Tag 2565 – Pippi, 7 Jahre.

Heute vor 7 Jahren… da war Pippi grad 25 Stunden alt. Noch etwas zerknautscht, rosig, müde und gierig. Schlafen und essen, was ein Neugeborenes halt so tut. Wir waren halbwegs fertig damit, schwarze Windeln zu wechseln und die zweite Nacht im Krankenhaus blieb ich allein, Herr Rabe fuhr zu Michel und Oma. Die waren auch schon tagsüber da gewesen und wir haben eine Runde durch den Krankenhauspark gedreht und Eis gegessen. Bei 17 Grad, wie das so ist, in Trondheim im Juli.

Seither ist einiges passiert. Pippi und Michel, sind, tja, Geschwister. Wie Feuer und Wasser (oder eher wie Wasser und siedendes Öl). Sie haben sich aber sehr sehr gern, das merkt man nur im direkten Zusammenspiel zur Zeit eher nicht selten. Aber Michel ist Pippis großes Vorbild und Pippi Michels kleine große Liebe. Manchmal scheint das durch und ist dann immer sehr herzerwärmend, die drei Sekunden. Und wenn ich so dran denke, wie das mit meinem Bruder war, dann ist das wohl völlig normal, dass sie sich die meiste Zeit anschreien, weil der andere falsch atmet.

Pippi ist außerdem eine kleine Rampensau, immer noch. Sie singt, tanzt und schauspielert ständig und der aktuelle Berufswunsch (der minütlich wechselt, aber auch das ist wohl normal) ist „berühmt“. Ich sehe durchaus Talent, bin aber befangen. Pippi könnte mir aber jederzeit was vorsingen, und das will was heißen.

Mit dem Papa gemein hat sie die soziale Ader. Manchmal beneide ich Pippi um die Fähigkeit, überall sofort Spielkamerad*Innen zu finden und im Grunde mit jedem*r zurecht zu kommen. (Michel hat auch schon gesagt, dass er das gerne so könnte.) So ein offenes und herzliches Wesen – das hätte mir mal jemand sagen sollen, als wir monatelang ein herzzerreißend brüllendes Kind im Kindergarten abgeben mussten. Jetzt quatscht Pippi einfach an jeder Bushaltestelle und in jeder Supermarktschlange Leute an. „Du weißt du was? Ich habe MORGEN GEBURTSTAG!“

Da Pippi auch überaus niedlich ist, nimmt ihr das auch niemand übel. Im Gegenteil. Vermutlich könnten wir Kapital draus schlagen, dieses sprudelnde Wesen stundenweise an Altersheime auszuleihen, wo sie dann den alten Leuten einen Knopf an die Backe labern kann und denen würde allen das Herz schmelzen.

Man muss sich das ganze ja so vorstellen, dass sie auch noch riesige braune Augen hat und zur Zeit braungebrannt ist und ausgeblichene blonde Haare hat. Dazu Stupsnase und mega Zahnlücke (langsam aber zuwachsend). Ich habe oft Angst, dass das Kind abhanden kommen könnte, weil sie so niedlich und hübsch und offen ist. Sie sieht aus wie eine braunäugige Version des skandinavischen Klischeemädchens.

Hach ja. Abgesehen davon, dass ich mich langsam zur Glucke entwickle, weil ich auf mein Juwel besonders gut aufpassen will, wünsche ich mir aber, dass sie einfach weiter auf diesem Weg geht. Der scheint sehr viel Freude und Freundschaften bereit zu halten und das sind die wichtigsten Dinge im Leben.

Wir haben sie ja alle sehr lieb, die kleine Maus. Auch wenn sie gar nicht mehr so klein ist (auf den Arm nehmen wird langsam echt anstrengend) und – das hätte ich auch nicht für möglich gehalten – den eigenen Kopf nur immer weiter ausbaut und zu ungeahnten Höhen steigert. Ohne sie würde was fehlen und es würde sicher sehr langweilig werden.

