Tag 233 – Sonne, Strand und Meer. Korfu Tag 3

Also erstmal weil hier die Frage kam: wir sind im Norden Korfus, in der Nähe von Acharavi. Wenn man vom Strand aus geradeaus guckt, sieht man die Küste von Albanien. Da werden wir wohl auch mal einen Tagesausflug hin machen. Leider ist Paxos entsprechend weit weg, das müssen wir mal schauen, ob wir die Muße haben, durch die komplette Insel (und über diese kurvigen, buckeligen, engen Gruselstraßen) zu fahren. 

Heute waren wir wieder am Strand. Dieses Mal früher und länger. So lange, dass Michel den halben Strand umgegraben hat und auch Pippi hat ihren ersten Kontakt mit Sand gehabt und wollte gar nicht mehr weg. Die Ferienhausvermieter hatten heute morgen jede Menge Sandspielzeug hier gelassen, sodass Michel sich kaum entscheiden konnte, ob er lieber den Bagger oder das Boot oder die große Schaufel mitnehmen will…

 

Käseweißer Michel. Mal sehen, ob sich an seiner Hautfarbe im Laufe des Urlaubs was ändert, oder ob er die Haut seiner Mutter geerbt hat (ich hoffe es nicht). An seinem rechten Knie eine fette Schürfwunde, die gestern in der steilen Einfahrt entstand und lange und laut beklagt wurde.


 

Pippi aß größere Mengen Sand und ließ sich auch durch den Hinweis, dass der den üblichen Weg raus finden wird und das möglicherweise etwas scheuert nicht davon abbringen. Außerdem perfektionierte sie den Pinzettengriff an einigen kleinen Blättchen und Ästchen.

  

Ich passte auf, dass sich Pippi nichts lebendiges in den Mund steckt und machte derweil ein kleines Sportprogramm. Herr Rabe lachte über mich und meine Fahrradfahrsitups (für die schräge und untere Bauchmuskulatur) und wieder mal finde ich es ungerecht, dass immer die Frau* die Babys austrägt und sich hinterher mit Scheiß wie schlaffem Beckenboden und auseinanderklaffenden Bauchmuskeln herumschlagen muss. Selbst wenn die Männer* co-schwanger werden, beschränkt sich das ja nur auf vermehrtes futtern (meist auch nur von Süßkram, ohne die Klischee-Saure Gurke). Ich hab jedenfalls noch nicht von Männern* mit Hyperemesis gravidarum oder Symphysenlockerung gehört (Moment, haben Männer* überhaupt eine Symphyse?). Aber egal, ich bin abgeschweift. Jedenfalls zog ich mein Sportprogrämmchen durch. Pippi aß fast eine ganze Scheibe Brot und stillte danach halbherzig ein Minibisschen. Und erzählte mir dabei grinsend was. Da brach ich das Stillen dann ab. Michel aß auch ein bisschen Brot, dann fiel ein Teil in den Sanf und sorgte fast für einen Eklat, aber glücklicherweise hatte Herr Rabe noch eine Extrascheibe eingepackt, sodass Michel nicht verhungern musste. 

Als es etwas frischer wurde brachen wir langsam wieder nach Hause auf. Sehr langsam. Wir grüßten die Schafe (Milchrasse, eindeutig. Ganz schön dicke Euter (?) können so Schafe haben.), Michel pflückte dauernd Blumen, wir sahen Schmetterlinge und Bienen und Hummeln und Wespen und ich weiß nicht was noch für Krabbelgetier. Und dann duschten wir draußen am Ferienhaus den Sand und die Sonnencreme (und die unheilige Verbindung von beidem an Michels Körper) runter. Warm, die Dusche hat nämlich auch solargewärmtes Wasser. 

Da ging dann auch das Internet wieder, das war nämlich irgendwie kaputt gewesen heute morgen. Wir sind da ja schon etwas süchtig…

Und zum glorreichen Abschluss kam noch N., als wir gerade auf der Terasse zu Abend aßen (DER FETAKÄSE!!!) und gab Michel ein Piratenstrandtuch, obwohl wir nur zwei Strandtücher „bestellt“ hatten, weil: als würde Michel am Strand auf einem Handtuch sitzen, haha. Egal, Michel freute sich natürlich tierisch.

