Tag 1851 – Vollprofi.

Die Umbaumaßnahmen nehmen teilweise Form an. Der „Entreprenør“ (so ein alles-Bau-Mensch) bestellt das Fenster und dann geht es los. Letzte Woche habe ich zufällig ein 50%-Rabatt-Angebot eines Unternehmens gesehen, das Einbauschränke baut und eben habe ich endlich mal Maß genommen, damit wir in unserem neuen Schlafzimmer, was ja jetzt noch das Kinderzimmer ist, einen vernünftigen Schrank trotz Teilschräge bekommen. Es wird eng, so viel kann ich schon sagen, aber ich hoffe auch, dass wir mit durch-Marie-Kondo-tem Schrank, der hauptsächlich aus Schubladen und Kleiderstangen bestehen soll, im Vergleich zu jetzt den Platz besser nutzen können. Jetzt haben wir nämlich große und tiefe Regalfächer, bei denen wir entweder die hintere Hälfte nicht nutzen oder an die Sachen in der hinteren Hälfte nicht dran kommen. Das ist scheiß. Und ein Angebot machen lassen schadet ja nicht.

Da ich den Winkel unseres Daches nicht weiß (40 Grad? Irgendwas hat die Innenarchitektin gesagt…), musste ich total professionell auf dem Boden messen, wie weit denn die Schräge geht. Mit einem Lot, auch total professionell, nämlich einer Tesarolle, die ich oben an die Decke geklebt habe, und dann abgerollt habe bis ganz kurz überm Boden.

Und jetzt grad fällt mir ein, dass ich natürlich die Fußleiste mit gemessen habe, dabei soll die natürlich da wo der Schrank dann stehen soll, weg. Naja, die Firma käme im Zweifel eh noch mal selbst zum Kontrollmessen.

Das ist alles sehr aufregend.

Tag 1850 – (Nicht) bereit für den Herbst.

Eigentlich wollte ich heute hauptsächlich im Schlafanzug herumlungern und gar nichts machen, das hätte mich nach der Woche sehr glücklich gemacht. Aber es wird Herbst, ob ich das will oder nicht (Spoiler: ich möchte das nicht) und deshalb habe ich eine gute Weile im Garten gerödelt.

Das Basilikum mag keine Temperaturen unter 10 Grad und da in den letzten Tagen früh morgens bereits Reif auf der Wiese lag, habe ich heute den unfassbar riesigen Busch Zitronenbasilikum und die zwei normal großen Büsche Basilikum und Thai-Basilikum geerntet und zum Trocknen aufgehängt.

Pünktlich zum Ende des Sommers (also eigentlich viel zu spät) trägt die Minigurke die ersten Früchtchen und die Mini-Paprika blüht. Toll. (Augenrollen.)

Ich habe letzte Woche schon den lila Lavendel beschnitten, den ich diesen Winter endlich ordentlich überwintern muss, der ist nämlich jedes Frühjahr aufs neue halb tot und muss mühselig aufgepäppelt werden. Heute habe ich den weißen Lavendel beschnitten, der im Beet wächst (da hat ihn die Vorbesitzerin des Hauses hingepflanzt und da fühlt er sich wohl und wuchert so rum) und weil da tatsächlich eine nennenswerte (lies: sehr große) Menge Lavendelstängel runter kam, riecht unser Schlafzimmer jetzt schon mal sehr gut. Morgen nähe ich aus Stoffresten kleine Säckchen und dann darf der Lavendel unsere Wollsachen beduften. Wir haben zwar keine Kleidermotten, aber man muss sie ja auch nicht einladen. Und bald ist eh schon wieder Zeit für Wolle. Es wird ja Herbst. Seufz.

Die verblühten Sonnenblumenblüten habe ich abgeschnitten und zum Trocknen hingelegt. Da werden sich im Winter hoffentlich ein paar Vögel drüber freuen.

Letztes Wochenende habe ich ja schon recht brutal das Ringelblumenbeet gerodet.

