Tag 267 – Gute Zeiten, nicht ganz so gute Zeiten

Was gut ist: frische Luft am Morgen. Macht wach und froh. 

Was nicht so gut ist: ich bin zu unfit, um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und danach in den 5. Stock hochzulaufen ohne im 4. Stock fast zu krepieren (und dabei von meinem super fitten Chef erwischt und überholt zu werden. Ey, der ist fast 60!!!). 

Was gut ist: meine zwei „großen“ Pipetten sind jetzt justiert. Und wieder innerhalb der Hersteller-Spec.

Was nicht so gut ist: das hat drei Stunden gedauert und war Ultra nervig und die „kleine“ Pipette kann ich wegen unzureichender Waagenauflösung leider nicht justieren. Hrmpf. 

Was gut ist: meine Zellen leben noch. 

Was nicht so gut ist: im falschen Medium (nicht meine Schuld, sondern die von Mr. I trust you).

Was gut ist: jetzt sind sie im richtigen Medium.

Was nicht so gut ist: möglicherweise überleben sie das nicht so gut, vermutlich sind sie auch etwas gestresst jetzt und das ist nicht gut für die Experimente.

Was gut ist: Pippi kommt ausgesprochen gut mit Herrn Rabe klar. Heute haben sie mich bei der Arbeit besucht und wir haben Kaffee in der Sonne getrunken. Das hat Pippi aber verschlafen. 

Soooooonne!


Was nicht so gut ist: sobald ich nach Hause komme, klebt sie sich wie mit Superkleber eingeschmiert an mich. Ich kann nicht mal aufs Klo ohne ein heulendes Baby an meinem Bein. Da waren wir schon mal weiter. Ich kanns ja auch verstehen, aber nerven tuts trotzdem. 

Was gut ist: ich habe mir einen (schweineteuren) Still-BH gekauft MIT BÜGELN (in your face, norwegische Still-BH-Industrie!) und er sitzt bombig. 

Was nicht so gut ist: „nude“ ist keine Farbe.

Wozu mit kein „was gut ist“ einfällt und was einfach total für’n Eimer ist: ich vertrage irgendwas nicht. Irgendwas macht mir ab dem frühen Nachmittag Bauchschmerzen und kurz drauf muss ich immer an die Frauen aus der Activia-Werbung denken, die in pastellfarbenen Blusen in sehr weißen Küchen und Wohnzimmern ihren ebenfalls in Pastelltönen gekleideten Freundinnen, Müttern und Töchtern schamvoll offenbaren: „Ich fühle mich so aufgebläht!“. Das zieht sich dann bis in die Nacht. Erst dachte ich an den Frühstücks-Joghurt, aber der ist es nicht. Dann dachte ich an die Eisentabletten, aber die sind es auch nicht. Bleibt: Müsli oder ein Bestandteil davon (unwahrscheinlich, leider) oder (und das wäre für mich wirklich schlimm) Vollkornbrot. 

Tag 266 – I trust you.

So, zwei Tage Arbeit liegen jetzt hinter mir. Puh. Ich bin ehrlich gesagt ganz schön geschafft, dabei habe ich sogar noch kurze Tage, weil mir wegen des Stillens noch extra Pausen zustehen, die ich alle am Ende der Arbeitszeit nehme, um früher zu Hause zu sein. Dann kommt da noch zu, dass wir im öffentlichen Dienst seit dem 1. Mai Sommerarbeitszeit haben, die eh schon kürzer ist… es könnte alles sehr viel schlimmer sein. Trotzdem war es einfach die letzten zwei Tage etwas aufregend.

Erstmal fühlte ich mich komplett fehl am Platz. Trotz Make-up und sauberen Klamotten kam ich mir vor wie eine Mutti, die sich irgendwie eingeschlichen hat in dieses Gebäude namens Labcenter. Und die jetzt so tut, als wäre sie da ganz heimisch, um dann heimlich, ja was eigentlich? Zu putzen? Naja, Mutti-Dinge zu tun eben. Dass der Montag mit einem Arbeitsgruppenmeeting beginnt, bei dem dieses Mal ein Video gezeigt wurde, wie einer Ratte Botox in den Magennerv injiziert wird („it also contains a dye so that we can see where it goes“), machte es auch nicht weniger absurd.