Jetzt schlafen die Kinder. Herr Rabe sitzt noch bei Michel, mal sehen ob er da eingeschlafen ist. Eigentlich wollten wir nämlich ein Glas Wein zusammen trinken. 

Ja, es ist ganz ok hier ;)

* die Sternchen sind Platzhalter für alle die sich in der gängigen Definition von Frau/Mann nicht wiederfinden. Babys gebären können setzt schließlich nur einen Uterus voraus, nicht mehr und nicht weniger. Und der/die Partner*In eines Menschen mit Uterus kann ja jede*R sein. 

Tag 232 – <3 Korfu Tag 2

Es. Ist. So. Schön. Hier.

Also erstmal: das Wetter. Es ist warm und sonnig. Hurra! Ich persönlich finde auch das Meer nicht kalt, die Griechen natürlich schon, aber naja, da sind wir halt anderes gewohnt. Man merkte es als wir heute am Strand waren: alle anderen waren da in Jacke und langen Hosen. Wir so: T-Shirt, kurze Hose, barfuß. Wheeeee! Im Wasser waren wir erstmal nur bis zu den Füßen, es war aber auch schon fünf Uhr.

Da sind wir auch schon beim zweiten Punkt gewesen: da ist richtiges Meer und ein richtiger Strand in 400 m Entfernung!!! Ich raste aus.

Es gibt einen Garten, der zu der Ferienwohnung gehört. In dem Garten wachsen Zitronen und Orangen. Reife Orangen hängen grad nicht am Baum, Zitronen aber schon. Und sie sind lecker und kaum sauer und ich will auch Zitronenbäume überall wachsen haben!

Die Kinder fühlen sich pudelwohl. Pippi will immerzu nach draußen, sobald die Tür auf ist, ist sie schon unterwegs. Leider sind hier Steintreppen und so gefährliche Dinge, deshalb müssen wir immer mindestens ein Auge auf sie haben. Michel ist im siebten Himmel, weil die ohnehin sehr Kinderfreundlichen Griechen ihm am laufenden Band Süßigkeiten zustecken. Hier ein Bonbon, da ein Keks… Außerdem gibt’s hier Tiere, dies bei uns nicht gibt. Wir haben schon ein paar Geckos gesehen und einen kleinen Tausendfüßler. Und tausend Ameisen, Fliegen, Bienen, Spinnen und zwei Wanzen. Und am Strand kann man buddeln.

Alles ist grün! Grüüühühüüüün! Frühling, blühende Blumen! Ich hätte fast vergessen, wie das aussieht.

Blümel flückchen! <3

Die Vermieter sind wirklich total nett. D. hat uns heute erstmal zum Einkaufen gefahren (die Tomaten! DIE TOMATEN!!! Und griechischer Joghurt, den ich sofort heiraten möchte!), hat uns dortselbst mit Rat und Tat zur Seite gestanden und dann noch in der Gegend rumkutschiert und uns Tavernen und Eisdielen und Strände empfohlen. Ok, die Tavernen am Strand machen erst in zwei bis vier Wochen auf, aber es gibt auch welche, die schon geöffnet sind. Die sind dann eben etwas landestypischer und nicht so auf Touristen ausgelegt. Und auch N. ist super nett, hat uns Extrapreise für ALLES gemacht und sagt dauernd „und wenn ihr noch was braucht, wir sind direkt da, kein Problem, meldet euch einfach, das geht ganz einfach, machen wir sofort…“.

Und ab morgen (oder so) ist dann auch der Pool sauber und benutzbar („Aber noch kalt, da geht ihr sicher nicht rein…“ wenn die wüssten!).

Was nicht so ganz so cool ist: man sieht, dass die griechische Wirtschaft echt runter ist. Straßen sind kaputt, in den Orten sind die Fassaden extrem dreckig und kaputt, super viel Leerstand. Alle Autos hier sind verbeult und rostig. Überall stehen Bauruinen. Angefangene Rohbauten, an denen nicht weitergearbeitet wird, weil entweder der Bauherr pleite gegangen ist oder es keine Baugenehmigung für den (vorsorglich schon mal angefangenen) Bau gibt. Und nachdem die gute alte Korruption ja international irgendwie in Verruf geraten ist, kann man auch keinen Baubehördler mehr schmieren. Tja, dann steht das Ding da und keiner macht dran weiter. Schade für die Landschaft.

