Tag 220 – Durcheinander 

Herr Rabe hat seit heute Nachmittag frei. Jetzt muss er bis August nicht arbeiten. Das ist für alle weird. Auch für mich. Das heißt, ich hab nur noch sechs Wochen, dann muss ich wieder arbeiten. Sechs Wochen sind schnell rum. Wo sind eigentlich die letzten achteinhalb Monate hin???

Michel hustet ganz furchtbar. Das wird eine schlafarme Nacht.

Pippi hat Fieber. Ich tippe auf 3-Tage-Fieber. Waldorfkindergartenviren, ick hör dir trapsen. Heute Mittag waren es 39,9 Grad und sie ganz schlapp und fertig. Ein Hoch auf die Fieberzäpfchen. Wird wohl trotzdem ne schlafLOSE Nacht. 

Ein Baby mit Fieber stillen fühlt sich sehr komisch an. Als würde man seine Brust in sehr warmes Wasser tauchen. 

Heute den Kleinercast zum Thema Menstruation gehört. Danach neue Zyklusapp runtergeladen. Ebenfalls jeglichen Maßstab für zu viel Information verloren. Q.e.d.

Gestern habe ich mir ein falsches Muttermal (Lipom) am Rücken entfernen lassen, das mich schon seit tausend Jahren total nervt, weil es direkt unter dem BH-Verschluss sitzt und da reibt, drückt und allgemein auch doof aussieht. Dafür tuts jetzt halt irgendwie ein bisschen weh im Sitzen wenn ich mich anlehne. Voll supi, wenn man den ganzen Tag ein Baby am Leib kleben hat. Und Ostermontag soll ich zur Notfallpraxis um die Fäden ziehen zu lassen (ja, so groß war der „Froschpickel“. Vier Stiche.). Äh ja, mal sehen wie wir das machen. 

Das Schrägband abgemacht. Weiter nicht gekommen mit dem Nähprojekt. 

Ich muss jetzt noch (dringend!) Vorteig ansetzen für Brötchen, die morgen gebacken werden wollen. Die Küche und der Esstisch sehen auch noch aus wie Sau. Logistisches Problem: ich liege mit dem rasselhustenden Michel inzwischen im großen Bett, Herr Rabe ist von Pippi belegt. Hmhm. 

Tag 196 – Schon wieder fast alle krank

In der Nacht auf Samstag fing Michel an zu husten. Rasselnd und schleimig und fast so wie bei der Lungenentzündung, aber ohne Fieber. Leider hat ers ja nicht so mit dem Hand-vor-den-Mund-halten,  außerdem gibt er Pippi gerne Küsschen (oder leckt ihr auch mal beim Hund spielen quer durchs Gesicht…) deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis Pippi es haben würde. Die Nacht auf Montag war es dann soweit. Mehr Rotznase als Husten bei ihr, was aber bei einem Stillbaby ja auch nicht so mega spaßig ist.

 Es ist schon fies, wenn man mitbekommt, wie sie fünfmal an- und abdockt, bis sie sich entscheidet, dass das Minibisschen vom einen Nasenloch zum Atmen reichen muss oder dass sie es eben doch sein lässt und hungrig weiterschläft. Oder eben nicht weiterschläft, das ist noch fieser. Und seit heute habe ich es eben auch. Bei mir sind es hauptsächlich Hals- und Gliederschmerzen. Es ist doch zum Heulen. 

