Tag 1190 – Müde.

Tag 3. Ich bin hundemüde. Eben beim Kinderfernsehen bin ich eingedöst, so müde bin ich. Ist auch kein Wunder, gestern klappte das Einschlafen trotz Müdigkeit nicht und ich las bis viertel vor zwölf. Dazu das stramme Sport- und Zu-Fuß-Geh-Programm… vielleicht ist es ein bisschen sehr stramm. Auch wenn ich ein klarer Verfechter der Holzhammer-Kalter-Entzug-Methode bin, mein Körper sagt recht deutlich nein, zumindest heute.

Neue Regeln deshalb: morgens nur kurz und seicht sporteln, wirklich nur den Kreislauf ankurbeln und ab vier keinen Kaffee mehr.

Ansonsten so:

  • ich habe heute vorgewaschenen Gardinenstoff gebügelt. Meter um Meter. Das war unglaublich langweilig.
  • Ich knüpfe langsam Sozialkontakte mit meinen Peers (also… mittelalten Muttis). Die Nachbarinnen werden Samstag Wein trinken und ich darf kommen und in Michels Klasse ist eine Mutter Autorin für Nähbücher, mag Lippenstift und ist Vegetarierin. Und ihr kleineres Kind geht in Pippis Kindergartengruppe.
  • Eine Bewerbung geschrieben. Wenn ich mich auf das beschränke, was wirklich in Frage kommt, weil es interessant ist, meiner Qualifikation entspricht und nicht unterirdisch bezahlt ist*, gibt’s nicht soooo schrecklich viele Stellenausschreibungen.
  • Morgen wieder sechs Uhr. Jetzt mit Herrn Rabe Regale diskutieren.
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  • Auto-Lobhudelei: genetzwerkt, die Bewerbung geschrieben, immerhin fast pünktlich aus dem Bett gequält (ich war wach, aber das Bett war so schön warm…)
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  • *Ich muss nicht reich werden. Aber mehr als das Arbeitslosengeld, was ich jetzt bekomme, das muss drin sein. Ich war neulich einmal aufrichtig schockiert, dass eine Vollzeitstelle bei einer Behörde sich etwa in dem Bereich meines Arbeitslosengeldes bewegte. Puh! Aber dafür wäre ich eh nicht passend qualifiziert gewesen.
  • Tag 1189 – Dugnad.

    Ich bin sicher, ich hab das schon mal geschrieben, aber es ist vermutlich schon ganz lange her. Die Norweger stehen ja total auf Dugnad. Dugnad ist eine Gemeinschaftsarbeit und betrifft meist so Sachen wie „Alle Eltern des Kindergartens treffen sich an einem Sonntag und graben den KiTa-Garten komplett um“ oder gemeinsames Streusplit-Wegfegen im Frühjahr. Auch Flohmärkte von Schulen sind meist Dugnad, auf dem Dorffest Waffeln verkaufen und damit ein neues Klettergerüst finanzieren… dugnad. Im Labor hatten wir auch zwei mal im Jahr Dugnad, da machten wir alles sauber, also wirklich alles, und jedes Mal tauten wir die selben Gefrierschränke wieder ab, die in einem halben Jahr so viel Eis sammelten, dass die Schubladen nicht mehr aufgingen, aber das ist ein ganz anderes Thema. Jedenfalls ist Dugnad meist was, was man

    • zusammen macht
    • Allen was bringt (zum Beispiel ne Splitfreie Straße)
    • Spaß macht (und sei es nur, weil man das zusammen macht)
  • Oder so dachte ich.
  • Bis ich heute mit Michel beim Skitraining auflief und wir vom Parkplatz reingeschickt wurden, mit den Worten „heute ist kein Training, heute machen wir eine kleine Dugnad.“
  • Also ging ich mit Michel rein und da standen wir ratlos herum, weil so richtig Dugnad-mäßig sah das alles nicht aus, wo waren die Gartengeräte oder Besen oder Waffeleisen? Auf einem großen Tisch lagen unzählige Stadtplanausschnitte, eine Dame hakte Leute auf einer Mitgliederliste ab und zwei weitere hatten stapelweise but bedrucktes Papier im Arm. Das alles mutete seltsam an, aber die Norweger schienen alle zu wissen, was man machen sollte, ich stand also noch ein wenig ratloser herum und überwand mich dann, eine der Papier-Damen anzusprechen. „Du musst eine Karte nehmen!“ sagte sie. „Eine Karte?“ „Ja, mit deinem Gebiet!“. Ach so. Dachte ich und machte ich wohl auch, jedenfalls folgen Michel und mir sämtliche Elternaugen auf der Suche nach unserem Wohngebiet. Ich stellte aber schnell fest, dass alle Karten nur Gegenden um Råholt und Eidsvoll Verk zeigten, aber nicht unsere. Ich fragte also nochmal, dieses Mal eine andere Dame „Gibt es nichts im Sundet?“ „Hmmm, nee, ich glaube das Gebiet hat ein anderer Verein, dann habe ich leider keine Adventskalender für euch.“ und so war ich raus aus dem Schneider, aber ich verstand gleichzeitig, worauf ich mich da fast eingelassen hätte. Die Dugnad besteht darin, in einem festgelegten Gebiet von Tür zu Tür zu gehen und zu versuchen, hässliche* Adventskalender zu verkaufen. Die größeren Kinder sollen das selbst machen, aber, meine Güte, Michel ist sechs, der kann, wenn jemand das nicht passend hat, noch nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Also hätte ich mit gemusst.
  • Von Tür zu Tür.
  • Geld sammeln.
  • Als ich das verstand, klappte mir die Kinnlade runter. Mein gesamtes Gesicht entgleiste und ich bin froh, dass ich mich beherrschen konnte, nicht What the Fuck??? auszurufen. Denn wenig später hörte ich von meiner Einwanderer-Bubble, dass das ganz normal sei. Man verkauft Klopapier oder Adventskalender oder Kekse und sammelt damit für den Skiverein, den Damenchor oder die Klassenfahrt.
  • WHAT THE FUCK???**
  • Liebe Kinder, ich habe euch echt lieb, aber so einen Scheiß müsst ihr alleine machen. Ich krieg schon bei dem Gedanken an solche Aktionen Pickel, Migräne und Magen-Darm GLEICHZEITIG. Eure Mama ist die, die dann 500 Kronen in die Klassenfahrtskasse wirft und behauptet, sie hätte das von den Nachbarn eingesammelt, und die damit sich und den Nachbarn das Klinken putzen erspart. Was sind das für seltsame Sitten, die Nachbarn mit Adventskalendern zu nerven? Ich würde gerne das Doppelte an Mitgliedsbeitrag bezahlen, wenn Dugnad dafür wieder Waffeln verkaufen und ein anschließender Glögg mit der lustigen Waffelverkaufstruppe ist. Ganz sicher aber verkaufe ich niemandem Klopapier an der Haustür. (Alle irre!)
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  • Zweiter Tag des Projektes Lerche. Ich stand wieder um sechs Uhr auf, machte wieder Sport und so, hatte aber ein krasses Tief zwischen halb zehn und halb zwölf. Putzte dann die komplette Bude, bewegte mich im Prinzip den ganzen Tag, um nicht einzuschlafen. Jetzt falle ich gleich einfach um, aber das darf ich ja auch bald. Mein Tages-Hoch ist weiterhin spät, ab zwölf geht’s bergauf und zwischen zwei und vier könnte ich auch intellektuell Bäume ausreißen. Hoffentlich gibt sich das noch. Aber Hauptsache erstmal wach, an wach und konzentriert arbeiten wir dann später.
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  • *das ist ja Geschmackssache, aber ich fand sie ausnehmend hässlich
  • **Grund Nummer 269 weshalb ich hier nie einbürgern werde
  • Tag 1188 – #12von12 im November ’18.

