Tag 593 – Norwegian Beauty. 

Heute war ich mit Michel auf einer Einweihungsparty. Freunde von uns sind von einem Reihenhaus in ein etwas größeres Reihenhaus gezogen. Eigentlich wollten wir alle hin, aber Pippi war derart schlecht drauf (und verpestet den ganzen Tag schon die Luft mit grausam stinkenden Pupsen, ich wüsste ja echt gerne, was die gegessen hat…), dass Herr Rabe mit ihr zu Hause blieb. 

Schon beim Abbiegen in das Wohngebiet sagte Michel „Hier haben wir doch früher gewohnt!“. Ich musste ein bisschen lachen, weil wir am ganz anderen Ende der Stadt gewohnt haben, aber die Reihenhaussiedlungen sehen nun mal überall gleich aus. Uniforme Einfamilienhäuser, Holzfassaden in bunt (immerhin besser als deutscher Klinker), Gartenhäuschen für die Ski und Fahrräder, Carport mit SUV drin. Für mich der Inbegriff der Mittelschicht-Tristesse. 

Auch innen fand ich das Haus jetzt nicht soooooo berauschend. Mal abgesehen vom rosa gestrichenen Mädchen- und blau gestrichenen Jungen-Zimmer (das war glaube ich schon so, sie haben so weit ich weiß nicht renoviert) halt das übliche, was man so hat, im größeren Reihenhaus: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer, Keller-Wohnzimmer (wird von den meisten als Gästezimmer genutzt, darf aber wegen Baubestimmungen und Brandschutz (?) kein echtes Schlafzimmer sein), Keller-Bad, Waschraum. Innebod (Lagerraum) und Utebod (Hütte draußen). Ein Haus halt. Mit Garten dran, in der optimalen Größe, soviel muss man ihnen ja auch lassen. 

Was ich gänzlich nicht verstehe: schief hängende, nicht untereinander ausgerichtete Bilder an der Wand. Hätte Michel mich nicht konstant belagert, ich wäre aufgesprungen und hätte das beseitigt. Das geht doch so nicht! Orr. 

Und das Ganze für knapp 5 Millionen Kronen. Ich will das nicht. Niemals. So viel Geld für so was… herzloses. So viel Geld für „ein Haus halt“. 

Ich hoffe sehr meinen Freunden gefällt es besser. Heute waren zu viele Gäste da und sowohl meine Freunde als auch ich waren permanent von Kindern behängt, aber bei Gelegenheit muss ich mal fragen, wie es zu diesem Kauf kam. 

(Aber bei all dem Gemecker: so konnte ich wenigstens mal einen meiner neuen Lidschatten spazierentragen. Zwar nur als verstärkten Lidstrich, aber immerhin. Und ich bin total begeistert. Ich sags Ihnen: ColourPop. ! <3 )

Tag 592 – Kotzimausi. 

Pippis Fressphase wurde unschön beendet. Gestern Abend noch erwischten wir sie, wie sie aus dem Topf die (heißen) Kirschen, die es zum Milchreis geben sollte, mit einem Esslöffel herauslöffelte und in sich hineinfutterte, klammheimlich, während ich noch in der Küche rödelte und Herr Rabe Michel und Besuchskind zum Händewaschen überredete. Danach aß sie Milchreis und Kirschen und das freitägliche Eis zum Nachtisch. Um ca. halb elf aß ich mit ihr Banane. Um ca. zwei war mir ihr Gerödel im Bett genug und ich wollte sie Herrn Rabe aufs Auge drücken, der aber in ihr Gemecker Durst interpretierte und mit ihr in die Küche wollte. Kaum aus der Tür des Schlafzimmers musste Pippi Husten (ist mal wieder etwas erkältet) und dann brechen. Volle Lotte, über Herrn Rabe, sich selbst und den Esszimmerfußboden. Kirschkotze, ich weiß das jetzt weil ich heute im Hellen die Spritzer entfernt habe, die Herr Rabe gestern Nacht nicht gesehen hat, sieht beängstigend nach blutendem Magengeschwür aus. 

