Tag 724 – Riesenschnecken sind halt auch… Riesenschnecken. 

Ich wurde gebeten, mal Schneckenbilder mit Größenverhältnis zu machen. Ich habe es also riskiert, von „Papa-Schnecke“ Sasha gefressen zu werden. Sie hat es auch probiert, aber mit so einer Raspelzunge kann man höchstens ein bisschen kitzeln, mehr nicht. 





Doch, schon weiterhin ziemlich coole Haustiere. Die übrigens seit Mai hauptsächlich Löwenzahn, Breitwegerich, Giersch und anderes Gedöns von draußen fressen. Und das Erdmückenproblem hat sich dadurch gelöst, dass ich die (mit Eiern durchseuchte) Blumenerde jetzt immer einmal durchbacke (wenn ich eh backe und der Ofen noch heiß ist), bevor ich sie ins Terrarium tue. Ich mag die. Michel mag die wohl auch: der hat ihnen in Brighton am Strand Sepia-Schalen gesammelt. 

Tag 723 – The day I got scooped. 

Tag kann weg. Komplett. 

Heute morgen las ich den Anhang einer Mail, die wir (mein Chef, meine Kollegin und ich) gestern schon von einem Collaborator mit den Worten „I guess you have noticed this article, if not, here it is“ bekommen hatten. Im Anhang ein Artikel einer Gruppe, vom 29.6., in dem unsere bahnbrechenden Ergebnisse stehen. Also, die haben das natürlich nicht geklaut, die sind da schon selbst drauf gekommen, aber jetzt sind unsere Ergebnisse eben nicht mehr bahnbrechend, sondern… ein müder Pups. Blockflöte statt Fanfare. Das wäre ja alles schon scheiße genug, wenn nicht auch noch zwei ärgerliche Randbedingungen dazu kämen:

  1. Unser Artikel dazu sollte schon Ende letzten Jahres eingereicht werden, es fehlten nur noch zwei Bilder. Die fehlen bis heute und das ist nicht meine Schuld, sondern ne Mischung aus „der einzige Typ DER WELT, der das kann, hat wenig Zeit“ und „der priorisiert uns aber auch nicht, weil, ach, es eilt ja nicht“. 
  2. Einer der Co-Autoren war auf der Konferenz in den USA an meinem Poster und tat ganz interessiert. Der jetzt publizierte Artikel wirkt sehr wie „Oha, das muss schnell raus, sonst sind die Norweger schneller“. 

Wenn es irgendwas gebraucht hat, um meine Entscheidung gegen Academia zu zementieren, war’s das. Ich hab so die Schnauze voll. 

(Bevor sie fragen: natürlich geht’s weiter. Krönchen richten und so. Aber es ist so SO SO!!! ärgerlich, ich finde eine Runde heulen und eine Runde Schnaps da durchaus legitim.)

Tag 722 – Schlabberbuksen ftw. 

Ich war gestern und heute (während Pippi, die irgendwie mal wieder merkwürdig krank ist, Mittagsschlaf machte) an der Nähmaschine produktiv. Neu in meinem Schrank sind jetzt: ein T-Shirt (Schnittmuster Shelly, immer wieder gut) und zwei Hosen, nämlich eine, die ich mit einem Ausverkauf-Stoff mal ausprobieren wollte, nach einem Schnittmuster, das es dann nur in Größe 42 gab und das ich aber eh ändern wollte und dann halt auch noch wesentlich enger machte und eine andere, weil ich seit Jahren nach einer Leinenhose suche und keine finde, die mir gefällt. Auch mit geändertem Schnittmuster (das, wenn ich es so genäht hätte, wie es vorgesehen war, komplett beschissen gesessen hätte). 

Ich bin in sofern total zufrieden, weil die zwei Hosen alles haben, was ich will: sie sind bequem, sie haben Taschen (die an der Blümchenhose sind mir noch zu klein, aber hey, besser kleine Taschen als gar keine!), man kann die Beine hochbinden und sie sind nicht beige oder mit neonfarbenem Zickzackmuster versehen. 

(Ja, ich trage sowas unironisch im Alltag.)

Was man nicht sieht: die Hosenbeine haben unten einen Kordelzug.


