Tag 236 – Hübsche Bilder und schreiendes Baby. Korfu Tag 6

Das blöde Internet ist blöd. Deshalb gibt’s jetzt bloß die drei Bilder, die ich erfolgreich in Instagram hochgeladen habe. Wir waren nämlich heute in Paleoperitheia (Alt Perithia) und da war es zum Ausrasten schön. Man muss sich das so vorstellen: damals, als es noch Piraten gab, die Küstendörfer überfielen, wohnten die Leute lieber in den Bergen. Irgendwann gab es keine Piraten mehr und die Bergdörfer wurden verlassen und verfielen. Und wieder später wurden diese hübschen Ruinen wiederentdeckt, teilweise gekauft und restauriert und jetzt ist da ein Dorf, das zu 90% aus hübschen Ruinen besteht und die restlichen Häuser sind sehr schön restauriert und beinhalten Tavernen und ein Minihotel. Und das ganze im Frühling: alles blüht, ist grün, summt und LEBT! Es. Ist. So. Schön. 


So, und damit jetzt zu dem unschönen Teil des Tages (bevor mich hier noch alle hassen wegen dieses Urlaubs und meines dauernden Generves damit). Pippi hasst Auto fahren. Da oben auf den Berg hoch ist von uns aus nicht weit. Vielleicht 20 Minuten. Aber mit hysterisch brüllendem Baby auf der Rückbank kommt einem das vor wie ne Weltreise. Und oben angekommen graut einem schon vor der Rückfahrt. Die tatsächlich auch genauso schlimm wurde. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass es hier so extrem ist. Aber jede einzelne Autofahrt hier ist furchtbar. Zu Hause gehen immerhin so 30-50% der Autofahrten. Es ist auch egal, ob ich hinten sitze, ob wir mit ihr reden, sie was zum Spielen hat, satt ist, müde ist, wach und fröhlich ist, alles Wurscht. Michel bemüht sich redlich, Quatsch für sie zu machen, dann geht es ein Minibisschen besser. Aber irgendwann meinte er heute auch (sich die Ohren zuhaltend): „Warum Pippi so brüllt? Pippi soll nich so laut weinen!“. Tja. Finde ich auch. Kann ich aber nicht ändern und bricht mir auch das Herz. 

Was mir auch das Herz bricht: im Moment (bittebittebitte lass es nur im Moment sein!!!) brüllt Pippi untröstlich los, sobald ich kurz weg bin. Also zum Beispiel, wenn ich laufen gehe. Oder Michel ins Bett bringe. Oder aufs Klo gehe und die Tür hinter mir schließe. Und mit untröstlich meine ich untröstlich. Herr Rabe hat alles probiert, es hilft eigentlich nur mit ihr Duschen zu gehen. Aber das kann der ja nicht stundenlang oder dreimal am Tag machen. Und in vier Wochen muss ich wieder arbeiten. Das wird ja sicher ganz toll für uns alle. Nicht. Und das wo ich eh schon so keinen Bock auf Arbeiten habe. Hrmpf. 

Was gut war (Herr Paul hat recht: man sollte nicht so negativ abschließen mit dem Tag): Michels Erzählungen aus seinem früheren Leben als Ameise und wie er den Ameisen aus Kieselsteinchen ein Haus gebaut hat. Und dass ich meine Steuererklärung innerhalb von fünf Minuten inklusive Einloggen heute am Handy erledigt hab. 

 
    

Tag 235 – Mein erstes Mal: Taverne. Korfu Tag 5

Beginnen wir chronologisch: mein Wecker klingelte heute früh um 07:00 Uhr. Um 07:18 stand ich endlich auf. Um 07:35 war ich fertig zum Laufen. Und ich lief und ich starb nicht, deshalb werte ich das mal als Erfolg. Auch wenn ich nur 20 Minuten unterwegs war. 

Herr Rabe hat am Vormittag eingekauft und dann ein Auto gemietet, sodass wir jetzt mobil sind. Hurra! Und wir können im Auto Musik hören, was Michel sehr freut. 

