Tag 2040 – Ein ganz normaler Samstag.

Spät aufgestanden. Da war Michel schon auf dem Weg zu seinem Freund E. Schlaf ist so gut, ey. Ich liebe schlafen.

Nach dem Frühstück Pippi in die Badewanne gesteckt. Mir von Pippi sehr viele Knöpfe an die Backe labern gelassen. Pippi die Haare gewaschen, mit Spülung. Danach nur kurz angeföhnt, da beim Kind keine Geduld vorhanden war. Sämtliche Nägel geschnitten, obwohl beim Kind keine Geduld vorhanden war.

Herrn Rabe und Pippi zum Einkaufen verabschiedet. Tschö mit ö, alleine zu Hause sein wird sicher GANZ SCHLIMM, ich weine quasi jetzt schon, PARTY SIE SIND WEG!

Das leere Haus zu so sexy Dingen wie Meerschweinchen sauber machen, Blumen gießen und Auslandsüberweisungen machen genutzt. Wild.

Die Einkaufenden und Michel fast zeitgleich wieder in Empfang genommen. Michel in die Badewanne diskutiert. Überwacht, dass Michel seine Haare ordentlich wäscht. Fingernägel geschnitten.

Pause gemacht und Kaffee getrunken.

Gegessen und Herrn Rabe zu einem Verzweiflungsabhängen mit dem Nachbarn bei minus 15 Grad auf des Nachbarn Terrasse verabschiedet. Herr Rabe und der Nachbar und wir ja eigentlich alle sind ausgehungert nach Sozialkontakten.

Pippi ins Bett gebracht, danach Michel ins Bett gebracht. Dabei zwar sehr viel Körperkontakt gehabt, aber das ist nicht das selbe wie Sozialkontakte.

Mit Herrn Rabe (jetzt nach Whisky riechend wie ein brennendes Torfstück) noch ein wenig herumgehangen. Sauerteige für morgen vorbereitet. Mit Familie (Rabe-Seite) telefoniert.

Früh (für unsere Verhältnisse und Wochenende) ins Bett. Dort Michel gefunden.

Jetzt schlafen.

Tag 2039 – Dauermüde Eule.

An der Homeofficesache ist ja nicht alles schlecht. Mehr Zeit mit Herrn Rabe, mehr Zeit für die Kinder, weniger Gerenne, mehr Schlaf. Insgesamt ist unser Leben in den letzten Monaten deutlich entschleunigt worden. Ok, es ist ein paar mal fast aus der Kurve geflogen durch zu abrupte Bremsmanöver, an anderen Stellen wurde es so langsam, dass es eigentlich still stand, aber so im Großen und Ganzen kann man dem doch auch vieles positives abgewinnen. (Auch, das ist ja nicht zu unterschätzen, wie man sich darauf freut, mal wieder ins Büro zu fahren. Wie ein Ausflug in die große abenteuerliche Welt von früher(TM)).

Allerdings muss ich ja normalerweise dann doch irgendwann aufstehen. Selbst wenn ich mich nur aus dem Bett rollen und irgendwas anziehen muss, um dann zerwühlt Michel zur Schule zu fahren muss ich ja mindestens das tun. So richtig mein Rhythmus ist das immer noch nicht.

Deshalb bin ich eben immer müde. Außer abends. Abends bin ich gar nicht müde. Abends kann ich noch ein Stündchen arbeiten oder zwei, oder Sport machen, oder einfach Zeit verdaddeln. Geht alles, aber morgens ist es trotzdem ein Kampf.

Vielleicht sollte ich mich einfach damit abfinden. Ich brauche relativ viel Schlaf und hole mir den am liebsten bis etwa 10 Uhr morgens. Wenn ich vorher aufstehe, geht das zwar, aber ich fühle mich dann eben den ganzen Tag… müde. Einfach hundemüde.

Wenn ich mir dabei nur nicht so verwahrlost vorkäme…

Tag 2037 – Aua +2 -1.

Heute Morgen dachte ich so, hmm, hmm, vielleicht sollte ich lieber ne extra Slipeinlage mitnehmen und einen Damenhygieneartikel. Dachte ich so. Ganz ohne irgendeinen echten Grund dafür zu haben, einfach, haha, Bauchgefühl.

Mittags musste ich mit meinem Damenhygieneartikel ganz fix aufs Klo.