    Es ist der zwölfte! Das heißt, halb Bloggerhausen macht 12 Fotos vom Tag und Caro von Draußen nur Kännchen sammelt diese Bildergeschichten.

    Der Wecker klingelt um kurz vor sechs. Ich habe ja einen Schlafphasenwecker, der misst per Mikrofon Bewegung im Bett und macht daran fest, in welcher Schlafphase ich grade bin. Das funktioniert genau so toll, wie es klingt, nämlich eigentlich gar nicht. Mein Wecker klingelt also um sechs und ich drücke nicht auf Snooze (wo ist mein Orden?) sondern stehe tatsächlich auf. Gefühlt knatscht mein ganzer Körper.

    Ich bin wach! Ich bin… uff. #BekloppteIdeen #ProjektLerche #1von12 von #12von12

    Ich torkle ins Bad, ziehe Sportsachen an und torkle vor die Tagesslichtlampe.

    Das Workout ist, warum auch immer, mörderisch. Eigentlich besteht es aus zwei Teilen – HIIT und im Anschluss daran Pilates – aber nach den 17 Minuten HIIT schenke ich mir den Pilates-Teil fürs erste und mache ein Cool-down. Ich habe geschwitzt wie ein Schwein und gehe duschen. Um viertel vor sieben stehe ich gesportelt, geduscht und angezogen im Bad und bin nach wie vor sehr müde. Läuft ja prima. Ich gehe Kaffee machen, als der fertig ist ist auch der Rest der Familie endlich aufgestanden.

    Badezimmerstillleben. Ohne Stille, aber das sieht man ja nicht. #2von12 von #12von12

    Der Kaffee reißt einiges raus, launemäßig. Die Kinder frühstücken. Ich bringe, das hat sich so eingebürgert, die ganze Familie weg, Herr Rabe steigt mit Michel aus dem Auto, bringt ihn vom Supermarkt-parkplatz zur Schule und geht dann zum Zug, ich fahre weiter und liefere Pippi ab. Das geht heute ganz problemlos. Ich lasse das Auto wieder am Kindergarten stehen und laufe nach Hause, vorher gehe ich im Kindergarten aber noch mal aufs Klo. Das Klo hat Kindergartenkindgröße, das ist schon etwas merkwürdig, da drauf zu hocken.

    Wenn man vor acht den ersten Liter Wasser schon intus hat… #3von12 von #12von12

    Zu Hause angekommen gibt es Kaffee Nummer 2 und Frühstück. Bisher hatte ich noch keinen richtigen Hunger (ich glaube ich habe morgens einfach keinen Stoffwechsel).

    Mehr Kaffee. Und Frühstück. #4von12 von #12von12

    Dann mache ich mich an die „Arbeit“, die heute hauptsächlich darin besteht, meine ganzen Profile auf diversen Jobbsuche-Websites zu aktualisieren. Außerdem muss ich eine etwas unangenehme Mail schreiben und dann alles brav beim NAV eintragen. (Seit ich weiß, dass die Sachbearbeiter da monatlich an irgendwelchen „Erfolgen“ gemessen werden, gebe ich mir wirklich Mühe damit, alles da reinzuschreiben.)

