Tag 104 – WiB 21./22. November 2015

Mal wieder ein Wochenende in Bildern. Wundern Sie sich nicht, wir waren ziemlich faul dieses Wochenende. Aber das ist ja auch ab und an mal sehr schön.

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Los geht es mit Samstagmorgenfrühstück, nachdem uns die Kinder bis 09:15 Uhr haben schlafen lassen. Für mich gibt es Apfel- statt Orangensaft. Vielleicht sind es ja die Orangen, die den nach wie vor manchmal roten Po des Babys verursachen? Gut ist allerdings, dass ich Multbeerenmarmelade in günstig gefunden habe. Mjammi.

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Das Baby übt fleißig Greifen am Spieltrapez und erzählt dabei dem Bärchen was. Es bedarf all meiner Selbstbeherrschung, es nicht aufzufressen abzuknutschen.

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Herr Rabe hat die Kinder geschnappt und läuft mit ihnen zum Bastelladen, Kram kaufen um für Opa eine Geburtstagskarte zu basteln. Ich muss für meine Statistikprüfung lernen.

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Wieder da, das Kind hat erstmal Hunger und besteht darauf, dass ich seinen kulinarischen Hochgenuss fotografiere. Nudeln an Nichts mit einem Topping aus geschäumter Luft.

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„Guck, Mama, so dick ist mein Bauch jetzt!“

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Die neue Fingerfarbe muss natürlich ausprobiert werden. Hier wird ein Dranhänger gemalt. Das Kind fand es am besten, sich mit der Farbe die Hände gründlich einzucremen.

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Kaffee für Herrn Rabe, der vom Baby auf dem Sofa immobilisiert wird.

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Die Brötchen für morgen früh sind fertig (Spoiler: Herr Rabe wird vergessen, sie nochmal aufzubacken, deshalb werden sie nicht ganz so knusprig sein. Aber lecker.), diesmal Kartoffel-Dinkel-Brötchen weil ich noch so viel Dinkelmehl hab.

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Zum Abendessen gibt es vegane Spinatquiche, die etwas mehr Stärke hätte vertragen können, aber trotzdem sehr lecker ist. Danach gehen wir quasi direkt ins Bett, es ist aber auch schon recht spät.

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Sonntag ist „Sendung mit der Maus“-Tag*.

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Das Baby macht dabei noch ein Schläfchen und sieht sosososo niedlich aus.

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Sehr viel später (was haben wir eigentlich dazwischen gemacht???) sind Herr Rabe und das Kind draußen im Schnee spielen. Ich lerne, esse den Rest Quiche und bewache das Baby, das abgelegt nur auf dem Bauch schlafen mag.

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Ah, jetzt weiß ich wieder was wir dazwischen gemacht haben. Keksteig. Aber der musste dann eh erstmal in den Kühlschrank. Hier hilft mir das Kind wirklich ganz toll und überraschend ausdauernd beim Kekse backen. Dabei singen wir O Tannenbaum und O Pupsbaum. Richtig schön ist das.

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Das Kind ist schon im Bett, morgen ist ja Kindergarten. Herr Rabe und ich essen Rømmegrøt, das ist so eine Art Mehlbrei mit saurer Sahne. Muss man mögen, Ich finds geil. Es sättigt auch ungemein, sodass ich nach dieser Portion (und höchstens 5 Probierplätzchen!) fast platze.

Soviel von uns, mehr Wochenenden in Bildern finden Sie wie immer bei Susanne von Geborgen wachsen. Und ich gehe jetzt ins Bett. Obwohl nein, in zwei Minuten genau wird das Baby vier Monate alt. Da trink ich noch ein alkoholfreies Bier drauf.

 

*So wie jeden Tag. Danke, ARD-Mediathek.

Tag 103 – Deutschland!

