Tag 844 – Schwuuuuups!

November rum.

Ich bin PhD-mäßig dem Zeitplan ziemlich hinterher, aber das ist ja nicht meine Schuld und deshalb ist mir das fast sogar ein kleines bisschen egal, ich kann’s ja nicht ändern und muss jetzt irgendwie damit zurechtkommen. Und dass die Kinder beide einfach mal ne gute Woche krank werden würden war halt so auch nicht ganz geplant.

Wie dem auch sei, immerhin habe ich es bisher geschafft, mir keine Fingernägel abzubrechen, es kann also morgen losgehen. Und Herr Rabes Adventskalenderzoll habe ich auch eben überwiesen*. Es ist vielleicht nicht so hübsch, wie letztes Jahr, aber doch schon ok.

Weihnachtlich ist mir noch gar nicht zumute, aber das kommt ja vielleicht noch.

Good news jedenfalls: die Firma in Schweden hat sich heute mit einem weiteren Bewerber getroffen und direkt danach wurde ich angerufen, dass ich im Bewerbungsprozess weiter gekommen bin und bitte Referenzen beibringen soll. Das läuft ja hier etwas anders, man hat ja keine Arbeitszeugnisse im deutschen Sinn, stattdessen werden die Personen, die man da angibt, direkt angerufen. Jetzt hoffe ich ganz stark, dass sich mein Chef noch dran erinnert, dass ich vor fast vier Jahren einen Structural-Biology-Kurs in Tromsø gemacht habe, bei dem auch einiges an Praxis bei war. Die anderen zwei Leute sind mein Ex-Chef, den ich, klug wie ich bin, heute Vormittag schon kontaktiert hatte, weil der HR-Mensch mir das am Dienstag schon gesagt hatte, dass das mit den Referenzen der nächste Schritt sei, und Mr. I-trust-you, dem ich da einfach mal truste, immerhin hab ich mit dem echt viel Zeit im Zelllabor verbracht, sehr viel über Demethylasen diskutiert und sogar mal auf einer Disputationsfeier getanzt. Die Lieblingskollegin ist leider im Urlaub und die andere Demethylasen-Kollegin war schon weg, die Bürokollegin fiel mir zu spät ein (ähhh ja, die saß ja auch nur neben mir bei dem Telefonat *hust*…) und die Massenspektrometriekollegin hat ja leider gar keine Zeit zum Telefonieren, sonst hätte ich sehr gerne auch ne Frau vorgeschlagen, aber tjanun. Jedenfalls sieht das alles recht vielversprechend aus. Ist ja auch mal was.

Auto-Lobhudelei: die Einleitung zum Manuskript ist stichpunktartig fertig (und vor allem sind die Referenzen alle drin**), das muss ich also nur noch zusammenhubschraubern. Außerdem habe ich drei Menschen um Hilfe gebeten, obwohl mir sowas unglaublich unangenehm ist. Und ich habe einen Haufen Daten in Prism geplottet und p-values ausgerechnet, nachdem ich endlich das erste Drittel der Massenspektrometriedaten bekommen habe*** und das geht inzwischen nahezu schon flott und sieht hinterher auch hübsch aus.

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*Da hat wer echt intolerant die Zollgebühren berechnet und deshalb… kriegt Herr Rabe am Heiligabend jetzt wohl eher eine klitzekleine Kleinigkeit. Mandarinen mag er nicht, aber vielleicht ein paar Nüsse.

**EndNote wird auch nicht mehr mein Freund.

***und die Daten sind leider nicht so richtig schön, aber man wird**** schon was rausquetschen können.

****ich werde. Meine Güte.

Tag 843 – Der Normale Wahnsinn.

Ich muss echt mal langsam mein Review über den The Ordinary-Kram, den ich ja inzwischen schon ein paar Wochen benutze, schreiben, es brennt mir auf der Haut unter den Nägeln.

Aber nicht heute, ich bin müde. Müde sein ist momentan eine gute Sache, die genutzt werden muss. Ich schlafe sensationell schlecht und komme morgens deshalb überhaupt nicht aus dem Quark und wenn ich so weiter mache, wiege ich bis Weihnachten noch 45 kg.

Deshalb und wegen überhaupt war ich heute morgen ziemlich spontan beim Hausarzt, um Blut abzuliefern um die Schilddrüsenwerte checken zu lassen. Mich würde nicht mal wundern, wenn da wieder was im Busch wäre. Mein Erwachsenen-Konto füllte ich auch noch gleich auf, indem ich drauf bestand, dass auch die Antikörper bestimmt werden. Das ist ja einerseits praktisch, wenn man einfach hingehen kann und sagt: Einmal Routinecheck Schilddrüse, Autoimmun! Und muss nicht jedes mal erst mit dem Arzt sprechen, andererseits überhören die Sprechstundenhilfen den Hinweis „Autoimmun“ halt wirklich jedes mal und dann darf man mit denen rumdiskutieren, dass es doch geschickt wär, gleich ein extra Röhrchen Blut abzunehmen, statt erst mit dem Arzt zu sprechen und mir dann ein weiteres Loch in meine einstmals wunderschöne Vene zu bohren.