    Sachbearbeiterin glücklich machen. #5von12 von #12von12

    Die nächsten Stunden verdödele ich erfolgreich im Internet, auf der Suche nach einer hübschen Regallösung mit Beleuchtung fürs Wohnzimmer. Ich möchte jetzt eine Flachdübelfräse haben, das erscheint mir sinnvoll, wenn man Regale selbst bauen will. Irgendwann raffe ich mich auf und räume drülfzig leere Originalverpackungen auf den Dachboden.

    Wacklige Treppen hochkraxeln und allein zu Hause sein finde ich ja nur so mittel. Aber es hilft ja nix. #6von12 von #12von12

    Jetzt ist dieses „Loftzimmer“ schon deutlich leerer und aufgeräumter.

    Letzte Kistenecken. Das sind, bis auf die leeren Plastikkisten, Bücher. Für die brauchen wir aber eh noch ein Regal und langsam können wir Kallax nicht mehr sehen. Und es kommen ja noch mehr und überhaupt. #7von12 von #12von12

    Im Anschluss räume ich noch ein wenig im Arbeitszimmer herum, das nimmt kein Ende da und wir haben Immernoch nicht genug Regale. Ächz. Dann gehe ich die Kinder holen, erfreue mich an meinen neuen Schuhen und zwei Rehen, die ungerührt die Beeren von den Hecken in der Nachbarschaft fressen.

    Ok, die hier behalte ich auf jeden Fall. Blümchen gegen das Wintergrau. #8von12 von #12von12

    Ganz entspannt spazieren sie von dannen. Vielleicht wohnen wir doch ländlicher, als ich wahrhaben will. #9von12 von #12von12

    Die Kinderholrunde läuft im Prinzip wie immer, inklusive dass Pippi schon auf dem drei Minuten langen Weg zur Schule einschläft. Michel hat keine Lust auf Hausaufgaben, er möchte lieber trainieren. Wir machen zusammen das Pilates-Programm, Michel clownt herum und es macht wirklich viel Spaß.

    Das Kind will trainieren 😂😍🤸🏼‍♂️ #10von12 von #12von12

    Dann machen wir Essen (Sandwiches zum selbst belegen) und Herr Rabe kommt, Pippi wird wach und will Banane, es ist zwar spät, aber Michel macht noch seine Hausaufgaben und ich platze kurz fast vor Stolz, weil er jetzt richtige Sätze buchstabierend und stockend und holperig, aber lesen kann. Mein Baby!

    Es ist dann aber dringend Bettzeit und ich lese noch aus einem Bibliotheksbuch vor. Ein Kinderkrimi.

    Vorlesen fürs große Kind. #11von12 von #12von12

    Ich blogge tatsächlich schon mal beim Ins-Bett-Bringen, Hurra. Ein Bild fehlt aber noch, das mache ich nachdem ich – sehr krakelig – die heute gesammelten Regal-Ideen aufgemalt habe.

    Betthupferl und Ideensammlung. #12von12 von #12von12

    Und nun geht es ins Bett. Ich bin echt platt.

    Tag 1187 – Projekt Lerche.

    Ich möchte ein Morgenmensch werden. Wirklich, wirklich gerne. Eine Eule sein ist, wenn man nicht-selbständig arbeiten möchte und/oder Kinder hat, die Betreuungseinrichtungen mit „Normalen“ Öffnungszeiten besuchen, einfach kacke. Ich habe deshalb recherchiert, wie man sich von der Eule zur Lerche umpolt*. Das Fazit war leider: das ist quasi nicht möglich, weil das zum Großteil genetisch bedingt ist. Die gute Nachricht ist aber: extreme Chronotypen sind selten und der Rest kann sich zumindest anpassen. Vielleicht gehöre ich ja zum Rest. Hoffen wir’s. An Willenskraft mangelt es mir ja eigentlich nicht, allerdings sieht das morgens um halb sechs oder sechs ganz anders aus, da zanken sich Geist und Fleisch um den ersten Platz im Unwilligkeitskontest. Deshalb schreibe ich das jetzt hier laut und deutlich in dieses Internet, auf das es sozialen Druck auf mich ausübe, der mich hoffentlich morgens aus dem Bett kickt.

    Mein Plan ist folgender: Ich habe ja jetzt grad Zeit, ich kann das alles geruhsam angehen. Jetzt Experimente starten, die mich eventuell tagsüber zum Hulk werden lassen, weil ich nicht genug geschlafen habe, ist eine viel bessere Idee, als in zweidreivier Monaten plötzlich doch nen Job zu haben und die ersten Wochen unausstehlich zu sein. Ich fange also jetzt damit an. Ohne Druck. Außer von Ihnen. Und mir. Ab morgen werde ich also

    • Um sechs aufstehen…
    • … und direkt Sport machen. Wenigstens irgendwie bewegen. Hirn kann dabei ja ausgeschaltet bleiben, aber den Körper schnell hochfahren erscheint mir als der einzig gangbare Weg, sonst schlurfe ich nämlich morgens nur zwei statt eine Stunde planlos umher.
    • um genug Schlaf zu kriegen, werde ich auch um spätestens zehn im Bett liegen. Japp, das hat heute schon ganz toll geklappt. Ähäm.
    • Bildschirme ab zehn auch aus. (S.o., klappt super.)
    • Damit wiederum das klappt, muss ich früher bloggen. Eigentlich bietet sich das Ins-Bett-bringen dafür an, denn da liege ich eh rum und versuche, mich vom Einschlafen abzuhalten. Man könnte die Zeit also produktiv nutzen, anstatt sie bei Twitter zu verdödeln. Vorteil wäre auch, dass ich danach Zeit für Quatsch hätte, Netflix, Nähen, whatever. Ich werde mich bemühen.

