Tag 354 – Wuaaahhhhh!

Pippi kommt morgen in den Kindergarten. Morgen. Mor-gen. 

(Um da nicht zu viel drüber nachzudenken, war ich heute mal locker flockig drei Stunden arbeiten. 12, jetzt 24 Flaschen Zellkultur machen ganz schön Arbeit. Vor allem wenn nichts, aber auch wirklich gar nichts, was man zum Arbeiten braucht, im Zelllabor vorhanden ist. Keine Pipetten, Pipettierhilfen mit leeren Akkus, Serum alle, Trypsin alle, keine Kulturflaschen… Obendrein noch zwei Inkubatoren wegen Wartung morgen gesperrt, sodass ich sämtliche 24 Flaschen in Sechserstapeln durch das gesamte normale Labor ins andere Zelllabor zu den anderen Inkubatoren schleppen musste. Und weil ich heute so fleißig war, hab ich morgen – aus gegebenem Anlass – frei. Trotzdem: würde Herr Rabe sowas machen, ich würde ausrasten. Manchmal frage ich mich, wie es diese Familie mit mir aushält.)

Tag 351 – Nörgel

Kacklaune weil Erkältung und PMS (hoffentlich), höllischen Schmerzen im rechten Handgelenk bei fast allem und überhaupt. Arbeit doof, die Zellen wollen einfach nicht so wie ich, die RNA auch nicht (Polyklonale Antikörper sind des Teufels, ich sage es Ihnen!) und das was ich für meine Kollegen gemacht hab, hab ich wegen unzureichender Information falsch gemacht und muss es jetzt morgen im richtigen Puffer nochmal machen. Immerhin geht der Beta-Zähler jetzt wieder. Und kaum zu glauben aber wahr: die Proben, die ich im Juni LETZTEN JAHRES noch kurz vor meinem Mutterschutz mit einem riesigen Aufwand erstellt habe, sind jetzt ENDLICH analysiert worden. Also, gemessen, nicht analysiert, der Analysator muss das machen, das kann ich nicht selbst (zu viel Informatik). Mal sehen, wann ich die Daten dann kriege. Nächstes Jahr oder so. 

Was gut war: Meine Proben wurden gemessen, ich habe jetzt haufenweise RNA, mit der ich Quatsch machen kann und außerdem habe ich sehr niedliche Kinder. Ja. 

Tag 343 – Sommer!

Morgen wird Sommer. Also morgen wird der Sommer sein, vielleicht übermorgen noch ein bisschen, aber ich mache mir nicht allzu große Hoffnungen, dass es dann wochenlang schön bleibt. Da man so kurze Sommer ja nutzen muss, werde ich morgen nur super fix zur Arbeit fahren, meine Zellen ein bisschen betüddeln und dann wieder abdüsen und den Tag mit der Familie und meiner Schwägerin, die heute spät abends noch kommt, am See oder am Fjord verbringen. Mit allem drum und dran und Grillen und Baden und allem Scheiß. Das wird toll und dafür liebe ich Norwegen sehr: jeder, der morgen bei der Arbeit länger als unbedingt nötig rumhängt, wird schief angeguckt werden. Anwesenheitskultur? Nicht bei 28 Grad! 

Und damit ich morgen wirklich nur die paar Futzisachen machen muss, habe ich heute den ganzen Rest der To-Do-Liste weggearbeitet, die Proben die ich gestern gemessen hab ausgewertet, in die Tischkante gebissen und die Hälfte der Daten aus der Auswertung geschmissen hübsch fertig gemacht mit Diagramm und allem Schnubbeldibupp und an die „Auftraggeber“ geschickt. Gedöns vorbereitet für Freitag (auch da werd ich nicht allzu lange arbeiten, es ist ja Pippis Geburtstag) und dann habe ich eineinhalb Stunden damit zugebracht, den Kram, den ich in den letzten zwei Wochen gemacht habe in mein Laborjournal nachzutragen. Manche Sachen lerne ich wohl einfach nie. Zum Beispiel, dass es viel einfacher (und genauer und schneller) ist, am Ende vom Arbeitstag 5 Minuten was aufzuschreiben, als dann hinterher ewig dazusitzen und zu überlegen „Wann hab ich denn nochmal das gemacht? Am Donnerstag? Nee, kann nicht sein, weil dann hätte ich ja am Freitag…“. Alle paar Wochen nehme ich mir wieder aufs Neue vor, es nicht wieder schleifen zu lassen und Tadaaa: sechs, acht Wochen später sitze ich wieder kopfkratzend in meinem Büro. 

Egal. Morgen ist Sommer. 