Weil meine Proben seit nunmehr 11 (!!!1ELF!!!) Monaten unanalysiert im Gefrierfach liegen und ich keinen Bock auf Langeweile habe, ging ich nach dem Meeting ziemlich direkt ins Büro meines Chefs. Der hatte eh schon meine Ankunft erwartet, um mir was aufs Auge zu drücken. Er sagte „This could be a nice plan B for you.“ woraus ich schließe, dass er mittlerweile doch auch gemerkt hat, dass mein eigentliches Projekt („Finde die Struktur eines strukturlosen, wobbeligen, instabilen Proteins“) wenn nicht tot ist so doch mindestens im Wachkoma liegt. Dafür hat ein Ex-Kollege beim Suchen nach was anderem was total interessantes gefunden. Das absolut gar nichts mit meinem Projekt zu tun hat. Aber interessant ist es. Auch nicht so abgegrast wie DNA-Reparatur. Für die die es interessiert: Ich darf mich jetzt in das Thema mRNA editing (chemisches/enzymatisches/inhärentes) einarbeiten. Wheeee. Ich bekam auch sogleich das Manuskript eines Papiers des Ex-Kollegen in die Hand gedrückt, die Abbildungen und Tabellen zugeschickt und den Auftrag, mich da erstmal durchzuarbeiten.

Damit war ich dann heute Mittag fertig. Und rannte auf dem Flur auf dem Weg zum Mittagessen meinem Zell-Spezialisten-Kollegen über den Weg. Der macht quasi alle Knock-out-Zellen für uns alle, plus tausend andere Sachen und wenn einer die unbefristete Anstellung als Wissenschaftler verdient, dann er. Egal, jedenfalls rief er mir im Vorbeirennen zu, ich solle doch heute direkt die Zellen auftauen. Also, wenn ich Zeit hätte. Ich rief zurück, ich hätte Zeit, aber am Wochenende sei ich weg und könne mich nicht um die Zellen kümmern. Er meinte, das sei kein Problem, er übernehme die. Medium sei im Kühlschrank. Und die Zellen? Die seien im Stickstofftank, „just search in the datasheet and take them. I trust you.“ .

Huuuuiiii, und das am zweiten Tag Arbeit, noch mit halbem Baby-brain. Scheinbar haben alle Angst, dass uns wer auf dem Gebiet zuvorkommt (ist schon zweimal passiert in dem Projekt) und das muss jetzt alles total schnell gehen. Hast du schon mal polyA-RNA extrahiert? Nee, Chef, aber ist das nicht genauso wie diese DNA-beads? Dann kann ich das. Ok, dann leg heute noch los.

Und so taute ich dann Zellen auf. Ich war total auch nur ein klitzekleines bisschen nervös, es zu verkacken. Bei drei Stickstofftanks á 6 Türmen á 10 Boxen dauerte es ein bisschen, bis ich „tank 3, Box 5.10“ gefunden hatte, aber das war eigentlich auch schon fast der schwerste Teil der Aufgabe. Dann reinigte ich meine Pipetten super gründlich, um möglichst wenig aus dem anderen Projekt in das neue zu übertragen und stellte sie zum Autoklavieren hin.

Huuuuhhhh, es ist alles so aufregend!

(Morgen sehe ich dann, ob die Zellen gut anwachsen, teste die Pipetten und ob ich die noch justieren muss, lese irgendwelche Dinge über die Grundlagen von RNA base editing und RNA binding proteins und ab Mittag tun mir wieder die Brüste weh. Es wird ein Spaß!)

Trivia: M. ist schwanger, Bürokollege M. ist weiterhin verschollen, A. und M. sind im Mutterschutz, S. in Elternzeit. Beide Forscherlinie-Studenten (die machen eigentlich einen MD, aber mit verkürztem PhD obendrauf, um dann medizinische oder pharmazeutische Forschung zu machen später) sind jetzt im praktischen Jahr und weg.

