Ich konnte mich heute grad noch so zusammenreißen, dem Lieblingskollegen nicht folgende Nachricht zu schicken:
„Danke, dass du mich vorgewarnt hast, was mich bei dem Meeting erwartet, „Danke“, dass du das erst 30 Minuten vor dem Meeting getan hast.“
Frag mich was sowas soll, wollte der mich ins Messer laufen lassen? Das wär fast schief gelaufen, ey.
Mit 30 Minuten Vorbereitungszeit saß ich also heute als Expertin (jaha!) in einem Meeting mit allen möglichen anderen Inspekteur*Innen und Assessor*Innen aus ganz Europa und bekam unfassbar fancy innovatives Zeug präsentiert und sollte theoretisch dazu irgendeine Meinung aus Inspektørperspektive haben, haha. Praktisch war es nicht nötig, meine Meinung zu äußern oder Fragen zu stellen, weil andere schon meine Meinung äußerten und die Fragen stellten, die ich sonst hätte stellen wollen. Ich war auch nicht die einzige Teilnehmende, die das ganze Meeting über einfach mal gar nichts sagte, insofern kann mir auch das niemand ankreiden.
Ich gedenke aber, meinen Kollegen das Wochenende über in der diffusen Befürchtung zu lassen, dass ich irgendwas Dummes gesagt und die ganze Agency und ihn persönlich blamiert haben könnte. Aus Rache dafür, dass er mir das so spät mitgeteilt hat, auf was ich mich da ganz blauäugig eingelassen habe.
Davon ab war es eine reine Wohltat, nach drei Tagen Konferenz auf Englisch mit zum Teil (leider nicht zu einem kleinen Teil…) grotesken deutschen Akzenten mal andere und vor allem weniger ausgeprägten Akzente zu hören. Im Ernst, liebe Deutsche: bitte bemühen Sie sich doch wenigstens ein bisschen um okaye Aussprache und Grammatik und übersetzen Sie möglichst wenige Redewendungen wortwörtlich, die versteht nämlich niemand. „The minuspoint is…“ existiert im Englischen nicht, um nur eines von sehr vielen Beispielen aus drei Tagen Konferenz zu nennen.
Alle haben Akzente, aber manche viele einige viele (zum Verkauf und/oder Präsentieren ausgewählte!) Deutsche hören sich wirklich leider an wie eine Satire über Deutsche, die Englisch sprechen. Bitte, bitte, machen Sie das nicht. Wenn für nichts anderes, dann meinen sich rollenden Fußnägeln zuliebe. (Und bevor jemand mit dem Argument „wir hatten ja nix! Damals, nachm Kriech! Nich mal gescheiten Englischunterricht!“ kommt: da sind auch wirklich viele Leute meines Alters bei, bei denen ich mir vorstelle, wie mein früherer Englischlehrer weinend in der Ecke sitzt.)