Zum Frühstück sah ich Pippi wieder, Herr Rabe hatte mit ihr in Michels Bett geschlafen und sie hatte wohl noch ein paar mal gewürgt, aber so richtig war nichts mehr herausgekommen. Abgesehen davon, dass sie den ganzen Tag über vorsichtig mit Essen im Allgemeinen war, war sie schon morgens wieder gut drauf. Heute Nachmittag war Michels Kumpel M. da, der genauso heiß verliebt in Pippi ist, wie sie in ihn (das ist der, der zu seinen Eltern gesagt hat, er wünsche sich zu Weihnachten auch so eine kleine Schwester wie Pippi) und auch da war sie ein Sonnenschein. 

Wir halten also die Daumen für entweder hoffnungslos überfressen* oder Magen mit irgendwas verdorben (Kirschintoleranz?), auf jeden Fall bitte nicht Magen(-Darm*)-Virus. 

* oder vielleicht ist das doch nicht so ne tolle Idee, noch mitten in der Nacht komplette Bananen zu verspeisen und sich dann direkt wieder hinzulegen?

** minus Darm, das war wie immer. „Aua!“ 

Tag 591 – Grüße aus dem glücklichsten Land der Welt.

Ich bin noch nicht ganz durch mit der Studie. Aber soweit bin ich immerhin schon gekommen, um zu wissen: sie haben weder nach dem Wetter noch nach der Dauer des Winters gefragt! Ha! I knew it! (Heute so: erst Schnee, sehr viel davon, dann kam das Wasser ungefähr in gleicher Intensität und dann in noch mal sehr viel stärkerer Intensität vom Himmel.)

Aber wie das so ist kann man bei Scheißwetter super arbeiten – man muss ja nicht dauernd Ski fahren oder Lachse fischen – und so saß ich heute anderthalb Stunden mit meinem CHef zusammen, hatte ein sehr ergiebiges und konstruktives Gespräch über das RNA-Projekt und konnte tatsächlich einige der auf der Konferenz gesammelten Infos in die weitere Planung mit einbringen. Jetzt fühlt es sich zwar nicht mehr so an, als würde ich auch nur ansatzweise bis Ende des Jahres fertig damit, aber dafür wird das potenziell richtig hübsch alles. 

Und dann hat mein Chef gelacht, weil ich über die „Du darfst keine Fotos oder Videos machen und alles was auf der Konferenz passiert, bleibt auf der Konferenz“-Konferenz für das Reisestipendium einen 5000-Zeichen-Bericht, in dem ich die „novel research communications of the field“ hervorhebe, anfertigen muss. Good luck with that, haha. Naja, der norwegische Humor ist etwas eigen, aber dem ostwestfälischen nicht unähnlich. Ich werd das schon hinbiegen, aus den Überschriften und meinen Notizen irgendwas schlau klingendes aber im Grunde inhaltsleeres zu zaubern. Und gut, dass ich das Selfie gemacht hab, den Punkt „profile picture of yourself“ hatte ich nämlich glatt übersehen. Sonst hätte ich auch was gestellt, ich bin auch als Statistin auf dem Bild einer anderen Doktorandin, da erklärt sie uns gerade ganz toll ihr Poster. Ich muss da ja immer lachen, auch wenn ich solche Bilder* sehe.

Puh, es ist eigentlich ein ganz schreckliches Bild, unscharf und komische Schatten und vielleicht überleg ich mir das doch noch mal. Bitte zoomen Sie nicht, zu ihrem eigenen Schutz.


___

* Oh meine Güte, das ist 10 Jahre alt und die Uni hat das immer noch auf der Hompage stehen. Und falls Sie mal ein 2D-Gel machen: SO NICHT! NIEMALS DARÜBER BEUGEN UND AUCH NICHT MIT OHNE HANDSCHUHE DRAN RUMFUMMELN, SIE HABEN HINTERHER ÜBERALL „KERATIN_HUM“.

Update: mir fällt gerade ein: das Bild ist  fast ganz genau (nur) 9 Jahre alt. An dem Tag hatte ich nämlich Geburtstag und es war das Jahr in dem ich nach Schweden gegangen bin, also 2008.

Update 2: … und ich hatte einen Schokokuchen dabei, auf den ich mit Puderzucker ein „Biohazard“-Zeichen schabloniert hatte. (An was für Zeug ich mich erinnern kann, ne?)

Tag 590 – 2 Blogstöckchen.

Es ist mal wieder an der Zeit ein paar Blogstöckchen abzuarbeiten. Eins liegt hier schon so lange rum, dass es schon fast peinlich ist, das andere ist noch fast frisch. Vielen Dank jedenfalls für die Nominierung, ich fühle mich sehr geehrt! Und dann beantworte ich mal hier die Fragen von beiden, first come, first served: Impressions of Life!

