Tag 140 – Bielefeld Tag 17 – Update

Mit der besten Freundin war es sehr schön. Zuerst waren wir alle vier da, dann verzogen sich Herr Rabe und das Kind zu Oma (die wünscht sich mehr Zeit mit den Kindern, naja, man kann nicht alles, also alle Kinder haben, die voll gestillten zum Beispiel müssen halt machen, was ich mache) und wir machten Mädelsabend. Wir gingen erstmal essen, das Baby schlief kurz in der Trage, wachte aber noch vor Ende des Essens auf und war dann nörgelig. Wir aßen noch ein Joghurteis mit Ahoi-Brause, das machen wir immer, wenn wir da essen, dann machten wir einen langen Spaziergang, damit Nöckel-Baby wieder einschlafen konnte. Wieder bei der besten Freundin angekommen gab es ein Dosenbier vom Feinsten für jede, die wollte (also mich und sie), das Baby wachte auf, sobald ich auf dem Sofa saß und durfte dann an seinen Füßen spielen, wir schnackten und hatten einen ganz schönen Abend. Trotz Nicht-Besäufnis (da muss man bei der besten Freundin immer aufpassen, das artet schnell aus und NIEMAND auf diesem Planeten kann mit ihr mithalten) und Lange-nicht-gesehen. Irgendwann waren Herr Rabe und das Kind dann bei Oma fertig mit Schlafi-Party und Schlupp vom Grünen Stern-gucken und holten mich ab, am Telefon folgender denkwürdiger Dialog:

Ich: „Schläft das Kind?“

Herr Rabe: „Nö.“

Kind: „Doch!!!“

Jetzt liegen wir alle im Bett, das Kind seufzt ab und an vor sich hin („Film gucken…“) und das Baby ist doch noch mal eingeschlafen. Das werde ich jetzt auch tun, nächste Verabredung ist morgen zum Frühstück. 

Tag 140 – Bielefeld Tag 17 – Sozialising

Meine liebe Ex-Kollegin T. war zu einem (mehreren) laaaangen Kaffee da. Das war sehr schön, wir tauschten uns aus über deutsche/norwegische Kindergärten (ich bin nicht sicher, ob ich meine Kinder auch in Deutschland guten Gewissens ab 1 in eine KiTa geben würde) und den neuesten Tratsch aus der (Ex-)Firma aus. Dortselbst ist wohl alles beim Alten, der eine Abteilungsleiter sehr beschäftigt und viel unterwegs, der andere Abteilungsleiter menschenscheuer Choleriker, der Chef jovial-frauenfeindlich, QA nervt. 

Jetzt zur besten Freundin, mit der ist es zur Zeit kompliziert und ich weiß nicht, was der Abend noch so bringen mag, deshalb jetzt schon mal schnell und später vielleicht noch mal, das muss ich mal sehen.

Tag 139 – Bielefeld Tag 16 – Von Pferden und Blumen

Heute war ein sehr schöner und nach dem ganzen Familientrara auch sehr erholsamer Tag. Nach dem Aufstehen und Frühstücken bekamen wir Besuch von meiner Studienfreundin C. samt Mann und Kind (nämlich des Kindes allerbester Superkumpel M.) und Herrn Rabes Schulfreundin S. samt Mann und zwei Kindern: L. und N. L. ist genauso alt wie das Kind, M. wird jetzt bald drei und N. ist 1, kann grade so an der Hand laufen und ordentlich stinkende Windelinhalte produzieren, war aber ansonsten am Vormittagsprogramm noch uninteressiert: Ponyreiten. Meine Schwägerin hat nämlich Shetlandponys. Die Jungs waren total wild drauf, die Pferde zu sehen und zu füttern und zu streicheln und als es dann hieß, wir könnten die sogar reiten und auf einen Ausflug mitnehmen, war natürlich die Freude groß. Das Kind ließ sich am kürzesten bitten und wollte sofort auf das Pony, das erstaunte mich ehrlich gesagt ein bisschen, die letzten Konfrontationen mit echten Pferden liefen nämlich eher so mittelgut, weil das Kind einfach noch Angst hatte. Aber jetzt stimmte wohl das Verhältnis von seiner zu der Körpergöße des Pferdes und es war hellauf begeistert. L. Wollte erst kurz nicht und dann doch auf das zweite Pony und M. traute sich nicht recht, was dann aber ja sogar ganz gut war, so gab es wenigstens keinen Streit. Und dann machten wir einen Spaziergang über Feldwege und an Bauernhöfen entlang, das Baby und N. schliefen in ihren Gefährten, M. wurde von seinem Vater getragen und pflückte zwischendurch eine Blume für das Kind, das Kind und L. ritten und alle hatten eine schöne Zeit. Nach dem Spaziergang verteilte M. Bananen an die Kinder, darauf waren auch die Pferdchen ganz scharf, aber die hatten wir ja am Halfter. Das Kind bat mich, seine Blume kurz zu halten, zu Gunsten des Banane essens. In dem Moment versuchte das eine Pony ziemlich frech nach der Banane zu schnappen, die zog ich weg und hielt ihm gedankenverloren die Blume als Ersatz hin, Zack, Blume weg. Die darauffolgende Krise und große Verzweiflung über die zerstörte Blume ließ sich nur durch das Finden eines Spielzeugtraktors auflösen. (Und die anderen Muttis so: „Schön, dass sie doch irgendwie alle gleich sind.“)