Das Kind hat eine zutiefst verstörende Angewohnheit. Bzw. hatte, jetzt macht es das nur noch um uns zu ärgern oder zum Lachen zu bringen, ich bin da nicht so sicher, was dahinter steckt.
Es begann so etwa im Mai, da konnte ein ganz normales Gespräch beim Abendbrot ungefähr so aussehen:

Herr Rabe: „…und dann haben wir beim Norwegischkurs über Kinderbücher gesprochen und ich hab erzählt, dass wir zu Hause auch Den Lille Larven Aldrimett…“
Kind: *wirft blitzschnell ein ohne vom Teller aufzusehen* „Deutschland!

oder auch

Ich: „Das Kind hat ein neues Wort gelernt: Hestebæsj.“
Kind: „Deutschland!

oder auch

Herr Rabe: „… und da musste ich erstmal überlegen, was das denn jetzt auf norwegisch…“
Kind: „Deutschland!

(Das erinnerte uns beide an die Folge „Schottys Kampf“ aus der großartigen Serie „Der Tatortreiniger“. Da gibt es nämlich einen strunzdoofen Neonazi namens Bombe, der dauernd wie ein Stoßgebet „Deutschland!“ vor sich hin murmelt. Leider finde ich grad keinen Ausschnitt bei YouTube. Gucken Sie einfach die ganze Folge, lohnt sich!) 

Man sollte dazu vielleicht sagen (Ich hoffe nicht, dass man das muss!) dass wir wirklich nullkommagarnix von Deutschtümelei halten. Ich finde das norwegische mit-Flaggen-Gewedel befremdlich und Ansammlungen von deutschen Flaggen lösen bei mir spontanen Würgereiz aus. Allenfalls haben wir einen sehr begrenzten Lokalpatriotismus vorzuweisen, der sich hauptsächlich in der reflexhaften Verteidigung unserer Heimatstadt und in der festen Überzeugung, dass Dr. Oetker den besten Tütenpudding macht, äußert. Aber Deutschland? Neenee. Nee. Überhaupt kein Land. Norwegen auch nicht. Punkt.

Dementsprechend fanden wir das touretteartige Ausrufen von „Deutschland!“ auch reichlich verwirrend und leicht abstoßend. In der Öffentlichkeit unfassbar peinlich. Man stelle sich vor, wir sind irgendwo, bestellen Kaffee, und das Kind blökt plötzlich los: „DEUTSCHLAND!“. Ein Loch tue sich bitte in der Erde auf und verschlucke mich umgehend!

Nach mehreren Wochen hatten wir endlich den Zusammenhang verstanden: Das Kind konnte noch nicht unterscheiden zwischen dem Land Deutschland (da wo Oma wohnt und alle anderen auch…) und der Sprache Deutsch. Es wollte mit seinem Zwischenruf nur ausdrücken, dass es jetzt verstanden hatte, dass Norwegisch* und Deutsch unterschiedliche Sprachen sind, die je nach Kontext gesprochen werden, aber über die wir auch oft sprechen. Puhhh.

Und so machten wir uns an die mühselige Aufgabe, dem Kind den Unterschied zwischen einem Land und einer Sprache zu verklickern. Und dass wir es gutheißen würden, wenn es das „Deutschland!“-Rufen auf zu Hause beschränken könnte.

 

*“Neu-e-isch“, nur falls Sie sich fragen.

