Tag 1733 – Ach, ach.

Ach, Zwergi. Erst Gemotze am Morgen, unausstehliche Laune, beim Abliefern an der Schule klingelt es während wir noch etwa 10 m vom Tor entfernt sind und ich werde fast von dir vor Wut über das „zu spät kommen“ (14,5 Minuten bevor der Unterricht los geht) geschlagen. Kein Abschied, dafür ein Anruf der Schule um halb zwölf, dir sei übel. Ich hole also ein überraschend fröhliches und gesprächiges Kind ab, das von Schwindel erzählt und von „nur ein bisschen Gurke gegessen“. Das gesprächige Kind ist mir lieber als das wütende Motzkind vom Morgen. Ich helfe dir, deinen Hund für die Schule fertig zu nähen, du isst ein Brot und eine komplette Paprika zum Mittag, die Eisen-Brausetablette magst du aber nicht. Ich muss arbeiten, deshalb habe ich keine Zeit und keine Energie, dich vom iPad-gucken abzuhalten. Mittagsschlaf fände ich ja besser. Abends darfst du Minecraft spielen, denn da muss Herr Rabe nicht mehr an seinem Computer arbeiten. Ausmachen ist aber nicht so beliebt und du wirst wieder wütend und es gibt Geschrei und Herr Rabe ist sauer und du tobst und weinst und isst alleine am Wohnzimmer-Esstisch. Es ist alles etwas besser mit Essen im Bauch aber Herr Rabe ist noch sauer und du tobst und weinst wieder u d dann soll ich weggehen und dann doch nicht und dann kuscheln und dann ist alles wieder gut. Beim ins Bett bringen sagst du, dein Bein tut weh, ich sage, du wächst vielleicht, du alberst herum dass du dann ganz schief wirst, wenn nur das eine Bein wächst. Dann bringe ich dich ins Bett, in dem viel zu kleinen Schlafanzug, du kuschelst dich an dein Riesenkuscheltier und an mich und dann schläfst du ein und schnaufst und riechst und siehst aus wie als du ganz klein warst.

Da wächst wohl wer und es ist grad so manches schief, nicht nur das Bein.

Tag 1524 – Wochenende-Recap.

Das war also Michels Geburtstagswochenende. Ich wollte einen (ja fast traditionellen) Geburtstagsbeitrag schreiben, aber es will mir nicht von der Hand gehen. Dabei hab ich den Zwerg so schrecklich lieb, mit all seinen Clownereien und seinen weichen Seiten und seinen vielen Emotionen und seiner Begeisterung für Dinos/Pokémon/Lego/Lego/Lego und Mario Cart. Aber das ist ja schnell gesagt. Bester großer kleiner Zwerg der ganzen Welt. Und schon so groß!

Freitag lief nicht gut an, es knirschte im Familiengetriebe, aber Michel bekam davon nichts mit und freute sich ein Loch in den Bauch über seine neuen Pokémon-Karten weil da sind drei GX-Karten bei und ein Trizord, der eigentlich anders heißt, aber Michel nennt es Trizord und ach, als wären die eigentlichen Namen irgendwie realistischer. Herr Rabe und ich hatten als Staffelaktion am Donnerstag tatsächlich einen Dinokuchen gemacht und es tut mir leid aber das ist das einzige Foto, was ich überhaupt habe:

Pippi musste wegen des Fiebers am Donnerstag noch zu Hause bleiben, mit Herrn Rabe. Ich fuhr zur Arbeit, hatte drölfzig Meetings und tausend weitere Dinge zu tun, ließ aber nach Plan um 13 Uhr den Griffel fallen und fuhr nach Hause. Herr Rabe und Pippi sammelten mich am Bahnhof ein und wir holten erst Michel und dann seinen besten Freund ab. Michel war super stolz, mal schon mittags abgeholt zu werden, das hatte er sich auch schon seit Wochen gewünscht. Ich würd ihm das ja gerne öfter ermöglichen, aber außer dass er ab und an mit zu einem Freund gehen kann, wird das von uns aus eine absolute Ausnahme bleiben, leider. Auch leider: Ich hatte vergessen, in Oslo zum Asialaden zu gehen und das fiel mir dann Samstag auf die Füße. Tjanun. Wir feierten jedenfalls mit Kuchen und Kaffee und die Jungs spielten und Pippi hielt tapfer durch – aber als Michels Freund um kurz nach fünf abgeholt wurde, schlief sie quasi direkt auf dem Sofa ein. Zwar ohne Fieber, aber schlapp. Herr Rabe und Michel bauten Lego und ich zog mich aus Gründen an meine Nähmaschine zurück. Abends redeten Herr Rabe und ich noch lange über das Knirschen vom Morgen und überhaupt. Das war nicht so ganz, wie ich mir Michels 7. Geburtstag vorgestellt hatte, aber man sucht sich sowas ja nicht unbedingt immer aus und es wäre mir auch falsch vorgekommen, einfach mit Bier auf dem Sofa drauf anzustoßen, wie supidupi wir das alles seit nunmehr 7 Jahren wuppen.

Entsprechend (und weil Pippi eben um fünf eingeschlafen war und dementsprechend unruhig schlief) waren wir Samstag aber relativ durch. Es wäre 12von12 gewesen, aber aaahahaha. Nein. Ich stand voll unter Strom, Michel war aufgeregt, Pippi aufgeregt, Herr Rabe auf das Projekt „Aufräumen“ fokussiert, denn wir hatten für abends Gäste eingeladen. „Nur“ die Babysitterfamilie, aber trotzdem! Und die vertragen ja alle alles mögliche nicht und deshalb hätte ich eben im Asialaden Mandelmehl und Maismehl kaufen wollen. So musste ich nach Jessheim fahren, auf dem Weg war die Autobahn gesperrt, auf der Umleitung war Stau und überhaupt – als das Essen auf dem Tisch stand atmete ich eigentlich das erste mal durch. (Dazwischen war noch ein kleiner Ausraster meinerseits, weil mir der Kuchen aus Mandelmehl nicht gelingen wollte und ich bei den Versuchen aber alle Eier aufgebraucht hatte. Leider hat es ausgerechnet Michel mitbekommen, dabei habe ich es echt versucht, aber als mir beim zweiten Versuch das letzte Eigelb ins Eiweiß fiel und da kaputt ging und auslief, musste ich kurz ins Bad und ein bisschen schreien und weinen und atmen und dann ging’s wieder. Aber Michel macht sich immer sofort Sorgen und denkt auch schnell, er habe was falsch gemacht und ach, ach, nein, er hat ja nichts damit zu tun, dass seine Mutter auf Zu Viel irgendwann so reagiert. [Muss mir ganz kurz auf die Schulter klopfen: immerhin nichts kaputt gemacht!] Und dann verträgt der Babysitter neben Gluten halt auch keine Mandeln und der ganze Aufriss war also umsonst, aber als ich das erfuhr, war ich schon so emotional leergepumpt, dass mir das echt am Po vorbei ging.)

Der Abend war dann aber total nett. Michel baute sehr lange einträchtig mit der Elben-Schwester des Wikinger-Babysitters an seinem mega coolen neuen Lego-Technik-Auto. Da bewegen sich sogar die Kolben in den Zylindern, wenn man fährt! Michel war sehr stolz, dass er schon so viel davon selbst bauen kann, obwohl das Set ab neun ist! Wir haben sehr leckere Tacos gegessen (das erschien uns insofern sinnvoll, als dass man da selbst zusammenstellen kann, was man mag verträgt oder nicht. Aber wussten Sie, wieviele Taco-Shells „Spuren von Gluten“ enthalten können? Ich auch nicht. Herrje, was bin ich froh, dass hier im Großen und Ganzen alle alles vertragen.) und heute Abend haben wir dann noch mal Tacos gegessen und morgen gibt es Taco-Suppe aus den dann aber wirklich allerletzten Resten. Ich kann echt nicht gut abschätzen, wieviel drei weitere Erwachsene essen (oder nicht essen). Michel mag kein Hackfleisch, das wissen wir jetzt auch. Aber man kann ja auch einfach Tacofladen mit Käse und Paprika essen.