Die Idee von Frau Brüllen der ihrer Firma der ihr Achtsamkeits- Selfbranding-Dings* finde ich übrigens, entgegen möglicher Vermutungen, total gut und übernehme das mal direkt, ich hab das Gefühl, ich kann’s brauchen, mich täglich selbst Lobzuhudeln. Grade jetzt wo ich mir oft richtig dumm vorkomme und vermutlich ein Bilderbuch-Beispiel von Impostor-Syndrom habe. Heutiges Auto-Schulterklopfen: Ich habe das mit der Antikörperprobe durchgesetzt, eine (die letzte für dieses Jahr!!!) Bewerbung abgeschickt, die sehr unbescheiden formuliert und trotzdem ehrlich ist und die ich wirklich gut finde und meinen inneren Impostor mit Kaffee ersäuft und angefangen, die Einleitung für das Manuskript zu schreiben.

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*Ich bin Westfale.

Tag 820 – Produktiv, aber…

Ich habe ein Problem. Es gibt kein nicht-ableistisches Wort für blöd. Trottelig. Ich bin ein Vollhorst.

Ich war heute ziemlich produktiv bei der Arbeit, habe alle meine Rohdaten in Zahlen und Plots umgewandelt (Graph Pad Prism ist schon ganz schön fein für sowas), an den Daten herumgerechnet und normalisiert und tausendundeinen p-Value bestimmt und gemessen und zwischendurch habe ich dann immer mal Zwischenergebnisse („Hier die Survival-Kurven.“, „Hier Zahlen zu p-bodies.“, „Hier die Westerns mit relativen Proteinmengen.“) an den Chef geschickt, mir hier und da sowas wie Lob* abgeholt, aber im Großen und Ganzen saß ich 7 Stunden lang an zwei Computern, unterbrochen nur von Mittagessen. Das war der produktive Teil.

Und dann hab ich irgendwo zwischen dem Fahrradkäfig und zu Hause meinen Autoschlüssel verloren. Den Keyless-Go-Schlüssel, den zu ersetzen ca. 3500 NOK** kosten würde. An dem ein Anhänger ist, auf dem der Name des Toyotahändlers in Lippstadt steht. Der auch auf dem Auto einen (wenn auch unauffälligen, aber eben) Aufkleber angebracht hat. Also rein theoretisch müsste man nichtmal sehr gewitzt sein, als potentielle*r Schlüssel-Finder*In, um drauf zu kommen, dass allzu viele Toyotas mit einem Aufkleber eines deutschen Autohauses hier nicht rumstehen werden. Gnaaa. (Klar kann man quasi ein komplett neues Schließsystem kaufen. Aber das ist noch viiiieeeeeeel teurer. Andererseits lacht mich meine Versicherung ganz sicher aus, wenn unter diesen Umständen das Auto geklaut wird.) Rotze. Echt mal.

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* Norweger*Innen loben ja nicht so besonders enthusiastisch. Beziehungsweise: sie bewerten nicht so offensichtlich. Inzwischen bin ich aber soweit, dass ich mir einbilde, Lob und Tadel aus neutral klingendem herauszuhören. Und für „kjempebra jobba“ („super gut gemacht“) muss man auch das nicht können.

** Ich: „Hmm, Blogbuch kostet 3500 NOK, das ist schon viel Geld, das brauchen wir sicher für was dringenderes.“ Auch ich: *verschlürt Autoschlüssel*

Tag 819 – #WmDedgT im vorletzten Monat 2017.

Hui, wo ist denn das Jahr nur hin?

Egal. Heute ist der 5. und das heißt, dass wir alle aufschreiben, was wir den ganzen Tag so machen und dann verlinken wir das bei Frau Brüllen, die sammelt sowas. Heute viele Sonntage.

Der Tag fing mit „Nane! Nane holn, Baba?“ und Kopfschmerzen an. Ich holte eine Banane und Pippi aß und ich hatte Kopfschmerzen und Pippi aß und sang und dann drehte sie sich um und ich dachte, sie schläft wieder ein, da wurstelte sich Michel am Fußende* aus der Decke und fragte irgendwas und dann war Pippi richtig wach. „Autehn, Mama? Autehn! Autehn!“ Ich motzte irgendwas und holte mir zwei Ibuprofen**, dann holte ich die auch motzenden Kinder und setzte uns drei aufs Sofa. Hier darf ja an jedem Wochenendtag einer ausschlafen, heute war Herr Rabe dran. Weil ich aber VERDAMMTNOCHMAL HÖLLISCHE KOPFSCHMERZEN HATTE, machte ich den Kindern Puffin Rock an und döste noch ein bisschen. Als ich wieder wach wurde, wirkten die Tabletten und ich sah mich in der Lage, Frühstück zu machen.

Wir frühstückten gemütlich und waren bis zum Mittag ordentlich faul, mit Sendung mit der Maus, Dinospielen, Angelspielen und „Michel spannt Pippi in ein Geschirr ein und Pippi rennt dann laut quietschend durch die Gegend“-spielen, Blogs lesen, twittern, versuchen, bei Frau Brüllen zu kommentieren und scheitern, dann bei Twitter kommentieren, hier Kommentare beantworten, sowas eben. Irgendwann machte Herr Rabe Pippi zwei kleine Zöpfchen und das ist so unglaublich niedlich, man könnte sie direkt fressen.