Mit dem Auto waren wir dann in Sidari und am Canal de Amour. Sidari ist eine Geisterstadt außerhalb der Saison. Richtig krass, mit Holzwegen, bei denen ein Drittel der Planken fehlt und so. Aber Canal de Amour ist schön, doch. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, aber Herr Rabe hat ca. drölfzig. Zum Abschluss und weil Michel aufgedreht war ohne Ende waren wir noch auf einem völlig verlassenen Spielplatz. Das hatte schon fast Endzeitstimmung, wie da das Unkraut zwischen den Gummimatten hervorquoll. 

Weil wir dann ja eh in der Ecke waren, waren wir noch kurz beim Kap Drastis. Da fahren wir nochmal mit weniger nöligen Kindern hin, das sah nämlich von oben so aus:

 

Als Tagesabschluss ging es dann zum Essen in eine Taverne. Hier um die Ecke ist eine, die macht aber erst am 15. regulär auf, deshalb wanderten wir in den Ort, zur nächsten geöffneten. Atmosphäre war so mäßig, sehr britisch-touristisch, aber die Leute waren  unfassbar nett. Und Kinderfreundlich ohne Ende sind die Griechen. Oder vielleicht nur ohne Berührunsängste, ich weiß es nicht, jedenfalls wird mit Michel und Pippi geschäkert und gealbert woimmer wir hinkommen. So auch da. Und das Essen war einfach mjammijammischmackofatz! Herr Rabe und ich hatten beide was von der Korfiotische-Spezialitäten-Karte, er geschmortes Lamm, ich Pasta mit so einer Art Rinderschmorsauße. Köstlich. Mit Zimt und möglicherweise Nelken, das klingt jetzt vielleicht komisch, war aber wirklich richtig lecker. Michel hatte Pommes, wir hatten noch Tomaten-Gurken-Salat als Vorspeise, kostenlos gab es Fladenbrot mit Knobidipp und als Nachtisch Obst mit Zimt. Pippi aß begeistert ein paar Pommes und ziemlich viel Fladenbrot, überhaupt steht sie ja voll auf Brot, da passte das. Am Ende waren wir alle vier fast am Platzen. Und glücklich. Dazu ein Wein, ein Bier, ein Apfelsaft: 34€. Echt. 10% Trinkgeld kamen uns da etwas dürftig vor, zumal eben der Service auch sehr nett gewesen war, Michel total begeistert davon war, dass direkt vor der Taverne ein paar Wippen standen, ich wirklich das Gefühl hatte, als Familie mit Kindern willkommen zu sein, und so weiter. Wir ließen dann 5 € da (man will ja auch nicht gönnerhaft erscheinen, ich tue mich da immer schwer…). Und apropos Wippen: Michel wippte und wippte und wippte mit einem etwas älteren Jungen, vielleicht 6,7 Jahre alt, Brite. Michel sprach mit dem Jungen konsequent norwegisch. (Ich glaube, er denkt, alle die nicht deutsch sprechen, sprechen norwegisch.) Der Junge sprach Englisch. Es war recht amüsant anzusehen. Am Ende sagten wir Michel, er könne sich mit „Good bye!“ verabschieden. Das tat er dann auch. „Guubei! … Warum ich guubei esacht, Mama?“

Ach ja, das war ein schöner Abend. 

Tag 233 – Sonne, Strand und Meer. Korfu Tag 3

Also erstmal weil hier die Frage kam: wir sind im Norden Korfus, in der Nähe von Acharavi. Wenn man vom Strand aus geradeaus guckt, sieht man die Küste von Albanien. Da werden wir wohl auch mal einen Tagesausflug hin machen. Leider ist Paxos entsprechend weit weg, das müssen wir mal schauen, ob wir die Muße haben, durch die komplette Insel (und über diese kurvigen, buckeligen, engen Gruselstraßen) zu fahren. 

