Tag 1570 – Ausgeufert.

Erst ist ein Meeting etwas ausgeufert, dann meine Heimreise sehr und zu guter letzt ein Elternvertreterinnenmeeting (den Mann meine ich mal mit) total. Inklusive der letzten 20 Minuten war ich, seit ich heute morgen das Haus um 7:12 mit Michel verließ, 45 Minuten zu Hause. Aber wir haben nun die Weihnachtsfeier für die 2. Klassen minutiös durchgeplant und müssen eigentlich nur noch einkaufen, Kaffee kochen und nen Weihnachtsmann organisieren und dann kann das Fest beginnen.

Meine Güte bin ich fertig.

Tag 1564 – Bisschen kurz.

…meine Zündschnur heute.

Gefühlt den ganzen Tag nur Augen gerollt. Gestern auch schon. Und vorgestern. Ich sollte das mit dem Twitter wirklich einfach lassen, wenn ich Phasen habe, in denen ich

  • Geschwurbel
  • Verschwörungstheorien
  • Sich widersprechende Aussagen von ein und derselben Person
  • Unsachlichkeit
  • Fehlinformation
  • Völlige Unfähigkeit einiger, über ihren Tellerrand zu schauen

wirklich nicht ertragen kann. Manchmal geht das besser, aber im Moment hab ich wieder mal eine Phase wo ich mir eine Welt voller Roboter wünsche. Ich stelle mir Kommunikation mit Maschinen überaus angenehm vor.

Im echten Leben auch nicht besser, bei der Arbeit alle irre und keiner hört irgendwo zu.

Kleine Anekdote, woran sich mein Kopf momentan wieder sehr aufhängt: wir haben einen Evaluierungsfragebogen bekommen, ob wir unsere bescheuerte Stillarbeitszeit behalten wollen. Und dann fragen die da: „Hast du durch die Stillarbeitszeit am Morgen mehr Konzentrationszeit bekommen?“ Und sie meinen: wurdest du weniger zu Meetings eingeladen, haben weniger Leute im Büro laut gesprochen oder geflüstert, warst du mehr ungestört? Aber das schreiben sie nicht und im Moment muss ich wieder Energie drauf verwenden, drüber nachzudenken, was sie meinen, aber nicht schreiben. (Am Ende habe ich mich trotzdem dazu entschieden, die Frage zu beantworten, so wie sie da steht, nämlich mit „Nein, ich kann mich nämlich eh morgens nicht gut konzentrieren und könnte da viel besser Meetings haben.“)

Oft geht das besser, dann ist auch die Zündschnur länger, das macht nämlich müde, dieses Reininterpretieren in Ungesagtes.

Vielleicht bin ich auch einfach urlaubsreif.

Dreieinhalb Wochen noch.

Aber die Kinder haben mich heute zum Lachen gebracht. Michel hat wieder einen Winkezahn und Pippi hat sich im Kindergarten einen Smiley mit Ohren auf den nackten Bauch gemalt. Die sind schon super, die zwei.

Tag 1556 – Ahhhhhhhhh!

Ich werd in nur einem Jahr, drei Wochen und vier Tagen auf ein Konzert gehen, von der besten Band der Welt! Ahhhhhhhhh! Und das alles nur dank Little B.! Ahhhhhhhhhh!

(Ansonsten heute so: dolles Gefühl von alle irre, quasi nichts geschafft wegen lauter Zeitfresseraufgaben und Physiotherapie mitten drin. Da aber sehr angenehm* massiert worden und danach wieder ein wenig in Wärmekissen eingepackt herumgelegen. Zurück zur Arbeit und da weiterhin alle irre.)

Ahhhhhhhhhh! Ich freu mich soooooo doll! Hach, hach!

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*Massage durch Physiotherapeut*Innen ist meist ja nicht sehr angenehm sondern eher so aua. Aber hinterher** ist es besser.

**bis morgen dann, wenn ich von der Massage sicher wieder Muskelkater habe.

Tag 1548 – Kurzer Abstecher.

War heute im Büro. Gefühlt das erste mal seit zweieinhalb Wochen (letzte Woche Montag zählt nicht so ganz). Lustig da. Leider viel zu viele Leute die „nur mal kurz“ was von einer wollen und am Ende hat man irgendwie nur 1/3 von dem geschafft was man hätte schaffen wollen und sollen. Tjanun, ne? Wird alles schön aufgeschrieben, ich sammle das jetzt in einer Tabelle mit dem Titel „Zeitfresser“. Alles, was nicht in meiner Stellenbeschreibung stand, ich aber trotzdem machen muss. Und glauben Sie mir, das ist nicht wenig und ein so bunter Strauß an Problemstellungen, dass ich hin und her gerissen bin zwischen Jauchzen wegen Abwechslung und Herausforderungen und Weinen wegen Ahnungslosigkeit und Überforderung. Ich sammle das, weil ich meine Arbeitsbelastung sichtbar machen möchte, bevor es wieder heißt „und in welchen Gruppen möchtest du sonst noch beitragen?“. Because ain’t nobody got time for that. Außerdem kann man mit so ner Übersicht eventuelle neue Stellenbeschreibungen besser machen und hat genauere Zahlen zur Hand wenn es um die Einstellung neuer allwissender Inspektøre geht.

