Tag 187 – Nachts

Hier so gestern Abend/letzte Nacht

22:00 Ich möchte ins Bett. Ich bin müde und mir tun alle möglichen Körperteile weh. Pipi schläft auf mir. Ich warte auf Herrn Rabe. 

22:45 Herr Rabe kommt nach einer passiv-aggressiven SMS von mir und bezieht das Bett. Dann nimmt er mir Pippi ab. 

23:01 Ich liege im Bett. Mit zwei warmen Körnerkissen und warmen Puschen. Mir tut mein Bauch weh, mein Rücken, meine Beine. Werde ich krank oder was? Fieber hab ich keines. Außerdem hab ich Sodbrennen. Dagegen trinke ich ein Glas Milch. Naja, einfach mal schlafen. Wird schon. 

23:20 Ich kann nicht schlafen. Pippi wird wach und ich höre sie kraweelen, während Herr Rabe sie fertig macht. 

23:25 Pippi wird mir zum Stillen gereicht. 

23:45 Pippi ist längst satt, will aber nicht aufhören zu nuckeln. Herr Rabe kommt ins Bett und rückt sehr nah an mich ran. Ich möchte alleine sein. Mit tut weiterhin alles mögliche weh. 

00:30 Mir reichts. Ich bitte Herrn Rabe, Plätze zu tauschen, weil Pippi mich mit dem Dauergenuckel wahnsinnig macht. 

00:45 Ich versuche immer noch, einzuschlafen. Mir ist latent schlecht und mein Bauch grummelt ganz furchtbar. Vielleicht Magen-Darm? Ich muss aufstoßen und kriege Kotzegeschmack in den Mund. Das mit dem Einschlafen wird so nichts. 

01:30 Pippi wird schreiend wach. Ich war grade eingedöst. Ich wälze mich wieder zu ihr, sie nuckelt und schläft ein. 

02:00 Michel kommt ins Bett gekrochen. Ich bin noch wach. Pippi nuckelt. 

02:30 Ich wache auf von „Oh Mann, Scheiße!“. Herr Rabe zerrt Michel aus dem Bett und legt ein Handtuch auf die Stelle, wo eben noch Michel lag. Dann geht er Michel umziehen. Ich merke, dass Pippi immer noch nuckelt. Ich docke sie ab und ziehe mein Shirt runter. Es klappt, Pippi schläft weiter. 

02:59 Pippi murcht rum und ich versuche sie auf meinen Bauch zu legen, damit sie weiter schläft. Klappt nicht. Andere Seite, nuckeln. 

04:11 Seitenwechsel. Jetzt liegt (und nuckelt) Pippi wieder auf der Seite, auf der auch Michel liegt. Das heißt, ich passe  zusätzlich noch unterbewusst auf, dass Michel sich nicht auf Pippi legt. Michel hat seine Raupe mitgebracht, die kitzelt mir an der Nase. 

04:49 Michel knirscht extrem mit den Zähnen. Ich kann nicht mehr auf der Seite liegen, so tut mir die Hüfte auch noch weh. Ich versuche mich auf den Rücken zu drehen.

05:13 Mein Arm ist eingeschlafen, davon werde ich wach. Ich nehme ihn runter, habe aber kaum Gefühl und erwische Pippi ein bisschen an der Schulter. Sie wird wach. Seitenwechsel mit taubem Arm. 

05:30 Michel knirscht wieder mit den Zähnen. Ich habe das dringende Bedürfnis, alles anzuzünden, vor allem das Drecks-Familienbett. 

06:10 Pippi murcht schon wieder rum. Wenigstens schläft sie nach Seitenwechsel und kurzem Nuckeln direkt wieder ein. Ich ziehe mein Shirt runter und schlafe innerhalb von drei Nanosekunden wie ein Stein. 

08:28 Michel schreiflüstert: „Paaaapaaaaa! Koooommmm! Aufsteeeeeen! Æ will Frühstück macheeeeen!“ Mir tut immer noch alles weh und ich würde nahezu alles dafür tun, mich auf den Bauch legen zu können, aber da liegt Pippi und macht sich breit. Auf der anderen Seite liege ich schon mit dem Hintern im nie genutzten Beistellbett. 

