Tag 260 – Puuuuuhhhhhh

Ich fühl mich ein bisschen wie Michels Lighning McQueen-Ballon, aus dem wir für die Reise das Gas ablassen mussten. Zu schlapp um mich ernsthaft über Ärgerlichkeiten aufzuregen („Nee, also den nächsten Termin kann ich Ihnen am 10. Mai anbieten.“  – „Ich brauche ja nur die Bescheinigung!“ – „Dann müssen Sie morgen ganz früh anrufen, wegen eines Notfalltermins, aber versprechen kann ich nichts.“) oder einen doofen Artikel, den ich heute las, zu verreißen (Tenor: „mach dies und das, dann wird dein Kind ein rundum guter Mensch“, da kann ich ja total gut drauf. Zumal es von einem Elter geschrieben ist, das ein(!) Kind hat, das bald schon ein(!) ganzes Jahr alt wird.) aber leider auch um einen guten Artikel aufzuarbeiten (Überraschung! Die sogenannten „Naturvölker“ machen auch nicht alles total natürlich, und das meiste auch nicht aus irgendwelchen irgendwie richtigeren Mutterinstinkten heraus, sondern weils praktisch ist und in den Alltag passt.). 

Der Wäscheberg ist auch hoch nach dem Urlaub, die Wohnung hatten wir ja nicht vorher zu putzen geschafft, der Kühlschrank fast komplett leer*, ich bin noch nicht so ganz angekommen hier… 

Michel schon, der hat sein komplettes (kein Witz) Spielzeug ausgebreitet und auf Vollständigkeit überprüft. Hurra, mehr Chaos. Morgen geht er kurz in den Kindergarten, damit wir putzen können. 

*jetzt nicht mehr, ich war Einkaufen. Wir testen jetzt mal den in Norwegen erhältlichen griechischen Joghurt. Morgen gibt’s Tzatziki. 

Tag 256 – Es geht dem Ende zu. Korfu Tag 26

Am Dienstag fahren wir nach Hause. Das bedarf einiger Vorbereitung. Vor allem mentaler. Seit heute sagen wir, also Herr Rabe und ich, deshalb Sachen auf, auf die wir uns zu Hause freuen. Zum Beispiel haben wir da

  • Die Espressomaschine
  • Die Spülmaschine
  • Ähhh
  • Hups, wars das schon?
  • Nee, ähh, Sparschäler
  • Die Knoblauchpresse
  • Wäsche nach Farben getrennt waschen
  • Waschlappen zur Babyreinigung nach dem Essen
  • Vernünftige Kindersitze im Auto
  • Ja, das wars dann aber auch
  • Ach nee, das wichtigste: VERLÄSSLICH FUNKTIONIERENDES INTERNET

Weiterhin planen wir Dinge, damit wir nicht in ein schwarzes Loch des Nichtstuns fallen. Nämlich: eine Wartepflanze für Michel einpflanzen (Danke, Sendung mit der Maus!), zum Arzt gehen (ich), Schneckenplanung (ich), Oslo-Kurztrip-Planung (Herr Rabe). Und dann muss ich ja auch schon arbeiten. Das bedarf auch einiger Vorbereitung. Vor allem auf Pippis Seite. Da steht zum Beispiel „Sieben Stunden ohne Brust auskommen“ und „Bei Papa einschlafen“ auf der ToDo-Liste. Muhahaha. 

(Ein bisschen gehört auch zum Frisör gehen zu meiner Arbeitsvorbereitung. Das mache ich Montag. Weil ich nämlich nicht zu dem Frisör mit den Wachtürmen wollte, war ich heute im hippen Männer-Friseursalon und habe gefragt, ob sie mir was empfehlen können. Und bekam einen Termin für Montag im Partnersalon, der auch Frauen frisiert. Es wird mit Farbe (ja!) 37€ kosten, also nicht mal die Hälfte von dem was ich in Norwegen nur für den Schnitt ausgeben würde. Jiiiiehaaaaa.)

