Tag 458 – Krank, haha. 

Heute morgen wachte ich in Michels Bett auf, in dem ich die Nacht mit ihm verbracht hatte (fragen Sie nicht…). Ich wusste gleich: Arbeiten wird heut nichts. Also machte ich den Wecker aus und schlief direkt wieder ein. 

Irgendwann stand Herr Rabe im Zimmer. Ich krächzte hustend irgendwas, er verstand mich auch ohne stimmvolle Vokale und wollte dann Michel mitnehmen. Der protestierte. Und protestierte. Und protestierte. Im Dämmerzustand hörte ich ihn brüllen. Er hörte einfach nicht auf. 

Irgendwann stand Herr Rabe wieder im Zimmer, mit fröhlicher, kindergartenfertiger Pippi und schluchzendem Michel im Schlafanzug. Michel wolle nicht in den Kindergarten. Er sage, er habe Kopfschmerzen. Ich rang Michel mit Müh und Not das Versprechen ab, dass er morgen wieder in den Kindergarten geht und zwar ohne Nöckeln. Außerdem stellte ich klar, dass heute kein Fernsehen geguckt wird. 

Und so verbrachte ich, krank, den Tag mit Michel, gesund. Wir räumten die Waschmaschine aus („Ich mach schon, Mama! … *Waschmaschinenausräumgeräusche* … „Ich tue das alles in den Trockner!“) und hängten die nicht trocknergeeignete Wäsche auf, verräumten trockene Wäsche, Ich krächzte Michel ein paar Bücher vor, wir diskutierten ein paar Male das mit dem Fernsehen aus, wir duschten, ich schaffte es, Michel zum Arzt zu quatschen (Ja, der Husten ist irgendein Virus, ja, wenn er kein Fieber hat, kann er in den Kindergarten), dann wollte er gerne seinen besten Freund besuchen, ich holte mit ihm Pippi vom Kindergarten ab, dann fuhren wir ihn zu seinem Kumpel. Mehr als ein Kind hätte ich wohl nicht auf einmal geschafft und Herr Rabe musste nach dem chaotischen Morgen länger arbeiten. 

Erholung ist anders. Morgen gehe ich wieder arbeiten, da kann ich wenigstens in Ruhe vor mich hin leiden. 

Nachtrag: das mit dem Puzzle hab ich noch vergessen. Ich bin vermutlich die schlechteste Mutter der Welt, weil: Puzzeln mit Michel macht mich komplett wahnsinnig. Unstrukturiert und chaotisch und rundum unlogisch geht er da dran. Ich kann so nicht arbeiten. Genau genommen kann ich dabei knapp ruhig bleiben. Orrrr. 

Tag 453 – WmDedgT November ’16

Es ist der 5., das heißt Frau Brüllen will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? 

Der Tag beginnt für mich recht früh, um sieben ist Pippi wach und will auch nicht weiterschlafen, sondern mir lieber ihren Finger in die Nase stecken. Ich stehe also mit ihr auf und mache mir einen Kaffee. Mir fällt ein, dass ich sowohl vergessen habe, die Linsen für die Linsensuppe, die es heute Abend geben soll, einzuweichen, als auch Vorteig für Brötchen anzusetzen. Ich hole also beides nach und mache dann Frühstück für Pippi und mich. Die Herren des Hauses schlafen noch. Wir frühstücken gemütlich, dabei lutscht sie ungefähr drölfzig mal die Marmelade vom selben Brötchenstück und reicht es mir dann zunehmend durchgelüllert wieder an, damit ich neue Marmelade drauf mache. Erst als ich das Brötchen in mikroskopisch kleine Häppchen schneide, die ich ihr dann mit Marmelade bestrichen komplett in den Mund schiebe, isst sie auch das Brötchen. Schlaues Kind. 

Nach diesem ersten Frühstück ziehe ich Pippi was an, inzwischen ist auch Michel wach, also mache ich den Rest des Frühstücks fertig. Wir (Pippi und ich) gehen also quasi nahtlos in ein zweites Frühstück über. Danach gibt es Shaun das Schaf für alle, Pippi schläft auf meinem Arm ein, wacht dann aber schnell wieder auf und guckt apathisch und schnarchend (!) aber mit Augen auf (!) Shaun das Schaf mit uns. Den Mutterorden für erfolgreich vermittelte Medienkompetenz, Unterpunkt „wann man lieber ausmachen sollte“ kriegt also heute wer anders. 

