Tag 2577 – Es ist kompliziert.

Michel bei seinem Korpscamp abliefern war überraschend leicht und überraschend schwer. Er war sehr aufgeregt und wollte am liebsten unsichtbar werden, aber auch alles allein machen und auf keinen Fall Zuneigung gezeigt bekommen. Als wir Eltern höflich rauskomplimentiert wurden, durfte ich Michel nicht noch mal drücken. Ich habe ihm noch mal viel Spaß gewünscht und gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, weil er sich überwunden hat, es zumindest zu probieren. Er hat gesagt, dass er mich lieb hat (auf Deutsch, dann versteht es ja keiner) und dass er anruft, wenn was ist.

Dann musste ich ganz allein nach Hause fahren, was nur den einen Vorteil hatte, dass sich wenigstens niemand über die Musikauswahl und/oder Lautstärke beschwerte. Ansonsten war das sehr seltsam. Mein Baby! Der ist doch noch so klein! (Am Supercharger googelte ich aus Gründen die Norwegische Kindersitzvorschrift, und so klein ist der gar nicht mehr, sondern eher auf direktem Weg dahin, gar keinen Kindersitz mehr zu brauchen. Falls er irgendwann mal die 36 kg erreicht, kann er danach tatsächlich auf nichts oder maximal Sitzerhöhung umsteigen, denn selbst zu den 1,50 m ab denen er auch keine Sitzerhöhung mehr braucht, fehlen nur noch wenige cm. Wann ist das denn passiert? Der saß eben noch im Maxi Cosi!)

Den Tag über erhielt ich regelmäßige Updates, die Proben sind gut, die Pausen sind gut, das Stück ist schwer und so weiter. Abends rief er an – ich war gerade ebenfalls sehr mutig, aber das ist eine andere Geschichte – und sagte „Mama, das ist ganz gut hier.“ und mehr Enthusiasmus zeigt Michel gemeinhin eher nicht. Bei ihm heißt das soviel wie bestmögliches Outcome.

Trotzdem war dann zur Bettzeit das Heimweh da und alles noch mal kurz schwierig, aber ich hoffe, dass es sich dann doch erledigt hat, zumindest habe ich nichts mehr gehört.

Ich muss sagen, so schön es ist, kurz nur ein Kind versorgen und bespaßen zu müssen, ich vermisse ihn ja schon. Hoffentlich hat er eine überwiegend gute Zeit und schöne Erlebnisse. Und hoffentlich darf ich ihn wenigstens beim Abholen drücken.

Tag 2576 – Drama mit Cliffhanger.

Die Matratze ist, naja, äh, überraschend hart. Verblüffend, bei einer harten Matratze. Mal gucken, wie und ob ich mich daran gewöhnen kann, oder ob wir doch noch eine Übermatratze drauf legen. Immerhin sind wir ja in Übermatratzenland, wo man SELBSTVERSTÄNDLICH immer eine Übermatratze auf seiner sauteuren extra atmungsaktiven 65-Zonen ergonomischen High-Tech-Matratze mit kühlendem Gel im Bezug liegen hat. Beziehungsweise hat man die auf seiner Rahmenmatratze oder auf dem Kontinentalbett (mit allen oben genannten Eigenschaften). Unsere Freundin hat ernsthaft gestern ganz erstaunt (als sähe sie sowas zum ersten Mal) gesagt, dass es ja ganz schön schlau ist, eigentlich, ein Bett zu haben, bei dem man einfach die Matratze austauschen kann. JA! Ist es! Genauso wie man nicht das Sofa wegschmeißen muss, wenn der Bezug oll ist. Manchmal haben die Norweger*Innen echt nen Konsum-Hau. Zu viel Geld, zu viel Natur.