Tag 255 – Medaillentag. Korfu Tag 25

Es gibt ja immer zwei Seiten einer Medaille, zu allem und grundsätzlich, aber manchmal fällt es mir mehr auf als sonst. Heute war so ein Tag. Sehen Sie selbst: 

Ich habe sehr tief geschlafen. So tief, dass ich sogar geträumt habe. So tief, dass ich total desorientiert war, als Pippi aus dem Bett fiel und natürlich brüllte. Danach war sie ne Weile wach. Als sie endlich wieder schlief, schlief sie bis viertel vor zehn. 

Dann waren wir einkaufen und hatten erst noch Kaffeedurst und keine Milch mehr im Haus. Wir steuerten in Acharavi eins der vielen Cafés an. Drinnen: drei junge Männer (vielleicht 25, wenn überhaupt), nämlich der Wirt und zwei seiner Kumpels. Ich bestellte zwei geeiste Cappuccini. Der eine Kumpel beäugte mich und checkte mich eindeutig auf fuckability ab. Görgs. (Dabei war der sehr niedlich und auch echt gutaussehend. Also, für Anfang zwanzig eben. Aber so angegafft werden finde ich furchtbar, egal von wem.) Ich bekam meine zwei Cappuccini: warm. Auf Hinweis, dass ich doch kalte haben wollte, entschuldigte sich der Wirt drölfzig Mal und machte mir sofort zwei neue (geeiste). Die Kumpels giggelten sich einen ab und der eine guckte ähhhhh willig. Als der Wirt mir die Kaffees hinstellte, war ich saufroh, bald aus dem Laden rauszukommen. Da sagte der Wirt, die Kaffees gingen aufs Haus, denn es sei sein Geburtstag. Ich gratulierte und wünschte „Many happy returns!“ und verließ verwirrt den Laden. 

Ich habe mich fast für eine Frisur entschieden. Sie ahnen ja gar nicht, wieviele verschiedene blonde Kurzhaarfrisuren es gibt. Jetzt finde ich keinen Friseur. 

Kurz vor knapp war ich endlich mal im zur Ferienwohnung gehörenden Pool. Und hatte da erst viel Spaß mit Michel und dann sogar noch mit Pippi. Nach ca. 20 Minuten Spaß und Geplansche merkte ich, dass die Haut an den Hüften nicht nur stark juckt, sondern auch picklig-rot war. Ich stieg sofort aus dem Wasser. Bis exakt dahin, wo ich im Wasser gewesen war, war mein Körper krebsrot und mit juckenden Quaddeln übersäht. Ein Träumchen. Fluchend duschte ich sehr lange, warm und mit Ultra-Sensitiv-Duschgel für Babies das Allergieverursachende Poolwasser weg. Herr Rabe teilte ich mit, dass ich in die Apotheke müsse, Allergietabletten kaufen. Aber als wir loskamen, wars schon wieder weg. 

Wir waren in Acharavi im Lemon Garden, das ist ein sehr hübsches Restaurant mit laut Reiseführer gutem Essen. Und eben einem Zitronengarten. Man kann da Zitronensaft trinken, frisch gepresst, mit etwas Zucker dran, lecker ist das! Herr Rabe wollte auch probieren und kippte mir beim Zurückgeben das komplette Glas über den Schoß. Ich fuhr nach Hause um mich umzuziehen. Das Essen war supersupersuperlecker. Und das teuerste, was wir hier in Griechenland bisher hatten. (Aber noch weit entfernt von norwegischen Preisen.) Zum Schluss gabs nen Ouzo aufs Haus, mit irgendwas drin (Kumquat?). War auch lecker. Jetzt hab ich Kopfschmerzen. 

Nach dem Essen war ich eigentlich bereit für Fresskoma. Pippi wollte aber lieber spielen. Und lachte so bezaubernd über jede noch so kleine Grimasse von mir, es war wunderbar. Also, außer dass ich Kopfschmerzen hatte und zum Umfallen müde war. Wenigstens brachte Herr Rabe Michel ins Bett. Und schlief dabei offenbar ein. 

Jetzt schläft Pippi. Auf mir drauf. 

Es ist zum verrückt werden. 

Tag 254 – Im Rausch. Korfu Tag 24

Die Bilder von gestern. Also, ein paar davon. 

    

   

 Und dann noch eins von heute:

 Das ist vom Kaizer’s Throne in Pelekas, sehr schön auch da. Schöne Aussicht hat man von da, davon hab ich nur keine Fotos. 