Wie wir so auf dem Sofa gammeln, merken wir, dass wir alle mal duschen müssten. Zuerst wird Michel in die Wanne gesteckt (mit Prinzessinnen-Schaumbad), dann macht er allerlei Quatsch und nörgelt rum, weil er nicht eingecremt werden will, ich aber wegen „Mama, mich juckt es!“ drauf bestehe. In der Zwischenzeit duscht Herr Rabe und Pippi badet derweil. Ich hole Michel einen frischen Schlüppi aus seinem Zimmer. Im Zimmer mieft irgendwas, irgendwie wie kalte Asche? Komisch. Michel eskaliert weil er bereits vor Monaten sein Aufzieh-U-Boot weggeschmissen hat, weil es nicht mehr ging. Komplett entnervt von dem Geschrei und überhaupt der ganzen bek***ten Automiephase schmeiße ich die Familie aus dem Bad und gönne mir erstmal eine lange Körperpflegesession. Yeah, Me-Time. Nahezu alleine, nur gelegentlich unterbrochen durch „Mamaaaa? Machst duuuu?“ schaffe ich Wellnesspunkte wie Beine rasieren und Spülung machen. Es ist der Hammer. 

Ich komme aus dem Bad und Michel brüllt, weil er kein Brötchen bekommt (weil wir keine mehr haben). Herr Rabe eröffnet mir, er habe rausgefunden, wieso es in Michels Zimmer so komisch riecht: eine Steckdose sei ganz heiß und würde stinken. Außerdem hinge an der gleichen Leitung eine weitere schmurgelige Steckdose und dann, hinter der Wand, der eine unserer beiden Heizkörper. Einfach abklemmen und auf Montag warten geht also nicht, weil kalt.  Ich möchte schreiend im Kreis laufen, natürlich am Samstag passiert sowas, ich möchte noch zum Stoffladen, was für ein Mist! Herr Rabe kontaktiert den Hausverwalter, der gibt sein OK für den Elektrikernotdienst, ich suche den Elektrikernotdienst raus (døgnvakt heißt sowas, falls sie sowas mal brauchen, ich musste erst rumgoogeln um das Wort herauszufinden) und rufe da an, der Bård ist sehr nett und erklärt mir, was ich jetzt machen muss (eine SMS an die Firma schicken mit Name, Adresse, Mailadresse und der Bestätigung, dass mir klar ist, dass die Anfahrt am Samstag 3000 NOK kostet). Irgendwann kommt eine Bestätigung. Michel will auf den „Bauarbeiter“ warten (er meint Handwerker, das führte letztes Wochenende schon zu einem großen Misverständnis, als wir auf eine (Kunst-)Handwerksmesse fuhren und er mit seiner Warnweste als Bauarbeiter verkleidet seinesgleichen unter den Strickomis suchte…), ich schnappe mir aber Pippi und fahre mit ihr zum Stoffladen. 

Vorher kratze ich noch das Auto frei und überprüfe die Klingel, die geht aber auch nicht, also schicke ich noch eine SMS an Bård, er soll doch bitte bei Herrn Rabe anrufen, wenn er da ist. Pippi schläft im Auto ein. Um zwanzig Minuten vor Ladenschluss bin ich im Stoffladen. Ich kaufe sehr viele gemusterte Jerseystoffe. Alle Kinder die wir kennen kriegen Mützen zu Weihnachten. Weil ich an diesem Samstag im November Frustshoppen war. Außerdem kaufe ich noch einen dunkelroten Stoff für einen Pulli für mich. Er sieht etwas arg braun aus, aber geht schon. Es sollen giftgrüne Bündchen und ein Hoodie-Rollkragen-Hybrid mit grünen Füchsen dran, da sähe zu kräftiges Rot vermutlich sehr nach Weihnachten aus. Denke ich mir. Was ich nicht bedenke, ist wie sich das rauswäscht. Spoiler: es sieht jetzt noch brauner aus. Ich hadere noch mit mir, was tun. 

Ich kaufe also binnen zwanzig Minuten den Stoffladen leer. Dann fahre ich zurück und nehme zum tausendsten Mal die falsche Abfahrt. Naja, egal, so komme ich am Rema vorbei und kann noch Haferflocken kaufen. Pippi hat sich im Auto die Schuhe ausgezogen und stapft auf Wollsocken aber im Erdbeeren-Regenmantel durch den Supermarkt. Es sieht zum Knutschen aus. Wirklich. Vor allem, weil sie jetzt ein Weglaufspiel spielt: ein paar Schritte vorgehen, umdrehen, gucken, ob wer guckt, dann unter lautem Freudengejohl und -gekreisch weglaufen. Beim gefangen werden sich kaputtlachen. Repeat. Das heitert mich auch sehr auf. 

Zu Hause ist schon ein Feuer im Kamin an, Herr Rabe erstattet Lagebericht: der Bård war da, war nett, hat alles gefixt, 6000 NOK. Uffz. Gut, dass die Bude nicht uns gehört. 

Michel ist nölig, Herr Rabe geht mit ihm raus und spontan nehmen Sie Pippi mit. Für mich beginnt Me-Time Runde 2: Brötchenteig machen und Linsensuppe kochen. Nebenher die Stoffe waschen. 