Ich habe 23 Äpfel von unserem Mini-Apfelbäumchen geerntet, die sind wirklich ausgesprochen lecker. Danach habe ich, ohne jede Sachkenntnis und mit dem einzigen Leitsatz „es muss ein großer Vogel durchfliegen können“ den Apfelbaum beschnitten und überraschend viel weggeschnitten, bis ich fand, dass er dünn genug aussah. Ein paar Ästchen haben die Meerschweinchen gleich bekommen, den Rest habe ich auch zum Trocknen hingelegt.

Ob ich Kirschbaum und überraschend Endsommer-wuchernden Holunder noch beschneide, überlege ich mir morgen. Ich habe den Eindruck, der norwegische Sommer dieses Jahr war ein sehr guter Baumsommer, generell Pflanzensommer, hier ist ja alles gewuchert wie bekloppt. Der Holunder hat so einen Schuss gemacht, dass er jetzt tatsächlich ein gutes Stück über die Steinkante zum Nachbarn hinausragt. Mich macht das sehr froh.

Das alles macht mich ein bisschen melancholisch. Ja, es ist gut, halbwegs kontrolliert in den Herbst zu gehen, aber ich möchte noch keinen Herbst haben. da half auch die flotte Spaziergehrunde im Dunkeln in wunderbarer kühler und feuchter Luft nicht wirklich gegen. Ich möchte echt noch nicht diese lange, kalte, dunkle Jahreszeit anfangen.

Mimimi.

Tjanun. Was hilft‘s. Morgen oder nächste Woche müssen wir Feuerholz bestellen, unser Kubikmeter von vor zwei Jahren ist fast leer und da diese Homeoffice-Geschichte zumindest für mich noch bis mindestens Weihnachten so* weiter gehen wird**, werden wir eher mehr Holz brauchen als in den letzten Wintern. Seufziseufz.

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*ein bis zwei mal die Woche Büro, sonst zu Hause. Außer halt es ist Inspektion.

**shoot me

Tag 1848 – Fertig!

Erste On-site-Inspektion seit Corona ist überstanden. Ich bin echt fertig, in jeder Hinsicht. Ich komme mir auch wieder ein bisschen dumm vor und frage mich, ob das Gefühl wohl je weggeht. Vier Tage lang konstanter Input zu X verschiedenen Themen, danach ist mein Kopf nur noch Watte.

Gelegen kam da die Stunde HipHop am Abend, auch wenn das für mich gerne anspruchsvoller sein dürfte, tut es gut, rumzuzappeln. Außerdem sehe ich dem Trainer gern zu, denn dem macht das alles sichtlich viel Spaß. Ich mag Leute, die die Musik anmachen und unwillkürlich lächeln müssen.

Was ich nicht verstehe, sind Leute in Tanzkursen, die sich zur Musik erst bewegen, wenn die Choreografie losgeht.

Ich schnipse immer noch beim Tanzen. Da habe ich kaum Kontrolle drüber und das geht wohl auch nicht mehr weg.

Morgen Büro. Uff, uff. Meine Motivation, Menschen zu treffen, ist ungefähr bei minus 20.

Tag 1846 – Tatsächlich.

Das dritte Schwein schluckt das Licht, wie so ein schwarzes Loch.

Habe die Meerschweinchen sauber gemacht, dafür keinen Sport.

Ich würd so gern von der Inspektion erzählen aber sowas darf ich ja nicht. Es ist jedenfalls sehr cool alles. Und wieder was ganz neues.

Da ich aber auch nicht viel anderes gemacht habe außer arbeiten, hab ich auch nichts zu erzählen.

Tag 1845 – Superwoman.

Ich komme mir grad vor wie so ne Bilderbuch-Karrieremutter aus irgendeiner amerikanischen Serie. So eine, die auch morgens mit perfektem Make-up und kunstvoll zerwühlten Haaren aus makellos weißer Bettwäsche aufsteht. Denn ich bin heute aufgestanden, habe mich fertig gemacht, dann die Kinder geweckt, denen Frühstück kredenzt, mir dabei zwei Kaffee gekocht, einen getrunken, die Kinder angezogen, Zähne geputzt, habe uns alle rechtzeitig und ohne irgendwelche Ausrüstung zu vergessen (Bonuslevel Schwimmunterricht!) aus dem Haus bekommen ohne dass irgendwer geweint hat, habe Michel, dann Pippi, dann Michels Sportzeug abgeliefert, bin 30 Minuten zur Arbeit gefahren, habe 9,5 Stunden lang gearbeitet, bin 30 Minuten zurückgefahren, habe auf dem Weg das Auto geladen, habe zu Hause Michel Harry Potter vorgelesen und ihn zu 90% ins Bett gebracht, habe dann noch mal 45 Minuten gearbeitet (interne Nachbesprechung, die wir Coronabedingt im Teams und nicht beim Hersteller in irgendeinem Raum machen), während ich das Abendessen fertig gekocht habe, und dann haben Herr Rabe und ich sogar noch Sport gemacht.