Danach fuhren wir nach Kerkyra und verfielen dem Kaufrausch. Jetzt hab ich neue Sandalen und Herr Rabe hat Gürtel und Pippi ein Kleid und Michel einen Lightning McQueen-Ballon und eine Maus aus Olivenholz. Und so weiter. Noch ein bisschen Sightseeing, gutes Essen und einen Anruf später (der Vermieter hat sich Sorgen gemacht. Ist das nicht süß?) sind wir jetzt alle komplett im Eimer aber sehr glücklich wieder im Ferienhaus. 
(Und nach dem Essen hab ich ganz genau gesehen, dass sich Pippi wohl doch endlich einen Zahn wachsen lässt. Unten rechts der Schneidezahn schimmert bläulich durch und fühlt sich hart an. Mein Baby! Schon so groß… Eben noch so Mini! Jetzt bald ein Einzahnmäuschen! Schnüff.)
 

 

Tag 253 – Pelekas. Korfu Tag 23

Jeahhhh! Auf Veröffentlichen geklickt, bevor irgendwas geschrieben ward. Tolli.

Das verdirbt mir meine Laune jetzt aber auch nicht mehr. Wir waren nämlich heute an einem absolut traumhaften Strand. Mirtiotissa Beach. Falls Sie mal nach Korfu kommen: Mirtiotissa Beach. Es ist so toll da. Die Fotos liefere ich morgen nach, wir übernachten nämlich in Pelekas und die absolut auch total tolle Pension Martini hat kein WLAN. 

Also, zurück zum Strand. Der liegt sehr versteckt in einer Bucht mit Steilhängen, von der Straße aus kaum zu sehen. Unten: feiner Sand, nicht weiß, sondern bronzefarben, dadurch sehr warm. Drei sehr große Felsen im Wasser, an denen sich die Wellen sehr dekorativ brechen. Naturdusche: vom Hang tröpfelt an einer Ecke etwas Süßwasser, kann man auch trinken. Da die Strömung am Strand einen kleinen Hügel geschaffen hat, über den nur die Ausläufer jeder vielleicht zehnten Welle drüberschwappen, ist dahinter ein kleines Babybecken, vielleicht 5-25 cm tief, je nach Stelle, und recht warm. Die Großen baden im Meer, es geht so mittelflach rein, aber ohne Steine und sonstiges störendes Gedön. Dafür aber teilweise mit Wellen, die schon recht kräftig und hoch werden können und Strömung und so, also schwimmen sollte man können, auch wenn man nicht weit reingeht. Und noch was sollte einen nicht stören, wenn man dahin geht (und ehrlich, gehen Sie da hin, es ist wirklich ein Traum!), nämlich Nacktheit. Es ist nämlich auch ein inoffizieller FKK-Strand (dazu gleich mehr). 

Jedenfalls, es war so toll. Die Kinder in ihren UV-Schutz-Klamotten* sehen ja eh schon so niedlich aus. Dann hat Michel auch mega Spaß an Wellen und rannte mit mir zusammen erstmal fünfzig mal rein und raus, ließ sich manchmal umschubsen, hüpfte und johlte und qietschte und fand alles ganz toll. Gestern war er mit Herrn Rabe beim Frisör** und jetzt sind seine ausgeblichenen Haare ganz kurz, ein richtiger Sommerschnitt, und er sieht einfach zum Knutschen aus mit seinen großen braunen Augen, den hellblonden Haaren, dem braunen Nacken und den gaaaaanz kleinen Sommersprossen auf der Nase***. Und Pippi, die kleine Maus, plantschte überglücklich in dem Babybecken herum****, aß Sand, probierte vom Meerwasser, aß Sesamstange, tunkte sie angelüllert in den Sand und aß sie danach noch weiter, hatte also den Spaß ihres Lebens. Kurz: mein Herz war kurz vorm Platzen. 

FKK. Öhm ja, von mir aus, ich bin ja auch gerne nackt, aber doch lieber zu Hause und meine empfindlichsten Körperteile möchte ich als sehr sonnenempfindlicher Mensch eher nicht der Sonne aussetzen. Sonnenbrand auf Still-Brustwarzen? Ahhhhh, nee, danke. Aber wenn andere gerne nackt in der Sonne liegen, bitte, mich störts nicht. Aber ein paar Fragen wirft es doch schon auf (in meinem Kopf jedenfalls).