Die Familie kommt wieder, wir essen, Michel will mehr Würstchen, es gibt aber nur für jeden eins, Geheul, ich träume mich auf einen Planeten, in der Kinder diese Phase einfach überspringen. Herr Rabe geht mit den Kindern ein bisschen spielen, ich kümmere mich um die Brötchen, Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich schnalle mir Pippi auf den Rücken und kümmere mich weiter um die Brötchen, Pippi schläft ein, ich backe so vor mich hin und schneide ein bisschen Fleecestoff für ein Kleid für Pippi zu (Hab ich letzte Woche auf dem Handwerkermarkt gesehen, ist mir zu blöd, dafür 300 NOK hinzublättern, selbst den Stoff hatte ich noch zu Hause, den Schnitt hab ich mir kurz selbst überlegt, keine Ärmel, also easy), dann verfrachte ich Pippi ins Bett, es gelingt mir das sagenhafte Kunststück, sie vom Rücken ins Bett zu wuppen, ohne dass sie aufwacht, ich klopfe mir selbst auf die Schulter und verblogge den Tag. 

Tja, und dann ist auch schon jetzt. Müde bin ich. Aber dank gefixter Steckdosen kann ich erstens ruhig schlafen und zweitens morgen Nähen. Das wird schön. Me-Time. 

Tag 452 – Endlich Wochenende. 

Ich weiß auch nicht so richtig, warum, aber diese Woche war furchtbar anstrengend. Hier ist eine Mischung aus PhD-Letztjahr-Panik, Backenzahntralala und allgemeinem Autonomiephasenhorror ausgebrochen. Ich möchte am liebsten eine Woche lang schlafen, dabei hab ich gar nicht mal wenig geschlafen in letzter Zeit. Das Wachsein ist grade nur sehr anstrengend. Da bin ich dann Freitag Abend auch einfach froh um ein Glas Rotwein, ein bisschen Schoki und die letzte Folge der ersten Staffel von Sherlock (nochmal geguckt, weil wirs können!). Selbst mit Pippi halb auf dem Schoß, weil Schlafen ohne uns im Moment mal wieder gar nicht geht. 

Und jetzt: Bett. Morgen kein Wecker. Uff. 

Tag 393 – Kann weg. 

Eigentlich heute auch viel Gutes passiert, zum Beispiel kommt ganz vielleicht unter Umständen eventuell mein Name auf ein Paper in Nature. Aber dann war auch so viel Mist, das fing schon beim fertig machen für den Kindergarten und der totalen Eskalation eines Streites um Socken (Michel wollte die von gestern, mit denen er auch ins Bett gegangen war, anlassen, ich sagte nein) an und ging über einen total misglückten aber echt wichtigen Teilversuch weiter (und jetzt muss ich wieder erst Gedöns bestellen und dann drei Schritte zurück und die wiederholen und grrrrrrr…) und dann hörte ich noch was, das mich gar nicht betrifft und trotzdem total wütend macht: dass sich manche Kindergärten wohl wegen irgend welcher fadenscheiniger Versicherungssachen weigern, die Kinder mit Sonnencreme einzuschmieren. Mein Gehirn hat da einen Kurzschluss bei der ‚ALTER, SONST GEHTS ABER NOCH???!!!?!‘-Stufe, ich kann gar nicht recht erklären, warum, vielleicht ist heute einfach so ein Tag, an dem mein innerer Dreijähriger die Oberhand hat und der nun mal wegen Socken Sonnencreme jetzt Theater machen will.

Deshalb trinke ich jetzt gleich einfach einen Kakao und schreibe vielleicht morgen über die Ballettstunde.

Tag 387 – So lala, so lala. 

Viele Ups and downs heute. 

Aufwachen um fünf wegen ach lassen wir das, jedenfalls schnell ins Bad gesprintet und danach nicht wieder richtig einschlafen können. Kann man machen, ist aber blöd. 

Ich durfte Pippi im Kindergarten lassen. Hurra. Sie war sogar kurz begeistert, ihre Bezugserzieherin zu sehen und wollte zu ihr auf den Arm. Dann lachte sie kurz und  als ihr das auffiel, geriet sie direkt in einen Loyalitätskonflikt gepaart mit dem üblichen Trennungsschmerz und weinte. Allerdings bekam ich sehr schnell eine Nachricht vom Kindergarten, dass sie sich schnell beruhigt hätte und spielt und lacht. 