Dass ich dazu quasi als erstes nach dem Flugmodus-Abstellen heute morgen eine SMS der Unibibliothek hatte, in der ich aufgefordert wurde, das Statistikkursbuch zurückzugeben, machte es nicht besser. Natürlich habe ich das Buch schon lange zurückgegeben, direkt nach der Klausur sogar, aber trotzdem musste ich eben heute da hin gurken (im dichten, feuchten, waagerecht mit eiskaltem Wind in mein Gesicht gepusteten Schnee) und das klären. Es war gar kein Problem, das Buch wurde einfach als zurückgegeben nachregistriert, das machte mich froh und ich wollte das mit einem Kaffee feiern, aber dann hatte Möglichkeit 1 Inventur und ein Schild „Wir öffnen um 14:00 Uhr“ an der Tür, vor Möglichkeit 2 waren irgendwelche Gehweg-Bauarbeiten und deshalb kam ich mit Kinderwagen da nicht rein und bei Möglichkeit 3 war die Kinderwagen- und Rollstuhlrampe zugeparkt. Da hatte ich dann statt Kaffee in der Tasse den Kaffee schon um viertel nach zehn auf und ich fuhr missmutig nach Hause. Den Rest des Tages habe ich dann mit der kranken und deswegen sehr anhänglichen und missgestimmten Pippi verbracht und meiner eigenen Erkältung beim sich ausbrüten zugeguckt. Ein toller Tag. Nicht. 

(Übrigens hat Michel am Sonntag beim Frühstück gesagt „Noch ssueimal schlafen, dann Pippi Ssähne wachsen!“. Er hat aber nicht recht behalten. Ich bin ganz froh drum, Zahnen obendrauf müsste grade nicht unbedingt sein.) 

Tag 187 – Nachts

Hier so gestern Abend/letzte Nacht

22:00 Ich möchte ins Bett. Ich bin müde und mir tun alle möglichen Körperteile weh. Pipi schläft auf mir. Ich warte auf Herrn Rabe. 

22:45 Herr Rabe kommt nach einer passiv-aggressiven SMS von mir und bezieht das Bett. Dann nimmt er mir Pippi ab. 

23:01 Ich liege im Bett. Mit zwei warmen Körnerkissen und warmen Puschen. Mir tut mein Bauch weh, mein Rücken, meine Beine. Werde ich krank oder was? Fieber hab ich keines. Außerdem hab ich Sodbrennen. Dagegen trinke ich ein Glas Milch. Naja, einfach mal schlafen. Wird schon. 

23:20 Ich kann nicht schlafen. Pippi wird wach und ich höre sie kraweelen, während Herr Rabe sie fertig macht. 

23:25 Pippi wird mir zum Stillen gereicht. 

23:45 Pippi ist längst satt, will aber nicht aufhören zu nuckeln. Herr Rabe kommt ins Bett und rückt sehr nah an mich ran. Ich möchte alleine sein. Mit tut weiterhin alles mögliche weh. 

00:30 Mir reichts. Ich bitte Herrn Rabe, Plätze zu tauschen, weil Pippi mich mit dem Dauergenuckel wahnsinnig macht. 

00:45 Ich versuche immer noch, einzuschlafen. Mir ist latent schlecht und mein Bauch grummelt ganz furchtbar. Vielleicht Magen-Darm? Ich muss aufstoßen und kriege Kotzegeschmack in den Mund. Das mit dem Einschlafen wird so nichts. 

01:30 Pippi wird schreiend wach. Ich war grade eingedöst. Ich wälze mich wieder zu ihr, sie nuckelt und schläft ein. 

02:00 Michel kommt ins Bett gekrochen. Ich bin noch wach. Pippi nuckelt. 

02:30 Ich wache auf von „Oh Mann, Scheiße!“. Herr Rabe zerrt Michel aus dem Bett und legt ein Handtuch auf die Stelle, wo eben noch Michel lag. Dann geht er Michel umziehen. Ich merke, dass Pippi immer noch nuckelt. Ich docke sie ab und ziehe mein Shirt runter. Es klappt, Pippi schläft weiter. 

02:59 Pippi murcht rum und ich versuche sie auf meinen Bauch zu legen, damit sie weiter schläft. Klappt nicht. Andere Seite, nuckeln. 

04:11 Seitenwechsel. Jetzt liegt (und nuckelt) Pippi wieder auf der Seite, auf der auch Michel liegt. Das heißt, ich passe  zusätzlich noch unterbewusst auf, dass Michel sich nicht auf Pippi legt. Michel hat seine Raupe mitgebracht, die kitzelt mir an der Nase. 

04:49 Michel knirscht extrem mit den Zähnen. Ich kann nicht mehr auf der Seite liegen, so tut mir die Hüfte auch noch weh. Ich versuche mich auf den Rücken zu drehen.