– Ist so ein Hodensack nicht auch sehr sonnenempfindlich? Oder ein Penis? Ich stelle mir das Aua vor. 

– Warum um alles in der Welt bräunt man(n) sein Poloch? Oder geht es um die Unterseite des Hodensacks? Oder war es doch eine Yoga-Übung, die ihn dazu veranlasste, seinen Hintern der Sonne entgegenzurecken?

– Wie lange muss man schon FKK-Bräunen bis die Haut aussieht als könne man nach dem Tod der Person ohne jegliche Nachbehandlung daraus exklusive Handtaschen machen?

– Wird Schamhaar nicht grau? Warum nicht? 

Vielleicht können Sie mir ja mit der ein oder anderen Frage weiterhelfen, ich bin ehrlich interessiert.

Zum Abenessen in einem Imbiss gewesen. Zum Nachtisch bekamen wir drei kleine Eis aufs Haus (ist hier so üblich, dass der Nachtisch einfach so kommt), sonst hätte ich mir noch ne Portion Gurkenjoghurt mit Knoblauch (aka Tzatziki) bestellt. So lecker. Und die nächsten drei Tage werden wir wohl etwas riechen. 

*Ja, ich weiß, möglicherweise ist das übertrieben. Aber es geht viel schneller, als die blöde Eincremerei. Und Sonnencreme ist teuer und nicht wiederbenutzbar. 

**Ich war nicht beim Frisör. Erstens weiß ich grad Frisurtechnisch nicht so ganz was ich will (Tipps, anyone? Kurz und blond und viele aber dünne sind se…) und außerdem lagen da Wachtürme rum. 

***Hat tatsächlich meine Haut geerbt, das arme Kind. 

****Ja, genau, das Baby, das vor ein paar Monaten beim Kontakt mit Badewasser noch jedes Mal Zeter und Mordio geschrien hat. 

Tag 251 – Schnüff. Korfu Tag 21

Heute hatte ich zwei Herzbrech-Momente. 

Erstmal: mein eigenes Kind, der „große“ Michel, saß im Babybett (in dem das Baby nicht schläft, wieso denn auch…) und spielte mit seinem potthässlichen aber heiß geliebten Werbegeschenk-Pinguin. Er dachte wohl, ich höre nicht zu weil ich handydaddelnd Pippi stillte. 

„Sooo, Pinguin, hier Kinnergarten is.“ 

*piepsig* „Nein, will nich Kinnergarten sein, will Hause bleiben!“

„Ok. Wir Hause bleiben.“

Schnüff. Heißt das, er mag wirklich nicht in den Kindergarten gehen? Neulich hat er uns noch erzählt, wer alles seine Freunde im Kindergarten sind. Und ich dachte auch, dieser lange Urlaub würde da gut tun, vor dem Urlaub war es ja mitunter schon etwas schwierig mit ihm und dem Kindergarten, weil er da immer „traurig“ wurde. Aber so klingt es jetzt irgendwie als würde er sich wünschen, zu Hause bleiben zu können. Was wohl eher nicht gehen wird. Schnüff. 

Die andere Geschichte: hier schleicht eine Katze herum. Das ist nichts außergewöhnliches, hier gibt es sehr viele streunende Katzen, aber diese ist ein anderer Fall. Als erstes ist uns aufgefallen, dass sie völlig angstfrei uns gegenüber ist. Also, wir grillten, die Katze kam an und maunzte uns die Ohren voll. Da sah ich dann auch, dass sie trächtig ist. Man sieht, wie sich die Babys im Bauch bewegen. Aber irgendwie war das Maul komisch. Ihr fehlt unten ein Eckzahn, das scheint sie aber nicht weiter zu stören, wahrscheinlich ist das schon älter. Nach näherem Betrachten kam ich zu dem Schluss, dass sie versucht haben muss, eine Hummel oder Biene zu fressen un fies in die Schnauze gestochen wurde. Die „Backen“ waren beide geschwollen, eine Seite mehr als die andere. Dadurch stand ihr die ganze Zeit das Maul offen. Also: eine trächtige, verletzte Katze, die so hungrig ist, dass sie freiwillig auf Menschen zugeht und quasi bettelt. Leider konnte man auch auf Anhieb sehen, dass sie Würmer und Flöhe hatte. Also nix mit Helfen, Anfassen oder sonstwas. Armes Tier. Und Füttern bringt ja auch nix, zumal der Vermieter gleich sagte, dass er nicht will, dass sie hier ihre Jungen bekommt (bei einem Haufen piepsender Babykätzchen könnte er nämlich auch nicht hart bleiben, vermute ich). Schnüffschnüff. 