Morgen reiße ich ein paar Bäume aus oder mache noch die Meerschweinkiste sauber oder so.

Tag 1844 – Miep miep (möp).

Ich habe nächste Woche eine Inspektion, zu der ich mit dem Auto fahren muss. Züge sind böse in Corona-Zeiten, jedenfalls wenn wir extern arbeiten. Wenn wir damit ins Büro fahren drückt man die Augen zu (aber es wäre natürlich schon besser, wir gingen zu Fuß oder führen Fahrrad. Bei 64 km per Weg… nein.). Jedenfalls musste ich heute mit dem bösen Zug in die Stadt fahren, um das Auto abzuholen, das ich haben muss, damit ich nicht mit dem bösen Zug fahren muss. Oh the irony.

Der Trip gestaltete sich etwas holpriger als erwartet. Ich darf auf gar keinen Fall am Ende meines Zyklus das Haus auch nur fünf Minuten verlassen, ohne Menstruationshygieneprodukte für den Fall der Fälle dabei zu haben. Hatte ich natürlich nicht, ging natürlich in die Hose (haha). Immerhin eine Slipeinlage hatte ich da drin, die gab ihr bestes. Danke, Slipeinlage.

Weiterhin war natürlich Bus statt Zug wegen Bauarbeiten zwischen Eidsvoll und dem Flughafen. Glück im Unglück, Gardermoen hat wirklich saubere und kostenfreie Toiletten im öffentlichen Bereich, da konnte ich mit Klopapier improvisieren um eine Sauerei zu verhindern. Der Bus stand obendrein noch im Stau und als ich endlich im Zug saß, hatte ich eine ganze Stunde extra auf den ersten (eigentlich) 10 Minuten Weg zugebracht. Hurra.

In Oslo S angekommen stand ich etwas verwirrt vor dem Selbstbedienungsschalter der Autovermietung, buchte die Superversicherung zu meinem Autolein dazu (wenn was passiert, will ich bittedanke nicht 12.000 Kronen Selbstbeteiligung latzen müssen) und fragte mich dann erst, wo denn eigentlich die Autos sind. Glücklicherweise kam eine Dame und lieferte einen Schlüssel ab, die fragte ich und die erklärte es mir dann. Unter Oslo S ist ein Parkhaus, wer hätte das gedacht.

Nahezu routiniert ging ich einmal ums Auto rum und schrieb dann eine längere Mail mit nicht im Kaufvertrag (per SMS-Link zugeschickt, Technik ist was feines!) aufgeführten Kratzern an die Autovermietung. Den Sitz einstellen fiel mir schwerer als das Navi bedienen und dann, miep miep, war ich unterwegs mit dem kleinen i3 nach Hause. Nettes Auto, muss ich sagen, fährt sich gut und ist zumindest vorne innen erstaunlich geräumig. Ein Elektroauto hatte ich extra bestellt, deshalb musste ich auch nach Oslo zum Abholen, das war also keine Überraschung, allerdings hatte ich eher mit einem Leaf oder so gerechnet. Ein kleines Auto ist nach ein paar Monaten Carona tatsächlich auch mal ganz nett. Wenn’s nicht ausgerechnet ein BMW wär, fände ich, das Auto passt gut zu mir. Miep, miep!

Jetzt fix Augen zu. Morgen muss ich vor der Inspektion noch die Kinder versorgen und abliefern, das wird aufregend und mal was anderes und hoffentlich nicht übermäßig stressig, in jedem Fall aber früh.

Aufgeregt bin ich auch. Ob ich dieses Inspizieren noch kann?