Tag 254 – Im Rausch. Korfu Tag 24

Die Bilder von gestern. Also, ein paar davon. 

    

   

 Und dann noch eins von heute:

 Das ist vom Kaizer’s Throne in Pelekas, sehr schön auch da. Schöne Aussicht hat man von da, davon hab ich nur keine Fotos. 

Danach fuhren wir nach Kerkyra und verfielen dem Kaufrausch. Jetzt hab ich neue Sandalen und Herr Rabe hat Gürtel und Pippi ein Kleid und Michel einen Lightning McQueen-Ballon und eine Maus aus Olivenholz. Und so weiter. Noch ein bisschen Sightseeing, gutes Essen und einen Anruf später (der Vermieter hat sich Sorgen gemacht. Ist das nicht süß?) sind wir jetzt alle komplett im Eimer aber sehr glücklich wieder im Ferienhaus. 
(Und nach dem Essen hab ich ganz genau gesehen, dass sich Pippi wohl doch endlich einen Zahn wachsen lässt. Unten rechts der Schneidezahn schimmert bläulich durch und fühlt sich hart an. Mein Baby! Schon so groß… Eben noch so Mini! Jetzt bald ein Einzahnmäuschen! Schnüff.)
 

 

Tag 253 – Pelekas. Korfu Tag 23

Jeahhhh! Auf Veröffentlichen geklickt, bevor irgendwas geschrieben ward. Tolli.

Das verdirbt mir meine Laune jetzt aber auch nicht mehr. Wir waren nämlich heute an einem absolut traumhaften Strand. Mirtiotissa Beach. Falls Sie mal nach Korfu kommen: Mirtiotissa Beach. Es ist so toll da. Die Fotos liefere ich morgen nach, wir übernachten nämlich in Pelekas und die absolut auch total tolle Pension Martini hat kein WLAN. 

Also, zurück zum Strand. Der liegt sehr versteckt in einer Bucht mit Steilhängen, von der Straße aus kaum zu sehen. Unten: feiner Sand, nicht weiß, sondern bronzefarben, dadurch sehr warm. Drei sehr große Felsen im Wasser, an denen sich die Wellen sehr dekorativ brechen. Naturdusche: vom Hang tröpfelt an einer Ecke etwas Süßwasser, kann man auch trinken. Da die Strömung am Strand einen kleinen Hügel geschaffen hat, über den nur die Ausläufer jeder vielleicht zehnten Welle drüberschwappen, ist dahinter ein kleines Babybecken, vielleicht 5-25 cm tief, je nach Stelle, und recht warm. Die Großen baden im Meer, es geht so mittelflach rein, aber ohne Steine und sonstiges störendes Gedön. Dafür aber teilweise mit Wellen, die schon recht kräftig und hoch werden können und Strömung und so, also schwimmen sollte man können, auch wenn man nicht weit reingeht. Und noch was sollte einen nicht stören, wenn man dahin geht (und ehrlich, gehen Sie da hin, es ist wirklich ein Traum!), nämlich Nacktheit. Es ist nämlich auch ein inoffizieller FKK-Strand (dazu gleich mehr). 

Jedenfalls, es war so toll. Die Kinder in ihren UV-Schutz-Klamotten* sehen ja eh schon so niedlich aus. Dann hat Michel auch mega Spaß an Wellen und rannte mit mir zusammen erstmal fünfzig mal rein und raus, ließ sich manchmal umschubsen, hüpfte und johlte und qietschte und fand alles ganz toll. Gestern war er mit Herrn Rabe beim Frisör** und jetzt sind seine ausgeblichenen Haare ganz kurz, ein richtiger Sommerschnitt, und er sieht einfach zum Knutschen aus mit seinen großen braunen Augen, den hellblonden Haaren, dem braunen Nacken und den gaaaaanz kleinen Sommersprossen auf der Nase***. Und Pippi, die kleine Maus, plantschte überglücklich in dem Babybecken herum****, aß Sand, probierte vom Meerwasser, aß Sesamstange, tunkte sie angelüllert in den Sand und aß sie danach noch weiter, hatte also den Spaß ihres Lebens. Kurz: mein Herz war kurz vorm Platzen. 

