Tag 484 – Langsam irre. 

Wahnsinnig anstrengender Arbeitstag. Erfolgreich auch, aber leider auch erst der Auftakt zum schlimmen morgen und dem Eigentlich-möchte-ich-lieber-Parkplatzwächter-bei-4-Grad-und-Nieselregen-sein-Donnerstag. 

Passend dazu wahnsinnig anstrengender Nachmittag mit Pippi, während dem ich versuchte, Eintopf zu kochen, der dann am Ende nicht mal schmeckte. 

Dann mit Pippi im Bett (sie wollte nicht in die Trage, sondern stiefelte zielsicher aufs Bett zu) eingeschlafen und als Pippi wegen Zähnen (?) schreiend aufwachte wieder aufgewacht. Sie ließ sich absolut nicht beruhigen, also sagen wir uns vier Mausclips an und dann konnte sie wieder einschlafen. Arme Maus. Blöde Zähne. 

Es gibt echt schönere Tage. 

Morgen gibts kein Einschlafen, morgen gibt’s Essen gehen mit der Arbeitsgruppe. Um acht. (Ja, so hab ich auch geguckt. Da sind Norweger eigentlich schon im Bett.) Hoffentlich kippe ich nicht nach einem halben Glas Wein mit dem Gesicht in den Teller. Mehr als ein Glas geht ja auch nicht wegen des verrückten Donnerstags. (144 Zellkulturplatten. 144! Wer hat sich das denn ausgedacht? Oh. Ich war das.)

Tag 483 – WmDedgT Mombie Edition. 

Es ist der 5., Frau Brüllen will wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“.

Pippi turnte gestern noch die halbe Nacht durchs Bett und spielte Guckuck-Böhh und machte allerlei anderen Quatsch, der sonst super niedlich ist, aber eben nicht, wenn in wenigen Stunden der Wecker klingelt. Irgendwann schlief sie ein. Und wir dann auch. Als ich gerade die tiefste aller Tiefschlafphasen erreicht hatte, riss mich ein Rumms und infernalisches Gebrüll aus dem Schlaf. Pippi war aus dem Bett gefallen. Hatte sich das Kinn am Nachttisch aufgerissen und war zu Recht entsetzt und brüllte und brüllte und brüllte. Als sie sich wieder beruhigt hatte, konnte ich erstmal eine Weile nicht wieder einschlafen. Kurze Zeit (ca. 4 Stunden) später wurde ich von Michel geweckt, der kurz vor dem Weckerklingeln in mein Ohr schreiflüsterte: „Mamaaaaa! Ich will aufstehen und mit dir Frühstück machen!“.

Soviel zur letzten Nacht. Natürlich wollte Michel nicht wirklich Frühstück machen, sondern sein Adventskalenderpäckchen öffnen. Dann musste ich ihm mit halb geschlossenen Augen helfen, die neuen Teile am Frosch anzubringen. Ich machte mit halb geschlossenen Augen Kaffee, fror mit halb geschlossenen Augen Brot und Brötchen ein, wusch mir mit halb geschlossenen Augen die Haare, zog mich mit halb geschlossenen Augen an und malte mir mit halb geschlossenen Augen ein Gesicht auf. Nach dem Kaffee bekam ich die Augen dann endlich ganz auf, sah, wie rot sie waren und machte sie wieder halb zu. Ich half Herrn Rabe noch, die Kinder fertig zu machen und düste dann zur Arbeit. Die frische Luft half gegen die Augenproblematik ebenso wie all die anderen Verkehrsteilnehmer, hauptsächlich die Fahrradfahrer regen mich morgens echt auf, wenn es dunkel ist und die ohne Licht, ohne Reflektoren und ganz in Schwarz auf schwarzen Fahrrädern um irgendwelche Ecken geschossen kommen. Da kann man schon mal Puls kriegen. 

Bei der Arbeit dann aaaahhh, Stressstressstress, schon zwanzig nach Acht, zack, Haarwachs, Ohrringe, Joghurt, Müsli, Laptop an (hatte ich mitgebracht, im Meetingraum ist der Computer kaputt), noch mal die Präsentation gecheckt, nen Babybild von der neugeborenen Pippi an die Stelle „und hier bin ich in Elternzeit gegangen und guckte ne Weile nicht auf nackte Proteine sondern dieses wunderhübsche Kind an“ gebastelt, ahhhh schon zehn vor neun, ab in den Meetingraum, Laptop angeschlossen (mein Stressmoment weil Apple und man weiß ja nie, war aber denkbar einfach), drei Minuten im leeren Raum rumsitzen und merken, wie die Augenlider schon wieder schwer werden, und schon kamen Leute. 

Erst Smalltalk, dann Vortrag, war ganz ok, ich war einfach sehr müde und nicht besonders entertaining, aber die Folien waren gut, Zeitplanung klappte gut (20-30 Minuten ist Vorgabe, ich redete 25 Minuten), Fragen gab es nur eine und die konnte ich gut beantworten. Wurde hinterher für den guten Überblick gelobt. 