Morgen soll Michel ins Korpslager fahren, die Aussicht führte aber heute zu diversen Dramen, Streits, Diskussionen und allgemeiner Bockigkeit. Größtes Problem ist der innere Konflikt, dass man auf gar keinen Fall von Mama und Papa weg sein will, aber auch auf gar keinen Fall einen Rückzieher machen will und am Ende als Feigling da steht. Die Abmachung ist jetzt, dass ich ihn hinfahre, wir gucken uns das an, Zimmer, Bett, Kameraden usw., wir machen ganz klar, dass Michel uns jederzeit anrufen kann und wenn das alles nicht reicht, fahren wir wieder zurück, und wenn er bleibt und es doch nicht geht, hole ich ihn halt wieder ab. Es bleibt also spannend.

Pippi war übrigens wie erwartet gleich neidisch, dass Michel auf sowas fahren darf und sie aber noch nicht lange genug im Korps spielt. UNGERECHT! Die Kinder könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein.

Tag 2565 – Pippi, 7 Jahre.

Heute vor 7 Jahren… da war Pippi grad 25 Stunden alt. Noch etwas zerknautscht, rosig, müde und gierig. Schlafen und essen, was ein Neugeborenes halt so tut. Wir waren halbwegs fertig damit, schwarze Windeln zu wechseln und die zweite Nacht im Krankenhaus blieb ich allein, Herr Rabe fuhr zu Michel und Oma. Die waren auch schon tagsüber da gewesen und wir haben eine Runde durch den Krankenhauspark gedreht und Eis gegessen. Bei 17 Grad, wie das so ist, in Trondheim im Juli.

Seither ist einiges passiert. Pippi und Michel, sind, tja, Geschwister. Wie Feuer und Wasser (oder eher wie Wasser und siedendes Öl). Sie haben sich aber sehr sehr gern, das merkt man nur im direkten Zusammenspiel zur Zeit eher nicht selten. Aber Michel ist Pippis großes Vorbild und Pippi Michels kleine große Liebe. Manchmal scheint das durch und ist dann immer sehr herzerwärmend, die drei Sekunden. Und wenn ich so dran denke, wie das mit meinem Bruder war, dann ist das wohl völlig normal, dass sie sich die meiste Zeit anschreien, weil der andere falsch atmet.

Pippi ist außerdem eine kleine Rampensau, immer noch. Sie singt, tanzt und schauspielert ständig und der aktuelle Berufswunsch (der minütlich wechselt, aber auch das ist wohl normal) ist „berühmt“. Ich sehe durchaus Talent, bin aber befangen. Pippi könnte mir aber jederzeit was vorsingen, und das will was heißen.

Mit dem Papa gemein hat sie die soziale Ader. Manchmal beneide ich Pippi um die Fähigkeit, überall sofort Spielkamerad*Innen zu finden und im Grunde mit jedem*r zurecht zu kommen. (Michel hat auch schon gesagt, dass er das gerne so könnte.) So ein offenes und herzliches Wesen – das hätte mir mal jemand sagen sollen, als wir monatelang ein herzzerreißend brüllendes Kind im Kindergarten abgeben mussten. Jetzt quatscht Pippi einfach an jeder Bushaltestelle und in jeder Supermarktschlange Leute an. „Du weißt du was? Ich habe MORGEN GEBURTSTAG!“

Da Pippi auch überaus niedlich ist, nimmt ihr das auch niemand übel. Im Gegenteil. Vermutlich könnten wir Kapital draus schlagen, dieses sprudelnde Wesen stundenweise an Altersheime auszuleihen, wo sie dann den alten Leuten einen Knopf an die Backe labern kann und denen würde allen das Herz schmelzen.

Man muss sich das ganze ja so vorstellen, dass sie auch noch riesige braune Augen hat und zur Zeit braungebrannt ist und ausgeblichene blonde Haare hat. Dazu Stupsnase und mega Zahnlücke (langsam aber zuwachsend). Ich habe oft Angst, dass das Kind abhanden kommen könnte, weil sie so niedlich und hübsch und offen ist. Sie sieht aus wie eine braunäugige Version des skandinavischen Klischeemädchens.