Heute waren dann Michels Freunde M. und M. zu Besuch und die haben so süß gespielt, dass ich richtig lachen musste. Die sind zwar wild, aber niedlich dabei und es ist alles noch so unschuldiger Pupshumor, mitsamt Gekicher weil „hihi, Pupspopokack!“, zum Schießen! Ich hätte viel vorgehabt, habe aber nicht so viel geschafft, weil die Nachbarin zwischendurch 2 Stunden zu Besuch war und die Mädchen alle zusammen gemalt haben und das alles so gemütlich war – das war wichtiger als den Mantel fertig nähen. An den hab ich heute Abend dann noch Taschen gebaut und geschaut, wo die Schnallen hinmüssen. Dann noch das Futter rein und dann ist er fertig. Ich bin sehr gespannt, unter anderem ob ich unten drunter noch was anziehen kann, oder ob das zu eng wird. Das wäre natürlich eher ungünstig.

Heute Abend habe ich Michel ins Bett gebracht und, hach. Der wird einfach immer mein Baby bleiben.

Tag 1520 – Hachja.

Die lieben Kleinen.

Erst hab ich heute Pippi im Schlafanzug zum Kindergarten* gebracht, weil sie sich absolut nicht umziehen wollte. Also frischen Schlüpfer an und die Schlafanzughose wieder angezogen. Ich wünschte jetzt, ich könnte so supermuttimäßig damit rumprotzen, wie toll Pippi nach diesem Zugeständnis den Rest des Morgens mitgemacht hätte, aber, wen überrascht’s, das Kind kann auch prima im Schlafanzug im Flur auf dem Boden liegen und sich jeder Zusammenarbeit einfach aus Prinzip verweigern.

Im Kindergarten lief sie dann aber sofort zu den anderen Kindern um zu verkünden: „Das ist mein sove… äh Schlafisssuk!“ Ich bin halt nicht die einzige Sprachverwirrte hier. (Pysj heißt es auf Norwegisch.)

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Michel plant Großes:

Schlimm, schlimm**, da bin ich auf Inspektion.

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Michel ist wohl heute in der Schule irgendwie von einem Mitschüler geschlagen worden. Die Lehrerin rief an, weil Michel sehr doll geweint hat. Wir haben darüber geredet, Michel und ich, und er möchte, dass die Lehrerin noch mal mit dem anderen Kind schimpft, das hat sie zwar schon getan, aber Michel hat es nicht mitbekommen und da greift bei Michel der Mechanismus „Pics or it didn’t happen“. Armer Zwerg. Und was geht bitte bei nem Kind das bei nem kleinen Disput direkt erst mal anderen Kindern ins Gesicht boxt?

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Jetzt liege ich mit Pippi im großen Bett und sie kann nicht wieder einschlafen. Zum, ich glaube, zweiten Mal überhaupt, hat sie sich nämlich im Bett eingepullert und das war offenbar sehr schlimm, und auch dass wir dann keine Möhrensuppe*** aus dem Hut zaubern konnten, war sehr schlimm und überhaupt, warum ist nicht jetzt Aufstehzeit?

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*Die Kindergärtnerin nur so „Jaja, das kenne ich, pick your battles. Das ist es nicht wert, morgens ne Stunde zu streiten.“

**Ich weiß nicht mehr, woher das kommt. Irgendein Sketch oder ne Serie. Jedenfalls ist das ironisch gemeint und man muss das in so einem resignierten Tonfall sagen (oder halt lesen) und zwischen Herrn Rabe und mir ist das so eine Standardredewendung.

***Wie auch immer sie darauf kommt, dass wir Möhrensuppe haben sollten.

Tag 1519 – Wort des Tages.

Tenketank. Wir beim Staat sprechen Norwegisch und da wird brutal eingenorwegischt. Beispiele:

  • Audit trail – Revisjonsspor
  • Back-up – Sikkerhetskopiering

Und jetzt eben

  • Thinktank – Tenketank

Herrje. Und da soll man ernst bleiben, wenn der oberste Oberdirektor die ganze Zeit tenketank sagt. Kadonkadonk, sagt RuPaul in meinem Kopf.