Danach waren wir noch im Tierpark mit C. und A. und M. und danach essen und ich schätze, das Kind und M. werden mal heiraten. Immerhin ist M. das erste andere Kind, das vom Kind aus freien Stücken und auf eigene Initiative hin gedrückt wurde, das muss einfach ein Zeichen sein!

Was ganz anderes: die hoch verehrte Frau Brüllen hat mich in ihrem Jahresrückblick (ich trau es mich kaum zu schreiben) als ihren Lieblingsblog des Jahres auserkoren und seitdem muss ich beim Blick in meine Statistiken immer hysterisch lachen. Falls auch Sie hier neu sind: Willkommen! Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause und entschuldigen Sie das Chaos, so sieht es in meinem Kopf eben aus. 

Tag 138 – Weihnachten in Tweets.

Meh. WordPress hat das hier einfach gelöscht. Es war schön und lustig, aber es ganz rekonstruieren schaff ich wohl nicht mehr. Tja, den Rest kann ich wohl vergessen. (Ich weiß noch: Schwiegermutter und Opi haben dauernd Mundharmonika gespielt. Und bei den Schwiegereltern wurde die ätzende Rolf Zuckowski-CD rausgeholt.)

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Tag 137 – Bielefeld Tag 14 – 2. WFT

Puuuhhhh. 

Es ist ja so schön, dass ich noch Großeltern habe. Und ich hab sie auch so lieb. Aber ein Tag Pause für meinen Migränegeschundenen Kopf wäre irgendwie nett gewesen. Jetzt fühle ich mich leer und emotional ausgepumpt und will ins Bett und nur noch schlafen, drei Tage lang. Die Kinder auch, glaube ich*. 

Und wie zur Hölle sollen all diese Geschenke nach Norwegen kommen??? 

(Auch: welchen Teil von „Wir kommen mit dem Flugzeug, Geschenke sollten leicht und klein/gut zu transportieren sein.“ verstehen die Leute denn nicht?)

Morgen gibts einen ausführlichen Weihnachtsbericht, versprochen. Ich weiß, das hab ich vorgestern auch gesagt, aber naja. Diesmal echt: morgen. 

*Das Baby hat gestern 2 h hysterisch herumgebrüllt als ich gerade eingeschlafen war und war durch nichts zu beruhigen. Stillen wollte es nicht, herumgetragen werden wollte es nicht, schlafen konnte es nicht. Wand und bog sich im Arm. Das einzige was halbwegs ging, war nackt auf dem Rücken liegen und mit den Füßen spielen lassen. Das übernahm Herr Rabe, der konnte mein leidendes Gesicht (Migräne und Babygeschrei im Ohr ist keine soooo angenehme Kombi…) nicht mehr sehen. Irgendwann ging es wieder, aber bis dahin war es echt, echt schlimm. Armes kleines Mäuschen! Heute morgen wurde dann vier mal mit viel Gebrumm die Windel gefüllt, danach war gute Laune. 