Hach ja. Abgesehen davon, dass ich mich langsam zur Glucke entwickle, weil ich auf mein Juwel besonders gut aufpassen will, wünsche ich mir aber, dass sie einfach weiter auf diesem Weg geht. Der scheint sehr viel Freude und Freundschaften bereit zu halten und das sind die wichtigsten Dinge im Leben.

Wir haben sie ja alle sehr lieb, die kleine Maus. Auch wenn sie gar nicht mehr so klein ist (auf den Arm nehmen wird langsam echt anstrengend) und – das hätte ich auch nicht für möglich gehalten – den eigenen Kopf nur immer weiter ausbaut und zu ungeahnten Höhen steigert. Ohne sie würde was fehlen und es würde sicher sehr langweilig werden.

[weniger mit dem Bruder streiten wäre trotzdem echt nice.]

Ich hab dich sehr lieb, kleine Maus. bleib, wie du bist. Werd, wie du sein willst! Murch!

Ein etwa sieben Jahre altes Bild.

Tag 2564 – Schon sieben!

Zwanzig nach sechs war es, als Pippi in unserem Schlafzimmer stand und rief: „ICH HAB GEBUUURTSTAAAAG!!!“. Das war ehrlich gesagt nur so semi-schön und trotz noch mal knapp zwei Stunden Schlaf danach in Michels Bett, bin ich jetzt kurz vorm Koma. Uff. Ich schreibe einfach morgen, was für ein wundervolles Kind ich habe, ja?

Sieben. Nicht neun. Nicht von der Anzahl der Kerzen täuschen lassen.

Ich glaube, Pippi hatte einen guten Tag, aber sie hat mich schon mal gebeten, dass wir das nächste mal eine Piñata mitnehmen, wenn wir ihren Geburtstag nicht zu Hause feiern. Wir haben hier nämlich keine gefunden und so geht das ja nicht, ohne Piñata ist es kein richtiger Geburtstag.

Tag 2561 – Steine und Plantschen.

Hitzewelle in Dänemark sind entspannte 25 Grad, zumindest da, wo wir sind. Hehe.

Heute machten wir trotzdem einen kleineren Ausflug, nämlich ins Vikingermuseum Lindholm. Bei strahlendem Sonnenschein packten wir mehr oder weniger begeisterte Kinder ein, bei noch strahlenderem Sonnenschein wieder aus und dann unterlief uns ein Fehler, nämlich der, einer Touristengruppe hinterherzugehen. Die gingen zuerst auf einen Hügel und auf der anderen Seite des Hügels waren… Steine. Viele. In Kreisen angeordnete und in Dreiecken angeordnete Steine. Wir waren auf einem Vikingerfriedhof. Da waren zwar auch ein paar Texttafeln aufgebaut, aber das interessierte die Kinder einfach mal gar nicht. Michel flippte auch direkt aus und proklamierte, das sei kein Museum, denn Museen haben Wände. Und einen Souvenirladen. Interessante Definition von Museum, aber er machte seinen Standpunkt, dass er nicht für „doofe Steine und Rumlaufen auf toten Leuten ohne schlechtes Gewissen“ gekommen sei, überaus deutlich.

Zum Glück fanden wir nach einer Weile doch noch den von Wänden umgebenen Teil des Museums. Wir drehten eine Runde durch die Ausstellung, die sich von der Jungsteinzeit bis zur Vikingerzeit erstreckt. Ich fand das sehr interessant, beim Rest war es durchwachsen, von sehr interessant (einzelne Erwachsene) bis unzumutbar (einzelne Kinder).

Nach einer Stärkung mit Eis und Kaffee im Museumscafé wollten wir wieder nach Hause, aber unsere Kinder mussten erst mal sauer sein, weil wir ihnen keine Met-Hörner im Shop kaufen wollten.

Irgendwann waren wir aber erfolgreich wieder unterwegs und dann auch wieder zu Hause und überlegten spontan, den geplanten Freibad-Ausflug durch Plantschbecken-Aufbau zu ersetzen. Davon muss ich aber morgen erzählen, weil mir grade beim Tippen die Augen zufallen und mir grad das Handy ins Gesicht klatschte.