Arbeit war dann aber nur so mittelgut, es geht alles soooo laaaangsaaaaaam und es nervt mich unendlich. Obendrein ein Meeting (immerhin mit Kuchen) und Lab Duty, also Dinge kalibrieren (mach ich gerne), putzen (mach ich generell nicht gerne, aber am liebsten noch im Labor), Sachen auffüllen (ist etwas nervig, aber im Großen und Ganzen ok) und Lösungen herstellen und abfüllen (mag niemand, deshalb ist die Liste herzustellender Sachen immer lang und es greift die Verantwortungsdiffusion, leider fühle ich mich oft mehr verantwortlich als andere und deshalb mache ich gefühlt immer viel viel mehr als viele andere). Und Zack, war der Tag auch wieder rum, ich druckte noch schnell (halb legal) ein zwei Schnittmuster aus, die ich mir aus Langeweile während irgendeiner Inkubationszeit herausgesucht hatte und fuhr nach Hause. 

Zu Hause festgestellt, dass die Ibuprofentablettenwirkung vom Morgen alle war und eine neue genommen. Trotzdem mit Menstruationskrämpfen from hell zum Stoffladen gefahren. 

Im Stoffladen voll günstig genau ausreichende, schlichte Stoffreste für die Schnittmuster  bekommen. Dann noch dies… Und das… Oh, Pinguine! Und Füchse! Zack, 400 Kronen. Naja, hätte schlimmer kommen können. Ist schon oft schlimmer gekommen, könnte man auch sagen. 

Zu Hause fröhliche Pippi und eskalierender Michel, weil Pippi zwei seiner dreitausend Duplosteine hatte. Dann fröhlich kleine Fressmaschine Pippi (Herr Rabe hatte gekocht) und eskalierender Michel, weil wir ihm nur eine Portion Nudeln ohne Soße abgenommen hatten und dann die restlichen Nudeln mit der Soße vermischt hatten und uns in seinen Augen dadurch als absolute Unmenschen qualifizierten. Dann fröhliche kleine Schlafanzug-Pippi und eskalierender Michel, weil Bettzeit. Dann sehr schnell zwei schlafende Kinder. 

Ehrlich, diese A-Phase raubt mir noch den letzten Nerv. Es ist meine tägliche Zen-Übung nicht das Kind an die Wand zu nageln  möglichst wenig herumzuschreien. Wann hört das nur endlich auf?

Wegen schlafender Kinder wenigstens genug freie Zeit gehabt, um für das erste Shirt den Stoff (den ich natürlich schon gewaschen habe, irgendwann am Abend) zuzuschneiden. Das wird schön morgen. Wenn Falls die Kinder mich Nähen lassen. 

Tag 382 – Glitzerflauschplüsch

Mit ein paar hübschen kleinen Ecken, um sich dran zu reiben* war das ein echt schöner Tag. Warum? Diese Kinder. Hachz. 

Zuerst mal schlief Pippi bei der Maus ein und zwar so tief, dass wir mit vereinten Kräften und dem lustigen Puscheldings von der Zahnärztin das Ding aus ihrem Zahnfleisch entfernen konnten. Letztlich war es ganz einfach: mit dem Puschel von unten schieben, und dann als das Dings rausguckte von oben rausschieben/-ziehen. 


Dann spielte ich mit beiden Kindern unter Michels Regie (während Herr Rabe genauso schlecht gelaunt wie ich das sonst immer tue die Wohnung putzte) Piratenexpedition. Und das war richtig schön. Wir suchten einen Schatz (alle Kuscheltiere), mit Schatzkarte, wir fuhren Boot auf dem Sofa, ich war der Schiffsjunge Pinky, Pippi war erst Baby-Pinky und dann Pinky-Hund und Michel war Kaptitän Säbelzahn. Michel dachte sich alle möglichen Sachen aus, vor allem war in seiner Phantasie alles voller Schilder. Ein Schild war „Keine Babys und Füße ins Wasser tun“, eins war „Nicht den Schatz ins Wasser werfen“, eins war „Nicht den Kapitän kitzeln“ und eins „Es gibt nur Nudeln“. Den Rest habe ich vergessen, da waren aber noch einige. Dann kam ein Hai, dann mussten wir was essen, das musste Michel natürlich erst zubereiten, dann gab es Nudeln mit Ketchup und Käse (sein Lieblingsessen halt), nach dem Essen mussten wir schlafen und dann leider (!) zum Sport. 

Der Sport war wild auf dem Sofa hüpfen und Drachen sein, die Fliegen üben. Zum Sport fuhren wir mit dem Auto (Bett), ich und Pippi oben, Michel unten. Nach dem Training (wir übten noch Purzelbäume auf dem Sofa) tranken wir Kaffee im Piratenboot 2 (großes Bett), leider nur Spiel-Kaffee, aber immerhin mit meiner echten Bonus-Karte beim Kaffeemann (Papa) gekauft. Zu guter letzt Wrestelte ich mit beiden Kindern auf dem Teppich, die sich glucksend und quietschend auf mich warfen. Es war echt toll, die sind ja schon auch süß, diese Kinder. 

