Viel Arbeit. Hatte mir Anfang des Tages eine halbe Stunde nur zum Planen des Tages genommen. Das mache ich jetzt glaube ich öfter, ich hab nämlich so viel Kleinscheiß zu tun, dass mir in den letzten Monaten immer öfter Sachen durchrutschen.
Abends hat mir mein Kollege auf dem Mundstück seines großen Blechblasinstruments (ich weiß nicht welches, keine Tuba, keine Posaune, vielleicht etwas das laut Google Euphonium heißt?) eins vorgetrötet, nachdem ich ihm vom Caroffice aus angerufen hatte, um nach seiner Meinung in einer Sache zu fragen. Passender weise kam da auch Pippi ins Auto und musste sofort erzählen, dass sie beim Kulturhjulet Trompete gespielt haben und „Wie will wok ju“ gesungen. Wenn das so weiter geht, hat sich mein Kollege am Ende der Pandemie über Teams mit beiden Kindern angefreundet, über gemeinsame Blechblasnerderie. (Ich fänd ein Holzblasinstrument für Pippi ja passender, oder tatsächlich ein Streichinstrument. Ach mal sehen, was ihr gefällt.)
Wunderbar, wundersam, ein Wunder. Unsere halbherzigen Maßnahmen wirken, die Zahlen sehen durchaus richtig gut aus. Ich freue mich nicht darüber, schaffe ich nicht, weil ich nicht erkennen kann, dass es irgendeine Ursache hat, die beeinflussbar ist. Ich schaue nach Deutschland, wo die Zahlen lange nicht im selben Verhältnis sinken, wie hier, trotz strengerer Maßnahmen. Ich schaue nach England, wo die Maßnahmen zumindest auf dem Papier um Größenordnungen strenger sind als hier. Ich schaue in den norwegischen Supermarkt, in dem die Pimmelnasenparade stattfindet, ich schaue in die norwegischen Medien, in denen nach wie vor der Meter als allerkritischstes Mittel des Infektionsschutzes postuliert wird, ich schaue in ein norwegisches Krankenhaus, in dem 15 Patient*Innen (dort!) angesteckt wurden, von denen einige inzwischen leider verstorben sind, und das weiterhin sagt, es sei nicht empfohlen gewesen, Mundschutz zu tragen bei Patientkontakt unter 15 Minuten, also habe man sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen. (Soweit ich weiß ist das nach wie vor nicht ausdrücklich empfohlen und wird dementsprechend auch vielerorts nicht gemacht.)
Wir hatten/haben einen B.1.1.7-Ausbruch und es sieht aus, als würde selbst der glimpflich vorüber gehen.
Und all das kann ich mir wirklich nicht mehr anders erklären als durch Magie. Ein Wunder halt.
Ist halt blöd, wenn Arbeit das spannendste ist, was einer so passiert und sie da aber nix drüber erzählen darf. Dann bleibt nicht so viel.
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Michel hatte heute das erste mal „Aspirantkorps“, also Anfänger-Schul-Marschkapelle. Er fand es super und will unbedingt in diese Marschkapelle. Äh, Ja, gut. Sie sehen mich mittelmäßig begeistert, Marschkapelle ist so gar nicht meins, aber wenn es ihn glücklich macht, macht es ihn glücklich und dann macht es mich auch glücklich. Für die Auftritte gibt’s ja Ohropax. Danach sind wir zusammen nach Hause gegangen, das war schön. Der Schnee knirscht jetzt wieder.
Der Arbeitstag war aus Gründen extrem lang und aus anderen Gründen bis auf kurze Lichtblicke leider extrem bescheiden. Aber morgen werde ich ein Meeting haben, für das ich mich unter anderem vorbereitet habe, indem ich in meiner Doktorarbeit geblättert habe. Endlich, ENDLICH was, wo ich mich kompetent fühle. (Also abgesehen von meinen im direkten Vergleich zu meinen Kolleg*Innen überragenden Excel-skills.)
