Tag 69 – Hello, IT?

Ich habe grade gar keine Lust zu bloggen, aber ich hab Herr Rabe versprochen, dass ich ihm ein bisschen öffentlich huldige und versprochen ist ja versprochen.

Man mag es schon vermutet haben: Herr Rabe ist der Lieblingstechniker. Ich meine, der hat das ja im Grunde auch studiert, also Informatik und schnubbeldibupp aber ganz sicher gab es im Studium keine Veranstaltung namens „Angewandte Aura-Reparatur“. Und das ist, was Herr Rabe besonders gut kann: einfach weil er da ist, erledigen sich viele Computerprobleme wie von selbst. Ich nehme an, die Probleme haben Angst vor ihm, denn wenn mal eine Macke seiner bloßen Anwesenheit trotzt, wird sie gründlichst ausgemerzt und zwar minimalinvasiv. Bevor ich Herrn Rabe kannte, dachte ich (Exfreund-bedingt) es gäbe bei ersthaften Computerproblemen nur zwei Lösungswege: a) Problem ignorieren und b) Festplatte formatieren. Das ist dann eher so die Schrotschuss-Methode. Inzwischen weiß ich aber, dass es durchaus möglich ist, ein Problem an der Wurzel zu entfernen ohne dabei mit der Datenaxt eine riesige Schneise zu ziehen. Man muss nur wissen wie, und ich hab da zwei linke Hände mit jeweils fünf Daumen dran. Herr Rabe hat mich immerhin soweit erzogen, dass ich einen wartungsarmen Computer besitze, alle verfügbaren Updates zeitnah mache und regelmäßig *hust* ein Backup erstelle. Falls ich doch mal ein Problem bekomme, so wie jetzt halt, muss er mir trotzdem helfen, weil wir verheiratet sind hilft er mir natürlich gerne. Das Problem mit der FileVault-Verschlüsselung war wohl ein ziemlich komplexes, was einer ausgefuchsten Lösungsstrategie bedurfte, aber wieder einmal hat Herr Rabe es tadellos hinbekommen: Er hat alle Daten erhalten können, selbst die kaputten, und die hat er sogar heile gemacht. Alles ist jetzt verschlüsselt. Nebenbei hat er meine Festplatte von Müllquatsch befreit und die Reste eines eigentlich schon lange deinstallierten Programms entfernt, sodass da jetzt nicht mehr dauernd Fehlermeldungen auflaufen. Dann habe ich (das hab ich dann wieder alleine hinbekommen) El Capitan installiert und im Zuge dessen ging irgendwas mit meinem Email-account kaputt, und auch das hat er wieder hingebogen. Insgesamt hab ich also jetzt das fresheste Betriebssystem, mehr Platz auf meiner Festplatte als vorher, habe weiterhin Zugriff auf meine mails und musste dafür nur diesen Text schreiben und Nudelauflauf machen.

Murch :* *

*Das müssen Sie nicht verstehen.

Tag 68

Mein Lieblingstechniker repariert gerade meinen Computer. Das ist wohl ein ziemlicher Krampf. Kaputte Dateien und gelöschte Programme die trotzdem  noch Quatsch machen und den Rest hab ich nicht verstanden. Seit ich aber mal vor vielen Jahren dachte, ich könne meine Festplatte selbst partitionieren und danach gar nix mehr ging und ich einen Heulanfall bekam und zum Lieblingstechniker gehen musste, der dann den Rechner auf Kühlakkus stellen musste, weil sonst die CPU (?) überheizte, weil nicht mal mehr der Lüfter ging, seitdem mache ich absolut nüscht mehr an meinem Computer wo auch nur eine geringe Gefahr besteht, dass was kaputt gehen könnte. Schreiben am Handy geht aber auch nur so halbgut, zumal ich vom Baby belagert werde, deshalb wars das auch schon fast für heute.


Wir haben erfolgreich unseren Keller Flur umgeräumt. Das war sehr nötig und die Gelegenheit günstig. Wir sind zufrieden.


Mit dem Kind beim Kindertanz gewesen. 19 Kinder da. 13 Mädchen. 6 in Tutus. Eins nicht in rosa. Seufz.