Darauf Schokolade. 

Tag 249 – Roadtrip. Korfu Tag 19

Wir sind heute die nördliche Ostküste abgefahren. Das war, tja Hmm, also nicht soooo spannend. Die Strände sind nicht so der Hammer, meist Kies und kein Schatten. Die Orte sind klein und bergig und ganz im Nordosten recht bonzig. Ferienvilla an Ferienvilla, alles eingezäunt und eingemauert. In den Ortschaften selbst nur so Beachwear-Läden und Minimarkets und Tavernen „Greek Family Style“. Naja. Was dann aber sehr schön war, war nach einem kleinen Kiesstrandaufenthalt ein Trip in die Berge. Über eine Panoramastraße (eng, steil, Serpentinen. Ich wünschte mir meine Reiseübelkeitsscheißegaltabletten sehnlichst herbei) fuhren wir nach Sokraki. Das ist ein sehr (sehrsehrsehr) verschlafenes und malerisches Dörfchen am Pantokrator. 
Total schön da, wirklich. Und ganz nebenbei das Epizentrum des Tzitzimbirra, der Korfiotischen Ingwer-Zitronen-Limo. Die wird nur da in einer einzigen Brauerei gemacht und schmeckt sehr lecker. (Für eventuell mitlesende Chemiker oder Biologen: ich tippe auf ne Milchsäuregärung. Zutaten laut Liste: Ingwer, Zitronen, Zucker, Wasser. Schäumt wie Hulle, ist säuerlich, trüb und unten setzt sich was ab. Angeblich enthält es gar keinen Alkohol.)
Im einzigen geöffneten Café tranken Herr Rabe und ich Tzitzimbirra und Michel „Ich-hab-keinen-Hunger-doch-wohl-hab-ich-Hunger-jetzt-doch-nicht-mehr-ich-will-Kekse!!!“ verschlang ein Omelette, für dessen Zubereitung der Wirt seine Mama anrief, die dann auch brav durch das halbe Dorf angeschlurft kam. Gegenüber betreibt der Wirt einen Olivenholzgedönssouvenirshop. Hinter dem Laden ist die Werkstatt, in der er selbst alles mögliche drechselt und feilt und sägt. Aber (im Gegensatz zu dem Laden mit dem Papagei hier in Acharavi) die Sachen waren wirklich sehr schön und so bin ich jetzt stolze Besitzerin einer Vase aus Olivenholz („Germans like it when it’s rough, the wood, when it has the black parts. I try to get rid of them as good as I can, and the Germans like it. The English, too.). Und eines Pfannenwenders, naja, brauch man halt ab und an mal und hält hoffentlich etwas länger als die dünnen Dinger von IKEA. Wenn ich totaaaaaal viel Geld hätte, hätte ich noch ein Schneide/Servierbrett aus Olivenholzwurzel mit wunderschöner Maserung gekauft. Aber ich habe nicht totaaaaal viel Geld. Leider. Ich hatte auch nicht genug Geld dabei, sonst hätte ich jetzt vielleicht ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Rabe. Tja. Hätte ich eh nicht unauffällig wegtransportieren können. 

Danach Draußendusche mit Michel, Pippi ist so geil aufs Duschen, dass Herr Rabe sie irgendwann einfach auszog und mitduschen ließ, ich kochte derweil die frischen Ravioli und ne Soße dazu, Essen, zwei Kinder nacheinander Einschlafbegleiten (Jucheh!), zum Nachtisch griechischen Joghurt mit griechischen Erdbeeren, dann das kleinere Kind nochmal Einschlafbegleiten (Jucheh!) und dabei bloggen. 

Ist schon auch immer noch ganz ok hier. 