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FKK. Öhm ja, von mir aus, ich bin ja auch gerne nackt, aber doch lieber zu Hause und meine empfindlichsten Körperteile möchte ich als sehr sonnenempfindlicher Mensch eher nicht der Sonne aussetzen. Sonnenbrand auf Still-Brustwarzen? Ahhhhh, nee, danke. Aber wenn andere gerne nackt in der Sonne liegen, bitte, mich störts nicht. Aber ein paar Fragen wirft es doch schon auf (in meinem Kopf jedenfalls).

– Ist so ein Hodensack nicht auch sehr sonnenempfindlich? Oder ein Penis? Ich stelle mir das Aua vor. 

– Warum um alles in der Welt bräunt man(n) sein Poloch? Oder geht es um die Unterseite des Hodensacks? Oder war es doch eine Yoga-Übung, die ihn dazu veranlasste, seinen Hintern der Sonne entgegenzurecken?

– Wie lange muss man schon FKK-Bräunen bis die Haut aussieht als könne man nach dem Tod der Person ohne jegliche Nachbehandlung daraus exklusive Handtaschen machen?

– Wird Schamhaar nicht grau? Warum nicht? 

Vielleicht können Sie mir ja mit der ein oder anderen Frage weiterhelfen, ich bin ehrlich interessiert.

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Zum Abenessen in einem Imbiss gewesen. Zum Nachtisch bekamen wir drei kleine Eis aufs Haus (ist hier so üblich, dass der Nachtisch einfach so kommt), sonst hätte ich mir noch ne Portion Gurkenjoghurt mit Knoblauch (aka Tzatziki) bestellt. So lecker. Und die nächsten drei Tage werden wir wohl etwas riechen. 

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*Ja, ich weiß, möglicherweise ist das übertrieben. Aber es geht viel schneller, als die blöde Eincremerei. Und Sonnencreme ist teuer und nicht wiederbenutzbar. 

**Ich war nicht beim Frisör. Erstens weiß ich grad Frisurtechnisch nicht so ganz was ich will (Tipps, anyone? Kurz und blond und viele aber dünne sind se…) und außerdem lagen da Wachtürme rum. 

***Hat tatsächlich meine Haut geerbt, das arme Kind. 

****Ja, genau, das Baby, das vor ein paar Monaten beim Kontakt mit Badewasser noch jedes Mal Zeter und Mordio geschrien hat. 

Tag 251 – Schnüff. Korfu Tag 21

Heute hatte ich zwei Herzbrech-Momente. 

Erstmal: mein eigenes Kind, der „große“ Michel, saß im Babybett (in dem das Baby nicht schläft, wieso denn auch…) und spielte mit seinem potthässlichen aber heiß geliebten Werbegeschenk-Pinguin. Er dachte wohl, ich höre nicht zu weil ich handydaddelnd Pippi stillte. 

„Sooo, Pinguin, hier Kinnergarten is.“ 

*piepsig* „Nein, will nich Kinnergarten sein, will Hause bleiben!“

„Ok. Wir Hause bleiben.“

Schnüff. Heißt das, er mag wirklich nicht in den Kindergarten gehen? Neulich hat er uns noch erzählt, wer alles seine Freunde im Kindergarten sind. Und ich dachte auch, dieser lange Urlaub würde da gut tun, vor dem Urlaub war es ja mitunter schon etwas schwierig mit ihm und dem Kindergarten, weil er da immer „traurig“ wurde. Aber so klingt es jetzt irgendwie als würde er sich wünschen, zu Hause bleiben zu können. Was wohl eher nicht gehen wird. Schnüff. 