[weniger mit dem Bruder streiten wäre trotzdem echt nice.]

Ich hab dich sehr lieb, kleine Maus. bleib, wie du bist. Werd, wie du sein willst! Murch!

Ein etwa sieben Jahre altes Bild.

Tag 2564 – Schon sieben!

Zwanzig nach sechs war es, als Pippi in unserem Schlafzimmer stand und rief: „ICH HAB GEBUUURTSTAAAAG!!!“. Das war ehrlich gesagt nur so semi-schön und trotz noch mal knapp zwei Stunden Schlaf danach in Michels Bett, bin ich jetzt kurz vorm Koma. Uff. Ich schreibe einfach morgen, was für ein wundervolles Kind ich habe, ja?

Sieben. Nicht neun. Nicht von der Anzahl der Kerzen täuschen lassen.

Ich glaube, Pippi hatte einen guten Tag, aber sie hat mich schon mal gebeten, dass wir das nächste mal eine Piñata mitnehmen, wenn wir ihren Geburtstag nicht zu Hause feiern. Wir haben hier nämlich keine gefunden und so geht das ja nicht, ohne Piñata ist es kein richtiger Geburtstag.

Tag 2563 – Kunst.

Morgen hat Pippi Geburtstag und deshalb sind wahrscheinlich alle Kinder um sechs Uhr wach, deshalb nur kurz:

Wie Sie bei Frau Wunnibar nachlesen können, waren wir heute in einem Museum für moderne Kunst und genau wie Frau Wunnibar habe ich gewisse… Probleme damit, in einer Marmor-Wurst namens „Relief“ die Kunst zu erkennen. Genau genommen denke ich, dass moderne Kunst zum Teil halt auch seine eigene Parodie ist. Weitere zweifelhafte Highlights: eine graue Steinfläche an der Wand (wohl Marmor-Bruch? Sah aber eher aus wie Rohputz), ein Po-Abdruck in Gips, eine Lichtinstallation aus sage und schreibe vier Leuchtstoffröhren und ein Merkur mit Tennissocken. Kann man machen, verstehe ich nur nicht. Einmal ne Runde als Banausin fühlen. Demnächst dann wieder Tanz mit Schreien und Menstruationsblut und Musik ohne Tonart, Rhythmus und vorgeschriebenes Tempo. HURZ!

Die Kunst darin ist wohl, es als Kunst anerkannt zu bekommen.

(Zum Teil. Zum Teil war es auch wirklich toll und das Gebäude ist auch wunderschön. Der Draußenbereich mit Skulpturenpark (der Bienenstockkopfmann, HURZ!) und Springbrunnen war wirklich schön, man konnte da sehr gut sitzen, ordentlichen Kaffee trinken und die Kinder, die die Kunst auch eher so naja fanden, herumdölmern lassen. Da kommt Banausinnen wie mir die Augenbraue auch wieder runter.)

Vielleicht eine gute Faustregel fürs nächste mal: wenn die*r Künstler*In Bücher zur Ausstellung liefert, in denen die Kunst erklärt ist, ist es nichts für mich.

Tag 2562 – Sie sind weg!

Die Theorie lautet, dass die Quallenplage (as in: am Strand kam man gar nicht mehr ins Wasser, weil da einen guten Meter breit die Quallen an der Wasserkante dümpelten, flächendeckend, als wären es die runden Fliesen im Haus meiner Omi) so ist wie das Schauspiel, das wir vorgestern „bewundern“ durften: das Ausfliegen der männlichen Ameisen. Kurz massiv und ziemlich eklig, aber dann weg. Denn die Quallen sind weg.

Aus Gründen* musste ich heute Abend noch mal schnell eine Runde alleine raus. Ich ging also an den Strand.

Ich war’s nicht! Aber es stimmt trotzdem.
Keine Quallen!
Dafür Mini-Wellen.
Boot an Düne.
Boot an Meer, mit Schatten der Fotografin.
Froschi!