So, jetzt ruft der Reiseführer, ich muss mir mal ein wenig basic Vokabular aneignen. Ist ja peinlich, wenn man nicht mal Danke auf Griechisch sagen kann. Wo die doch hier alle so nett sind!

Hachz.

Tag 226 – Dingens

Noch eine Nacht direkt aus der Hölle. Pippi nörgelte, bis ich sie nuckeln ließ. Sie nuckelte sehr vorsichtig, aber nicht vorsichtig genug, denn irgendwann kam der Milcheinschuss eben doch. Und da fing sie an zu brüllen, als käme kochende Säure in ihren Mund. Von mir ließ sie sich gar nicht beruhigen, bei Herr Rabe dauerte es ne Stunde. Und als sie endlich wieder eingeschlafen war, kam Michel, hustete bei jedem Atemzug, nölte und träumte schlecht. Den ganzen Tag hab ich mich wie überfahren gefühlt. Hoffentlich wirds heute Nacht besser. 

Heute sehr über Texte über angeblich „unhilfreichen“ Feminismus geärgert. Sehr. Dass manche Menschen einfach nicht verstehen, dass Feminist*Innen keinesfalls wollen, dass alle Frauen* Karriere machen und niemand bei den Kindern zu Hause bleiben und das gut finden darf. Orr. Da muss ich mal drüber schreiben, aber nicht heute, heute bin ich zu müde und zu genervt von allem. 

Tag 225 – Michel Angelo

Heute viel Einkauferei, laaaangweilig! Aber vorher hat Michel Kunst gemacht und dem Blog einen frischen Header beschert (leicht verzerrt vom Zuschneiden, aber naja…) und mir neue Profilbilder überall und so.

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Familie Rabe (von rechts nach links): Frau Rabe, Michel, Pippi und Herr Rabe.

Ich war ehrlich gesagt so gerührt und begeistert (ECHTE KOPFFÜßLER!!!1Elf!), dass ich ein paar Tränchen herunterschlucken musste. Mein großes kleines Kind.

Tag 224 – 8 Monate

Mein liebes kleines Mausemädchen,

Jetzt bist du schon acht Monate alt. Acht Monate die vergingen wie im Zeitraffer. Vor fünf Minuten bist du das erste Mal gekrabbelt. Gestern warst du noch ein kleines Minibaby, das mich zum ersten Mal angelächelt hat und damit mein Herz zum platzen brachte. Vorgestern hielt ich dich zum ersten Mal im Arm, zeternd und nass und blau und wunderschön. Vor einer Woche streichelte ich meine runde Babymurmel – nur um sofort von dir in die Rippen oder die Blase oder gegen die Beckenknochen geknufft zu werden. Und vor drei Wochen hielt ich das Stäbchen in der Hand, mit den sehr deutlichen zwei Strichen drauf und dachte gleichzeitig „Hupsi“ und „Wie schön“.

Jetzt liegst du hier auf meinem Bauch und verpennst den Tag. Du bist krank, Fieber und Rotznase und Gesabber. Dein Papa meint, du kriegst Zähne. Ich glaube nicht daran. Obwohl es zu dir passen würde, alles ganz anders zu machen als dein großer Bruder und die ersten Zähne unter größtmöglichem Trara zu bekommen. Manchmal macht es mich wahnsinnig, wie starrsinnig du bist, und wie sehr du mich und NUR mich brauchst. Papa scheinst du ganz ok zu finden – solange du ihn von meinem Schoß aus beobachten kannst. Bei jedem neuen Menschen ziehst du das vorwurfsvollste Gesicht, das ich je gesehen hab und weinst, bis ich dir ausreichend glaubhaft versichert habe, dass ich in deiner Nähe bleibe. Und egal bei wem du bist, wenn dir auffällt, dass ich nicht in deinem Wohlfühlradius von 5 Metern bin, brüllst du bis ich angelaufen komme. Wenn du dann auf meinem Arm bist, lachst du und siehst den anderen Menschen mit diesem „Siehste? Das ist meine Mama, die hab ich lieb, die ist toll!“-Blick an. Das muss für die anderen ganz schön verletzend sein. Aber du weißt halt, was du willst. 