(Ich habe sogar, weil sonst keiner da war, als ich nach Hause kam, schon mal meine Sommerkleider gebügelt. Ja, Mehrzahl, dann ziehe ich mich eben dreimal um morgen. Jahaaaa, gebügelt! Ich! habe gebügelt*. )

*hier Tom Hanks in Cast Away vorstellen, wie er ausruft „ICH habe FEUER gemacht!“. 

Tag 342 – Entscheidung? Pending. 

Ich habe heute endlich die Proben gemessen. Ergebnis gibt’s morgen, ist aber auch eigentlich egal, Hauptsache es kommt irgendwas dabei raus, sind ja nicht meine Proben. 

Was ich mit der Hochzeit mache, weiß ich aber immer noch nicht. Herr Rabe brachte jetzt ins Spiel, doch ohne Pippi zu fliegen und dafür nur bis Samstag zu bleiben. Tja. (Falls Sie dachten, hä, wieso sieht die denn ihre Cousine nur alle  Jubeljahre mal, Portugal ist doch nicht soooo weit weg? – Meine Cousine und ihr jetziger Freund, bald Mann, wohnen in Canada. Die heiraten nur in Portugal, weil seine Familie da her kommt. Canadier haben auch ungefähr keinen Urlaub, sodass sie nicht mal zu Weihnachten regelmäßig kommen kann.)

Tag 325 – Dann halt heute. 

Rosa Prosecco an Wäscheberg und Fußball.


Ich hatte mir gestern einen Prosecco kalt gestellt, den wollte ich abends trinken, weil ich einfach mal ein richtig super tolles Ergebnis bei der Arbeit hatte und sehr stolz auf mich bin. (I’m a fuckin‘ genius!!!) Das ganze Gerödel am Donnerstag bis spät und so, das selbst erfundene Verfahren zur Elution, sogar der verrückte Antikörper, alles hat bombig funktioniert. ICH SEHE DAS ZEUG IM CHROMATOGRAMM, HALLELUJAH! Es ist da, und es ist angereichert! Das heißt konkret jetzt für mich erstmal Prost und dann den ganzen Kram nochmal in Groß und dann pünktlich am 1.8. nach deren Urlaub den Sequenziermenschen Proben geben, von denen ich sicher sein kann, dass sie genug Zeug von guter Qualität enthalten. Und in der Zwischenzeit Daumen sehr fest drücken, dass kein Anderer mit ner Veröffentlichung um die Ecke kommt (da dürfen auch Sie gerne mitmachen).

Herr Rabe hat heute Michels Bett aufgebaut. Sein Zimmer ist jetzt voll. Aber das Bett ist echt super. Groß, stabil, schlicht. 

Die Schnecken sind so toll. Heute hab ich ein Video gemacht, wie die eine Schnecke Salat frisst. Das klingt unspektakulär, aber da man durch die Haut alles sieht, sieht es doch interessant aus.

Pippi ist einfach zu niedlich. Trotz gerade mega Einschlafgenerve mit Kneifen und Kratzen und Geschrei und wieso zur Hölle drückt sie denn Müdigkeit mit Mama Kneifen aus, bitte? Aber dann hält sie mir beim Wickeln die nackten Füße ins Gesicht und macht „Pffftpffft!“ und lacht sich dann kringelig, wenn ich an ihren Füßen rieche und so tue, als würden die furchbar stinken und „Puuuhhhhh!“ mache. Und dann ist alles gut. 

Ich bekam von jemandem™ den Tipp, die Eucerin Sonnencreme für das Gesicht sei ganz gut. Und die ist tatsächlich sogar total super. Die mattiert wenigstens mal! Also bei mir. Vermutlich kriegen die meisten anderen Leute davon trockene Haut, aber meine ist eben zur Zeit wirklich furchtbar ölig. Ich teste die jetzt gegen meinen zweiten Tester von Paula’s Choice. Und ja, man ist ja durch und durch Wissenschaftler, also kommt Eucerin auf die linke Gesichtshälfte und Paula’s Choice rechts. Beide sind LSF 50 und ich werde ja zum Glück eh nicht braun, da ist also kein Unterschied in der Gesichtsfarbe zu befürchten. Aber ich denke nach ca. einer Woche kann ich wenigstens sagen, ob die eine oder die andere mehr Pickel verursacht. 

Donnerstag Arzttermin. Die arme Vertretung meines eigentlichen Arztes wird überhäuft werden mit Wääähhh. Haut Wäh, Zyklus Wäh, Schilddrüse Wäh (weil hart, vermutlich Krebs, sagt Dr. Google-Hypochonder). Irgendwie Gesamt-Hormon-Wäh. Tut mir leid für die Vertretung, andererseits bin ich eh das letzte Mal in der Praxis, weil ich ENDLICH für Pippi und mich Plätze in einer nah bei uns gelegenen Hausarztpraxis ergattert habe. Ich hoffe auf eine schnelle Überweisung zur endokrinologischen Poliklinik. Und kein „ich kann Ihnen die Pille verschreiben, das hilft gegen Haut und Zyklus“.