Tag 2560 – Gammeltag.

Heute haben wir nicht viel gemacht. Wir Erwachsenen haben gequatscht. Ich habe mit Michel Kuchen gebacken. Die Männer waren einkaufen (unser Milchverbrauch ist geradezu absurd, wir sollten doch noch mal überlegen, ob wir nicht gleich eine Kuh kaufen). Michel konnte mit Herrn Igelbert um die Wette klugscheißern und Herr Igelbert hat sehr richtig erkannt, dass Michel ein Wissensschwamm ist, der sehr viel Input braucht und dann aber auch entsprechenden Output hat, wenn ihm danach ist.

Alle haben Lego gebaut, vor allem Pippi und Familie Wunnibar-Igelberts K1, die haben zusammen in stundenlanger Eintracht und Konzentration, nebenher gemeinsam Popmusik mitsingend (!!!) Pippis Lego Friends Haus aufgebaut. Es war wirklich faszinierend, wie gut die zwei das zusammen gemacht haben. Ein Tag ohne Bildschirm. Wird nur leider etwas teuer auf Dauer, wenn wir täglich ein neues, wirklich großes Lego-Set beschaffen müssen. Abends waren die zwei Quatschnasen dann allerdings körperlich so unausgelastet, dass sie beim Haare waschen vor lauter Gehampel und Herumgealber BEIDE Shampoo ins Auge bekamen (hier hektische mich einfügen, die versucht, mit einem Duschkopf zwei Kindern gleichzeitig die Augen freizuspülen, bevor irgendjemand ernstlich das Heulen anfängt) und anschließend beim Baden das ganze Bad gleich mit badeten. Aber, ganz ehrlich: Hauptsache happy Kinder. Es ist ja nur Wasser.

Abends quatschten wir Erwachsenen uns dann noch in der Küche fest. Eigentlich wollten wir nur die Spülmaschine ausräumen. Aber deshalb ist es jetzt so spät, tjanun.

Tag 2559 – 50% Legoland.

Mit tatsächlich nicht viel Verspätung brachen wir heute allesamt in Richtung Legoland auf (brutal früh, dafür dass schließlich Urlaub ist). Leider ging die Reise für Familie Wunnibar nur bis zum Supercharger, die drehten dort schweren Herzens um, nachdem einem Kind im Auto sehr sehr schlecht geworden war (ja, mit Konsequenz, ein Hoch auf (Kunst-)Ledersitze) und das andere Kind Auto fahren generell unzumutbar fand. Wir entschlossen uns, den Plan durchzuziehen, auch, weil Michel mindestens so unflexibel ist wie ich und Planänderungen, ähm, mit gewissem Unmut begegnet (lies: Ausraster vorprogrammiert).

Und das war einfach richtig cool. Alle Daumen nach oben, da ist für alle von Kleinkind bis Uropa was tolles zu finden und zu machen. Man muss nicht mal hardcore Legofan sein, um das cool zu finden.

Der Kern des Legolandes ist das „Miniland“, wo alle möglichen Miniaturen aufgebaut sind, vom Kopenhagener Hafen bis zum Kennedy Space Center.

Im Miniland.
Der älteste Teil vom ältesten Teil.
Selbst in Lego riesig.
Offshore.
Mit Flugzeug!
Die Uhr geht sogar richtig!
Ich konnte nicht widerstehen, das Bild aus diesem Blickwinkel zu machen, das Original sieht nämlich so aus:

Rund um das Miniland sind verschiedene Themenwelten, wie das Ninjago-Land, das Piratenland oder das Märchenland. In allen gibt es abgefahrene Lego-Figuren…

Monster-Spinne.

… Fressbuden, Bau-Möglichkeiten und Fahrgeschäfte für groß und klein.