Überhaupt deine Blicke. Als wir neulich Geburtstag feierten, hattest du alles voll im Blick und wundertest dich ganz offensichtlich sehr über unser Treiben. Dein Gesichtsausdruck in Richtung der Bestrn Freundin sagte wirklich eindeutig „Die sind ja ganz nett, aber eben leider alle irre…“. Sogar das „Ganz ruhig, gleich kommt jemand der Sie an einen ganz schönen Ort bringt!“-Lächeln hast du schon voll drauf. Dein großer Bruder fand (und findet) es gut, wenn man sich für ihn zum Affen machte. Du scheinst das alles zu durchschauen und würdigst es höchstens mit einem „Gaaaanz toll, Mama!“-Blick. Würdest du klatschen können, würdest du wohl noch ein Slow-Clap dazu machen. Dafür lachst du über ganz andere Sachen. Dein Spiegelbild. Bauchpupse. Deine eigenen Pupse. Wenn ich pfeife. Wenn ich schnalze. Wenn Michel Quatsch macht. Essen. Trinken. Wenn du das Babypixibuch gefunden hast und dessen behauptete Unkaputtbarkeit testest. Michels Autos. 

Du kannst schon so viel und bist doch unersättlich darin, Neues zu lernen. Grade Rollen gelernt? Du willst krabbeln. Du kannst krabbeln? Du willst stehen. Du ziehst dich selbst an Sachen hoch und stehst? Du lässt los, frei stehen ist jetzt das Einzige was zählt. Dabei nimmst du Rückschläge (meistens in Form von Umfallen, Hinfallen, Wegrutschen) nicht gerade gelassen hin, es scheint auch nicht in erster Linie der Schmerz, die Beule oder die Schramme zu sein, die dich schreien lässt. Du bist wütend. Auf den weggerutschten Hocker, auf den Schrank, der da steht und der dir einfach gegen den Kopf gesprungen ist, auf deine eigenen Beine, die eben doch noch nicht so ganz sicher stehen. Kurzes Zorngeheul und getröstet werden und du bist bereit für den nächsten Versuch. Unermüdlich. Mein starkes kleines Mädchen. 

Heute rieche ich an deinem Kopf. Den ganzen Tag. Ein bisschen erinnert es mich an den Neugeborenenduft von vor ein paar Monaten. Aber es ist so viel dazu gekommen. So viel Zuhause und Liebe und Familie. Ein Duft, der genauso gewachsen ist wie du. Und der mich unbeschreiblich glücklich macht. Wie du. 

Murch!

Deine Mama

Tag 223 – Angriff der blauroten Drachen

Heute, ich liege mit Pippi, die wieder Fieber hat, im Bett.

Michel kommt angestürmt: „Waaaaooooooorrrrrrr!!! Ich bin ein Drache!!!“

Stimmt. Er hat das Gesicht ganz blau angemalt. Mit… Buntstift? Interessant. Blaue Striche ins Gesicht, schon ist man ein Drache. Herr Rabe kommt auch angetrottet, mit ähnlicher Kriegsbemalung. Er sieht etwas schicksalsergeben aus, macht aber brav „Wrrraaaaooooo!!!“ mit Michel. Pippi wacht auf und hat kurz Angst vor den Drachen.

„Mit was habt ihr euch denn so schick geschminkt?“ Herr Rabe antwortet mir mit Augenrollen.

„Mit Buntstift. Die sind ja abwaschbar.“

Worauf Michel aufgeregt dazwischenblökt: „Jetzt abwaschen, Papa? Ich will ein ROTER Drache sein!!!“

Was ganz anderes: Herr Rabe verlangte von mir eine Gegendarstellung. Er sei gar keine Couchpotato. Heute war er mit den Kindern draußen, am Fjord, zufällig war ich auch dabei (Augen auf bei den Sportuhrzeiten in den Osterferien…) und was ich am beeindruckendsten fand: er hatte sogar eine Obstbox fertig gemacht.

Wir waren draußen. Beweisbild.

Tag 220 – Durcheinander 

Herr Rabe hat seit heute Nachmittag frei. Jetzt muss er bis August nicht arbeiten. Das ist für alle weird. Auch für mich. Das heißt, ich hab nur noch sechs Wochen, dann muss ich wieder arbeiten. Sechs Wochen sind schnell rum. Wo sind eigentlich die letzten achteinhalb Monate hin???

Michel hustet ganz furchtbar. Das wird eine schlafarme Nacht.