Heute waren wir wieder am Strand. Dieses Mal früher und länger. So lange, dass Michel den halben Strand umgegraben hat und auch Pippi hat ihren ersten Kontakt mit Sand gehabt und wollte gar nicht mehr weg. Die Ferienhausvermieter hatten heute morgen jede Menge Sandspielzeug hier gelassen, sodass Michel sich kaum entscheiden konnte, ob er lieber den Bagger oder das Boot oder die große Schaufel mitnehmen will…

 

Käseweißer Michel. Mal sehen, ob sich an seiner Hautfarbe im Laufe des Urlaubs was ändert, oder ob er die Haut seiner Mutter geerbt hat (ich hoffe es nicht). An seinem rechten Knie eine fette Schürfwunde, die gestern in der steilen Einfahrt entstand und lange und laut beklagt wurde.


 

Pippi aß größere Mengen Sand und ließ sich auch durch den Hinweis, dass der den üblichen Weg raus finden wird und das möglicherweise etwas scheuert nicht davon abbringen. Außerdem perfektionierte sie den Pinzettengriff an einigen kleinen Blättchen und Ästchen.

  

Ich passte auf, dass sich Pippi nichts lebendiges in den Mund steckt und machte derweil ein kleines Sportprogramm. Herr Rabe lachte über mich und meine Fahrradfahrsitups (für die schräge und untere Bauchmuskulatur) und wieder mal finde ich es ungerecht, dass immer die Frau* die Babys austrägt und sich hinterher mit Scheiß wie schlaffem Beckenboden und auseinanderklaffenden Bauchmuskeln herumschlagen muss. Selbst wenn die Männer* co-schwanger werden, beschränkt sich das ja nur auf vermehrtes futtern (meist auch nur von Süßkram, ohne die Klischee-Saure Gurke). Ich hab jedenfalls noch nicht von Männern* mit Hyperemesis gravidarum oder Symphysenlockerung gehört (Moment, haben Männer* überhaupt eine Symphyse?). Aber egal, ich bin abgeschweift. Jedenfalls zog ich mein Sportprogrämmchen durch. Pippi aß fast eine ganze Scheibe Brot und stillte danach halbherzig ein Minibisschen. Und erzählte mir dabei grinsend was. Da brach ich das Stillen dann ab. Michel aß auch ein bisschen Brot, dann fiel ein Teil in den Sanf und sorgte fast für einen Eklat, aber glücklicherweise hatte Herr Rabe noch eine Extrascheibe eingepackt, sodass Michel nicht verhungern musste. 

Als es etwas frischer wurde brachen wir langsam wieder nach Hause auf. Sehr langsam. Wir grüßten die Schafe (Milchrasse, eindeutig. Ganz schön dicke Euter (?) können so Schafe haben.), Michel pflückte dauernd Blumen, wir sahen Schmetterlinge und Bienen und Hummeln und Wespen und ich weiß nicht was noch für Krabbelgetier. Und dann duschten wir draußen am Ferienhaus den Sand und die Sonnencreme (und die unheilige Verbindung von beidem an Michels Körper) runter. Warm, die Dusche hat nämlich auch solargewärmtes Wasser. 

Da ging dann auch das Internet wieder, das war nämlich irgendwie kaputt gewesen heute morgen. Wir sind da ja schon etwas süchtig…

Und zum glorreichen Abschluss kam noch N., als wir gerade auf der Terasse zu Abend aßen (DER FETAKÄSE!!!) und gab Michel ein Piratenstrandtuch, obwohl wir nur zwei Strandtücher „bestellt“ hatten, weil: als würde Michel am Strand auf einem Handtuch sitzen, haha. Egal, Michel freute sich natürlich tierisch.

Jetzt schlafen die Kinder. Herr Rabe sitzt noch bei Michel, mal sehen ob er da eingeschlafen ist. Eigentlich wollten wir nämlich ein Glas Wein zusammen trinken. 

Ja, es ist ganz ok hier ;)

* die Sternchen sind Platzhalter für alle die sich in der gängigen Definition von Frau/Mann nicht wiederfinden. Babys gebären können setzt schließlich nur einen Uterus voraus, nicht mehr und nicht weniger. Und der/die Partner*In eines Menschen mit Uterus kann ja jede*R sein. 