Der kleine Freund durfte natürlich sofort weiterhopsen. Aber Frösche finde ich, wie Quallen, Schnecken, Schlangen und ähnlich seltsames Getier, seit jeher toll.

Danach ging es barfuß zurück, mit gelüftetem Kopf und salzigen, sandigen Füßen.

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*Einkauf in einem Hypermarkt. Zu groß und zu unbekannt, da finde ich nichts und alles stresst mich. Selbst Nutella musste ich aktiv suchen. Horror.

Tag 2561 – Steine und Plantschen.

Hitzewelle in Dänemark sind entspannte 25 Grad, zumindest da, wo wir sind. Hehe.

Heute machten wir trotzdem einen kleineren Ausflug, nämlich ins Vikingermuseum Lindholm. Bei strahlendem Sonnenschein packten wir mehr oder weniger begeisterte Kinder ein, bei noch strahlenderem Sonnenschein wieder aus und dann unterlief uns ein Fehler, nämlich der, einer Touristengruppe hinterherzugehen. Die gingen zuerst auf einen Hügel und auf der anderen Seite des Hügels waren… Steine. Viele. In Kreisen angeordnete und in Dreiecken angeordnete Steine. Wir waren auf einem Vikingerfriedhof. Da waren zwar auch ein paar Texttafeln aufgebaut, aber das interessierte die Kinder einfach mal gar nicht. Michel flippte auch direkt aus und proklamierte, das sei kein Museum, denn Museen haben Wände. Und einen Souvenirladen. Interessante Definition von Museum, aber er machte seinen Standpunkt, dass er nicht für „doofe Steine und Rumlaufen auf toten Leuten ohne schlechtes Gewissen“ gekommen sei, überaus deutlich.

Zum Glück fanden wir nach einer Weile doch noch den von Wänden umgebenen Teil des Museums. Wir drehten eine Runde durch die Ausstellung, die sich von der Jungsteinzeit bis zur Vikingerzeit erstreckt. Ich fand das sehr interessant, beim Rest war es durchwachsen, von sehr interessant (einzelne Erwachsene) bis unzumutbar (einzelne Kinder).

Nach einer Stärkung mit Eis und Kaffee im Museumscafé wollten wir wieder nach Hause, aber unsere Kinder mussten erst mal sauer sein, weil wir ihnen keine Met-Hörner im Shop kaufen wollten.

Irgendwann waren wir aber erfolgreich wieder unterwegs und dann auch wieder zu Hause und überlegten spontan, den geplanten Freibad-Ausflug durch Plantschbecken-Aufbau zu ersetzen. Davon muss ich aber morgen erzählen, weil mir grade beim Tippen die Augen zufallen und mir grad das Handy ins Gesicht klatschte.

Tag 2560 – Gammeltag.

Heute haben wir nicht viel gemacht. Wir Erwachsenen haben gequatscht. Ich habe mit Michel Kuchen gebacken. Die Männer waren einkaufen (unser Milchverbrauch ist geradezu absurd, wir sollten doch noch mal überlegen, ob wir nicht gleich eine Kuh kaufen). Michel konnte mit Herrn Igelbert um die Wette klugscheißern und Herr Igelbert hat sehr richtig erkannt, dass Michel ein Wissensschwamm ist, der sehr viel Input braucht und dann aber auch entsprechenden Output hat, wenn ihm danach ist.