Vom Essen war ich tatsächlich positiv überrascht. Wir hatten Burger und Pommes zum Mittagessen und zwischendurch Popcorn und Eis. Einziges Manko: für die Burger habe ich ca. eine halbe Stunde angestanden, allein fürs Bestellen. Bis die dann fertig waren, vergingen noch mal 15 Minuten. Aber was dann kam, war durchaus sehr lecker.

Es war auch gar nicht so schlimm, aufs Essen warten zu müssen, weil wir Reserve&Ride-Pässe gekauft hatten, mit denen man sich virtuell in die Schlange zu Attraktionen stellen kann. Wenn die Wartezeit (berechnet an der tatsächlichen Schlange und anderen Reservierenden) um ist, kann man durch eine extra Schleuse direkt durch gehen. Dadurch kann man halt was anderes machen, während man in der Schlange steht, zum Beispiel essen, was im Miniland angucken, oder ein kleineres Fahrgeschäft mit kurzer Schlange einschieben. Das war sein Geld wert, zumal ich auch echt nicht gern stundenlang Schlange stehe, eingeklemmt zwischen massenweise Fremden. Man kann auch nur an einer Attraktion anstehen, insofern besteht moralisch nicht wirklich ein Unterschied zum sonst so beliebten Modell „Papa geht sich schon mal anstellen, Mama holt derweil mit den Kindern ein Eis“.

Essen mit Lego.
Bauen.
Devotionalien.

An Fahrgeschäften gibt es auch alles mögliche. Zuerst nahm ich mit Michel den Flying Eagle, was er gut fand. Dann das Kanu, das fand er langweilig. Dann überredete ich ihm zum X-treme Racer, was echt Banane von mir war, weil er danach ziemlich fertig war. Es war zu hoch. Ich hatte nach der erfolgreichen Adler-Fahrt halt angenommen, dass er jetzt Achterbahnen doch gut findet. Tut er auch, aber nicht SO. Ok. Den Dragon (naja) und den Polar X-plorer (whoah! Das hätte Michel NICHT gefallen. Hoch, schnell und mit einem, wenn auch nur kleinen, Drop, bei dem ich doch ordentlich quietschen musste) nahm ich dann ganz am Schluss mit Herrn Rabe alleine. Pippi fuhr „Riesen“-Rad, Monorail, Kinderkarussell mit Pferden und Feuerwehrauto und fand das alles super. Dann fuhren wir zusammen auch noch „Viking River Splash“ (mit Vikingermäusen!) und ich bin ja zum Glück keine Mimose, was nass werden angeht, weil…

Da kam ein großer Schwapp direkt in meinen Nacken.

Man muss fairer Weise dazu sagen, dass alle anderen in dem „Boot“ wesentlich weniger nass wurden, die meisten bekamen nur Spritzer ab. Ich hatte echt Pech. Die Kinder fanden das immens lustig. Und es gibt Familienföhns. Also, da kann man sich reinstellen und dann wird man, wenn nicht trocken, doch immerhin warm geföhnt.

Im Föhn.

Zuguterletzt haben wir noch den Lego-Shop leer gekauft. Tschö, Urlaubsgeld, du bist jetzt Hartplastik. Tatsächlich waren auch der Shop und die Burger-Schlange die einzigen Anlässe, wo ich kurz vor Overload durch zu viele Menschen auf zu engem Raum war*. Michel im Shop auch, der dann hektisch an mir herumfummelt, was es für ihn vielleicht besser, für mich aber nur noch anstrengender macht. Aber auch den Einkauf haben wir geschafft, ich habe jetzt eine Orchidee, die garantiert nicht eingeht und Michel hat eine Lego Architecture Freiheitsstatue. Wir alle haben diverses anderes Zeug und müssen daraus vielleicht für die Heimfahrt einen Anhänger für‘s Auto bauen oder so.

Jetzt sind wir jedenfalls in einer halben Stunde zu Hause, alle rechtschaffen platt. Meine Hose und mein Rücken wurden von der Sitzheizung getrocknet. Wir freuen uns alle aufs Bett und morgen auf das Basteln an neuen Lego-Sets. ich freue mich auf eine Dusche, ich glaube, dieses Wasser war nicht so sonderlich sauber.