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Michel hat heute zum ersten Mal mit seinem Kumpel ganz allein den Bus genommen. Mein Baby! Sie sind zum Kumpel gefahren, da hat sie die Oma an der Bushaltestelle abgeholt und das war alles so abgesprochen und hat auch alles gut geklappt, aber irgendwie bin ich noch nicht so weit, dass ich entspannt mein Kind mit dem Bus durch die Gegend gondeln lasse. Also war ich unentspannt.

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Apropos bin noch nicht soweit: hier hat’s heute geschneit und es ist auch liegen geblieben. Ich möchte das echt vor Michels Geburtstag noch nicht.

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Apropos Sprachwirren und geschneit: der Nachbar, der mit einer Deutschen verheiratet ist, fragte heute mit seinem putzigen Akzent „Wie geht es?“ und ich grunzte „Ugh, ja, Schnee, bläh, ich bin noch nicht…“ und dann fehlte mir das Wort fürs norwegische „klar“ „fertig? Nein. Ich bin noch nicht bereit. Soweit! Ich bin noch nicht soweit.“

Meine Muttersprache geht langsam flöten. Es ist besorgniserregend. Ich bin noch nicht fertig dafür.

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Tenketank. Kadonkadonk. Gnihihi.

Tag 1420 – Erster richtiger Ferientag.

Heute also das erste mal richtige echte Schulferien für Michel. Kein Hort, keine Ferienspiele*, nichts. Wow. Mir ist glaube ich das erste mal so richtig aufgegangen, wie groß Michel im letzten Jahr geworden ist. Von schüchternem Kindergartenkind zu… naja immer noch relativ schüchternem aber auch wilden und Neunmalklugen Grundschüler. Die Erwachsenenzähne wachsen, die Haare sind im Nacken gestern raspelkurz rasiert worden – von Herr Rabe, wie immer – und in Verbindung mit der Nackenbräune sieht der weiße Rand jetzt zwar etwas lustig aus, aber es macht ihn schon optisch größer. Natürlich ist er schlacksig wie eh und je, aber morgen wollen wir Sandalen kaufen, mal gucken, was uns da am unteren Ende des Körpers für Überraschungen erwarten. Die größeren Überraschungen erwarte ich da aber bei Pippi, die hat immer schon recht große Füße gehabt und da grad schon wieder alle Socken „aaaaaaltfor liten!“ (Vieeeeeel zu klein) werden, bin ich mal gespannt. Jedenfalls morgen also Ausflug in die große Stadt. Mit einem großen Kind und einem noch größeren Kind. Hach, ich freue mich. Ich hab schon tolle Kinder, meistens weiß ich das auch. Heute sind sie beide ohne Körperkontakt eingeschlafen, ich saß nur noch vor dem Bett, nicht mehr drin. Ich habe Hoffnung, dass wir nach den Ferien nicht mehr Einschlafbegleiten müssen.

Doch, war schön heute. Wirklich schön.

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*nächste Woche ist eine Art Ferienspiele für Michel, Montag bis Donnerstag, eine Artisten-/Parcouring-/Balanceschule. Das wird bestimmt spannend, Michel macht das mit seinem Freund und die beiden freuen sich schon sehr darauf.

Tag 1409 – Versöhnlich.

Heute ging schief, was schief gehen konnte, von morgens bis abends, Sachen vergessen, falsche Sachen mitgenommen, Rechner will nicht, dann will Datenbank nicht, alles irgendwie Mist im Homeoffice, aber den Großteil meiner Aufgaben kriege ich doch irgendwie fertig, Rest muss ich am Wochenende machen.