Tag 248 – Mäuse(-Insel). Korfu Tag 18

Heute sind wir auf den Wetterbericht hereingefallen. Weil, wer will schon bei 21 Grad am Strand sein? Da wird man offensichtlich innerhalb von zweieinhalb Wochen zum Wetter-Snob. Also überlegten wir uns, was wir noch nicht gesehen haben. Und fuhren kurzentschlossen nach Kerkyra zum Britischen Friedhof, wo zu dieser Jahreszeit die Lilien und die wilden Orchideen und die Agaven blühen. Alles sehr hübsch. Und, Tadaaa, super warm. In der Stadt weht halt kein Lüftchen und es waren 25 Grad. Familie Schwitzebär on Tour. 

 

Wilde Orchideen. Deswegen waren wir eigentlich hergekommen. Ich fand sie dann etwas unspektakulär.

 
 

Die hier waren da schon hübscher, schon allein wegen der Farben.


 

Das sind gar keine Lilien, sondern Zantedeschien, auch Calla-Lilien genannt. Wusste ich nicht, musste ich mir gerade ergoogeln. Man lernt ja nie aus.

 

Und dann gan es noch diese überraschend flinke Schildkröte (die sich grade Michels Lieblingsthema widmet: dem Ausscheiden von Stoffwechselendprodukten.)

Danach gab es Kaffee/Trinkpäckchen und wir überlegten weiter: Shopping oder Sightseeing? Die Wahl fiel angesichts der vermutlich am Freitag Nachmittag ziemlich vollen Innenstadt auf Sightseeing. Also fuhren wir weiter zur Mäuseinsel. 
Die Mäuseinsel ist eine minikleine vorgelagerte Insel vor Kerkyra, mit einem Boot kommt man da hin und zurück. Auf der Insel ist ein winziges Kloster. Und ein verrückter kleiner Souvenirladen mit selbst gebasteltem Kram aller Art und drei Hunden und einem Pfau. 

 

Die Kapelle des Klosters.

 
 

Was ist es? Golden Retriever-Dackel-Mischling???

 
 

Der Pfau verhielt sich nicht besonders Foto-Kooperativ, ist aber erkennbar, denke ich.

 
 

Michel rannte die ganze Zeit hin und her um Steine zu sammeln und dann ins Wasser zu schmeißen.

 
Im Souvenirladen kaufte ich mir ein paar Ohrringe (ich hab da so ne Art Fetisch, glaube ich. Ich besitze sicher 30 Paar Ohrringe. Oder mehr.), die gab es nur im Set mit einem echt hässlichen Ring. Bzw. ist hässlich das falsche Wort, aber eben gar nicht mein Geschmack. Der Souvenirheini war aber als Geschäftsmann nicht ganz so versiert, mein Angebot, das ganze Set zu bezahlen aber den Ring einfach dazulassen (den er dann „nochmal“ hätte verkaufen können, so ähnliche Ringe gabs auch einzeln), schlug er aus. Nun ja. Wenn (also, falls) Michel den Ring wieder rausrückt, kann ich ja hier mal fragen, ob ihn jemand haben mag. 

Dann ging es entspannt nach Hause, Pippi schlief mit einer Sesamstange in der Hand ein, Michel spielte mit seinem Ring und seinem Bären und ich durfte nie zuhören oder hingucken, er wollte alleine spielen. Dabei hätte ich so gerne Mäuschen gespielt…

Zum Abendessen gab es eine schnelle Runde Crêpes auf Wunsch von Michel. Pippi aß einen Haufen Erdbeeren, da steht sie total drauf und im Gegensatz zu Tomaten und Gurken kriegt sie die auch gut klein. Blöd nur, dass sie mich beim Essen dauernd begrabbeln möchte und in meinen Arm kneift. So habe ich ca. 20 cm zum selber sitzen und essen, während Pippi sich strahlend zu mir herüberwirft und mit Erdbeerfingern nach meinem Arm grabscht. Komisches Kind. Aber so niedlich dabei. Vielleicht tauschen Herr Rabe und ich mal die Sitzplätze. Ich mag auch mal wieder Platz beim Essen haben. 

Tag 247 – Die Piraten! Korfu Tag 17

Heute, auf dem Weg durch ein ziemlich runtergerocktes weil halb verlassenes Dorf.

