Hier fühlt sich alles oft so an, wie Tennis mit so einer Ballschießanlage spielen, die einfach unaufhörlich Bälle rauspumpt. An guten Tagen komme ich in so eine Art Flow dabei, die ständig wechselnden Aufgaben möglichst schnell wegzuschlagen. Weg, weg, weg, weg, Check. An schlechten Tagen hingegen kommt mir das alles wie Sisyphusarbeit vor (ist es ja auch, es hört ja nie auf) und ich möchte am liebsten von vornherein kapitulieren und auf dem Boden liegen und die Bälle Bälle sein lassen.
Heute war ein guter Tag. Außer Arbeit (eine Tennisballschießanlage für sich) habe ich noch, wie so eine Superperson, Michel von der Schule abgeholt und zum Augenarzt begleitet, dann Pippi vom Hort abgeholt und zum Schlagzeugunterricht gefahren, dann beiden Kindern Eis gekauft, später beide Kinder zum Korps gebracht und wieder abgeholt, warmes Essen serviert und war beim Ballett. Danach beide Kinder ins Bett gebracht, davor Pippi noch zum Duschen genötigt, Brotdosen vorbereitet, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Pfannen gespült und die Gaspatrone an der Blubbermaschine gewechselt. Die Meerschweinchen habe ich auch gefüttert und den Müll rausgebracht und Brot aufgetaut.
Das ist alles viel und nächste Woche gibt’s hier sicher wieder Genöl, weil ich antriebslos nichts gebacken bekomme (Spaß. Nächste Woche gibt es Kurzmeldungen wegen Arbeitswoche straight outta hell). Aber für solche Zeiten muss ich das ab und an mal aufschreiben. Es ist nicht immer schlecht, ich bin nicht immer faul, und wenn es gut ist, ist es oft sogar richtig gut.
Ach ja: die Kinder waren, während ich beim Ballett war, allein zu Hause. Sie hatten eine Reihe Aufträge bekommen, wie zum Beispiel die Kühlschranksachen vom Essen wieder wegräumen und Zähne putzen, bevor ich wieder komme. Die Regeln für alleine zu Hause sein (sie bleiben hier und andere Kinder können nicht zu Besuch kommen und wenn was ist, anrufen und wenn wer blutet oder es brennt oder sonstige Notfälle sind, zu den Nachbarn gehen) kennen sie ja auch, nur haben wir die zwei zusammen bisher höchstens mal 20 Minuten für kurz was einkaufen alleine gelassen. Die zwei haben das heute aber prima gemacht. Große Kinder sind toll.
Pippi geht es schon viel besser und morgen dürfte sie wieder zur Schule gehen, wenn nichts außergewöhnliches über Nacht passiert.
Michel möchte ein größeres Blasinstrument ausprobieren. Euphonium oder Tuba schwebt ihm vor. Von mir aus kann er das gerne probieren, wir müssen nur rauskriegen, wo man das kann.
Ich war bei der Arbeit in diesem Büro und so nett das da ja ist, mit den Kolleg*Innen und so, aber zum Arbeiten kommt eine da ja eher nicht. Kaum hat man sich hingesetzt, ist schon wieder irgendein Meeting.
Highlight des Tages: der Zug fährt wieder! Hurra! Kein Busgegurke bis zum Flughafen mehr! Das ist ja doch wesentlich schneller und komfortabler, wenn man einfach durchfahren kann.
Herr Rabe hatte heute Java-Kinder-Konferenz und nahm Michel mit. Die beiden hatten es gut und Michel findet jetzt wohl, dass sein Papa der allergrößte ist. Hat er ja auch recht.
Pippi ging gegen Mittag (auf leichten Druck meinerseits) rüber zum Nachbarsmädchen.
Ich war vier Stunden lang alleine. Das war besser als Schlafen. Die Hälfte der Zeit habe ich Geige gespielt, bis mir die Fingerspitzen weh taten. Dann habe ich ein kleines Nickerchen gemacht, gelesen, die Meerschweinchen sauber gemacht, Wäsche gewaschen und dann war immer noch Zeit übrig. Jetzt habe ich auch noch meine eine Leinenhose repariert und die Taschen weiter nach oben gesetzt.