1) Wie würdest Du deinen Blog in 3 Wörtern beschreiben?

Tagebuch, sonst nix.

2) Beschreibe Dich selber, deine Persönlichkeit, wer bist Du?

Ich bin wohl durch und durch Ostwestfälin. Unter neuen Menschen vorsichtig, still bis abweisend (das meine ich nicht so, aber so kommt es rüber), komme nicht besonders schnell mit Menschen in Kontakt, aber wenn dann richtig. Mein Humor ist sarkastisch bis zynisch. Und obwohl ich seltenst Menschen wirklich an mich heran lasse, brauche ich zwischenmenschliche Kontakte wie ein Kaktus in der Wüste das Wasser… Des Weiteren neige ich dazu, zu viel über Dinge nachzudenken, statt sie einfach zu machen und zu viel in mich hereinzufressen, statt es herauszulassen. Wenn ich dann aber mal platze, dann bin ich das HB-Männchen.

3) Zivilcourage, einfach nur ein Wort oder ein Handeln für Andere oder zeigst du sie auch?

Puh. Ich versuche es. Oft gerät man ja nicht in solche Situationen und meistens waren es bisher eher so Situationen, in denen Menschen einfach hilflos und alleine waren (Herr Rabe und ich fanden zum Beispiel mal einen betrunkenen Jugendlichen halb komatös auf den Stufen einer Apotheke), da schaffe ich es sehr viel eher, Hilfe zu organisieren, als wenn ich mit Gewalt konfrontiert werde. Da wünsche ich mir, dass ich mehr Eier zeigen kann und nicht vor Schreck erstarre.

4) Familienstand jetzt und für die Zukunft?

Verheiratet, 2 Kinder. Ersteres bleibt hoffentlich so, im Moment kann ich mir auch keine weiteren Kinder vorstellen, aber sowas ändert sich ja manchmal noch.

5) Du hast im Lotto gewonnen. Jackpot 25 Millionen. Was würdest Du tun?

Puh. Die Kredite meiner Lieben abbezahlen. Für meine Schwiegermutter die Unterbringung auf Lebenszeit sichern, eventuell auch für meine Großeltern, da sieht es immer düsterer aus mit dem „alleine wohnen“. Dann für die Kinder, Herrn Rabe und mich jeweils genug Geld anlegen, damit keiner von uns jemals arbeiten muss, wenn er nicht will. Ein Haus kaufen, das (abgesehen von drei Schlafzimmern) mindestens ein Näh-/Hobbyzimmer und ein Gästezimmer mit eigenem Bad hat. Ein Gebrauchsauto (Tesla Model 3 wäre schön) und ein Quatschauto (mit luftgekühltem Motor, wegen des Geräuschs) kaufen. Eine riesige Party zu meinem 33. Geburtstag feiern und alle einfliegen, die sonst nicht kommen könnten. Vom Rest die Hälfte spenden und die andere Hälfte anlegen.

6) Du könntest deinem Ich in der Vergangenheit einen Brief schreiben, den er/sie auch erhält. Würdest Du es tun und deine Gegenwart somit vielleicht verändern?

Ja, aber nicht weil ich etwas ändern möchte, sondern um meinem früheren Ich (und da gab es einige Gelegenheiten) zu sagen: Es fühlt sich gerade nicht so an, aber es wird besser.

7) Welche 5 Dinge würdest Du noch tun wollen, wenn Du nur noch 1 Jahr Zeit hättest auf Erden?

Irgendeine Psychodroge nehmen, die mich sofort vergessen lässt, dass ich nur noch ein Jahr zu leben habe. Die Vorstellung, meine Liebsten in einem Jahr zurücklassen zu müssen, schnürt mir schon so einfach die Kehle zu.

8) Was magst Du gar nicht an deinem im Umfeld lebenden Menschen?

Die Vorliebe für Knäckebrot, Gurken, Möhren und alles, was sonst noch laute Essgeräusche macht.

9) Lieblingsessen mit Rezept (falls vorhanden)?