Dann war es Zeit zum Anziehen, denn Herr Rabe wollte mit den Kindern zu einem Kinder-Kultur-fest und ich musste zur Arbeit. Herr Rabe duschte und ich sortierte meine gestern gewaschenen Schminkpinsel in ihre Etuis*** und putzte den Kindern die Zähne und zog Pippi an. Michel kämmte sich mit viel Wasser den Pony akkurat an die Stirn und sah damit wirklich total *hust* dämlich *hust* aus. Glücklicherweise hat er ja Naturwellen und die Haare bleiben nicht so, wenn sie trocknen.

Als alle angezogen waren, wog ich noch schnell den Brief ans NAV, wegen der Erweiterung der Krankheitstage. 26,8 g, weil aus der einen Seite dank neuem Formular plus Deckblatt für die Scanzentrale vier geworden waren. Augenrollen.

Wir nahmen alle den Bus und die Kinder stiegen mit Herrn Rabe in der Stadt aus, während ich noch ein Stückchen weiter fuhr und am Krankenhaus ausstieg. Trist, so ein Krankenhaus am Sonntag. Ich holte mir einen großen Kaffee und kaufte eine weitere Briefmarke für den NAV-Brief, den ich dann direkt draußen einwarf. Hurra, ist das endlich weg. Ich ging ins Labor, stellte den Kaffee im Büro meiner Kollegen**** ab und schaltete das Mikroskop an. Den Kaffee trank ich dann während der ersten zwei Z-Scans, das dauert nämlich gut und gerne so 15 Minuten, da kann man also gut quer durchs ganze Labor zum Kaffee wandern. Und alte Proben wegwerfen. Und sich drüber freuen, dass ich andere alte Proben nicht weggeworfen hab.

Ich scannte mich erst durch die Multicolor-Proben. Jedes Mal: Objektiv runterdrehen, Öl drauf, Probe drauf, Zellen suchen*****, schöne****** Zellen suchen, Bild machen (1 Minute), Zoomen, Bild machen (1 Minute), Z-Scan******* machen (~15 Minuten). Bei 9 Proben dauert das etwas. Und danach hatte ich noch 4 Proben, von denen ich jeweils ca. 30 transfektierte******** Zellen brauchte. Uffz. Um sieben war ich endlich fertig. Fertig. FERTIG! FERTIG MIT ALLEM, WAS ICH FÜR DAS MANUSKRIPT BRAUCHE! Yeah.

Mit Herrn Rabe hatte ich zwischenzeitlich abgesprochen, dass ich Pizza mitbringen würde. Ich rief also das Lieblingsrestaurant an und bestellte drei Pizzen, holte mir auf dem Weg zum Bus noch einen kleinen Kaffee (sonst würde ich jetzt vermutlich schon komatös schlafen) und nahm den Bus nach Hause. Holte die Pizza ab und klingelte an der Haustür, weil ich so beladen war. Hörte schon Pippi durch die Gegensprechanlage „Hallooo?“ und dann im Flur „Hallo, Mama! Hallooo-ooohhh!“ die ist so niedlich, ey.

Zu Hause erwartete mich eine überdrehte, weil müde und hungrige Kindermeute. Herr Rabe berichtete beim Essen über das Kinderfest, sie sind irgendwie natur-Dings-gesegnet worden und haben Buttons gemacht und ein Mann hat Didgeridoo gespielt und und und und. Ich glaube, sie hatten einen guten Tag.

Nach dem Essen war es sowas von dringend Schlafenszeit für die Kinder. Wir machten die übliche Klo-Schlafanzug-Zähneputzen-Kablette*********-Runde, dann las ich Michel ein Kapitel aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (auf Norwegisch) vor, Herr Rabe brachte Pippi ins Bett und die Kinder schliefen auch recht schnell ein.

Leider war da noch nicht Feierabend für uns. Ich machte die Wohnung für die Putzfrau fertig, Herr Rabe machte Linsenlasagne für morgen (und die nächsten drei Wochen, der Menge nach zu urteilen). Ich packte noch Michels Schwimmsachen ********** und machte Brotdosen für beide Kinder fertig, legte uns dreien mindestens Unterwäsche raus und ging duschen. Machte das Peeling fast leer (neues, mit A statt B, ist unterwegs), schnitt Fußnägel, piekte mich mit der Spitze der Nagelschere ein bisschen, fing wie verrückt an zu bluten und stellte daran fest, dass der Zyklus bald zu Ende sein muss. Ein Blick in die App verriet: so ist es. Bald also wieder PMS, aber dann auch wieder hormonelle Verhütung, um dieses PMS in der Intensität endlich abzustellen.

Nach der Dusche wohlriechend ins Bett und den Tag abtippen.

Morgen um spätestens neun bei der Arbeit sein: Michel muss wegen des Schwimmens eh vor neun da sein und wir haben um neun jetzt wieder Meeting. So schön.

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* Unser Familienbett-Kompromiss. Jeder schläft in seinem Bett ein und Michel schläft, wenn er nachts zu uns kommt, am Fußende.

** Wenn der Schmerz kurz vor Migräne ist, lieber gleich zwei.

*** das klingt fancier, als es ist. Ich habe ein Täschchen, da werfe ich alles rein und eine Rolle, da kommen die Pinsel wieder rein, die damit geliefert wurden.