Dann Labor, ahhhh, schon so spät, alles geschachtelt, Gel hier, Zellen da, Cytotoxicity-Test, „Siri, stell einen Timer auf eine Stunde“, kurz (wirklich sehr kurz) Mittagspause, wieder Gel, Zellen, Zellen, Zellen, meine Fresse, wieviele Zellkuturflaschen habe ich denn?*, besorgter Blick auf die Uhr, Zellen, Zellen, wieso ist es um halb zwei quasi dunkel?, Zellen, „Hast du Mittwoch Abend Zeit, was Essen zu gehen?“, Zellen, Zellen, igitt, Fibroblasten sind ja mal eklig, Zellen, ahhhhh das klappt alles nicht, den Frisör angerufen, es wird etwas später, Zellen, Zellen, Zellen einfrieren, Gel färben, Hose an, Jacke an, Reflektoren an, in Windeseile zum Frisör gerast. 

Beim Frisör wars sehr schön. Ich mag den. Und ich hab jetzt sehr viel weniger Wolle auf dem Kopf. Und ich bekam einen Kaffee. Viel Liebe dafür. Dafür entdeckte ich im Frisörspiegel die ersten echt ernstzunehmenden Falten. Die gute Nachricht: alles Lachfalten um die Augen, da kann ich gut mit leben. 

Dann nach Hause, ich hatte 45 Minuten, bevor ich wieder los musste, die Kinder abholen. Ich machte den Fernseher an und um nicht einzuschlafen, lackierte ich mir die Fingernägel. Unterlack und zwei Schichten blau-grün aus dem Adventskalender schaffte ich, dann hätte ich zeitlich die Wahl zwischen Überlack oder Kaffee. Die Wahl fiel auf Kaffee. War so halb schlau, der Kaffee machte mich zwar etwas wacher, aber dafür ruinierte ich mir an einem Finger durch die Handschuhe die ich zum Kinder abholen anzog, den Lack. 

Mit Kaffee die Kinder abgeholt, waren mit einem anderen Kind die letzten. 25 Minuten vor Ende. Tjanun. Fahrradanhänger zum Buggy umgebaut, da stimmte aber irgendwas  nicht, im Endeffekt fuhr ich die Kinder mit angehobenem Vorderrad nach Hause. Braucht man dann auch keinen Sport mehr nach. 

Zu Hauso wollte Michel wie immer Shaun das Schaf gucken und Pippi was essen, also machte ich beides bereit. Ich korrigierte den vermackelten Zeigefingernagellack mittels Lack und einem Zahnstocher. Dann las ich ein bisschen in der mit Essen/Fernsehen erkauften Ruhe den Feedreader leer und freute mich über alles irgendwie. Ich war ganz selig am Ende. Vor allem freute ich mich dass es Frau Novemberregen besser geht und sie wieder öfter bloggt. Am liebsten hätte ich sie und meine anderen Feedreaderinhalte durchs Telefon umarmt. Komische Adventsanwandlungen sind das. 

Zeitgleich mit Herrn Rabes Heimkehr fing ich an, die Pizza zu belegen, die es eigentlich gestern geben sollte, aber dann aus Gründen doch nicht gab. Dann halt heute. Die war auch sehr lecker, auch wenn es etwas Übung bedarf, den Teig nicht auszurollen (geht eh nicht bei dem, der ist zu weich) sondern in Form zu ziehen/fließen zu lassen. Zwei der Pizzen waren dann auch für meinen Geschmack zu dick und zu klein. Mehr Üben. Schlimm. 

Nach dem Essen war Pippi gelinde gesagt ungehalten. Sie hatte auch schon wieder die ganze Zeit die Finger im Mund. Und sabberte wie verrückt. Der vierte Backenzahn ist ja auch schon seit bestimmt drei Tagen durch, da kann man schon mal wieder zahnen. (Hier mütterliches Haareraufen vorstellen.) Ich wickelte die protestierende Pippi, zog ihr ihren Schlafi an und putzte ihr zwei der zehn Zähne, danach brüllte sie so, dass ich’s einfach dabei beließ. Besser als nix. Dann steckte ich sie in die Trage und verzog mich mit ihr ins dunkle Schlafzimmer, wo sie nach zwei Minuten Gemecker einschlief. Dann holte ich Glitzerzeig, Überlack und Trockentropfen und verzog mich mit dem Kram und dem schlafenden Kind umgewickelt wieder vor den Fernseher. Ich schaffte nochmal dreißig Minuten Gilmore Girls (meine Güte sind die neuen Folgen langweilig!) bevor Pippi zu brüllen anfing. Aber immerhin sind die Fingernägel jetzt fertig lackiert. 

Bling, Bling! 😍

Seither liege ich mit Pippi im Bett und schreibe den Tag auf. Könnte schlimmer sein. Gleich Stricke ich noch ein bisschen bei der letzten halben Stunde Gilmore Girls „Spring“ und dann geht’s früh ins Bett. 