    Wenn ich das so aufschreibe, klingt der Plan für mich einleuchtend einfach, aber aaaaahahahahahaha, das wird un-glaub-lich** hart. Ich tippe auf: etwa so hart wie mit dem Rauchen aufhören. Aber was tut man nicht alles, um sich wie ein vollwertiges, produktives Mitglied der Gesellschaft zu fühlen, ne?

    Ich hole mal noch die Tageslichtlampe und stelle sie da hin, wo ich morgen früh dann Sport machen will und dann gehe ich aber wirklich ins Bett!

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    *Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit „aber wenn du immer um sechs aufstehst, dann wachst du automatisch um die Zeit auf!“. Ich hatte acht Jahre lang Schulbeginn fast immer um 07:50, bei einem Schulweg von 50 Minuten. Ich stand jeden Morgen unter Qualen um 05:50 auf und schlief am Wochenende trotzdem bis 11.

    **Habe ich erwähnt, dass Michel endlich verstanden hat, was Silben sind und wie sie sich von Buchstaben unterscheiden? Ich bin so froh, das hat mich schon ganz kirre gemacht, wenn er meinte, Zug habe ja drei Silben.

    Tag 1186 – Orchideen.

    Endlich ist die Wand fertig und nachdem ich letztens dieses Foto mit dem Hinweis, die Blume stehe da sonst nicht, postete, und alle, also ALLE, sogar Herr Rabe meinten, die sähe Faber ja super gut aus, kaufte ich gestern eine zweite. Hui, ganz gewagt, jetzt haben wir hier schon 4 (!!!) Dekopflanzen und 3 Küchenkräuter.

    Das mit der Wand war übrigens ein unerwartet großer Aufwand. Beim ersten Mal sind mir die Ränder ausgefranst. Nachdem mir auch wieder ALLE gesagt hatte, dass man bei Strukturtapete erst den Rand des Tapes in der Wandfarbe übermalen soll, damit die dann unter den Rand läuft und „abdichtet“*, hab ich das gemacht. Also neu abgeklebt, Wandfarbe besorgt (dafür erstmal die Wandfarben-Farbe aus dem Hausordner rausgesucht), Taperand gestrichen, dann wieder in der neuen Farbe drüber. Das hat viel gebracht, aber an einigen Stellen war es doch wieder ausgelaufen, die habe ich dann noch mal mit einem Kinder-Wasserfarbkasten-Pinsel mit chirurgischer Präzision übergetupft und jetzt bin ich zufrieden. Und brauche anderes Malertape, das kann’s ja alles nicht sein.

    Egal, zurück zu der Orchidee. Ich habe gestern also mit Michel nach der Schule eine Zweit-Orchidee gekauft. Ich schwankte zwischen weiß und rosa und entschied mich für beides.

    Und jetzt muss die Uhr** höher, damit sie nicht in der Blume hängenbleibt.

    Die weiße Orchidee wanderte wieder zurück an ihren Fensterplatz. Heute wollte ich sie eh mal von ihrer Erde befreien, seit der Disputation steht sie in diesem Glaspott und unten steht immer Wasser, mit Algen, ich dachte bisher, das sei nicht so tragisch, weil es aussah, als gingen die Wurzeln nicht bis unten hin, sondern säßen auf einer dicken Schicht aus Rindenstücken. Aber die Konstruktion machte das Gießen schwierig und die eine (in dem Pott stehen zwei Orchideen) ist auch immer irgendwie schlapp und die Blüten fielen auch schon wieder ab.

    Der anderen ging es prächtig.

    Bis die Kinder mit Regenschirmen spielten. Im Wohnzimmer. Was sie nicht sollen. Aus guten Gründen.

    Himmelarschundzwirn. Da war nix mehr mit Augenhöhe und Achtsamkeit und Respekt, da ist mir der Arsch geplatzt und beide Kinder haben einen Anschiss kassiert und dann hab ich, erwachsen wie ich bin, zu heulen angefangen, wegen einer Blume, meiner Blume, meiner Disputationsblume, die endlich wieder blühte und überhaupt. Ich heulte ein wenig ins Spülbecken, während ich die Restpflanze aus dem Topf holte und verfluchte den Tag, an dem ich die dämliche Idee hatte, Kinder seien doch ne schöne Idee, sinnstiftend, blabla… ok, das gab sich schnell, Michel kam dann auch bald um sich zu entschuldigen, es war ja auch keine Absicht gewesen. Ich entschuldigte mich auch für den Ton und die Worte**** und wir drückten uns lange und fest und dann half mir Michel, die Orchideen von einem Haufen modrigem und stinkendem Rindenmulch zu befreien. Von wegen, die Wurzeln gehen nicht bis unten hin. Es war richtig übel, ich hab kurz überlegt, ob es mehr Sinn machen würde, die gammlig aussehenden Wurzeln abzuschneiden, ließ sie dann aber dran, Wurzeln sind ja bei Pflanzen noch viel empfindlicher als der ganze Rest. Jetzt stehen die Orchideen also blütenlos und mit fast***** nackten Wurzeln im Topf und ich hoffe, sie berappeln sich wieder.

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    Völlig unrelated: heute sehr über dieses Video gelacht – wie man einen Muse-Song komponiert. Zwar eindeutig zu viel erklärt, aber wenn man die ersten 7 Minuten oder so überspringt, kommt man direkt zum Ergebnis. Ich mag ja die älteren Sachen von Muse unglaublich gerne, höre die Alben immer immer immer wieder, aber seit… 6 Jahren ca. finde ich die neuen Alben zunehmend anstrengend. Wenn ich Queen hören will, höre ich Queen, wenn ich Prince hören will******, Prince, jetzt ganz neu auch noch so ein Kraftwerk-Gestampfe… puh, da bin ich raus, leider. Und alles so artsy-fartsy Konzept-überfrachtet. Mögen sicher viele*******, ich nicht.