Kurz beim Supersaletag gewesen (Toilldag für die Locals) und dem Kind Winterstiefel gekauft für 199 NOK (Wheeeeee!!!) und auf gut Glück zwei Paar Turnschuhe Größe 27 für nächstes Jahr für 99 NOK jeweils. Gesehen, dass ein Moods-of-Norway Pop-up-Store für die nächsten zwei Wochen da ist. Kann man mal hingehen.


Wir sollten ja alle viel viel mehr Essential Unfairness lesen. Auch wenn ich mich beim lesen des heutigen Posts wie einen eiskalten, gefühllosen Klotz gefühlt hab, weil ich sowohl den Schwangerschaftstest vom Baby (beim Kind hab ich keinen eigenen gemacht) als auch den ersten (durchgekauten und klebrigen) Schnuller vom Kind ganz unsentimental weggeschmissen hab.

Tag 66

Mannmannmann, schon wieder so spät. Wo ist denn nur der Tag hin? Ich bin auch zum Umfallen müde, gut, dass ich schon im Bett liege.

Das Baby hat gerade mal wieder irgend so einen Entwicklungsschub. Seit Montag, wo es ja überraschend versucht hat sich herumzudrehen und das auch mehrmals fast ganz alleine schaffte, will es spätestens alle zwei Stunden stillen und braucht dann ewig lang. Manchmal sogar beide Seiten, was sehr ungewöhnlich ist. Jedenfalls schläft es sich da nicht so gut, wenn man alle zwei Stunden ne halbe benuckelt wird. Mein Geisteszustand leidet extrem ein bisschen darunter. Außerdem nöckelt das Baby auch viel rum, es kaut auf meinem Finger (Kauleisten-Jucken?) und die Hand-Augen-Koordination ist sehr viel besser geworden. Eigentlich will es glaub ich am liebsten morgen loslaufen. Mir hinterher. Wenn man es auf die Beine „stellt“, freut es sich nen Ast und fängt sofort zu erzählen an. Das ist sehr niedlich, aber scheinbar sehr sehr anstrengend grad für das Baby selbst und das muss es den Eltern natürlich mitteilen. Naja. Die ersten Schübe sind ja noch kurz.


Heute früh sind die Großeltern abgereist. Das Hotel in dem sie waren liegt auf dem Weg zum Kindergarten. Um 08:30 waren wir verabredet, ich sollte erst das Kind wegbringen und dann die Großeltern vom Hotel zum Bus bringen. Um 08:02 passierte ich mit Kind das Hotel und meine Schwiegereltern lauerten mir schon auf. Hätten die Koffer schon runter gebracht und ausgecheckt. Ob ich zehn Minuten später wieder da sein könne, wegen des Busses (der Bus fährt alle 10 Minuten, braucht 30 zum Flughafen, der Flug ging um 11:30 Uhr. Denken Sie sich den Rest). Ich hab also das Kind beim Kindergarten nur über den Zaun geworfen nur sehr kurz verabschiedet und war 9 Minuten später wieder am Hotel. Also um 08:13 Uhr, immer noch 17 Minuten bevor wir ursprünglich verabredet waren. Ich sagte nichts. Dann gingen wir zum Bus, zu einer anderen Haltestelle, als ich dachte oder Sinn machte, aber ich sagte nichts. Es kam sofort ein Bus, was gut war weil viel länger hätte ich nicht nichts sagen können. Und so saßen meine Schwiegereltern dann zwei Minuten vor der Zeit, zu der wir verabredet waren, schon im Bus.


Heute mittag war auf mein Anregen hin ein Treffen der Barselgruppe, also die Muttis mit den Babys. Einige sind vielleicht doch interessanter, als bisher gedacht. Eine zum Beispiel, sie kann nicht älter sein als ich, eher jünger denke ich, hat eine 22-Jährige Stieftochter. Dafür ist die mit den Zwillingen viel älter als ich dachte (und sie aussieht, ehrlich, so will ich mit 39 bitte auch aussehen. Aber genug der Oberflächlichkeiten). Eine hat ein Familienbett und testet glaube ich auch ihre Bullshittoleranz, jedenfalls kamen von ihr so Konfliktvermeidungsallgeimeinplätze wie „Jaja, da muss jede Familie den Weg finden, der für sie passt…“. Hätte auch von mir sein können, der Satz.


Dem Baby ne neue Wollstrumpfhose gekauft. Die eingelaufene ist nicht zu retten. Die hat jetzt die Puppe an.