Tag 264 – Es ist wirklich schrecklich

Ich muss morgen wieder arbeiten. Ich dachte vor ca. einem Jahr, dass das kein Problem für mich sein würde, dass ich mich sicher sogar auf die Arbeit freuen würde, wenn das Baby 9 Monate alt ist. Das war ganz falsch und ich freue mich gar nicht. Mein Baby. Das ist doch noch so klein! Grade mal einen Zahn hat es, wenn man das, was heute im Laufe des Tages zum Vorschein gekommen ist, schon Zahn nennen will. Und überhaupt, so klein! Ich habe meine Gefühle diesbezüglich überhaupt nicht im Griff. Es ist schrecklich. Ich will nicht da hin, ich will bei meinem kleinen Baby bleiben!  Ich kann nicht mal vernünftig da drüber schreiben, alles ist bloß Emotion und Wäh und Widerstand. Jetzt in diesem Moment versuche ich die Emotionen mit Kakao mit Schüsschen glattzubügeln, damit ich wenigstens schlafen kann. 

Gestern buk ich Muffins zur Ablenkung, und da ich heute hörte, dass meine liebe Freundin C. Schwangerschaftsdiabetes hat und keinen Zucker mehr essen darf, schreibe ich hier mal das Rezept auf. Die sind nämlich eigentlich für Pippi gewesen*, deshalb ohne (zugesetzten) Zucker. Pippi mag sie nicht, aber Herr Rabe und ich finden sie sehr lecker!

Muffins mit Haferlocken und Banane (6-8 Stück)

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen**

  • Eine (kleine) Tasse Vollkorn-Weizenmehl,
  • Eine halbe Tasse Haferflocken
  • Ein halber Teelöffel Zimt
  • Ein Teelöffel Backpulver
  • Ein halber Teelöffel Natron

Das zusammenmischen. 

  • Ein kleines Ei (für doppelte Menge stand da*** 1-2)
  • Einen Schluck Öl (1/16 Tasse, wenn Sies genau wissen wollen)
  • Eine Prise Salz
  • Eine durchgemanschte, reife Banane
  • Eine halbe Tasse Milch

Das auch zusammenmischen (die Banane soll richtig schön klein werden) und dann in die Mehlmischung rühren. Eventuell mit Milch auf eine passable Konsistenz verdünnen. Muffinblech mit Förmchen ausstatten, Teig rein (Achtung, geht gut auf, nicht allzu voll machen!), 20 Minuten backen, fertig. 

Natürlich nicht wirklich zuckerfrei, die Banane bringt ja schon einiges an Zucker mit. Aber nah dran. 

*falls Sie jetzt schreien wollen, dass Babys keinen Zimt/kein Vollkorn/keine Milch dürfen: andere Länder, andere Sitten (Zimt), mein Kind, meine Regeln (Vollkorn, Milch), gell?

**wie ich das immer hasse, wenn dann da steht „im auf 220 Grad vorgeheizten Backofen backen“

***ist ein altes Rezept, das ich mal von meinem Opa bekommen hab. Wo das her ist, fragen Sie mich nicht. Tippe auf Dr. Oetker.

Tag 263 – Testosterooooooon

James Bond ist ja so was von behämmert. Ein einziges (entschuldigen Sie den vulgären Ausdruck) Schwanzgewedel. Früher fand ich das mal gut. Was ist bloß seitdem passiert? Bin ich etwa (ach du Schreck!) erwachsen geworden? 

Mit Michel zwei Stunden alleine einkaufen gewesen. War richtig schön. Ich möchte mehr Zeit mit Michel alleine. Einkaufen gehen können wir aber nicht jedes mal, das wird zu teuer. Hab ihm neue Schuhe und Gummistiefel gekauft. Geld für diesen Monat jetzt punktgenau alle. (Michel durfte das Design wählen. Die Gummistiefel sind rot, die Schuhe rosa-lila. Er ist so stolz und ich muss mir noch abgewöhnen, immer im Hinterkopf zu befürchten, er könnte im Kindergarten irgendwas von „Mädchenfarbe“ zu hören kriegen.)

Währenddessen haben Herr Rabe und Pippi Mittagsschlaf gemacht. Sie schlief ganz friedlich neben ihm im Bett ein und mir fallen sehr viele Steine vom Herzen ob dieser Entwicklung. Wir haben auch etwas geübt und sie kommt 6-7 Stunden ohne Stillen aus. Nur der Zeitraum muss noch etwas verschoben werden. Oder ich arbeite halt von 11:30 – 18:00 Uhr. 

Osloplanung steht, Woohooo. Donnerstag los, Samstag zurück. Und das beste ist: es gibt zwei Babys anzugucken, denn Bekannte von mir haben gestern eines bekommen. Hachz! (Memo an mich: Kondome einpacken.)

