Tag 1536 – Kuuuscheln!

Ich liege zwischen den Kindern im großen Bett, anders ließ sich das nicht lösen, dass beide mit mir kuscheln wollten (und ich ja ich mit ihnen). Wir sind heute pünktlich beim Hersteller losgekommen und durch ein bisschen Glück war ich schon um zehn nach sieben und nicht, wie befürchtet, um halb neun oder so zu Hause. Und jetzt sind hier diese kleinen Menschen und ich bin so froh, die zu haben, ich könnte einfach heulen.

Vielleicht war das eine sehr anstrengende Woche und vielleicht bin ich im Grunde einfach total fertig.

Eventuell.

Tag 1525 – Kindkrankhomeoffice.

Tja. Michel hatte nicht nur gestern Abend ein bisschen Kopfschmerzen, sondern wachte heute morgen knalleheiß auf. Das war heute sogar noch halbwegs ok, weil ich eh von zu Hause aus arbeiten wollte. So arbeitete ich halt zu den Klängen von Kinderfernsehen. Aber Michel ging es wirklich schlecht und er tat mir so leid, wie er da ganz käsig auf dem Sofa saß und ganz klein aussah und mit abnehmender Wirkung der Kinder-Ibuprofenkapsel immer mehr stöhnte. Am Ende machte er sogar den Fernseher ganz von selbst aus und schlief ein.

Abends gab es dann viele Tränen, weil krank sein einfach scheiße ist und Schule viel besser. Essen war auch nicht so seins heute, ein bisschen Grøt ging rein, ein Apfel (wir haben dem Kind offenbar überzeugend eingeredet, Äpfel seien total gesund und nun will er die immer, wenn es ihm auf irgendeine Art nicht gut geht. Könnte schlimmer sein) und ein Spiegelei, aber letzteres schon nur mit Überredung. Am Ende musste ich ein Häuflein Elend buchstäblich ins Bett tragen, die Schulter dankt, aber wenn mein Baby sich so mies fühlt, dass er schon nur noch weinen kann, dann mache ich das und trainiere hinterher gegen den Schmerz an. Ich musste Michel im Bett noch versprechen, dass wir zum Arzt gehen, wenn es ihm nicht bald besser geht. Armer kleiner Zwerg.

Pippi findet alles voll ungerecht und will auch zu Hause bleiben.

Ich finde alles voll ungerecht und will so gern arbeiten gehen. Ich werde morgen (hoffentlich) ein Skype-Meeting haben, ich kann meine Kollegin quasi bis hier hin mit den Augen rollen hören, aber was willste machen, Michel ist definitiv nicht morgen Schulfit. Ich baue auf übermorgen, weil, herrje. Da wären zwei dreistündige Meetings, wah! Hoffen wir, vor allem für Michel, dass es so schnell vorbei geht wie bei Pippi, die war nach dem Tag ohne Form noch einen Tag lang schlapp und dann wie immer.

Jetzt Bett, hilft ja alles nix, denn Michel wacht dauernd auf und ich muss wohl daneben liegen bleiben, damit er endlich richtig einschlafen kann.

Tag 1520 – Hachja.

Die lieben Kleinen.

Erst hab ich heute Pippi im Schlafanzug zum Kindergarten* gebracht, weil sie sich absolut nicht umziehen wollte. Also frischen Schlüpfer an und die Schlafanzughose wieder angezogen. Ich wünschte jetzt, ich könnte so supermuttimäßig damit rumprotzen, wie toll Pippi nach diesem Zugeständnis den Rest des Morgens mitgemacht hätte, aber, wen überrascht’s, das Kind kann auch prima im Schlafanzug im Flur auf dem Boden liegen und sich jeder Zusammenarbeit einfach aus Prinzip verweigern.

Im Kindergarten lief sie dann aber sofort zu den anderen Kindern um zu verkünden: „Das ist mein sove… äh Schlafisssuk!“ Ich bin halt nicht die einzige Sprachverwirrte hier. (Pysj heißt es auf Norwegisch.)

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Michel plant Großes:

Schlimm, schlimm**, da bin ich auf Inspektion.