Edit: die Bilder laden nicht hoch, also werde ich wohl hoffentlich erst veröffentlichen, wenn wir im Ferienhaus angekommen sind und alle mit geputzten Zähnen (und ich geduscht) im Bett liegen.

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* Legoland ist diesbezüglich deutlich erträglicher als das Aquarium.

Tag 2554 – Méduse!

Heute waren wir noch mal am Strand und der ist wirklich wunderschön, weißer Sandstrand, flaches Wasser, Dünen, was will eine mehr? Ok ja, die Quallen, die da so rumdümpeln und am Strand rumliegen, die sind nicht so hübsch, aber mei, gefährlich werden die ja wohl nicht sein. Ich erzählte sogar noch, dass ich weiß, dass Qualle auf Französisch Méduse heißt. Ich weiß das, weil ich mal mit einer französischen Austauschstudentin in Schweden in der Ostsee schwimmen war und sie plötzlich sehr hektisch wurde und „Méduse! Méduse!“ rief, weil da sehr viele ganz kleine Quallen um sie rum schwammen. Am Strand im Wasser herumwatend sah ich mir eine der Quallen genauer an, weil ich die Schwimmbewegungen so hübsch finde und die in lebend und im Wasser auch generell recht hübsch war, mit einer gelb-orangen Zeichnung, die wie eine Blume oder ein Stern aussieht und ganz vielen Tentakeln, wie ein Bart. Wieder an Land versuchte ich die Art zu googeln und war ziemlich schnell ziemlich eindeutig bei „Gelber Haarqualle“. Das ist eine Feuerqualle. Hups. Ich wollte gerade aufstehen und Bescheid sagen, da kam mir Pippi heulend entgegen, und Herr Rabe hinterher. Pippis Bein brannte furchtbar und Herr Rabe wollte schon Wasser aus einer Flasche drüberkippen, das konnte ich grad noch verhindern, weil ich auf einer Ostseeurlaubseite gelesen hatte, dass man es damit noch schlimmer macht. Essig soll man nehmen. Essig hatten wir nur zu Hause, also packte ich die schreulende Pippi und ging mit ihr zurück zum Haus, die anderen Kinder „was ist denn mit Pippi???“-fragend zurücklassend. In der Hektik vergaßen wir auch, Schuhe anzuziehen, was wir auf den Schotterwegen sehr bereuten. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Ferienhaus angekommen suchte ich Essig, das einzige, was wir hatten, war allerdings Balsamico. EGAL! Dachte ich, Hauptsache irgendwas, dann machen wir jetzt Salatsauce. Ich schüttete also großzügig Balsamico über Pippis Waden, ließ es kurz wirken und spülte dann mit Wasser die braune Suppe wieder ab. Dann gab es eine Portion Fenistil auf die Beine, eine halbe Antihistamintablette, Wasser, ein Quetschie und My Little Pony, weil Pippi auf gar keinen Fall wieder zum Strand wollte. Ich ließ sie also in Obhut des Erwachsenen, der in der Nacht zu wenig Schlaf bekommen hatte und deshalb ausruhen wollte und ging zurück zum Strand. Mit dem restlichen Essig.

Rasierschaum geht wohl auch. Wir kaufen aber morgen eine Flasche billigen, stink normalen Essig.

Braucht auch kein Mensch, auch wenn es glimpflich ablief. Ich hoffe, dass Feuerquallen für irgendwas im Meer eine Delikatesse sind.

Wieder zu Hause sah man übrigens nichts mehr und Pippi ging es auch wieder gut.

Tag 2553 – Sommerlich.