Pippi hat Fieber. Ich tippe auf 3-Tage-Fieber. Waldorfkindergartenviren, ick hör dir trapsen. Heute Mittag waren es 39,9 Grad und sie ganz schlapp und fertig. Ein Hoch auf die Fieberzäpfchen. Wird wohl trotzdem ne schlafLOSE Nacht. 

Ein Baby mit Fieber stillen fühlt sich sehr komisch an. Als würde man seine Brust in sehr warmes Wasser tauchen. 

Heute den Kleinercast zum Thema Menstruation gehört. Danach neue Zyklusapp runtergeladen. Ebenfalls jeglichen Maßstab für zu viel Information verloren. Q.e.d.

Gestern habe ich mir ein falsches Muttermal (Lipom) am Rücken entfernen lassen, das mich schon seit tausend Jahren total nervt, weil es direkt unter dem BH-Verschluss sitzt und da reibt, drückt und allgemein auch doof aussieht. Dafür tuts jetzt halt irgendwie ein bisschen weh im Sitzen wenn ich mich anlehne. Voll supi, wenn man den ganzen Tag ein Baby am Leib kleben hat. Und Ostermontag soll ich zur Notfallpraxis um die Fäden ziehen zu lassen (ja, so groß war der „Froschpickel“. Vier Stiche.). Äh ja, mal sehen wie wir das machen. 

Das Schrägband abgemacht. Weiter nicht gekommen mit dem Nähprojekt. 

Ich muss jetzt noch (dringend!) Vorteig ansetzen für Brötchen, die morgen gebacken werden wollen. Die Küche und der Esstisch sehen auch noch aus wie Sau. Logistisches Problem: ich liege mit dem rasselhustenden Michel inzwischen im großen Bett, Herr Rabe ist von Pippi belegt. Hmhm. 

Tag 219 – Neues Projekt (Wääähähähäää)

Ich habe ein neues Nähprojekt. Ich nähe Pippi eine etwas schickere Hose, ohne Ärmel, also für den Urlaub. Es ist ganz gut, was zu tun zu haben, dann denke ich nicht so viel über Michel nach. 

Hier mal ein Bild von der Front, ist alles noch sehr Work in Progress aber obenrum bin ich fast fertig. 

  
Zum ersten Mal was gekräuselt. Ist ok geworden, finde ich. Ich kann ja eigentlich gar nicht nähen, das ist alles learning by doing und leider auch trial and error. Natürlich habe ich auch wieder wie verrückt aufgetrennt. Wirklich viel diesmal. (Er hat gesagt… Wääähähähäää!). Möglicherweise war ich auch etwas unkonzentriert. (Er hat gesagt, er maaaaaag mich nicht! Wäääähähääää!) Zum Beispiel darf ich morgen auch an den Armlöchern das Schrägband wieder auftrennen, das war mein erstes Mal Schrägband, ist auch ok geworden, aber das Armloch geht noch weiter und das hab ich nicht gecheckt. (Er maaaag nur Papaaaa! Mich mag er niiihihiicht! Wääähhhhhhh!!!) Natürlich ist der Schrägbandstummel nun zu kurz, sodass ich das alles wohl oder übel nochmal aufmachen und neu drandutzeln    muss. Hrmpf. 

  
Aber ist der Igelstoff nicht niedlich? Und wie easy peasy Baumwolle zu nähen ist, nachdem man die letzten Male immer stretchige Stoffe hatte! (Warum maaaag er mich denn nicht?) 

Tag 218 – Klischees

Ich war heute in einem Waldorfkindergarten. Das kam so: am Montag schrieb eine Mutter aus meiner Barselgruppe (Muttergruppe, die sich, in meinem Fall, alle Jubeljahre mal trifft), sie ginge heute zu einem offenen Kindergarten, ob nicht noch mehr Lust hätten. Ich, ausgehungert nach sozialen Kontakten wie ich bin, sagte direkt zu, ohne mir noch groß Gedanken drüber zu machen. Offene Kindergärten sind mir zwar etwas suspekt, aber egal, Hauptsache raus!