Heute Nachmittag war dann noch Elternabend im Kindergarten. Wir sollen den Kindern die Haare täglich prophylaktisch Läusekämmen. Jaja. Klar, mache ich*. Des Weiteren wird es weiterhin kein warmes Essen geben, sondern an den Brotdosen festgehalten. Ok für mich. Und wir mussten einen dämlichen Tanz lernen, ich wollte mir dabei gerne was in die Nase rammen, aber das ging nicht, also tanzte ich fröhlich lächelnd den doofen Kindertanz (Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung!).


Danach wars es zu spät für Ballett. Und fürs Kind auch, es machte ein Theater beim ins Bett bringen, als würde Herr Rabe ihm die Haut bei lebendigem Leib abziehen. Morgen bin ich wieder dran. Ich freu mich schon*.


Morgenn ist Muttisport, dann evtl Mittagessen, und dann ein berufliches Meeting zu meinem Projekt (an dem andere auch mitarbeiten, also zumindest indirekt, ist kompliziert, unser nicht vorhandenes Organigramm). Ich bin ein bisschen nervös, weil nicht ganz sicher, ob mein Hirn noch gut genug funktioniert oder vielleicht auch mit eingelaufen ist.

*ganz sicher nicht.

Tag 65

Morgen reisen meine Schwiegereltern ab.

Was ich dann nicht vermissen werde:

  • Jeden Tag überhören zu müssen, dass die Essensportionen für sie ja viel zu groß sind (sind sie nicht).
  • Jeden Tag Schokolade mitgebracht zu bekommen (läuft leider komplett konträr zu allen „Wir müssen uns gesünder ernähren“-Plänen).
  • Jeden Tag Geschenke fürs Kind.
  • Jeden Tag Schoki/Kekse/Süßes fürs Kind (aber immer betonen, dass man ja als Kind dick gewesen sei und das sei ganz schlimm gewesen).
  • Dass immer komplett alle Spielsachen im Wohnzimmer ausgeleert werden, sodass man während des Spielens kaum freien Boden für seine Füße findet.
  • Sätze (ans Kind gerichtet) wie „Wenn du schön aufisst, scheint morgen wieder die Sonne!“, „Wenn du so Theater machst, nimmt der Busfahrer dich nicht mit, dann musst du alleine nach Hause laufen!“ und „Geh jetzt mal nicht zur Mama hin, die ruht sich aus.“
  • Sätze (an uns gerichtet) wie „Wart ihr wegen xyz mal beim Arzt?“, „Mag das Kind denn Leberwurst?“ oder „Nimmt das Baby schon Tee aus der Flasche?“
  • Dass mir hektisch an den Kinderwagen gegriffen wird, weil ich ja nicht gesehen hab, dass ich da schon ganz weit links rüber…
  • Dass das Kind dauernd wegen allem behelikoptert wird („Bleib schön hier, nicht so schnell, nicht so hoch, nicht allein die Treppe runter…“)

Was ich vermissen werde:

  • Dass das Kind beim Türklingeln losrennt und aufgeregt „Opa kjem! Oma kjem*!“ ruft.
  • Dass das Kind mal jemand anderem hundert mal am Tag zuruft: „Guck maaaaal!“
  • Dass jemand sich gar nicht davon irritieren lässt, dass das Baby auf dem Arm auch mal rummeckert**.
  • Dass sie sich so sehr an ihren Enkelkindern freuen und einfach alles total süß und toll finden, was sie machen.
  • Dass sie unermüdlich mit dem Kind spielen. Und sich unermüdlich mit dem Baby unterhalten und ihm vorsingen und Musik vorspielen undundund…

* Dialekt (Wäähähä, das Kind spricht Dialekt!) für „Opa/Oma kommer“ = Opa/Oma kommt.
** Was meine Chancen, mal alleine aufs Klo zu können, erheblich steigert.

Tag 64 – Hausfrauengenie

Zur Geburt haben wir für das Baby von meiner Arbeitsgruppe einen wunderschönen, roten Wollschlafanzug bekommen. Der ist war so schön, und so dick, dass wir ihn dem Baby nie zum Schlafen, sondern einfach so als Anzug angezogen haben. Er hat Größe 68, ist war aber sehr viel größer, sodass wir immer die Ärmel und Beine umkrempeln.

Das Kind trägt im Kindergarten als unterste Schicht so dünne Merinowollsachen, für Große auch Skiunterwäsche genannt. Das Kind macht sich aber oft ziemlich dreckig und die Sachen muss man dann vor dem Waschen vorbehandeln, und selbst dann geht vieles nicht ganz raus.