08:36 Michel hatte Erfolg. Die beiden stehen auf. Meine Augen möchten sich nicht öffnen. 

08:39 Pippi ist wach und brabbelt vor sich hin. Sie tritt mich gegen die Blase. Das konnte sie immer schon gut… Ich muss pinkeln. Ok, schnell aufs Klo, Pippi bei Herrn Rabe abliefern, dann kann ich mich noch ein bisschen hinlegen. Auf den Bauch. 

08:41 Ich nehme eine Ibuprofen. Offensichtlich werde ich krank oder bin es schon. Während ich sie runterspüle, registriere ich, wie Herr Rabe das Bett abzieht. Ich könnte heulen. Da wollte ich doch wieder hin! Er meints ja nicht böse. Ich gehe wortlos aufs Sofa und lege mich da hin, rolle mich ganz eng zusammen und decke mich zu. Dann höre ich der Familie beim Frühstück machen zu. Und beim frühstücken auch. Mir ist schlecht. Alles tut weh. Irgendwann wirkt die Ibuprofen. Michel kommt und bringt mir einen Bären. Dann kommt er kuscheln. Das wirkt noch besser als die Ibuprofen. Trotzdem wird es ein Sofatag. Hoffentlich wird diese Nacht besser. 

Tag 186 – Wieder da!

Pippi und ich sind nach der laaaaaaangen Zugfahrt* wieder zu Hause. Michel hat sich sehr gefreut, ich mich auch, Herr Rabe sich auch und Pippi sich erst! Die kleine Krabbelmücke musste natürlich erstmal ihre neuen Skills vorführen und dann ausgiebigst Michels sämtliche Spielsachen besabbern. Michel hat noch nicht ganz verstanden, dass Pippi, wenn sie will, jetzt doch recht fix ist und war dann mehrmals recht empört, als Pippi sich an seine aufgebaute Brio-Bahn gerobbt hatte und sich kurzerhand auf die Gleise legte. Trotzdem hat er beim Ins-Bett-Bringen gesagt, er hätte Pippi auch vermisst. 

Ich bin jetzt aber irgendwie ziemlich ziemlich ziemlich müde und will eigentlich nur noch ins Bett und hundert Jahre schlafen. 
*Was stimmt denn mit Männern nicht, die alt genug sind um Enkelkinder im Alter der im Familienabteil nun mal anzutreffenden Kinder zu haben, die ihren Müll beim Aussteigen einfach unter den Sitz stopfen??? Ich war so perplex, mir ist alles aus dem Gesicht gefallen, aber aus meinem Mund kam nichts raus.

Tag 184 – Nur ganz kurz

Nach einer Dauerstillennacht ein gemütliches Frühstück genossen und dann in die Stadt gefahren um Freundin N. zu treffen. Treffen mit Freundin N. gehören zu der Kategorie Dinge, deren Vorhaben man erst nach erfolgreichem Abschluss bekanntgibt, weil wegen Murphy und so. Das Treffen hat aber stattgefunden, war sehr schön und ich musste mal wieder etwas wehmütig feststellen, dass auch N. zu den Menschen gehört, die ich viel zu selten sehe. 

Danach nahtloser Übergang zu Abend verbringen mit M. und E. und unserer Gastgeberin A. Leckeres Brot und Guacamole und eine Lieferung mit verrückten Skiern und einer kleinen Pappbox, die von Pippi zum interessantesten Ding EVER auserkoren wurde, inklusive. Sie war so begeistert, dass sie tatsächlich 2 wackelige, aber eindeutig als solche erkennbare (A. hat es auch gesehen und bestätigt, es ist also nicht nur das rosarot unterlaufene Mutterauge, dass Dinge sieht!) Krabbelschritte machte. Hach ja. 

M. brachte uns dann nach Hause, leider begleitet vom Schreikonzert einer aus irgend einem Grund sehr missgestimmten Pippi. 

Jetzt Bett. 