Ich: „Boah, hier is aber auch ganz schön viel kaputt…“

Michel: „Kuful [Warum, Anm.d.Red.] Häuser schön kaputt is?“

Ich: „Naja, weil eben keiner drin wohnt und das dann keiner repariert, wenn was kaputt ist.“

Michel: „Kuful keiner drin wohnt?“

Ich: „Die Leute sind bestimmt weggezogen, vielleicht in die Stadt, wo es mehr Jobs gibt…“

Michel: „Ja, oder velleicht in Urlaub efahrn!“

Ich: „Ja, vielleicht sind die Leute auch im Urlaub.“

Michel: „Ja, in Urlaub nach Trondheim efahrn.“

Herr Rabe und Ich: *verkneifen uns das Lachen*

Michel: „Oder Kaptain Sabeltann* komme ist, alles kaputteschossen hat. Das war egentlich so.“

Herr Rabe und Ich: *Lachen verkneifen klappt nicht mehr*

Etwas später. Ich versuche, auf der Karte die Orte zu finden, die in Griechischer Schrift auf den Schildern stehen. 

Michel: „Mama, du mir Reiseführer gibst, ich gucke.“

Ich: „Hier, du kannst das Reiseführerbuch haben, das brauche ich grade nicht.“

Michel: „Nein, kleine Reiseführer!“

Ich: „???“

Michel: „Da, so kleine Reiseführer, du da hast! *Ton wird schon weinerlich*“

Ich: „Meinst du die Karte?“

Michel: „Ja! Ich will auch Karte gucken!“

Ich: „Aber die brauche ich doch…“

Michel: *fängt an zu nölweinen*

Ich: „Ok, aber gleich brauche ich die wieder!“

Michel: *nimmt Karte* „Da muss ich erstmal so groß basteln…“ *faltet umständlich Karte auseinander* „Da hier so rekks, links fahren, hier so links schwiu, schwiu, hier! Da sind wir, Mama! *zeigt auf Punkt ganz im Süden von Korfu*

Ich, zu Herrn Rabe: „Oh, wir sind aus Versehen ganz in den Süden gefahren.“

Michel, zu sich selbst: „Musse hier wieder so klein basteln… So basteln und so und so… Klarte det! [Geschafft!, Anm.d.Red.]“ *“liest“ singend von der zusammengefalteten Karte ab* Eeeeeeesseeeeeellll, Mama Bustabe, Papa Bustabeeeee, Pipi Bustageeeeeee, Michel Bustage!!! Lalalalaaaaaninaaaaaniiiinaaa, Kindergartenkumpelbustageeeeeeneeeeeneeeeneeee…“

Es. Ist. So. Niedlich! Dieses Kind. HACHZ. 

*Käptn Säbelzahn. Norwegische Kinderserie über den Piratenkapitän Säbelzahn, Schrecken der Meere und so. Hat Michel nie gesehen, aber er weiß trotzdem alles darüber. Und singt die Titelmelodie, tagaus, tagein. Also, wenn er nicht Geburtstagslieder singt. 

Tag 246 – Berg. Korfu Tag 16

Falls Sie mal nach Korfu fahren: der Pantokrator lohnt sich nicht. Ne halbe Stunde nervenzerfetzendes Gegurke mit schreiender Pippi und nöligem Michel und Serpentinen und ANGST über schmalste Bergstraßenserpentinen und dann biste oben und: toll. Ganz viele Strommasten, Sendemasten, ein geschlossener Kiosk (da wohnt wohl eigentlich ein Mönch) und ein bisschen Aussicht.  

(Hier sollte ein Beweisfoto von mir auf dem Gipfel sein. Aber das Internet ist mal wieder zu schlecht.)
 Der Rest des Tages war gemütlich und eigentlich nicht besonders spannend. Vielleicht noch, dass ich Gehalt bekommen habe, das hat also scheinbar geklappt mit dem Übergang Elternzeit–>Urlaub. (Meine Elternzeit ist vorbei. Ach du Schreck!!!) Und Pippi hat das erste Mal Kuchen gegessen. Die Kinderfreundlichen Griechen halt… Orange fand sie aber besser. Erdbeeren auch. 

(Update: jetzt ist da doch ein Bild??? Spinne ich jetzt komplett? Sehen Sie auch ein Bild?)