Die andere Geschichte: hier schleicht eine Katze herum. Das ist nichts außergewöhnliches, hier gibt es sehr viele streunende Katzen, aber diese ist ein anderer Fall. Als erstes ist uns aufgefallen, dass sie völlig angstfrei uns gegenüber ist. Also, wir grillten, die Katze kam an und maunzte uns die Ohren voll. Da sah ich dann auch, dass sie trächtig ist. Man sieht, wie sich die Babys im Bauch bewegen. Aber irgendwie war das Maul komisch. Ihr fehlt unten ein Eckzahn, das scheint sie aber nicht weiter zu stören, wahrscheinlich ist das schon älter. Nach näherem Betrachten kam ich zu dem Schluss, dass sie versucht haben muss, eine Hummel oder Biene zu fressen un fies in die Schnauze gestochen wurde. Die „Backen“ waren beide geschwollen, eine Seite mehr als die andere. Dadurch stand ihr die ganze Zeit das Maul offen. Also: eine trächtige, verletzte Katze, die so hungrig ist, dass sie freiwillig auf Menschen zugeht und quasi bettelt. Leider konnte man auch auf Anhieb sehen, dass sie Würmer und Flöhe hatte. Also nix mit Helfen, Anfassen oder sonstwas. Armes Tier. Und Füttern bringt ja auch nix, zumal der Vermieter gleich sagte, dass er nicht will, dass sie hier ihre Jungen bekommt (bei einem Haufen piepsender Babykätzchen könnte er nämlich auch nicht hart bleiben, vermute ich). Schnüffschnüff. 

Darauf Schokolade. 

Tag 249 – Roadtrip. Korfu Tag 19

Wir sind heute die nördliche Ostküste abgefahren. Das war, tja Hmm, also nicht soooo spannend. Die Strände sind nicht so der Hammer, meist Kies und kein Schatten. Die Orte sind klein und bergig und ganz im Nordosten recht bonzig. Ferienvilla an Ferienvilla, alles eingezäunt und eingemauert. In den Ortschaften selbst nur so Beachwear-Läden und Minimarkets und Tavernen „Greek Family Style“. Naja. Was dann aber sehr schön war, war nach einem kleinen Kiesstrandaufenthalt ein Trip in die Berge. Über eine Panoramastraße (eng, steil, Serpentinen. Ich wünschte mir meine Reiseübelkeitsscheißegaltabletten sehnlichst herbei) fuhren wir nach Sokraki. Das ist ein sehr (sehrsehrsehr) verschlafenes und malerisches Dörfchen am Pantokrator. 
Total schön da, wirklich. Und ganz nebenbei das Epizentrum des Tzitzimbirra, der Korfiotischen Ingwer-Zitronen-Limo. Die wird nur da in einer einzigen Brauerei gemacht und schmeckt sehr lecker. (Für eventuell mitlesende Chemiker oder Biologen: ich tippe auf ne Milchsäuregärung. Zutaten laut Liste: Ingwer, Zitronen, Zucker, Wasser. Schäumt wie Hulle, ist säuerlich, trüb und unten setzt sich was ab. Angeblich enthält es gar keinen Alkohol.)
Im einzigen geöffneten Café tranken Herr Rabe und ich Tzitzimbirra und Michel „Ich-hab-keinen-Hunger-doch-wohl-hab-ich-Hunger-jetzt-doch-nicht-mehr-ich-will-Kekse!!!“ verschlang ein Omelette, für dessen Zubereitung der Wirt seine Mama anrief, die dann auch brav durch das halbe Dorf angeschlurft kam. Gegenüber betreibt der Wirt einen Olivenholzgedönssouvenirshop. Hinter dem Laden ist die Werkstatt, in der er selbst alles mögliche drechselt und feilt und sägt. Aber (im Gegensatz zu dem Laden mit dem Papagei hier in Acharavi) die Sachen waren wirklich sehr schön und so bin ich jetzt stolze Besitzerin einer Vase aus Olivenholz („Germans like it when it’s rough, the wood, when it has the black parts. I try to get rid of them as good as I can, and the Germans like it. The English, too.). Und eines Pfannenwenders, naja, brauch man halt ab und an mal und hält hoffentlich etwas länger als die dünnen Dinger von IKEA. Wenn ich totaaaaaal viel Geld hätte, hätte ich noch ein Schneide/Servierbrett aus Olivenholzwurzel mit wunderschöner Maserung gekauft. Aber ich habe nicht totaaaaal viel Geld. Leider. Ich hatte auch nicht genug Geld dabei, sonst hätte ich jetzt vielleicht ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Rabe. Tja. Hätte ich eh nicht unauffällig wegtransportieren können. 

Danach Draußendusche mit Michel, Pippi ist so geil aufs Duschen, dass Herr Rabe sie irgendwann einfach auszog und mitduschen ließ, ich kochte derweil die frischen Ravioli und ne Soße dazu, Essen, zwei Kinder nacheinander Einschlafbegleiten (Jucheh!), zum Nachtisch griechischen Joghurt mit griechischen Erdbeeren, dann das kleinere Kind nochmal Einschlafbegleiten (Jucheh!) und dabei bloggen. 