Damit war mein letzter Zyklus völlig kaputte 24 Tage lang, was aber erklärt, wieso ich schon nach 1 Zykluswoche das Gefühl hatte, Eisprung zu haben und danach meine Brüste den Dolly Buster Gedächtnistanz aufführten. Verkürzte erste Zyklushälfte, was ist das für ein Scheiß, niemand braucht das.

Wie auch immer, jedenfalls hatte ich dann Bauchweh. Und als ich in meinem Rucksack nach Ibuprofen wühlte, fand ich einen Triptanblister und mir fiel auf, dass die Zyklusendmigräne dieses Mal ersatzlos ausgefallen ist. Was ist da los? Sind es die Betablocker, die ich seit ein paar Wochen wieder nehme? Immerhin hab ich jahrelang welche als Migräneprophylaxe genommen, habe mir aber eingebildet, das hätte nur mäßigen Erfolg gehabt und nach den Schwangerschaften hab ich die halt einfach weiter weggelassen, ohne direkt einen Unterschied zu merken. Es ist alles sehr merkwürdig. Ich werde das beobachten.

Das zweite +1 Aua sind meine Ohrläppchen, nachdem ich nach längerer Zeit ohne heute mal wieder Ohrringe trage. Ist keine reine Freude, muss ich sagen.

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Aufregendes Abenteuer Arbeiten im Büro: Kampf mit oder an Technik, so wenig Leute da, dass dauernd das Licht ausgeht, Inspektion war… naja interessant, ich kann Dän*Innen irglllggll schlilllgg vestehlllggll.

Irgendwie schön war’s. Aufregend. Jetzt bin ich aber total fertig und ich gehe auch einfach schlafen.

Tag 2036 – Eingerostet.

Morgen ist Inspektion. Voraussichtlich nur morgen, vielleicht aber auch Donnerstag. Wir werden sehen. Jedenfalls fühle ich mich schlecht vorbereitet und weiß auch gar nicht so recht, wie das alles noch mal ging. Und zu allem Überfluss ist es noch nicht mal wie immer, sondern mit meiner Chefin zusammen wegen großem Großhandelsanteil und über Teams wegen Pandemie. Aber immerhin im Büro, ich sehe schon kommen, dass mein Rechner dann erst mal eine Million Updates installiert, wenn er „zu Hause“ ist.

Ich muss jetzt aber auch dringend meine Äuglein schließen, sonst bin ich morgen nicht nur eingerostet, sondern auch noch total unausgeschlafen.

Tag 2035 – To Ausmisten or not to ausmisten.

So sieht die Ecke vom Flur mit der Garderobe in (fast) leer aus, jetzt, wo da gestrichen ist.

Vom wieder voll geräumten gibt es noch kein Bild, weil noch Schuhe in Haufen davor liegen. Es ist ja so, dass wir, wie vermutlich die meisten Menschen, mehrere Paar Schuhe besitzen. Jeder von uns. Ich zumindest habe sicher auch mehrere Paare, die „unnötig“ sind, im Sinne von „ziehe ich nur seltenst an und würde ich auch eher nicht vermissen“. Da kann man sicher auch noch welche aussortieren. Aber jetzt grad stellt sich eher die Frage: ist ein besonders guter oder besonders schlechter Zeitpunkt zum Ausmisten? Wegen Corona habe ich im Herbst an etwa 10, Herr Rabe an 0 Tagen zum Arbeiten das Haus verlassen. Zum Rausgehen trage ich hässliche, klobige Outdoor-Stiefel, die aber schön warm sind und gut Grip haben. Wenn’s schneller gehen soll, ziehe ich die halbhohe Version mit Schnellschnüren der hässlichen, klobigen Outdoorschuhe an. Andere Schuhe brauche ich zur Zeit nicht. Herr Rabe auch nicht. (Die Kinder lassen wir mal außen vor.)

Da läge es nahe, sich rigoros von Zeug, zum Beispiel Schuhen, zu trennen. Andererseits wird das ja nicht für immer dauern (hoffentlich!). Dann brauche ich wieder schickere Schuhe in blau und schwarz und flach und hoch und auch wieder die Businesshosen, die Blusen, die Blazer, die Kleider. Die eiserne Regel „hab ich die ganze Saison nicht angehabt, kann weg“ muss modifiziert werden, sonst stehe ich am Ende vom Ausmisten nur noch mit ca. 15% meines Kleiderschrankinhaltes da und müsste, falls irgendwann alles wieder in ein neues Normal übergeht, in dem es nicht ok ist, in Jogginghosen und Schlabberpullis oder Onezies im Büro zu sitzen, einiges neu kaufen. Das wäre ja auch unsinnig.

