Tag 975 – Ein kurzes Statement zum Stand des Humors.

Vorstellungsgespräch also. Mal wieder. Man wird ja tatsächlich entspannter dabei. Also, ich jedenfalls. Vielleicht war ich auch einfach müde, die Möglichkeit besteht durchaus. Aber es lief auch im Vorfeld alles gut und entspannt, keine abgesagten Flüge, alles ganz nach Plan. Im Endeffekt war ich dann 10 der Nervosität geschuldete Minuten zu spät vor Ort und staunte kurz über das super schicke Gebäude (Googeln Sie mal „Forskningsparken Oslo“, wenn es Sie interessiert), wurde dann aber von der Recruiterin eingesammelt und… kurz gebrieft. Kann man anders nicht nennen. Die hätten einen sehr guten fachlichen Eindruck von mir, ich solle dies und jenes noch betonen und dann würde das sicher gut laufen. Äh. Okay! Gut, mache ich, ganz beratungsresistent bin ich ja doch nicht.

Im Gespräch lernte ich dann meine eventuelle zukünftige Chefin (M.*) kennen (die live, in Farbe und zum Anfassen viel, VIEL weniger biestig netter ist, als sie auf Fotos und anhand ihres CV wirkt. Nach kurzem Geplänkel über das Wetter (warm) und das Wetter vor ein paar Tagen (kalt) ging es los. Und zwar damit, dass ich gefragt wurde, was die Firma denn so mache. Ich war da etwas, äh, überrascht von, aber meine Hausaufgaben hatte ich ja gemacht und umriss kurz die Firmenstruktur, die Produkte und die naturwissenschaftliche Idee dahinter. Alles, was ich nicht erwähnt hatte wurde von der M. ergänzt und ab da war es eigentlich ein ganz entspanntes Gespräch, ich kann das alles gar nicht mehr so wiedergeben, aber es ging zu 95% nicht um Fachliches, sondern um mich als Person. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass es der M. hauptsächlich drum ging, herauszufinden, ob ich als Mensch ins Team passen würde. Wie meine Arbeitsweise so wäre. Wie ich damit umgehen würde, wenn meine schönen Pläne durch Feuerlösch-Notwendigkeiten durchkreuzt würden. Wie ich in einem, vorsichtig ausgedrückt, noch in der Strukturierung befindlichen System voraussichtlich klarkäme. Was ich davon halten würde, mit regulativen Behörden zusammenzuarbeiten**. Ob ich mich auch vors, sagen wir mal, PEI stellen würde, um eine von uns geplante Studie vorzustellen***. Oder nach China fliegen und den Lieferanten inspizieren****.

Gipfeln tat das ganze dann in einer Frage nach meinem Humor. Weil der Chef im Empfehlungsschreiben meinen „good humor“ betont. Ähäm. Joa, also mein Humor ist besonders lustig, quasi grandios witzig, best humor, it’s true. Sagte ich nicht, sondern dass mein Humor ziemlich ironisch und manchmal auch sarkastisch ist, ich aber auch und vor allem über mich selbst lachen kann. Ah, eine Frage kam noch: was ich denn, abgesehen von Arbeit und Kindern, noch so für Interessen hätte. Ja, echt, die hat mich nach meinen Hobbies gefragt! Und da saßen wir nicht erst seit 10 Minuten und sie wollte Zeit schinden, damit ich mich nicht allzu schlecht fühle, das war nach eineinhalb Stunden Gespräch.

Ich hänge übrigens gar nicht die ganze Zeit im Internet rum. Ich habe lange Ballett gemacht, mache gern lange Spaziergänge mit Ziel, nähe meine eigene Kleidung und backe unser Brot. Falls Sie demnächst mal von einer M. aus Oslo gefragt werden.

Vorsichtiges Fazit: So ähnliche Gespräche hatte ich ja auch schon (mit denen hier und mit der Kröte ja eigentlich auch*****), es ist natürlich möglich, dass sie wen haben, der/die fachlich besser geeignet ist, weil er/sie/* halt schonmal genau das gemacht hat. Das wäre für mich jetzt blöd, weil das wär schon echt cool****** da. Aber dann hätten sie vermutlich nicht nach meiner unglaublichen Witzigkeit gefragt.

P.S. Der Rest vom Tag war dann auch echt super, mit der Osloer Freundin A. nämlich und der absolut unfassbar niedlichen MM ❤

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Auto-Lobhudelei: souverän gerockt.

Auto-Lobhudelei Nachtrag: Das auch erkannt und nicht kleingeredet und mich auch nicht dafür entschuldigt.

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*Alle heißen immer M., aber das sind echt alles unterschiedliche Ms!

**Äääähähähähä, you have no idea. Sagte ich nicht. Ich sagte „Denen gehts ja auch nicht drum, dass hier direkt zugemacht wird. Die Behörden wollen ja auch innovative, gute, wirksame und sichere Medikamente.“

***Ich habe den PhD-Vortrag überlebt, also… klar!

****Nicht beim ersten mal alleine, aber ganz grundsätzlich: warum nicht?

*****Habe endlich Nachricht bekommen und bin 2. in der „Liste“, was ziemlich genau das ist, was ich erwartet hatte und ich bin auch nicht traurig.

******Cool, weil viel Verantwortung, vielfältige Aufgaben und, ach, ich hab ja ein Herz für minikleine Firmen. Und super interessante Produkte, auch von der regulatorischen Seite her (siehe **) echt spannend. Risiko: Das *kann* alles in den klinischen Studien noch ordentlich in die Hose gehen.