Alle haben Lego gebaut, vor allem Pippi und Familie Wunnibar-Igelberts K1, die haben zusammen in stundenlanger Eintracht und Konzentration, nebenher gemeinsam Popmusik mitsingend (!!!) Pippis Lego Friends Haus aufgebaut. Es war wirklich faszinierend, wie gut die zwei das zusammen gemacht haben. Ein Tag ohne Bildschirm. Wird nur leider etwas teuer auf Dauer, wenn wir täglich ein neues, wirklich großes Lego-Set beschaffen müssen. Abends waren die zwei Quatschnasen dann allerdings körperlich so unausgelastet, dass sie beim Haare waschen vor lauter Gehampel und Herumgealber BEIDE Shampoo ins Auge bekamen (hier hektische mich einfügen, die versucht, mit einem Duschkopf zwei Kindern gleichzeitig die Augen freizuspülen, bevor irgendjemand ernstlich das Heulen anfängt) und anschließend beim Baden das ganze Bad gleich mit badeten. Aber, ganz ehrlich: Hauptsache happy Kinder. Es ist ja nur Wasser.

Abends quatschten wir Erwachsenen uns dann noch in der Küche fest. Eigentlich wollten wir nur die Spülmaschine ausräumen. Aber deshalb ist es jetzt so spät, tjanun.

Tag 2559 – 50% Legoland.

Mit tatsächlich nicht viel Verspätung brachen wir heute allesamt in Richtung Legoland auf (brutal früh, dafür dass schließlich Urlaub ist). Leider ging die Reise für Familie Wunnibar nur bis zum Supercharger, die drehten dort schweren Herzens um, nachdem einem Kind im Auto sehr sehr schlecht geworden war (ja, mit Konsequenz, ein Hoch auf (Kunst-)Ledersitze) und das andere Kind Auto fahren generell unzumutbar fand. Wir entschlossen uns, den Plan durchzuziehen, auch, weil Michel mindestens so unflexibel ist wie ich und Planänderungen, ähm, mit gewissem Unmut begegnet (lies: Ausraster vorprogrammiert).

Und das war einfach richtig cool. Alle Daumen nach oben, da ist für alle von Kleinkind bis Uropa was tolles zu finden und zu machen. Man muss nicht mal hardcore Legofan sein, um das cool zu finden.

Der Kern des Legolandes ist das „Miniland“, wo alle möglichen Miniaturen aufgebaut sind, vom Kopenhagener Hafen bis zum Kennedy Space Center.

Im Miniland.
Der älteste Teil vom ältesten Teil.
Selbst in Lego riesig.
Offshore.
Mit Flugzeug!
Die Uhr geht sogar richtig!
Ich konnte nicht widerstehen, das Bild aus diesem Blickwinkel zu machen, das Original sieht nämlich so aus:

Rund um das Miniland sind verschiedene Themenwelten, wie das Ninjago-Land, das Piratenland oder das Märchenland. In allen gibt es abgefahrene Lego-Figuren…

Monster-Spinne.

… Fressbuden, Bau-Möglichkeiten und Fahrgeschäfte für groß und klein.

Vom Essen war ich tatsächlich positiv überrascht. Wir hatten Burger und Pommes zum Mittagessen und zwischendurch Popcorn und Eis. Einziges Manko: für die Burger habe ich ca. eine halbe Stunde angestanden, allein fürs Bestellen. Bis die dann fertig waren, vergingen noch mal 15 Minuten. Aber was dann kam, war durchaus sehr lecker.

Es war auch gar nicht so schlimm, aufs Essen warten zu müssen, weil wir Reserve&Ride-Pässe gekauft hatten, mit denen man sich virtuell in die Schlange zu Attraktionen stellen kann. Wenn die Wartezeit (berechnet an der tatsächlichen Schlange und anderen Reservierenden) um ist, kann man durch eine extra Schleuse direkt durch gehen. Dadurch kann man halt was anderes machen, während man in der Schlange steht, zum Beispiel essen, was im Miniland angucken, oder ein kleineres Fahrgeschäft mit kurzer Schlange einschieben. Das war sein Geld wert, zumal ich auch echt nicht gern stundenlang Schlange stehe, eingeklemmt zwischen massenweise Fremden. Man kann auch nur an einer Attraktion anstehen, insofern besteht moralisch nicht wirklich ein Unterschied zum sonst so beliebten Modell „Papa geht sich schon mal anstellen, Mama holt derweil mit den Kindern ein Eis“.