*6 96er Platten, 23 75cm^2 Flaschen, 8 175 cm^2 Flaschen. Tendenz leider immer noch steigend. Aber nicht mehr lange, juchuh! 

Tag 480 – Als hätte ich nicht genug zu tun. 

Mein Chef kam heute an und drückte mir noch ein Experiment aufs Auge. Natürlich nicht ohne dabei mit dem first authorship in einem guten Journal vor meiner Nase rumzuwedeln. Eventuell muss ich meinen Urlaub verschieben. 

So wie heute meinen Feierabend, weil vor lauter Gedöns kam ich leider nicht dazu, meinen Vortrag fürs Institutsmeeting am Montag früh vorzubereiten. Jetzt bin ich soeben damit fertig geworden, morgen noch mal drüberpolieren und, haha, mir was ausdenken, was ich zu den ganzen Bildchen sagen will. 


Taktik ‚Kopf in den Sand‘ funktioniert nicht, alternative Taktik ‚einfach machen, nicht denken‘ wird jetzt ausprobiert. 

Tag 479 – Kopf in den Sand…

Ich hab das Meeting vom Dienstag jetzt fertig verdaut. Denke ich. 

Das was so: ich habe ja quasi zwei Projekte. Das, auf dem ich angestellt bin, mein eigentliches Projekt, lief bis zu meiner Elternzeit einfach mal gar nicht. Da geht es um Proteinstrukturen, genau genommen um die Struktur eines ganz bestimmten Teils eines ganz bestimmten Proteins. Und dieser Teil ließ sich ums Verrecken nicht herstellen. An dem Tag, als ich mittels eines sauteuren Kits Unmengen Protein erzeugte, die allesamt unlöslich und damit unbrauchbar waren, saß ich heulend auf dem Klo, im siebten Monat schwanger, und beschloss, nach der Elternzeit um Alternativen zu bitten. 

So kam es auch, und so kam ich zu Projekt Nummer 2, ein geerbtes Projekt mit mehr oder weniger veröffentlichungsreifen Ergebnissen, hat NIX mit dem anderen Projekt zu tun, es geht nämlich um RNA. Dieses Projekt ist enorm zeitaufwändig, weil viel Zellkultur, viel Isolationszeug, total unbekanntes Terrain für unser Labor (ich wurschtel mich da also so durch, muss aber für jeden Pups erstmal lesen und mir Wissen aneignen, dass ich dann mit meiner (ja doch inzwischen großen) Laborerfahrung zusammenmixe und mir Versuche draus koche: das ist alles ganz aufregend) und das plödeste: ich bin da ganz alleine. Aber immerhin kommen da Sachen bei raus, die wiederum Leute interessieren und ich dachte seit ein paar Monaten eigentlich, das sei jetzt mein Hauptprojekt. 

Dann hatten wir dieses Meeting am Dienstag, zum ersten Projekt. Es sind extra Leute aus Dänemark gekommen, eine Professorin und einer ihrer Postdocs, die mein (auch dänischer) Co-Supervisor eingeladen hatte. Die Professorin arbeitet seit 20 Jahren mit ‚intrinsically unstructured proteins‘ (der unproduzierbare Teil von unserem Protein ist auch ‚intrinsically unstructured‘, also strukturlos, was Strukturbiologie daran nicht weniger absurd macht…) und gehört zu der Sorte Mensch, die anhand der Aminosäuresequenz Sachen sagen wie „I see a KRKR-motif there and when you have a phosphorylation some amino acids before, maybe that Serin14, that would probably be helix-inducing“. Die hatte ein paar echt sehr vielversprechende Ideen zu dem strukturlosen-vielleicht-doch-nicht-immer-und-nicht-überall strukturlosen Teil. Ideen, die sich schnell umsetzen lassen. Außerdem hat die E., die als Postdoc an dem Projekt arbeitet, in meiner Elternzeit einen Weg gefunden, den strukturlosen Teil zu produzieren, sodass es stabil ist und endlich, ENDLICH im NMR untersucht werden kann. Und da hat sie auch schon ein paar Ergebnisse zusammen. 

Und ich weiß jetzt auch nicht. Plötzlich scheinen beide Projekte machbar, aber ich kann nicht alleine (das eine komplett alleine, das andere zumindest teilweise) zwei Projekte stemmen. Und wir haben am Strukturbiologie-Projekt einfach mal zwei komplette Jahre durch unsere erfolglosen Herstellungsversuche verschenkt. Dass das jetzt innerhalb von 9 Monaten soweit gedeiht, dass drei Veröffentlichungen dabei rumkommen, kann ich mir nach all dem Mist* nicht vorstellen. Dafür bin ich in das andere Projekt so reingerutscht, mir fehlt da komplett der Hintergrund, vor der Defense hätte ich jetzt schon Angst, weil, aaaaahhhhh, RNA. Und analytische Chemie**. Aaaaaahhhhhh. 