Morgen mal gucken. Erstmal sehen, wie die Nacht wohl wird…

Tag 183.2 – Oslo mal wieder

Kurzmeldung: wir sind bei A. und A. angekommen, kurz waren wir in Hamar gestrandet wegen irgendwas mit Eis, aber mit einer Stunde Verspätung gings dann doch weiter. Pippi war sehr sehr froh, endlich auf dem Boden spielen zu dürfen, ich war froh über ein sauberes Klo, dass ich sogar alleine benutzen durfte. Pippi interessierte sich dann von meinem Arm aus sehr für die Katze und die Katze für Pippi, also legte ich Pippi vorsichtig vor der Katze auf den Boden, die beiden beäugten sich doch dann bewegte sich die Katze und Pippi brach in markerschütterndes Geheul aus, was wiederum die Katze zu Tode erschreckte. Das probieren wir morgen vielleicht nochmal etwas vorsichtiger. 

Tag 182 – Pffffft

Morgen geht’s los nach Oslo und ich hab alles geschafft, was ich vorher geschafft haben wollte. Das heißt: ich hab die Mullwindeln auf den Dachboden gebracht und das Stillkissen auch (das ich eh nur zum Schlafen in der Schwangerschaft benutzt hab, nie zum Stillen), hab den Buggyaufsatz des Kinderwagens mit runtergebracht, hab das „Soft-Kissen“ abgemacht und das als Vorlage für Löcher im Schaffell benutzt, hab Löcher in das Schaffell geschnitten, damit man da die Gurte durchziehen kann, hab die vorgefertigten Löcher im Winterschlafsack (in Deutschland heißt das bloß Fußsack, aber der geht bis übern Kopf, also Schlafsack passt besser. Auf deutsch heißt das übrigens Wagensack.) größer geschnitten und dann den ganzen Quatsch wieder zusammengepuzzelt, also Buggyteil, Kissen, Schaffell, Sack, die Gurte durch alles gezogen und dann Pippi zur Probe reingesetzt. Die fands scheiße, könnte aber auch daran gelegen haben, dass sie müde und hungrig war, weil wir morgens schon bei der 6-Monate-Untersuchung Teil 2 gewesen waren und sie der Gesundheitsschwester natürlich einen vorturnen musste, die alte Angeberin. Also schön: zur Spielzeugkiste gerobbt, reingeschlinst, das Ding umgeschmissen, alles rausgeräumt und besabbert, dann hingesetzt und mit einem Spielzeugtelefon gespielt. Die Helsesøster war beeindruckt. Und Pippi hinterher total fertig. Nach der Kinderwagenaktion haben wir dann eine laaaaaange Sofapause gemacht, danach gings wieder mit ihrer Laune. Abends dann einkaufen, kochen, essen (mit müdem und weinerlichen Michel). Dann Packen, Brote vorschmieren und duschen. Jetzt fehlt nur noch das Übliche: Pippis Schlafi und „Zahnbürste“, mein Handy + Ladegerät, Computer + Ladegerät, Badezimmergedöns, Essen. 

Und jetzt ist aus mir die Luft irgendwie raus. Pfffft. Jetzt merke ich die Müdigkeit wieder. 

Tag 181 – Tauwetter

Ich war heute zu Fuß mit Kinderwagen beim Kindergarten, beim Sport, im Supermarkt und beim Ballett. Angesichts der Tatsache, dass es teilweise  zur Zeit wirklich spiegelglatt ist, finde ich das viel. Die Krönung war auf dem Weg zum Sport: ich muss von der Bushaltestelle aus die E6 überqueren. Also muss ich hoch, über die Brücke, und wieder runter. Leider sah der Weg vom Bus hoch auf die Brücke so aus: 

  
Da wos zwischendurch nicht glatt aussieht: das täuscht, da ist das Eis nur komplett durchsichtig. Ohne das blöde Geländer wäre ich da ungelogen nicht hochgekommen. So habe ich mit der linken Hand den Kinderwagen krampfhaft festgehalten und geschoben und mich mit der rechten am Geländer quasi hochgezogen. Entsprechend tut mir jetzt alles weh, so krampfig war das zu Fuß gehen heute. Das gepaart mit Pippi, die komplett durch den Wind war nachdem sie letzte Nacht schlecht geschlafen hat (ich nehme an, die zwei Kinder unserer Freunde haben sie nachhaltig etwas gestresst) und heute früh sich dann auch noch das erste Mal hingesetzt hat (noch sehr wackelig und mit beiden Armen vorne abstützend, aber eindeutig hingesetzt) und ich bin echt bedient. 