**** die haben ihr Büro im Labor, aber es zählt als Büro, deshalb darf man da Kaffee trinken.

***** also Kreuz und quer auf dem Objektträger rumfahren, die Zellen sind nicht immer dicht genug, damit man überall was sieht.

****** in einer einzelnen Schicht gewachsen, intensiv genug gefärbt, möglichst noch mit den Compartments, die ich sehen will.

******* in verschiedenen Ebenen, von oben nach unten durch die Zelle gescannt. Das Ergebnis sind quasi Scheiben, die man zu einem 3D-Bild zusammensetzen kann.

******** mit einem Genstück aus Bakterien gebe ich den Zellen den Bauplan für ein Protein, das sie eh machen, mit einem Protein „drangeklebt“, das ich mit einem Laser zum Leuchten anregen kann. Das „geben“ nennt man Transfektion. Ich brauchte also ca. Dreißig blau leuchtende Zellen:

Wie man sieht leuchten nicht alle, weil eben nicht alle (genügend) fremde DNA aufgenommen haben.

********* Michel macht mit dem Kindergarten die ganze nächste Woche Schwimmkurs. 45 Minuten pro Tag. Genau das gleiche Lernziel, wie in dem teuer bezahlten und irgendwie doofen Kurs. Tjanun.

********** Morgens niedrig dosierte Eisentablette, abends Vitamin D, für alle, die wollen. Die Kinder wollen zumindest Vitamin D eigentlich immer, die sind aber auch echt lecker.

Tag 0815 – A. is the nicest guy ever.

Also, he is incredibly smart AND handsome. Welcome, Mr. Computerinder!

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Mein Kollege hat meinen Blog gefunden. Tjanun*, ich hab es ja nicht aktiv verheimlicht, aber ich bin tatsächlich ein bisschen nervös, dass das jetzt hier Kreise zieht und demnächst mein Chef** besser weiß als mir lieb ist, wie wenig ich mit der norwegischen Art, Konflikte zu hantieren*** zurechtkomme. Aber egal, mich hemmt das ja nicht (muhahaha).

Leider ist ansonsten heut wenig passiert. Ich saß laaaaaaange am Mikroskop, ich habe ein (in Worten: ein) Stress granules gesehen, ich habe auch herbes Photobleaching gesehen (und die Pi-Elektronen sind schuld, wie an allem) und konnte deshalb nicht gerade schöne 3D-Bilder von dem Stress granule machen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine davon ohne zu wissen, worauf genau, weil außer der Überschrift und dem Standort keine Information abrufbar war. TJANUN. Daten ausgewertet und Unterschiede gesehen. Hurra! Wir mögen Unterschiede. Unterschiede lassen sich viel besser diskutieren, als keine Unterschiede.

Sonst war nix. Aber hier ein „Video“ von meinen schnaufi-schnarch-fiependen Kindern. Ich geh tot, so niedlich sind die. Wenn sie schlafen.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

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* Was macht Google Translate eigentlich aus Tjanun? Hmm?

** Who, by the way, is the best supervisor ever. Of course. Very supportive.

*** Ich überlege grade: das sagt man auf deutsch nicht so, oder? Oje, was ist nur aus mir geworden.

Tag 806 – Puh.

Seltsamer Tag. Ging damit los, dass Michel ein dickes Auge hatte, das sehr ähnlich aussah, wie das, was ich in Bergen hatte. Also Vereinbarkeitsspagat mit Einbindung des Besuchs, der nach dem Arzt- und Apothekenbesuch Michel dahin brachte, wo der Kindergarten auf Ausflug war. Herr Rabe brachte Pippi mitsamt ihrer Hand-Mund-Fuß-Krusten in den Kindergarten, während wir beim Arzt waren. Dann Arbeitarbeitarbeit, zum letzten Mal Zellen mit krebserregendem Zeug behandelt, zum letzten Mal Zellen fixiert. Die Fischleute angerufen und… eine Abfuhr kassiert. “Es liegt nicht an Dir, es hatte nur jemand anders einen stärkeren Hintergrund.” Joa. Geatmet, nicht geheult, geatmet, zum letzten Mal RNA isoliert. Aus 42 Proben, für die ich versehentlich die DNAse für 50 Proben verbrauchte, so ganz konzentriert war ich also wohl nicht. 

Dann super gute Nachrichten von Frau Brüllen. Hurra! 

Während der RNA-Isoliererei schleichende Erkenntnis: Ich bin irgendwie erleichtert, dass das mit den Fischleuten nicht geklappt hat. Vermutlich hätte ich mich tatsächlich nach ein paar Jährchen da gelangweilt. Und dann wäre ich in einem Job, von dem aus ein Wechsel auch recht schwierig wäre. Insofern: kein Mitleid nötig, es ist ok. Was nicht so schön ist, ist dass ich jetzt wieder voll drinstecke in der Zukunftsangst. Aber es ist auch da ein Entschluss gereift: Wenn mich Norwegen ganz offensichtlich nicht will (ich meine, mehr als mich auf alle in Frage kommenden Stellen bewerben kann ich halt auch nicht machen), weite ich mein mögliches Gebiet ab sofort aus. Ja, auf Deutschland und die Schweiz. Ich hab auch schon von Freundinnen Stellenanzeigen geschickt bekommen, das gehe ich morgen alles mal an. Nachdem ich zum letzten Mal poly(A)-RNA angereichert habe.