Ist schon auch immer noch ganz ok hier. 

Tag 248 – Mäuse(-Insel). Korfu Tag 18

Heute sind wir auf den Wetterbericht hereingefallen. Weil, wer will schon bei 21 Grad am Strand sein? Da wird man offensichtlich innerhalb von zweieinhalb Wochen zum Wetter-Snob. Also überlegten wir uns, was wir noch nicht gesehen haben. Und fuhren kurzentschlossen nach Kerkyra zum Britischen Friedhof, wo zu dieser Jahreszeit die Lilien und die wilden Orchideen und die Agaven blühen. Alles sehr hübsch. Und, Tadaaa, super warm. In der Stadt weht halt kein Lüftchen und es waren 25 Grad. Familie Schwitzebär on Tour. 

 

Wilde Orchideen. Deswegen waren wir eigentlich hergekommen. Ich fand sie dann etwas unspektakulär.

 
 

Die hier waren da schon hübscher, schon allein wegen der Farben.


 

Das sind gar keine Lilien, sondern Zantedeschien, auch Calla-Lilien genannt. Wusste ich nicht, musste ich mir gerade ergoogeln. Man lernt ja nie aus.

 

Und dann gan es noch diese überraschend flinke Schildkröte (die sich grade Michels Lieblingsthema widmet: dem Ausscheiden von Stoffwechselendprodukten.)

Danach gab es Kaffee/Trinkpäckchen und wir überlegten weiter: Shopping oder Sightseeing? Die Wahl fiel angesichts der vermutlich am Freitag Nachmittag ziemlich vollen Innenstadt auf Sightseeing. Also fuhren wir weiter zur Mäuseinsel. 
Die Mäuseinsel ist eine minikleine vorgelagerte Insel vor Kerkyra, mit einem Boot kommt man da hin und zurück. Auf der Insel ist ein winziges Kloster. Und ein verrückter kleiner Souvenirladen mit selbst gebasteltem Kram aller Art und drei Hunden und einem Pfau. 

 

Die Kapelle des Klosters.

 
 

Was ist es? Golden Retriever-Dackel-Mischling???

 
 

Der Pfau verhielt sich nicht besonders Foto-Kooperativ, ist aber erkennbar, denke ich.

 
 

Michel rannte die ganze Zeit hin und her um Steine zu sammeln und dann ins Wasser zu schmeißen.

 
Im Souvenirladen kaufte ich mir ein paar Ohrringe (ich hab da so ne Art Fetisch, glaube ich. Ich besitze sicher 30 Paar Ohrringe. Oder mehr.), die gab es nur im Set mit einem echt hässlichen Ring. Bzw. ist hässlich das falsche Wort, aber eben gar nicht mein Geschmack. Der Souvenirheini war aber als Geschäftsmann nicht ganz so versiert, mein Angebot, das ganze Set zu bezahlen aber den Ring einfach dazulassen (den er dann „nochmal“ hätte verkaufen können, so ähnliche Ringe gabs auch einzeln), schlug er aus. Nun ja. Wenn (also, falls) Michel den Ring wieder rausrückt, kann ich ja hier mal fragen, ob ihn jemand haben mag. 

Dann ging es entspannt nach Hause, Pippi schlief mit einer Sesamstange in der Hand ein, Michel spielte mit seinem Ring und seinem Bären und ich durfte nie zuhören oder hingucken, er wollte alleine spielen. Dabei hätte ich so gerne Mäuschen gespielt…

Zum Abendessen gab es eine schnelle Runde Crêpes auf Wunsch von Michel. Pippi aß einen Haufen Erdbeeren, da steht sie total drauf und im Gegensatz zu Tomaten und Gurken kriegt sie die auch gut klein. Blöd nur, dass sie mich beim Essen dauernd begrabbeln möchte und in meinen Arm kneift. So habe ich ca. 20 cm zum selber sitzen und essen, während Pippi sich strahlend zu mir herüberwirft und mit Erdbeerfingern nach meinem Arm grabscht. Komisches Kind. Aber so niedlich dabei. Vielleicht tauschen Herr Rabe und ich mal die Sitzplätze. Ich mag auch mal wieder Platz beim Essen haben. 