Hoffentlich wird das alles besser wenn wir Mittwoch bis Samstag in Oslo sind. Hihihi. Ich hab nämlich Zugtickets gekauft. Hihihi. Ich freu mich total. Das wird super. Hihihi. Muss nur noch überlegen, ob ich den Kinderwagen vorher noch umbaue: nachdem ich nämlich meiner Freundin gestern gesagt habe, dass Pippi natürlich noch nicht im Buggyteil sitzt, wollte sie heute auf gar keinen Fall flach im Kinderwagen liegen. Aber das sollte das kleinste Problem sein. Erstmal freue ich mich auf Oslo. Hihihi. 

Tag 179 – Pass mal auf!

Heute allerhand gemacht. Dank wachem Michel um sieben, der um viertel vor acht dann auch erfolgreich Pippi wachgelabert und -gewühlt hatte, war ja auch genug Zeit. Soviel zum „Hurra, Wochenende, endlich mal schlafen“-Plan. Trotzdem die Hälfte vergessen: Michel braucht neue wasserfeste und trotzdem warme Handschuhe, denn seine haben Löcher an den Nähten und das wars dann mit der Wasserfestigkeit. Haben wir im Laden aber mangels Liste nicht nach geguckt. Nun gut, dann habe ich nächste Woche eine Aufgabe. Falls ich nicht spontan nach Oslo fahre. Das muss ich gleich mal sehen, ob es da eine Möglichkeit gäbe. 

Wir essen ja sehr sehr wenig Fleisch, weil wir Massentierhaltung und den extrem unverantwortlichen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast nicht unterstützen wollen. Deswegen haben wir dem Kindergarten erzählt, wir seien Vegetarier und möchten nicht, dass Michel Wurst etc. isst. Der Kindergarten sagte: ok. Ich hegte aber schon länger den Verdacht, dass die das nicht ganz so eng sehen, denn woher sonst soll er wissen, was Salami und was Fleischwurst ist, wenn wir im Supermarkt sind. Wir kaufen das nicht, aber er sagte neulich „Æ liker også salami!“ (Ich mag auch Salami). Nun ja, heute dann beim Essen folgendes Gespräch:

Michel: „Das denn, Mama?“

Ich: „Makrell, Michel, das Gleiche wie aus der Tube, nur eben aus ner Dose.“

Michel: „Kindergarten også (auch) Makrell.“

Ich: „Hmhm. Und was gibt’s sonst noch so zum Essen im Kindergarten?“

Michel: „Wurst.“

Ich: „Wurst?“

Michel: „Hmhm.“

Herr Rabe: „Oder meinst du ost (sprich: ust, Käse)?“

Michel: „Nein, Wurst. Pølse.“

Oookeeeyyyy. Soviel dazu. Nun kann ich ja super gut verstehen, dass da beim Essen ein gewisser Gruppendruck herrscht und dass der Kindergarten sicher nicht riskieren wird, dass ein Kind sich ausgeschlossen fühlt, weil es bestimmte Sachen nicht essen darf. Aber wenigstens hätten sie uns das sagen können. Und wir werden dann wohl mit Michel ein „Wurst wird aus Tieren gemacht“-Gespräch führen in der Hoffnung, dass er etwas besser versteht, wieso wir keine Wurst kaufen. Und ja, er kriegt auch zu Hause manchmal Pølse: aus Tofu. 

Das Gespräch war aber noch nicht zu Ende, es gab noch eine Fortsetzung. Kinder erzählen ja oft auch Quatsch, deshalb wollte ich ihn noch ein bisschen mehr aushorchen, um herauszufinden, ob er das jetzt nur so sagt, weil ihm nix besseres einfällt.

