Tag 37 – Barselgruppe

Barselgruppe heißt übersetzt ca. Säuglingsgruppe und ist ein Angebot der Kommune, um frisch gebackene Mütter zusammenzubringen und soziale Kontakte herzustellen. Das klingt absurd, ist es irgendwie auch, aber bei den leicht antisozialen Norwegern notwendig, damit nicht jede Mutter hier anfängt zu bloggen alleine zu Hause hockt. Und bevor jetzt einer schreit „und die Väter???“: Nix da, Väter. Dieses Angebot richtet sich ausdrücklich nur an die Mütter. Leider.

Heute war ich also beim Barselgruppe-Treffen. Mit 8 anderen Muttis und 9 anderen Babys saßen ich und das Baby da und waren aufgeregt, also das Baby zuerst nicht weil es geschlafen hat. Als erstes ging es um die genauen Geburtsdaten. Wir stellten dann fest, dass alle unsere Babys innerhalb von 10 Tagen geboren sind, also alle fast gleich alt. Die Unterschiede zwischen den Babys überraschen mich immer wieder. Ein Baby wog schon bei seiner Geburt soviel wie meins bei seinem 6-Wochen-Checkup. Das sieht jetzt aus wie 4-5 Monate. Die Zwillinge sind natürlich viel viel kleiner. Obwohl (fast) ausgetragen. Wogen zusammen bei der Geburt so viel wie das Brocken-Baby. Aber auch zwei von den anderen Babys sind noch so winzig, dass mein Baby sie wahrscheinlich plattmachen würde, könnte es mehr als seinen Kopf heben oder die Hand anlutschen. Aber gut, die Babys sind natürlich niedlich und so, aber interessant sind für mich ja eher die anderen Muttis. Und wie soll ich sagen… Vielleicht eine, maximal zwei aus der Runde. Das reicht ja eigentlich auch, man muss ja nicht mit allen super dicke werden. Eine hat die ganze Zeit mit offenem Mund Kaugummi gekaut und in meinem Kopf sagte meine doofe Grundschullehrerin gemeine Sachen über Wiederkäuer. Eine ist Zahnärztin, ca. 40, erstes Kind, hypernervös mit dem Kind. Eine redete sehr viel, ist eigentlich nett, sagte dann aber so ganz falsche Sachen über Tragehilfen („Ach, voll doof, ich hab den Ergobaby gekauft und aber nicht den 360, da kann das Baby nicht nach vorne gucken, jetzt kann ich damit ja gar nix anfangen…“) und ich musste mir die Zunge nahezu abbeißen um nicht rumzuklugscheißern und mich gleich beim ersten Treffen unbeliebt zu machen. Die anderen aus der Runde nickten auch so verständnisvoll zu ihren Ausführungen, da muss ich an meiner Bullshittoleranz arbeiten, wenn wir uns öfter treffen. Oder mit sehr guten Argumenten Überzeugungsarbeit leisten. Also besseren als „Aber das ist ganz FALSCH!“. Eine weitere Mutti ist ziemlich langweilig, zwei sind etwas weniger langweilig, waren heute sehr still, aber das war ich auch. Eine Mutti ist aus den USA und hat einen sehr charmanten Akzent. (Sicher charmanter als meiner.) Wir werden sehen, was draus wird, jetzt legt die eine erstmal ne Facebookgruppe an und dann können wir zusammen spazieren gehen und/oder Kaffee trinken und/oder uns in unseren Zuhausen besuchen.

Nach dem Treffen hab ich das Kind abgeholt. Das war heute in einen Wasserlauf gefallen. Was ich total super finde an Norwegen, ist dass die mit den Kindern ganz viele Sachen draußen machen, die in Deutschland fast gar nicht denkbar wären. Heute sind sie zum Fjord gefahren, haben Krebse aus dem Wasser gefischt und Algen, sind herumgekrabbelt auf den Steinen und die Mutigen sind auf Bäume geklettert. Die ganz Mutigen auch ganz hoch. Das Kind hat sich noch nicht so ganz getraut, aber das kommt sicher noch. Dafür hat das Kind halt an so einem Tümpelchen gespielt und mit dem Betreuer ein „Boot“ fahren lassen, eigentlich nur ein kleines Brett. Irgendwann wollte das Kind dann wohl auch Boot fahren und der Betreuer konnte es nicht mehr stoppen, da stand es schon auf dem sinkenden Boot und fiel in das knietiefe Wasser, kippte nach vorne und landete auf allen vieren. Im Bus haben die Kinder alle Wechselklamotten, nur Schuhe hatte es nur die, die es angehabt hatte und die Jacke war auch nass, aber das war wohl ganz am Schluss und sie wollten eh fahren.

Das Kind und ich haben dann zu Hause erstmal Wäsche gewaschen. Dann gabs Bratnudeln für die Fressmaschine zum überbrücken und zum Abendessen Blumenkohlsuppe. Das Kind fand es „fempegodt“ („fuperlecker“) und wollte danach mal wieder nur von mir vorgelesen bekommen. Danach war ich auch wieder motiviert für den letzten Rest der Statistik-Übungsaufgaben. Jetzt bin ich damit fertig und gehe gleich ins Bett, das erste mal seit tausend Jahren vor 22 Uhr.

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