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    *Hab ich noch nie gemacht und wir hatten in Bielefeld überall Rauhfaser. Und da ist auch nix ausgefranst.

    **Die ist extra gekauft, mit dem Gedanken, dass wir genau diese Wand in einer dunklen Farbe streichen wollen. Vorher hatten wir nämlich eine schwarze, aber an der waren die Zeiger so kurz, das sah dann auch albern aus und… jetzt halt diese. Ich bin sehr zufrieden***.

    ***Das ist glatt gelogen. Der Rand am Schränkchen ist golden, die Uhr silbern, es ist schlimm.

    ****Ich habe „Wie scheiße seid ihr eigentlich?“ gesagt. Ich schreibe es jetzt hier hin, damit ich sowas nie mehr sage. Und ein bisschen auch damit nicht der Eindruck entsteht, hier sei „mal ne halbe Stunde länger Fernsehen gelassen“ die übelste pädagogische Verfehlung, zu der wir in der Lage sind. Hell, no.

    *****Ich hab nicht alles rausbekommen und wollte dann auch nicht allzu doll dran rumrupfen.

    ******Nie.

    *******Herr Rabe zum Beispiel

    Tag 1184 – Aber.

    Heute alles eigentlich gut gewesen, trotzdem seit abends Kacklaune. Hat keinen Grund*, ist einfach so, morgen dann wieder mehr.

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    Auto-Lobhudelei: etwa 500 m weit über meinen Schatten gesprungen und dieses Networking versucht, oh my, wie ich es hasse, wie ich mich dabei auch fühle wie ein Kind in Erwachsenenverkleidung, das versucht, bei der Vorstandssitzung nicht aufzufallen, herrje. Dafür ganz ok hinbekommen. Uff. Auch: Schreibtisch unter bergeweise Papier freigelegt.

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    *ok, das Roggenmehl war alle, ich hab mir richtig fies in den Finger geschnitten und RuPaul hat keine rausgeschmissen, aber das sind ja alles keine richtigen Gründe.

    Tag 1183 – Der Räumverein.

    Vor etwa zwei Wochen bekamen wir in unserer Straße hier alle einen (elektronischen) hochoffiziellen Brief von der Kommune. Darin stand, dass ab dem Winter 2018/2019 wir als Eigentümer für jegliche Straßeninstandhaltung zuständig sind, zum Beispiel Beleuchtung, Dings, Bums, Tralala und Räumen im Winter.

    Am nächsten Tag schneite es übrigens.

    Jedenfalls alle so: waaaahhhhhhhh! Panik! Hier wird NIE MEHR geräumt und jeder muss demnächst immer selbst den Laternenmast hochklettern und ne neue Birne reindrehen und den Meter Straße vorm Haus asfaltieren.

    In der Nachbarschafts-Facebookgruppe ging es ein paar Tage lang hoch her, nachdem aber jeder einmal „aber das können die doch nicht machen! Direkt vorm Winter!“ geschrieben hatte, flaute es auch schnell wieder ab.

    Man muss dazu sagen: in der ganzen Straße wohnen 21 Parteien. 21. Quasi unüberschaubar viele.

    Jedenfalls war recht schnell halbwegs sicher beschlossen, dass wir eine Art Verein gründen müssen, der dann den Räum-Mann beauftragt. Jemand klärte mit der Kommune ab, dass die den Räumdienst nicht kündigen, bis wir soweit sind ihn wieder zu beauftragen, weil November halt auch etwas spät ist, um nach einem anderen Räum-Menschen zu suchen. Es wurde gesagt, dass wir für die Gründung dieses Vereins ein Treffen brauchen.

    Dann kam Grillenzirpen.

    Bis heute Nachmittag. Denn um 17:30 Uhr las ich plötzlich in der Facebookgruppe eine neue Nachricht: „Findet das Treffen heute um 19:00 Uhr statt?“

    Überraschender Weise (für mich) war die Antwort ja.

    Also ging ich um 18:58 Uhr los Richtung Hausnummer 6. Schönes Haus, etwas seltsame Leute drin. Nachbarn halt. Sucht man sich nicht aus. Außer mir waren noch 7 andere Parteien gekommen, was die eine Nachbarin mit „vermutlich haben sie es nicht rechtzeitig mitbekommen“ kommentierte. No shit, Sherlock, irgendeinen Kommentar in einen Thread mit 46 Antworten schreiben ist halt keine offizielle Einladung. Nun saß ich da also, Die Neue, zwischen den Nachbarn und versuchte irgendwie zu folgen, das Gespräch drehte sich mehrmals im Kreis um die Sachen, die eh schon klar waren (nein, wir brauchen keine Angst vorm Wintereinbruch haben, ja, wir müssen uns jetzt irgendwie organisieren) und mit neun von 21 Parteien kann man ja auch keinen Verein gründen in dem alle anderen dann halt mitmachen müssen, ob sie wollen oder nicht. Zumindest fand ich das und die anderen nickten dazu zustimmend. Deshalb werden wir nächste Woche Donnerstag um 19:30 (weil dann bei den meisten Leuten mit kleinen Kindern diese im Bett liegen, hahahahahahaha) ein neues Treffen haben, es wird aber dieses Mal eine schriftliche Einladung geben.

    Das hat über eine Stunde gedauert. Eine Stunde. Herrje. Das wird noch lustig hier.

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    Auto-Lobhudelei: heute endlich mit dem Einsortieren von (Näh-)Kram im Arbeitszimmer angefangen.