Ich: „Und wenn ihr Obst esst, was isst du da?“

Michel: „???“

Ich: „Ihr esst doch immer Fruktmåltid, was suchst du dir da denn aus?“

Michel: „Banan.“

Ich: „Ah.“

Michel: „Og (und) kiwi.“

Ich: „?“

Michel: „Banaaaaan, og kiwi, og epple… og appelsin. Æ liker alle deler (Ich mag alle Teile). *zählt an seinen Fingern ab* epple… Appelsin… Kiwi… Og banaaaaan!“

Ich: *schmilzt ein bisschen, weil er so unheimlich niedlich ist*

Michel: „Pass ma auf! *hebt seinen Po einseitig an* Kommta Pups! *pupst lautstark*“

Danach lag ich fast unter dem Tisch vor Lachen, was natürlich jede Maßregelung à la Wenn-dus-doch-vorher-merkst-dann-geh-doch-zum-Pupsen-bitte-woanders-hin völlig ad absurdum geführt hätte, weshalb ich sie mir dann auch einfach sparte. Dieses Kind ey. 

Meine Omi ist am Mittwoch 84 geworden, ich hab auch am Mittwoch schon versucht anzurufen, da war aber niemand da, denn, so erfuhr ich heute, sie waren Essen und es zog sich extrem und die Portionen waren so klein und überhaupt, wie kann man denn aus einem Pilz ein Hauptgericht für fünf Personen machen? Dann erzählte sie mir noch von ihren gesundheitlichen Malessen, wie ältere Leute das ja gerne mal so tun und es war dann doch ganz interessant, weil: sie hat eine Makula-Degeneration und ihr wurde ein Medikament gespritzt (ins Auge! Iiihhhhhh!!!), das eigentlich gegen bestimmte Krebsarten wirken soll. Ich weiß gefühlt alles über dieses Medikament, weil haha, damals irgendwann, als ich fest in der Firma angestellt wurde, sollte ich ein eigenes kleines Forschungsprojekt kriegen, damit ich mit meinem Masterabschluss nicht allzu unterfordert wäre (außerdem hatte keiner richtig Bock auf das Projekt, aber es gab irgendwelche Fördergelder dafür, also nehmen wir die Neue, die wär als TA eh überqualifiziert). Mein Teil des Projekts war, das Medikament so sauber zu kriegen, dass man es (theoretisch) Menschen spritzen könnte. Oder vielleicht erstmal Mäusen. Das hab ich auch hinbekommen, die anderen Projektpartner waren leider zum Großteil nicht so erfolgreich, deshalb liegt das vermutlich immer noch in irgendwelchen Schubladen und gammelt da rum, meine schöne Arbeit… Naja egal, jedenfalls war damals der Stand der Dinge: Augenärzte hatten wie auch immer herausgefunden, dass das Medikament super gegen eben Makuladegeneration wirkt. Aber man darf ja nicht einfach irgendwas, was gegen X zugelassen ist, gegen Y verwenden. Es gibt für solche Fälle ein abgekürztes Zulassungsverfahren, man muss ja zum Beispiel nicht nochmal neu nachweisen, dass man davon nicht tot umfällt. Das Ganze nennt sich Off-Label-Use und die Firma, die das Mittel gegen X (eben diese bestimmten Krebsarten in bestimmten Stadien) zugelassen bekommen hatte, steckte grade mitten in diesem zweiten Zulassungsverfahren. Das ist offensichtlich inzwischen durch. Was man nicht alles am Telefon von Omi erfährt. 