Dann nach Hause, lecker gegessen, unlecker Pippi ins Bett gebracht. Brüllpippi muss derzeit mal wieder Terror machen, bevor sie dann einschlafen kann – um nach zwei Stunden wieder loszubrüllen. So schön.

Simpsons geguckt, mit Besuch und Smash und Chips, dabei Fingernägel mal wieder überaus scheiße lackiert. 

Jetzt Bett und nicht grübeln. Bekymring ist nicht. 

Tag 803 – Erste und letzte Male. (Bjuti-Content)

War ja klar, dass das heute irgendwie schwierig werden würde, mit krankem Kind* und dem fiesen Versuch. Entsprechend sitze ich jetzt gerade bei der Arbeit und mache Sachen zum letzten Mal. Was ja auch irgendwie super ist. Zum Beispiel habe ich heute zum letzten Mal Zellen transfektiert und ich habe, weil ich keine „lebenden“ (also welche, die ich noch weiter führen muss) Zellen mehr habe eben jede Menge Medienreste weggeworfen. Und gestern um diese Zeit habe ich zum letzten Mal die große Ethanolflasche aufgefüllt. Jippie!

Und weil ich ja Zeit hatte heute, hab ich aus Jux und Dollerei die Serum-Foundation von The Ordinary ausprobiert. Es war… interessant (hier der Link—>). Und jetzt, nachdem das alles seit sieben Stunden drauf ist, ist mein Fazit: naja. Die trockenen Stellen sind immernoch trocken, dafür hat sich meine Nase und Stirn astrein durch die Foundation (und das Puder) gefettet. Gut, dass die nicht so teuer war. (Aber ich hab ja noch ne Farbe und nen anderen (feuchteren, vielleicht hilft das ja) Primer zum Probieren.

Jetzt noch 5 Minuten arbeiten und dann Feierabend. Bis Mitternacht, dann wieder hier. Und dann um halb neun morgen früh wieder. Und DANN, morgen Abend um halb neun, werde ich zum letzten Mal Zellen ernten.

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*es ist Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Badumm-Tsss.

Tag 800 – Endlich ist die 7 vorne weg.

Mehr Positives gibt’s leider zum Tag nicht zu sagen. Die letzten Tage waren wohl sehr anstrengend, die Quittung kam heute in Form von Migräne, gegen die nichts wirklich* half, nicht mal Triptane. Wundervoll, wenn man Meetings hat und sich gerade den Arsch abarbeitet um inzwischen drei bis vier Paper zu fixen. Ja, ich weiß, Warnzeichen und so, aber. Die Zeit rennt mir weg, ich musste da also heute irgendwie durch. Und weil ich härter** bin als die Scheiß Migräne, zog ich es eben durch, auch den Nachmittag und Abend, irgendwie, mit Müh und Not und eben Schmerzen. Aber jetzt bin ich auch sehr froh, im Bett zu liegen, mit der Sommerbettdecke*** und zwei Wärmekissen und gleich einfach zu schlafen****. Hoffentlich killt das den Rest der Schmerzen.

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* Zwei Ibuprofen (400 mg jeweils) schafften ca. 30% der Schmerzen, das ist nicht gut, normalerweise sollte das eine sehr deutliche Besserung bringen. Die Almotriptan-Tablette, die sonst wirklich immer hilft, schaffte noch mal 30%, aber mehr eben auch nicht. Dafür brachte die 100% der üblichen Nebenwirkungen mit (Müde, Kreislauf, Müde, Wattekopf und Müde), also echt kein toller Erfolg.

** Hahahahaha. Manchmal. Manchmal heule ich dann auch Rotz und Wasser und liebe Mitmenschen haben auch schon mal den Notarzt gerufen, weil ich zu lange mit den Tabletten gewartet habe und dann bleiben die am Ende nicht mehr drin, weil mir dann auch schlecht wird und dann ist echt alles vorbei.

*** Lange Geschichte, die mit einem sehr tief schlafenden Kind und einer sehr großen Bettdecke zu tun hat, die die Waschmaschine nicht zu schleudern schafft. Der Bösewicht in der Geschichte ist die herbstliche Temperatur und mein Bedürfnis nach frischer Luft UND Wärme in der Nacht.

**** Bitte besser als letzte Nacht, als Pippi ca. 15 Minuten lang wie abgestochen hysterisch „NEIN! NEIN!“ brüllte, dabei war sie wach und wir machten absolut gar nichts, sie brüllte einfach. So schön.

Tag 758 – WmDedgT September ’17.

Heute ist schon wieder der fünfte, das heißt, wir alle schreiben für Frau Brüllen auf, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Ein Tag voller Aufs und Abs.