Tag 232 – <3 Korfu Tag 2

Es. Ist. So. Schön. Hier.

Also erstmal: das Wetter. Es ist warm und sonnig. Hurra! Ich persönlich finde auch das Meer nicht kalt, die Griechen natürlich schon, aber naja, da sind wir halt anderes gewohnt. Man merkte es als wir heute am Strand waren: alle anderen waren da in Jacke und langen Hosen. Wir so: T-Shirt, kurze Hose, barfuß. Wheeeee! Im Wasser waren wir erstmal nur bis zu den Füßen, es war aber auch schon fünf Uhr.

Da sind wir auch schon beim zweiten Punkt gewesen: da ist richtiges Meer und ein richtiger Strand in 400 m Entfernung!!! Ich raste aus.

Es gibt einen Garten, der zu der Ferienwohnung gehört. In dem Garten wachsen Zitronen und Orangen. Reife Orangen hängen grad nicht am Baum, Zitronen aber schon. Und sie sind lecker und kaum sauer und ich will auch Zitronenbäume überall wachsen haben!

Die Kinder fühlen sich pudelwohl. Pippi will immerzu nach draußen, sobald die Tür auf ist, ist sie schon unterwegs. Leider sind hier Steintreppen und so gefährliche Dinge, deshalb müssen wir immer mindestens ein Auge auf sie haben. Michel ist im siebten Himmel, weil die ohnehin sehr Kinderfreundlichen Griechen ihm am laufenden Band Süßigkeiten zustecken. Hier ein Bonbon, da ein Keks… Außerdem gibt’s hier Tiere, dies bei uns nicht gibt. Wir haben schon ein paar Geckos gesehen und einen kleinen Tausendfüßler. Und tausend Ameisen, Fliegen, Bienen, Spinnen und zwei Wanzen. Und am Strand kann man buddeln.

Alles ist grün! Grüüühühüüüün! Frühling, blühende Blumen! Ich hätte fast vergessen, wie das aussieht.

Blümel flückchen! <3

Die Vermieter sind wirklich total nett. D. hat uns heute erstmal zum Einkaufen gefahren (die Tomaten! DIE TOMATEN!!! Und griechischer Joghurt, den ich sofort heiraten möchte!), hat uns dortselbst mit Rat und Tat zur Seite gestanden und dann noch in der Gegend rumkutschiert und uns Tavernen und Eisdielen und Strände empfohlen. Ok, die Tavernen am Strand machen erst in zwei bis vier Wochen auf, aber es gibt auch welche, die schon geöffnet sind. Die sind dann eben etwas landestypischer und nicht so auf Touristen ausgelegt. Und auch N. ist super nett, hat uns Extrapreise für ALLES gemacht und sagt dauernd „und wenn ihr noch was braucht, wir sind direkt da, kein Problem, meldet euch einfach, das geht ganz einfach, machen wir sofort…“.

Und ab morgen (oder so) ist dann auch der Pool sauber und benutzbar („Aber noch kalt, da geht ihr sicher nicht rein…“ wenn die wüssten!).

Was nicht so ganz so cool ist: man sieht, dass die griechische Wirtschaft echt runter ist. Straßen sind kaputt, in den Orten sind die Fassaden extrem dreckig und kaputt, super viel Leerstand. Alle Autos hier sind verbeult und rostig. Überall stehen Bauruinen. Angefangene Rohbauten, an denen nicht weitergearbeitet wird, weil entweder der Bauherr pleite gegangen ist oder es keine Baugenehmigung für den (vorsorglich schon mal angefangenen) Bau gibt. Und nachdem die gute alte Korruption ja international irgendwie in Verruf geraten ist, kann man auch keinen Baubehördler mehr schmieren. Tja, dann steht das Ding da und keiner macht dran weiter. Schade für die Landschaft.