Apfelpfannkuchen:

pro Person ein Ei in eine Schüssel schlagen. Abwechselnd Mehl und Milch dazugeben, bis man eine ausreichende Menge dicklichen Pfannkuchenteig hat. Pro vier Personen einen gestrichenen Teelöffel Backpulver, eine Handvoll Zucker und eine Prise Salz dazugeben. Etwas quellen lassen und in der Zeit ca. einen säuerlichen Apfel pro Person schälen und entkernen, eventuell in Scheiben schneiden. Die Konsistenz des Teigs nochmal prüfen, dann jeweils eine Suppenkelle voll Teig in (viel) heißes Öl geben, Apfelscheiben drauf verteilen, etwas Teig oben drüber (damit die Apfelscheiben fixiert werden). Wenns am Rand braun wird, wenden. Wenn fertig, auf einem Teller stapeln. Mit Zimtzucker essen.

10) Glaubst Du an die wahre Liebe?

Klar!

11) Was oder Wer hatte Dich damals schwer beeindruckt, als Du mit deinem Blog angefangen hast?

Frau Novemberregen und Frau Brüllen.

___

Die zweiten elf Fragen sind von Tante Emma:

1) Warum hast Du mit dem Bloggen angefangen?

Weil mein 2. Baby (Pippi) so klein war und ich immer nur dachte: Ach mensch, das war bei Michel bestimmt auch so ähnlich oder auch ganz anders, du hast das alles vergessen, du solltest echt Tagebuch schreiben. Und dann hatte Frau Novemberregen so eine Aktion, da hat sie gewettet, wer es schafft, täglich zu Bloggen. Ich hab nicht gewettet, sonden einfach so mitgemacht. Und bin hängen geblieben.

2) Was fällt Dir beim Bloggen am Schwersten?

Dasselbe, was mir auch im echten Leben manchmal schwer fällt: den Fokus vom Negativen wegzubekommen.

3) Was magst Du besonders an Dir?

Hähä. Je älter ich werde, desto mehr mag ich mich äußerlich. Da habe ich jedenfalls keine größeren Baustellen mehr (klar, die Haut könnte klarer sein und die Augen etwas weniger rot und ganz so müde müsste ich auch nicht aussehen… aber eben nix größeres wie „Meine Nase geht gar nicht!“, „Ich bin zu dickdünnmuskulös!“, „Meine Beine sind furchtbar!“ oder „Ach du scheiße, Cellulite!“). Innerlich mag ich meinen Humor und mein Durchhaltevermögen.

4) Was vermisst Du in Deinem Leben?

Meine Freunde. Also die aus Deutschland, weil sie so weit weg wohnen.

5) Welche Entscheidung würdest Du gerne korrigieren?

Hätte, hätte, Fahrradkette. Je ne regrette rien. (*bitte accents nach gusto platzieren*) Wenn ich unbedingt was aussuchen muss: ich würde meinem Schülerinnen- und frühen Studentinnen-Ich gern mitteilen, dass ich, egal was die Lehrpersonen sagen, weder in Sprachen noch in organischer Chemie schlecht bin. Aber ist das anzunehmen, was einem von „Autoritätspersonen“ gesagt wird, eine echte Entscheidung?

6) Was würdest Du immer wieder genauso machen?

Das allermeiste. Vor allem würde ich immer wieder mit meinen Freunden tanzen gehen, dann mit dem einen versumpfen, dann ein paar Tage ganz verwirrt sein, dann einen USB-Stick abholen und plötzlich gar nicht mehr verwirrt sein.

7) Wem schuldest Du Dank?

Hmm. Ich glaube keinem. Aber dankbar bin ich vielen. Im Danke sagen bin ich aber auch gar nicht mal so schlecht, deshalb bin ich da (soweit ich weiß) nie ein Danke schuldig geblieben.

8) Woraus ziehst Du die meiste Kraft?

Achtung, totaler Kitschalarm: dem Lachen, dem nächtlichen Schnaufen und den Umarmungen meiner Kinder.

9) Wo machst Du am liebsten Urlaub?

Irgendwo wo es nicht zu warm ist, aber warm genug um am Strand unterm Sonnenschirm nicht zu frieren. Ich würde so gerne noch mal im Frühjahr nach Korfu.

10) Was ist eine typische Marotte von Dir?

Marotten? Ich? *richtet mobile Ballettstange im 90-Grad-Winkel zum Parkett aus*

11) Bier oder Sekt?

Bier. Von Sekt kriege ich sehr schnell Kopfschmerzen und eigentlich mag ich den auch gar nicht so. Aber ein schönes, kühles Pils, vom Fass und mit einer ordentlichen Krone (so wie es das hier nicht gibt), das ist doch was feines.