Heute wollte ich spontan Wolle waschen, hatte also nichts vorbehandelt. Dachte mir, ach, Wollprogramm 30°C und 1200 rpm Schleudern, und Synthetikprogramm, 30°C und 1200 rpm Schleudern, also außer dass beim Synthetikprogramm die Sachen mehr bewegt werden und dann hoffentlich auch sauberer werden, wo soll denn da der Unterschied sein?

Der Unterschied ist: die Sachen werden mehr bewegt. Tadaaaa! Und gestrickte Wolle verfilzt dann und läuft total krass ein! Jetzt hat der schöne Schlafi ca. Größe 44 und eine Strumpfhose von dm in Größe 62/68 ist noch 10 cm lang. Auch zwei meiner Wolle/Seide Stilleinlagen haben eine sehr interessante Form bekommen, weil die Wollseite eingelaufen ist, die Seideseite aber nicht.

Ich möchte jetzt gerne auf den Arm.

(Die Merinowollsachen sind immerhin sauber geworden.)

Tag 63 – Don’t turn around

Anleitung zum Babysein, 2. Übung: Wie man sich nicht auf den Bauch dreht

  1. In Rückenlage beide Beine anwinkeln und rhythmisch hin und her schwingen. Den Kopf dabei in die jeweils andere Richtung bewegen und laut „gäääähäääähäää“ singen.
  2. Aus der Rückenlage beide Fersen und den Schultergürtel fest in den Untergrund stemmen. Hüfte leicht anheben. Rhythmisch wiederholen, dabei wegen der Anstrengung sehr bald zu meckern anfangen.
  3. In Rückenlage eine Hand mit den Augen fixeren. Jetzt die Hand in Schulterhöhe auf der Liegeunterlage immer weiter vom Körper wegschieben. Den Kopf auf die Seite drehen. Vor Aufregung alle anderen Körperteile vergessen. In dieser Position (Arm ausgestreckt, Hand zur Faust geballt, Kopf zur Seite, die Hand anstarren) möglichst lange verharren.
  4. Ähnlich wie 3. Abwandlung: Zweiter Arm und Schulter bewegen sich mit dem Kopf in Richtung der angestarrten Hand. Hüfte und Beine aber in jedem Fall unbeweglich liegen lassen.
  5. Ähnlich wie 4. Abwandlung: Hüfte in gleiche Richtung wie Kopf drehen. Beine anwinkeln. Vor Schreck aus dieser so erreichten Seitenlage sofort wieder zurückrollen und nach Betreuungspersonal Ausschau halten.
  6. Ähnlich wie 5. Abwandlung: Nicht zurückrollen sondern entschlossen weiterarbeiten. Hierzu den Kopf weiter drehen, das Gesicht in die Unterlage bohren. Beine rhythmisch strecken und wieder anziehen. Dabei nörgeln.
  7. Ebenfalls Ähnlich wie 5. Abwandlung: Nicht zurückrollen. Gesicht in Unterlage bohren, Hüfte langsam weiter in Richtung des ausgestreckten, unteren Armes rollen. Den unteren Arm langsam ausgestreckt zum Körper ziehen, bis er einen Wall am Bauch bildet. Auf dem Arm liegen bleiben und lautstark das Betreuungspersonal alarmieren.

Heute #12von12 gemacht. Ging ganz gut. Besser als #wib auf jeden Fall.


Wollte ein Update auf El Kapitän machen. Davor wollte ich aber erstmal ein Backup machen, diese Meldung „Kein Backup seit drölfzig Tagen“ klang irgendwie zunehmend vorwurfsvoll in letzter Zeit. Backup dauerte lange. Dann nicht mehr genug Platz auf der Festplatte. Erst Kram evakuieren (externe Festplatte hing ja noch dran). Dann Download des Updates: dauerte ewig lang, das Baby ist derweil auf meinem Schoß weggepennt, aber das war auch klar nach der ganzen Turnerei vorher. Dann irgendwann endlich fertig, nur noch anhaken, auf welcher Festplatte denn installiert werden soll. Ja, natürlich auf der Mac-Festplatte, jaja. Nee geht aber nicht, weil Filevault gerade Daten verschlüsselt. Aber das tut es seit, ungelogen, Monaten und ich glaube es hat sich aufgehängt oder so, der Balken wird jedenfalls auch nicht voller. Voll angepisst aufgegeben. Heute Nacht darf das Macbook dann man anbleiben, vielleicht hilfts ja was. Sonst weiß ich auch nicht.