Tag 317 – Mix. 

Ich habe jetzt Zugang zu einem der „Fahrradkäfige“ am Krankenhaus. Es kostete mich ein etwas weirdes Gespräch mit einem der Zugangskontrollentypen, in dessen (ausgesprochen kurzemund sachlichem) Verlauf er es schaffte, dreimal meinen Vornamen zu nennen. Ich finde sowas komisch. Aber das Fahrrad in so einem Ding abgestellt zu wissen, beruhigt ungemein. 


Wir haben seit heute Abend Besuch von unserer Osloer Freundin A. und ihrer Babytochter. Babys, die noch nicht mal drei Monate alt sind, sind sehr klein. Und sehr sehr niedlich. Pippi hat das Baby auch zweimal etwas verschämt angefasst und dann ganz schnell zu einem Erwachsenen geguckt, um zu überprüfen, ob wir gesehen haben, wie mutig sie ist. 

Nach dem Kindergarten waren Pippi, Michel und ich Zeug für die Schnecken kaufen. Und ein Fahrradschloss. Als wir zu Hause waren, nölte Michel erst ein wenig rum, wollte sich dann nicht die Hände waschen sondern legte sich stattdessen auf den Badezimmerfußboden und… schlief einfach ein. Herr Rabe packte ihn dann schlafend und mit ungewaschenen Händen in einen Schlafanzug und ins Bett. Und er schläft noch immer. 

Bei der Arbeit heute viel Lob für was bekommen. Also für was gearbeitetes. Und für den Kuchen. Aber „wow, this is awesome, look at those error bars“ ist mir im Arbeitskontext doch wichtiger als Kuchenlob. Obwohl der Kuchen auch einfach echt lecker war. 

Und weil ich das so supidupi gemacht hab, darf ich jetzt in der Zeit wo alle anderen Urlaub haben ein paar wichtige Dinge tun und das ist auch ganz schön. 

Dafür hat der Quatsch, den ich an meinem eigenen Projekt gemacht hab, einfach mal gar nicht geklappt. Wir bestellen jetzt ein neues Kit (und vielleicht hasse ich dieses Drecksprotein inzwischen gar sehr).

Die Schneckenfrau nervt mich etwas. Ich sollte alles was ich brauche schon vor dem Verschicken besorgen. Ich tat, wie mir geheißen. Jetzt will sie Fotos vom eingerichteten Terrarium* sehen. Ich überlege, ihr Fotos von Michel und Pippi zu schicken, damit sie sieht, dass ich mich durchaus um Lebenwesen kümmern kann. 

Das Ganze erinnert mich an die Geschichte, wie meine Ex-Kollegin mal Garnelen fürs Aquarium kaufen wollte. Der Verkäufer wollte genauestens wissen, was für ein Aquarium sie hat, mit welchen Pflanzen drin, welchen Fischen usw. Am Ende verlangte er von ihr, ihm zuerst Wasserproben aus dem Aquarium zu schicken, bevor er die Garnelen an sie verkaufen würde. Sie kaufte dann woanders welche. 

*aufgrund der noch nicht vorhandenen Größe der Babyriesenschnecken ist das erste Terrarium eine Plastikbox mit Deckel, in die ich noch Luftlöcher bohren muss. Das hat die Schneckenfrau mir so geraten und vermutlich ist das auch schlau so. 

Tag 310 – Titel vergessen

Mir ist heute nicht nach Schreiben. Michel hustet, Pippi findet auch irgendwie nicht in den Schlaf, Herr Rabe guckt Fußball und scheint mir aus dem Weg zu gehen, damit ich ihn nicht dazu zwinge, eine Bettentscheidubg zu treffen. 

Soviel dazu, arbeiten war ich auch, mir sind (das war gut) für das RNA-Projekt ein paar hundert Mark in Groschenhäppchen gefallen, dann Vortrag zum Biomarkersymposium besucht und: arschlangweilig. DNA-Repair, voll faszinierend, aber nach dem hundertsten Vortrag und 1000 dazu gelesenen Artikeln ist so oberflächliches Geschwafel reine Zeitverschwendung. Immerhin konnte ich mal wieder meine Wachhalte-Skills nutzen. 

So, und das muss reichen, ich muss ins Bett. Wachhalte-Energie ist für heute aufgebraucht. 

Tag 302 – Viel

Heute war viel irgendwie. Uffz. 