Wenn ich die Nachrichten aufmache, also die echten Nachrichten, „Norsk Rikskringkasting“, schlägt mir Pandemiepandemiepandemie entgegen und… mir geht mal wieder das Verständnis aus. Keine 60 km von hier, keine halbe Stunde mit dem Zug, ist alles dicht. Noch mal 20 km weiter ist B.1.1.7 aufgetreten, die britische Variante. Ich verstehe nicht, wie man die Proben vom 3. bis zum 22. Januar einfach hat liegen lassen können. Proben, die wegen eines Verdachts, man habe es mit einer ansteckendere. Mutante zu tun, eingeschickt wurden. Ich verstehe nicht, dass „hohe Tiere“ behaupten, es würde eine Woche dauern, eine Probe zu sequenzieren. Warum ruft keiner der Journalisten in einem x-beliebigen Labor an und fragt nach, ob das stimmt? Warum??? Weiterhin verstehe ich nicht, warum unsere und auch alle anderen (Pendler-)Kommunen zwischen hier und Oslo nicht auch strengere Maßnahmen einführen. Wo man davon ausgehen muss, dass möglicherweise eine deutlich ansteckendere Variante fast drei Wochen Zeit hatte, sich unter Pendler*Innen aus allen Himmelsrichtungen auszubreiten.
Verständnis habe ich angesichts solcher Banane-Aktionen nur noch für Leute, die das alles nicht mehr verstehen. Die sich die Haare ausrauben, bis keine mehr übrig sind. Die sich zurückziehen, weil es zu viel Banane überall ist. Die stunden-, ach was, tagelang Lego sortieren, wo vorher selbst das Besteck einfach in eine große Schublade geworfen wurde. Die das selbst denken aufgegeben haben und stumpf machen, was zum jeweiligen Zeitpunkt am jeweiligen Ort erlaubt ist, weil es zu viele Kapazitäten frisst, jeden Tag aufs Neue überlegen zu müssen, was *richtig* und was *falsch* ist. Ich verstehe sogar die, die an Verschwörungsmythen glauben, weil vieles so viel einfacher zu verstehen wäre, wenn sich irgendein Schurke diesen ganzen Scheiß ausgedacht hätte um uns zu ärgern. Die Annahme, dass die Bestimmer*Innen zum Großteil ahnungslos herumstolpern, ist eine unangenehme, denn dann liegt im Prinzip unser aller Schicksal in den Händen von… naja. Nicht sonderlich klugen Menschen. (Alternativ kann eine nur noch annehmen, dass das ahnungslose Herumgestolpere volle Absicht und lang gezogene Pandemie mit vielen Opfern das Ziel ist und da sind wir wieder bei Verschwörungsmythen, nur aus der anderen Richtung. Glaube ich. Hoffe ich.)
Verstehe ich alles.
Man muss irgendwie zusehen, dass man über all dem, über 2020 und nun auch 2021, nicht verrückt wird.
Hoffentlich werden im Hintergrund schon die Therapieplätze für nach der Pandemie aufgestockt. Andererseits… das bestimmen die Bestimmer*Innen von oben.
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Hier ein hübsches Bild von meinem Spaziergang gestern. Ich möchte bald mal ein Mal die ganze Runde gehen, aber gestern wurde es, wie man sieht, dunkel und heute hatten wir meckerige Kinder dabei. Aber Bäume, Schnee und Fluss stecken nicht an und ballern eine auch nicht mit Unverständnis auslösenden Nachrichten zu.
Zuerst einmal: vielen Dank für all die Beileidsbekundungen. Es ist wie es ist, ausgesucht hat sich das niemand so.
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Norwegen dreht frei, denn, nachdem zunächst erschreckend wenig und noch viel erschreckender langsam sequenziert wurde, ist heute klar geworden: B.1.1.7 ist da. Surprise*! Drei meiner Kolleginnen sind nun downgelockt. Also so richtig, so mit Schulen und Kindergärten und alles außer Lebensmitteleinzelhandel und Apotheken zu. Für Oslo wird Ähnliches möglicherweise morgen früh folgen. Und wenn es in Oslo ist, (wovon auszugehen ist) ist es hier auch bald. Oh the joys.
Ich erwähnte es bereits, aber ich sage es noch mal: ich mag nicht mehr. Wirklich gar nicht. Auch zwei Gläser Wein helfen da nur bedingt.
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*Überhaupt gar nicht. Wonach man nicht sieht, das sieht man halt nur wenn man drüber fällt.