Tag 102 – Der Schnuller

Ich wage es kaum zu schreiben, aber das Kind braucht keinen Schnuller mehr. Es hatte ja den Schnuller am zweiten Tag seines Lebens bekommen, nachdem es eine komplette Nacht wie bekloppt an mir herumgesaugt hatte und ich einfach nur dankbar für alles war, was mir eine Stunde Schlaf ermöglichte. Tja und seitdem war es halt druff.
Meistens fand ich das mit dem Schnuller auch sehr praktisch. Nächtliches Gemecker? Schnuller rein, Kind schläft weiter. Gezeter im Supermarkt? Schnuller rein, böse Blicke abgewendet. Der fiese Arzt hat in den Finger gepiekt? Schnuller rein, schnell vergessen. Sie erkennen das Muster.
Bloß nachkaufen und abkochen ist halt nervig mit Schnullern. Und die Panik wenn man irgendwo ist und feststellt, man hat den Schnuller vergessen. Das ist aber selten passiert und das Abkochen haben wir mit zunehmendem Alter des Kindes auch mehr und mehr schleifen lassen. Insgesamt würde ich mich definitiv zu den Pro-Schnuller-Menschen zählen und finde es nach wie vor schade, dass das Baby sich mit Schnullern nicht so richtig anfreunden kann. Wobei es mittlerweile auch egal ist, dann entfällt wenigstens das nervige Abgewöhnthema.
Mindestens seit einem Jahr, also seit das Kind zwei war, haben wir nämlich immer mal wieder drüber gesprochen, dass das mit dem Schnuller jetzt mal bald beendet sein sollte. Wegen des Kiefers und wegen Karies und überhaupt brauchen so „große“ Kinder doch keinen Schnuller mehr. Wir hatten aber beide den Eindruck, das Kind brauche das eben doch noch. Und wir hatten – ich frisch wieder schwanger und zum Umfallen müde – beide keinen Bock auf nächtlichen Terror wegen des Schnullerentzugs, wo doch gerade endlich eine für alle zufriedenstellende Schlafsituation eingekehrt war. Also gut, dann etwas später, sagten wir uns. Dann zogen wir um, die neue Wohnung und das alles, das war so fremd und wir wollten das Kind nicht überfordern. Also durfte es weiter Schnullern. Der Bauch wuchs immer weiter, das Kind begann zu begreifen, dass da ein Baby drin war, das bald mit uns leben würde. Es stand ein Kindergartenwechsel an. Das Kind brauchte tagsüber keine Windel mehr. Wieder so viele neue Sachen: Ach komm, lass dem Kind den Schnuller, es ist eh schon so viel Neues. Und schon stand der dritte Geburtstag vor der Tür und es zeigte sich auch ein beginnender Überbiss. Ich hoffte deshalb auf den Zahnarzttermin, den Kinder hier mit drei Jahren erstmalig haben. Vielleicht, wenn die Zahnärztin sagt, dass das mit dem Schnuller aufhören muss? Nein, tat sie nicht. Trotzdem beschlossen wir, dass wir keine neuen Schnuller mehr kaufen würden und teilten dies dem Kind mit. Eigentlich benutzte es den Schnuller zu diesem Zeitpunkt schon nur noch zum Einschlafen und manchmal als Tröster bei Aua und Traurig. In den neuen Kindergarten nahm es keinen Schnuller mehr mit. Das Kind schien unsere Entscheidung zu akzeptieren und schmiss trotzdem immer mal wieder Schnuller weg, weil sie kaputt waren (scheinbar kann man sich an nem zerkauten Silikonschnuller prima die Zunge einklemmen) oder im Falle der Latexschnuller komisch schmeckten. Zuletzt hatte es noch drei.
Dann kam das Leckekzem. Das haben viele Kinder, auch welche ohne Schnuller. Es kommt vom dauernden Lecken oder Besabbern der Mundregion. Da wird die Haut um den Mund erst sehr trocken und rissig und schließlich wund und nässend. So weit kam es bei uns nicht, weil wir immer gut cremten und außerdem das Kind überzeugten, dass der Schnuller jetzt wirklich nicht gut sei. Und siehe da: das Kind verstand das! Wirklich, der Vorteil eines Dreijährigen ist das es sowas eben schon versteht und dann eben von sich aus entscheiden kann, dass die Lippe ja schon so unangenehm brennt und wenn die Eltern sagen, das wird besser, wenn man nicht schnullert, dann kann man das ja mal probieren. Zudem wir eben auch überzeugt waren, dass es wirklich besser werden würde, wenn es auch ohne Schnuller schlafen würde und entsprechend klar auftreten konnten. In der ersten Nacht schloss ich mit dem Kind den Kompromiss, dass es mit Schnuller einschlafen könne und ich ihm nach dem Einschlafen den Schnuller aus dem Mund nehmen und weglegen würde. Das klappte gut. Am zweiten Abend gab es eine kurze Diskussion, aber das Argument mit der Lippe zog. Am dritten Abend versuchte das Kind mich anzuschwindeln, seine Lippe sei ja schon heile („Aua weggeflogt, nicht mehr weh!“). Ich nahm es mit Humor, wies auf die nach wie vor kaputte Lippe hin und schlug vor, es heute nochmal ohne Schnuller zu probieren. Die letzten Nächte habe es ja auch schon ganz toll geklappt. Das fand das Kind ok.
Und seitdem hat das Kind nicht mehr nach dem Schnuller gefragt. Das ist jetzt ne Woche her.
Klar hätte ich mir gewünscht, dass es früher passiert wär. Ich hätte mir auch gewünscht, dass es keine kaputte Lippe als Anstoß gebraucht hätte. Ich will auch absolut gar nicht behaupten, dass es immer total problemlos abgeht mit der Entwöhnung, wenn man sie einfach immer wieder herausschiebt. Ich weiß auch nicht, was wir mit den drei verbliebenen Schnullern machen sollen*. Aber letztlich war es gut, dass das Kind selbst entschieden hat, es ohne Schnuller zu probieren. Und dann erkannt hat, dass es gut ohne geht. Und am Ende ist ein Schnuller eben für Babys. Und nicht für große Kinder.