Wollte Statistikkurs-Hausaufgaben machen. Habe aber die falsche Ausgabe vom Buch (Hardcover statt Paperback), die Nummerierung der Aufgaben ist da anders. Bin außerdem zu geizig, mir für 97,98 € das richtige Buch zu kaufen. Also Dozenten ne mail geschrieben, ob er die Nummerierung in meiner Ausgabe weiß. Bisher keine Antwort.


Muss eigentlich heute um Mitternacht die Bahntickets für den Weihnachtsurlaub buchen. Hahaha. Haha.

Tag 61 – Mama ruft an

Ich brachte grade das Kind ins Bett, als mein Telefon klingelte. Hörte Herrn Rabe sagen „Ja, hmhm, uns geht’s gut. … Ja das geht bestimmt.“. Hörte sich also nicht wirklich dringend an. Bleib noch ein bisschen beim Kind sitzen. Ging aus dem Zimmer. Herr Rabe: „Deine Mutter hat grad angerufen. Hat ne Panikattacke oder so. Wollte wissen, obs uns gut geht.“ . Ich so: Waaaahhhh. Man muss dazu wissen, in meiner Familie sind alle bekloppt, und zwar nicht nur so ein sympathisches bisschen, sondern so richtig mit Klinikaufenthalten und starken Medikamenten und sowas. Ich bin echt die normalste psychisch gesündeste von allen und das will was heißen. Aber Panikattacken, das ist neu, das hatten wir noch nicht. Naja, Mama angerufen, erst mal hören was da los ist. Mama am Telefon völlig aufgelöst. Kann kaum sprechen, schluchzt nur. Sage ihr, dass ich sofort wieder anrufe. Rufe meine Tante an. Wecke sie. Sage ihr, sie soll nen Krankenwagen anrufen. Rufe wieder meine Mutter an. Versuche mit ihr zu reden. Versuche, Belanglosigkeiten auszutauschen (Was hast du denn heute gegessen?). Als die Feuerwehr klingelt, kriegt sie fast nen Herzinfarkt. Ich sage ich habe die benachrichtigt, ihr ist das total peinlich und sie macht die Tür auf mit den Worten „Dahahaaaas wär ahahahaber nicht nötig gewesen, schluchzschluchz mihihiaaaa gehts schon viel behehehesser!“. Werde vom Feuerwehrmann angepampt, wenn nicht Gefahr in Verzug seien sie die Falschen, blablabla. Ist mir kackegal. Feuerwehr ruft meine Tante an, sie soll kommen. Medikamente gibts keine, meine Mutter hat schon irgendwas genommen. Zehn Minuten später ruft meine Mutter wieder an. Geht schon fast, mit ihr zu reden. Feuerwehr ist wieder weg. Tante unterwegs. Sie hatte plötzlich Angst, sagt sie, dass irgendwem den sie lieb hat, was passiert sei. Panische Angst. Uns hat sie angerufen, meinen Bruder, ihren Bruder. Ihre Eltern kurioser Weise nicht. Bzw. wenn man sie kennt, ist das nicht mehr so kurios. Wir reden ca. 15 Minuten, ich backe derweil Geburtstagsmuffins für das Kind. Sie entschuldigt sich 1000 mal, dass sie so nen Wind macht. Ich sage genauso oft, dass ihr das nicht leid tun muss, oder peinlich sein. Dass sie wegen sowas immer anrufen kann. Dass sie überhaupt immer anrufen kann. Dass es uns wirklich wirklich gut geht. Nein, ich kann das schon ab, mir um sie Sorgen zu machen.

Am Ende des Gesprächs kann sie tatsächlich wieder normal reden und sich sogar ne Zigarette anzünden.

Ich backe weiter und fühle mich plötzlich un-end-lich müde.