Essen mit Lego.
Bauen.
Devotionalien.

An Fahrgeschäften gibt es auch alles mögliche. Zuerst nahm ich mit Michel den Flying Eagle, was er gut fand. Dann das Kanu, das fand er langweilig. Dann überredete ich ihm zum X-treme Racer, was echt Banane von mir war, weil er danach ziemlich fertig war. Es war zu hoch. Ich hatte nach der erfolgreichen Adler-Fahrt halt angenommen, dass er jetzt Achterbahnen doch gut findet. Tut er auch, aber nicht SO. Ok. Den Dragon (naja) und den Polar X-plorer (whoah! Das hätte Michel NICHT gefallen. Hoch, schnell und mit einem, wenn auch nur kleinen, Drop, bei dem ich doch ordentlich quietschen musste) nahm ich dann ganz am Schluss mit Herrn Rabe alleine. Pippi fuhr „Riesen“-Rad, Monorail, Kinderkarussell mit Pferden und Feuerwehrauto und fand das alles super. Dann fuhren wir zusammen auch noch „Viking River Splash“ (mit Vikingermäusen!) und ich bin ja zum Glück keine Mimose, was nass werden angeht, weil…

Da kam ein großer Schwapp direkt in meinen Nacken.

Man muss fairer Weise dazu sagen, dass alle anderen in dem „Boot“ wesentlich weniger nass wurden, die meisten bekamen nur Spritzer ab. Ich hatte echt Pech. Die Kinder fanden das immens lustig. Und es gibt Familienföhns. Also, da kann man sich reinstellen und dann wird man, wenn nicht trocken, doch immerhin warm geföhnt.

Im Föhn.

Zuguterletzt haben wir noch den Lego-Shop leer gekauft. Tschö, Urlaubsgeld, du bist jetzt Hartplastik. Tatsächlich waren auch der Shop und die Burger-Schlange die einzigen Anlässe, wo ich kurz vor Overload durch zu viele Menschen auf zu engem Raum war*. Michel im Shop auch, der dann hektisch an mir herumfummelt, was es für ihn vielleicht besser, für mich aber nur noch anstrengender macht. Aber auch den Einkauf haben wir geschafft, ich habe jetzt eine Orchidee, die garantiert nicht eingeht und Michel hat eine Lego Architecture Freiheitsstatue. Wir alle haben diverses anderes Zeug und müssen daraus vielleicht für die Heimfahrt einen Anhänger für‘s Auto bauen oder so.

Jetzt sind wir jedenfalls in einer halben Stunde zu Hause, alle rechtschaffen platt. Meine Hose und mein Rücken wurden von der Sitzheizung getrocknet. Wir freuen uns alle aufs Bett und morgen auf das Basteln an neuen Lego-Sets. ich freue mich auf eine Dusche, ich glaube, dieses Wasser war nicht so sonderlich sauber.

Edit: die Bilder laden nicht hoch, also werde ich wohl hoffentlich erst veröffentlichen, wenn wir im Ferienhaus angekommen sind und alle mit geputzten Zähnen (und ich geduscht) im Bett liegen.

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* Legoland ist diesbezüglich deutlich erträglicher als das Aquarium.

Tag 2558 – Flexibel und anpassungsfähig…

… wie ein Betonklotz. Es kostete sehr viel Überwindung auf drei Seiten, den Ausflug ins Legoland, DAS Legoland, vorzuverlegen, aber wenn die Webseite schon sagt, man solle am Wochenende kommen, denn da sei es in den Ferien oft etwas leerer als um die Wochenmitte herum, dann machen wir das natürlich. Mit einer Wendung, geschmeidig wie ein U-Turn bei einem alten, rostigen Zug, der mit 150 Sachen durch die Landschaft knarzt, entschlossen wir uns heute Mittag, doch morgen schon zu fahren.