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Michel ist wohl heute in der Schule irgendwie von einem Mitschüler geschlagen worden. Die Lehrerin rief an, weil Michel sehr doll geweint hat. Wir haben darüber geredet, Michel und ich, und er möchte, dass die Lehrerin noch mal mit dem anderen Kind schimpft, das hat sie zwar schon getan, aber Michel hat es nicht mitbekommen und da greift bei Michel der Mechanismus „Pics or it didn’t happen“. Armer Zwerg. Und was geht bitte bei nem Kind das bei nem kleinen Disput direkt erst mal anderen Kindern ins Gesicht boxt?

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Jetzt liege ich mit Pippi im großen Bett und sie kann nicht wieder einschlafen. Zum, ich glaube, zweiten Mal überhaupt, hat sie sich nämlich im Bett eingepullert und das war offenbar sehr schlimm, und auch dass wir dann keine Möhrensuppe*** aus dem Hut zaubern konnten, war sehr schlimm und überhaupt, warum ist nicht jetzt Aufstehzeit?

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*Die Kindergärtnerin nur so „Jaja, das kenne ich, pick your battles. Das ist es nicht wert, morgens ne Stunde zu streiten.“

**Ich weiß nicht mehr, woher das kommt. Irgendein Sketch oder ne Serie. Jedenfalls ist das ironisch gemeint und man muss das in so einem resignierten Tonfall sagen (oder halt lesen) und zwischen Herrn Rabe und mir ist das so eine Standardredewendung.

***Wie auch immer sie darauf kommt, dass wir Möhrensuppe haben sollten.

Tag 1519 – Wort des Tages.

Tenketank. Wir beim Staat sprechen Norwegisch und da wird brutal eingenorwegischt. Beispiele:

  • Audit trail – Revisjonsspor
  • Back-up – Sikkerhetskopiering

Und jetzt eben

  • Thinktank – Tenketank

Herrje. Und da soll man ernst bleiben, wenn der oberste Oberdirektor die ganze Zeit tenketank sagt. Kadonkadonk, sagt RuPaul in meinem Kopf.

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Michel hat heute zum ersten Mal mit seinem Kumpel ganz allein den Bus genommen. Mein Baby! Sie sind zum Kumpel gefahren, da hat sie die Oma an der Bushaltestelle abgeholt und das war alles so abgesprochen und hat auch alles gut geklappt, aber irgendwie bin ich noch nicht so weit, dass ich entspannt mein Kind mit dem Bus durch die Gegend gondeln lasse. Also war ich unentspannt.

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Apropos bin noch nicht soweit: hier hat’s heute geschneit und es ist auch liegen geblieben. Ich möchte das echt vor Michels Geburtstag noch nicht.

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Apropos Sprachwirren und geschneit: der Nachbar, der mit einer Deutschen verheiratet ist, fragte heute mit seinem putzigen Akzent „Wie geht es?“ und ich grunzte „Ugh, ja, Schnee, bläh, ich bin noch nicht…“ und dann fehlte mir das Wort fürs norwegische „klar“ „fertig? Nein. Ich bin noch nicht bereit. Soweit! Ich bin noch nicht soweit.“

Meine Muttersprache geht langsam flöten. Es ist besorgniserregend. Ich bin noch nicht fertig dafür.

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Tenketank. Kadonkadonk. Gnihihi.

Tag 1472 – Ein Hoch auf die Pharmaindustrie!

Nicht nur sorgt sie indirekt für Brot auf unserem Tisch, nein, sie hat COX-Hemmer hervorgebracht. COX-Hemmer sind nichtsteroidale Analgetika und ich hänge vielleicht zu viel mit Pharmazeut*Innen ab, merke ich gerade. Jedenfalls, die meisten von Ihnen kennen bestimmt den Geruch dieser geligen Sportsalbe, so ein bisschen alkoholisch…? Es erinnert mich direkt an früher, als ich noch Leistungssport machte und mir dauernd die Oberschenkeladduktoren zerrte oder meine Brustwirbel in der Trainingspause im Sommer herausflogen. Hach. Eigentlich hab ich das gar nicht vermisst, aber die gute Nachricht ist: die Salbe wirkt, ich bin grad nahezu schmerzfrei und solange ich mich bewege oder den Arm senkrecht nach oben strecke, hab ich auch Gefühl im Daumen.