Tag 247 – Die Piraten! Korfu Tag 17

Heute, auf dem Weg durch ein ziemlich runtergerocktes weil halb verlassenes Dorf.

Ich: „Boah, hier is aber auch ganz schön viel kaputt…“

Michel: „Kuful [Warum, Anm.d.Red.] Häuser schön kaputt is?“

Ich: „Naja, weil eben keiner drin wohnt und das dann keiner repariert, wenn was kaputt ist.“

Michel: „Kuful keiner drin wohnt?“

Ich: „Die Leute sind bestimmt weggezogen, vielleicht in die Stadt, wo es mehr Jobs gibt…“

Michel: „Ja, oder velleicht in Urlaub efahrn!“

Ich: „Ja, vielleicht sind die Leute auch im Urlaub.“

Michel: „Ja, in Urlaub nach Trondheim efahrn.“

Herr Rabe und Ich: *verkneifen uns das Lachen*

Michel: „Oder Kaptain Sabeltann* komme ist, alles kaputteschossen hat. Das war egentlich so.“

Herr Rabe und Ich: *Lachen verkneifen klappt nicht mehr*

—

Etwas später. Ich versuche, auf der Karte die Orte zu finden, die in Griechischer Schrift auf den Schildern stehen. 

Michel: „Mama, du mir Reiseführer gibst, ich gucke.“

Ich: „Hier, du kannst das Reiseführerbuch haben, das brauche ich grade nicht.“

Michel: „Nein, kleine Reiseführer!“

Ich: „???“

Michel: „Da, so kleine Reiseführer, du da hast! *Ton wird schon weinerlich*“

Ich: „Meinst du die Karte?“

Michel: „Ja! Ich will auch Karte gucken!“

Ich: „Aber die brauche ich doch…“

Michel: *fängt an zu nölweinen*

Ich: „Ok, aber gleich brauche ich die wieder!“

Michel: *nimmt Karte* „Da muss ich erstmal so groß basteln…“ *faltet umständlich Karte auseinander* „Da hier so rekks, links fahren, hier so links schwiu, schwiu, hier! Da sind wir, Mama! *zeigt auf Punkt ganz im Süden von Korfu*

Ich, zu Herrn Rabe: „Oh, wir sind aus Versehen ganz in den Süden gefahren.“

Michel, zu sich selbst: „Musse hier wieder so klein basteln… So basteln und so und so… Klarte det! [Geschafft!, Anm.d.Red.]“ *“liest“ singend von der zusammengefalteten Karte ab* Eeeeeeesseeeeeellll, Mama Bustabe, Papa Bustabeeeee, Pipi Bustageeeeeee, Michel Bustage!!! Lalalalaaaaaninaaaaaniiiinaaa, Kindergartenkumpelbustageeeeeeneeeeeneeeeneeee…“

—

Es. Ist. So. Niedlich! Dieses Kind. HACHZ. 

*Käptn Säbelzahn. Norwegische Kinderserie über den Piratenkapitän Säbelzahn, Schrecken der Meere und so. Hat Michel nie gesehen, aber er weiß trotzdem alles darüber. Und singt die Titelmelodie, tagaus, tagein. Also, wenn er nicht Geburtstagslieder singt. 

Tag 246 – Berg. Korfu Tag 16

Falls Sie mal nach Korfu fahren: der Pantokrator lohnt sich nicht. Ne halbe Stunde nervenzerfetzendes Gegurke mit schreiender Pippi und nöligem Michel und Serpentinen und ANGST über schmalste Bergstraßenserpentinen und dann biste oben und: toll. Ganz viele Strommasten, Sendemasten, ein geschlossener Kiosk (da wohnt wohl eigentlich ein Mönch) und ein bisschen Aussicht.  

(Hier sollte ein Beweisfoto von mir auf dem Gipfel sein. Aber das Internet ist mal wieder zu schlecht.)
 Der Rest des Tages war gemütlich und eigentlich nicht besonders spannend. Vielleicht noch, dass ich Gehalt bekommen habe, das hat also scheinbar geklappt mit dem Übergang Elternzeit–>Urlaub. (Meine Elternzeit ist vorbei. Ach du Schreck!!!) Und Pippi hat das erste Mal Kuchen gegessen. Die Kinderfreundlichen Griechen halt… Orange fand sie aber besser. Erdbeeren auch. 