Noch elf Arbeitstage bis Urlaub. 

*Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich und das Protein, das ich seit zwei Jahren ‚bitch‘ nenne, doch noch Freunde werden.

**Hab ich mal erwähnt, dass ich im 1. Semester durch Chemie gefallen bin? Nein? Ich bin im 1. Semester durch Chemie gefallen. Es war schlimm. Obwohl mit mir 80% der Studenten durchgefallen sind. Trotzdem schlimm. Ich hab dann die Osterferien mit organischer Chemie verbracht, bin zu allen Übungen gegangen, hab mich von der 1,50 m großen Professorin im Hörsaal an der Tafel wegen meiner fehlerhaften Sessel-Boot-Formen und Fisher-Projektionen bloßstellen lassen und dann hab ich im zweiten Anlauf knapp bestanden. Seitdem hab ich mich von Chemie ferngehalten, wo immer es ging. Wenn ein Bio- davor ist, geht’s. Sonst geht leider gleich die Jalousie*** runter. 

***Vielleicht sollte ich mal ne Trauma-Therapie machen. Ha. 

Tag 444 – Schnaps! (Das mache ich jetzt alle 111 Tage!)

Erstmal die vorläufigen Versuchsergebnisse. Ich brüte nochmal über Nacht um den Effekt zu maximieren, und dann versuche ich ein besseres Foto zu machen. 


Bildunterschriften gehen nicht. Hmm. Also: das weiße da ist ein schöner, pelziger Bakterienblob. Exakt in der Größe von Michels Daumen. 


Nach dem Waschen: wie Sie sehen, sehen Sie nichts. (Das was Sie vielleicht zu sehen meinen, sind Luftblasen.)


Hallo Pupsbakterien. 

Ansonsten nicht viel Neues. Ich war heute das erste Mal nach vier Wochen (wegen weiß nicht mehr, Portugal, Deutschland, Pippi krank) wieder beim Ballett und habe mich ordentlich doof angestellt irgendwie. Worüber ich mich besonders ärgerte: die Show-Choreografie ist auf ein Swing-Stück, das klingt ganz toll und sieht auch aus, als würde es Spaß machen, aber die sind schon bestimmt 3 Minuten weit gekommen, keine Chance, dass ich das mal eben ohne nochmal durchgehen lerne. Also ging ich 20 Minuten vor Schluss leicht angefressen nach Hause. Und habe seitdem einen Ohrwurm von meinem Lieblings-Quick-Step. Obwohl ich den sicher 10 Jahre nicht gehört hab. Vielleicht sollte ich nächstes Semester mal Solocharleston ausprobieren.

Cytotoxicity assays sind doof. Vor allem, wenn sie einfach mal so gar nicht funktionieren. 

Manche wissenschaftlichen Artikel sind auch voll doof. Manche Leute können nämlich einfach nicht schreiben. Wenn ich auf der ersten Seite dreimal fast Einnicke, stimmt was nicht. Oder ich bin sehr müde. 

Ich bin so müde. Pippi kriegt Backenzahn Nummer drei und wenn ich mir den geschwollenen Gnubbel da so ansehe, tut es mir für sie mit weh. Resultat ist halt leider, dass hier viele Menschen wenig Schlaf bekommen. Und wie ich das so erzähle, sagt meine Kollegin, deren Kind eine Woche älter ist, als Pippi, dass ihr Sohn jetzt die letzten Zähne bekommt und voll schräg drauf ist. Und ich kann nicht anders, als sie zu beneiden: danach ist es bei ihr wenigstens vorbei. Wir hingegen haben noch 13 vor uns. Meh. 

Morgen ist Disputationsfeier. Also zuerst muss natürlich Disputiert werden. Deshalb denke ich wohl auch schon den ganzen Tag, dass heute Freitag sei: Disputationen dauern hier ja fast den ganzen Tag, deshalb hab ich mir für morgen nichts „richtiges“ zum Arbeiten vorgenommen. Und weil der Typ, der da disputiert unverschämt gut aussieht derjenige ist, von dem ich das RNA-Projekt übernommen habe, ist meine Teilnahme schon auch ratsam für mich selbst. Und abends eben Feier. Feier. Mit meiner Arbeitsgruppe. Oha. 

Jetzt aber swingend ab ins Bett. 

Tag 443 – Michel goes Mikrobiologe. 

Damals(TM), kurz bevor wir nach Norwegen zogen, bekam Michel die MMRV-Impfung (also Masern, Mumps, Röteln, Varizellen), weil das in Deutschland eben dran war. Als wir dann nach Norwegen kamen, machte ich etwas Druck beim Gesundheitszentrum, damit er die zweite Dosis „schon“ mit zwei Jahren bekam und nicht erst, wie im norwegischen Impfplan vorgesehen, mit sechs. Aber die hatten nur MMR, das V ist ja hier nicht vorgesehen

Dann vergaß ich das V. 