Taschendetail, weil ich so stolz bin, dass sich das Türkis vom Bündchen im Karomuster wiederholt.




Das sieht nur so aus, als wär das Halsbündchen ganz ungleichmäßig, ’schwör!

Ich erzähle Ihnen auch gerne mal, wie ich zum Nähen kam, aber das dann an einem anderen Tag, wenn hier nicht noch ein aufgekratztes, eigentlich halbkrankes Kind rumturnt. 

Tag 721 – Sie sind wieder da <3

Ich habe meine Familie zurück. Das ist sehr sehr schön. 

Und nach der Zeit, in der es immer irgendwie hell ist, kommt die Zeit mit den fantastischen Sonnenuntergängen. 

In diesem Sinne: gute Nacht! 

Tag 720 – Allein Daheim Tag 6. 

Wissen Sie noch, der Prototyp?

Heute habe ich mir mal die Zeit genommen, die seit Monaten fertig zugeschnittenen Teile für das eigentliche Stück zusammenzusetzen. Und dann habe ich mir fast den Arm ausgerissen und diverse Wirbel verrenkt, um Fotos davon zu machen. Hat nur so mittel geklappt, damit müssen Sie jetzt leben. 

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden. Herbst kann kommen. 

Selfie-Arm. Ach wäre mein Arm doch ein biiiiischen länger.

Locker aus der Hüfte.


Selbstauslöser.

Tag 719 – Allein daheim Tag 5.

Ich bin gar nicht zu Hause. Ich sitze in meinem Lieblingsrestaurant. Alleine. Also natürlich sitze ich hier nicht alleine, es ist sogar ziemlich voll, aber an meinem Tisch, da sitze nur ich. Und auch wenn mich die Ahnung beschleicht, dass das hauptsächlich der vorübergehenden Natur meines Alleinseins geschuldet ist, finde ich das ganz großartig. 

Hinter mir sitzt eine Geburtstagsgesellschaft. Die reden laut und sind wohl auch schon eine Weile hier, auf jeden Fall hat die Gastgeberin eben die letzte Runde ausgerufen, danach sollen die Gäste selbst zahlen. Daraus, dass fast keiner sofort zum Bestellen aufsprang, ließe sich vieles schließen, aber ich lasse das einfach. Die haben alle Spaß und bestimmt bin ich jetzt alleine und mit meiner Rentierpizza indirekt auf ganz vielen Fotos. 

Ein paar Tische weiter sitzt unsere Nachbarin von oben. Mit ihrem Freund. Den kannte ich bisher nur akustisch. Auch da: ich lasse das einfach. Das Starren und das Spekulieren. 

Mir gegenüber hängt ein Bild vom Trondheimer Leuchtturm. Offenbar ist der etwas schief. Ist mir in echt noch nie aufgefallen. Aber eine kleine Kontrolle in der Fotomediathek ergibt: doch, ist schief. 

Links von mir hängt auch ein Bild, aber das ist gemalt. Ich habe sehr viele Fragen zu diesem Bild. Darauf ist (von unten nach oben): eine schemenhaft angedeutete Frau, die etwas wedelt, was aussieht wie so ein Band von der Rhythmischen Sportgymnastik. Aber mit mehreren Enden. Das Band ist rosa. Ein schemenhaft angedeuteter Mann (blau), der eine Glaskugel in der Hand hält. Irgendwelche Dinger, die ein bisschen aussehen, wie Eisskulpturen. Dinge, die aussehen wie Blumenranken, aber in blau. Das zentrale Element ist eine Art verästelte Wurzel, hinter der ein überdimensionales Katzengesicht abgebildet ist. Oben mündet die Wurzel in… nichts, nur mehr Wurzel, die dann an der Oberfläche, die eher Wolke als Erde ist, sich flach ausbreitet. Das Katzengesicht hat keine Schnurrhaare und das irritiert mich wohl am meisten. Über dem Ganzen thront in einer Ecke ein märchenhaft anmutendes Schloss mit vielen Türmchen. 