    Tag 1182 – Nicht verhandelbar.

    Ich komme soeben von einem Kurs zu Verhandlungstechniken, den meine… Genossenschaft? Also meine Arbeitnehmervereinigung gegeben hat. Das kostet nix außer des Mitgliedsbeitrags und wenn man arbeitslos ist, ist auch die Mitgliedschaft kostenlos. Dafür gibt’s Brötchen und Kaffee, man könnte fast auf Ideen kommen… egal.

    Der Kurs war eher ein dreistündiger Vortrag einer Anwältin plus zwei Rollenspiele*. Die Anwältin war sehr sympathisch und die ganze Aktion auch einigermaßen informativ. Und mit dem Gedanken daran, dass hier ja bestimmt** irgendwann*** mal wieder Gehaltsverhandlungen anstehen, für mich auch sinnvoll, das alles mal geballt zu hören. Mitgenommen habe ich folgendes (ohne in meine Notizen zu gucken):

    • Vorbereitung ist alles!
    • Dafür: Ziele setzen, Grenzen festlegen, Szenarien durchspielen, Plan B auch durchspielen. Das selbe dann noch mal für die Gegenseite und sich auf der Basis dann überlegen, wie man der Gegenseite das was man selbst will als win verkauft. Das sind die besten Argumente.
    • Das erste Angebot ist das wichtigste.
    • Versuchen, nicht diejenige zu sein, die das 1. Angebot macht.
    • Am Ende sollten alle zufrieden sein, wobei uns, Hurra!, auch unser Unterbewusstsein hilft, das das schon so hinbiegen wird, dass wir am Ende zufrieden sind.
    • Zu netten Menschen sagt man eher ja.
    • Nicht drohen, keine Ultimaten, es sei denn, man meint es auch wirklich so.
    • Nie das erste Angebot akzeptieren.
  • Beim letzten Punkt gehe ich nicht mit, denn ich persönlich habe ganz oft eigentlich gar keine Lust zu verhandeln. Ich will auch in vielen Situationen nicht, dass mit mir verhandelt wird. Ich nenne das Energie sparen. Wenn ich, keine Ahnung, ein Paar Skier auf Finn kaufe, bezahle ich, was da steht, fertig. Wenn ich in einen Laden gehe auch, da frage ich auch nicht, ob sie nicht noch nen Helm drauflegen können, wenn ich grad ein Fahrrad gekauft habe. Das hat (im Laden) auch damit zu tun, dass ich nicht gierig und/oder geizig erscheinen möchte, bei Finn habe ich einfach keine Lust auf drülfzig Nachrichten hin und her und Geschacher und am Ende hat man Zeit und Nerven investiert und vielleicht 50 Kronen gespart. Andersrum schreibe ich realistische Preise an die Sachen, die ich da anbiete und wenn dann wer die Hälfte bietet und es dazu noch bitte geliefert haben will, finde ich das einfach dreist und da verkaufe ich es dann lieber gar nicht, ätsch. Mein Rollenspielpartner sah das ähnlich und unser erstes Rollenspiel lief dann so:
  • [Geschichte: ich habe einen Skipass für den ganzen Tag für 300 Kronen gekauft, will aber nach dem halben Tag nach Hause. Am Parkplatz spricht er mich an, ob ich ihm den Skipass verkaufen würde.]
  • Ich: Ja, was bietest du denn?
  • Er: 150.
  • Ich: Ok.
  • Er: Abgemacht.
  • Fertig. Ja, natürlich hätte ich argumentieren können, dass er noch 50 Kronen spart und nicht Schlange stehen muss, wenn er mir 250 bezahlt und er hätte dann argumentieren können, dass ich immer noch 50 Kronen gewonnen habe, wenn er mir 50 gibt statt gar nix und meine Karte einfach verfällt. Aber was soll denn sowas, wenn wir doch beide mit 150 happy sind?
  • Beim 2. Rollenspiel wäre es dann fast genauso gelaufen, ich musste mich echt beherrschen, das Spiel mitzuspielen. Die Geschichte war dieses Mal anders, wir bekamen „geheime“ Informationen, die der andere nicht sehen durfte.
  • [Geschichte: Er verkauft 12 Flaschen (eine Kiste soll das sein, hat nicht eine Kiste immer sechs Flaschen? Naja, egal.) Wein, Château Tralala, 1982er Jahrgang, ein ganz toller Wein. Ich will den Wein kaufen.]
  • [Seine Information: er hat den Weinkeller seines Schwiegervaters geerbt, aber selbst gar keine Ahnung von Wein. Ein Kumpel hat gesagt, der Château Tralala sei total teuer, 12.000 Kronen für eine Kiste hätte der letztens auf ner Auktion gebracht, allerdings von 1985. 4 der Etiketten auf den Flaschen sind feucht geworden und leicht beschädigt.]
  • [Meine Information: ich bin Weinkennerin und verfolge die Angebote regelmäßig. Eine Kiste diesen Weines dürfte etwa 30.000 Kronen wert sein, ich hätte schon Käufer für einzelne Flaschen für 2500-3000 Kronen. Natürlich tun die leicht beschädigten Etiketten der Qualität des Weins keinen Abbruch, wohl aber dem Verkaufspreis.]
  • Wir: Blabla, schöner Weinkeller, jaja, alles geerbt, blabla.
  • Ich: Du willst also diese Kiste verkaufen? Was hast du dir denn für einen Preis vorgestellt?
  • Er: Ich hatte an 14.000 gedacht.
  • [You see?]
  • Ich: *denkt* OK! *sagt* Hmm, das finde ich ein bisschen happig, in Anbetracht der kaputten Etiketten auf den Flaschen hier, die sind ja quasi wertlos. Ich hatte mir 8.000 vorgestellt.
  • Er: Hmm. Aber dass die Etiketten kaputt sind, macht ja den Wein nicht schlecht.
  • Ich: Nein, aber es deutet darauf hin, dass er falsch gelagert wurde. Ich weiß ja nicht, was dein Schwiegervater damit gemacht hat. Für mich ist das ein unbekannter Hintergrund, ich kaufe praktisch die Katze im Sack…!
  • Er: Neulich bei einer Auktion ging eine Kiste davon für 12.000 weg!
  • Ich: Der hatte auch ne dokumentierte Lagerungsgeschichte****.
  • Er: Hmm, ok. Pass auf. Du kriegst eine Flasche für 1/12 von 8.000, nimmst sie mit und probierst*****. Und dann wenn der Wein gut ist, kriegst du den Rest der Kiste für 12.000.
  • Ich: OK, dann nehme ich aber eine von denen mit dem kaputten Etikett. … So, ich habe jetzt probiert und der Wein ist noch gut, ich bezahle dir 11.330 Kronen für den Rest, ok?
  • Er: OK.
  • Tja. So kam ich also zu einer virtuellen Kiste Château Tralala, von dem ich 8 Flaschen an meine virtuellen Freunde verkaufen kann. Oder vielleicht 7 und eine behalte ich und… rahme sie mir ein oder so. 7*2.500-12.000 Kronen sind 5.500 Kronen Gewinn, wenn ich die vier Flaschen mit den kaputten Etiketten für jeweils 1.000 Kronen verscherbelt kriege, sind es 9.500 Kronen Gewinn. Virtuelle Kronen. Außerdem bin ich um die Erkenntnis reicher: ich mag nicht gern verhandeln.
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  • Auto-Lobhudelei: das war mal wieder außerhalb meiner Komfortzone.
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  • *Rollenspiele, ne? Schlimm.
  • **hoffentlich
  • ***bald
  • ****Das hab ich in dem Moment einfach erfunden, damit die Geschichte weitergeht, wozu hat man denn jahrelang Improtheater angeschaut?
  • *****Ich wage stark zu bezweifeln, dass man so einen Wein überhaupt trinken würde, wenn man Weinkenner ist. In dem Moment hat der ja schlagartig null Wert. Andererseits ist das auch genau der Punkt, der mir an dieser ganzen Geschichte am Absurdesten erscheint, aber das nur so am Rande.
  • Tag 1181 – #WmDedgT im November ‘18.