 

*(Als ich mit dem Rauchen aufgehört hab, hatte ich noch mindestens ein Jahr lang eine Packung Tabak in meinem Zimmer liegen. Als Rückversicherung, dass ich ja könnte, wenn ich wollte. Allerdings war ich da auch 23 und nicht 3.)

Tag 101 – Wieder da

Das Baby und ich sind wieder zu Hause. Der Rückflug war wesentlich entspannter, kein Wind aus Südwest oder sonst einer Richtung. Das Baby hatte wohl etwas Druck auf den Ohren, war dann aber an der Brust recht zufrieden. Mit dem Zug heim, kurz den Koffer reingeschmissen und die Schuhe gewechselt. Eigentlich muss ich nämlich wegen Spreiz-Senkfuß Einlagen tragen und nach fast vier Tagen mit sehr viel Rumgelaufe taten mir ordentlich die Füße weh.

Dann sind das Baby und ich direkt wieder los und haben das Kind vom Kindergarten abgeholt. Das Kind war schwer begeistert, dass ich wieder da bin und zeigte es indem es sich komplett selber und unaufgefordert seine Schuhe anzog (ohne Ziegenfüße!!!) und dann sehr sehr schnell auf seinem Kickboard nach Hause fuhr. Und jedes Mal sofort anhielt, wenn ich rief, es solle warten. Und überhaupt das allerbeste Vorzeigekind der Welt war. Natürlich musste ich es dann auch ins Bett bringen und so. Leider fand das Baby das überhaupt nicht gut, dass es beim Papa sein sollte und nicht wie die letzten 84 Stunden konstant bei der Mama. Und damit sind wir auch schon bei dem was heute echt scheiße war: Das Baby brüllte total krass herum; obwohl Herr Rabe es in die Trage geschnallt herumtrug beruhigte es sich mal so gar nicht sondern wurde immer hysterischer. Und das kann ich wiederum überhaupt nicht ab, ich ertrage das nicht, wenn das Baby weint, das tut mir körperlich weh, das anhören zu müssen. Gleichzeitig will ich auf gar keinen Fall diese Mamafixiertheit zementieren oder gar Herrn Rabe Vorwürfe machen, er mache das falsch, das müsse soundso und hallo, Maternal Gatekeeping. Herr Rabe machte ja auch nichts falsch, außer, dass er nicht ich ist. Aber was macht man denn da? Ich bin fest überzeugt, dass Papas genauso gut trösten können wie Mamas, und dass auch die Nummer zwei vom Kind liebgehabt wird. Und ich finde es furchtbar für Herrn Rabe, dass das Baby den Papa grade so ablehnt. Ich finde mich furchtbar, wenn ich Herrn Rabe das Baby dann abnehme, damit es ruhig ist und mein Herz nicht mehr so bluten muss und ich damit aber dem großen Kind seine exklusive Mama-bringt-mich-ins-Bett-Zeit nehme. Das ist alles total scheiße und ich weiß nicht, was tun. Irgendwelche Tipps irgendwer?

