Tag 1677 – Corontäne Tag 4.

(Das letzte mal, dass ich so lange am Stück mit ähnlichen Titeln gebloggt hab, war im Korfu-Urlaub, das war irgendwie schöner.)

Huff. 1. Tag mit Homeschooling. 1. Tag mit „Is heut Kinnergarten?“ und enttäuschtem Gesicht. Ich bin keine gute Lehrerin (für Michel). Michel ist (bei mir) kein geduldiger Schüler. Die Mischung ist ungut (und ich möchte bitte einen kleinen Orden dafür, dass ich es dafür noch ganz gut hinbekommen habe und nicht rumgebrüllt hab).

Ich musste heute einmal das iPad wegnehmen, weil deutlich vor der vereinbarten Zeit und heimlich geguckt wurde.

Pippi schlägt sich wacker und „baut“ ihren eigenen Kindergarten.

Ich schlage mich nicht so wacker, ich wünschte, man würde mich mit Arbeit zuschmeißen, aber das passiert nicht und ich habe zu viel Zeit, mir in allen Formen und Farben auszumalen, wie die nächsten Wochen und Monate werden – für uns als Familie, für Norwegen und für Europa. Meine Phantasie dreht frei und mir ist inzwischen permanent schlecht.

Positives: Erna Solberg hat eine Pressekonferenz nur für Kinder gegeben. Die haben wir angeschaut. Die ist leider 30 Minuten lang, deshalb kann ich das nur kurz zusammenfassen:

  • Hände waschen!
  • Nicht Oma und Opa besuchen!!!
  • Maximal! Zwei! Freunde treffen, möglichst draußen, trotzdem Abstand halten und nur! Wenn! Es! Gegenseitig! Bei! Den! Gleichen! Freunden! Bleibt!*
  • Hände waschen!
  • Wenn wer Geburtstag hat und sein Fest absagen muss, sollen alle aus der Klasse einzeln anrufen und das Geburtstagslied singen.
  • Alle arbeiten daran, dass es auch hinterher alle noch gut haben und keine Mamas und Papas Angst haben müssen, dass der Job danach weg ist
Ja, ich hab währenddessen versucht, zu arbeiten.

Später am Vormittag haben wir dann noch ein bisschen Just Dance gespielt, quasi Sportunterricht.

Ich möchte, dass das alles schnell vorbei ist. Ich hatte mir für dieses Jahr doch Routine gewünscht.

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*realistisch gesehen bleibt es ja nie dabei. So leid es mir tut, aber das heißt, wir werden wohl niemanden sehen während des Lockdowns (der auch hier immer weiter verschärft wird).**

**jetzt wollte ich das verlinken und sehe, dass es doch alles nicht so streng gesehen wird. Dieses hin und her macht mich übrigens auch fertig. Wir warten vielleicht erst mal die 1. Woche ab.

Tag 1676 – Corontäne Tag 3.

Mit vielen Vorbereitungen.

Zuerst haben wir einen Plan gemacht.

Tagesplan. Nicht dabei: wie 2 Erwachsene dabei noch irgendwie versuchen, zu arbeiten.

Dann haben wir Michels Hausaufgaben-Tagebuch eingerichtet:

Alles auf dem Schul-Tablet. Ich bin da grad sehr froh drüber, dass wir das haben.

Dann haben wir ein Trampolin bestellt (ohne Bild), weil wir ja die diversen der Nachbarn nun doch nicht nutzen können und zu guter letzt waren wir mit dem Auto in der Hauptstadt, um Arbeitsmaterialien zu holen.

Sonnenuntergang vom Werk aus. Sehr seltsam alles.

Während die Kinder und Herr Rabe unten warteten, baute ich Docking-Station und Tastatur ab und warf einige Ordner und Mappen in eine große Tasche. In einem völlig leeren und stillen Büro, das war fast schon gespenstisch. Aber immerhin gab es noch Desinfektionsmittel in den Spendern.

Aufzugselfie, nicht dass ich die dauernd machen würde, aber ich werd den Aufzug und das ganze Büro, auch wenn ich da gern drüber meckere, vermissen.

Und dann das ganze in anderer Konstellation bei Herrn Rabes Büro. Jetzt bauen wir gleich Herrn Rabes Riesenbildschirm in unserem Arbeitszimmer auf und morgen fährt einer von uns eine Stunde zu Ikea, springt rein, holt den vorbestellten Bürostuhl ab, springt wieder raus, duscht in Desinfektionsmittel und dann können wir provisorisch und abwechselnd im Homeoffice arbeiten.