Genug des Gemeckers. Morgen Homeoffice mit Arzttermin, etwas länger schlafen und ich hege Hoffnung wenigstens noch schnell im Einkaufscenter eine neue Handyhülle besorgen zu können, wenn ich schon mal da bin. Meine hat nämlich, wie in so nem Werbevideo für Fahrradhelme, einen Sturz sehr effektiv abgewehrt, ist aber dabei selbst kaputt gegangen. Nach 10 Monaten, der Geiz, die Umwelt, alles schreit aber immer noch besser als eventuell ein neues Handy zu brauchen, weil es doof auf die Kante gefallen ist.

Tag 1534 – Welcher Tag ist noch mal?

Mittwoch. Oha, schon 3/5 Inspektion rum und gefühlt noch nix geschafft.

Man muss wahrscheinlich ein bisschen verrückt sein, um diesen Job zu mögen.

Der Tag begann mit äußerst geringem Wasserdruck in unserem Hotel, und bei meinem Kollegen, der ein Stockwerk höher wohnt, machte es gar nur Schluuurrrrrps in der Leitung und es kam kein Tropfen raus – Wasserrohrbruch in kommunaler Leitung. Vom Frühstück nahm der Kollege dann ein Glas Wasser mit, damit er sich wenigstens die Zähne putzen konnte. Bei mir reichte es fürs Zähneputzen, aber Hände waschen war schon mehr Geduldsprobe als alles andere. Tjanun.

Dann Inspektion, Inspektion, Sendung-mit-der-Maus-Feeling, Inspektion, Pizza, Inspektions-Nachbesprechung.

Köpper ins Bett und kurz ein bisschen schlafen.

Diese Woche kein Sport weil hahahahahahahaha.

Nächste Woche wird dagegen wahrscheinlich sogar halbwegs entspannt. Vielleicht kaufe ich vorher noch so ein Nackenhörnchen, dann kann ich auf meiner einstündigen Zugfahrt pro Weg schon mal vorschlafen.

Ich werd jetzt schlafen und von Stillingsinstruks und Site Master Files träumen.

Tag 1512 – Grüße aus den 90ern.

Heute flog ich, nach einem halben Arbeitstag, der direkt aus der Hölle zu stammen schien (zu wenig Zeit für zu viele zu komplizierte Dinge, die GAR NICHT im Bereich meiner Kernkompetenz liegen, also wirklich Ü-BER-HAUPT NICHT) dahin, wo viele Deutsche gern mal Urlaub machen und jetzt bin ich hier im Plastik-Paradies. Ich mache Ihnen morgen im Tageslicht mal ein Foto von der Wal-Statue draußen vorm Hotel.

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Anekdote: ich bin mit meiner Kollegin hier, mit der ich bei bisher allen Inspektionen war, mit der ich außerdem ca. 60% meines Arbeitsalltages aus verschiedenen Gründen zusammenhänge und die ja auch meine Patin im Werk ist. Als der Mann bei der Autovermietung ihr ihren Führerschein zurückgab und grinsend gratulierte (wohlgemerkt um 18 Uhr nach einem halben Arbeitstag, Zugfahrt, Flugzeug immer alles nebeneinander sitzend), schnallte ich es dann auch mal. Dass am Flughafen ihr Bruder angerufen hat habe ich zwar mitbekommen, aber die Gratulation ist wohl an mir vorbeigegangen. Jaja, man muss schon eine Blitzmerkerin sein, so als Inspektør. Herzlichen Glückwunsch, liebe Kollegin!

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Abends dann das weggeschafft, was wegen Reise an Zeit verloren ging. Fühle mich ein wenig schlecht, dass ich die nächste Vertreterin für die Qualitätsabweichungs-Behandlung jetzt mit lauter kleinen Feuerchen zurücklasse, die lustig herumbrennen, aber ich glaube wenn ich nachts um viertel nach elf irgendwelche hochoffiziell mündigen Entscheidungen treffe ist das genauso kacke.

Tag 1508 – Scheitern mit Ansage.