Zuerst mal plagt mich seit Tagen eine schlimmer werdende Erkältung. Das war bisher nur nervig, aber heute morgen als der Wecker klingelte und mein Kopf voller Rotz war und höllisch wehtat und ich keine Luft bekam und überhaupt, da stellte ich den Wecker eine Stunde weiter und war schon fast sicher dann auch nicht aufzustehen, sondern mich für heute krank zu melden. Erstaunlicherweise ging es aber nach dieser einen Stunde deutlich besser und so war ich eben später bei der Arbeit, aber ich war da. 

Um dann den ganzen Tag Artikel zu lesen. Es ist nämlich so: mein Chef (und ein Ex-Doktorand) haben was tolles gefunden, in dem RNA-Projekt. Und ein Paper dazu geschrieben. In dem Manuskript sagen sie: Hey, das ist der erste Beweis dafür, dass X auch in Menschen passiert. Cooli! Und dann las ich mir etwas Theorie dazu an und die neueren Artikel zu dem Thema waren so: also, X ist ja eigentlich auch wie Y. Y ist schon lange in Menschen nachgewiesen. Wir wissen auch sehr genau wie Y funktioniert, alles alte Hüte. Und ach ja, X gibt’s zumindest auch in Fruchtfliegen, also zu Menschen ist es dann ja nicht mehr weit. Oder vielleicht gibt es X auch gar nicht, sondern ist nur eine Variante von Y. Tja. Und dann las ich noch mehr und noch mehr, weil zu meinem Chef gehen und sagen, ich hoffe ihr habt das nicht schon eingesendet, weil das ist alles ganz falsch und dann hab ich nur was übersehen und eigentlich haben sie doch recht, das wäre doch ziemlich peinlich. Heute sind bei der ganzen Leserei dann wenigstens ein Paar Groschen gefallen und ich fühle mich mit ausreichend Information gerüstet, um morgen zum Chef zu gehen. Und dann kann ich ihm hoffentlich vorschlagen, alles etwas weniger pompös zu formulieren, stattdessen vielleicht ein paar neuere Artikel zu zitieren und vor allem noch mal in die Daten zu gucken, ob wir da nicht auch Bestandteile von Y finden, das würde nämlich die Theorie von X wahrscheinlicher machen. Und dann müssen wir wohl oder übel mal RNA sequenzieren lassen, um zu gucken, ob wir es wirklich eher mit X oder Y zu tun haben. Wir werden sehen. Nach dem Lesen und Entscheiden wr dann aber mein verrotzter Gehirn zu nix mehr in der Lage. Ich wollte gerade gehen, da kam mein Chef rein. Die neuen Zellen für ebendieses Projekt waren endlich da. Aufgetaut. Kein Futzel Trockeneis mehr in der Box. Seit zwei Wochen (!) unterwegs. Die wanderten dann direkt in die Tonne und ich endlich nach Hause. 

Tja, dann Nachmittag, Michel abholen, mit Michel Fahrradrennen spielen, damit wir irgendwann auch zu Hause ankommen, Essen machen, Oma kam, Essen. 

Und dann: Erste Hilfe Kurs für Kinder und Säuglinge. Mit Herrn Rabe und dann musste ich als Notfallübersetzerin mit und dann musste Pippi auch mit, weil die ja ohne mich nicht schläft. Mit mir auch nicht, wie sich dann herausstellte, sie war jedenfalls die ganze Zeit fit und unterhielt den ganzen Raum und war wahnsinnig niedlich. Bis sie einem anderen Baby den Schnuller aus dem Mund zog, ließ ich sie gewähren. Zwischendurch versuchte ich drei mal sie in den Schlaf zu stillen, aber erfolglos. Im Wagen schuckeln: erfolglos. Auf dem Arm schuckeln: erfolglos. Dass ich mitgekommen war, war trotzdem gut, denn der Kursleiter sprach so dermaßen Hardcore-Trøndersk dass selbst ich anfangs Schwierigkeiten hatte, ihn zu verstehen. Nun ja, das wichtigste haben wir glaube ich mitbekommen (FREIE ATEMWEGE!!1!elf!) und der Kurs war wirklich gut, besser als der letzte, den ich gemacht hab, aber eben auch viel länger. 

Leider war dann auf dem Rückweg ein Teil der Stadtautobahn gesperrt, weshalb wir sehr viel länger nach Hause gebraucht haben, als geplant. Zu Hause dann nur noch schnell die Oma abgelöst, Bettfertig gemacht, ab in die Heia und vor allem die schreiende Pippi beruhigen (keine Milch mehr, alles im Kurs aufgebraucht, aber Nuckeln ging noch), die zwar im Auto eingeschlafen aber beim ins-Bett-legen wieder aufgewacht war. 

Jetzt noch mal Nasenspray und dann schlafen. Und morgen dann hoffentlich fitter sein und weniger machen. 

Uffz.