr, aber literally allen anderen Scheiß, den eins im Laufe des Zyklus so haben kann, inklusive (!) Unterleibs-Krämpfe. Vielleicht rupfe ich das Kackteil auch noch vor dem Termin bei der Gynäkologin von Hand raus (SCHEEEHEEERZ!!!). Weil (tmi, Entschuldigung) mit der Blutung an sich habe ich wirklich keine Probleme, damit kann ich sehr gut leben aber der ganze Rest gibt mir den Rest. Und meiner Umwelt auch, wer will schon sehr regelmäßig mit einem Pulverfass zusammen leben.

Hrmpf.

Morgen noch, dann Wochenende.

Tag 1524 – Wochenende-Recap.

Das war also Michels Geburtstagswochenende. Ich wollte einen (ja fast traditionellen) Geburtstagsbeitrag schreiben, aber es will mir nicht von der Hand gehen. Dabei hab ich den Zwerg so schrecklich lieb, mit all seinen Clownereien und seinen weichen Seiten und seinen vielen Emotionen und seiner Begeisterung für Dinos/Pokémon/Lego/Lego/Lego und Mario Cart. Aber das ist ja schnell gesagt. Bester großer kleiner Zwerg der ganzen Welt. Und schon so groß!

Freitag lief nicht gut an, es knirschte im Familiengetriebe, aber Michel bekam davon nichts mit und freute sich ein Loch in den Bauch über seine neuen Pokémon-Karten weil da sind drei GX-Karten bei und ein Trizord, der eigentlich anders heißt, aber Michel nennt es Trizord und ach, als wären die eigentlichen Namen irgendwie realistischer. Herr Rabe und ich hatten als Staffelaktion am Donnerstag tatsächlich einen Dinokuchen gemacht und es tut mir leid aber das ist das einzige Foto, was ich überhaupt habe:

Pippi musste wegen des Fiebers am Donnerstag noch zu Hause bleiben, mit Herrn Rabe. Ich fuhr zur Arbeit, hatte drölfzig Meetings und tausend weitere Dinge zu tun, ließ aber nach Plan um 13 Uhr den Griffel fallen und fuhr nach Hause. Herr Rabe und Pippi sammelten mich am Bahnhof ein und wir holten erst Michel und dann seinen besten Freund ab. Michel war super stolz, mal schon mittags abgeholt zu werden, das hatte er sich auch schon seit Wochen gewünscht. Ich würd ihm das ja gerne öfter ermöglichen, aber außer dass er ab und an mit zu einem Freund gehen kann, wird das von uns aus eine absolute Ausnahme bleiben, leider. Auch leider: Ich hatte vergessen, in Oslo zum Asialaden zu gehen und das fiel mir dann Samstag auf die Füße. Tjanun. Wir feierten jedenfalls mit Kuchen und Kaffee und die Jungs spielten und Pippi hielt tapfer durch – aber als Michels Freund um kurz nach fünf abgeholt wurde, schlief sie quasi direkt auf dem Sofa ein. Zwar ohne Fieber, aber schlapp. Herr Rabe und Michel bauten Lego und ich zog mich aus Gründen an meine Nähmaschine zurück. Abends redeten Herr Rabe und ich noch lange über das Knirschen vom Morgen und überhaupt. Das war nicht so ganz, wie ich mir Michels 7. Geburtstag vorgestellt hatte, aber man sucht sich sowas ja nicht unbedingt immer aus und es wäre mir auch falsch vorgekommen, einfach mit Bier auf dem Sofa drauf anzustoßen, wie supidupi wir das alles seit nunmehr 7 Jahren wuppen.