Abends fahren wir zum Vikinger-Babysitter, denn die Kinder übernachten da morgen, es ist sehr aufregend für alle. Der Vikinger-Babysitter hatte letztens Geburtstag, ich versuche also erst online einen Gutschein bei einem Laden zu kriegen, der Sachen anbietet, die Teenie-Jungs cool finden, gebe aber nach dem dritten auf. Ich versuche Geld zu holen, bin schon wieder zu Hause, da fällt mir auf, dass ich kein Geld habe, hab das wohl im Automaten stecken lassen. Fahre zurück, treffe den Geldautomatentechniker, der mir erklärt, der Automat sei leer, es käme gar kein Geld raus, er fülle den nun auf, ich solle in einer halben Stunde wieder kommen. Also wieder nach Hause, zu spät zu spät, die Kinder nölig und aufgeregt, ich finde noch zwei 50-Kronen-Scheine und schaue anschließend ein Video, in dem jemand ENERVIEREND LANGSAM Geldscheine zu kleinen Hemden faltet. Wir packen den Kram für die Kinder und fahren dann los, 25 Minuten zu spät, nochmal zum Geldautomaten, 100 Kronen erscheinen mir etwas lächerlich für einen Teenie, treffe den Geldautomaten-Techniker, der mir erklärt, der Automat sei gar nicht leer gewesen sondern kaputt, aber jetzt ginge er wieder, er hätte den nämlich repariert. Im Auto also noch mal Geld falten und 30 Minuten zu spät beim Babysitter aufschlagen. Die Kinder sind jetzt jedenfalls auf Übernachten eingestellt, Pippi ist indifferent, Michel freut sich. Das hat eine Woche gedauert von Totalverweigerung mit Tränen bis zu Vorfreude. Uff. (Was hat den Dreh ausgemacht? Naja, erklären von uns aus natürlich. Augenhöhe! Außerdem haben die ein Trampolin und Minecraft und es gibt Pølse zum Abendessen.)

Als Herr Rabe die Kinder ins Bett brachte, räumte ich die Rucksäcke aus. Heute war nämlich letzter Schultag und auch Pippi macht morgen Ausflug (zum Flughafen. Fragen Sie nicht.) und hat nächste Woche Umgewöhnung in die neue KiTa-Gruppe, die Schränke leeren wir also jetzt schon nach und nach. Da fand ich Michels Schreibbuch im Rucksack und herrje, das ist so niedlich, ich musste ein bisschen vor Rührung weinen.

Ja, mein Kind malt wie ein Vierjähriger, aber das ängstliche Männchen, ich geh tot! (Aufgabe war: Gefühle malen. Froh, Traurig, Ängstlich, Wütend.)

Das ist Ostern. Das sind die zwei Bäumchen, die wir Ostern gepflanzt haben! Auf der da noch ganz braunen Wüste! *heuli*

Und hier: Jahresabschluss. Er sagt seiner Lehrerin Tschüss. Und er trägt den blauen Raketenrucksack vom Midimonsieur, an den er ein kleines Werbe-Bärchen gehängt hat, das jetzt immer mit muss. *heulipopeuli*

Dass man über sowas mal flennt denkt man ja auch nicht als junge Frau ohne Kinder.

Tag 1406 – Swuuusch.

Die letzten zwei Wochen Probezeit sind angebrochen, wo ist denn das letzte halbe Jahr hin bitte? Wie wahrscheinlich bei allen ist bei uns auch vor den Ferien die Geschäftigkeit groß, alles muss noch Ferien-fertig werden. Hier noch ein paar Altlasten abschließen, da noch was wegarchivieren, diese Zulassung noch rausschicken und jenes Zertifikat. Die nächsten Tage werden einigermaßen vollgepfropft, dann noch Montag und Dienstag nächste Woche eine letzte Inspektion, Sommerfest, Kollegenabschied, dies, das und dann: Urlaub. Ein echter, verdienter Urlaub. Verdient aber unbezahlt aber Tjanun. Nächstes Jahr dann auch bezahlt. Dieses Jahr müssen halt die Überstunden dafür herhalten, das ist schon in Ordnung.

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Michel und ich waren heute bei den Zweitklässlereltern. Das war drei Leuten sehr unangenehm: Michel, mir und dem Vater, der die Tür öffnete. Seltsame Situation, mitten in Norwegen geht man nicht einfach zu Leuten und sagt „hallo, ich wollte mal mein Gesicht zeigen und hallo sagen und dass der Tankstellenausflug gar kein Problem gewesen wäre, wenn die Jungs uns Bescheid gesagt hätten“. Es stellte sich heraus, dass auch der Zweitklässler nicht bis zur Tankstelle darf. Hups.