Um den Stress zu dämpfen wollten wir dann auch schon mal die Tickets kaufen, mit den Rabattcodes aus dem Legokatalog, aaaaaaber das ging nicht. Am Handy nicht, an zwei Computern in drei Browsern nicht, weder der deutsche, noch der norwegische, noch der dänische Code wurde von der Webseite akzeptiert. Leider war das Kontingent an Flexibilität da bei 3/4 der Erwachsenen schon aufgebraucht und so endete es damit, dass eine zum Strand ging um Anspannung wegzulaufen, eine versuchte, Anspannung wegzugeigen, einer weiß ich grad nicht und einer fuhr ins Einkaufszentrum, um dort physische Legokataloge zu holen (um sie morgen den Kassenmitarbeiter*Innen um die Ohren zu hauen vermutlich). Letzteres erfolglos. Dafür wurde noch der technische Support der Webseite angerufen, der zwar auch nicht weiter helfen konnte, aber meinte, morgen an der Kasse müsste es mit Vorzeigen des (online-)Kataloges schon funktionieren.

Wir fahren also morgen früh ins Legoland und kommen sicher auch irgendwie rein, nur ob wir dabei nur normal arm werden oder bettelarm*, wird sich noch zeigen.

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*Spaß. Eingeplante Ausgaben sind eingeplant und wir könnten uns auch den normalen Preis leisten, es scheitert jetzt nicht daran, aber es fühlt sich so falsch und ungerecht an, weil es keinen logischen Grund gibt, warum die Rabattcodes nicht funktionieren. Da geht es, zumindest mir, jetzt um’s Prinzip.

Tag 2557 – Ungeplant.

Wir hatten nichts großes vor. Einziger Programmpunkt: vielleicht zum Waffelhaus gehen und Waffeln/Eis essen. Herr Rabe sagte, das Waffelhaus sei 2,5 km entfernt, das ist schon ein langer Spaziergang, aber als einziger Programmpunkt ja dann doch ok. Außerdem sagte Herr Rabe, man könne da am Strand lang hin laufen. Also belaberten wir sämtliche Kinder (mit der Mohrrübe „Waffel/Eis“ vor der Nase wedelnd), packten erstaunlich viel Proviant und Zeug ein, für einen Ausflug mit einem Café als Ziel, cremten alle ein und auf ging es.

Tja. Und dann war das irgendwie wesentlich länger als geplant. Die Gruppe zerfiel aufgrund unterschiedlichen Gehtempi, Motivationslagen und Pokémon Go relativ schnell. In kleineren Grüppchen bis allein gingen wir am Strand lang. Irgendwann, ganz kurz vorm Ziel, stellte ich fest, dass ich auf einer Landzunge war, und dass ich durch mindestens Knietiefes Wasser müsste, um da durch und zum Ziel zu kommen. Ich würde das ja noch machen, aber ich dachte an Wunnibars K2, dem das Wasser vermutlich bis zum Scheitel gegangen wäre, und ich dachte an Pippi, die seit dem Kontakt mit der Feuerqualle großen Respekt vor Meerwasser hat. Da rief auch Herr Igelbert ab, ich sei auf einer Landzunge. Ja, ach. Also ging ich zurück. Traf Herrn Rabe und Michel, die mir aber nicht glauben wollten, dass es da nicht weiter ging. Holte irgendwann Familie Wunnibar und Pippi ein. Fand nölige Kinder und entnervte Erwachsene vor und gesellte mich dazu. Insgesamt waren das 2 km Umweg, die mir „da kann man am Strand lang gehen“ eingebrockt haben.

Gesamte gelaufene Strecke: 5,5 km.

Im Waffelhaus selbst war es dann echt ok. Muss man ja auch mal sagen. Der Rest ging danach noch auf den Spielplatz, ich… nicht. Mein Akku war leer und das Aggressionslevel stieg, also ging ich wieder zurück, das Auto holen.

