Tag 1066 – Schränke weg, Backenzähne da.

Wir haben den ganzen Tag lang gepackt, vornehmlich im Schlafzimmer. Herr Rabe und ich schwanken beide zwischen „SO VIEL ZEUG OH MEIN GOTT!“ und „Ach, so viel ist das echt gar nicht.“ sowie „NUR NOCH ZWEIEINHALB WOCHEN ACH DU SCHEISSE WIE SOLLEN WIR DAS SCHAFFEN!“ und „Ach, eigentlich sind wir schon echt weit und zweieinhalb Wochen recht viel Zeit.“. Jedenfalls wurde heute weiter reduziert, ich habe drei riesige Taschen voll Zeug zum Fretex-Container geschleppt und einen Kinderschlafsack und zwei Schränke verschenkt. Jetzt sieht unser Schlafzimmer voll groß aus.

Die Kinder sind entsprechend der Situation gelangweilt, Eltern, die den ganzen Tag Sachen in Tüten und Kisten stecken sind keine gute Unterhaltung. Michel wird dann gern extra anhänglich und sitzt zum Beispiel oben auf der Leiter und nölt vor sich hin. „Orrrrr, was soll ich machen? Mir ist soooooo langweilig! Mama! Was. Soll. Ich. Machen??? MAMA! LAAANGWEILIG!“. Heute kroch er mir auf den Schoß. „Mama? Was machen wir noch?“ „Ich weiß nicht, kitzeln vielleicht?“ sagte ich und kitzelte ihn durch und wie er da so lachte sah ich mehr Zähne als ich erwartet hatte. Er hat sich nämlich klammheimlich zwei bleibende Backenzähne oben wachsen lassen und unten guckt auch einer schon raus. Hatte ich gar nicht bemerkt. Und der Schneidezahn wackelt auch nach wie vor, jetzt aber der daneben auch. Schwupps, großes Kind mit Wackelzähnen. Apropos großes Kind: er hat von seiner Kindergartenfreundin so eine Art Liebesbrief bekommen und es gar nicht geschnallt. Sie hat sich und ihn gemalt, wie sie im Bett liegen und Händchen halten und um sie rum ist ein Haus und obendrüber steht „Kjærestehus“, also „Pärchenhaus“. So niedlich, ich falle um. Und bald Schule. Der kleine große Zwerg*.

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Auto-Lobhudelei: klar kommuniziert, dass ich vor Überforderung schreiend im Kreis laufen möchte und Anweisung brauche, was ich tun soll.

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*Nach all dem Genöl über die Wut des Wutzwerges muss ich ja jetzt auch mal loswerden: es ist grad viel viel besser. Als wäre es für ihn auch einfacher mit dem konkreten „in drei Wochen ziehen wir daundda hin“ umzugehen als mit dem Rumgeeier und dem Damoklesschwert davor. Wer kann’s ihm verdenken, ich jedenfalls nicht. Aber ich freue mich, auch vor allem für ihn, dass er jetzt entspannter ist.

Tag 1063 – Ferientag 3. Vom Schenken.