Heute im Bus (die andere Mutter hatte geschrieben, welchen wir bis wohin nehmen müssen) checkte ich dann mal die Adresse und den Kindergarten an sich. Steinerkindergarten. Ach du…? Ich dachte wirklich kurz darüber nach, ob ich doch noch absagen sollte. Steinerpädagogik ist mal so gar nix für mich und das nicht erst seit ich diesen Artikel gelesen habe. Für mich ist das die Homöopathie der Erziehung. Zu einer Zeit, als Schläge und in den Keller sperren (oder eben Aderlass) noch zum täglichen Leben gehörten, war Steiner sicherlich ein Vertreter einer neuen, fortschrittlichen und sanften Art der Erziehung (und Hanemann eben der Heilkunde). Aber heute weiß man vieles doch so viel besser und da finde ich Steiners Erziehungslehren recht verschroben, steif und überholt. Und menschenfeindlich gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen beispielsweise. Oder Linkshändern. Die Einstellung vieler Antroposophen zum Impfen finde ich gemeingefährlich. Man wächst nicht an Kinderkrankheiten. Aber viele sterben dran. Aber egal, ich schweife ab. Ich halte jedenfalls nichts von Waldorf, bin aber nunmal auf dem Weg zum Waldorfkindergarten. Nun ja, wenn schon scheiße, dann scheiße mit Schwung. 

Mir öffnet ein Mann mit ungekämmtem, garantiert von der Freundin mit der Maschine geschnittenem Haar und Zauselbart. Schätzungsweise so alt wie ich. Er stellt sich vor: er heißt Thore. Sein Sohn (ca. 5) ist auch da. Der heißt Odin. (Ehrlich wahr!) Beide tragen garantiert von der Freundin selbst genähte Leinenkleidung mit unförmigen Schnitten in Erdtönen. Garantiert von der Freundin selbst gestrickte Wollsocken mit Löchern. Thore redet so sanft mit mir, dass ich ihm in die Fresse schlagen möchte. Und er lächelt beseelt. Bekifft ist er nicht, denke ich, keine roten Augen und auch kein dämliches Kiffergrinsen, einfach so ein super-achtsames „Ich sehe DICH!“-Lächeln, das mich aggressiv macht. Ich sehe mich hilflos in dem kleinen Raum um, diverse Muttis mit Kleinkindern und Babys in mehr oder weniger abgeranzter Wollkleidung und die eine aus der Barselgruppe, die dieses Ding angeleiert hat. Ihr Kind trägt saubere und heile Wollkleidung irgendeiner teuren Marke und sie sieht genauso verloren aus wie ich. Ich setze mich zu ihr. Pippi fängt schon mal an, Musikinstrumente zu besabbern. 

Wir singen. Wir singen viel. Wir trommeln auf pseudoafrikanischen Trommeln, schütteln Rhythmuseier, Thore spielt Gitarre, Odin tanzt sehr expressiv, die Babys und Kleinkinder sind je nach Veranlagung begeistert bis desinteressiert, wir Muttis singen. Ich singe laut, weil ich alles andere total albern finde (scheiße mit Schwung!), die anderen Muttis piepsen herum. Ein Papa kommt zu spät mit einem völlig verrotzten Einjährigen Kind, die beiden haben scheinbar die gleiche Näh-, Strick- und Haareschneidbegabte Freundin wie Thore und Odin. Wir singen noch mehr. Der Papa singt auch laut. Immerhin. Pippi ist im siebten Himmel. Zottelbart-Thore himmelt sie förmlich an, oder zumindest die Gitarre. Sie liebt Musik. Mir fällt auf, dass sie sich auf meinem Schoß im Takt hin und herwiegt. Dann fällt mir auf, dass ich mich im Takt hin und herwiege und sie dabei mitbewege. Ich bin sehr froh, dass das Gesinge danach vorbei ist. 

Es gibt Lunch, alle haben was mitgebracht. Ich auch, nämlich eine Banane. Tadaaa! Pippi isst eine halbe Banane, die andere Hälfte will sie nicht und ich verschenke sie an ein anderes Kind, dessen Oma nichts mitgebracht hat. Ich trinke einen Becher Kaffee, der so dünn ist, dass man in der vollen Tasse noch den Boden sehen kann. Neben mir diskutieren zwei Muttis über Impfungen. Ich denke noch, das kann doch nicht wahr sein, so viele Klischees halte ich gar nicht aus, da sagt die eine (Harry-Potter-Brille, Schlabberpulli über magerem Oberkörper mit schlechter Haltung und ohne BH) „Ja, es ist so schlimm, meine Kleine ist adoptiert und wurde direkt nach der Geburt gegen Hepatitis geimpft, die Mutter hatte das! Das konnten wir natürlich nicht mehr verhindern. Schlimm ist das.“. Die andere Mutti nickt mitfühlend. Innerlich renne ich schreiend im Kreis. Mit all meiner Willenskraft wende ich meine Aufmerksamkeit etwas anderem zu.