Tag 135 – Bielefeld Tag 11 – Verpackungswahn

Die letzten Besorgungen gemacht. Ultra voll in der Stadt. Weder weiße Strumpfhose für mich noch fürs Baby bekommen. Baby hat jetzt Einkackungsverbot. Dafür hat das Baby auch Rossmann-Größe-4-Aktiv-Action-Dingens-Superweich-Rundum-Auslaufschutz-Windeln. Danke an Herr Paul für den Tipp, die riechen echt nicht so stark, sind viel weicher und es gibt Probepacks! 

Essen eingekauft, für Oma (also meine Mutter) gleich mit, die wollte das morgen früh machen, da bin ich zu panisch für.

Bei Oma den Rotkohl angesetzt, dann am Möbelschweden Weihnachtsbaum für Oma gekauft (wollte sie auch morgen machen), beim Möbelschweden gegessen weil völlig vergessen für heute was einzukaufen, bei Oma den Baum aufgestellt, nach Hause gefahren. 

Auf demWeg die Fotobücher von den Schwiegereltern abgeholt, wohin sie heute geliefert worden waren. 

Ebenfalls auf dem Weg getankt. Dabei verrückter Weise Preisdifferenzen von 17 Cent von Tankstelle zu Tankstelle und an der selben Tankstelle 15 min später beobachtet. Hoffentlich für den günstigen Preis getankt, Verifizierung steht noch aus. 

Zu Hause Einkäufe verräumt, Fotobücher-Qualitätskontrolle durchgeführt, drölfzig Geschenke verpackt. 

Jetzt ab ins Bett. 

„Einmal werden wir noch wach…“

Tag 134 – Bielefeld Tag 10 – Die Ente

Es ist ganz verrückt, was hier und auf Twitter abgeht wegen des Textes von gestern. Und das meine ich im überaus positiven Sinne. Ich war gewappnet für ein Shitstörmchen und bekomme viel Flausch, sachliche und konstruktive Kritik und erfahre, dass nicht nur wir uns eben so durchwurschteln. Das tut sehr gut, gerade vor Weihnachten. Hachz.


 

Was ganz anderes: Ich habe heute online eine Brille bestellt und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Es wurde das Modell, das von allen favorisiert wurde (auch wenn es gegenüber den anderen dreien etwas langweilig rüberkam zunächst, die anderen waren viel bunter und fancyer…), obwohl Herr Rabe zu Recht bemerkte, dass es einen Schatten auf meiner Nase macht. Da ich gehört habe, dass bei Astigmatismus die Positionierung der Gläser im Rahmen total wichtig ist, habe ich den Optiker gezwungen darum gebeten, meine Pupillenposition in dem Gestell auszumessen und hoffe, dass das klappt. Dann noch fix die Gestelle zurückgeschickt und dann sollte Anfang des Jahres die neue Brille zum Spottpreis da sein. Keine Ahnung, wie deren Geschäftsmodell funktioniert, ich hoffe, es ist keine krasse Ausbeutung.


 

Das Kind hat heute auf dem Spielplatz eine imaginäre Ente vor einem imaginären Hai gerettet und passt seitdem darauf auf. Wenn die Ente schläft, werden wir alle angeschnauzt, dass wir leise sein sollen. Fällt die Ente herunter, legt sich das Kind auf den Boden und wartet, bis die Ente wieder auf die Hand gekrochen ist (ja, es ist eine sehr kleine Ente, gerade erst aus dem Ei geschlüpft). Ist die Ente wach, kann man ihr Hallo sagen, „Aber vorsichtig, Mama! Ente Angst sonst!“. Das alles beeindruckt mich ziemlich, das erfordert schließlich einiges an Phantasie und außerdem IST DAS SO UNGLAUBLICH SÜß, DASS MEIN HERZ DIE GANZE ZEIT PLATZT!!1!

Hust. Geht schon wieder. Aber ES HATTE DIE ENTE NOCH NACH DEM EINSCHLAFEN IN DER HAND <3 <3 <3

Tag 133 – Warum wir kein Attachment Parenting machen

Bevor Sie jetzt gleich alle über mich herfallen: Der Titel könnte besser heißen „Warum wir kein echtes AP machen“ oder „Warum wir keine Vollblut-AP-Eltern sind“ oder „Warum wir uns nur die Rosinen aus dem AP herauspicken“, aber das wären dann ziemlich lange und unhandliche Titel. (Und manchmal provoziere ich auch gerne.)