Tag 100 (!) – Oslo Tag 3

Ich sitze hier mit dem Baby auf dem Bauch, das immer noch schluchzt weil es eben einen hysterischen Anfall hatte oder so, es hatte sich ordentlich eingekackt und dann vorm Wickeln schon wie am Spieß gebrüllt, beim Wickeln weiter gebrüllt als würde es grade mit kochendem Wasser den Po gewaschen bekommen und dann noch eine weitere halbe Stunde untröstlich geschrien. Sowas nimmt mich immer sehr mit, ich würde ja gerne helfen, aber weiß nicht was los ist und alles was ich mache ist irgendwie egal und macht es bestenfalls nicht schlimmer aber eben auch nicht besser. Außerdem hat das arme Baby jetzt auch außer der Windel nichts an und ich habe Angst, dass es gleich wach wird, wenn ich versuche es anzuziehen. 

Heute haben ich und das Baby und A. Menschen getroffen, die ich mal auf einer Konferenz an einem sehr sehr kalten Ort kennen gelernt habe: M. und E. . Wir trafen uns im Café Liebling, das ist in einem Osloer Hipsterviertel und da war es sehr schön. Wir waren sehr lange da. Dauernd gingen Menschen mit Babys umgebunden am Fenster lang. Da muss es echt unheimlich viele Babys geben in dem Viertel da. Irgendwann bemerkte ich, dass es in dem Café ein klitzekleines Stück Heimat käuflich zu erwerben gibt:

  
Also jetzt nicht das Wasser. 

Danach sind A. und das Baby und ich auf die Oper geklettert, ich habe spektakulär versagt beim Versuch ein Panoramafoto von Oslo bei Nacht zu machen und dann sind wir ganz schnell wieder runter, es war nämlich windig oben und arschkalt.   

 
Barcode-Project oder so heißen die Hochhäuser links und die waren wirklich hübsch. Ich kann halt nur nicht fotografieren. 

Dann gab es noch Beleuchtungskunst auf dem Gehweg:

  
Und danach leckeres indisches Essen, Kakao und Gedanken darüber, wie (Mittel-)Norwegen aus A. und mir komische, kontaktscheue Wesen gemacht hat. 

Morgen nach Hause und die restliche Familie herzen. Das wird schön. Obwohl Oslo auch echt toll ist. Echt. 

Tag 99 – Oslo Tag 2

Huiiii schon so spät.

Heute war ich ein Harry Hole Fänchen, dann haben wir lecker Sachen gegessen, dann noch leckerere Sachen gegessen und dann Kakao mit Marshmallows am Kamin getrunken, geschnackt und Fotoalben angeguckt. 

Sehr schön hier. Sehr sehr schön. 

(Ich habe gehört, dass die WordPress App ungern Fotos hochlädt. Falls Sie also gleich kein Foto sehen, stellen Sie sich ein Harry Hole Klingelschild vor. Und Restaurant Schrøder.)

   
 

Tag 98 – Oslo Tag 1

Das Baby und ich sind ja heute nach Oslo geflogen, das war sehr aufregend. Ich habe nämlich Flugangst. Irrational, ich weiß, hilft aber leider nicht. Übersprungshandlungsmäßig hab ich deshalb im Vorfeld drölfzig Selfies gemacht und bei Twitter gepostet. Dann aber nach dem Boarding das hier als Durchsage:

Da wollte ich schon gerne wieder raus aus dem Flugzeug. Wirklich wirklich gerne. Das war aber keine Option, leider. Der Start war dann auch einfach furchtbar, ich war nicht die einzige, die trotz Vorwarnung  mehrmals scharf die Luft einsaugen musste. Möglicherweise war ich die einzige, die fast zu heulen angefangen hätte, das weiß ich nicht, ich hab ja nicht alle gesehen. Irgendwann waren die Turbulenzen dann aber vorbei und es ging ok weiter. Die Landung war gut, nur die Wolken hingen extrem tief, das finde ich immer etwas verwirrend. Müssen die Piloten denn gar nix sehen, wenn sie den Flughafen ansteuern? Das Baby hat den halben Flug an mir herumgenuckelt und die andere Hälfte verschlafen, das war also auch gut. 