Rechts von mir hängt eine Fotografie von den Häusern am Fluss, die man von der Gamle Bybro aus sieht. Bei Nacht und mit hübscher Spiegelung der Häuser und Lichter im Wasser. Ich witzele gerne mal, dass das Trondheims einziger schöner Spot ist, weshalb er auch auf 90% der Postkarten abgebildet ist. Das Bild kostet 7900 NOK. Aber dafür ist es vom Fotografen signiert. Signiert man üblicherweise Fotografien? Offenbar. Zumindest dieser Fotograf tut das. Ich schmunzle kurz über den Gedanken, mir dieses Bild zu kaufen und dann irgendwo hin zu hängen, wenn wir mal nicht mehr hier wohnen. Den einzigen schönen Spot Trondheims. 

Auf der anderen Straßenseite ist ein Haus, in dem viele Geflüchtete wohnen. Viele improvisierte Gardinen hängen da, damit die Leute vom Restaurant gegenüber nicht direkt in die Wohnung gucken können. In ein Fenster hat jemand ein billiges Metalldekodings gestellt, in ungleichmäßig großen Buchstaben steht da „HOME“. 

Tag 718 – Allein Daheim Tag 4. 

Es geht mir sehr gut. Ich arbeite viel, aber in meinem Tempo, hier ist es sauber und ordentlich, ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich erst spät nach Hause komme. Die Sonne scheint, ich kann jeden Tag zu Fuß gehen, die Blasen an meinen Füßen heilen auch langsam. Ich gucke Fernsehen, alles nötige (und ein bisschen mehr) ist fertig geölt, das Öl ist jetzt auch fast leer. Ich esse einen Haufen getrocknete Tomaten zu allem und wenn das nicht reicht*, kippe ich noch selbstgemachten Ketchup drüber. Außerdem esse ich einen Haufen Erdbeeren. Heute habe ich drei Kilo gekauft, um nochmal Marmelade zu kochen. Außerdem habe ich heute die Anmerkungen vom Chef in die Diss fertig eingearbeitet und die Abschnitte, bei denen noch Referenzen fehlten, mit diesen gefüllt. Damit bin ich jetzt – soweit – fertig, es fehlen noch Tabellen, Abbildungen und ein wenig Prosa. Ich habe auch bei jemandem nochmal angerufen, dessen Firma ich gestern eine Bewerbung geschickt habe, nur um zu sagen, dass die Bewerbung da sein müsste und hoffentlich bald auf seinem Tisch landen wird. „It’s good that you follow up!“. 

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich freue mich sehr darauf, dass Herr Rabe und die Kinder bald wieder da sind. Ich vermisse sie auch wirklich doll. Als wir heute telefoniert haben, hatte ich das Gefühl, Pippi spricht plötzlich viel mehr und ich verpasse alles. Und als sich Michel dann wehtat, wollte ich so gerne was tun können. Aber nichtsdestotrotz genieße ich gerade die Zeit alleine auch in vollen Zügen. Ich überlege sogar, ob ich morgen Abend einfach so alleine ein Bier trinken gehe. Weil ich’s kann.

 Dochdoch. Es ist schon alles in Ordnung so. 

___

*Heißhunger auf Tomaten, ist doch bestimmt irgendein Mangel. Vitamin K? Ist aber eigentlich auch egal. 

Tag 717 – Allein Daheim Tag 3: „Redet mit sich selbst“.

Neulich habe ich ja mit Jette vom Halbesachenblog abends auf dem Balkon gesessen, Rosèsekt getrunken und über Schminke gesprochen. Wie Frauen™ das™ halt™ so™ machen™. Jedenfalls endete es damit, dass wir auf YouTube Schminkvideos guckten. Unter anderem dieses hier, was ich sehr lustig finde, weil es recht ehrlich zeigt, was Leute alles für Quark machen, um „natürlich“ auszusehen. Da schmunzelte ich noch. Dann kam dieser Artikel in der Zeit und dann der hier von Vrouwel und dann noch ein Tweet hier und einer da und Duchess Catherine of Cambridge sieht ja umwerfend toll aus und tut nieeee etwas dafür und man kennt das: am Ende macht man sein eigenes Schminkvideo*, das viel zu lang ist,** schneidet es stümperhaft*** und verlinkt es in seinem Blog

Kleines Fazit vielleicht: es ist ein bisschen wie mit dem Zucker. Malt euch an, wie ihr wollt, lasst es bleiben, wenn ihr wollt, aber malt euch bitte nicht an und behauptet dann, ihr wärt nicht angemalt. 