Tag 176 – Des Rätsels Lösung

Ich weiß jetzt, warum meine Laune gestern so kacke war. Jaha! It’s this time of the month again. Ja, genau, noch nich mal vier Wochen her, vielen Dank auch. Es traf mich auch etwas (total) unvorbereitet heute früh, sagen wir mal so: Michel kennt jetzt ein paar neue Flüche und die Bettwäsche wurde mal wieder gewaschen. Leider verkürzte „der Zwischenfall“ unsere eh knapp kalkulierte Aufstehzeit erheblich, sodass wir alle total gestresst und missgestimmt kurz vor halb zehn am Kindergarten ankamen. Wieder zu Hause musste ich dann auch direkt Pippis Windel wechseln, und als ich endlich, endlich meinen ersten Kaffee in der Hand hatte wollte ich am liebsten einfach wieder ins Bett und den Tag neu starten. Naja, ich tat das dann doch nicht sondern frühstückte Nutellabrot (mach ich sonst nie, ungesundes Zuckerzeug und so, aber mir war soooooo nach Schokolade!). Pippi schlief beim Frühstück ein und schnarchte mich dann ganz herzallerliebst eine Weile an. Als sie wach wurde war es für mich aber höchste Zeit unter die Dusche zu springen, danach noch mal schnell Pippi gewickelt und umgezogen (jaja, die Dusche ist nach wie vor nicht ganz dicht und kleine Wasserpfützchen ja so wahnsinnig interessant! Gut auch, dass die Dusche nur nach außen aufgeht und da ja dann aber Pippi lag und mit den Ofützen spielte. Ich kann meinen Bauch sehr sehr weit einziehen. Ist ja auch ne Erkenntnis.) und dann ab zum Gesundheutszentrum zum 6-Monate-Check Teil 1: Ärztin. Die war dann ganz schön frech und behauptete, Pippi würde schielen. Das ist ja per se unmöglich, weil sie ja das allerhübscheste Baby der ganzen Welt ist und ganz im Ernst: sie. schielt. nicht. Wir werden trotzdem jetzt einen Augenarzttermin bekommen um das überprüfen zu lassen. Hmja. Hab ja sonst nix zu tun. Wenigstens hat die Ärztin was gegen die jetzt wieder schlimmere Bindehautentzündung aufgeschrieben. Das hab ich dann noch von der Apotheke abgeholt und mir dann in einem relativ neu eröffneten Café/Restaurant um die Ecke einen Kaffee und einen Schokobrownie gegönnt, auch um gegen meine innerliche Empörung wegen des nicht vorhandenen Schielens anzukämpfen. Sowohl Kaffee als auch Brownie waren sehr gut und besänftigten mich etwas. Vielleicht hätte ich Pippi was abgeben sollen: die war nämlich heute Abend wieder super kacke drauf und musste sich eine halbe Stunde in den Schlaf schreien. 

Nun ja. Ich hoffe einfach mal, dass morgen ein besserer Tag wird. 

Tag 175 – Komischer Tag

Pippi geht es besser. Ihr Immunsystem ist scheinbar aus Stahl und hat die Bindehautentzündung nahezu über Nacht weggezaubert. Von Michel kenne ich das so nicht, bei dem wurde es immer schlimmer, irgendwann gingen die Augen kaum noch auf, alles verklebt und nur Antibiotika halfen. Pippi hatte heute morgen nur ein bisschen gelbe Krüstchen in den Wimpern hängen und das Auge war noch rot und geschwollen. Das hat aber gereicht, um Michel zu Tode zu erschrecken. Der arme musste furchtbar weinen, weil er fand, dass das ganz schlimm aussah. Ich verstand diese heftige Reaktion nicht so ganz, Pippi war ganz zufrieden eigentlich, aber Michel machte das offensichtlich große Angst. Nun ja. Er beruhigte sich dann, als ich gesagt habe, dass ich deshalb mit Pippi zum Arzt gehe. Bis zum Arzttermin, den ich erst für 13:00 Uhr ergattern konnte, war das Auge schon kaum noch rot und nur ein minibisschen geschwollen – klassischer Fall von Spontanheilung angesichts des Arztbesuchs. Aber ich hab ja nicht aus Spaß 7 Minuten das Warteschleifengedudel der Arztpraxis ertragen und im Anschluss 45 Minuten mit Pippi in der Trage das Auto aus seinem Neuschnee-Kokon befreit. Allerdings: was sagt man dann bei der Ärztin? „Ja, äh, ich weiß man sieht jetzt nix mehr, aber gestern wars ganz arg. Und bei meinem anderen Kind ist das nie von selber weggegangen, ehrlich!“ So ähnlich wars, aber wenigstens sagte mir die Ärztin zu, dass ich, sollte es nochmal schlimmer werden, auf SMS-Zuruf ein E-Rezept für Augentropfen kriege. Es war also nicht ganz umsonst, ans andere Ende der Stadt zu gurken (Memo an mich: nochmal gucken, ob hier in der Nähe ein Hausarzt Kapazitäten hat. Möglichst die Ärztin von Michel, die ist nett.) Und wo ich schon mal am anderen Ende der Stadt war, hab ich nochmal schnell beim Stoffladen vorbeigeschaut und mir Nähgedöns gekauft, das geht immer. Sonst geht auch immer Stoff, aber ich muss erstmal meine Vorräte wegnähen, bevor ich neue Stoffe kaufen darf. Das hab ich mir selbst auferlegt. Dann noch schnell Maiskringel für Pippi und im Hurra-sie-hat-einmal-zufrieden-am-Schnuller-genuckelt-Überschwang ein Schnullerband besorgt. Zu Hause etwas ferngesehen und Pippi bei ihren Krabbelversuchen beobachtet – hätte ich mir ja denken können, dass sie sich mit Robben nicht zufrieden gibt. Aber ein Knie und den gegenüberliegenden Arm anheben klappt schon ganz gut. Nur geht’s halt noch nicht vorwärts. Aber das wird sicher nicht mehr lange dauern. Danach habe ich gespült, gekocht, lecker gegessen, eigentlich ist alles gut, es war auch eigentlich ein friedlicher, guter Tag, trotzdem habe ich total schlechte Laune und bin müde und angekotzt von allem. Und liege auch schon im Bett. Hmm. Mal sehen, wies morgen ist. 