Es ist ganz schön, ab und zu seine eigenen Gedanken hören zu können.
(Leider kam Pippi wieder und klagte über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen und das Fieberthermometer erklärte zumindest letzteres. Meh.)
Die Geschichte von gestern ist schnell erzählt: ich hab insgesamt 10 Stunden gearbeitet und bin dann auf dem Sofa eingepennt.
Heute mussten wir auch alle halbwegs früh aufstehen, was so mittel gut geklappt hat, denn mein Wecker hat nicht geklingelt und weil ich in Michels Bett geschlafen habe, weil Michel, als ich vom Sofa ins Bett kroch, in unserem Bett lag und Herr Rabe unter Michels Bettdecke nicht schlafen kann, bin ich auch nicht von Herrn Rabes Wecker aufgewacht. Gab dann einen Kaltstart und ich war den ganzen Tag ungeschminkt mit fettiger Haut und einem Schlafstrubbel am Hinterkopf unterwegs – zwischen tausend Leuten und man kennt sich hier ja auch. Uff, naja. Egal.
Jedenfalls war heute „Musikfest im Park“, was vom Titel her vielleicht ein falsches Bild vermittelt, denn es war Korpsmusik am Eidsvollbygningen. Das ist ja ein sehr ehrenwürdiges Gebäude, in dem 1814 die norwegische Verfassung unterschrieben wurde und da ist es schon auch schön, man kann da unter anderem überaus gut spazieren gehen und/oder Pokémon fangen. Wir allerdings MUSSTEN da hin, weil der Schulkorps da hin musste. Unsere Kinder sind ja „nur“ Aspirant und Rekrut, spielen also noch nicht mit, marschieren aber und stehen, während der Hauptkorps spielt, dekorativ rum (Pippi tanzend und ihre Troddel an der Mütze propellern lassend, Michel mit dem Gesichtsausdruck eines routinierten Begräbnisunternehmers). Trotzdem mussten sie hin. Außerdem hatte mein Lieblingskollege gesagt, wenn ich mal nen richtig guten Korps sehen Wolle, solle ich auf jeden Fall die Garde anschauen. Nach den ganzen Eidsvoller Schulkorpsen und Erwachsenenkorpsen spielte nämlich die 3. Kompanie der Königlichen Garde, was, wie Wikipedia verrät, eine der weltweit besten Marsch-, Drill- und Konzertkapellen ist. Jaha. Wie, Drill sagt ihnen nichts? Mir auch nicht, bis vorhin.
Also erstmal war natürlich Marschieren mit den Kindern angesagt und das haben die prima gemacht. Michel wird langsam nölig, weil er in den Hauptkorps will, und wenn ich den Hauptkorps so höre, denke ich, da passt er von der Leistung her auch rein. Ähäm. Ansonsten habe ich heute gelernt, dass es einen Eidsvoller „Bonuskorps“ gibt, der nur einmal im Monat probt und ich bereue jetzt, kein Trötinstrument zu spielen, die hatten nämlich offenbar eine Menge Spaß und waren musikalisch ein echtes Highlight.
Was dann aber echt krass war, war die Garde. Die sehen zum Großteil aus wir halbe Kinder, was kein Wunder ist, denn das sind Wehrpflichtige. Das, was wir jetzt sehen, sind die letzten Aufführungen der Truppe, jetzt im September tritt der nächste Jahrgang seinen Dienst an. Hence the Pickel. Ich habe auch messerscharf aus den Anwesenden geschlossen, dass zwei Frisuren ok sind (geschlechtsunabhängig): ganz kurz oder langes Haar stramm im Nacken zusammengebunden, im geflochtenen Knoten.
Janitsjar- und Signalkorps.
Es ist natürlich alles ein einziges Pimmelgewedel. Ich teile durchaus Michels Verwunderung, dass man Soldat*In und Musiker*In gleichzeitig sein kann und dass das Militär ganz eigene Musiker*Innen hat, aber ich hake das unter Seltsamkeiten des Patriarchats ab. Und aus künstlerischer Perspektive ist das halt schon sehr beeindruckend, sowohl musikalisch als auch choreographisch und vor allem in Kombination.