Herrn Rabes Mutter ist heute nicht unerwartet aber doch überraschend gestorben. Sie war ja seit einigen Jahren Demenz (obwohl noch nicht so alt) und in den letzten Monaten kam immer wieder dies und das hinzu, Knochenbrüche nach Stürzen, Infektionen, zuletzt vor zwei Wochen und direkt nach der ersten Impfung eine Coronainfektion. Die hatte sie eigentlich überstanden, dachten wir alle, und dann rief heute Vormittag das Pflegeheim meinen Schwiegervater an, es ginge zu Ende. Dann ging es schnell, was ja irgendwie gut ist, aber auch traurig, denn Herr Rabes Vater ist nun so richtig allein.
Herr Rabe trägt es mit Fassung. Demenz ist ja speziell, letztlich war seine Mutter schon lange nicht mehr da.
Nur ist sie jetzt ganz weg.
Nun muss noch geklärt werden, wann die Beerdigung stattfinden kann. Wegen Corona ist ja vieles auch extra kompliziert und nein, es ist auch dieses Mal keine Option, mit den Kindern hinzufliegen, weil alle hinterher in Quarantäne müssen. (Nicht bei Einreise, ich sag da jetzt mal nix zu…)
Meine Nähecke ist fertig und ich bin heute seicht eingestiegen mit einer Schlafanzughose aus dem Rest grauen Bettwäscheflanell. An die Hosenbeine müssen noch Gummizüge, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden, sie ist flauschig und warm und bequem und die Gummizüge sind morgen schnell gemacht. Heute muss ich schlafen.
Hier schneit es übrigens seit vorgestern sehr viel, also wirklich viel, ich schätze, es sind noch mal 30-40 cm dazu gekommen. Morgen und Freitag soll es dann sehr, sehr viel regnen, obendrauf auf den Schnee, bei 3-4 Grad. Freitag dann auch Sturm und danach wieder Minusgrade, in einer Woche wieder -11. Wir werden hier also vermutlich einfach glasiert. Da fällt das Social distancing auch extra leicht, wenn man sich vor der Haustür den Hals bricht.
(Bin übrigens heute zum ersten Mal in diesem Winter hingefallen. Ich will sofort den Knirscheschnee zurück.)
Nun. Ich und meine FFP2-Maske waren sehr tapfer bei der Untersuchung bei der Endokrinologin im Krankenhaus. Die Endokrinologin trug auch einen Mundschutz. Immerhin.
Meine Schilddrüsenwerte sind jetzt ok, die Antikörper steigen aber unbeeindruckt weiter. Ich habe gegen die anhaltenden Symptome Betablocker bekommen, die nehme ich jetzt also wieder. Diesmal war ich schlau und hab die erste Dosis erst abends genommen, da macht es nichts, wenn ich plötzlich in Tiefschlaf falle.
Die Schilddrüse muss weg. Es hat keinen Zweck, bei so kurzen Intervallen zwischen den Rückfällen noch auf dauerhafte Remission zu hoffen und das hin und her ist belastend für mich und meinen Körper.
Radioaktives Jod kommt leider nicht in Frage. „So wie ihre Augen aussehen… da müssten wir hohe Dosen Steroide geben, glauben Sie mir, das wollen Sie noch weniger!“. Ich find gar nicht, dass ich jetzt besonders schlimm aussehe. Puffy halt. Und ungeschminkt, wegen furchtbarer Nacht. Vielleicht hab ich mich auch einfach an meinen verquollenen Look gewöhnt, immerhin hab ich jetzt seit ziemlich genau 7 Jahren immer wieder mit dem Scheiß zu tun.
Also Operation. Das Gute daran: da ist die Schilddrüsen-Aktivität sofort weg und nimmt nicht erst kurz massiv zu und dann langsam ab, wie bei Radiojodbehandlung. Die Endokrinologin hat gleich notiert, dass ich anschließend eine hohe Thyroxindosis kriegen soll, wegen, eben, der Augen. Die Augen, die Augen. Seufz. Aber dann muss ich auch nicht befürchten, ein ungeahnt müder Haufen zu werden. Weniger gereizt als jetzt wäre aber schon auch nett.
Nach dem Termin fuhr ich wieder nach Hause, stand im Stau, fuhr durch Schnee, Schneematsch und Matsch und als ich zu Hause ankam war ich völlig fertig, vom Termin, vom Fahren, von allem. Ich mache drei Kreuze, wenn dieses Kapitel in vier bis acht Wochen abgeschlossen wird. Das war eine doofe Staffel.
Leider gibt’s hier nix fröhlicheres zu berichten. „Die beste Krankheit taugt nix“, sagte mein Opa immer.