Den Rückweg (auf dem Hinweg war Michel mit Nörgeln beschäftigt, dass er da nicht hin will und auf gar keinen Fall irgendwas sagen wird und das überhaupt total doof ist alles) haben wir dann genutzt um ein paar Begriffe zu klären, nämlich „peinlich“ und „unangenehm“. Wie putzig mein Kind ist, es weiß nicht, was das Wort „peinlich“ bedeutet. Und erklären sie das mal, das ist gar nicht so einfach. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation grad für mich auch unangenehm war, weil ich die ja nicht kenne und nicht weiß, wie die reagieren, aber dass mir das nicht peinlich war. Es aber ok und verständlich ist, wenn ihm das peinlich war. Dann haben wir Regeln festgelegt, zusammen. Michel darf bis zur Unterführung und nicht weiter, ohne Bescheid zu sagen. Wenn wir ihn irgendwo vermuten, er aber für länger woanders hingeht (anderer Kumpel, Spielplatz, whatever), sagt er auch Bescheid. Nicht-Befolgung führt zu Suspendierung eben dieser Privilegien.

Puh. Jetzt muss ich nur noch für ein autofreies Eidsvoll von hier bis zur Unterführung sorgen, dann kann ich wieder ausatmen.

Tag 1405 – Wurm drin.

Unsere Familienkommunikation lässt grad ein wenig zu wünschen übrig. In alle Richtungen. Gestern dachte ich noch, dass man mit Michel inzwischen wirklich gut reden kann, weil wir eine echt gute Absprache zum Thema „Fernsehen in den Ferien“ getroffen haben. Ich sagte, wir müssen das absprechen, Michel machte Vorschläge, ich fand die dann zu streng (!!!) und wir einigten uns auf was in der Mitte. Heute machte Michel dann aber ordentlich Mist. Er spielte mit einem Jungen aus der 2. Klasse, erst brach der Hahn der Regentonne unter mysteriösen Umständen ab, was zunächst mit Tesa zu kaschieren versucht wurde, dann wurde versucht, Beweismittel* verschwinden zu lassen**. Das fanden wir aber alles erst raus, nachdem Michel, den wir bei eben jenem Zweitklässler zu Hause (drei Häuser weiter) vermuteten, aus der Gegenrichtung eintrudelte: sie waren an der Tankstelle*** gewesen, Süßigkeiten kaufen. Ich weiß nicht, ob die Zweitklässlereltern**** das wussten, wir jedenfalls nicht. Ich machte eine klare Ansage, die Michel schon geknickt hinnahm, Herr Rabe machte allerdings wenig später eine sehr viel wütendere Ansage***** und nun will Michel zwei Wochen lang kein Fernsehen gucken******.

Ach ja, Kinder. Sie werden so schnell groß und der Scheiß, den sie machen, auch. Ich tue mich ja schon schwer damit, ihn überhaupt so rumstreifen zu lassen, andererseits denke ich, das habe ich doch auch gemacht, dann wiederum war das auch in den 90ern, da hatte noch nicht jede Hausfrau nen fetten SUV, der das Kind einfach zermalmen würde. Ich möchte nicht herumhelikoptern, aber so einen kleinen Sender mit Mikrofon, ist das helikoptern? Ich will doch nur, dass es meinem Baby gut geht. Ich hab so schreckliche Angst vor bösen Leuten, die Kindern böses wollen, vor Autos und vor LKWs. Das sind alles meine Probleme, nicht seine, ich muss damit klarkommen und loslassen und all das, das weiß ich, aber es ist so schwer. Und sich nicht abmelden, wenn man zur Tankstelle fährt, macht es nicht leichter.

(Mein Baby! Mit seinem orangenen Fahrradhelm, der immer schief sitzt. Der Zahnlücke und allem. Draußen allein in der Welt. Wahhhh!)