So, jetzt ruft der Reiseführer, ich muss mir mal ein wenig basic Vokabular aneignen. Ist ja peinlich, wenn man nicht mal Danke auf Griechisch sagen kann. Wo die doch hier alle so nett sind!

Hachz.

Tag 226 – Dingens

Noch eine Nacht direkt aus der Hölle. Pippi nörgelte, bis ich sie nuckeln ließ. Sie nuckelte sehr vorsichtig, aber nicht vorsichtig genug, denn irgendwann kam der Milcheinschuss eben doch. Und da fing sie an zu brüllen, als käme kochende Säure in ihren Mund. Von mir ließ sie sich gar nicht beruhigen, bei Herr Rabe dauerte es ne Stunde. Und als sie endlich wieder eingeschlafen war, kam Michel, hustete bei jedem Atemzug, nölte und träumte schlecht. Den ganzen Tag hab ich mich wie überfahren gefühlt. Hoffentlich wirds heute Nacht besser. 

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Heute sehr über Texte über angeblich „unhilfreichen“ Feminismus geärgert. Sehr. Dass manche Menschen einfach nicht verstehen, dass Feminist*Innen keinesfalls wollen, dass alle Frauen* Karriere machen und niemand bei den Kindern zu Hause bleiben und das gut finden darf. Orr. Da muss ich mal drüber schreiben, aber nicht heute, heute bin ich zu müde und zu genervt von allem. 

Tag 225 – Michel Angelo

Heute viel Einkauferei, laaaangweilig! Aber vorher hat Michel Kunst gemacht und dem Blog einen frischen Header beschert (leicht verzerrt vom Zuschneiden, aber naja…) und mir neue Profilbilder überall und so.

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Familie Rabe (von rechts nach links): Frau Rabe, Michel, Pippi und Herr Rabe.

Ich war ehrlich gesagt so gerührt und begeistert (ECHTE KOPFFÜßLER!!!1Elf!), dass ich ein paar Tränchen herunterschlucken musste. Mein großes kleines Kind.

Tag 224 – 8 Monate

Mein liebes kleines Mausemädchen,

Jetzt bist du schon acht Monate alt. Acht Monate die vergingen wie im Zeitraffer. Vor fünf Minuten bist du das erste Mal gekrabbelt. Gestern warst du noch ein kleines Minibaby, das mich zum ersten Mal angelächelt hat und damit mein Herz zum platzen brachte. Vorgestern hielt ich dich zum ersten Mal im Arm, zeternd und nass und blau und wunderschön. Vor einer Woche streichelte ich meine runde Babymurmel – nur um sofort von dir in die Rippen oder die Blase oder gegen die Beckenknochen geknufft zu werden. Und vor drei Wochen hielt ich das Stäbchen in der Hand, mit den sehr deutlichen zwei Strichen drauf und dachte gleichzeitig „Hupsi“ und „Wie schön“.

Jetzt liegst du hier auf meinem Bauch und verpennst den Tag. Du bist krank, Fieber und Rotznase und Gesabber. Dein Papa meint, du kriegst Zähne. Ich glaube nicht daran. Obwohl es zu dir passen würde, alles ganz anders zu machen als dein großer Bruder und die ersten Zähne unter größtmöglichem Trara zu bekommen. Manchmal macht es mich wahnsinnig, wie starrsinnig du bist, und wie sehr du mich und NUR mich brauchst. Papa scheinst du ganz ok zu finden – solange du ihn von meinem Schoß aus beobachten kannst. Bei jedem neuen Menschen ziehst du das vorwurfsvollste Gesicht, das ich je gesehen hab und weinst, bis ich dir ausreichend glaubhaft versichert habe, dass ich in deiner Nähe bleibe. Und egal bei wem du bist, wenn dir auffällt, dass ich nicht in deinem Wohlfühlradius von 5 Metern bin, brüllst du bis ich angelaufen komme. Wenn du dann auf meinem Arm bist, lachst du und siehst den anderen Menschen mit diesem „Siehste? Das ist meine Mama, die hab ich lieb, die ist toll!“-Blick an. Das muss für die anderen ganz schön verletzend sein. Aber du weißt halt, was du willst. 