    Es ist schon wieder der 5., wie konnte das eigentlich passieren, aber egal, Frau Brüllen will natürlich wie jeden Monat wissen: was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Um sieben stehe ich auf, nachdem ich sehr lange keine Lust dazu hatte. Es ist schon zu spät und die Kinder haben auch keine Lust und schlechte Laune und als wir um acht endlich aus dem Haus kommen, bin ich eigentlich schon bedient und habe Fransen am Mund vom repetitiven „Zieh dich bitte an, den Schlüpfer auch, erst ausziehen, ja alles, jetzt zieh dich an, du hast ja Immernoch nichts an, … frühstücke bitte, nicht schwafeln, frühstücken, iss doch bitte einfach noch was, bitte vergiss das Frühstück nicht…“ Und eigentlich sind wir dann auch schon ein bisschen spät dran und Michel nölt, er sei krank und überhaupt. Wir parken am Supermarkt und ich schleppe Pippi und Michels gewaschene Draußenklamotten zur Schule. Verräume alles, versuche mich erfolglos von Michel zu verabschieden und bequatsche dann Pippi, zurück zum Auto selbst zu laufen.

    Am Kindergarten angekommen verräume ich Pippis frisch gewaschene Draußenklamotten und höre mir Genöl darüber an, dass ich doch da bleiben soll. Aber nur kurz, weil ich so dermaßen den Kaffe aufhabe inzwischen, dass ich mich mit mühsam zurückgehaltenem Groll lieber schnell verabschiede. Ich lasse, zugunsten von Bewegung und Laune, das Auto stehen und gehe zu Fuß zurück nach Hause. Mit Brot kaufen zwischendurch dauert das eine knappe Dreiviertel Stunde. Zwischendurch bekomme ich eine mail vom Chipsmann, die mir nicht viel mehr sagt, als dass ich eine weitere Mailadresse blocken muss.

    Zu Hause wartet Herr Rabe nicht wirklich, denn er arbeitet heute von zu Hause aus. Es müssen sich ja nicht noch alle seine Kollegen anstecken. Ich dödele ein wenig im Internet rum und esse einen Joghurt. Ich fiebere mit, ob es irgendwer aus dem Internet schafft, in Deutschland ein paar der eigentlich heute erst erscheinenden Produkte von Hatice Schmidt zu bekommen. Ich mag ja ihre Videos sehr gern, weil die nicht so überdreht sind, aber informativ sind und ehrlich wirken. Ich kann mit diesem ganzen auf 14-Jährige zugeschnittenen YouTube-Zeug nicht so ganz viel anfangen und das scheint in Deutschland sehr zu dominieren. Jedenfalls hat Hatice Schmidt nun eine Kollektion an Produkten mit L.O.V. herausgebracht und 1. würde sie, da bin ich sicher, keinen Scheiß herausbringen und 2. Habe ich inzwischen ein paar Videos von anderen YouTuber*Innen zu den Produkten gesehen und am Ende wollte ich halt die Lidschattenpalette und den Bronzer haben. Da hatte ich am Samstag einen Aufruf gestartet und es haben sich echt viele bereiterklärt, zu schauen und einige haben das auch erfolglos getan, aber Frau Wunnibar hat es geschafft und ich freu mich sososo doll, hach!