Erstmal will ich klarstellen, dass alles was ich hier schreibe meine Meinung ist. Keine Empfehlung, ich will auch keinen, der irgendwie anderer Meinung ist, angreifen oder sonst was. Im Gegenteil. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen und so handeln, wie sie denken, dass es das Beste ist. Ob man sich nun aufopfert oder seine Ressourcen schont und rigoros Me-Time einfordert: solange es allen Beteiligten damit gut geht, sollten sich alle Unbeteiligten öfter mal in Zurückhaltung üben, was Meinungsäußerung angeht.

Ich sage an dieser Stelle auch ganz deutlich: Ich habe bisher NULL Erziehungsratgeber gelesen, weder von Sears noch Juul noch sonst wem, weiß also nichts aus erster Hand. Ich vertraue Wikipedia und (mehr) den dort zitierten Quellen, manchen Blogs und keinen Foren. Falls ich hier sachlichen (!) Stuss schreibe oder falsch zitiere, bitte ich Sie darum, mich darauf hinzuweisen.

Zunächst mal zum Attachment Parenting selbst: Wikipedia sagt, es handelt sich dabei um eine vom Kinderarzt William Sears entwickelte oder geprägte Erziehungslehre, die darauf abzielt, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Hierzu soll die Mutter auf jedes Signal des Säuglings achten und reagieren, denn jedes Signal werde, so Sears, aus einem Bedürfnis heraus gegeben. Der Begriff Attachment Parenting wird deshalb sowohl mit Bindungsorientierte als auch Bedürfnisorientierte Erziehung übersetzt.

Zu den Grundlagen des AP gehören Sears‘ „7 Bs“:
– frühes Bonding nach der Geburt durch Körperkontakt zwischen Mutter und Kind
– Stillen (Breastfeeding) nach Bedarf
– Tragen (Babywearing)
– Gemeinsames Schlafen (Bed sharing)
– Beachtung der Signale des Kindes (Belief in babys‘ cries)
– Vorsicht vor Babytraining (Beware of baby trainers), gemeint ist hier vor allem Schlaftraining
– Balance und Grenzen (Balance and boundaries), gemeint ist Wissen, wann ein Ja und wann ein Nein angebracht sind

All das klingt erstmal nicht wirklich verwegen und schon gar nicht verwerflich. Und zumindest von dem, was ich aus Wikipedia erfahre, ist Sears‘ „reine Lehre“ auch etwas, mit dem ich mich anfreunden könnte. Bonding nach der Geburt ist für mich selbstverständlich und ich musste auch bei keiner Geburt darum bitten, Hautkontakt zu meinem Baby zu bekommen. Das mag natürlich bei einem Kaiserschnitt anders aussehen, aber darauf hat Frau ja nicht viel Einfluss (bzw sprengt das hier total jeden Rahmen, wenn ich das Kaiserschnittfass jetzt auch noch aufmache). Getragen habe ich beide Kinder von Anfang an viel, zum Einen weils schön ist und beide Kinder das mögen, zum Anderen weils einfach total praktisch ist mitunter beide Hände frei zu haben. Haushalt und nebenher den Kinderwagen schuckeln ist halt doch eher schwierig. Stillen hat bei beiden Kindern von Anfang an sehr gut geklappt und ich Stille gerne, mal sehen, wie lange noch. Das Kind hätte ich gerne länger gestillt, aber es wollte das nicht und stillte sich früh selbst ab. Das Familienbett haben wir ja mehr oder weniger unfreiwillig dadurch dass das Kind irgendwann nachts in unser Bett kriecht und das Baby sein Beistellbett nicht mag. Und nachts aufstehen, durch die halbe Wohnung tapern, irgendwo sitzen, frieren und stillen, und das ganze mehrmals? Bei aller Liebe: Nein. Das Kind könnte gerne in seinem eigenen Bett durchschlafen, das gebe ich zu. Aber solange es nicht ist, ist es nicht. Für echtes Schlaftraining ist es wohl zu alt und als es im richtigen Alter war, hätte ich es nicht übers Herz gebracht. Denn ja: ich glaube an das Weinen meiner Kinder. Sie weinen nicht aus Spaß oder um uns zu manipulieren, sondern weil „etwas ist“. Klar, das kann auch Frust darüber sein, dass wir keine Kinderzeitschrift mit Flugzeug gekauft haben, aber das ändert ja nichts daran, dass der Frust real ist. Und da sind wir auch schon beim Grenzen setzen: Konsequent*, Nachvollziehbar** und Klar*** werden Grenzen gesetzt und kommuniziert. Und Dinge, für die wir keine wirklich guten Gründe haben, werden auch nicht einfach verboten****.