05:13 Mein Arm ist eingeschlafen, davon werde ich wach. Ich nehme ihn runter, habe aber kaum Gefühl und erwische Pippi ein bisschen an der Schulter. Sie wird wach. Seitenwechsel mit taubem Arm. 

05:30 Michel knirscht wieder mit den Zähnen. Ich habe das dringende Bedürfnis, alles anzuzünden, vor allem das Drecks-Familienbett. 

06:10 Pippi murcht schon wieder rum. Wenigstens schläft sie nach Seitenwechsel und kurzem Nuckeln direkt wieder ein. Ich ziehe mein Shirt runter und schlafe innerhalb von drei Nanosekunden wie ein Stein. 

08:28 Michel schreiflüstert: „Paaaapaaaaa! Koooommmm! Aufsteeeeeen! Æ will Frühstück macheeeeen!“ Mir tut immer noch alles weh und ich würde nahezu alles dafür tun, mich auf den Bauch legen zu können, aber da liegt Pippi und macht sich breit. Auf der anderen Seite liege ich schon mit dem Hintern im nie genutzten Beistellbett. 

08:36 Michel hatte Erfolg. Die beiden stehen auf. Meine Augen möchten sich nicht öffnen. 

08:39 Pippi ist wach und brabbelt vor sich hin. Sie tritt mich gegen die Blase. Das konnte sie immer schon gut… Ich muss pinkeln. Ok, schnell aufs Klo, Pippi bei Herrn Rabe abliefern, dann kann ich mich noch ein bisschen hinlegen. Auf den Bauch. 

08:41 Ich nehme eine Ibuprofen. Offensichtlich werde ich krank oder bin es schon. Während ich sie runterspüle, registriere ich, wie Herr Rabe das Bett abzieht. Ich könnte heulen. Da wollte ich doch wieder hin! Er meints ja nicht böse. Ich gehe wortlos aufs Sofa und lege mich da hin, rolle mich ganz eng zusammen und decke mich zu. Dann höre ich der Familie beim Frühstück machen zu. Und beim frühstücken auch. Mir ist schlecht. Alles tut weh. Irgendwann wirkt die Ibuprofen. Michel kommt und bringt mir einen Bären. Dann kommt er kuscheln. Das wirkt noch besser als die Ibuprofen. Trotzdem wird es ein Sofatag. Hoffentlich wird diese Nacht besser. 

Tag 114 – Geschafft

Heute war die Statistikkursklausur. Die war aus mehreren Gründen tricky. Zuerst mal war die am ungefähr unwahrscheinlichsten Ort der Welt: Einer großen Sportwettkampfhalle, die sich einfach mal auf keinem der drei Campi (Campusse?) befindet. Dort wurden heute ca. drölfzig Klausuren zeitgleich geschrieben, das heißt, nachdem ich mir die Hacken abgerannt hatte (habe ich erwähnt, dass es sehr vereist ist zur Zeit?) und um 08:53 Uhr die Halle erreichte, lief ich erst mal zielsicher in den falschen Raum, da stand dann natürlich nicht mein Name auf der Liste, also rannte ich herum und checkte verzweifelt das Internet auf meinem Telefon. Den richtigen Raum fand ich dann um 08:59 Uhr und ich schwitzte auch nur ein bisschen. Ich wäre gerne früher da gewesen, aber zu diesem unwahrscheinlichen Ort brauche ich länger und das war nicht eingeplant gewesen. Nun ja, ich habe es ja geschafft, bekam den letzten Platz und sofort die Aufgaben.