3,5 km, auf direktem Weg.

Insgesamt heute 11,8 km gelaufen, mit Wind um die Nase und viel am Strand laufend. Das war eigentlich ganz schön, so isoliert betrachtet, nur war ich da nicht drauf eingestellt. Dann geht das ja nicht und stresst mich.

Jetzt bin ich jedenfalls so alle, dass mir ständig beim Schreiben die Augen zufallen. Insofern sage ich einfach gute Nacht.

Tag 2556 – Mehr Meer (hinter Glas).

Erster richtiger Ausflug des Urlaubs! Wir waren im Oceanarium in Hirtshals, so wie gefühlt zwölftausend andere Touristen inklusive zehntausend Kindern. Das schlechte zuerst: das ist sehr unübersichtlich, verwinkelt und dunkel da, dazu war es eben auch noch voll. Das ist nichts für Leute wie mich, so ganz grundsätzlich, da stresst mich schon die Architektur und die Tatsache, dass zwei Kinder sofort in unterschiedliche Richtungen in die labyrinthmäßige Ausstellung verschwinden. Davon abgesehen war es aber wirklich gut (mit etwas weirden Auswüchsen hier und da, aber dazu später).

Weil die Kinder in verschiedene Richtungen rannten, behielt jeder eins und ich ging mit Michel mit. Der war Feuer und Flamme, Tiere! Fische! Natur! Yeah!!! aber dann halt auch sehr unruhig und ungeduldig. Während ich mir gerne noch die kleinen Schollen weiter angeguckt hätte, die je nach Untergrund die Farbe wechseln, war er schon mit der kompletten Etage fertig. Aber bei manchen Becken konnten wir doch noch etwas länger stehen bleiben.

Einäugige Schnecke (Ich fühle das).
Versteckter Octopus (Ich fühle auch das).
Baby-Steinbeißer, sehr sehr viele.
Ähm, interessante Übersetzungen. Einen Mondfisch gibt es auch, den haben wir auch gesehen, aber nur Michel hat Fotos gemacht. Der Mondfisch, den sie mal hatten, ist wohl gestorben, jetzt haben sie ein Baby, so groß wie ein Basketball.

Dass der große Mondfisch gestorben ist, entnehme ich dem Film kurz vorm Restaurant, in dem sie den zerlegen. Schön Stück für Stück das Fleisch runter schneiden, was man in dem Film auch alles detailliert sieht. Gut, dass keines der Kinder da so genau hingeschaut hat.

Baby-Quallen! (naja, Quallen-Embryos. Polypen halt.)
Quallen.
Mehr Quallen.
Kleine Quallen.
Bewegte Quallen.

Quallen sind ja wirklich hübsch und faszinierend. Quallen-TV ist auch sehr meditativ. Ich liebäugele ernsthaft mit der Anschaffung eines Quallen-Aquariums. Anderseits haben wir ja schon Schnecken.

Zweifelhafter Streichelzoo.
Scholle mit Kind.
Scholle ohne Kind.
Meerschwein? Also unsere sehen anders aus…

Rechts sieht man einen Teil der „was wir alles mit angespülten Walen machen“-Bilder, die ich ziemlich… unappetitlich fand. Aber die wollen offenbar ehrlich und offen sein, da gehört das dazu, wie die Ausstellung zu kommerziellem Fischfang. Ich hätte aber auf beides verzichten können.

Alles in allem aber ein wirklich gelungener Ausflug, und ich würde das Oceanarium auch empfehlen. Allerdings vielleicht eher nicht in den Sommerferien, wenn nicht halb Dänemark und DeutschLand da ebenfalls sind. Jedenfalls, wenn Sie das genauso gut bzw. schlecht abkönnen, wie ich.

Danach vegetierten wir allerdings alle nur noch vor uns hin.