Tag 1675 – Corontäne Tag 2.

Es ist alles weiterhin unwirklich und seltsam. 907 bestätigte Fälle, über die Hälfte davon aus Österreich importiert. Drei Personen sind verstorben.

Die Kinder lieben es. Ich hasse es jetzt schon. Ich könnte die Wände hochgehen. Die Kinder sind happy mit Fernsehen aber das können wir ja jetzt nicht 5 Wochen machen.

Ich finde den Film scheiße und möchte jetzt bitte das Kino verlassen.

Hier ein Video zur Aufmunterung.

Tag 1674 – Corontäne Tag 1.

Ok der Witz ist schlecht, aber was bleibt einer schon außer schlechter Witze? Es ist auch keiner von uns in echter Quarantäne. Wir sind nur sozial distanziert.

Die nächsten Wochen werden knüppelhart. Pippi dreht jetzt schon frei und ich weiß nicht so ganz, wie ich bis nach Ostern mit Bestimmer-Wutkreischheul-Prinzessin aushalten soll, ohne dass man mich hinterher aus der Ecke auffegen kann. Willensstark schön und gut, aber muss das den ganzen Tag sein? Und grad jetzt?

Die Kinder und ich hatten heute, als ich endlich zu Hause war, ein ernsthaftes Gespräch, in dem ich klargestellt habe, dass wir weiter eine Struktur haben müssen, dass Michel weiter Schulaufgaben machen muss (keine Ahnung was, aber uns fällt im Zweifel schon was ein), wir aufstehen und uns anziehen und uns bewegen und vielleicht auch mal Sport machen müssen, und wir vor allem alle versuchen müssen, uns so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen, damit wir uns hinterher noch lieb haben. Danach hat Michel angeboten, auf Pippi aufzupassen, damit wir arbeiten können. Das war sehr süß und lieb. Der große Spatz.

Apropos süß und lieb: ich hab heute doll vor Rührung geweint, weil Herr Rabe mir Schichtkuchen gebacken hat.

Was ganz anderes: Ich schäme mich inzwischen sehr für das hier. Ich nehme meinen selbst verzapften Bullshit hiermit zurück. Wollte ich mal sagen. Norwegen hat inzwischen unkontrollierten community spread in mehreren Städten und nun muss alles getan werden, um zu verhindern, dass es läuft wie in Italien. Wo Leute so ziemlich reihenweise sterben und teilweise nur noch die mit guten Überlebenschancen überhaupt behandelt werden können. Das kann keiner wollen, man muss es sich nur anschauen, da sieht man grad sehr deutlich, was passiert, wenn die Krankenhäuser den Fallzahlen nicht mal mehr annähernd gerecht werden können. Ob ich es jetzt mild oder gar nicht kriegen würde, ist mir da ehrlich gesagt egal, wenn ich eventuell wen anstecke, den es umbringt, oder auch nur wen anstecke, den das zusammengebrochene Gesundheitssystem dann umbringt.

Bitte weiter Hände waschen und auch wenn bei Ihnen noch Kino, Schwimmbad und Fitnessstudio aufhaben: es gibt grad wichtiges. Denken Sie an Italien.

Tag 1673 – Zu.

Norwegen macht alles zu. Korrigiere: Hat alles zu gemacht. Wir haben unsere Inspektion heute durchgeknüppelt um morgen nicht vor verschlossener Tür zu stehen. Wir waren um halb zehn da raus. Alles ist total surreal. Kindergärten, Schulen, Unis. Friseurinnen, Masseure, Piercingstudios, Tätowiererinnen. Restaurants, wenn man nicht 1 m Abstand voneinander halten kann. Fitnessstudios und öffentliche Schwimmbäder. Alles zu. Alle Kultur- und Sportereignisse abgesagt. VERBOTEN. Fertig.

Ich hoffe, wir kommen morgen (deutlich früher als geplant) gut nach Hause.

Tag 1672 – Zwischen whoa und whoa.

Inspektion: läuft. Und sie ist so unfassbar spannend! Ahhhhh! Ich würd so gern mehr erzählen, aber daaaaarf nicht ahhhhhhh!