Wenig überraschend war meine To-Do-Liste zu lang für einen Arbeitstag, selbst bei einer extra Stunde. Ich werde also wohl am Wochenende irgendwann noch Dokumente lesen müssen (weil ich das Mäppchen bis Montag früh um neun halt bearbeitet haben muss) und nächste Woche im Flugzeug irgendwelches Zeug zum Brexit lesen, weil aus Gründen und hoffentlich breche ich nicht weinend in den Armen meiner Kollegin zusammen, weil ich doch auch keine Ahnung habe wie die das da alles lösen können, herrje, da schlagen sich seit Jahren ganze Gremien mit rum!

Den Rest hab ich aber weggearbeitet, ganz nach Plan.

Abends dann mit der Babysittermama telefoniert, das eskalierte ein bisschen (ich hätte einfach hinfahren sollen) und jetzt stehen hier Fragen im Raum herum, keine schlimmen, keine Sorge, aber halt Fragen, die man sich stellen muss (?) wenn man so Superkinder hat wie wir. Die halt einfach die supersten sind, eh, alle beide. Aber immerhin sind die nächsten Babysittertermine geklärt und ich muss keine Kinder mit zum Schulelternabend schleppen, während der Mann in Kopenhagen weilt, puh. Wir alten Businesskasper, wir.

Tag 1507 – Von allem was.

Heute morgen wollte ich gern Pippi an der Bushaltestelle aussetzen, auf dass sie sich selber zum Kindergarten brächte. Haben wir natürlich nicht gemacht, aber der Wunsch war da. Nach schlechten Nächten, weil Kinder auf mir lagen, habe ich morgens für Geschrei ebendieser Kinder noch weniger Nerven als sonst.

Arbeit ein einziger wilder Ritt. Report Hersteller A durchgehen, drucken, stempeln, unterschreiben, schicken. Programm Hersteller B entwerfen, schicken. Kollegin an entworfene Ankündigung Hersteller C erinnern, nach Genehmigung schicken. Vorbereitung für Hersteller D ausdrucken und abheften für die Kollegin. Drei Anfragen zu vollständig unterschiedlichen Dingen aufgehalst bekommen, eine mit den beiden Kollegen sofort wegarbeiten aber dafür plötzlich in einem spontanen Telefonmeeting hängen. Eine soll bis Montag beantwortet sein, eine asap. Von allen habe ich eigentlich gar nicht mal so viel Ahnung, aber „da kannst du was lernen!“, ja super. Zwischendurch eine kleine Not-Unterweisung in Rezeptkontrolle, Expedierung, Pharmazeut*Innenkontrolle und allem was sonst so in Apotheken vor sich geht erhalten, aus Gründen. Ich weiß jetzt, was der Unterschied zwischen einem Rezept und einer Requisition ist, was Reiteration ist, dass man Rezepte und Requisitionen hier noch offiziell per Fax schicken darf aber nicht per Mail und lauter andere lustige Sachen. Das alles zur Vorbereitung auf Hersteller D, nächste Woche. Morgen im Homeoffice werd ich jedenfalls gut rotieren, denke ich. Report Hersteller E und den Rest der Vorbereitung auf Hersteller D stehen an plus halt diese zwei „super dringend, supi, Frau Rabe macht das, die braucht für jede Mail eh schon ne Stunde“-Anfragen. Koselig!

Weiterhin: festgezurrt, dass wir Michels Geburtstag mit einem seiner Kumpels in der Turnhalle der Schule feiern und die ganze Klasse einladen – sonst kriegt man ja die Turnhalle nicht. Wünschen Sie mir Glück und Nerven aus Stahl.

Tag 1457 – Schnell, schnell!

Mach Sport, haben sie gesagt, dann bist du schön ko und kannst gut schlafen, haben sie gesagt. Muhahaha, sagt mein Körper, wieso müde, wo ist die Party???

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Bei der Arbeit stellenweise ein leichtes Gefühl von alle irre, hui doof gelaufen und eieieiei das wird bestimmt teuer. Also alles nicht das Werk betreffend, sondern Leute, deren Mails ich lese. Die Betreuung der extra-Mailbox diese Woche ist schon hier und da amüsant, aufschlussreich und auch spannend. Murphy hätte auch seinen Spaß daran, glaube ich.

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Nix mehr. Muss wenigstens versuchen zu schlafen.

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Tag 1429 – Ferientag 8.

Pippi und ich haben heute einen Ausflug gemacht. Es war wahnsinnig spannend, quasi Ferienentertainment in Reinkultur. Wir waren in Oslo und haben unsere Winterbettdecke gewaschen (ehrfürchtiges Raunen vorstellen).