Hrmhrm. Kann ich… Blaue Bälle, rote Bälle, jo… Hmm… Ok, das hier ist doof, das hab ich doch irgendwo aufgeschrieben? Blätterblätter… Nee doch nich, aber ich glaub das ging so… Wurzel oder nicht Wurzel, das ist hier die Frage… Och menno, wieso ist denn jetzt hier 13 und Wurzel aus 13 als Antwortmöglichkeit gegeben, das ist doch doof… Egal, erst Quadrat und dann wieder Wurzel, zack, passt schon… Oh das ist wieder einfach… Schreibschreib… mal 0. Oh. Mal 0. Dann ist ja das ganze Ding 0. Hääää? Das macht keinen Sinn. Schwitz. Schwitzschwitzschwitz. Nee, Formel ist richtig. Blätterblätter. Schwitz. AHHHH! 1- übersehen. OK. 1-0=1. Macht zwar nicht viel mehr Sinn, aber so isses halt. Weiter zu den langen Aufgaben. Rechnerechne. Jo, das geht so. Hupsi, Ergebnis sieht komisch aus. AHHHH! Standardfehler ist nicht Standardabweichung, genau, dann is das hier ja so und das durch das ist… Hrmhrm, accept H null, no difference blablabla, ok confidence interval, WTF wieso steht der kack Wert denn nicht in der Tabelle??? Hab ich doch die falsche Formel genommen? Nee, die andere Formel ist auch nicht sinniger… Ach verdammt, ich laber jetzt hier rum und mach das kleinere Intervall, dann isses noch sicherer, geht ja nur drum, dass das auch über 0 geht, so zack. Oh hier, schön Männer gegen Frauen, wer überlebt am längsten? Testtest, rechnerechne, hmm ok hier auch accept H null, no difference, blablabla. Was will er denn hier? Da steht ja die Lösung schon in der Frage? Will der mich verarschen? Nä, hier, zack, in other words the intervall is given by the probability blabla, muss man nix rechnen, is ja auch mal schön. Oh, erst halb elf und fertig. Alles fein abschreiben auf das hochoffizielle Durchschlagpapier und weg damit. Viertel nach elf. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit.

Dann bin ich durch den Nieselschneeregen und die Kälte und über das Eis zur Bibliothek gelaufen, hab da dann (im Stehen, weil irgend so eine doofe Veranstaltung war und nix zum sitzen frei) die ganzen bunten Klebis aus dem Statistikbuch wieder rausgefummelt und das Buch abgegeben. Juhu, anderthalb Kilo weniger nach Hause schleppen. Kurz in der Krankenhausapotheke nach Nasentropfen für das verrotze Baby geguckt: Äh Mist, mit Wirkstoff gibts hier nicht für Babys und Salzwasserlösung ist ausverkauft. Wäre auch überteuert, so schwer ist das ja nun nicht: 9 g Salz auf 1 L kochendes Wasser. Abkühlen lassen. Tadaa, Isotone Kochsalzlösung, kann man die Nase mit beträufeln oder Inhalieren oder als Kontaktlinsennotfallspüllösung verwenden. Aber eigentlich hätte ich lieber was mit Wirkstoff gehabt, das arme Baby kann nämlich kaum noch aus der Brust trinken vor lauter Schleim im Rachen und in der Nase. Morgens hatte es sich komplett verweigert, da musste ich also auch noch unter Zeitdruck (der Bus! der Bus!!!) die übervolle Brust leerpumpen. Hurra. Als ich wieder zu Hause ankam, hatte es immer noch nichts getrunken, konnte aber auch wieder nicht stillen und brüllte mich frustriert und hungrig an.

Netterweise bekam ich sehr schnell sehr viele Tips und nach Absaugen des Schleims aus der Nase konnte das Baby immerhin ein bisschen von der morgens abgepumpten Milch aus einer Spritze nuckeln. Damit spülte es den Rachen auch noch halbwegs frei und konnte danach stillen. Und seitdem steht hier ein Topf mit Thymianaufguss auf dem warmen Ofen und wir inhalieren einfach alle mit dem Baby mit. Riecht ja auch gut. Trotzdem war das Abendessen irgendwie etwas geschmacksarm. Ich hab kaum die Tomaten aus dem Risotto geschmeckt, was schade ist, weil ich dieses Tomaten-Mozzarella-Risotto wirklich sehr gerne mag. Nun ja. Außerdem haben wir dank der morgens abgepumpten Milch und der gestern aus dem Gefrierschrank in den Kühlschrank transferierten 2 Portionen jetzt sehr viel Muttermilch übrig. Endlich können wir mal Quatsch damit machen, wie zum Beispiel sie dem Baby in die Nase tröpfeln (gegen den Rotz) oder dem Baby auf den nach wie vor manchmal wunden Po schmieren oder vielleicht baden wir morgen das Baby mal drin, in der Hoffnung dass es das besser findet, wenn wenigstens das Badewasser lecker schmeckt.