Jetzt gehen Windpocken im Nahbereich des Kindergartens rum. Ich fing ein bisschen an zu schwitzen. 

Montag rief ich also bei der Impfstelle an (ja genau, die sonst Malariaprophylaxe machen und ab 1.11. für zwei Jahre gratis HPV für alle! (Nein. Nur für Frauen*. Und ich bin zu alt.)) und bat um schnelle Booster-Impfung von Michel. Sie sagten „Wir melden uns.“ (echt wahr!). 

Gestern meldeten sie sich. Sie hätten eine Dosis da, aber nur einen Termin diese Woche, nämlich morgen (also heute) um elf. Einfach um es erledigt zu wissen, sagte ich ja. 

Dann großes Überlegen: wie machen wir das rein logistisch? Die Impfstelle ist in der Stadt, in relativer Nähe zu meiner Arbeit. Der Kindergarten ist gute 15 Fahrradminuten von meiner Arbeit und auch der Impfstelle entfernt. Wir sollten etwas früher kommen und danach auch noch zwanzig Minuten da bleiben, falls es Nebenwirkungen gibt. Vorher in den Kindergarten bringen, dann wieder abholen und wieder hinbringen? Käse. Vorher zu Hause abhängen und nachher in den Kindergarten bringen? Käse. Ok, vorher nehme ich ihn kurz mit zur Arbeit, stelle ihn mit Mausclips ruhig, nachher bringe ich ihn in den Kindergarten. Gebongt. 

Dann saß ich heute schon an der Cleanbench, Michel guckte in sein Dinosaurierbuch (nachdem er sich rrrooooaaaarr-end vor dem Büro meines Chefs auf den Boden geworfen hatte und erklärt hatte, er sei ein Triceratops), als mein Handy klingelte. Herr Rabe klärte mich auf, der Kindergarten mache heute einen Ausflug zur Estenstadsmarka (hier wirklich wirklich riesigen Wald vorstellen), nur die Kleinen wären um die Mittagszeit im Kindergarten und für Michel hätten sie dann keine Kapazität. Ich könne Michel ja zum Ausflug hinbringen? Was wir denn jetzt machen sollen. Ich würgte ihn ziemlich unwirsch ab, weil ich ja da in Handschuhen und Kittel und mit jeden Moment gelangweilt zu werden drohendem Kleinkind saß, außerdem wollte ich das mit Michel besprechen. Ich schlug Michel alle Optionen vor, er wählte: nach dem Termin mit Mama wieder zur Arbeit gehen. Ich strich kurzerhand 2/3 des Tagespensums, verdünnte was zu verdünnen war in einem Affenzahn und dann war es auch schon Zeit, aufzubrechen. 

Die Impfstelle ist ein denkbar unromantischer Ort. Grauer PVC auf dem Boden, gelbstichiges Beige an Strukturtapete an der Wand, schwarze Kunstledersofas, Spielecke mit zerfledderten Büchern und angenagten Bauklötzen. Ich füllte den Anmeldebogen aus und dann durften wir auch schon rein. Die Helsesøster war sehr sehr nett und Michel berichtete auch entspannt aus seinem Kindergartenalltag, bis ihm durch meine Versuche, ihm den Pulli auszuziehen, bewusst wurde, was ihm drohte. Ich, total empathische Mutti, die ich bin, erklärte ihm, dass ich gut verstehen könne, dass er keine Spritze haben möchte, wer möchte schon gern Spritzen bekommen, dass aber eine Spritze viel besser sei als vielleicht dolle Fieber und Jucken von oben bis unten zu kriegen. Die erste Kosten-Nutzen-Rechnung in Michels Leben. Er leistete dann auch nur noch geringen Widerstand, durfte am Desifektionsläppchen riechen („Æsj!“) und auf meinem Schoß sitzen bleiben und die Spritze wurde relativ fix durchgezogen. Natürlich tat es ganz schlimm weh und verständlicherweise war er da auch erstmal sauer, dass ich das zugelassen habe und wollte nicht, dass ich puste. Dann bekam er ein fettes Pflaster und ein Diplom.

Impf-Diplom mit gaaaar nicht gruseligen Tieren drauf.

Weil wir dann ja eh noch 20 Minuten in der Praxis bleiben mussten und direkt eine Tür weiter ein Kiosk ist, holten wir ein Eis und einen Kaffee. Und dann las ich ein komplettes zerfleddertes Buch vor (Aristocats), ersetzte das hässlichePflaster durch ein Bärchenpflaster aus meinem Portemonnaie, erkundigte mich nach den Preisen für die HPV-Impfung (ca. 1200 NOK pro Dosis, drei Dosen) und bezahlte für Michels Impfung (780 NOK). Danach waren die 20 Minuten endlich um und wir fuhren zu meiner Arbeit. 