Nach einem kleinen Ausflug um echten Kaffee zu holen und ein bisschen Tageslicht abzukriegen gab es dann Pizza, Michel ins Bett bringen und noch ein bisschen mit der wachen und fitten Pippi herumalbern. Die kann jetzt „Küsschen“ geben, da nimmt sie mein Gesicht in die Hände und kommt mit offenem Mund und erwartungsvollem, konzentriertem Gesicht ganz nah, bis ich ihre verschnodderte Oberlippe küsse. Und ehrlich: was schöneres gibt’s fast nicht. 

*Wutanfall um acht Uhr morgens wegen habichvergessen, Pippi soll eigentlich ein Antibiotikum nehmen (möglicherweise steckte hinter dem Fieber letzte Woche eine Mittelohrentzündung), kotzte (nein, nicht spuckte) es mir aber wunderhübschst auf die Schulter, überhaupt fiel sie heute dauernd überall runter und haute sich den Kopf an, Putzen ist nötig aber wir hassen es beide, Michels A(utonomie)-Phase scheint noch mal richtig aufzublühen, so kurz vor dem vierten Geburtstag…

Tag 366 – #12von12 im August ’16

Heute morgen hatte ich kurz vergessen, dass der zwölfte ist und deshalb gibt es von unserem chaotischen und Heul-Intensiven Morgen keine Bilder (da verpassen Sie aber auch nichts). Tatsächlich habe ich auch heute trotz des irgendwann Raffens, dass 12von12 ist (was das ist und viele, viele davon wie immer im Kännchen-Blog) ca. hundertmal das Datum auf Dinge und in Dateien geschrieben: 160811. Tjanun. Whatever, jedenfalls hier ein paar Bilder (über die Einbettung von Instagram und so hab ich mich aus Blogbuchgründen heute auch geärgert, aber das ist eine andere Geschichte).

Frühstück an emails.

84 Proben wollen gemessen werden.

Liebevoll angerichtetes Mittagessen.

Wie meine Kollegen dafür sorgen, dass die Tür nicht quietscht.

Mal hoffen, dass die nicht alle gleich doll fluoreszieren.

Ab nach Hause.

Soweit zum Arbeitstag. War.

Dann zu Hause direkt Gebrüll, Michel ist im Moment mal wieder ein Wutzwerg und rastet beim kleinsten Anlass (oder auch ganz ohne) mehrmals täglich komplett aus. Unschön. Und zu Hause kann man ja auch nicht mal in Ruhe essen. Schlimm.

Immer diese Mitesser.

Ich musste dann auch noch mal los, Fisch kaufen und Lauch, den gab es gestern nicht. An der Frischetheke gab es Wal.


Ich finde ja grundsätzlich komisch, wieso man manche Tiere isst und andere nicht, schließlich sind Schweine auch sehr intelligent und ich finde die auch niedlich, ganz im Gegensatz zu vielen Hunden. Aber bei Walen geht bei mir eine Grenze. Ich meine: die Norweger haben doch eh nur die Erlaubnis, Wale zu fangen, weil das ja soooo ein wichtiges kulturelles Gut ist. Also der Fang. Ganz im Norden. Aber wieso ich das dann hier im Supermarkt kaufen können soll, erschließt sich mir nicht. Wieso Tiere essen, deren Artgenossen allesamt vom Aussterben bedroht sind? Nur, weil ichs kann bestimmt nicht. Und nein, da juckt mich dieses Rechtfertigungsgelaber der Norweger mit „Aber die Bestände der einen Walart, die wir fangen dürfen, sind gut! Und jedes Jahr wird das Kontingent reduziert! Und das ist total gesund!“ nicht. Ich ess das nicht. Aber was dem Deutschen sein Tempolimit (also die Abwesenheit davon) ist dem Norweger sein Walfang.

Endlich Abendessen.

Falls Sie dachten, ich denke mir das mit dem Klettern aus.

Ich glaube, bei Pippi wären Laufgitter und Co. eine total dämliche Idee. Die würde das als Klettergerüst nutzen.

Dann hab ich ein Foto gepostet ohne Hashtag, das zählt also nicht.

Müde Mutti. Serviervorschlag.

Die Mitbewohnerinnen sind jetzt auch wach.

Man sieht gar nicht, wie groß Papa-Schnecke (ganz rechts) inzwischen ist. Doppelt so groß wie die anderen zwei nämlich. Und dann haben wir noch eine, die noch ganz klein ist, aber das muss ich wann anders mal erzählen.

Und zu guter letzt:

Hier ein Ausblick auf den morgigen Backtag.

Und damit: gute Nacht!

Tag 353 – Rittersport und die Mutter aller Wutanfälle. 