Erst mal gab es eine Drillvorführung, und zwar einen kompletten „Oladrill“, das ist wohl was besonderes. Die Kompanie besteht aus drei Divisionen: Korps, Drilltruppe und Kampaniestab (Zeugwarte etc.). Das Korps (der?) spielt, die Drilltruppe wirbelt und wirft mit ihren Gewehren mitsamt Bajonetten rum und schießt auch (zu Pippis Schock) und alle marschieren, aber schon sehr fortgeschritten, wenn ich so dran denke, wie viele wenige Schritte es brauchte, bis Vilberg Skolekorps nicht mehr so ganz im Gleichschritt war, und die mussten nur geradeaus laufen.
Sehen Sie hier:
Danach spielten die Korpse (das sind eigentlich 2, ein Janitsjar-[Jah-nitt-schah]Korps und ein Signalkorps, der aus Trommeln und Fanfaren [oder zu Konzertzwecken Kornetten, im Drill aber tatsächlich Fanfaren] besteht) noch ein Konzert, fast eineinhalb Stunden lang. Da zeigten sie auch, dass sie durchaus nicht nur Marschmusik können (eins der Videos ist leider zu groß, da spielen sie ein arabisch-amerikanisches Stück und als Gimmick läuft Pippi mehrmals durchs Bild, erst marschierend und dann „arabisch“ tanzend).
Alles in allem ein leicht absurder, aber interessanter und schöner Tag. Und nicht nur ich habe hinterher 2 Stunden lang geübt, sondern auch Michel und sein Kumpel haben Kornett und (Pippis) Trommel gespielt. Yeah.
Jetzt nur noch verhindern, dass eins meiner Kinder deshalb zum Militär gehen möchte.
___
Edit: ich hatte ein bisschen technische Probleme beim Hochladen, aber jetzt sollte es eigentlich gehen. Sorry.
Arbeit war heute so, dass ich am Ende einfach den Rechner ausgeschaltet habe und wenn mir morgen noch danach ist, sehr bissige Mails zu schreiben, ist ja auch morgen noch ein ausgesprochen guter Tag dafür.
Nach der Arbeit war ich beim Entsorgungshof und habe unsere alte Matratze plus was so rumflog an Spezialabfall (alte Bratpfannen, diverse alte Trinkflaschen aus Metall und Hartplastik, große Pappkartons usw.) weggebracht. Danach war ich einkaufen und habe festgestellt, dass es jetzt norwegische Äpfel gibt, weshalb es zum Abendessen Apfelpfannkuchen gab. Die Kinder wurden enterbt, weil sie die nicht mögen, wenn Äpfel drin sind.
Der Abend ging für Aufräumen für die Putzhilfe (jetzt neu auch in Steuern abführend) drauf.
Jetzt Bett und schlechte Laune vom Aufräumen. Sisyphus hatte eigentlich Kinder, denen er 24/7 hinterherräumen musste.
Hintergrund: ich musste Herrn Rabe geradezu überreden, einen beruflichen Vor-Ort-Termin wahrzunehmen, auch wenn das heißt, dass ein regelmäßig stattfindender (beruflicher) Spaßtermin für mich ausfällt.
Ich bin noch so überwältigt, dass es heute doch noch geklappt hat, und von der allgemeinen Großartigkeit, dass ich (jetzt in der S-Bahn sitzend) heulen könnte. Ich denke, das ist insgesamt eine erwachsene und angemessene Reaktion auf die letzten 2 Tage.
Weil, eigentlich hatten wir, das heißt Little B. und ich, ja Karten für gestern. Ursprünglich hatten wir Karten für 2020, dann 2021. 2020 wurde wegen Pandemie auf 2021 verschoben, 2021 wurde wegen Pandemie abgesagt. Und gestern wurde wegen Unwetter abgesagt.