Es ging damit los, dass um 05:35 (?) Herr Rabes Wecker laut und penetrant klingelte. Herr Rabe stellte seinen Wecker aber nicht ab. Als ich kurz davor war, mit meinem Kissen nach ihm zu werfen, realisierte ich in meinem halb schlafenden Gehirn dass der Mensch da an der Stelle wo ich Herrn Rabe vermutete viel zu klein war. Und zu lockig. Da lag also Michel, Herr Rabe lag mit Pippi in Michels Bett. Das erklärte einiges und ich brauchte dann auch nur drei Anläufe, um den Wecker auszustellen. Dann döste ich noch eine Weile weiter, stellte irgendwann auch Herr Rabes zweiten Wecker aus und dann meinen und dann las ich Blogs und sonnte mich ein bisschen im Lob über den Beitrag von gestern und dann stand ich auf. Weckte Herrn Rabe, schaltete die Kaffeemaschine an und ging ins Bad. Haare waschen, Gesicht waschen, anziehen, zwischendurch Grøt für das Kinderfrühstück ansetzen, Haare föhnen, schminken. Sie lachen vielleicht, aber inzwischen war es halb acht. Aber da ich heute eigentlich sogar gar nicht zur Arbeit fahren wollte, war mir das ausnahmsweise mal egal. Pippi war wach geworden, ich holte sie aus Michels Bett und dann weckten wir Michel. Die Kinder wurden mit Frühstück versorgt und Herr Rabe drückte mir einen Kaffee in die Hand. Die Kinder frühstückten wie immer in Zeitlupe, ich zog während er aß Michel um (das funktioniert am besten, da hampelt er wenigstens nicht rum), Herr Rabe machte sich auf den Weg zur Arbeit. Michel wollte noch einen Brief an Einhalb schreiben, er möchte nämlich gerne auch selbst Post bekommen und da ich da gestern etwas angeleiert hab, fand ich es eine gute Idee, wenn er schon mal „in Vorleistung geht“, gewissermaßen. Michel malte sehr hingebungsvoll eine Rakete mit Boosterraketen und Klappfenstern und dann noch ein Haus mit vielen Fenstern, vor dem Pippi steht. Ich war wirklich beeindruckt, vor allem Pippi ist eindeutig als Würfelbaby Mensch identifizierbar, das ist ein enormer Fortschritt. Aber natürlich dauerte das ganz schön lange und Pippi musste nebenher natürlich auch malen und dann Stifte anspitzen und dann ihre Finger anspitzen, dann musste Michel noch Einhalbs Namen schreiben, der erste Buchstabe ist auch aus Pippis Namen und den kann er ganz gut, dann kam aber ein neuer und „den muss ich so ganz groß malen, das geht sonst nicht gut“ und jetzt steht da halt der erste Buchstabe in ca. Schriftgröße 15 und der Rest in 65, aber das ist einfach so niedlich. Den Rest der Karte (bis auf Michels Namen am Schluss) schrieb dann ich in Druckschrift, Einhalb hat ja auch gerade erst mit der Schule angefangen. Dann tüteten wir den Brief ein und ich zog mit Pippi ins Bad, um sie endlich anzuziehen. Michel fragte, ob er seinen Namen auf den Briefumschlag schreiben dürfe, „Ja, hinten!“, rief ich aus dem Bad und natürlich stand hinterher vorne auf dem Briefumschlag fett in Kleinkindschrift „MICHEL RABE“, mit Punkt auf dem I. Ich fand keinen Radiergummi, Michel schrieb seinen Namen auch hinten noch mal drauf, dann putzte ich uns allen die Zähne, machte Lippenstift drauf (ich hab grad keine Nude-Phase, das Ergebnis gefiel mir jedenfalls nicht so wirklich) und scheuchte die Kinder aus der Tür. Auf der Treppe nach unten fiel mir auf, dass Pippi schon wieder einen Kamm mit geschmuggelt hatte. „Du bist eine kleine Rübennase, Pippi!“, sagte ich und „Pippi Dübenase, hehe!“, sagte Pippi.

Weil ich mein Fahrrad gestern bei der Arbeit gelassen hatte, montierte ich das Hilfsrad an den Croozer und schob Pippi darin in den Kindergarten. Michel fuhr Rad und schwafelte mich dabei voll, wie immer. Im Kindergarten angekommen rannte Pippi direkt ohne Verabschiedung in den Gruppenraum, Michel drückte mich nochmal und knutschte mich ab und dann stand ich auch schon wieder draußen und machte mich auf den Weg zur Arbeit. Beim Überlegen, ob ich mir eine Banane holen sollte, fiel mir ein, dass das, was ich als Mittagessen geplant hatte, noch zu Hause war. Chili von Sonntag, wäre es von gestern gewesen, hätte ich es wohl einfach stehen gelassen und mir halt heute was gekauft, aber so sprang ich eben kurz nochmal in die Wohnung und holte das Chili und noch eine halbe Waffel, die ich dann zum Frühstück auf dem Weg aß. Ein Kaffee vom Rema 1000, vorbei an der ultra eklig stinkenden Pfütze (aus der es, ohne Witz, warm aufsteigt, da muss doch was drin verendet sein und verwest da jetzt langsam!) und so war ich auch „schon“ um halb zehn bei der Arbeit. Aber wie gesagt, eigentlich wollte ich ja gar nicht hin, ich musste nur was bestellen und einmal nach meinen Zellen sehen und dann wollte ich auch eigentlich schon wieder fahren.