Es ist ein Dilemma.

Sicher aber müssen Sandalen und dünne Turnschuhe zur Zeit nicht im Regal stehen und zustauben. Die dürfen, bis wieder signifikante Plusgrade herrschen und der Schnee weggetaut ist, in einer Kiste wohnen und den klobigen Outdoorstiefeln Platz machen. Und dann räume ich vielleicht einfach nur das zurück, auf das ich wirklich Lust habe.

Tag 2034 – Lampe aus.

Die Quittung für den lustigen Abend war natürlich ein leichter aber anhaltender Kater. Gemeinheit.

(Apropos Kater: ich hätte immer noch gerne ne Katze. Michel auch, das tut mir am meisten leid, weil er ja derjenige ist, der allergisch ist. Wir warten also einfach auf die „Impfung“, die bei der Katze verhindert, dass sie das Allergen produziert.)

Naja, wegen leichter Langsamkeit haben wir heute nicht sonderlich viel unternommen. Eine kurze Pokémon-Runde und Herr Rabe ist noch dabei, den Flur zu streichen. Ansonsten nur Maus und Sofa und das nötigste im Haushalt. Ich habe abends gebadet und beim Beine rasieren über einen Artikel nachgedacht, den ich heute las, demzufolge schon 10-Jährige Mädchen sich die ersten Haare von der Vulva wieder entfernen. „Dass die Eltern das erlauben!“ sagte Herr Rabe und ich bin nicht so sicher, ob die Eltern da gefragt wurden. Ich hoffe einfach, dass meine Kinder und ich da im Dialog bleiben, weil halt. Ich bin einigermaßen entsetzt, wenn Gynäkolog*Innen berichten, sie hätten schon länger keine Vulva (an einer jüngeren Person) mehr mit irgendwelchen Haaren gesehen – und wenn, entschuldigen sich die Patient*Innen. Also – wem’s gefällt, di*er soll’s bitte untenrum frisieren wie si*er lustig ist, aber die reine Anwesenheit von Haar, jeglichen Haares in egal welcher Länge, an egal welcher Stelle, als eklig zu empfinden finde ich… bedenklich? Ich denke, bedenklich passt.

Noch ein paar Jahre um mir meine flammende feministische Rede zu Körperbehaarung und was sie über Hygiene aussagt (nichts) auszudenken. Die können sich beide Kinder anhören. Müssen. Da versteht Mama keinen Spaß.

Andererseits: ich rasiere ja auch Beine (unterhalb vom Knie) und Achseln. Jedes Wochenende. Warum mache ich das? Mache ich das wirklich, ganz ehrlich wirklich, weil ich es schöner finde? Hmmhmmhmm. Aber ich kann meinen Kindern immerhin sagen: ich weiß, wie meine Beine mit vollem Busch aussehen. Oder meine Arme mit langen Achselhaaren. Hab ich probiert, hat mir nicht so wirklich gut gefallen. Auch in der „Bikinizone“ hab ich schon diverses probiert und manches hat gefallen, anderes weniger. Kann man ja alles machen, aber ab dem 1. Haar täglich alles der Barbie angleichen, mit der eins vor kurzem noch gespielt hat? Schwierig. Ganz ganz schwierig.

Tag 2032 – Zuzweitzeit.