Tag 113 – .

Sagen wir mal so: ich hoffe sehr, dass heute der Zenit meiner Erkältung war und es morgen besser wird. Sonst wird das schwierig mit der Klausur (zumal ich mangels Stimme höchstens pantomimisch Fragen zu den Aufgaben stellen könnte). Ich liege auch tatsächlich schon im Bett um meine Chancen auf Besserung zu maximieren. Muss aber noch mal aufstehen und meinen Schal holen, glaube ich. 

Tag 112 – Das Kranksein nutzen

Weil mein Hals kratzt als hätte ich ne Muskatreibe geschluckt, bin ich heute nicht zum Sport gegangen. Also schon wieder nicht. Das letzte Mal war ich dann vor drei Wochen da. Schlimmschlimm. Und da sich auch das Baby die Rotzerei eingefangen hat und rumschnorchelt und Schnodderblasen produziert und etwas unleidlich ist, war ich auf einen nervigen Babytragetag gefasst. Aber siehe da: das Baby wollte eigentlich den ganzen Tag schlafen (obwohl es glaub ich kein Fieber hat, ich hab nicht gemessen, aber es schien mir nicht so) und so konnte ich vier (!!!) meiner Übungsklausuren durchorgeln und wenn jetzt nicht irgendwas totaaaal verrücktes* drankommt, sollte ich dem gewachsen sein. Hurra! Fertig gelernt! Ich freu mich und werde morgen möglicherweise zum Stoffladen fahren, um das zu feiern. Ich muss nämlich eh zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen und der Stoffladen ist da in der Nähe. 

Neulich schickte uns meine Mutter Adventskalender. Ich wusste das nicht vorher, es kam mir aber sehr gelegen, weil ich das völlig vergessen hatte. 

Jedenfalls ist der fürs Kind von Playmobil und so eine riesige Box, die zu 90% aus Luft besteht. Und da wir ja fast die Hälfte der Adventskalenderzeit in Deutschland sind, müsste ich also den halbleeren aber immer noch riesigen Adventskalender mitschleppen. Das war uns zu doof und deshalb packten Herr Rabe und ich (und das Baby, aber das sabberte und rotzte eigentlich nur alles voll) heute alles aus und in Geschenkpapier wieder ein. So sieht es schöner aus und lässt sich besser mitnehmen. 

  
Merke: die nächsten Wochen wird nix getoastet. 

Unser Adventskalender ist übrigens mit 24 Sorten Kaffee. Ich werde berichten. 

*Power of Hypothesis Tests wäre sowas Verrücktes. Da renkt sich mein Hirn aus irgendwie. 

Tag 110 – Alle Krank

Das Kind hat Herrn Rabe und mich angesteckt. Jetzt sind wir beide verrotzt, er hustet auch, ich hab dafür Kopfschmerzen. Dem Kind geht’s sehr viel besser, kein Fieber mehr, fast normaler Appetit, wollte heute unbedingt „Fußballen“, war dann aber nach 20 Minuten Fußball spielen ziemlich fertig. Aber Husten hat es noch, nicht zu knapp und wacht davon auch nachts öfter weinend auf. Deshalb gehen wir jetzt auch einfach ins Bett, damit die akkumulierte Schlafmenge bei uns Großen trotzdem halbwegs passt. 

Tag 108 – Krankes Kind (3)

Heute war ich mit dem Kind beim Arzt. Herr Rabe hat einen Kinderkrank-Tag eingereicht, damit ich nicht das Baby in ein Wartezimmer voller verrotzter  Menschen mitschleppen musste. Besser wars auch, denn der Ausflug dauerte wesentlich länger als erwartet.