Dann: Spaß. Dem Kind machte ich „Es war einmal… das Leben“ an, arbeitete ein bisschen, danach hatte ich eine Stunde Zeit. Erst guckten wir meine Zellkulturen im Mikroskop an. Die Begeisterung bei Michel war mäßig. Er wollte Bakterien sehen. Ich holte eine Platte mit Bakterienkuturen. Das Kind war mäßig begeistert. Ich sagte, komm, wir machen ein Experiment. Im Baktierienraum holte ich drei Agarplatten, dann durfte Michel seinen Finger auf eine drücken. Dann Hände waschen** und nochmal auf eine neue Platte drücken. 


Zu guter Letzt prökelte ich noch mit einem Zahnstocher an seinen Zähnen rum und strich das aus. Er will so gerne mal die Pupsbakterien sehen. Wir räumten die Platten in den Brutschrank und morgen werde ich dann den Gruselbewuchs fotografieren und Michel zeigen. 

Als wir aus dem Labor kamen und Michel schon sehr aufgeregt war, aber noch eine halbe Stunde zu vertrödeln blieb, kippte eine Kollegin gerade Trockeneis in die Aufbewahrungstruhe. Trockeneis. Kalter Traum aller Kinderbespaßer. Ich holte also einen Messbecher und schaufelte ein bisschen Trockeneis hinein. Michel trug den Becher dann sehr wichtig zu meinem Laborplatz und wir warteten erstmal ein bisschen ab, wie kalt der Plastikbecher so wird und „Ooohhh, guck mal Mama, da ist Schnee draußen dran!“. Dann holte ich Michel einen Hocker, stellte den Messbecher ins Waschbecken und ließ etwas Wasser auf das Eis laufen. 

Michel stand ein bisschen der Mund offen.


Als wir fertig waren, den Nebel zu bestaunen und darin herumzuschaufeln, warf ich noch etwas Spüli in den Messbecher. Selbst mein Kollege fand es toll und zerpiekste einige Blubberblasen. 

Die Blasen sind mit weißem Rauch gefüllt.


Nach dem Spaß war es Zeit, nochmal kurz zu arbeiten (ich werde wieder ein paar Tage „Es ist schön, das Leben, es ist schön, so wunderschön, das Leben!“ als Ohrwurm haben), dann machten wir auf Wunsch des Kindes nochmal Quatsch mit Trockeneis und dann fuhren wir Pippi abholen. Michel schlief dabei im Hänger ein, das sah sehr niedlich aus. Am liebsten hätte ich mich dazu gelegt, das war ein sehr unproduktiver und anstrengender Tag. 


*als würden Frauen das einfach so aus der Luft bekommen. Orrrr. (Und übrigens: Penis- und Analkrebs. Aber was weiß ich schon.)

**ein Schelm, wer dabei denkt, ich würde es auf den Schockeffekt absehen ;)

Tag 407 – Schneller Mix. 

Morgen ist ein Mini-Symposium, zu dem ich gehe. Das fängt um 08:20 an, ich möchte gerne um 07:30 mit den Kindern hier los, es ist schon spät aber dafür alles vorbereitet: Brotdosen, Frühstück, Klamotten rausgelegt und mein Kleid ist auch noch fertig geworden. 

Wenn der Mann von mir komische Posen verlangt („Schultern zurück! Noch mehr! Noch mehr! Und jetzt das Kinn nach vorne!“) kommt das dabei raus.

An das Klamotten selber nähen könnte ich mich gewöhnen. Das macht Spaß, entspannt (wenn man nicht grad fünf Zentimeter vor Ende der letzten Naht neuen Unterfaden aufspulen muss) und man hat am Ende Dinge, die einem wirklich gut gefallen. Zum Beispiel weil sie voller Pinguine sind. Und Taschen haben. 

Im Ballettbody sieht man die ganze Pracht der Kalbsschnitzel sehr deutlich. Stellte ich heute so ganz achtsam beim Blick in den Spiegel fest. Und stellte auch fest: is schon ok. Is alles ok so. At peace with my body. 

Das hässliche Tattoo der einen hübschen beim Ballettkurs ist jetzt nicht mehr ganz so hässlich. War wohl vor ein paar Wochen noch frisch, inzwischen erkennt man mehr Details. Aber gefallen tuts mir immer noch nicht. Ich hoffe ihr schon. 

Apropos. Vermutlich finden die Mädels beim Ballett mein Tattoo* auch nicht ganz so hübsch. Ich seh es ja quasi nie. Aber ich weiß, dass die Linien inzwischen recht breit gelaufen sind und die Schattierungen nicht mehr ganz so schön. Wäre eigentlich Zeit, das mal nachstechen zu lassen, aber die Erinnerung an die Schmerzen hat sich die letzten 12 Jahre ganz gut gehalten. 

Pippi hatte einen richtig guten Tag im Kindergarten. Schlief 2 Stunden (im Bett, alleine!!!), aß Brot und Obst und Joghurt und spielte sehr fröhlich im Sandkasten. Da lief sie auch herum, zum Erstaunen der Betreuer*innen, die das so noch nicht gesehen hatten. Drinnen läuft sie schon mehr, aber da hat sie ja auch keinen Michelinmännchen-Parkdress an. Es ist sehr sehr erleichternd, zu sehen, dass sie im Kindergarten inzwischen eine gute Zeit hat.