Eigentlich. Dann googelte ich aber doch noch schnell nach Phenolrot-freiem Medium, um nochmal bessere Konfokalbilder zu bekommen (ich nerde mich da grad total rein und finde es, gelinde gesagt, total geil) und fand auch das, was ich für meine Knock-Out Zellen laut Hersteller benutzen soll als Phenolrot-frei, las mir die Formulierung spaßeshalber (!) durch und stolperte über den Satz „… our special formulation is iron-free.“. Jetzt ist es so, dass ich unter anderem mit einer Knock-out-Zelllinie die Funktion einer Eisen(II)-abhängigen Dioxigenase untersuche. Abhängig heißt, ohne Eisen keine Reaktion. Das Enzym funktioniert nicht. Knock-out heißt, das Enzym ist auf der genetischen Ebene zerstört, wird also gar nicht gemacht. Ich vergleiche im Prinzip dann, wie der Wildtyp (mit intaktem Enzym) und der Knock-Out (ohne Enzym) Schäden reparieren, die ich den Zellen chemisch zufüge. Nur dass ich halt kein Eisen im Medium hatte, was ich nicht wusste, und damit hat halt auch im Wildtyp das Enzym nicht funktioniert und meine Arbeit damit war komplett Sinn- und wertlos.

Ich eskalierte kurz.

Dann schrieb ich eine Mail an den Zelllinienhersteller, was ich denn jetzt machen sollte, verglich Medien, berichtete dem Chef von meinem grandiosen Fund, aß Mittag, verglich weiter Medien, verglich verschiedene Eisen-Salze, versuchte herauszubekommen, ob nicht vielleicht doch ausreichende Mengen Eisen im Kälberserum sind (Antwort: who knows, das untersuchen die ja nicht jedes Mal, hahaha), bestellte Eisennitrat, bestellte neue Kits zur Aufreinigung von mRNA, weil mir vermutlich halt der letzte Versuch deshalb in die Hose gegangen ist. Drei echt volle Tage Arbeit und Kits im Wert von fast 1000 USD. Oh, welch Freude.

Dann ging ich zum Chef um ihm von meinen Eisenrecherchen zu berichten. Er empfing mich mit „Congrats!“. Ich guckte fragend und er sagte „To You! And to me! They [der amerikanische Collaborator] got their article [in Nature] accepted!“. Ich sage es mal so: WHOOOOOOOHOOOOOOO! Da steht mein Name mit drauf, in fucking Nature, ich hab zwischendurch immer wieder nicht dran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: der kommt jetzt raus! Damit habe ich auch das eine Paper, was für die Thesis veröffentlicht sein muss, im Kasten. Yeah!

Danach war mir alles ein bisschen egal, es kam noch eine Mail, ein Antikörper sei gekommen, ich schwankte zwischen „direkt nach Hause und den Sekt öffnen“ und „morgen schon ein Ergebnis für den Antikörper haben“ und entschloss mich, gerade meiner ausgelassenen Stimmung wegen, für letzteres. Buchte mir eine halbe Stunde am Mikroskop morgen und färbte Zellen. Aber grinsend, und während der 45 Minuten Blocking (aka. Wartezeit) ging ich beschwingt zum 7Eleven und holte mir noch einen Kaffee und einen riesigen Schokomuffin. Ging zurück ins Labor, räumte die zu färbenden Zellen in den Kühlschrank und war bereit, nach Hause zu gehen. Im Büro fiel mir dann der Brief wieder ein, im Büro habe ich ein Radiergummi und ich radierte schnell und bekam auch Fluchs die Adresse. Beschwingt verließ ich das Büro, zog im Fahrstuhl nochmal den Lippenstift nach (ja, der hat so lange gehalten) und dann klingelte mein Handy. 

Meine Mutter. Mit ihr telefonierend schloss ich mein Fahrrad auf und schob dann bis zum Samfundet, weil sie, unbeeindruckt der Tatsache, dass es bei mir ziemlich stürmisch war und sie deshalb von mir dauernd nur Rauschen hörte, einfach immer weiter erzählte. Irgendwann merkte sie dann aber doch, dass sich so keine richtigen Gespräche führen lassen und wir verabschiedeten uns – unter der Voraussetzung, dass ich sie anrufen würde, wenn ich zu Hause sei. Ich fuhr also los, sprang kurz vor zu Hause noch mal ab und in den Bunnpris um den Brief abzugeben, traf noch kurz Kindergartenkind E. und seine Mutter und dann war ich auch um sechs schon zu Hause. Toll.

Herr Rabe war schon am Kochen, die Kinder und ich riefen per Skype die Oma wieder an. Pippi rollte während des Gesprächs dauernd mit den Augen, was einerseits sehr niedlich war, andererseits aber auch unglaublich komisch, jedenfalls fand ich das in meinem immer noch ziemlich euphorischen Zustand. Michel zeigte der Oma alle seine Lieblingsspielzeuge. Pippi rollte mit den Augen. Dann kam die Frage „Kommt ihr denn dann nächstes Jahr nach Hause?“, ich dachte auf einigen Ebenen „What the fuck?“, sagte aber nur „Ich weiß es noch nicht, Mama.“ Haha. Zu Hause. Dann gab es glücklicherweise Essen, sodass ich meine Mutter leider, leider abwürgen musste.