Insgesamt könnte man also meinen, wir wären voll die Attachment Parenter, wenn wir auch manches nicht gerade aus Überzeugung tun, sondern aus Notwehr oder Faulheit und wenn ich manches auch durchaus als Glückssache ansehe, wie keinen Kaiserschnitt gehabt zu haben oder kaum Stillprobleme zu haben. Aber ich würde mich nicht so bezeichnen. Aus zwei Gründen.

Bindungsorientiert. Bin ich nicht. Und Bedürfnisorientiert. Bin ich auch nicht.

Natürlich ist mir eine gute Beziehung zu meinen Kindern wichtig. Ich weiß, dass ein gesundes Urvertrauen für die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit wichtig ist. Aber ich würde nicht alles dafür tun meine Kinder an mich zu binden oder mich an sie. Ich bin nicht gemacht für Symbiotische Beziehungen, das schränkt mich in meiner Persönlichkeit zu sehr ein und weil ich selbst so ticke könnte ich mir auch bei meinen Kindern nicht vorstellen, dass sie mich für das Zentrum ihres Universums halten. Damit meine ich ausdrücklich keine Säuglinge! Und eine Weile, also ziemlich genau die Säuglingszeit, kann ich auch mein Freiheitsbedürfnis soweit zurückschrauben, dass Dinge wie Stillen nach Bedarf, Nächte mit wenig bis kaum Schlaf, kaum Paar-Zeit und seltenste Ich-Zeit überhaupt möglich sind. Aber ich bin keine SAHM, mich langweilt das Zusammensein mit kleinen Kindern (ja, auch meinen eigenen) nach einer Weile zu Tode. Ich will arbeiten, ich will Sport treiben, ich will mal ein Wochenende weg können. Und solche Zeiten sollen nicht die Hölle auf Erden für meine Kinder sein. Deshalb finde ich wichtig, dass sie frühzeitig auch stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. In erster Linie natürlich dem Vater, aber auch in einem guten Kindergarten können Kinder, meiner Meinung nach, ganz wunderbare Bindungen an ihre BetreuerInnen eingehen. Wenn ich jetzt aber als Mutter nur meine Bindung zu den Kindern im Kopf habe, erschwere ich doch automatisch anderen Bezugspersonen, eine ebenso stabile und innige Beziehung zu den Kindern aufzubauen.

Ähnliches gilt auch für die Bedürfnisorientierung. Elementare Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Müde, Klo werden natürlich umgehend erfüllt. Aber schon bei Müde geht es los und dann bei Nähe, Ruhe, Entertainment weiter: Je nach Alter des Kindes können und müssen manche Bedürfnisse manchmal warten. Wenn ich grade selbst aufs Klo muss, kann ich dabei schlecht ein Baby in den Schlaf schuckeln. Wenn ich Hunger habe und esse, kann ich nur mäßig gut einen Dreijährigen auf dem Schoß gebrauchen, der kuscheln aber gleichzeitig auch spielen und herumzappeln will. Während ich das Baby stille, kann ich keine Brote schmieren oder das Kind aufs Klo setzen. Hier gilt es, die Bedürfnisse von mehreren Familienmitgliedern gegeneinander abzuwiegen, sodass alle Bedürfnisse bestmöglich befriedigt werden. Natürlich kann ich besser und länger den Klogang herausschieben als ein Dreijähriger. Aber wiegt sein Bedürfnis nach „Essen jetzt sofort“ schwerer als mein Bedürfnis nach „Familienabendbrot in 20 Minuten“? Was ist mit meinem Schlafbedürfnis? Ja, ich kann auf Schlaf verzichten, Kaffee machts möglich, Concealer machts unsichtbar, aber nichts macht es schön oder einfach. Und ich mache viele, viele Kreuze, wenn das nächtliche Stillen seltener wird. Wenn das Baby in seinem eigenen Bett schläft. Wenn beide Kinder durchschlafen. Ich werde dann nicht denken: Ach, was war das schön, als noch alle auf mir drauf lagen nachts. Das kommt dann vielleicht später, wenn wir uns mit Pubertätsproblemen herumschlagen, aber erstmal werde ich mich quer in mein Bett legen und zehn Stunden am Stück schlafen. Weil ichs kann. Und weil es für mich nichts besseres gibt als Schlaf. Den Schlafentzug kann ich nur ertragen, weil er temporär ist. Und als das Kind eineinhalb war, ca. eineinhalb Stunden zum Einschlafen brauchte und dann immernoch im 2-Stunden-Takt wach war, habe ich Schlaftraining gegoogelt. Allein das googeln brachte die ersehnte Besserung und das Kind schlief fortan etwas besser ein und etwas länger am Stück, aber seitdem denke ich: Schlaftrainings haben ihre Daseinsberechtigung. Manche Eltern sind wirklich am Ende ihrer Kräfte. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für die viel propagierte Schädlichkeit von Schlaftrainings (für die „Wirksamkeit“ von Attachment Parenting übrigens auch nicht). Niemandem wird es wohl leicht fallen, ein Schlaftraining durchzuziehen, denn niemand hört gerne sein Kind schreien. Was Eltern, die keinen anderen Ausweg mehr wissen, sicherlich am wenigsten hilft, ist sie dafür noch zu verurteilen und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen.