(Update: jetzt ist da doch ein Bild??? Spinne ich jetzt komplett? Sehen Sie auch ein Bild?)

Tag 244 – Wirren. Korfu Tag 14

  
Eigentlich wollten wir heute auf den höchsten Berg Korfus, den Pantokrator.  Der ist neunhundertnochwas Meter hoch. Die Wolken hingen allerdings an den Bergen fest auf ca. 900 m Höhe. Also entschieden wir uns um. Und fuhren zum Kap Drastis (da, wo wir schonmal gewesen waren, aber dann nicht runtergingen, wegen müder Kinder, Sie erinnern sich?).

  
Babääääm. Schick, ne? Dann gingen wir weiter. 

  
Tja. Was man jetzt nicht sieht, ist das komische Tipizelt aus Schilf und Palmenblättern hinter dem Tor, in dem scheinbar eine hutzelige und möglicherweise geistig nicht ganz fitte ältere Dame haust. Die uns auch freundlich auf Griechisch vollaberte, aber mitnichten das Tor öffnete. 

 
Dafür fanden Michel und ich zwei Schnecken. Die eine kam auch nochmal aus ihrem Haus, fiel dann aber um und nachdem ich sie zurückgedreht hatte, mochte sie nicht mehr rauskommen. Schade. Ich finde Schnecken ganz toll und habe fast Herrn Rabe soweit, dass ich Riesenschnecken haben darf, wenn wir wieder in Norwegen sind. Die Schnecken haben wir dann vorsichtig ins Gras gesetzt, wo Schatten und Feuchtigkeit ist. Und dann sind wir zum Auto zurückgegangen. Michel quetschte mich derweil aus, wieso manche Schnecken „tot geworden“ sind und „die Augen zu gemacht“ haben. Ich erklärte ihm den Kreislauf des Lebens und dass alles und alle mal geboren werden und mal sterben. Ich hoffe, er hat es verstanden. Schwieriges Thema. Aber besser anhand eines leeren Schneckenhauses zuerst damit konfrontiert werden, als weil Oma nicht mehr da ist. Oder so. 
Auf dem Rückweg waren wir in Acharavi in einem Olivenholzschnitzwerkstattshopdings. Der hatte eigentlich noch gar nicht auf, aber wir durften uns trotzdem umsehen. Da gab es alles und nichts aus Olivenholz. Leider keine schönen Ohrringe für mich. Dafür einen großen blauen Ara, der hoffentlich einfach nur sehr sehr alt war und sich nicht aus Frust komplett selbst zerfleddert und fast nackt gerupft hat. Der Ara sah aus wie ein kümmerliches, zitterndes Brathühnchen. Konnte aber sehr unvermittelt sehr laut schreien, was Michel etwas verstörte. Ohne was zu kaufen verließen wir den Laden, mir war zu warm da drin und der Vogel stresste mich total. 

Dann waren wir in Acharavi noch Essen für die nächsten Tage einkaufen, mit Horror-Meltdown von Michel. Hysterisches Schreien und auf den Boden werfen und um sich schlagen und uns hauen. Ziemlich schnell schleifte Herr Rabe das Zeter und Mordio brüllende Kind aus dem Laden, ich kaufte alleine fertig ein. Der Grund für den Anfall ist leider völlig egal: er sucht im Moment gerne mal Reibungspunkte mit uns. Und dann wird gerieben, was das Zeug hält, bis zur totalen Eskalation. Gerne sind die „vorgeschobenen“ Auslöser Dinge der Unmöglichkeit, so wie im Laden plötzlich Sendung mit der Maus gucken wollen. Machste also nix, fällt aber auch schwer auszuhalten und wegen des Hauens waren auch sowohl Herr Rabe als auch ich noch ganz schön lange sauer. Und weil wir auch Wasser einkaufen mussten und ich ja noch Pippi auf dem Arm hatte, war ich sehr dankbar, dass mir ein älterer griechischer Herr die Wasser-Einkäufe zum Auto trug. Und peinlich wars mir auch ein bisschen. 

Auf dem Sofa dann noch ein paar Blogs gelesen, gegessen (Herr Rabe hat gekocht), Michel ins Bett gebracht. Jetzt müde und ausgelaugt vom zornigen Kind. Noch eine Handvoll Erdbeeren und ab ins Bett. 