Heute war weiter eher ankommen und abschlappen angesagt. Wir hatten keine großen Pläne, sondern lebten eher in den Tag und beschlossen irgendwann, ins nahe gelegene Freibad (an einem Campingplatz) zu gehen. Das war verhältnismäßig teuer, aber ich hatte mit Pippi sehr viel Spaß, was im Alltag auch in der Intensität eher selten ist. Pippi ist ja hartgesotten, was kühleres Wasser angeht und ich musste feststellen, dass es nur schlimm war, solange man noch halb draußen war, wenn man ganz drin war, ging es echt. Pippi schwamm ein bisschen mit Herrn Igelbert (also dem Mann von Frau Wunnibar), und wir Erwachsenen stellten beide fest, dass das schon ziemlich gut geht, zumindest im Hündchenpaddelstil, aber das reicht ja erst mal, um nicht sofort abzusaufen, wenn das Wasser plötzlich überraschend tiefer wird. Danach machte ich mit Pippi Quatsch und einen von ihr selbst ausgedachten Schwimmwettbewerb, bei dem wir in so spannenden Disziplinen wie „Nilpferd“ die Zeit nahmen (super professionell durch zählen), die es dauerte, einmal das 10 m breite Becken zu durchqueren. Am Ende schlugen wir noch unsere eigenen Rekorde, ich im Rückenschwimmen ohne Arme und sie im „Frosch“.

Irgendwann waren dann aber selbst Pippis Lippen etwas blau und wir gingen raus und ließen uns die Nachmittagssonne mit den anderen auf die Bäuche scheinen.

Schläft nicht, macht nur Quatsch.

Pippi hat übrigens in der Genlotterie vor 7 Jahren und knapp 10 Monaten den Jackpot gewonnen und Herrn Rabes Haut geerbt, weshalb sie jetzt schon unverschämt braun ist – alles dank Hort, Schule und draußen spielen.

Ach, das war richtig schön. Ich vermisse ja regelmäßiges Schwimmen doch sehr.

Tag 2546 – Es ist mal wieder soweit.

Die vollständige Abwesenheit von Respekt gegenüber meinen (und Herrn Rabes) Dingen geht mir so unendlich auf den Zeiger. Ich möchte mal wieder allein wohnen und die Kinder irgendwem schenken, der nicht schnell genug nein sagt. Manchmal tauchen die Dinge ja magisch wieder auf, wenn ich nur genug tobe. Deshalb habe ich jetzt zwei Lippenstifte in Roomiest Rose. Ich habe aber weiterhin nur einen in Mightiest Marachino, und das auch nur, weil ich mir am Flughafen einen neuen gekauft habe. Ich habe eine Dior Lippenpflege, die habe ich nachgekauft, nachdem die alte total zermanscht wieder auftauchte. Wie viele normale Lippenpflegestifte hier schon verschwunden sind, kann ich gar nicht mehr einschätzen. Absurd viele. Ich habe null Lieblingsparfum, bemerkte ich grad, weil Zweitlieblingsparfum an einer sehr komischen Stelle im Schrank stand. Ich habe null Anhänger für eine geerbte Kette, das macht mich wirklich wütend, auch, aber nicht nur, weil das auch ein monetärer Wert ist, der da wahrscheinlich irgendwo im Garten verbuddelt oder einem random Kind geschenkt wurde. Wesentlich schlimmer ist, dass mir der wirklich am Herzen lag. Am schlimmsten ist, dass ich eigentlich in meinem eigenen Haus nicht alles wegschließen will, die Kinder sind ja nun auch keine Babies mehr, die noch nicht verstehen, wo sie selbst aufhören und Mama anfängt. Ich will auch nicht glauben, dass meine Kinder auf solche Ideen kommen, ohne zu antizipieren, dass ich wirklich sauer werde oder auch, wie im Fall der Kette, wirklich traurig. (Dann fällt mir wieder ein, dass eins der Kinder ja vielleicht tatsächlich Schwierigkeiten genau damit hat. Spitzenmutter.)

Die einfach den ganzen Tag mit Switch und Tablet wegzusperren, ist ja leider auch gesellschaftlich nicht so akzeptiert.

Grrrr.

P.S. Ja, die Dior Lippenpflege (und der Lipgloss) und die Clinique chubby Lippenstifte sind das Geld wert. Ansonsten immer Carmex.