Trotzdem muss da was passieren, jaja, schon klar, ich hab ja auch nen Termin beim Arzt aber sowas dauert halt immer.

Arbeit heute: ein wenig über jemanden geärgert, mit dem Terminabsprache eher eine Herausforderung ist und nun müssen eventuell Flüge und Hotels umgebucht werden, weil es wohl schwer ist rechtzeitig mitzuteilen, dass eine wichtige Person halt ab mittwochs mittags leider nicht da ist. Let the Kalendertetris begin… again. Meh.

Kinder heute: Michel hatte seine erste Stunde bei der Kulturschule, da werden Musik und bildende Kunst den Kindern nähergebracht. Das macht er mit seinem besten Freund und ich glaube, das wird gut, auch wenn er das heute „kindisch“ fand, weil „Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus, ich will Gitarre spielen!“ Tja, gut dass er zwei Eltern hat, die ihm glaubhaft machen konnten, dass Rhythmus aber nun mal die absolute Grundlage für jede Art von Musik ist und man das halt üben muss, Rhythmus zu halten. Also, ich sage das, ich bin da bestimmt auch glaubhaft, aber das gehört ja zu den Dingen, die ich irgendwie immer schon konnte. Aber seit den entgeisterten Blicken in der Tanzgruppe, die meinem Ausruf „Aber hört ihr denn nicht die Triolen???“ folgten, sage ich sowas nicht mehr laut. Also seit ca. 20 Jahren.

Ich bin schon sehr gespannt, ob Michel am Ende ein Instrument spielen will und wenn ja, welches. Gitarre wär schon ok, aber da indoktriniere ich natürlich nur ein bisschen, nämlich weg von Schlagzeug und TrompetePosauneTuba nicht.

Tag 1467 – Hachzi.

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass und unter welchen Bedingungen und warum ich durchaus für kinderfreie Räume zu haben wäre, aber dann kam was dazwischen und jetzt muss ich halt kuscheln.

Dieses Kind. Raubt mir den letzten Nerv und ist dabei doch so putzig. Ganz weich ist sie auch und riesig groß, gar nix Babyhaftes mehr. Im letzten Jahr hat sich da so viel getan. Heute stritt sie mit Michel, da wäre meiner Norwegischlehrerin das Herz aufgegangen, wie wundervoll sie das R schlagen kann. Hachz, hachz.

Tag 1455 – Etwas holprig.

21:59 und im Bett! Hurra!

Ist auch nötig, denn heute lief alles etwas unrund an. Ich war um halb fünf wach, Pippi um fünf, Michel gar nicht und nach so wenig Schlaf ist meine Zündschnur morgens schon ultrakurz. Unrühmlich Michel angebrüllt, nachdem der mich anbrüllte, weil ich ihm auf Nachfrage gesagt hatte, dass das Wetter in den nächsten Tagen kälter werden soll. Michel will nicht, dass es kälter wird. TJANUN. Die Klimakatastrophe wird’s richten.

Bei der Arbeit diese Woche mal was anderes als sonst so und bisher finde ich das total interessant. Wir Inspektøre haben ja noch eine Zusatzfunktion als „Vikare“ für eine ganz andere Stelle in unseren Stellenbeschreibungen drin stehen und das mache ich diese Woche. Also vikarieren. Zwischendurch versuche ich noch das reguläre Tagwerk reinzuquetschen, davon habe ich aber heute nicht besonders viel geschafft. Voll motiviert habe ich dann meinen Rechner mit nach Hause genommen, um im Zug noch… oder zu Hause… aber so groß war die Motivation dann halt doch nicht.

Genau genommen war nach Kinder holen, Essen machen, essen und Pippi ins Bett bringen (immerhin problemlos, nach der kurzen Nacht schlief sie ein wie ein Stein) gar keine Motivation mehr für irgendwas da außer Netflix und Lakritz, aber ich bin dann tapfer noch mal los, Pizzateig kaufen. Habe das Fahrrad von Michel ins Auto gebastelt, das braucht er morgen beim Sport-Hort. Habe Plastikmüll rausgestellt, Tomatensauce für Pizza gekocht, Zucchinischeiben für Pizza gegrillt, die Brotdosen der Kinder geleert, das was die Schnecken davon mögen sowie diverse Zucchinienden an die Schnecken verfüttert, Pippis Brotdose (EINHORN!!!) gespült und geduscht. Und jetzt bin ich so platt, ich möchte mich keinen Zentimeter mehr bewegen.