___

So, fehlen noch neue Fragen und eigentlich auch Nominierungen. Aber mit dem Nominieren tue ich mich ja schon fast immer ziemlich schwer. Also denke ich mir einfach elf Fragen aus und wer Lust hat, macht eben mit. Sie können sich dann ja bei mir melden, dann verlinke ich die Beiträge auch. Da will ich mal nicht so sein.

  1. Wann warst du das letzte Mal richtig großzügig?
  2. Wann hast du das letzte Mal einem Menschen richtig die Meinung gegeigt?
  3. …und wann ein überlegtes, konstruktives Feedack gegeben?
  4. Hast du einen Essensplan?
  5. Hast du schon mal eine Diät gemacht?
  6. Hat’s funktioniert?
  7. Falls du dich schminkst: warum?
  8. Welches Buch sollte jeder Mensch deiner Meinung nach gelesen haben?
  9. Hast du schon mal was ausgeplaudert, was eigentlich ein Geheimnis bleiben sollte?
  10. Wenn du einen Tag lang eine andere Person (lebend/tot) sein könntest, welche wäre das?
  11. Wenn du den Rest des Lebens eine andere Person sein müsstest, welche wäre das dann?

Tag 589 nachgetragen – Das Kleinkind! Der Jetlag! Hurz!

Weshalb ich gestern nichts schrieb, ist prinzipiell sehr schnell erklärt: ich bin mit Pippi im Bett eingeschlafen. Sonst habe ich ja dann gerne mal nachts noch eben sowas geschrieben, gestern eben nicht, ich wollte nämlich einfach nur eins: bis zum Morgen weiterschlafen. (Und dann um fünf ausgeruht aufstehen und hier schreiben, was ich für ein Genie bin und dass ich endlich den Jetlag besiegt habe.)

Um zehn war Pippi wach. Herr Rabe war aber auch noch wach und holte sie zum Banane essen ab. Sie aß eine komplette Banane. Dann brachte Herr Rabe sie wieder und sie schlief recht fix wieder ein. 

Um halb zwölf kam Herr Rabe ins Bett, Pippi rödelte daraufhin im Bett herum und beschwerte sich. Ich glaube, sie konnte sich so spontan nicht entscheiden, mit wem sie lieber wrestlen kuscheln wollte. Nach ca. 15 Minuten schlief sie wieder ein. Ich brauchte für dieselbe Tätigkeit ca. 30 Minuten. 

Um eins war Pippi wieder wach. Richtig wach, mit Treten und Brüllen und allgemein schlechter Laune wegen

  1. Hunger (ja, echt, schon wieder!)
  2. Durst
  3. Der Schlafanzug hat Füße (hier Weltuntergangsankündigungsmusik* vorstellen)

Also aß sie noch eine halbe Banane, trank einen halben Becher Wasser und wir zogen ihr mitten in der Nacht den Schlafanzug aus und einen Body an. Inzwischen war es halb zwei, aber Pippi schlief recht schnell wieder ein.

Ich hingegen war dann erstmal wach. Richtig „Ich könnte jetzt aufstehen und den Tag starten“-wach. Bis drei. Oder jedenfalls so ungefähr, ich gucke nachts fast nicht auf die Uhr, das stresst ja doch nur, zu wissen, wie wenig Schlaf noch bis zum Weckerklingeln bleibt. Ich lag also im Bett und dachte so vor mich hin, keine schlimmen Grübeleien, eher so Alltagskram:

  • Würde es Sinn machen, aufzustehen? Ich könnte dann die Wäsche aufhängen. Und die Schnecken einsprühen, Herr Rabe hat das bestimmt vergessen. Hmm, lieber nicht noch den Kreislauf ankurbeln.
  • Ich könnte auch jetzt den Blogeintrag schreiben. Hinterher machen sich Leute Sorgen, wenn ich nicht schreibe! Hmm, lieber nicht, das Displaylicht würde mich bestimmt auch noch wacher machen. Obwohl, es ist ja nachtgedämpft. Ach nee, besser nicht.
  • Ich könnte lesen. Ach nee, mein Buch liegt irgendwo, nicht hier, weil ich das beim Schwimmen mithatte.
  • Schlafmittel? Nee, dann komme ich morgen vor Mittag gar nicht raus.
  • OK, Autogenes Training. Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein rechter Arm ist
  • Ich könnte vielleicht tRNA als internen Standard nehmen. Oder gleich als Oligo-Ersatz.
  • Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein
  • Ahhhh, nee, dann würde ja an allen Us… Obwohl, nee, UNG wirkt nicht an RNA. Oder? 
  • Mein rechter
  • Wenn ich kompetitiv vom Antikörper eluiere, kann ich dann nachher noch Nukleoside quantifizieren? Hmm. Sind einzelne Nukleoside in dem Fällungszeug löslich? Bestimmt. 
  • Mein rechter Arm ist
  • Ooooder ich mache das dann über die Säulchen, muss ich ja eh. Ja. Das klappt.