Und da sind wir beim Kernproblem, was ich mit Attachment Parenting habe: Die Eltern, die Attachment Parenting betreiben und einem das als Nonplusultra der Kindererziehung oder als Geheimrezept oder Garant für easy Säuglinge oder gut „erzogene“ (Klein-)Kinder verkaufen wollen. Denn ich glaube, dass Menschen mit Charaktereigenschaften geboren werden, die man nicht mal so eben ändern kann. Aus einem sehr fordernden Baby kann auch die entspannteste Mutter kein Schlafbaby zaubern. Aus einem Baby, das gern alleine ist, kann man auch durch noch so viel Tragen und Familienbetten keines machen, das nicht weiterhin lieber im Kinderwagen als im Tragetuch schläft. Ein Kind, das sehr viel Nähe braucht wird dann vermutlich in der einen Stunde, in der man es nicht trägt, trotzdem unzufrieden sein, denn es reflektiert ja auch nicht „Ach, Mama hat mich ja heute schon vier Stunden getragen, dann spiele ich jetzt mal eine Weile hier zufrieden auf dem Boden, während sie duscht.“ In diesem Artikel ist das etwas ausführlicher beschrieben, was ich meine. Gestern habe ich auch schon einen Artikel von Susanne Mierau verlinkt, der etwas ähnliches ausdrückt. Leider scheint die Attachment Parenting-Community recht dogmatisch drauf zu sein, und da geht es plötzlich um so viel mehr als nur Sears‘ 7 Bs: Natürliche Geburt, Windelfrei, Baby Led Weaning, Homeschooling, Homöopathie (und bloß keine Impfungen!), you name it, they’ve got something to say about it (und wenn dein Kind nicht so „funktioniert“ wie gewünscht, machst DU was falsch!). Und das kann ich nicht leiden. Fertig aus.

Zusammenfassend kann man wohl sagen: Hieße es anders und beschränkte es sich auf Sears‘ Thesen und fände ich undogmatische, lockere andere Eltern, die sich nicht gegenseitig verurteilen fürs anderer Meinung sein, könnte ich mich mit Attachment Parenting durchaus identifizieren. So wie es aber von vielen gedeutet und vertreten wird, nicht.

Dieser Artikel ist auf Anregung durch Frau Chamailions Blogparade entstanden. 

 

*, ** und ***: Alle Eltern wissen, dass das eine glatte Lüge ist. Niemand ist immer zu 100 % Konsequent, nachvollziehbar oder klar. Aber wir bemühen uns und ich schätze uns so jeweils bei 80-95 % ein. Am wenigsten sind wir wohl konsequent (Nutella nur am Wochenende…) aber wir arbeiten wirklich an uns.
**** Also nur selten (Geh da nicht ran, da drin ist, ähhhh…, lass einfach die Finger davon.).