Michel und ich waren heute bei einem Ritterturnier. Es sind nämlich Olavsdagene hier in Trondheim, da gibt’s viel religiösen Kram rund um den Dom und Ritterfestspiele für die Kinder. Da aber der Eintritt 150 NOK pro Person betrug, sollte nur ein Erwachsener mit Michel da hin gehen und da darüber hinaus Herr Rabe und Pippi zusammen einen sehr ausgedehnten Mittagsschlaf machte, packte ich Michel in den Fahrradanhänger und fuhr mit ihm zum Dom. 

Als wir ankamen wurden gerade die Ritter  gesegnet und ritten dann zum Festplatz, da wurde Michel schon leicht panisch, dass wir was verpassen würden. Wir waren dann trotz noch-Karten-kaufen-Müssens aber doch mehr als pünktlich an der Arena und bekamen auch gute Plätze mittig in der ersten Reihe. Kopfhörer auf und los ging es. 

Nach einigem Erkläre, was historisch die Ritterspiele bedeuteten (in erster Linie Training und Quatsch, dann verbot  irgendwann ein König, dass mit scharfen Waffen gekämpft wird, weil ihm zu viele Ritter dabei drauf gingen, seitdem gab es Helm-Gebot und stumpfe Lanzen aus Holz statt Metall), ging es los. Eine Art Hofnarr (nicht der peinlichen Sorte, und ich bin da sehr empfindlich) leitete durch die Wettbewerbe, die Ritter und Ritterinnen wurden mit ihren Pferden vorgestellt und dann prügelten sich erst mal die Knappen und demonstrierten Waffenlosen Kampf. Die Spiele waren in drei Runden unterteilt: Eine Runde Übung mit Lanze, Schwert und Speer, dann das was man so als Ritterturnier kennt, also aufeinander zureiten und den anderen mit der Lanze treffen, dann eine Runde Ringe einsammeln auf der Lanze. 

Alles sehr spannend.

Runde Eins: Wehrloses Obst mit Schwertern zerhacken und dabei aggressiv brüllen.


​​
​​
Fehler
Dieses Video existiert nicht

Runde Drei: Ringe einsammeln gegeneinander.

Zwischen den Runden demonstrierten die Knappen noch Kampf mit verschiedenen Waffen und einen Kampf mit sehr unausgeglichenen Waffen, da hatte der eine nur ein Messer und der andere hatte ein Schwert, eine Axt, ein Schild und einen Speer. Natürlich gewann der mit dem Messer. 

Insgesamt muss ich sagen, es war ein tolles Spektakel und die 300 NOK taten mir lange nicht so leid wie nach einigen Kinofilmen. Der Unterhaltungswert war für Groß und Klein etwa gleich: ich fand die Kostüme toll gemacht, die Erzählungen informativ und unterhaltsam, die Pferde toll, die Leistungen beeindruckend und vor allem nichts Fremdschamerregend, Michel hatte einen Mordsspaß, fand alles total interessant und spannend und stellte eine Million Fragen. Am Ende sprang er wild herum und klatschte dabei unaufhörlich. Und er wollte ein Schwert. 

Am Schwertstand war die Hölle los. Michel hatte sich schon eins geschnappt, ich konnte den überforderten Verkäufer aber noch nicht mal sehen, so viele Leute waren da. Dann sah ich alle Leute um mich rum Bargeld rauskramen. Ich hatte keins. Ich sah auf Michel, das Schwert, die Leute, Michel, das Schwert… Und schappte mir Michel, samt Schwert. Ich erklärte ihm, dass wir das Schwert kurz ausleihen und Geld holen, dann zurückkommen und das Schwert bezahlen. Mit einem halb geklauten Schwert wanderten wir also durch die halbe Trondheimer Innenstadt auf der Suche nach einem Geldautomaten. Michel und ich wissen jetzt: wenn man mit dem Schwert dagegen haut, machen Straßenschilder und dergleichen *Pling* oder *Döng*, Laternen machen nur *Tokk*. Jedenfalls holten wir Geld, gingen zum Stand zurück, bezahlten das Schwert und schlenderten dann noch über den Mittelaltermarkt. Da prägten wir uns unsere eigene Silbermünze, das war auch echt cool, und dann ließ ich Michel nicht das Gesicht schminken, weil das 70 (!!!) NOK gekostet hätte, das war nicht ganz so cool. Tjanun. Unter Zuhilfenahme von gebrannten Mandeln lockte ich Michel zum Fahrrad zurück. 

Münze und Schwert.

Nach dem Markt wollten wir noch kurz in der Buchhandlung vorbei, da hatten wir nämlich gestern Pippis Trinkflasche vergessen. Vor der Buchhandlung trafen wir allerdings den Pokémon-fangenden Herrn Rabe samt schlafender Pippi. Die hatten die Flasche schon eingesammelt und wir beschlossen, noch ein Eis für Michel und einen Kaffee für mich zu holen. 