Sie haben ein Bild. Natürlich war es mir dann um fünf Uhr gänzlich unmöglich, aufzustehen. Um sechs beschloss ich, es einfach zu lassen mit dem Aufstehen. Um sieben war Pippi wach und sang und wurde dann von Herrn Rabe abgeholt. Michel war auf Nachfrage noch nicht wach, sondern „sliten“ (kaputt) und kuschelte sich an. Um halb acht weckte Herr Rabe uns mit den Worten „Es schneit!“. 

Um halb neun hatte ich die Kinder (alles, vor allem den Schnee, abgrundtief hassend) mit dem Schlitten in den Kindergarten gezerrt, stellte fest, dass ich meine Kopfhörer vergessen hatte, ging wieder nach Hause und machte mir einen Kaffee. Hängte die Wäsche auf und sprühte die Schnecken ein. Packte meine Ballettsachen. Und dann fuhr ich, halbwegs besänftigt und nicht mehr ganz so hasserfüllt mit dem Bus zur Arbeit. 

Das mit dem Jetlag könnte dann bitte auch mal langsam ausgestanden sein. Und Pippis Schlechtschlafphase auch. Bittebitte.
___

* ich bin mir ganz sicher, dass es da für den Fall der Fälle eines sich kurzfristig ankündigenden, direkt bevorstehenden Weltuntergangs á la Independence Day zu diesem Zweck von Hans Zimmer vorkomponierte Musik gibt, die dann über Lautsprecher weltweit abgespielt wird. 

Tag 587 – I will survive.

Tatsächlich ging es den ganzen Tag halbwegs gut mit der Müdigkeit, jedenfalls mit zwei großen Kaffee zwischendurch. Aber seit dem Pippi-ins-Bett-bringen geht nix mehr, erst schlief ich mit ein, dann wurde ich wach, jetzt habe ich Kopfschmerzen und mir ist warm und schlafen kann ich auch nicht mehr. 

Blöde Schwimmkursdinge sind blöd. 

Wir haben eine Lösung gefunden, die hoffentlich allen gerecht wird: Michel wird den Schwimmkurs wiederholen, aber mit seinem besten Kumpel zusammen. Der hatte nämlich das gleiche Problem: die Lehrer*Innen sehen ihn nicht, obwohl er alles anfangs top mitmachte, er bekam nie eine positive Rückmeldung. Jetzt lässt ers halt, das Mitmachen. Und kriegt eine „schlechte Bewertung“ (eigentlich ist es nur eine Empfehlung, aber die koppeln sie an das Vortrittsrecht und die Kurse sind alle voll, wenn man das nicht hat…). Bei Michel lautete die „Ist sehr vorsichtig und weicht daher Übungen aus. Muss sich erst sicherer im Wasser fühlen.“. Wir reden hier von einem Kurs, dessen Ziel es war, den Kindern „Treiben“ beizubringen. Das machten sie in der, wenn ich mich recht erinnere, dritten oder vierten Stunde. Michel, und alle anderen auch, trieben. Sie hüpfen auch durch Ringe. Hüpfen vom Beckenrand ins tiefe Becken. Michel liebt tauchen und holt alles vom Beckenboden hoch. Aber die Lehrerin sieht in Michels Fall nur, dass er herumhampelt, wenn sie sich länger mit einem anderen Kind beschäftigt (was sie wirklich oft tut). Sie bezieht ihn aber auch einfach nicht mit ein, in das was die Gruppe macht, sondern ignoriert ihn lässt ihn halt hampeln. Nach dem Herumhampeln kommt dann das Desinteresse. Kurz gesagt: die Schwimm-Kompetenz der Lehrer*Innen will ich in keinem Fall in Frage stellen, aber die pädagogische ist… ausbaufähig. Und das gedenke ich der Schwimmlehrerin auch so zu sagen. Möglichst sachlich und freundlich auch wenn die mein Baby beleidigt hat das ja wohl das großartigste Kind der Welt und zudem herausragend talentiert im Treiben ist. Auch die Mutter von Michels Kumpel will das ansprechen. Kostet ja auch nur 150€ so ein achtwöchiger Kurs, also Schwamm drüber. Puh. Ich hoffe eonfach, dass er ganz bald schwimmen lernt (noch drei mal 150€…) und wir die Schwimmkurssache dann abhaken können. Ich grummel immernoch sehr darüber, dass man überhaupt 4-Jährige durch 17-Jährige bewerten lässt. Aber ich sehe auch, dass er unaufmerksam wird, wenn er nicht genug Beachtung bekommt und das kann er dann ja mit seinem Kumpel zusammen üben (und sich gegenseitig Beachtung geben und zu zweit um die Gunst Aufmerksamkeit der Lehrer*Innen buhlen), das hoffen wir Erwachsenen jedenfalls. 