Tag 174 – ;(

Pippi und ich waren heute mal wieder beim Muttisport. Soweit nichts besonderes. Auf dem Rückweg schlief sie im Kinderwagen ein, ich schleppte sie also (zum zweiten Mal heute) mitsamt Kinderwagenoberteil die 42 Stufen in die Wohnung und stellte sie im kalten Schlafzimmer ab. Dann aß ich die zwei restlichen Pfannkuchen von gestern kalt auf (dabei denke ich immer an meinen Opa, der die auch kalt sehr gerne aß). Um 14:40 wurde Pippi wach und ich holte sie aus dem Kinderwagen. Und sah direkt: Matschauge. Ihr linkes Auge war verklebt und schleimig und gerötet und geschwollen. Tadaaaa: Bindehautentzündung. Michel hatte das so oft als Baby, diese Diagnose traue ich mir durchaus ohne medizinische Kenntnisse zu. Ich rief also nach kurzem Check, ob nicht im Kühlschrank doch noch antibiotische Augentropfen sind, direkt beim Arzt an. Die Telefonsprechstunde schließt um 14:30, sagte das Band. Hmmm, toll, 10 Minuten zu lange geschlafen. Dann rief ich die Notfallpraxis an. Und landete in der Warteschleife. Nach 15 Minuten (!) gab ich auf, legte auf und rief nochmal an, in der Hoffnung, an einem anderen Endgerät zu landen, wo vielleicht schneller jemand antworten würde. Diesmal antwortete tatsächlich schon nach 5 Minuten jemand. Trotzdem war ich so schockiert davon, dass ich statt den Lautsprecher auszumachen aus Versehen auflegte. Gnaaaaaa. Also nochmal angerufen. 7 Minuten später sprach ich endlich mit einem Menschen. Ich kam direkt zur Sache, Baby, Bindehautentzündung, Schleim, rot, juckt offensichtlich. Und bekam als Antwort: Mit Wasser saubermachen, Hände gut waschen, dafür sorgen, dass sie nicht im Auge pult (hahahaha) und morgen den Arzt anrufen, wenns noch da ist. Ehm ja. Danke für nichts, ne? Meine Hoffnung war gewesen, dass die Notfallpraxis (eventuell sogar ohne Hinfahren, man darf ja noch Träume haben) ein E-Rezept für Augentropfen ausstellt, das ich dann einfach in der nächsten Apotheke abhole. Statt dessen versuchen wir uns jetzt in Schadensbegrenzung, machen das Auge mit Kamillentee und Muttermilch sauber so gut es geht und scheitern daran, Pippi am Augen reiben zu hindern. Pippi sieht aus wie Karl Dall, ist ziemlich nöckelig und findet den ganzen Augensaubermachscheiß total daneben. Der Hausarzt darf sich morgen auf den Besuch einer wütenden Löwenmama (mir) freuen. Schön den Scheiß in die Länge ziehen. (Ich wette, bis morgen sind es dann beide Augen. Und/Oder es steckt sich noch schnell wer an. Grrrrrrr…)