Um 13:45 hatten wir einen kurzfristigen Termin bekommen. Ich parkte neben der Praxis auf einem Wohngebietparkplatz und hoffte sehr, dass ich nicht wieder einen Strafzettel über 800 NOK (knapp 100!!!€) bekommen würde. Die Praxis war ganz schön voll und wir kamen erst um zehn nach zwei dran. Da gings dem Kind, das morgens noch halbwegs fit gewesen war, schon wieder recht dreckig und ich musste es die ganze Zeit tragen und auf dem Schoß haben.

Die Ärztin hörte ab, guckte in die Ohren, guckte in den Hals und wurde volle Möhre dabei angehustet. Sagte, sie hätte gerne nen CRP-Wert und nen Halsabstrich, Mandeln wären zwar normal aber man weiß ja nie. Der linke Lungenflügel würde etwas Rasseln bis tief in die Bronchien. Also setzten wir uns wieder ins Wartezimmer. Wurden irgendwann wieder aufgerufen für den Pieks in den Finger, der das Kind so schockierte, dass der darauf folgende Halsabstrich mit wenig Protest abging. Dann gab es ein buntes Pflaster und einen Flummi und viel Pusten von Mama. Und wieder ins Wartezimmer. Dann wieder zur Ärztin rein: Hmm, der CRP ist eigentlich ok, das ist alles komisch, gehen Sie bitte zum Lunge Röntgen ins Krankenhaus. Da war ich dann erst mal ziemlich geschockt: Krankenhaus??? So schlimm? Lunge Röntgen klingt auch nicht gut. Egal, erstmal dem Kind Sicherheit vermitteln. Und den Herrn Rabe anrufen, der und das Baby müssen mit, sonst kriegt das Baby Hunger und dann? Ja eben. Mann und Baby eingesackt, auf dem Rückweg noch schnell wegen tausend Einbahnstraßen verfahren, und ab ins Krankenhaus. Auch da: Warten. Lange.

Das Röntgen der Lunge war dann ein besonderer Spaß, weil das Kind partout nicht vor der Platte sitzen oder stehen bleiben wollte. Es erforderte eine blitzschnelle Röntgenassistentin, die just in dem Moment, als das Kind mal kurz richtig davor saß, auf ihr Knöpfchen drückte. Die seitliche Aufnahme war trotzdem etwas schief, aber da das Kind schon wieder völlig aufgelöst war und an mir hing wie eine Klette, meinte sie, vielleicht reicht es ja dem Arzt auch so, erstmal ausruhen und wenn doch noch ein neues Bild gemacht werden muss, dann machen wir das eben später. Ok. Also wieder: Warten. Auf die Bildauswertung.

Das Kind schlief auf Herrn Rabe ein, das Baby hatte Hunger und wurde gestillt, kackte und wurde gewickelt, war müde und wurde herumgeschleppt, die Uhr tickte vor sich hin und dann endlich kam jemand und rief uns auf: Gehen Sie bitte in die Kinder-Notaufnahme. Da wurde mir etwas flau, aber es half ja nichts. Ab in die Kinder-Notaufnahme. Die fanden wir zunächst nicht und irrten, jeder ein Kind und diverse Jacken schleppend, in der Kinderklinik herum. Irgendwann begegnete uns ein Arzt, der uns den Weg sagte. Also hin da und: Warten.