Überhaupt deine Blicke. Als wir neulich Geburtstag feierten, hattest du alles voll im Blick und wundertest dich ganz offensichtlich sehr über unser Treiben. Dein Gesichtsausdruck in Richtung der Bestrn Freundin sagte wirklich eindeutig „Die sind ja ganz nett, aber eben leider alle irre…“. Sogar das „Ganz ruhig, gleich kommt jemand der Sie an einen ganz schönen Ort bringt!“-Lächeln hast du schon voll drauf. Dein großer Bruder fand (und findet) es gut, wenn man sich für ihn zum Affen machte. Du scheinst das alles zu durchschauen und würdigst es höchstens mit einem „Gaaaanz toll, Mama!“-Blick. Würdest du klatschen können, würdest du wohl noch ein Slow-Clap dazu machen. Dafür lachst du über ganz andere Sachen. Dein Spiegelbild. Bauchpupse. Deine eigenen Pupse. Wenn ich pfeife. Wenn ich schnalze. Wenn Michel Quatsch macht. Essen. Trinken. Wenn du das Babypixibuch gefunden hast und dessen behauptete Unkaputtbarkeit testest. Michels Autos. 

Du kannst schon so viel und bist doch unersättlich darin, Neues zu lernen. Grade Rollen gelernt? Du willst krabbeln. Du kannst krabbeln? Du willst stehen. Du ziehst dich selbst an Sachen hoch und stehst? Du lässt los, frei stehen ist jetzt das Einzige was zählt. Dabei nimmst du Rückschläge (meistens in Form von Umfallen, Hinfallen, Wegrutschen) nicht gerade gelassen hin, es scheint auch nicht in erster Linie der Schmerz, die Beule oder die Schramme zu sein, die dich schreien lässt. Du bist wütend. Auf den weggerutschten Hocker, auf den Schrank, der da steht und der dir einfach gegen den Kopf gesprungen ist, auf deine eigenen Beine, die eben doch noch nicht so ganz sicher stehen. Kurzes Zorngeheul und getröstet werden und du bist bereit für den nächsten Versuch. Unermüdlich. Mein starkes kleines Mädchen. 

Heute rieche ich an deinem Kopf. Den ganzen Tag. Ein bisschen erinnert es mich an den Neugeborenenduft von vor ein paar Monaten. Aber es ist so viel dazu gekommen. So viel Zuhause und Liebe und Familie. Ein Duft, der genauso gewachsen ist wie du. Und der mich unbeschreiblich glücklich macht. Wie du. 

Murch!

Deine Mama

Tag 223 – Angriff der blauroten Drachen

Heute, ich liege mit Pippi, die wieder Fieber hat, im Bett.

Michel kommt angestürmt: „Waaaaooooooorrrrrrr!!! Ich bin ein Drache!!!“

Stimmt. Er hat das Gesicht ganz blau angemalt. Mit… Buntstift? Interessant. Blaue Striche ins Gesicht, schon ist man ein Drache. Herr Rabe kommt auch angetrottet, mit ähnlicher Kriegsbemalung. Er sieht etwas schicksalsergeben aus, macht aber brav „Wrrraaaaooooo!!!“ mit Michel. Pippi wacht auf und hat kurz Angst vor den Drachen.

„Mit was habt ihr euch denn so schick geschminkt?“ Herr Rabe antwortet mir mit Augenrollen.

„Mit Buntstift. Die sind ja abwaschbar.“

Worauf Michel aufgeregt dazwischenblökt: „Jetzt abwaschen, Papa? Ich will ein ROTER Drache sein!!!“

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Was ganz anderes: Herr Rabe verlangte von mir eine Gegendarstellung. Er sei gar keine Couchpotato. Heute war er mit den Kindern draußen, am Fjord, zufällig war ich auch dabei (Augen auf bei den Sportuhrzeiten in den Osterferien…) und was ich am beeindruckendsten fand: er hatte sogar eine Obstbox fertig gemacht.