Tag 586 – Sonntag: war. 

Schlecht geschlafen, früh aufgestanden, eine schöne Stunde mit Pippi gehabt, gefrühstückt. Danach war der Akku komplett leer und ich schlief mitten im schlimmsten Geschwistergezänk einfach ein. Herr Rabe war etwas angepisst von meiner, ähhhh, Unpässlichkeit. Verständlich, war er doch eine komplette Woche mit den Rübennasen alleine und hatte auf etwas Zeit für sich gehofft. Nach dem Mittag kippte mein Akkustand und abends war ich dann topfit. Supi. Nix mit früh ins Bett. Dann total super Idee: meine Mutter anrufen, um Ostern abzuklären. Ich sags mal so: gut, dass Herr Rabe vorsorglich schon mal Schnaps Whiskey/Whisky organisiert hatte. 

Jetzt liege ich im Bett und morgen früh um fünf* klingelt der Wecker und ich hoffe der Whiskey wirkt und katapultiert mich gleich in den Tiefschlaf. Falls nicht gibt’s morgen erst viel Kaffee und am Abend eine original amerikanische OTC-Schlaftablette. 

* ja, eine Stunde eher als sonst. Nächstes Wochenende ist nämlich Zeitumstellung, da mach ich’s doch lieber jetzt einmal richtig und bin dann damit durch. 

Tag 585 – Wieder zu Hause. 

Es war eine lange Tour mit dezenter Tor- in Oslo. Zu Hause musste ich dann erst mal gründlich ausmisten und umräumen um Platz für meine Neuankömmlinge zu schaffen. Und natürlich die Kinder sehr viel knuddeln und lieb haben und jetzt werde ich hoffentlich einfach ganz schnell und gut einschlafen. Müde genug bin ich auf jeden Fall. 

Vor nem Dreiviertel Jahr noch besaß ich genau 3 Nagellacke. Und einen Unterlack und Schnelltrockentropfen.

Tag 584 – Tag der verrückten Fahrzeuge. 

Erst der Shuttle-Service, bei dem ich ein Upgrade gewann. 


Ich wusste von nix, ehrlich, das Ding fuhr vor und ich witzelte noch rum, dass das bestimmt für mich sei… und dann fragte der Fahrer nach mir. Zeitgleich quetschten sich 4 Schweden in ein normal großes Auto, ich hab ihnen angeboten, bei mir mitzufahren, aber Nö, lieber nicht. Die spinnt ja bestimmt, die deutsche Norwegerin. 


Und dann kamen wir so gut durch den Verkehr, dass ich viel zu früh am Flughafen war. Ich hab also mein Gepäck auf und orderte mir dann ein Uber, um der berühmten Burger-Kette noch eine Chance zu geben (diesmal mit Animal-Style und naja, war gut, aber nicht der beste Burger aller Zeiten…). Das Uber war Donna, ca. 70, sieht aus wie Whoopie Goldberg, hat den Habitus einer liebevollen Oma und ein Auto mit Wimpern. 


Und jetzt dann halt: 

Nicht ganz so groß wie auf dem Hinflug. Und die Schweden sind auch hier, gehen mir aber aus dem Weg, warum wohl?