Tag 240 – Kuckuck! Korfu Tag 10

Pippi und Michel sehen sich so unheimlich ähnlich, dass ich es spooky finde, wenn Pippi Sachen anhat, die Michel schon als Baby hatte. Es ist dann nämlich, als würde Michel neben Baby-Michel sitzen. 

Dafür sind sie vom Charakter her (soweit man das bei einem Baby von 8,5 Monaten sagen kann) sehr unterschiedlich und vor allem entwickeln sie sich in ganz unterschiedlichem Tempo. Bei Michel zum Beispiel fand ich das „Oje, ich wachse“-Buch total doof, weil er einfach immer relativ spät mit allem dran war und eher kontinuierlich Sachen lernte, statt klar erkennbare Schübe zu haben. Und dann standen da halt so Sachen wie „8 Monate: versucht zu krabbeln“ und Michel robbte und robbte und versuchte gar nix, weil er beim Robben wunderbar voran kam. Am Ende krabbelte er vielleicht zwei Monate „so richtig“ und fing dann an zu Laufen. Aber egal, jedenfalls machte Michel nie das was im Buch stand und deshalb fand ich das Buch auch doof. 

Und bei Pippi so? „8 Monate: versucht zu krabbeln“. Hmm. Nee, krabbelt schon seit nem Monat recht erfolgreich. Zieht sich überall hoch. Sitzt sicher. Kniet. Zieht die Füße unter den Körper, um aufrechter zu stehen und die Füße unter dem Schwerpunkt zu haben. Dreht sich im Stehen vom Couchtisch zum Sofa. Versteht ein paar Wörter, zum Beispiel „Nein“*. Macht High Five (das haben Michel und Herr Rabe ihr beigebracht). Macht deutlich, was sie haben will, heute morgen zum Beispiel Banane. Schmatzte und reckte sich nach den Bananen. Alter, sie weiß, dass in der Banane das leckere Zeug drin ist! Sie weiß auch, dass in meinem Shirt meine Brüste sind, das ist weniger schön, weil sie recht hemmungslos grabbelt und versucht, ihr Gesicht in meinen Ausschnitt zu stecken. Wenn man Sachen vor ihr versteckt und sie sieht, wo man sie hingetan hat, findet sie sie wieder. (Michel konnte man noch mit einem Jahr glaubhaft versichern, die Kekse, die man gerade in den Schrank gelegt hatte, seien „weg“.)

Heute hat Pippi mich dann mit einem anderen Ding sehr überrascht, auf das ich bei Michel damals vergeblich gewartet habe**: sie spielt Kuckuck! Und das, ohne dass ich das überhaupt jemals mit ihr gespielt hätte! Aber heute am Strand, es war wirklich zu niedlich, zog sie sich dauernd das Handtuch vors Gesicht, wartete (nach den ersten Malen), bis ich „Kuckuck“ sagte und zog es dann wieder runter und grinste beim „Böööhhh!“. Und von vorn. Gefühlte hundert mal. Es war so niedlich. Jetzt kann man langsam richtig mit ihr spielen. Hachja. Das Buch ist also nur noch zu 50% blöd. Wäre schön, darüber mal ne Massenstatistik zu haben (statt der dämlichen Anekdoten „Mein Finn brachte mich in dem Alter ständig auf die Palme mit seinem Gequengel aber als der Schub vorbei war war er wieder das Engelchen von vorher!“). 

* hält sich aber nicht dran. Da sind sie dann wieder gleich, die Rübennasen.

** nicht, dass er nie Kuckuck gespielt hätte. Sogar mit großer Begeisterung. Aber es ging nicht von ihm aus, er hat sich nicht selbst versteckt. 

Tag 237 – Korfu Tag 7

Schreiben im Blindflug und ohne zu wissen, ob ich das hochladen können werde. Weil das Internet nach wie vor doof ist. Hmnaja.  

Auch noch von gestern nachgereicht. Aber so ein schönes Bild wollte ich Ihnen nicht vorenthalten.