Und so gingen wir in einen SevenEleven, da hab ich nämlich ne Stempelkarte und der Kaffee schmeckt auch. Michel ging direkt zum Frozen Joghurt Spender. Er wollte Schokolade. Ich drückte, es kam nichts. Leer. Michel war enttäuscht. Dann eben Erdbeer. Ich drückte. Es kam nichts. Auch leer. Michel fing an zu weinen. Er wollte Erdbeereis. Ich erklärte ihm, es sei leider alle. Er schmiss sich auf den Boden. Traurig, weinend, schreulend. Der Ladenheini kam an und bot Vanille an, das sei noch da. Michel schreulte (auf Deutsch), dass er „Blumen-Eis“ nicht wolle, nur Erdbeer. (Das mit den Blumen kommt vom Joghurt: da sind bei Vanillegeschmack immer die Blüten abgebildet.) Ich schaffte es, ihn etwas zu beruhigen und schleppte ihn zur Eistruhe. Bot ihm an, er könne sich was aussuchen. Auch so Erdbeereis in der Waffel, das mag er sonst super gerne. Nein. So Erdbeer-Joghurt-Eis, sonst nichts. Er schmiss sich wieder auf den Boden. Ich erklärte ihm, ich ginge jetzt erst den Kaffee bezahlen, dann könnten wir weiter sehen. Michel tobte und schrie. Menschen sahen uns an. Ich bezahlte meinen Kaffee und noch eine Bolle für Pippi. Michel kreischte inzwischen ziemlich herum und steigerte sich voll in den Wutanfall rein. Schlug um sich. Trat gegen Sachen. Ich stellte die Kaffeemaschine an und brachte Michel raus zu Herrn Rabe. Michel brüllte und schrie und tobte und kreischte und warf sich auf den Boden. Mitten in der Fußgängerzone. Herr Rabe erklärte. Er könne ein anderes Eis haben, das Joghurteis sei eben alle. Michel wälzte sich im Dreck, Menschen sahen uns an, Menschen dachten Dinge über uns, es war mir egal. Überhaupt waren Herr Rabe und ich total ruhig die meiste Zeit (bis Michel aus Wut und Überforderung anfing, uns zu schlagen und zu treten, da wurde der Ton kurzzeitig etwas schärfer), wir konnten es ja tatsächlich einfach nicht ändern. Immer wieder boten wir ihm das sonst so geliebte Erdbeereis in der Waffel an, aber es war zwecklos. Inzwischen hatte sich so ziemlich die gesamte Trondheimer Innenstadt ihr Urteil über unsere Elterlichen Fähigkeiten gebildet, mein Kaffee war ausgetrunken, ein Aufhören des Tobsuchtsanfalls nicht in Sicht. Michel trat weiterhin auf Bäume ein, hysterisch „Erdbeereis!!!“ kreischend. Wir stellten ihm ein Ultimatum: Waffeleis oder nach Hause auf drei. Er kreischte weiter „ERDBEEREIS!!!“. Herr Rabe steckte ihn in den Wagen. Mit einem Anhänger, aus dem es schrill „LASS MICH RAUS! LASS MICH RAUS!!! ERDBEEREIS! LASS MICH RAUS!“ tönte, fuhr ich los. (Anmerkung: er kann die Gurte des Anhängers sehr wohl selbst lösen. Aber es klingt ohne dem nicht so schön dramatisch.) Nach zweihundert Metern ebbte das Geschrei etwas ab. Nach zweihundertfünfzig Metern rief er schluchzend: „Ich mir überlegt! Ich will doch Waffeleis!“. Versprochen ist Versprochen. Also hielt ich beim Supermarkt, holte das rotgeheulte Kind aus dem Wagen und kaufte ihm unter den verständnislosen Blicken der gleichen Passanten, die den Anfall in der Fußgängerzone bezeugt hatten, ein Eis. 

Das Ende des bisher schlimmsten Wutanfalls ever.


Ich hatte es ja versprochen. Und er tat mir auch wirklich leid. Also sowohl, dass das Joghurteis alle war, als auch dass er sich in seiner Wut sicher unverstanden gefühlt hat. Nun ist es aber ja gleichzeitig so, dass so extreme Wutanfälle auch einfach nicht nachvollziehbar sind, da kann ich also auch kein Verständnis für die Wut zeigen, ab einem gewissen Grad. Da kann ich nur anbieten, was ich anbieten kann: das andere Eis, Trost, Nähe. Wenn das alles nicht gewollt wird, kann ich noch da sein und aushalten. Und mich in Teflon-Manier üben, was die Blicke und Sprüche der Anderen angeht. 

Puh. Was ein Tag. (Der Rest davon lief dann wieder recht harmonisch ab. Und das obwohl ich noch einen Ritterhelm gebastelt habe!)