Entsprechend (und weil Pippi eben um fünf eingeschlafen war und dementsprechend unruhig schlief) waren wir Samstag aber relativ durch. Es wäre 12von12 gewesen, aber aaahahaha. Nein. Ich stand voll unter Strom, Michel war aufgeregt, Pippi aufgeregt, Herr Rabe auf das Projekt „Aufräumen“ fokussiert, denn wir hatten für abends Gäste eingeladen. „Nur“ die Babysitterfamilie, aber trotzdem! Und die vertragen ja alle alles mögliche nicht und deshalb hätte ich eben im Asialaden Mandelmehl und Maismehl kaufen wollen. So musste ich nach Jessheim fahren, auf dem Weg war die Autobahn gesperrt, auf der Umleitung war Stau und überhaupt – als das Essen auf dem Tisch stand atmete ich eigentlich das erste mal durch. (Dazwischen war noch ein kleiner Ausraster meinerseits, weil mir der Kuchen aus Mandelmehl nicht gelingen wollte und ich bei den Versuchen aber alle Eier aufgebraucht hatte. Leider hat es ausgerechnet Michel mitbekommen, dabei habe ich es echt versucht, aber als mir beim zweiten Versuch das letzte Eigelb ins Eiweiß fiel und da kaputt ging und auslief, musste ich kurz ins Bad und ein bisschen schreien und weinen und atmen und dann ging’s wieder. Aber Michel macht sich immer sofort Sorgen und denkt auch schnell, er habe was falsch gemacht und ach, ach, nein, er hat ja nichts damit zu tun, dass seine Mutter auf Zu Viel irgendwann so reagiert. [Muss mir ganz kurz auf die Schulter klopfen: immerhin nichts kaputt gemacht!] Und dann verträgt der Babysitter neben Gluten halt auch keine Mandeln und der ganze Aufriss war also umsonst, aber als ich das erfuhr, war ich schon so emotional leergepumpt, dass mir das echt am Po vorbei ging.)

Der Abend war dann aber total nett. Michel baute sehr lange einträchtig mit der Elben-Schwester des Wikinger-Babysitters an seinem mega coolen neuen Lego-Technik-Auto. Da bewegen sich sogar die Kolben in den Zylindern, wenn man fährt! Michel war sehr stolz, dass er schon so viel davon selbst bauen kann, obwohl das Set ab neun ist! Wir haben sehr leckere Tacos gegessen (das erschien uns insofern sinnvoll, als dass man da selbst zusammenstellen kann, was man mag verträgt oder nicht. Aber wussten Sie, wieviele Taco-Shells „Spuren von Gluten“ enthalten können? Ich auch nicht. Herrje, was bin ich froh, dass hier im Großen und Ganzen alle alles vertragen.) und heute Abend haben wir dann noch mal Tacos gegessen und morgen gibt es Taco-Suppe aus den dann aber wirklich allerletzten Resten. Ich kann echt nicht gut abschätzen, wieviel drei weitere Erwachsene essen (oder nicht essen). Michel mag kein Hackfleisch, das wissen wir jetzt auch. Aber man kann ja auch einfach Tacofladen mit Käse und Paprika essen.

Heute waren dann Michels Freunde M. und M. zu Besuch und die haben so süß gespielt, dass ich richtig lachen musste. Die sind zwar wild, aber niedlich dabei und es ist alles noch so unschuldiger Pupshumor, mitsamt Gekicher weil „hihi, Pupspopokack!“, zum Schießen! Ich hätte viel vorgehabt, habe aber nicht so viel geschafft, weil die Nachbarin zwischendurch 2 Stunden zu Besuch war und die Mädchen alle zusammen gemalt haben und das alles so gemütlich war – das war wichtiger als den Mantel fertig nähen. An den hab ich heute Abend dann noch Taschen gebaut und geschaut, wo die Schnallen hinmüssen. Dann noch das Futter rein und dann ist er fertig. Ich bin sehr gespannt, unter anderem ob ich unten drunter noch was anziehen kann, oder ob das zu eng wird. Das wäre natürlich eher ungünstig.

Heute Abend habe ich Michel ins Bett gebracht und, hach. Der wird einfach immer mein Baby bleiben.