    Nach aller Freuerei ziehe ich meine Sportklamotten an und mache ein Workout, das erste mal im neuen Haus. Das macht nur leidlich viel Spaß, ehrlich gesagt, denn ich war auch schon mal fitter und das ist ja nicht mal nicht lange her. Naja, das wird auch wieder, denke ich, während ich danach zwanzig Minuten weiter schwitze.

    Wenn ich ja aber eh nun rieche, kann ich auch das Bad putzen, denn das hat es nötig. Ich höre derweil einen Podcast über Mantelstoffe und bin nun einiges schlauer und habe ein sauberes Bad. Ich schließe das Bad putzen gerne mit einer Dusche für mich ab, ich sprühe die Dusche von innen en und schrubbe dann mit einem Mikrofasertuch rum, dann ziehe ich mich aus und steige in die Dusche, brause alles (nicht mich!) richtig heiß ab und dann dusche ich ganz normal, nur dass ich am Ende halt alles nochmal trocken überwische (das mache ich nicht bei jeder Dusche). Ich bin also am Ende auch sauber und fühle mich jetzt wieder wie ein neuer Mensch.

    Es folgt ein Brotpäuschen mit Herrn Rabe, wir schnacken noch ein wenig und dann gehe ich auch schon wieder los, die Kinder abholen. Wenn wir die Zeit haben, müssen die ja nicht bis ultimo in ihren Betreuungseinrichtungen sein.

    Mit Michel zusammen zum Kindergarten gehen dauert etwa doppelt so lange wie ohne. Ich besteche ihn, indem ich eine Kinderzeitschrift in Aussicht stelle, wenn wir es ohne viel Gemecker den Berg hoch schaffen. Michel geht daraufhin die meiste Zeit an meiner Hand, beklagt sich nur zwei mal ganz leise über schmerzende Füße und erzählt sonst allerhand Geschichten. Zum Beispiel ist er magnetisch, und weil die Erde ja auch ein großer Magnet ist, kann er nicht fliegen. Das Ent-magnetisieren dauert ein Jahr. Sagt er.

    Wir holen Pippi ab und mir werden noch so viele Bastel- und wasweißichzettel in die Hand gedrückt, dass ich auf dem Weg raus erst die Hälfte vergesse und dann die andere Hälfte fallen lasse. Das ärgert mich, weil ich jetzt dann doch ganz gern wieder nach Hause möchte. Seit eineinhalb Stunden bin ich inzwischen unterwegs. Aber wir müssen noch einkaufen. Ich kaufe drei Paprika und eine Kinderzeitschrift und vergesse die Zahnpasta für Michel. Tja.

    Zu Hause hat Pippi schlechte Laune und nervt Michel beim Hausaufgaben machen. Der ist eh schon so schluderig dabei, dass ich ganz viel atmen muss. Irgendwann ist er aber fertig und Herr Rabe ist dabei zu kochen. Ich vergesse (tatsächlich) die Regel, dass es erst nach dem Essen Fernsehen gibt und lasse die Kinder Kinderfernsehen anmachen. Ich bin so müde, dass ich dabei fast einschlafe, aber nur fast, weil immer wenn meine Augen zufallen die 5-Minuten-Episoden von Grizzy og lemen zu Ende sind und ein Streit entbrennt, welche als nächstes geguckt werden soll. Dann erfahre ich, dass die Spice Girls nächstes Jahr auf Tour gehen und bin gar nicht mehr müde, sondern spinne mit meiner Twitter-Timeline herum, dass wir uns doch in Edinburgh treffen könnten. (Liebe Timeline: ich meine solche Schnapsideen meistens ernst! *zwinker, zwinker*)

    Es gibt Essen und die Kinder mögen es natürlich nicht. Pippi ist außerdem übermüdet und in ätzender Laune. Es ist wie es ist, aber halt nicht schön. Irgendwann brechen wir ab und wollen die Kinder ins Bett stecken. Plötzlich hat Pippi Hunger. Sie isst im Bad eine halbe Banane und dann bringe ich sie ins Bett. Schon bei den letzten Seiten im Peppa Pig-Buch atmet sie auffällig ruhig. Danach dreht sie sich um und schläft innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend (wegen der Erkältung). Puh. Kurz döse ich auch ein, aber ich habe mir einen Wecker gestellt, werde geweckt und stehe auf. Räume unten den Tisch ab, bekomme von Herrn Rabe Gesellschaft, der spült und wir legen gemeinsam noch die Wäsche zusammen. Ich rege an, den Schrank endlich fertig in die Küche umzuziehen, da stand das untere Teil jetzt eine Woche und das Oberteil aber im Wohnzimmer und dann machen wir das „mal eben“. Das Ding ist so sauschwer und zudem unhandlich, dass ich, ganz tief in der Hocke sitzend, mit dem Schrank in den Händen einfach nicht hochkomme. Meine Beine sind nicht stark genug (jedenfalls nicht nach knapp 20.000 Schritten und 30 Minuten beinlastigem Workout heute). Herr Rabe muss also den Schrank auf meiner Seite erst auf einen Hocker stützen und dann seine Seite hochheben. Die letzten 30 cm Höhenunterschied schaffen wir dann wieder gemeinsam und jetzt steht dieser Schrank da bitte bis zum Auszug. Uff.

    Nun: Bloggen und Katjes Kinder essen. Gleich: Ru Pauls Drag Race Makeover Challenge zu Ende gucken. Dann Bett.