Lecker Essen (Couscous mit Gemüse und Quorn-Schnitzel), dann Kinder-Bettzeit. Planmäßig nicht neben Michel eingeschlafen, sondern stand nach einer Runde Twitter- und Blogslesen (Ich winke mal nach Finnland: Hier ist auch Herbst, richtig und in echt und ich bin auch so gar nicht bereit dafür!) wieder auf. Lauschte noch kurz den zwei schnurchelnden Mäusen und ging dann ins Bad. Schminkte mich ab, cremte mich ein, betrachtete etwas sorgenvoll meine im Moment wieder ziemlich picklige Haut (Memo an mich: gucken, ob The Body Shop mehr als nur die Verpackung der Nachtcreme geändert hat!) und machte dann Brotdosen für die Kinder morgen fertig. Sprühte die Schnecken ein, betrachtete sorgenvoll auch die Quarantäne-Schnecke, die so viele Eier gelegt hat und jetzt, so vermute ich jedenfalls, leider stirbt, vielleicht waren es ein bisschen sehr viele Eier… Jedenfalls frisst sie nicht und zieht sich immer weiter in ihr Haus zurück. Öffnete mir ein Feier-Bier, kippte den Rest vom Sekt von Freitag weg (der war auch echt einfach nicht lecker und dann noch mit ohne Kohlensäure… *schauder*) und seitdem sitze ich hier und schreibe. Gerade kam eine Mail, dass der Zelllinienhersteller „meine Anfrage bearbeitet“ und sich bis Ende der Woche zurückmelden wird. Super, davon kann ich mir ja jetzt auch nen Blumentopf kaufen. Aber egal, das verhagelt mir meine Laune jetzt auch nicht mehr, ich gehe gleich ins Bett und lese noch eine Runde über Harry Hole in Bangkok (ich lese ja die Harry Hole-Bücher von Jo Nesbø nicht chronologisch, um meine Zwanghaftigkeit abzubauen das hat sich einfach so ergeben und ist… auch mal interessant!) und dann ist Licht aus angesagt, morgen kann ich nicht wieder so spät bei der Arbeit auflaufen, ich hab ja zu tun.

Tag 754 – Stößchen. 

Today’s the day. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich im Zweifel eben ohne Unterstützung durch meinen Supervisor fertig werde. Und dass ich das schon schaukeln werde. Weil ich’s kann. Ich kann das. Das Thema, das selbständige Denken und das Entscheidungen treffen. Ha. Soll er doch in Funklöchern Fische angeln, ich fixe derweil die Hälfte der Konfokalbilder*, bestelle mir Zeug zusammen um den Rest noch schön zu machen (und weiche damit nicht nur ein bisschen von seinen irrwitzigen Plänen ab, aber irgendwer muss ja auf dem Boden der Tatsachen bleiben), organisiere mir Gratisproben an Antikörpern, damit ich nicht unnötig viel Geld verpulvere** und plane nebenbei das dritte Manuskript samt Backup***, wenn die Daten wirklich allzu schlecht sind. 

Und das Wichtigste: ich hab mit dem potentiellen Opponenten gesprochen, ganz alleine, weil mein Chef halt unentschuldigt fehlte nicht da war, es war sehr gut, ich fühle mich nicht dümmer als vorher, wir haben fast auf Augenhöhe miteinander gesprochen****, er freut sich sehr auf den Artikel und hat seine Hilfe als Vorab-Reviewer angeboten. Er freut sich auch sehr, mein Opponent zu werden. Hurra! Kein Paper veröffentlicht, aber nen Opponenten, das ist ja auch mal ne Herangehensweise. Witziger Weise (ok, eigentlich überhaupt nicht witzig, weil es zeigt, wie wenig er in dem Thema drin ist)  kannte mein Chef den nichtmal vom Namen her. Egal, auf das gute Gespräch und auf die Erkenntnis oben habe ich eben eine Flasche Sekt geöffnet. Kann man ja mal machen, nach so ner Kackzeit. 

Und weil ich jetzt Wochenende habe und gedenke, nicht zu arbeiten und mir auch keinen Kopf mehr um alles zu machen, habe ich eben eine Mail an unseren Proteomics guy geschickt, auf dass er mir nicht wieder das Wochenende versauen möge. 


Gnihihi. Cheers!

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* Wenn ich die vom Computer gezogen hab, zeige ich sie Ihnen auch. 

** So wie für den Donkey-anti-goat Antikörper, den ich kaufte, als ich noch glaubte, der primäre (goat-) Antikörper würde funktionieren. Tut er nicht, habe ich gestern (mal eben nebenbei, hahaha) recht eindrucksvoll bewiesen. 

*** Ne recht langweilige Geschichte, aber immerhin ne „Safe Story“, der Vergleich von vier (vielleicht sechs, mal sehen) Proteinen bei der Reperatur von Methylierungsschäden. In mRNA, vielleicht auch DNA. Lame, aber, wie gesagt, sicher. Denn da kann man tatsächlich „hat keinen Einfluss“ als Ergebnis verkaufen. Und man kann es später im Zweifel noch voll aufblasen und tatsächlich veröffentlichen, aber das mache dann nicht ich. 

**** Er hat ne PostDoc-Stelle ausgeschrieben. Ach, ach, ach. Aber USA? Hmmmmmmmmnee. Und Wissenschaft ja eigentlich auch nicht. Aber – Hachja. Das wär schon auch was. Hachjajaja.