Tag 60 – Schwiegermutterbesuch

Früher mal, da war meine Schwiegermutter ne richtige Bitch. Sie war von Anfang an unzufrieden mit der Lebenspartnerinnen-Wahl ihres Sohnes gewesen, warum auch immer, sie fand mich jedenfalls von Anfang an richtig scheiße und ich sie auch. Die Situation eskalierte denn auch in fünf Jahren zwei mal, das letzte mal so heftig dass ich mir schwor (und ihr sagte), dass ich ihr Haus nie wieder betreten würde. Ich habe immer versucht, ihr Enkelkind da raus zu halten, auch Herr Rabe hatte ja nicht das Problem mit ihr, sondern ich. Aber ich wollte mir das nicht mehr geben, dieses ständige Herabgesetztwerden von mir als Frau, Mutter, Mensch. Gepaart mit Vorwürfen, dass ich ihrem armen armen Sohn ja auf vielfältige Weise das Leben schwermachen würde. Als absolutes Minimum fand ich eine Entschuldigung angebracht, für ihr Verhalten, das letztlich den großen Streit auslöste. Es herrschte lange eisiges Schweigen zwischen uns, meine Schwiegermutter entschuldigt sich nicht und ich kann sehr verbohrt konsequent sein, wenn ich will. Keine Entschuldigung, kein Kontakt. Bumms.

Jetzt steht meine Schwiegermutter am Beginn einer Demenzerkrankung. Das heißt, sie ist über das normale Maß einer 70-Jährigen schusselig, vergisst, welcher Wochentag ist, vergisst, was sie schon erzählt hat, vergisst, wie die Mikrowelle funktioniert. Sie kommt mit dem Namen des Babys durcheinander. Verläuft sich in unserer Wohnung. Verläuft sich nachts im Hotel, will aufs Klo, landet aber auf dem Flur und sperrt sich aus.

Unseren Streit hat sie sicherlich längst vergessen.

Und ich kann ihr nicht mehr böse sein.

Und alles was ich dazu empfinde ist ein großes Tja. Eigentlich möchte ich tatsächlich gerne mein Gedächtnis löschen und (so wie sie) alles vergessen, was früher zwischen uns war. Und nur noch sehen, dass sie eine lustige Oma ist, die ständig singt, Musik macht und manchmal halt dreimal in einer Viertelstunde das selbe erzählt. Aber so ganz bekomme ich das nicht hin und das finde ich tatsächlich sehr schade. So richtig von Vorne anfangen: es wäre so schön, wenn das ginge.

Tja.

Tag 59

Kindergartenferien heute und morgen. Kind schläft bis 07:45 Uhr und will dann Action. Baby schläft bis 10 und ich jubele ein bisschen weil sonst wär ich wohl schon vor neun abgedreht. So gibts immerhin Kaffee, Klo und Frühstück für mich.

Szenenwechsel. Das Kind will unbedingt ein Kickboard zum Geburtstag. Sowas kann man schlecht ohne Ausprobieren kaufen. Entschließe mich, mit Kind und Baby zum Sportladen zu fahren, Kickboards ausprobieren. Bereite das Kind darauf vor, dass es ein eventuell erworbenes Kickboard erst am Sonntag zum Geburtstag bekommt. Das Kind täuscht Verständnis vor.

Szenenwechsel. Nach gefühlten tausend Stunden sind alle Beteiligten satt und haben saubere Pos. Wir machen uns auf den Weg zum Auto. Das Kind hopst vor Freude auf dem Gehweg. Ich will das Auto öffnen, es reicht dabei, den Griff an der Fahrer- oder Beifahrertür anzufassen („Keyless Go“). Ich fasse den Griff an. Nichts passiert. Ich fasse nochmal an. Nichts passiert. Ich reiße hektisch am Türgriff herum, das Baby japst in seinem Maxicosi wegen dem Wind, das Kind krakeelt „Mein Kindersiiiitz! Einsteigäääään!!!“. Die Tür öffnet sich nicht. Ich fluche ziemlich laut und ziemlich deutsch-fäkal-sexuell und fummel den „echten“ Schlüssel aus dem Funkschlüsselgehäuse. Damit lässt sich immerhin die Fahrertür öffnen. Ich stecke den Schlüssel ins „Schloss“ und drücke auf den Power-Knopf. Nichts passiert. (Man könnte an dieser Stelle meinen, ich fahre das Batmobil, doch weit gefehlt, es ist ein Toyota Prius II.) Ich beschließe, mich nicht aufzuregen und definitiv nicht zu heulen. Erkläre dem Kind, dass wir dann jetzt halt Bus fahren. Bringe den MaxiCosi hoch, Baby in den Kinderwagen, Herr Rabe informieren, dass irgendwas mit dem Auto oder meinem Schlüssel nicht stimmt und dann auf zum Bus.