Sport dann morgen.

Tag 1452 – Einhornkacke.

Rote Beete zum Abendessen führt bei uns zu Gesprächen, die sind… naja, sehen Sie selbst:

Ich: „… man kriegt davon rotes Pipi.“

Pippi: „Meine Kacke ist auch rosa!“

Ich: „Ja. Und riecht nach Einhorn.“*

Michel: „Es gibt keine Einhörner! … Und rosa Kacke auch nicht.“

Pippi: „Wir können die anmalen! Da müssen wir nur den Pinsel gut auswaschen.“

Halten wir fest: eins meiner Kinder ist sehr direkt und ein wenig klugscheißerisch veranlagt, das andere ist sehr kreativ und reinlich. Beruhigend.

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*Jaja, Kinder verstehen keine Ironie. Deshalb trainieren wir sie ja auch unermüdlich darin.

Tag 1450 – Erpressung.

Wir haben ein Video von Michel, das haben wir geloopt und jetzt können wir ihn damit erpressen, wenn er nicht gehorcht, machen wir ein gif aus ihm. So.

Es ist sehr schön, wenn man Kinder hat, die gern albern tanzen. Zum Beispiel Michel in der Küche oder auch Pippi nackt im Schwimmbad vorm bodentiefen Spiegel in der Umkleide – sehr zur Belustigung aller anwesenden Damen.

Schwimmbadtest Nes Svømmehall – ok. Klein, aber ein nettes Plansch- und Spielbecken, ein Kleinkindbecken und eine Rutsche und erfreulich wenig Chlor. Keine roten Augen! Und ordentlich Salz auf den Pommes, wie es sich gehört.

Pippi wollte im Schwimmbad unbedingt noch ein Eis. Wir vertrösteten sie auf zu Hause, weil Herr Rabe dringend nach Hause musste um einen Call anzunehmen („Urlaub“). Großes Geheul: „Aber ich schlafe ja im Auto ein!“ Es ging erst, als wir versprachen, sie zu Hause aufzuwecken, damit sie das Eis nicht verpasst. Dieses Kind, ey. Zu Hause wollte ich sie aufs Sofa legen, da klappte sie die Augen auf: „Kann ich Eis?“ Dieses Kind, ey!

(Kurz über die Umweltbilanz von so Blödsinn wie Hallenbädern nachgedacht. Gedanken ganz schnell ganz weit weggeschoben. Twitter deshalb auch kaum benutzbar für mich zur Zeit. Alles zu viel, zu bedrohlich, zu ausweglos, zu lähmend. Ich weiß, lalala wird uns nicht weiterbringen, aber, lähmend, usw. Kann nicht mal drüber nachdenken, dann möchte ich die Zeit zurückdrehen, niemals Kinder bekommen haben, das alles nicht sehen müssen, nicht sein. Hilft keinem, also lalala.)

Tag 1445 – Das Ende des Geduldsfadens.

30 Minuten Einschlafbegleitung von halb elf bis elf und danach schläft kein Kind. Ich hasse es so. Einschlafbegleitung ist eh son Euphemismus. Im Endeffekt sitzt man halt jahrelang, bei mehreren Kindern auch ein Jahrzehnt oder anderthalb, abends an oder auf Bettkanten oder liegt in Betten, man liest vor und singt und summt, liest das Internet durch, kämpft gegen den eigenen Schlaf, verpasst unzählige soziale Zusammenkünfte mit Erwachsenen und währenddessen halten sich die Kinder vom Schlafen ab. Je nach Temperament platzt man halt irgendwann und überlässt den Scheiß dem Partner, so man einen hat, oder man schläft ein, ich finde beides zum Kotzen aber ich muss morgen um halb sechs aufstehen, liebe Kinder, ihr ja nicht und deshalb hab ich jetzt aber die Schnauze voll.

Das muss aufhören. Dreckscheißeinschlafkacke.