Es ist ja so: die Winterbettdecke, das wissen wir durch ein sehr spät nachts trocken werdendes Kind, liegt knapp über der Leistungsgrenze unserer Waschmaschine. Sie passt zwar rein, aber wenn sie dann richtig vollgesogen ist, schafft die Maschine das Schleudern nicht mehr, sie müht sich schrecklich ab aber die Unwucht ist zu groß und irgendwann gibt sie auf und man muss irgendwie versuchen, ein klatschnasses, tonnenschweres Stück Stoff trocken zu bekommen. In Trondheim kam ich deshalb irgendwann auf die geniale Idee, dafür in einen Waschsalon zu fahren, denn da gibt es bekanntlich deutlich größere Waschmaschinen. Nun ist Eidsvoll halt Eidsvoll und hier gibt es selbstverständlich keinen Waschsalon. Auch Jessheim hat keinen, Lillestrøm auch nicht, in Oslo gibt es ganze 2. Ich weiß nicht warum, aber Waschsalons sterben aus. Jedenfalls fuhren wir also dafür nach Oslo.

105 Kronen hin,

122 Kronen Waschmaschine,

115 Kronen Trockner,

105 Kronen zurück.

Hmmhmm. Würde ich nicht Reinigungen zutiefst misstrauen, nachdem wir mal Kissen (Daunengefüllt) haben reinigen lassen und das ewig dauerte und die Kissen danach sogar noch rochen wie vorher, würde ich sagen: das ist es ganz und gar nicht wert.

Aber so war es tatsächlich ganz lustig. Auch wenn die Besitzer*Innen des Waschsalons sehr hektisch herumsprangen und permanent irgendwelche Knöpfe drückten und mich anherrschten, weil ich zu langsam am Automaten bezahlte. Immerhin konnte ich mit meinem eigenen Waschmittel waschen, in der Dosierung, die ich möchte (da bin ich eigen) und ich weiß, die Bettdecke war immerhin einmal nass und dann einmal sehr warm, also dürften auch tatsächlich die meisten winterlichen Schlechtigkeiten nun raus sein.

Im Waschsalon hatten wir noch ein bisschen extra Unterhaltung, weil plötzlich, während ich die Wäsche von der Riesenwadchmaschine in den Riesentrockner umstopfte, die Tür aufging und ein (westlich-weiß aussehendes) Mädel im Sari hereinkam. Und dann noch eins. Und dann noch ca. 30, nicht alle davon westlich-weiß, aber alle in Saris oder gebatikten Tuniken, mit Punkten auf der Stirn und einige hatten Trommeln dabei. An der Bushaltestelle hatte ich von einem Hare-Krishna-Camp gelesen und mein durch Krimibücher geschulter Verstand schlussfolgerte, dass die bunte (Muhahaha) Truppe wohl daher kommen musste. In dem kleinen Salon war es schlagartig sehr eng, niemand sprach Norwegisch und ich war sofort von der Gesamtsituation überfordert. Die Mädels (und einige ganz wenige Jungs) hatten jede ein kleines Wäschenetz dabei und planten offenbar, jede für sich zu waschen. Schon eine normale Maschine hätte drei, vier dieser Netze gefasst, die Riesenmaschine bestimmt 8-10. Auf die Idee kamen aber diese ganzen Menschen nicht, stattdessen warteten die einfach alle, manche setzten sich hin und fingen an zu trommeln, bis eine Art Betreuer kam, der einen weißen Punkt auf der Stirn trug und ca. doppelt so alt wie der Rest war. Der handelte dann mit dem Waschsalonbesitzer, da trafen Welten aufeinander, es war geradezu lustig, bis es mir unangenehm wurde, denn der Waschsalonbesitzer nahm die wirklich arglosen und friedfertigen Hippies gnadenlos aus, verschwieg die großen Maschinen in der Ecke gekonnt und konnte sogar einen Teil davon überzeugen, für 120 Kronen das Kilo (!) die Wäsche von ihm waschen zu lassen. Vorteil: dann können sie die in anderthalb Stunden gewaschen und getrocknet abholen. 120 Kronen das Kilo, in der 10 Kilo Waschmaschine und dem entsprechenden Trockner (Preise siehe oben)… da hat der gute Mann echt ganz netten Umsatz gemacht, an einem Haufen Batikhemden-Jugendlicher, die, so schien es mir, die anderthalb Stunden trommelnd vor dem Waschsalon warten würden. Ich holte unangenehm berührt von dieser Raffgier Geschäftstüchtigkeit die Decke aus dem Trockner und zog mit Pippi und einer noch warmen, nach nichts duftenden Bettdecke von dannen.