Szenenwechsel. Dem Kind eine neue schicke Hose kaufen. Es will unbedingt eine orangene Kordhose. Von mir aus.

Szenenwechsel. Wir kaufen Batterien für den Autoschlüssel. Ich hoffe inständig, dass es nur die Batterie ist.

Szenenwechsel. Wir haben ein Kickboard gefunden, das Kind hat sofort gesagt, dass es das haben will, es ist auch recht günstig. Ich bestehe drauf, dass wir es erst probefahren. Organisiere einen ca. 20-Jährigen Verkäufer mit Freddy Mercury-Schnäuzer, der mir eins von den Dingern auspackt und zusammenbaut. Das Kind steigt auf und fährt los. Sieht super aus. Muss danach das Kind mit Gewalt wieder von dem Probekickboard losschweißen. Besteche das Kind mit Eis. Dann können wir eins von den noch eingepackten Kickboards kaufen.

Szenenwechsel. Einen Meter hinter der Kasse will das Kind das Kickboard auspacken. Diskussion. (Heißt es Diskussion, wenn die eine Seite nicht argumentiert und auch keine Argumente annimmt?) Wiederhole das Eis-Versprechen. Betone erfolglos, wie schön Vorfreude ist. Das Kind hört irgendwann auf zu schreulen und geht unter Schluchzen zum Kiosk. Wir kaufen Eis und Kaffee. Frieden.

Szenenwechsel. Wieder zu Hause. Baby hat Hunger, Kind muss aufs Klo, Kind will Kickboard auspacken, spielen, kacken, lesen, „das Baby soll jetzt nicht Milch trinken!“ und das alles gleichzeitig. Ziehe die Notbremse: Sendung mit dem Elefanten.

Szenenwechsel. Herr Rabe kommt nach Hause. Seine Diagnose des Autoproblems: Batterie leer. Jemand (Er!) hatte Montag nach dem Fußball wohl das Standlicht angelassen. Wir haben kein Batterieladegerät, noch nicht mal ein Überbrückungskabel, das haben wir alles zusammen mit dem Bulli (schnüff) verkauft. Freunde mit notorisch kaputter Karre anrufen. Ja, können das Ladegerät heute Abend abholen. Herr Rabes Eltern informieren, dass sie doch den Bus vom Flughafen nehmen müssen.

Szenenwechsel. Das Kind schläft an Herrn Rabe gelehnt einfach ein. Eigentlich wollten sie grade rausgehen und dann die Großeltern vom Bus abholen. Das Kind ist über das Aufwecken nicht erfreut.

Szenenwechsel. Schwiegerelternbesuch. Muss man sonst wohl nicht viel mehr zu sagen.

Szenenwechsel. Kind im Bett, Baby brüllt, Kind weint, Herr Rabe ist das Ladegerät abholen, mir platzt der Arsch ein bisschen und ich fange an zu flennen, weil ich sososo kaputt bin. Kind weint noch mehr. Erkläre, dass auch ich irgendwann nicht mehr kann und dass mich das doll nervt, wenn das Baby brüllt und dann noch das Kind rumheult und versucht das Baby zu übertönen. Das Kind versteht das (Halleluja!) und weint nur noch ein ganz bisschen. Ich schaukele das Baby, halte die Hand des Kindes und summe vor mich hin. Das Kind schläft ein.

Szenenwechsel. Das Baby brüllt herum. Herr Rabe versucht, die Batterie aus dem Auto auszubauen. Ich atme.

Szenenwechsel. Jetzt. Baby nörgelt, Beistellbett ist offensichtlich immer noch scheiße. Herr Rabe schläft.

Gute Nacht.

Tag 58

Ich kann jetzt die erste Strophe von „Hurra for deg“. Jetzt bin ich quasi Geburtstagsfertig, abgesehen vom Kuchen, den ich noch backen muss, was aber ja heute auch noch nicht so sinnhaftig gewesen wäre.