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*der Hahn

**aufs Dach der Gartenhütte geworfen

***die ist an der Schule, zu der man ja laut Schule die Kinder auf gar keinen Fall vor der 5. Klasse allein mit dem Rad fahren lassen kann. 1,7 km. Quasi am anderen Ende der Welt.

****Die ich gar nicht kenne, da werde ich morgen mal vorbei gehen (mit Michel) und mich vorstellen und meine Telefonnummer da lassen, falls mein Kind in Gesellschaft des Zweitklässlers nochmal unauffindbar sein sollte

*****unabgesprochen mit mir, siehe Titel

******keine Ahnung wie er darauf kommt. Herr Rabes Ansage lautete auf „heute und morgen nicht“. Ich glaube, Michel hat eine Tendenz, sehr streng mit sich zu sein. Weiß ich ja auch nicht, woher er das hat (Ironie off).

Tag 1391 – Bereit?

Eine Woche zur Probe 5 Tage arbeiten steht uns bevor, dann ist Pfingsten und dann keine Feiertage mehr bis Weihnachten. Das schockt mich jedes Jahr aufs Neue.

Ich bin nicht bereit für diese nächste Woche, zu viel hat mich dieses Wochenende beschäftigt und lässt mich nicht los.

Über Dead to me jedoch am Ende nach einiger Aufregung herzlich gelacht.

Die Stockrosen und der Malvenrost werden eine längere Geschichte, ich habe erstmal alle kranken Blätter abgeschnitten, aber der Pilz ist sogar im Stamm. Die Chemiekeule ist in Norwegen, wie mir im Gartencenter mitgeteilt wurde, verboten, ich habe noch ein bisschen Chemiekeule aus Prä-Norwegen-Beständen, aber das würde ich natürlich nie tun, verbotene Dinge, niemals. Ich sprühe also die Stockrosen nun täglich mit einer milchigen Flüssigkeit, die nichts außer Hoffnung und Sud aus Ackerschachtelhalm (was ist das überhaupt?) enthält, ein und hoffe auf das beste. Und bei Gelegenheit werde ich das Geld für die Stockrosen im Gartencenter, wo ich sie gekauft habe, zurückfordern.

Michel ist, wenn er nachts verschlafen angetapst kommt, sein IT-Konferenz-Goodie-Chamäleon fest im Griff, so niedlich, dass ich ihn fressen könnte. Das macht den Winkezahn (zweiter oberer Schneidezahn, der so locker ist, dass er eigentlich bei scharfem Einatmen durch den Mund schon ausfallen müsste) allemal wett. Was nicht ganz so niedlich ist, sind Michels Füße, die inzwischen, wenn er am Fußende liegt, ungefähr auf meiner Brusthöhe liegen. Ich kuschle also nachts mit Füßen, das ist nicht das, was mir die Familienbett-Kuschel-Werbemafia damals vorgegaukelt hat. Überhaupt finde ich, Kinder, die lesen, schreiben und selbständig MarioCart spielen können, könnten dann langsam mal in ihren Betten durchschlafen. (Aber das bin nur ich. Jedem Tierchen sein Plaisierchen, nicht wahr, wenn wer gern noch mit seinen pubertierenden Kindern das Bett teilt, bitte. Ich finde es langsam zu eng und hätte das Ehebett auch gern mal wieder nur für das Ehepaar des Hauses.)

Spät schlafen hilft nicht beim ausgeruhten Aufstehen morgen. Irgendwann lerne ich das.

Nun kam auch noch Pippi an, während ich tippte. In der Hand ihre halb gegessene Zuckerperlenkette, die sie nur durch unsere geballte pädagogische Kraft* zum Schlafen auf das Regal neben dem Bett zu legen bereit war. Es wird also eng heute Nacht.

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*nach viel Argumentation (gefährlich wegen Schnur, Zucker könnte alles vollschmieren, eh schon Zähne geputzt, könnte verloren gehen…) war die Ansage „Das kommt nicht mit ins Bett, fertig, ich zähle jetzt bis drei, wenn du die Kette bis dahin nicht Papa gegeben hast, nehme ich sie! Eins…“ und weiter muss man nie zählen. Ich möchte das eigentlich nicht, aber es funktioniert, im Gegensatz zum Argumentieren „auf Augenhöhe“**, sehr gut. Sie murrt dann auch nicht mehr. Ein Schelm wer „manche Kinder brauchen klare Ansagen“ dabei denkt.