Pippis erster Zahn raubt uns allen den letzten Nerv. Wenn das jetzt bei jedem von 20 Milchzähnen so geht, dann, ähh, weiß ich auch nicht. Aber das wäre ziemlich schlimm. 

Tag 262 – Handysucht und ihre Folgen

Auch heute wieder kein länger Urlaubsbericht. Ich habe ihn sogar angefangen, aber dann hat Herr Rabe die Simpsons angemacht und Zack waren zwei Stunden rum. Das ist ein schönes Ende für einen Tag, der kolossal kacke anfing.

Die Nacht war schon mehr als bescheiden. Weinendes Baby um 11, um halb eins, halb drei, fünf und sechs Uhr. Zähne, Rotznase, zu warm, wasweißich. Hose voll. Keine Ahnung. Jedenfalls kann man sich meine (eigentlich unser aller) Laune heute morgen ausmalen. Michel zum Kindergarten gebracht, ging halbwegs. Zum Arzt gefahren. Nachdem ich beim letzten Mal wegen der Blutprobe ne viertel Stunde im Wartezimmer gehockt hatte und niemand kam, ich dann irgendwann zur Anmeldung ging und fragte und mir anhören durfte „Ach, Sie kommen nur fürs Labor, ja da müssen Sie durchgehen in den Flur!“ ging ich dieses Mal direkt in den Flur. Die Krankenpflegerin steckte auch gleich den Kopf aus der Labortür: „Wollen Sie zu mir?*“ – „Ja.“ – „Dann kommen Sie mal rein.“

Die Frau nahm mir Blut ab, es tat sehr weh, hörte danach ewig nicht auf zu bluten und ist jetzt sehr blau. Ich dachte noch so bei mir „höh? Drei Röhrchen? Eins für die Hormone (Blut), eins für Antikörper (Serum), und wofür das dritte?“ Da war sie auch schon fertig und ich draußen. Ich ging zum Automaten, gab mein Geburtsdatum ein und hörte, die Rechnung sei noch nicht fertig. Das gleiche nach 2 und auch nach 5 Minuten. Ich ging zur Anmeldung und schilderte mein Problem. 

„Geburtsdatum?“ – „Blabla.“ – „Ahhh, Frau Rabe, Ihr Handy liegt im Kindergarten!“ – „???“

Zweite Arzhelferin (die mir das Blut abgenommen hat): „Waren Sie denn auch beim Arzt?“ – „Nö, nur Blutabnahme.“ – „Ahhhh, Sie sind nicht Guri! Ich habe doch Guri aufgerufen!“ – „???“

Erste Arthelferin: „Ihr Handy liegt im Kindergarten. Ihr Mann hat angerufen.“ 

Zweite Arzthelferin: „Naja, Blut haben wir ja genug, ich drucke nur schnell ein neues Schema aus.“ Sprachs und verschwand. 

Erste Arzthelferin: „Wenn Sie nur zum Labor wollen, müssen Sie trotzdem im Wartezimmer warten. Ihr Rechnung ist jetzt fertig.“

Ich: „????????“

Sie: „Ihre Rechnung ist jetzt fertig. Und ihr Handy liegt im Kindergarten.“

Nach diesem etwas aufreibenden Gespräch fuhr ich also wieder zum Kindergarten, mein Habdy abholen. Es gab nur noch den einen doofen Parplatz vor der Schule, der eigentlich keiner ist, sondern Gehweg. Aber da standen den ganzen Winter über Autos drauf, ist ja nur für kurz. Dachte ich so.  Im Kindergarten sah mich leider (Danke, M. für das „Michel sitzt DAAAAHAAAAA!!!“) Michel und fing an zu weinen. Ich sollte da bleiben. Er war untröstlich. Es dauerte gute zwanzig Minuten und ein angegucktes Buch, bis er mich gehen ließ.  Unter Protest, aber wenigstens ohne Weinen. 

Am Auto: ein Parkzettel über 50 (!!!) €

Meine Laune: bei minus zweihundert. 

Jetzt nicht mehr, Simosons sei dank. Und die neue Babysitterin ist auch nett. Das wird hoffentlich in Zukunft vieles wieder erleichtern. 

*natürlich spricht die nicht deutsch, die Dame sondern nahezu unverständlichen Dialekt. 