Dieses Mal mussten wir nur sehr kurz warten und wurden von sehr netten Kinderkrankenschwestern in Empfang genommen. Die stellten erstmal drölfzig Fragen und untersuchten das Kind ein bisschen. Wieder über 40 Grad Fieber. Oha.  Das Kind bekam dann ein Eis und ein Trinkpäckchen und 310 mg Paracetamol als Zäpfchen und zwei Emlapflaster falls Blut abgenommen werden müsse (nachdem es auf die Frage: „Tut’s dir irgendwo weh?“ seinen Finger mit dem bunten Pflaster vorgestreckt hatte) und eine Elektrode an den Fuß. Wir bekamen jeder einen Becher Wasser und das Baby einen Kinderwagen zum drin schlafen. Dann mussten wir wieder (Sie ahnen es sicher bereits) warten. Das Pflaster wirkt ja eh erst nach ner Stunde und außerdem war grade Schichtwechsel und sie wollten abwarten, wie das Paracetamol wirkt. 45 Minuten später schliefen alle außer mir. Die Schwestern kamen wieder und weckten alle wieder auf, maßen noch mal die Temperatur (jetzt nur noch 37,8) und gingen wieder raus. Nach noch mal 10 Minuten kam endlich der Arzt, ein netter, ziemlich kleiner, älterer Herr mit starker Brustbehaarung der die in meinen Ohren schönste Sprache der Welt sprach: Schwedisch. Es ist so schön. Hachz. Nun ja, er hörte noch mal ab, besah sich dann nochmal das Röntgenbild, guckte auf den CRP-Wert und machte viele hmms dabei. Und erklärte uns im Endeffekt könnten wir nichts weiter machen, die Lunge hört sich schlimm an, sieht aber so schlecht gar nicht aus, also Entzündung ja, aber keine schlimme, Bakterien sinds nicht, dann wäre der CRP höher, Viren vielleicht, obwohl dann eher auch Ohren und/oder Augen mit betroffen sein müssten, vielleicht auch Mycoplasmen, man weiß es halt nicht. Samstag sollte das Fieber wegsein. Wenns Montag noch nicht weg ist, nochmal zum Arzt. Von dem Husten hätten wir jetzt aber länger was, der alleine sei aber dann nicht mehr ansteckend. Viel trinken. Sei besser als jeder Hustensaft.

Mir fielen erstmal tausend Steine vom Herzen, das das Kind nicht im Krankenhaus bleiben musste. Und tatsächlich hab ich mich noch nie so über nen normalen Wutanfall gefreut, den es zu Hause wegen irgendwas und der runtergefahrenen Temperatur bekam. Darauf eine Pizza für alle!

Tag 107 – Krankes Kind (2)

Das Kind ist immernoch krank. Herr Rabe hat sich heute mal einfach drüber hinweggesetzt, dass das Kind sagte, es wolle nicht Fieber gemessen bekommen: 40,3 Grad. Ja Hmm. Das erklärt einiges. Zum Beispiel dass es den ganzen Tag weint. Ehrlich. Regression zum Baby hier. Und wer meint, mit Baby sei man fremdbestimmt, ist herzlich eingeladen mal vorbeizukommen. Das Kind und das Baby definieren grade gemeinsam Fremdbestimmung völlig neu. Und ich hasse es sehr doll. Das Kind will, dass ich mit ihm auf dem Sofa kuschel und keinen Meter weggehe. Das Baby will herumgetragen werden. Beide weinen sehr laut und ausdauernd, wenn ich ihren Wünschen nicht nachkomme. Zähneputzen? Nicht für Mama. Essen? Nicht für Mama. Aufs Klo? Nicht für Mama. Aaarrrrrrggggg!

Und. Ich. Muss. Für. Diese. Scheiß. Statistikklausur. Lernen. Wiesollichdasdennbittemachenverdammtnochmal??? 

Orrrrr. Echt. 

Morgen gehen wir zum Arzt, soll der mich auslachen aber is mir egal, so geht’s nicht weiter. 

Tag 106 – Krankes Kind

Gnaaaaa die Worpress App hat meinen Eintrag kaputt gemacht und meine Motivation jetzt alles nochmal zu tippen geht gegen null. 

Kurzfassung: Kind ist immer noch krank und ich komme deshalb tagsüber zu null Komma gar nix. 

War beim Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder. Dauerte anderthalb Stunden. In einem muffigen Raum. Zusammenfassung: checken, ob offensichtlich was im Hals steckt, dann entfernen. Rauspulen oder Kind übers Knie legen und kräftig auf den Rücken schlagen. Wenn Kind nicht atmet: 5 mal kurz pusten (das ist der einzige Unterschied zum Erwachsenen), dann Wiederbeleben mit 30 mal Pumpen und 2 mal pusten. Weitermachen bis Ambulanz kommt. Ach ja genau: Ambulanz rufen nicht vergessen. Die Telefonnummer ist 113 hier, das ist für mich verwirrend, aber soweit ich weiß wird man im Zweifelsfall von 112 umgeleitet.

Und jetzt ins Bett.