Michel zieht keinen Michelinmännchen-Parkdress mehr freiwillig an und deshalb braucht er im Moment täglich für den Kindergarten ne neue, gewaschene Hose. Und wir waschen uns nen Wolf. 

Frustrierender Mist bei der Arbeit, aber dafür werden die Proben für das Nature-Paper jetzt endlich gemessen. 

Das wars. Gute Nacht!

*Eine Elfe. Nackt. Auf meiner Schulter. Is schon ok so ;)

Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.


 

Tag 366 – #12von12 im August ’16

Heute morgen hatte ich kurz vergessen, dass der zwölfte ist und deshalb gibt es von unserem chaotischen und Heul-Intensiven Morgen keine Bilder (da verpassen Sie aber auch nichts). Tatsächlich habe ich auch heute trotz des irgendwann Raffens, dass 12von12 ist (was das ist und viele, viele davon wie immer im Kännchen-Blog) ca. hundertmal das Datum auf Dinge und in Dateien geschrieben: 160811. Tjanun. Whatever, jedenfalls hier ein paar Bilder (über die Einbettung von Instagram und so hab ich mich aus Blogbuchgründen heute auch geärgert, aber das ist eine andere Geschichte).

Frühstück an emails.

84 Proben wollen gemessen werden.

Liebevoll angerichtetes Mittagessen.

Wie meine Kollegen dafür sorgen, dass die Tür nicht quietscht.

Mal hoffen, dass die nicht alle gleich doll fluoreszieren.

Ab nach Hause.

Soweit zum Arbeitstag. War.

Dann zu Hause direkt Gebrüll, Michel ist im Moment mal wieder ein Wutzwerg und rastet beim kleinsten Anlass (oder auch ganz ohne) mehrmals täglich komplett aus. Unschön. Und zu Hause kann man ja auch nicht mal in Ruhe essen. Schlimm.

Immer diese Mitesser.

Ich musste dann auch noch mal los, Fisch kaufen und Lauch, den gab es gestern nicht. An der Frischetheke gab es Wal.


Ich finde ja grundsätzlich komisch, wieso man manche Tiere isst und andere nicht, schließlich sind Schweine auch sehr intelligent und ich finde die auch niedlich, ganz im Gegensatz zu vielen Hunden. Aber bei Walen geht bei mir eine Grenze. Ich meine: die Norweger haben doch eh nur die Erlaubnis, Wale zu fangen, weil das ja soooo ein wichtiges kulturelles Gut ist. Also der Fang. Ganz im Norden. Aber wieso ich das dann hier im Supermarkt kaufen können soll, erschließt sich mir nicht. Wieso Tiere essen, deren Artgenossen allesamt vom Aussterben bedroht sind? Nur, weil ichs kann bestimmt nicht. Und nein, da juckt mich dieses Rechtfertigungsgelaber der Norweger mit „Aber die Bestände der einen Walart, die wir fangen dürfen, sind gut! Und jedes Jahr wird das Kontingent reduziert! Und das ist total gesund!“ nicht. Ich ess das nicht. Aber was dem Deutschen sein Tempolimit (also die Abwesenheit davon) ist dem Norweger sein Walfang.

Endlich Abendessen.

Falls Sie dachten, ich denke mir das mit dem Klettern aus.

Ich glaube, bei Pippi wären Laufgitter und Co. eine total dämliche Idee. Die würde das als Klettergerüst nutzen.

Dann hab ich ein Foto gepostet ohne Hashtag, das zählt also nicht.

Müde Mutti. Serviervorschlag.

Die Mitbewohnerinnen sind jetzt auch wach.

Man sieht gar nicht, wie groß Papa-Schnecke (ganz rechts) inzwischen ist. Doppelt so groß wie die anderen zwei nämlich. Und dann haben wir noch eine, die noch ganz klein ist, aber das muss ich wann anders mal erzählen.

Und zu guter letzt:

Hier ein Ausblick auf den morgigen Backtag.

Und damit: gute Nacht!

Tag 359 – WMDEDGT August ’16

WMDEDGT (was machst du eigentlich den ganzen Tag) ist eine Tagebuchblog-Aktion der äußerst geschätzten Frau Brüllen

Weckerklingeln um 6:30 Uhr. Gesnoozt bis viertel vor sieben. Ist im Rahmen. Aus dem Bett gepirscht, rein mit der Eisen-Sprudeltablette, raus mit dem Brot aus dem Gefrierfach (warum der Herr Rabe das dauernd übersieht, dass das Brot alle ist, ist auch so ein ewiges Rätsel), Brötchenvorteig angesetzt, Sauerteige hochgefüttert, mich fertig gemacht, Kaffee gemacht, Michel wach. Den Kindern Frühstück gemacht (Grøt, also Porridge) und dabei Kaffee getrunken, Zähne geputzt, um kurz vor acht endlich unterwegs. 