Dann wurden wir von A. und A. Vom Bahnhof abgeholt, gingen zu Fuß nach Hause, aßen leckere Veggieburger mit selber gemachten Buns und Bratlingen und schnackten noch bis spät. Insgesamt sehr schön hier :) Das Baby fremdelt ein bisschen mit der neuen Umgebung oder es ist einfach zu spannend, jedenfalls möchte es nicht gerne schlafen. Zu blöd, ich nämlich schon.

Tag 97 – Fertig!

Diesmal kein Wochenende in Bildern. Weil hier einfach nichts spektakuläres passiert ist. Ich habe Brot gebacken, das Kind durfte „Esla und der Elf“ (Besser bekannt als „Frozen“. Der Elf = Olaf.) gucken, wir haben geputzt und vor allem hab ich die Jacke fertig genäht. Hier die Foto-Love-Story:

Freitag Abend: Außenjacke ist fertig.

Samstag Abend: Innenjacke ist auch fertig. Der blöde Untertritt hat ewig gedauert, wegen der blöden Anleitung.

Heute Abend und fertig. Und ich nach mal so: ich kann zwar nicht gut stricken, aber das mit dem Nähen könnte noch was werden. Vor allem macht mir das tatsächlich Spaß.


Das Baby hatte keinen Bock auf Anprobe. Deshalb nur ein unscharfes Bild. Erwartungsgemäß ist die Jacke noch (viel) zu groß. Soll ja ne Weile passen, ich näh schließlich nicht jede Woche so n Ding. Wunderbar warm ist sie tatsächlich, der Außenstoff ist ein bisschen kratzig weil Wollfilz, aber ist ja nur außen und innen ist die Jacke unheimlich kuschelig weich, ich will auch so eine! Vor unserem Ausflug morgen nach Oslo wird das aber nix mehr.

Und noch was: Ich verstehe jetzt, wieso meine Oma immer ziemlich genervt war, wenn ich wieder alle Stecknadeln bis zum Anschlag in das Nadelkissen gestopft hatte…

Tag 96 – Sprachlos

Was müssen das für Leute sein, die irgendwo hingehen, ganz viele Leute erschießen, sich am Ende selbst in die Luft sprengen und dabei noch ein paar Menschen töten und ersthaft glauben, irgendein Gott fände das gut? Ich kriege die Gedanken heute nicht aus dem Kopf. Ich wickle und bespaße das Baby und denke daran, das auch die Terroristen vermutlich mal fröhliche, rotwangige Wonneproppen waren, die von ihren Eltern auf den Bauch gepupst wurden. Ich spiele mit dem Kind und denke, dass auch die Terroristen mal Kleinkinder waren, die sich draußen beim Spielen eingesaut haben. Die gesungen haben und getanzt. Ob die auch eine Mama hatten, die gesagt hat: „Hier wird nicht Schießen gespielt!“, „Krieg ist kein Spiel!“, „Wir tun uns nicht gegenseitig weh!“? Vielleicht. Und trotzdem tun sie als junge Menschen so was. Töten andere, im Glauben, das würde ihrem Gott nützen oder gefallen. Töten völlig wahllos Leute, die zufällig irgendwo sind. Nehmen Kindern die Eltern, Eltern die Kinder, Menschen die Geschwister und Freunde. Einfach so.

Das macht mich traurig. Wütend. Verständnislos. Sprachlos.

Tag 95 – Ein Mond!