**Augenhöhe wäre für mich aber auch, wenn mehr zurückkäme als „Nein!“ und „ICH WILL ABER!“, da kann ich genauso gut versuchen mit der nächstbesten Betonmauer auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Tag 1371 – Großes Herz.

Ach, ach, ach. Ich hab schon tolle Kinder. Zwei Stück. Zwei super Kinder. Pippi zum Beispiel, diese kleine Dreckspätzin mit Nagellack und Kleid, die grad alles alleine kann, außer sie will grad nicht, dann kann sie gaaaaar nichts, es ist alles schlimm und überhaupt sind ihre Knie müde. Alleine den Rucksack aus dem Kindergarten holen, auf Michels Sitz sitzen, alleine Blumen pflücken, aber bitte die Treppen rauf getragen werden. Sie versucht grad oft, ihren Willen mit Geschrei durchzusetzen, was gestern dazu führte, dass Michel heimlich tat, was Pippi hätte tun sollen (ihre Schuhe wegräumen), weil Michel das nicht mehr ertrug, dass sie so brüllte. Aber Michel wär ja nicht Michel, wenn er nicht ne schlaue Antwort auf mein „das war sehr lieb von dir, aber so lernt Pippi leider nicht, dass sie manche Sachen selbst machen muss“ parat hätte: „Ich wollte ihr nur zeigen, wie das geht, dann kann sie es beim nächsten mal selber.“ Das sind meine Kinder grad: die sture Kleine und der gewitzte Große. Michel hat weiterhin den Kopf voller wilder Ideen. Langsam kann man manchmal mit ihm ernsthaftere Gespräche führen. Ihm wirklich Dinge erklären. Weil hier am Freitag ja Nationalfeiertag ist, lesen die Kinder viel Zeug über die „Eidsvollsmennene“, die damals das Grundgesetz verfasst haben und ich konnte es nicht lassen, anzumerken, dass Frauen da nicht gefragt wurden. „Wer hat den Frauen denn eigentlich erlaubt, das [also mitentscheiden] heute zu machen?“ „Da haben viele Frauen lange für gekämpft, dass wir das heute dürfen, mitentscheiden.“ „Mit Pistolen?“ (da hab ich den Teil mit den Bomben legenden Suffragetten dann einfach mal ausgelassen, an „Krieg ist NICHT COOL“ arbeiten wir weiterhin) „Vor allem mit Worten. Die haben so lange gesagt, dass Frauen genauso kluge und gute Entscheidungen treffen können, wie Männer, bis sie die Politik mitbestimmen durften.“ „Was ist Politik?“ (und so weiter). Gut, zwanzig Minuten später sagt er, er will bei seinem nächsten Geburtstag nur Jungen einladen und Mädchen sind doof, aber mühsam ernährt sich das feministische Muttereichhorn. Und wieder zwanzig Minuten später, beim Prä-Bettzeit-Laberflash, der ihn fast täglich überkommt, erzählt er, wenn man schlafwandelt, kann man auch Computer spielen, mit geschlossenen Augen, nämlich, und im Comic, da malen die nämlich ZZZzzz an die schlafenden Leute, so wie bei Donald Duck und 100 + 105, was ist das, Mama, 501? Nein, 150. Und so weiter und so fort und mit Zahnbürste im Mund noch „Isch musch dir wasch schagen, Mama!“, das kann dann keine zwei Minuten warten, auf gar keinen Fall denn das ist ganz wichtig, dass ich weiß, dass es ja viele, viele McDonalds gibt. Jetzt sofort muss ich das wissen.

In solchen Momenten bläst sich mein Herz auf wie ein Luftballon und platzt fast. Ich hab die zwei so schrecklich lieb, ich würd jedem eine Niere spenden, wenn sie eine bräuchten. Meine großen, kleinen, wilden, kuschligen, klugen, albernen und einfach wunderbaren Rübennasen.