Geschminkte Seite. (Ich war voll aufgeregt und bin ein bisschen rot.)

Ungeschminkte Seite.

Das „klitzekleine bisschen“ Zeug, das daran beteiligt war.


*Spoiler: ich bin da nicht sehr gut drin und am Ende sieht man kaum einen Unterschied. 

**weil ich 1. die ganze Zeit labere und 2. halt auch einfach langsam bin. 

***Genau genommen musste ich erst ein YouTube-Tutorial gucken, wie man am iPad Videos schneidet. Digital native galore. 

Tag 716 – Allein Daheim Tag 2. 

Aus diversen Gründen heute bei, über und während der Arbeit geärgert. Zu Hause dem Tisch noch eine weitere Ölung verpasst (wenn man das nur alle Jubeljahre macht, hat der es halt dann sehr nötig), Kinderwäsche abgenommen und verräumt, den Schleifklotz in die Hand genommen. Innegehalten. Den Schleifklotz weggelegt, mir was ordentliches zu Essen gekocht (scharfes Curry mit Brokkoli, Möhren und kleinen Garnelen, dazu Reis), das vorm Fernseher gegessen. Verraten Sie’s den Kindern nicht. Am Tisch kann man ja auch grad, leider, leider, nicht essen. House of Cards geguckt, dann den Feedreader leer gelesen und DANN ERST die Arbeitsplatte geschliffen und geölt. Ich werde also besser, im Sinne von: entspannter. 

Jetzt Sofa, Fußbad*, Erdbeeren und die Underwoods. Könnte schlimmer sein. 

*einer der Gründe für mein Ärgern während der Arbeit: meine Sandalen haben abgefärbt und mir insgesamt vier Blasen verpasst**. Eine ist aufgegangen und jetzt hab ich da abgefärbte Lederfarbe „indigo“ auf dem (quasi) rohen Fleisch und mein innerer Hypochonder hat eigentlich schon vom Anblick Krebs. Das Bad ist zum Entfärben gedacht. 

**für so Scheiß ist mir mein Leben zu kurz und ich hab die Sandalen gleich entsorgt. 

Tag 715 – Allein Daheim Tag 1.

Ich prüddel so vor mich hin und beobachte mich. Heutige Feststellung: Dieses „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“-Ding sitzt bei mir ganz tief. Ich weiß gar nicht mal mehr, wer das immer gesagt hat, entweder meine Mutter oder meine Oma, aber es hat auf jeden Fall gewirkt. Zweite Feststellung (eigentlich keine Neuigkeit, aber interessant, dass es nur einen halben Tag braucht, bis es wieder reaktiviert ist): wenn es sich nicht „lohnt“, Dinge aufzuschieben, weil sie einfach nicht unangenehm genug sind, und alle Verantwortungsdiffusion wegfällt, weil keine erwachsene Person außer mir da ist, die es übernehmen könnte, mache ich viele Dinge wirklich am liebsten sofort. Spülmaschine ausräumen, Geschirr abspülen, Wäsche aufhängen. Sowas eben. Diese zwei Erkenntnisse lassen sich auch super kombinieren, heute habe ich halt (also, nach der Arbeit, da bin ich ja jetzt auch wieder…) erst schnell Kleinscheiß erledigt (Spülmaschine, Wäsche aufhängen, Trockner starten, Waschmaschine mit Kinder-Regenkleidung starten, Schnecken füttern und einsprühen), dann hab ich den Esstisch angeschliffen und geölt (das Öl stinkt so und grade ist es so warm, dass man das Fenster ruhig die ganze Nacht auflassen kann) und dann hab ich mich mit Brötchen als Abendessen und einem kleinen Glas Wein und einem Buch in den Park gesetzt, die Abendsonne genossen und die Leute um mich rum beobachtet. Das war sehr sehr fein. Gut, ich werde vermutlich auch für immer einen Ohrwurm haben, aber so ist das eben.

Vorm Ins-Bett-Gehen habe ich dann noch die Regenklamotten aufgehängt, die Handtücher aus dem Trockner zusammengelegt, verräumt, mein Weinglas gespült und die Picknickdecke aufgehängt. 

Ich bin ein bisschen fasziniert von mir selbst. Und von der Ordnung hier auch.