Tag 259 – Rückreise

Wir hängen am Kopenhagener Airport rum. Es könnte schlimmer sein (Athen zum Beispiel), es könnte aber auch besser sein und wir schon zu Hause und nicht sieben Stunden Stopover hier haben. 

Außerdem bin ich gnarzig weil Urlaub vorbei und Kopfschmerzen und Michel fordert im zehn-Sekunden-Takt unterschiedliche Dinge ein und schmeißt sich schreulend auf den Boden, wenn ers nicht (sofort) bekommt. Es ist anstrengend. 

Morgen wieder mehr. 

Tag 244 – Wirren. Korfu Tag 14

  
Eigentlich wollten wir heute auf den höchsten Berg Korfus, den Pantokrator.  Der ist neunhundertnochwas Meter hoch. Die Wolken hingen allerdings an den Bergen fest auf ca. 900 m Höhe. Also entschieden wir uns um. Und fuhren zum Kap Drastis (da, wo wir schonmal gewesen waren, aber dann nicht runtergingen, wegen müder Kinder, Sie erinnern sich?).

  
Babääääm. Schick, ne? Dann gingen wir weiter. 

  
Tja. Was man jetzt nicht sieht, ist das komische Tipizelt aus Schilf und Palmenblättern hinter dem Tor, in dem scheinbar eine hutzelige und möglicherweise geistig nicht ganz fitte ältere Dame haust. Die uns auch freundlich auf Griechisch vollaberte, aber mitnichten das Tor öffnete. 

 
Dafür fanden Michel und ich zwei Schnecken. Die eine kam auch nochmal aus ihrem Haus, fiel dann aber um und nachdem ich sie zurückgedreht hatte, mochte sie nicht mehr rauskommen. Schade. Ich finde Schnecken ganz toll und habe fast Herrn Rabe soweit, dass ich Riesenschnecken haben darf, wenn wir wieder in Norwegen sind. Die Schnecken haben wir dann vorsichtig ins Gras gesetzt, wo Schatten und Feuchtigkeit ist. Und dann sind wir zum Auto zurückgegangen. Michel quetschte mich derweil aus, wieso manche Schnecken „tot geworden“ sind und „die Augen zu gemacht“ haben. Ich erklärte ihm den Kreislauf des Lebens und dass alles und alle mal geboren werden und mal sterben. Ich hoffe, er hat es verstanden. Schwieriges Thema. Aber besser anhand eines leeren Schneckenhauses zuerst damit konfrontiert werden, als weil Oma nicht mehr da ist. Oder so. 
Auf dem Rückweg waren wir in Acharavi in einem Olivenholzschnitzwerkstattshopdings. Der hatte eigentlich noch gar nicht auf, aber wir durften uns trotzdem umsehen. Da gab es alles und nichts aus Olivenholz. Leider keine schönen Ohrringe für mich. Dafür einen großen blauen Ara, der hoffentlich einfach nur sehr sehr alt war und sich nicht aus Frust komplett selbst zerfleddert und fast nackt gerupft hat. Der Ara sah aus wie ein kümmerliches, zitterndes Brathühnchen. Konnte aber sehr unvermittelt sehr laut schreien, was Michel etwas verstörte. Ohne was zu kaufen verließen wir den Laden, mir war zu warm da drin und der Vogel stresste mich total. 

Dann waren wir in Acharavi noch Essen für die nächsten Tage einkaufen, mit Horror-Meltdown von Michel. Hysterisches Schreien und auf den Boden werfen und um sich schlagen und uns hauen. Ziemlich schnell schleifte Herr Rabe das Zeter und Mordio brüllende Kind aus dem Laden, ich kaufte alleine fertig ein. Der Grund für den Anfall ist leider völlig egal: er sucht im Moment gerne mal Reibungspunkte mit uns. Und dann wird gerieben, was das Zeug hält, bis zur totalen Eskalation. Gerne sind die „vorgeschobenen“ Auslöser Dinge der Unmöglichkeit, so wie im Laden plötzlich Sendung mit der Maus gucken wollen. Machste also nix, fällt aber auch schwer auszuhalten und wegen des Hauens waren auch sowohl Herr Rabe als auch ich noch ganz schön lange sauer. Und weil wir auch Wasser einkaufen mussten und ich ja noch Pippi auf dem Arm hatte, war ich sehr dankbar, dass mir ein älterer griechischer Herr die Wasser-Einkäufe zum Auto trug. Und peinlich wars mir auch ein bisschen. 

Auf dem Sofa dann noch ein paar Blogs gelesen, gegessen (Herr Rabe hat gekocht), Michel ins Bett gebracht. Jetzt müde und ausgelaugt vom zornigen Kind. Noch eine Handvoll Erdbeeren und ab ins Bett.