Gestern Abend hat Little B. aber noch über Twitter Karten für heute aufgetrieben. Die haben wir heute, leicht verkatert, abgeholt und es war ein sehr netter Mensch, mit dem wir sprachen, die Karten wurden aus sehr einleuchtendem Grund (Covid) nicht selbst genutzt und wir zahlten auch keinen Mondpreis. Noch mal vielen Dank! Und jetzt war ich dann auch mal in einem waschechten Prenzlberger Hipstercafé frühstücken.
Allerdings war bis Mittags immer noch eine Unwetterwarnung für heute. Das machte uns nicht wirklich entspannter. Auf der anderen Seite wurde der angekündigte Regen immer weiter nach hinten geschoben und dann auch nur noch als leicht angekündigt und so gegen vier waren wir einigermaßen sicher, dass es wirklich tatsächlich stattfinden würde. Da waren wir noch einen Real-Life Kaffee mit einigen Berlinerinnen aus der Twitterkneipe trinken, was ebenfalls zu den Highlights des Wochenendes gehört.
Es gab dann noch einen kleinen Stressmoment mit Schließfächern, aber auch das löste sich und dann waren wir tatsächlich endlich da und wie soll ich sagen, scheiß auf die Vorbands aber ES WAR EINFACH GROSSARTIG. Natürlich sind die nicht mehr 20, weder optisch noch vong Fitness her, aber großartig sind sie einfach. Da hängt natürlich bei mir (und geschätzt 59.999 der anderen Zuschauenden) auch ganz ganz viel emotionales dran, weil ich die halt seit 25 Jahren und in vielen prägenden Lebensphasen gehört und immer wieder live gesehen habe. Das letzte mal live zum Beispiel mit dickem Bauch auf dem Hurricane Festival, vor 10 Jahren und 2 Monaten (ca.). Aber was man immer wieder merkt: wie viel Spaß die daran haben, live zu spielen. Es kommt rüber, das das ne riesen Gaudi für die ist, aber nicht nur Quatsch, sondern irgendwie sinnstiftend. Es geht nicht (mehr) drum, aktuelle Alben zu bewerben, es wird quer Beet Zeug von den 80ern bis heute gespielt, die Ansagen sind… lang und wirken nicht geprobt und alle haben Spaß. Inzwischen halt mit man boobs, Plautze und einem Publikum, das zum Teil nur noch verhalten hüpft, weil auch Beckenböden altern. Aber egal! Alle hatten Spaß.
Überhaupt mochte ich das Publikum in unserer Ecke, da waren alle entspannt, textsicher und nicht daran interessiert, sich mit möglichst viel und engem Körperkontakt an Menschen zu reiben. Von der Bühne sahen wir nicht viel, aber dafür hatten wir beste Sicht auf die Leinwände. Reicht. Körperkontakt war gestern genug.
Vielen, vielen Dank, liebe Little B., für das großartige Wochenende. Es war ein bumpy ride, aber im Endeffekt noch besser als der ursprüngliche Plan. Vielen Dank auch an M., L., und S., für den netten Nachmittag. Vielen Dank an die Wettergöttin und vielen vielen Dank an die beste Band der Welt.
Schnüff.
P.S. Nein, Westerland haben sie nicht gespielt. Geregnet hat es erst ganz am Schluss. Und geheult hab ich erst im Hotel.
Norwegisch lernen mit Frau Rabe: Bomtur [Bummtür] – vergebens gemachter Ausflug. Ich flog also durch die Gegend, um eine mit bis dato unbekannte Band (The Real McKenzies) zu sehen, die dann sehr gut war. Und um jetzt sehr sehr betrunken zu sein.
Morgen muss ich sehr sehr früh aufstehen, um um 07:35 ein Flugzeug zu nehmen, einfach so für Spaß. Die Flugscham und generell Kurzreisenscham ist definitiv stark, aber ich freue mich auch sehr, weil ich liebe Menschen treffen werde und was tolles mache, was, was man hier in Norwegen so ca. nie machen kann.
So, genug der Geheimniskrämerei, ich muss dringend schlafen. Es war eh schon ein langer und anstrengender Tag.