Ab morgen hat das ganze Werk Homeoffice. Die Aktion wirkt unkoordiniert und panisch. Man weiß weder genaues über die Gründe noch hat man an uns gedacht, die einfach mal mitten in einer Inspektion stecken, die wichtig ist, auch, hüstelhüstel gesamtgesellschaftlich für die Versorgung norwegischer Patienten. Jedenfalls wussten wir etwa 2 Stunden lang weder, ob wir Freitag wieder nach Hause dürfen, noch ob wir eventuell alles abbrechen und sofort nach Hause kommen müssen. Müssen wir nicht, wir dürfen hier erst mal weiter machen. Trotzdem haben wir heute ein bisschen Risikobewertet und ziehen jetzt alle kritischen Themen vor. Wer weiß was morgen Nachmittag ist.

489.

Tag 1671 – Hotelzimmeraussichten Teil 4. und 35.

Iiiiiiiich hab Geburtstag.

Bester Geburtstag. Habe den ganzen Tag inspiziert und damit das gemacht, was mir viel Freude bereitet. Hach! Hach. Wer hätte das gedacht, nach 2017 und 2018? Ich jedenfalls nicht.

Das 35. wird mein Lebensjahr, das hab ich so beschlossen.

Jedenfalls, die Aussicht:

(Falls Sie’s erkennen: behalten Sie’s bitte für sich.)

Restlichen Tag mit Amüsement über Reiserichtlinien verbracht. Ob jemand dran gedacht hat, dass drei Inspekteure grade schon auf Reisen sind? Wohl kaum. Jedenfalls sollen wir jetzt nicht mehr reisen. Mal sehen, ob wir Freitag wirklich nach Hause kommen oder laufen müssen. (Im Hotel ließe es sich zur Not noch etwas aushalten.)

Tag 1670 – Waaaaaaaegschaffen.

Huff huff. Zu viel zu tun, da werden Mails auch mal etwas unwirscher schneller beantwortet. Die nächsten vier Tage Inspektion machen es nicht besser, keine Zeit keine Zeit und überall Coronavirus. 192 übrigens. Spannend: man weiß bei 3 noch nicht, wo sie sich angesteckt haben. Gut, dass ich morgen erst mal flüchte in ein Fylke mit nicht mal halb so vielen Fällen reise.

Inzwischen läuft das Packen für Jobreisen schon recht routiniert. In einem anderen Leben hab ich dann echt alles doppelt, jetzt hab ich vieles einfach in klein. Außerdem haben sich bewährt: Cremedeo in Minidöschen abgefüllt und Haarpuder statt Wachs. Der Reiserucksack bzw seine Bestandteile: eine Mappe für Blusen (die darin tatsächlich halbwegs knitterfrei bleiben) und ein Dings Cube, in dem man Shirts, Socken, Unterwäsche und 23 Strumpfhosen sehr einfach und klein zusammenpacken kann, machen das Packen auch schon deutlich einfacher und platzsparender. Juhu!

Vielleicht hab ich mir doch was eingefangen, oder es ist ein neues Feature von Kater oder aber meinem Zyklus, dass ich mich einmal im Monat krank fühle, ohne es zu sein. Temperatur normal, aber Kreislauf wegen nonexistentem Blutdruck (und nem Ruhepuls von unter 60, ich sag ja, die Schilddrüsenblockerdosis ist zu hoch), dazu seltsame Verdauung (nix schlimmes, nur Gegrummel, harter Blähbauch und diffuses Übelkeitsgefühl). Das hatte ich halt vor exakt einem Monat auch schon mal, deshalb die Vermutung, es könnte am Zyklus liegen. Was es auch ist: ich möchte es nicht und es soll weggehen.

Tag 1669 – Nie wieder.

Als ob.

Aber nicht noch mal so viel. Ich hab den ganzen Tag im Bett gelegen, mit Magen, Kopf und Kreislauf. Völlig Schachmatt, als hätte ich das erste mal Alkohol getrunken.

Lag bestimmt an der Ahoi-Brause, die die Nachbarin importiert hat und zum Vodka reichte. Seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht, dann ist der Kater auch gleich wieder wie früher.

Ich hab ein schrecklich schlechtes Gewissen und will auch kein Mitleid. Das war keine coole Aktion.

(Ach ja, zur Info: es war der 40. Geburtstag unseres Nachbarn, also immerhin ein Anlass. Zu wenig gegessen, zu wenig Wasser über den Tag getrunken, schlechte Tagesform und dann waren wir auch noch viel zu spät weil Michel nicht einschlafen konnte und alle waren schon „verzaubert“ als wir ankamen und überhaupt. Alles keine Entschuldigung.)