Bei dem Entwicklungsgespräch im Kindergarten am Mittwoch wurde uns, neben viel Positiven, auch mal wieder bestätigt, dass das Kind ungern lange auf seinem Po sitzt und irgendwas macht, zum Beispiel malt oder bastelt. Nach fünf Minuten wird es ihm langweilig und dann kommt beim Malen oft „Du malen!“ inklusive Bestellung der absonderlichsten Motive. Außerdem wollte der Kindergarten wissen, wie wir zu Hause Grenzen setzen, das Kind wolle nämlich gerne alles bestimmen und bekäme dann Wutanfälle, wenn es seinen Willen nicht erfüllt bekäme. Wir bestätigten, dass das auch bei uns der Fall sei, wenn wir uns mal durchsetzen müssen, beschrieben ein bisschen unsere Situationen (Zähneputzen, Bettzeit, Essen…) in denen es potentiell knallt und wie wir damit umzugehen versuchen. Im Grunde finde ich ja fast schon gut, dass das Kind seine A-Phase auch im Kindergarten auslebt, immerhin scheint es sich da so sicher zu fühlen, dass es nichts „verstecken“ muss und einfach es selbst sein kann. Der Kindergarten fand das auch nicht außergewöhnlich oder so, in dem Alter ist das ja komplett normal. Aber natürlich hat ein Kindergarten nicht immer die Möglichkeit, mit jedem einzelnen Wutzwerg Kompromisse zu schließen, zu reden und die Gefühlsausbrüche zu begleiten. Davon wollte ich aber gar nicht schreiben, ich schweife ja total ab. Heute morgen nämlich habe ich einen möglichen Grund für das momentan wieder ziemlich anstrengende Verhalten des Kindes: es lernt grad ganz viel. Scheinbar. Sehen Sie hier:

In diesem Bild sind zwei Entwicklungssprünge versteckt.

Ja, das sieht aus wie eine normale Kinderkrakelei. Für uns sind aber zwei Dinge neu. Das krömpelige Ding im linken unteren Bildquadranten nämlich, das grün übermalte schwarze, sehen Sie das? Das hat das Kind nach Ansage „Mond male jetzt.“ unter höchster Konzentration gemalt. Und ist dann total ausgeflippt vor Freude, weil tatsächlich etwas dabei rausgekommen ist, dass wie ein Mond aussieht. Und ich bin gleich mit ausgeflippt, ehrlich gesagt. Ein Mond! MEIN KIND HAT EINEN MOND GEMALT! Der Wahnsinn. Und weil der Mond ja ziemlich klein ist, sollte ich dann noch einen großen Mond malen (und einen Stern). Als ich mit Kaffee machen fertig war, zeigte mir das Kind das Bild und hatte den großen Mond ausgemalt, fast ohne übermalen! Ohne Scheiß, vor vier Wochen noch fragte mich Herr Rabe, ob es eigentlich normal sei, dass das Kind immer noch nur Gekrakel „malt“, alle Farben bunt durcheinander und grooooße Bewegungen über das ganze Blatt (und darüber hinaus). Aber jetzt kann das Kind mit einem mal sowohl einfache Formen malen als auch Dinge ausmalen*. Ist das Auge-Hand-Koordination? Irgendwie so was, es hat nämlich auch heute mit mir Ball gespielt und kann plötzlich den Ball fangen! Vor zwei Wochen noch klappte das in ca. einem von zehn Malen, heute eher so zwei Drittel. Ganz ehrlich: wenn ich plötzlich so viele grundlegende Dinge lernen würde, wäre ich emotional wohl auch etwas aus der Balance.


Was ganz anderes: Work in Progress.


Die Ohren sehen mehr aus wie kleine Hörnchen, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf mich. Beim Nähen bin ich nämlich (positiv ausgedrückt) Autodidakt, vielleicht nicht komplett unbegabt aber ein Kurs würde sicher nicht schaden. Hatte ich bisher aber keine Zeit zu.

*Falls Sie sich fragen: das große in der Mitte ist ein Boot mit Auspuff und Fenster. Da sag ich jetzt mal nichts zu.