Michel hatte keine Lust auf Schwimmen, also fuhr ich mit Pippi alleine ins Schwimmbad. Und das war super. Ein Kind ist so viel weniger betreuungsintensiv als zwei! Pippi war natürlich bester Dinge und erzählte auch gleich der Frau an der Kasse, dass wir jetzt schwimmen gehen und aaaaaalle Sachen in der Tüte haben. Joa, alle, bis auf das Mäppchen mit den Geldkarten. Also ging ich noch mal zurück zum Auto, aber Pippi ist ja schon so groß, dass sie kurz allein warten kann. Dann labert sie eben die Kassenfrau voll. Ich guckte noch kurz bei den Badesachen, ich suche ja schon lange nach einem Sportbadeanzug und – kaufte spontan einen! Juhu. Dann gingen wir uns umziehen, Pippi konstant erzählend und duschen, Pippi weiter erzählend. In Norwegen ist es ja so, dass man vor dem Schwimmen nackt duscht, mit Einseifen und Haare waschen, und seien wir mal ehrlich – das macht auch viel mehr Sinn als was ich in meiner Kindheit gelernt und betrieben habe. Pippi wäscht inzwischen ganz selbst ihre Haare und auch den Körper recht ordentlich. Die Zwergmaus. Danach versuchten wir, unsere nassen Körper in trockene Badesachen zu zwängen, was etwas herausfordernd war. Und was Pippi natürlich kommentierte, sowie ungefähr alles, was an ihrem und meinem Körper unterschiedlich ist. Das ganze Schwimmbad weiß jetzt darüber Bescheid, was das genau ist.

Dann gingen wir ins Wasser und man soll ja seine Kinder nicht vergleichen. Ähäm.

Pippis Lieblingsspiel im tieferen Nichtschwimmerbecken ist, irgendwo hin zu tauchen oder mit Bienchen umgeschnallt ein paar Brustschwimmzüge zu machen. Oder an meinem Hals hängend durchs Wasser geschleppt werden. Ihr Lieblingsspiel im Kleinkinder-Plantschbecken ist, quietschend vor mir wegzurennen und „Kitzelmonster!“ zu schreien, damit ich sie kitzele. Oder irgendwo hin tauchen. Oder die putzigste „Kanonenkugel*“ aller Zeiten machen, die einfach gar nicht spritzt, weil sie so klein ist.

Am Schluss musste natürlich noch gerutscht werden, aber ich hatte keine Lust, also rutschte Pippi ganz allein. Ja, drei mal, laut quietschend, ganz allein die Treppe hoch und die große Rutsche runter.

Sie werden wirklich sehr schnell groß, die Kinder. Dieses hier kann schon fast schwimmen und ganz alleine rutschen.

Hach ja, das hat richtig Spaß gemacht, vor allem, seit Ewigkeiten mal wieder ein paar Stunden ganz allein mit Pippi zu haben, der großen kleinen Maus. Die ist genau so ne Wasserratte wie ich, glaube ich. Hach, hach.

(Danach gingen wir Tiefkühlpizza kaufen. Nach fast elf Monaten Pandemie bin ich soweit, dass ich im Onesie einkaufen gehe. Auf dem Band drei Tiefkühlpizzen, ein Sixpack Weihnachtsbier, drei Paprika und eine Gurke. Judgy Twittermenschen gonna hate this.)

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*Arschbombe

Tag 2031 – Müde (wie immer).

Und nix zu erzählen, auch wie immer. Ich hab gemerkt, ich hatte auch 2017 schon nix zu erzählen. An manchen Tagen jedenfalls. An anderen habe ich halbe Romane geschrieben. Keine Ahnung, wie ich das gemacht habe, ich war ja auch da schon immer müde.

Morgen Issas einzige Meeting der Woche, auf das ich mich uneingeschränkt freue – das Kaffeepausenmeeting. Ich las (in einer Printzeitschrift, wie so 2005) was über Homeoffice und gerade das soziale leidet eben doch, wenn man einfach in die Situation geworfen wird. Ich hoffe trotzdem, dass mein Arbeitgeber ein „guter“ Post-Pandemischer Arbeitgeber wird und Hybridoffice einführt, mit mindestens (!) einem festen Homeofficetag pro Woche, gerne auch mehr, und Büroarbeit halt für die Dinge und Meetings nutzen, die sich weniger gut im Homeoffice machen lassen. Ich nehme da durchaus gedrückte Daumen.

(Trotzdem muss ich mich wohl nächste Woche zusammen reißen, um niemandem um den Hals zu fallen, wenn ich einen Tag im Büro bin.)

Morgen gehen wir alle schwimmen. Gestern fiel nämlich Herr Rabes und Michels Schwimmen aus Gründen ins Wasser. Da hatte sich Pippi aber schon Schwimmen am Freitag mit mir erbettelt. Nun wird das eben ein Familienausflug. Mal gucken, ob wir lange warten müssen um in das Besucherzahlbeschränkte Bad zu dürfen.