Herr Rabe und ich haben einen Mini-Disput darüber, wie wir mit den Dingen verfahren, die wir nicht mit in das neue Haus nehmen wollen. Herr Rabe sagt: alles zu Geld machen. Ich sage: nervt mich zu sehr mit Leuten wegen 50 Kronen rumzudiskutieren und Hauptsache das Zeig ist weg und wir müssen es nicht noch entsorgen. Wohlgemerkt reden wir hier nicht von tollen Dingen. Es dreht sich um zwei Schränke, die wir 2013 hier für 500 Kronen gebraucht gekauft haben, ein Kinderbett, das wir selbst geschenkt bekommen haben (für die Matratze haben wir damals noch 60 Euro bezahlt, das ist aber auch schon 5 Jahre und zwei Kinder her), Herr Rabes (ur-)alten Teppich, den er seit seinem Auszug von seinen Eltern fleißig von Wohnung zu Wohnung schleift*, einen weiteren Teppich, der 2013 der billigste Ikea-Teppich in dieser Größe war und den wir nur haben, weil Michels Zimmer damals immer so kalt am Fußboden war, sowie etwa drei Kisten Kinderklamotten, eine mit Schwangerschafts- und Stillklamotten und eine mit Draußenanzügen, Schuhen und sonstigem Gedöns, aus dem die Kinder herausgewachsen sind. Die Kinderklamotten habe ich neulich schon ins Netz gestellt, dann Anfang der Woche in GROSSBUCHSTABEN die Preise auf die Hälfte runtergesetzt und so immerhin gestern die kleinsten Größen (50-68) verschickt. Ich würde das ganze Gesumse ja auch in den Altkleidercontainer stopfen, hätte ich nicht Angst, dass die dann Wischmöppe draus machen. Das mache ich mit meinen eigenen Sachen**, aber bei den Kinderklamotten wäre das wirklich die letzte Möglichkeit. Wenn das Zeug hier am 30. noch steht, wird es so sein, dann geht der Kram in den Container und dann hoffe ich mal, das jemand noch die Wollsachen herausfischt, Wollwischmöppe sind nicht so prall, habe ich gehört.

Aber wie gesagt, es sind ja noch andere Sachen da. Heute haben mir die Kinder beim Bücher einpacken geholfen und dabei fielen mir 4 Bücher in die Hände, die ich definitiv*** nicht mehr lesen werde. Nachdem wir uns mit Herrn Rabe auf ein Eis getroffen hatten, bequatschte ich dann die Kinder dazu, noch ein Stückchen weiter zu einem Bücherschrank zu gehen. Da setzte ich die Bücher aus und wir machten uns auf den Rückweg, ich erleichtert, Pippi auf dem Laufrad und Michel auf seinem Roller.

Auf dem Weg kamen wir an einem Spielplatz vorbei und weil Pippi unbedingt wollte, hielten wir da nochmal kurz an. Pippi turnte, schaukelte, kletterte, Michel murrte herum, ich saß im Schatten und tat gar nix. Das war auch sehr schön. Neben uns saß eine Familie auf einer Picknickdecke, mit Kindersitzen am Rad. Ziemlich abgerockten Kindersitzen. Wir haben auch so einen Sitz, von der gleichen Marke, leider ist die Halterung an Herrn Rabes gestohlenem Fahrrad gewesen und so ohne Halterung bringt der Sitz ja auch nix. „Sagt mal,“ sagte ich also, „sind das bei den Sitzen immer die gleichen Halterungen?“ „Ja, glaub schon.“ sagte der Papa. „Möchtet ihr nen neuen Sitz haben? Wir haben einen ohne Halterung und dann muss ich den nicht erst noch ins Netz stellen.“ Ja, und so kam keine Stunde später die Familie vorbei, nahm den Sitz und die dazugehörige Regenpelle mit und jetzt hab ich ein Dings weniger, über das ich mit Herrn Rabe diskutieren muss.

Die Schränke werden vermutlich am Samstag abgeholt, es läuft also alles, ganz entspannt und man macht noch Leute glücklich.

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Auto-Lobhudelei: viel und erfolgreich gerödelt.

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*irgendwie hatte ich mir eingebildet, dieser Teppich sei schon längst irgendwie verschwunden, aber da war wohl der Wunsch die Mutter des Gedankens

**heute noch eine große Tüte aussortiert, aber klar, ich BRAUCHE ca. 25 Strumpfhosen, darunter geht’s einfach nicht

***ehrlich gesagt habe ich zwei davon nicht mal ganz gelesen. Aber irgendwer denkt bestimmt „Boah, Moby Dick. Wollte ich immer schon mal lesen.“. Dieser Person wünsche ich dann schon mal viel Spaß und Kaffee.