Nachdem ich gestern um viertel vor zwölf dachte, ich würde jetzt das Licht ausmachen, nachdem ich noch kurz vielleicht ein klitzekleines Blögchen…
… machte ich das Licht dann doch erst um halb eins aus, weil ich mich bei essential unfairness festgelesen hatte. Gehen Sie dahin und lesen Sie, meine Damen und Herren, das ist ein sehr sehr feiner Blog, den die Lareine da betreibt (und ich will auch was über attachment parenting von ihr lesen!). Jedenfalls konnte ich nicht sofort einschlafen und nach ca. 15 Minuten in der Dunkelheit liegen fiel mir auch noch ein, dass wir das Lammfleisch ja noch in der Küche stehen hatten und vergessen hatten es einzufrieren. Da ich jobbedingt leider weiß, wie schnell sich Bakterien auf rohem Fleisch bei Raumtemperatur vermehren, stand ich dann halt noch mal auf (Herr Rabe schlief natürlich wie ein Stein) und packte die 9,6 kg Fleisch in Tüten und dann in den Gefrierschrank. Koteletts, Rippen, Beine und den Rest. Immerhin waren wir dieses Jahr darauf vorbereitet, unsere Jahresration Fleisch auf einmal zu bekommen, sodass der Platz im leergegessenen Fach tatsächlich reichte (und es musste noch nicht einmal der Schnaps ausziehen). Ergebnis der Aktion war dann aber exorbitante Müdigkeit heute morgen. Da half es auch nicht, dass das Kind tatsächlich noch in seinem eigenen Bett lag, als ich wach wurde.


Heute wurde der Nobelpreis für Chemie vergeben und ihn bekommen drei Forscher, die an DNA-Reparaturmechanismen geforscht haben. Das ist, womit ich arbeite. Der eine (Tomas Lindahl) war hier noch im Frühjahr und hat auf dem Symposium zum 70. Geburtstag von Hans einen Vortrag gehalten. Hans hat die Arbeitsgruppe DNA-Reparatur sehr lange geleitet, einer seiner ersten Doktoranden war damals Geir, und der ist jetzt mein Chef. Tomas Lindahl hat Basenexzisionsreparatur entdeckt, das Protein an dem ich mir die Zähne ausbeiße forsche ist ein wichtiges Enzym in diesem Zusammenhang. Oder vielleicht auch nicht. Es ist kompliziert. Aber das heißt, dass das Thema jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt, was wiederum heißt, dass Geld fließen wird, was (bittebittebitte) heißt, dass mein Projekt verlängert werden kann, sodass ich nicht am Ende vom Geld immer noch keine Ergebnisse habe und dann keine Dissertation schreiben könnte und dann wären drei Jahre für die Katz. Insofern freue ich mich sehr über den Nobelpreis. Mehr als letztes Jahr, als die Mosers den Nobelpreis für Medizin bekamen. Die Mosers sind von der gleichen Universität und der gleichen Fakultät wie wir. Ihre Labore sind in einem anderen Gebäude des selben Krankenhauses. Sie haben herausgefunden, wie im Hippocampus von Ratten (und Menschen) die Orientierung im Raum organisiert wird. Das ist verrückte Scheiße, verblüffend einfach und einleuchtend und so fancy Videos kann man dann auch machen, wie die Ratten mit ihren kleinen Helmchen (also einer Elektrode direkt im Hippocampus, aber das sagen wir mal besser nicht so laut) in Kästen herumlaufen und immer mal hier und da schnüffeln und dann funken die entsprechenden Gehirnzellen herum und am Ende hat man eine feine, kleine „Karte“ des Kastens. Das war natürlich für die Uni und die Fakultät total super, dass der Nobelpreis an die ging, aber leider kann man hier jetzt keinen Schritt mehr tun, ohne über die Mosers in irgendeiner Form zu stolpern. Das nervt dann doch irgendwann. (Beispiel gefällig? Shiny happy people.)


Heute das erste mal Nordlichter gesehen. Leider noch zu dunkel und zu grün für Fotos, und wir wohnen auch in der Stadt, da ist zu viel light pollution. Aber immerhin habe ichs jetzt mal gesehen und kann sagen, dass es schon sehr schön und erhebend ist.


Das Baby ist eine unfassbare Fressmaschine heute. Ich habe das Gefühl, dass es  bereut, am Sonntag einmal 6 Stunden am Stück nicht getrunken zu haben und holt das jetzt auf. Ich muss deshalb jetzt auch Schluss machen hier und der Haushalt wartet auch noch mit diversen Aufgaben. Meh.

2015-10-07 14.43.03
Essen ohne Baby vollkleckern. Check! (Oh Hilfe, ich muss zum Frisör!)