Heute waren wir in Korfu Stadt (Kerkyra). Erst in einem riesigen Laden voller Gedöns, um Babysocken zu kaufen. Wir kauften: Babysocken, Kindersocken, zwei Trinkflaschen, eine Flaschenbürste, ein Matchboxauto, eine Unterhose für Herrn Rabe (fragen Sie nicht…) und einen Sonnenhut für mich.  Und eine Rolle Mentos. Der Laden war echt krass, da gab es wirklich alles außer Still-BHs. Und billig. Wie ne Mischung aus kik, 1€-Läden, Billigspielzeug-Marktstand und taiwanesischem Babyzubehörladen (nicht dass ich je in einem war, aber so stelle ich es mir vor). 

Nachdem dieser Teil der Unternehmung erfolgreich und ohne Kauf eines Lightning McQueen-Kinderfahrrads geglückt war, fuhren wir nach Kerkyra rein. Die Griechen fahren recht rücksichtslos Auto, aber nach einigem Gewusel und Gesuhe fanden wir einen Parkplatz nahe der Altstadt. Weil wir dann alle erstmal Hunger und die Großen von uns Kaffeedurst hatten, steuerten wir das erstbeste der drölfzigtausend Cafés an. Herr Rabe bekam seinen griechischen Mokka stilecht im Kupferstieltöpfchen und auch mein geeister Cappuccino war sehr lecker und belebend. Dazu gab es Sandwich, gegrilltes Gemüse und Chipspommes. Sehr lecker alles. Wenn ich hier leben würde, ich wäre kugelrund. 

Mit Michel auf dem Designerklo war spannend, man kann die Türen der Klokabinen hier nicht abschließen, sodass ich ca. 20 mal pro Minute sagen musste „Nein, Michel, lass die Tür zu, ich bin noch nicht fertig!“ Oder „Ich muss noch meine Hose hochziehen. Warum? Ähh…“. Was man auch wissen muss: man darf hier oft kein Papier ins Klo werfen. Also wirklich gar kein Papier. Das benutzte Klopapier wird in einen Eimer geschmissen. Die Rohre sind halt alt, eng und verstopfen sehr schnell. Aber für mich ist es irgendwie komisch und meine Hand zuckt jedes Mal zum Klo. Michels Hand auch, wie ich jetzt weiß. 

Nachdem wir alle gestärkt und frisch waren, gingen wir uns die (Alt-)Stadt ansehen. Die ist wirklich schön. Und so wie man sich das vorstellt: alte, venezianisch-griechisch anmutende Häuser mit Holzfensterläden, enge Gassen mit kleinen Lädchen, zwischen den Häusern hängt Wäsche, zu kleinen Innenhöfen haben manche Häuser winzige Balkone und ab und an stehen ein paar Palmen und Olivenbäume auf kleinen Plätzchen. Echt richtig schön. 

Wir liefen uns etwa zweieinhalb Stunden die Füße platt, kauften ein paar Leckereien und Ohrringe und vorerst keine Sandalen, obwohl die echt bequem waren. Dann wollte Michel auf den Spielplatz. An der Esplanade in der Nähe des Parkplatzes hatten wir einen gesehen und steuerten ihn an. Michel rannte glücklich durch die Gegend und machte viel Quatsch, Pippi bekam eine frische Windel und stillte und schlief ein und wachte sofort wieder auf und machte Mordsterror als wir sie in den Wagen legen wollten. Ich suchte mir im Reiseführer ein Restaurant aus und nach der ausgiebigen Spielplatzpause steuerten wir dieses an. Es hatte zu. Also gingen wir zu einem anderen, das ich am Nachmittag gesehen hatte. Da gab es auch gutes Essen (etwas teurer als hier auf dem Dorf) und ein lauschiges Palmenhinterhofplätzchen obendrauf. Und WLAN! Hurra. Ich lud direkt erstmal Fotos von gestern bei Instagram hoch. Heute hat wieder nur Herr Rabe welche gemacht, ich hatte ziemlich oft und lange Pippi auf dem Arm.


Ruin for sale


Rückfahrt war dann wieder mit konstantem Babygebrüll. Auf dem Hinweg hatte Pippi so schön geschlafen. Man kann halt nicht alles haben, nech?

Was schön war: der Ausdruck „platte Pommes“ von Michel für die in Chipsform geschnittenen Pommes. Und der Satz „Pippi eineschlafet!“ von Michel auf der Hinfahrt.