Tag 261 – The making of Wartepflanzen

Eigentlich wollte ich eine Zusammenfassung von unserem Urlaub schreiben. Aber jetzt ist es schon so spät und ich bin schon fast beim Stillen mit eingeschlafen und mein Handy hat in den pissgelb-Modus gewechselt (soll die Augen schonen durch geringeren Blauanteil, ich hab das mal von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr eingestellt. In zwei Monaten ist es hier zwar wieder durchgängig hell draußen, aber wenigstens das Handy schont dann meine Augen). Deshalb verschiebe ich das mal. 

Dafür kann ich berichten, dass 

  • Michel heute ohne Gemecker oder Weinen und mit Spaß und Hopsen in den Kindergarten gegangen ist
  • Wir ohne Meckern oder Diskussion unseren Kinderwagen repariert bekommen haben (ein Druckknopf war ab), sogar mit einem Lächeln und kostenlos
  • Herr Rabe einen freundlichen Tipp bekommen hat, wie er sein Ladekabel (an dem *hust* Pippi gelutscht hat) wieder hinbekommt
  • Michel echt so super Laufrad fährt, dass wir ihm bald ein richtiges Fahrrad „mit Padilen“ besorgen werden
  • Wir Blumenerde besorgt haben und viele viele Wartepflanzen* eingepflanzt haben und ich sogar die zwei Pflanzen umgetopft habe, die selbiges auch schon seit nem halben Jahr nötig hatten
  • Wir drölfzig Maschinen Wäsche gewaschen, getrocknet und GEFALTET UND VERRÄUMT haben (hier frenetischen Applaus einfügen)
  • Wir morgen eine potentielle neue Babysitterin kennen lernen werden

Jetzt ab ins Bett.
*Minigurken (Michels), Bielefelder Siggi Stockrosen, Silbertaler, Basilikum und Chili (Herr Rabe ist ambitioniert)

Tag 260 – Puuuuuhhhhhh

Ich fühl mich ein bisschen wie Michels Lighning McQueen-Ballon, aus dem wir für die Reise das Gas ablassen mussten. Zu schlapp um mich ernsthaft über Ärgerlichkeiten aufzuregen („Nee, also den nächsten Termin kann ich Ihnen am 10. Mai anbieten.“  – „Ich brauche ja nur die Bescheinigung!“ – „Dann müssen Sie morgen ganz früh anrufen, wegen eines Notfalltermins, aber versprechen kann ich nichts.“) oder einen doofen Artikel, den ich heute las, zu verreißen (Tenor: „mach dies und das, dann wird dein Kind ein rundum guter Mensch“, da kann ich ja total gut drauf. Zumal es von einem Elter geschrieben ist, das ein(!) Kind hat, das bald schon ein(!) ganzes Jahr alt wird.) aber leider auch um einen guten Artikel aufzuarbeiten (Überraschung! Die sogenannten „Naturvölker“ machen auch nicht alles total natürlich, und das meiste auch nicht aus irgendwelchen irgendwie richtigeren Mutterinstinkten heraus, sondern weils praktisch ist und in den Alltag passt.). 

Der Wäscheberg ist auch hoch nach dem Urlaub, die Wohnung hatten wir ja nicht vorher zu putzen geschafft, der Kühlschrank fast komplett leer*, ich bin noch nicht so ganz angekommen hier… 

Michel schon, der hat sein komplettes (kein Witz) Spielzeug ausgebreitet und auf Vollständigkeit überprüft. Hurra, mehr Chaos. Morgen geht er kurz in den Kindergarten, damit wir putzen können. 

*jetzt nicht mehr, ich war Einkaufen. Wir testen jetzt mal den in Norwegen erhältlichen griechischen Joghurt. Morgen gibt’s Tzatziki. 

Tag 259 – Rückreise

Wir hängen am Kopenhagener Airport rum. Es könnte schlimmer sein (Athen zum Beispiel), es könnte aber auch besser sein und wir schon zu Hause und nicht sieben Stunden Stopover hier haben. 

Außerdem bin ich gnarzig weil Urlaub vorbei und Kopfschmerzen und Michel fordert im zehn-Sekunden-Takt unterschiedliche Dinge ein und schmeißt sich schreulend auf den Boden, wenn ers nicht (sofort) bekommt. Es ist anstrengend. 

Morgen wieder mehr.