Pippi lutscht an Musikinstrumenten. Ich möchte alles desinfizieren. Sie pupst hörbar, ich nutze die Gelegenheit zu einer Pause und wickle sie laaaange. Dann setzen wir uns wieder zu der Barselgruppenmutti. Ihr Kind kommt mir infekttechnisch halbwegs safe vor und unsere beiden Kinder besabbern sich ausgiebig gegenseitig. Pippi ist pikiert, als das andere Kind ihr ins Auge piekt. Alle stillen ihre Kinder (nein, natürlich der Papa und die Oma nicht), es ist kurz gemütlich. Die andere Barselgruppenmutti erzählt mir, dass sie und ihr Mann ab Sommer in den USA ein Forschungssemester machen werden. Odin schlägt auf eine Trommel. Alle schrecken hoch. Thore kündigt an, dass nächste Woche kein offener Kindergarten sein wird, wegen der Osterferien. 

Ach, wie schade. 

Draußen blökt ein Schaf. 

Wir gehen nach Hause. Ich brauche einen ordentlichen Kaffee und was zu essen. Pippi schläft wie ein Stein im Kinderwagen. Ich kompensiere das Waldorftrauma mit dem Kauf von zwei Kleidchen für Pippi im Sonderangebot, keins ist aus Wolle oder Leinen und beide sind heile und bunt. Meine Ohren heile ich mit den Foo Fighters von den Ohrwürmern des Vormittags. Ich denke an Pippis leuchtende Augen beim Singen und klatschen und trommeln. 

Vielleicht geht Herr Rabe ja noch mal mit ihr hin. 

Tag 217 – Müüüüde!

Wir haben Pippis nicht genutztes Beisteillbett gegen die größere Variante eingetauscht. Es sieht aus als wolle sie sie nicht benutzen. (Hier mein hilfloses Schluchzen vorstellen.)

 

Nein, Pippi liegt nicht auf dem Kissen. Sie hat nur gerne was am Kopf, als Begrenzung.

 
Mal im Ernst: dieses Familienbett, das klingt so schön. Das klingt nach „ich kann sooo viel besser schlafen, wenn ich alle meine Babys ganz nah bei mir hab“. I call bullshit on that. Ich hab die letzten Nächte wieder ultra bescheiden geschlafen. Pippi mag gerne dauernuckeln, ich krieg schon davon zuviel, dann knetet sie aber auch gerne an meinen Brüsten herum oder grabbelt nach meiner Nase und mir kann doch keine weismachen, dass sie dabei „ganz schnell wieder einschläft“. Als Sahnehäubchen noch den hustenden und zähneknirschenden und sich breit machenden und rumwälzenden Michel oben drauf, ich, eingekeilt und bewegungsunfähig zwischen den Kindern, bekomme Schmerzen überall, in meinem Ohr piept es, Herr Rabe schnauft UND ICH RASTE INNERLICH AUS UND SCHREIE IN MEINEM KOPF ALLE AN UND ZIEHE ALLEINE NACH ALASKA aber natürlich bin ich leise und ziehe noch nicht mal nicht aufs Sofa um, denn ich will ja keinen wecken. Tagsüber ist mir dann die ganze Zeit zum Heulen. Weil ich eine Kackmama bin und es ja „so“ gewollt hab (nein, natürlich nicht, niemand denkt sich „ach, ich schlafe so gut, ich krieg mal ein Baby, damit das anders wird!“) und „man“ „soll“ „sowas“ nicht mal denken. Ja, wenn ichs aufschreibe klingt es für mich auch komplett albern, aber morgens um sieben, wenn der Wecker am Handy klingelt und ich nur mit äußerster Willenskraft mein Handy nicht gegen die Wand schmeiße, zerhacke und verbrenne, fühlt es sich anders an. 

Wenigstens bin ich nicht alleine müde.