Wir waren draußen. Beweisbild.

Tag 220 – Durcheinander 

Herr Rabe hat seit heute Nachmittag frei. Jetzt muss er bis August nicht arbeiten. Das ist für alle weird. Auch für mich. Das heißt, ich hab nur noch sechs Wochen, dann muss ich wieder arbeiten. Sechs Wochen sind schnell rum. Wo sind eigentlich die letzten achteinhalb Monate hin???

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Michel hustet ganz furchtbar. Das wird eine schlafarme Nacht.

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Pippi hat Fieber. Ich tippe auf 3-Tage-Fieber. Waldorfkindergartenviren, ick hör dir trapsen. Heute Mittag waren es 39,9 Grad und sie ganz schlapp und fertig. Ein Hoch auf die Fieberzäpfchen. Wird wohl trotzdem ne schlafLOSE Nacht. 

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Ein Baby mit Fieber stillen fühlt sich sehr komisch an. Als würde man seine Brust in sehr warmes Wasser tauchen. 

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Heute den Kleinercast zum Thema Menstruation gehört. Danach neue Zyklusapp runtergeladen. Ebenfalls jeglichen Maßstab für zu viel Information verloren. Q.e.d.

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Gestern habe ich mir ein falsches Muttermal (Lipom) am Rücken entfernen lassen, das mich schon seit tausend Jahren total nervt, weil es direkt unter dem BH-Verschluss sitzt und da reibt, drückt und allgemein auch doof aussieht. Dafür tuts jetzt halt irgendwie ein bisschen weh im Sitzen wenn ich mich anlehne. Voll supi, wenn man den ganzen Tag ein Baby am Leib kleben hat. Und Ostermontag soll ich zur Notfallpraxis um die Fäden ziehen zu lassen (ja, so groß war der „Froschpickel“. Vier Stiche.). Äh ja, mal sehen wie wir das machen. 

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Das Schrägband abgemacht. Weiter nicht gekommen mit dem Nähprojekt. 

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Ich muss jetzt noch (dringend!) Vorteig ansetzen für Brötchen, die morgen gebacken werden wollen. Die Küche und der Esstisch sehen auch noch aus wie Sau. Logistisches Problem: ich liege mit dem rasselhustenden Michel inzwischen im großen Bett, Herr Rabe ist von Pippi belegt. Hmhm. 

Tag 219 – Neues Projekt (Wääähähähäää)

Ich habe ein neues Nähprojekt. Ich nähe Pippi eine etwas schickere Hose, ohne Ärmel, also für den Urlaub. Es ist ganz gut, was zu tun zu haben, dann denke ich nicht so viel über Michel nach. 

Hier mal ein Bild von der Front, ist alles noch sehr Work in Progress aber obenrum bin ich fast fertig. 

  
Zum ersten Mal was gekräuselt. Ist ok geworden, finde ich. Ich kann ja eigentlich gar nicht nähen, das ist alles learning by doing und leider auch trial and error. Natürlich habe ich auch wieder wie verrückt aufgetrennt. Wirklich viel diesmal. (Er hat gesagt… Wääähähähäää!). Möglicherweise war ich auch etwas unkonzentriert. (Er hat gesagt, er maaaaaag mich nicht! Wäääähähääää!) Zum Beispiel darf ich morgen auch an den Armlöchern das Schrägband wieder auftrennen, das war mein erstes Mal Schrägband, ist auch ok geworden, aber das Armloch geht noch weiter und das hab ich nicht gecheckt. (Er maaaag nur Papaaaa! Mich mag er niiihihiicht! Wääähhhhhhh!!!) Natürlich ist der Schrägbandstummel nun zu kurz, sodass ich das alles wohl oder übel nochmal aufmachen und neu drandutzeln    muss. Hrmpf. 

  
Aber ist der Igelstoff nicht niedlich? Und wie easy peasy Baumwolle zu nähen ist, nachdem man die letzten Male immer stretchige Stoffe hatte! (Warum maaaag er mich denn nicht?)