Plastikmüll weggebracht, oben auf den Container gelegt, weil der Container schon hoffnungslos überfüllt war.

Abfahrt Müllcontainer 07:59. Møllenberg, Bakklandet, am Fluss lang, am Samfundet über die Ampel (2 Minuten auf grün warten), Ankunft Fahrradkäfig 08:10. Ankunft Laborplatz 08:15. Der Schrittzähler meldet 1482 Schritte: das ist wohl das Kopfsteinpflaster im Bakklandet. 

Antikörper gekoppelt, Minihappen Frühstück vorm Computer, zwischendurch schon Gedöns für den großen Zellkulturversuch vorbereitet. 20 Minuten Mittagspause mit zwei Scheiben Brot und 6 Kirschtomaten, mehr war nicht mehr da und zum Einkaufen keine Zeit, bei der Mittagspause Gespräche von arroganten Lerchen-Menschen belauscht getwittert. Weiter gekoppelt. Angefangen mit dem Ausplattieren von Kultur 1 von 6: Medium ab, waschen, Ablöse-Enzym drauf, kurz warten, mit Medium stoppen, Zellen aus der Flasche spülen, zählen, ausrechnen, wie die verdünnt werden müssen, verdünnte Zellbrühe ansetzen, wieder zählen, auf Platten verteilen, Backup-Flaschen machen, alles wieder in den Brutschrank räumen. Mal vier Flaschen. Und aseptisch. 

Antikörper fertig gekoppelt. Es ist schon eins, wie ist das denn passiert, um zwei soll ich beim Kindergarten sein. Das Handy plingelte: ‚holst du die Kinder ab?‘ Ähh. 

Zellkulturen 2-6. Um halb zwei zurückgeschrieben: ’nicht vor 3′. Herr Rabe schreibt zurück, dass er sie holt. Um viertel vor vier bin ich fertig, in jedem denkbaren Sinn des Wortes. 117 Platten. 

Vorher.

Nachher.

Sogar meine Autokorrektur kann nicht mehr.


Batterie aus dem Büro geholt und direkt nach Hause. Ankunft zu Hause: 16:11 Uhr. Viele Trondheimer fahren mit sehr platten Fahrradreifen durch die Gegend. 
Pippi wollte kuscheln und stillen, machten wir, dann gab es noch etwas Brot für alle und Abmarsch zum Matfestival (Essens-Festival, wenn Sie mal Bärenfleisch essen wollen: kommen Sie zum Matfestival!) um fünf wegen vermuteter Schließzeit um sechs. Ankunft am Matfestival halb sechs, Pippi eingeschlafen, alles angeguckt und Michel bei 90% der Dinge das Kaufen ausgeredet, einen Öko-Burger gegessen, Michel beim Essen einer Öko-Bratwurst (ja, einer echten, richtigen Bratwurst, nach deutschem Rezept) geholfen (also die Wurst immer wieder aus dem Brot rausgeschoben, damit das Kind bloß nichts vom Brot essen muss…), weiter geschlendert und die Kinder-Ecke entdeckt. 

Michel backt sein eigenes Knäckebrot.


Jaja, ich hab die hübschesten Kinder der Welt. Hier der Beweis.


Man konnte sich seinen eigenen Smoothie erstrampeln.


Überhaupt war die Kinderecke am coolsten. Da gab es Krebse im Aquarium zum Anfassen, Fische, die man essen kann in tot zum Angucken (so ein ganzer Steinbeißer sieht ja auch etwas gruselig aus), Fische und Muscheln und Krebse und Garnelen und was weiß ich noch alles zum Angucken im Aquarium und so weiter. 

Um sieben, als das Festival dann doch mal schloss, die Kinder losgeeist und den Heimweg angetreten. Auf dem Weg noch ein Eis, dann Geschrei, dann gewickelt (im Stehen auf dem Kinderwagen…), dann Geschrei vorbei und Geruchsnerven für immer tot. Schade. 

Zu Hause angekommen um viertel nach acht, komplett in Eimer und eigentlich alle Mann reif fürs Bett. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein: der Brötchenvorteig!

Brötchenteig angesetzt, Kinder vertröstet, Herr Rabe brachte Michel ins Bett, Sauerteige für Brot angesetzt, Brötchenteig betuddelt und kurz nicht gesehen, dass Pippi den Salzstreuer ausleert, von Pippi Salz ins Gesicht gerieben bekommen, Salz vom Herd und der Umgebung weggesaugt, Pippi gestillt, an Herrn Rabe übergeben, Brötchen geformt, Gesicht gewaschen, wollte Pippi übernehmen, die schlief aber schon halb auf Herrn Rabes Schoß, also doch nicht, statt dessen bloggen. 

Jetzt ist die erste Brötchenfuhre im Ofen, der Schrittzähler meldet knapp 14.000 Schritte, so fühlt sich auch alles an. Puh.